Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop

e   Marlboro. Prosastücke, Postskriptum Hannover 1981   Die Verwirrung des Gemüts. Roman, List München 1983    Die blutige Trauer des Buchhalters Michael Dolfinger. Lamento/Roman, Herodot Göttingen 1986; Ausgabe Zweiter Hand: Dielmann 2000   Die Orgelpfeifen von Flandern, Novelle, Dielmann Frankfurtmain 1993, dtv München 2001   Wolpertinger oder Das Blau. Roman, Dielmann Frankfurtmain 1993, dtv München 2000   Eine Sizilische Reise, Fantastischer Bericht, Diemann Frankfurtmain 1995, dtv München 1997   Der Arndt-Komplex. Novellen, Rowohlt Reinbek b. Hamburg 1997   Thetis. Anderswelt. Fantastischer Roman, Rowohlt Reinbek b. Hamburg 1998 (Erster Band der Anderswelt-Trilogie)   In New York. Manhattan Roman, Schöffling Frankfurtmain 2000   Buenos Aires. Anderswelt. Kybernetischer Roman, Berlin Verlag Berlin 2001 (Zweiter Band der Anderswelt-Trilogie)   Inzest oder Die Entstehung der Welt. Der Anfang eines Romanes in Briefen, zus. mit Barbara Bongartz, Schreibheft Essen 2002   Meere. Roman, Marebuch Hamburg 2003 (Verbotene Fassung)   Die Illusion ist das Fleisch auf den Dingen. Poetische Features, Elfenbein Berlin 2004   Die Niedertracht der Musik. Dreizehn Erzählungen, tisch7 Köln 2005   Dem Nahsten Orient/Très Proche Orient. Liebesgedichte, deutsch und französisch, Dielmann Frankfurtmain 2007    Meere. Roman, Letzte Fassung. Gesamtabdruck bei Volltext, Wien 2007.

Meere. Roman, „Persische Fassung“, Dielmann Frankfurtmain 2007    Aeolia.Gesang. Gedichtzyklus, mit den Stromboli-Bildern von Harald R. Gratz. Limitierte Auflage ohne ISBN, Galerie Jesse Bielefeld 2008   Kybernetischer Realismus. Heidelberger Vorlesungen, Manutius Heidelberg 2008   Der Engel Ordnungen. Gedichte. Dielmann Frankfurtmain 2009   Selzers Singen. Phantastische Geschichten, Kulturmaschinen Berlin 2010   Azreds Buch. Geschichten und Fiktionen, Kulturmaschinen Berlin 2010   Das bleibende Thier. Bamberger Elegien, Elfenbein Verlag Berlin 2011   Die Fenster von Sainte Chapelle. Reiseerzählung, Kulturmaschinen Berlin 2011   Kleine Theorie des Literarischen Bloggens. ETKBooks Bern 2011   Schöne Literatur muß grausam sein. Aufsätze und Reden I, Kulturmaschinen Berlin 2012   Isabella Maria Vergana. Erzählung. Verlag Die Dschungel in der Kindle-Edition Berlin 2013   Der Gräfenberg-Club. Sonderausgabe. Literaturquickie Hamburg 2013   Argo.Anderswelt. Epischer Roman, Elfenbein Berlin 2013 (Dritter Band der Anderswelt-Trilogie)   James Joyce: Giacomo Joyce. Mit den Übertragungen von Helmut Schulze und Alban Nikolai Herbst, etkBooks Bern 2013    Alban Nikolai Herbst: Traumschiff. Roman. mare 2015.
________________________________


 

III, 299 - Erythropenie

Scheinbar bin ich nicht mehr fähig, rot zu werden. Denn seit ich im letzten Jahr in Utschland unterwegs war, war es unmöglich, mich mit meinem Reserve-Laptop, den ich auf der Reise dabei hatte, mit dem Internet zu verbinden. Die Verbindung war deaktiviert und ließ sich nicht aktivieren, egal, was ich versuchte. Und wie die Zeiten hier und bei mir nun mal sind (die Rede ist von Zeiträumen, die Monate dauern können), entschloß ich mich gestern, in der nachmittäglichen Hitze, die abermals durch den Wind erträglich gemacht wurde, abgesehen von dem einem Staubkörnchen im Auge, den Computerladen jenseits der öffentlichen Grünanlage vor dem Tor aufzusuchen.
Nach einer telefonischen Fachsimpelei des dortigen Experten (ein Gehilfe stand zwar auch herum, fiel aber nur wegen seiner gestylten Haar- und Barttracht auf: langer schwarzer Bart und aufgescheiteltes Kurzhaar mit einem aufwärtsstrebenden Haarsegel) durfte ich meinen Laptop aufklappen. Nach zwei Sekunden kippte der Experte einen Schalter auf der Vorderseite zu der Seite, die die WiFi-Verbindung freigab.
Er versprach mir, es niemandem zu sagen. Und ich bat ihn auch noch extra darum, es nicht zu tun.
So kam ich gestern immerhin auf über fünftausend Schritte und auf ein Eis, das erste in diesem Jahr, in der neuen dunklen Terence-Hill-Eisdiele Girotti. Das kleinste wollt’ ich (zwei Euro) und kriegte doch so ein Riesending von Pistacchio-Eis, das überhaupt nicht grün aussah, sondern eher ins Braune spielte.
Eine Entgegenkommende lächelte mein Lecken an, ich lächelte leckend zurück. Aber es war weniger lasziv, als es klingt. Es war schlicht und ergreifend nett. Wahrscheinlich dies mein Gesicht mit dem weißen Bart und dem mittlerweile etwas länger wallenden Haar im Wind, ein gewisses Laissez-faire. Manchmal mag ich mich.
Im Grunde war’s doch zuviel. Aber ich zwang es dann doch in mich hinein.
Spät am Abend zwitscherten jungen Menschen vor dem Hofeingang, hatten sich dort einfach niedergelassen, während die große Bärin ihre geometrische Figur bereits ausbreitete und dadurch nicht unähnlich wurde dem begegneten Lächeln, in dem immer eine unentgeltliche Gabe liegt. Und oben auf dem Gebäude gegenüber eine provisorische Bedachung (der Wäscheplatz, nach den Geräuschen zu urteilen, die tagsüber von dort herabklingen) in einem schrägen Lichtstrahl mich wieder an “Fotografieren!” denken ließ, da sie ein helles Dreieck vor der allgemeinen Dunkelheit bildete.
Heute den >>>> “Untergeher” von Bernhard ausgelesen. Ungeachtet der sich immer wiederholenden Redefiguren mag vielleicht dies eine Art (Kunst? in anderen Sprachen bedeutet es das) der Fuge sein, die vor sich hin flieht, um sich am Ende zu einem Gesamtakkord zu vereinigen, in diesem Fall mithilfe des Gehilfen Franz, der im Schlußbericht die entwickelten Fugen mit den Ziegelsteinen füllt, zwischen denen Bernhard seine Fugen entwickelt “gehabt hat”.
Sein Erzählen führt trotz all der Negierungen von allem Möglichen zu dem Schluß, daß er einer Schlüssigkeit nie wirklich aus dem Wege geht, so sehr er es dem Leser über lange Seiten hinweg verwehrt, der sich fast zum Selbstmörder gestempelt sieht.
Merkwürdig, seit drei Tagen keine Arbeitsanfragen. Morgen die Ablieferung eines Handelskammerauszugs einer Pleitefirma, dann schimmert…

wie die sind
hin die tag’
insekten
froh taumelnd
ins ferne

ins schimmer-
dort hinten
das -licht weil
tag nicht mehr

ist

es ist wie’s
immer noch
mit unter-
thänigkeit


ist


ANHs Traumschiff.



Foto und Fotografie des Buchumschlages
(copyright): >>>> Jan Windszus


Alban Nikolai Herbst
Traumschiff
Roman


mare


320 Seiten.
Gebunden mit Schutzumschlag.
Lesebändchen.
22 Euro.


III, 298 - Blowin’ in the Wind

Angenehm der Wind draußen, und obwohl er manchmal recht launisch weht, sind die Nachbarschaften dabei, das Straßenpflaster für die Fronleichnams-Prozession zu schmücken. Sie sprühen Wasser drauf, damit die bunten Gebilde liegen bleiben: Sägespäne, Blütenblätter. Blümchen, Herzchen, IHS. Normalerweise geschah das am Vormittag, aber es soll einen Konflikt mit einer Radrennveranstaltung gegeben haben, von der ich aber nichts mitbekommen, weil ich erst gegen zehn wach geworden.
Denn gestern Nachmittag hatte ich Lust bekommen, eine kleinere Veranstaltung zu besuchen, bei der Jemandin von ihrer Theatervergangenheit zu sprechen verhieß. Die Jemandin war mir erstrmals begegnet, als ich am selben Ort vor Jahr und Tag mal Eigenes und Übersetztes (Hölderlin, Stramm) vorlas: Sie saß am Ende der Sitzreihen, ihr feurig weißes Haar fiel mir sofort auf. Man stellte sie mir vor, sie schien sichtlich angetan davon, plötzlich eine Gelegenheit gehabt zu haben, Gedichte zu hören an einem ganz banalen Nachmittag.
Es folgte auch bald eine Freundschaftsanfrage bei FB und zum Beschnuppern ein Austausch von Nachrichten. Der bestand fast ausschließlich aus Quasimodo-Zitaten. Später entdeckte ich, sie sei die Tochter einer zumindest in Italien berühmten Schauspielerin belgischen Ursprungs.
Nun lebt sie hier irgendwo, hält sich eine Menge Hunde und therapiert die Leute mit Bach-Blüten und Ähnlichem. Was sie sonst schreibt, geht auf Harmonie und Energie und positives Denken hinaus. Unselige Kombination: Hunde, Bach-Blüten und positives Denken.
Gestern hatte sie keine weißen Haare mehr, sondern das zu einem Schwanz geschürzte blonde Haar ihrer Mutter. Und es lag nicht wenig Energie in ihrem Erzählen von Regisseuren und Schauspielern und Masken-/Kostümbildnern. Ausschlaggebend für den Abend war dann das häufige Erwähnen von Luca Ronconi.
Also, alles sehr hübsch. Ein Eintauchen in unbekannte Welten. Willwoll-Ziel erreicht. Noch ein paar Worte - allerdings mit Anderen - gewechselt, darunter sogar eine neue Bekanntschaft: einer, den es aus der Romagna ins Amelia-Exil verschlagen. Hatte neulich mit mir sympathisiert, als ich gegen ein Mussolini-Zitat wetterte (die Italiener seien schwer zu regieren (eine M5S-Sympathisantin schrieb’s, die tags darauf einem Schäuble-Zitat ein “Heil!” voranstellte, worauf ich abermals böse reagierte: die Banalisierung des Schreckens (grüßte mich dann nur noch recht scheu))).
Was also blieb, war Ronconi. Von ihr, der >>>> Vortragenden, fand ich nur eine sehr winzige Probe (ansonsten: sie beendete ihre Theaterlaufbahn mit knapp Mitte dreißig, die sie als zwanzigjährige begonnen, war aber noch in der Aufführung von “Quer pasticcaccio brutto de via Merulana” dabei (ein Unfall, ein Koma, ein Trauma)).
Da von ihr nicht weiter zu finden war, klickte ich mich bis gegen halb zwei durch Ronconi-Youtubes. Vollständig gibt es, erhältlich als DVD, den >>>> “Orlando Furioso (5 Std.) mit der tollen und nunmehr seligen Mariangela Melato (für den August besorgen, den ich mir als frei von Arbeit zu erkämpfen beabsichtige (zumal ich auch beschlossen habe, doch endlich mal den Ariosto-Text zu lesen (im Original)).
Spannender war dann noch die >>>> zweistündige TV-Version von Gaddas Werk, die im Original auch seine 5 Stunden dauerte (bin leider kein Theatergänger, die Aufführung zu meiner Zeit in Rom am Teatro Argentina). Und so ward es spät.
Denn im Gibbon weiterzulesen, wäre eine Zumutung gewesen, gerade jetzt, wo er die ganze Sektierei im frühen Christentum zum Gegenstand hat und ihre Beweggründe. Homousie und Homöusie.
Infiorata und Infuriata:
Die Prozession bzw. “ppriscissione” (Belli), der es windeshalber an Präzision fehlte, ist vorüber. Es roch nach Weihrauch. Stand dicht dabei. Unter einem Baldachin ein in sich geduckter Priester, umgeben von Bodyguards, einer davon trug eine Sonnenbrille, comme il faut. Davor und dahinter jeweils zwei Lampenträger. Kurz davor versuchten die Nachbarsleut’ immer wieder vergeblich, mit Besen ihre Kreationen zu retten. Jetzt, wo’s vorbei, hört man schon die Kehrmaschine der Stadtverwaltung. Wär’s nicht von Dylan, könnte man sagen: Blowin’ in the Wind.

das licht
im gebläu
fleckt wind

es trübt
den blicken
das weiß

ob es das
wisse
verschwieg
das tau


Selbstverständnis: nicht Credo, doch Wille.


Es war und ist ein Ziel meines Lebens, ein freier Mann zu sein – selbst, sollte dies Unglück bedeuten.

(Daß Freiheit glücklich mache, ist ein Irrtum der Ideologie und des Kitschs.)

>>>> Credo & Wille

III, 297 - Steinwege

Als der jüngste Bruder meiner Mutter starb, da war der gerade mal vierundzwanzig und ich vierzehn. Meine Mutter saß in einer Ecke der Stube und weinte. Er war nachts mit seinem Auto unterwegs gewesen und dabei eingeschlafen in voller Fahrt. Diesen aufgebahrten Onkel hat man mir nicht mehr gezeigt, es sei alles ziemlich entstellt in seinem Gesicht. Andeutung meines Großvaters mit der Hand, die das Lenkrad vorstellen wollte, das ihm ins Gesicht gefahren.
Das kommt mir jetzt alles, während ich wieder einmal >>>> Tschaikowskis Klavierkonzert Nummer Eins höre, gespielt von einer, die beim Spielen den Mund bewegt und deren Haar mich an ein Bild von >>>> Sylvia Plath erinnert, die ihre Gedichte vorträgt, als spielte sie Klavier, aber nicht auf einem Steinway, sondern auf einem Steinweg. Schuld trägt daran auch “naturgemäß” der ‘Untergeher’ von Bernhard an dieser ganzen Klavierspielerei, der sich um ein gemeinsames Studium des Icherzählers und seines Freundes mit Glenn Gould bei Horowitz und um dessen Folgen für den ‘Untergeher’ (ein ihm von Glenn gegebener Nahme (ich bin überhaupt der Meinung, der Name sei ein Nahme, weil er einen nimmt, weil man ihn ungefragt bekommt (der einen belangende Nachnahme))) und den Icherzähler dreht. Auch der Icher ist eine ganz eigene Kategorie, die icher als andere ist.
Steinweg und Steinway. Auch eine Braunschweiger Geschichte.
Den Was-Erzähler hat man als Kategorie noch nicht erfunden, wahrscheinlich, weil man sich vor dem Doppel-S fürchtet. Was indes verständlich ist. Auch weil es hier schon lange nicht geregnet hat und daran zu denken ist, das darbende Grün im Hof zu gießen.
Von dem Onkel erbte ich ein Kofferradio und das Geld für eine Olympia-Schreibmaschine, mit der ich dann die Übungen des Schreibmaschinenunterrichts in der Handelsschule in WOB zu Hause nachvollziehen konnte: jklö asdf…
Das Kofferradio, also sozusagen mein geerbter Steinway, lag nach dem Zubettgehen unter meinem Kopfkissen. Meistens lief BFBS und seine Hitparaden. Die Regel war: ausstellen nach dem ersten Song, den ich nicht kenne. So knallten oft die Gefängnistüren in dem einen Stones-Song oder blues-ten die Canned Heat usw. usf. Nebenan schlief die Mutter und schnarchte der Vater. Das Kofferradio brachte es sogar bis nach Berlin und bis zu Message in a Bottle. Was ich nebenbei machte, will mir nicht in die Tasten. Und es gab überhaupt Momente, in denen ich mich nicht als normal einzustufen vermuchte (sei’s drum: mit u halt).
Welches Ende es genommen hat, weiß ich nicht mehr. Die Schreibmaschine steht hier noch in ihrem Koffer. Die Tasten verklemmt, das Farbband nur noch gut für Geheimschriften.
Heut’ in der Sonne zur Mittagszeit vorm ‘Fußgängerzonen’-Café. Lachtasten antippen. Sie, sie und er. Gegenüber die neue Eisdiele: Girotti. Zur Eröffnung sei extra >>>> Terence Hill gekommen, der ja nun eigentlich Girotti heißt und irgendwie hier in Amelia aufgewachsen sein soll. Kurz hineingesehen: alles voller Filmplakate von Terence-Hill-Filmen.
“Steter Lampe holt den Igel ein”. Und die, der’s galt als Kommentar, möge doch bitte die nächste Berliner Rede zur Poesie halten.

thine hær
I twone
on some
mine tips
& did
is done
when coma
comes


Soeben beigetreten.


Diem25

Alban Nikolai Herbst, Isabella Maria Vergana. Die Phantastische Novelle in der Kindle-Edition.

[3,89 EUR.
Bestellen
bei >>>> Amazon.]

III, 296 - MONDän

Cirrocumuli und die schreienden Dämmerungsaviatoren verlockten mich ins Weite, und so ließ ich eine gewisse Veronika “herzklopfend” stehenbleiben „vor einer buntbemalten Bude, vor der (...) ein Kalb mit nicht wie sonst vier, sondern fünf Füßen“ (>>>> Britting, Valentin und Veronika (je nun, juristische Spitzfindigkeiten erfordern leichte Lektüre nebenbei (siehe >>>> vorigen Beitrag))) angepriesen wurde. Und ging. Erst nach Westen.
Dort die Ukrainerin M. mit ihrer Freundin, die ich zwar oft sehe, aber nicht kenne, sie trägt oft einen Pferdeschwanz, führt einen kleinen Hund mit sich und fährt einen Mini, aber sie sprechen italienisch miteinander, also kein Relikt der Sowjetunion, aber aus dem Osten schon nach meiner Einschätzung.
Kurzer Wortwechsel mit M. vom Platz herauf zur hochgelegenen Eingangstür mit der Nummer 1 oben rechts. Wieder kam ich an der entweihten Kirche vorbei. Ich dachte schon gar nicht mehr ans Tanzen, als ich hinter mir Schritte hörte.
M.’s Freundin! - Es wäre popelig gewesen, sie nicht anzusprechen. Immerhin weiß ich jetzt, wie sie heißt.
Aber vorm Tor sah ich von weitem schon jemanden sitzen. Das verleidete es mir. Es wäre einfach zu viel gewesen, noch ein Minigespräch anzufangen. Also umblättern, um gen Osten zu spazieren: Porta Posterola. Wo mich ein Mondkuß mit Halo umfing (ein zweites ‚l‘ gehörte eher mir) bzw. empfing. Und rauf zum Dom! Let’s got, let’s go, noch mehr Küsse rauben! - Aber so erwischt man sich, denn als ich grad googelte, ward mir der assoziierte Mohrenkuss zum Negerkuss. So hieß er nämlich tatsächlich. O tempora, o mores!
Niger eher ich in der Dämmerung, der ihm, der leuchtend und ziemlich groß (weil noch nicht so weit über dem Horizont (nachts gibt es zur Zeit einen Moment, wo er als gleißender Punkt und nunmehr hoch am Himmel mir in den Schlaf hineinfuchtelt), dann gegenüberstand, lützelhübsch (den Zettel, auf dem das Wort von >>>> Fischart stand, heute zerrissen) ein feiner Spiegel, und unsereiner als Negativ verlangt nichts anderes, als ins Entwicklungsbad gelegt zu werden. Aus Schwarz mach Weiß und viceversa.
Der Soratte war noch gut zu sehen, die Lichter von S. Oreste auf seinem niedriger gelegenen linken Sattel.
Hinab erneut am Palazzo Petrignani vorbei und zu dem Platz, wo ein Gebäude immer noch eingemeißelt die Aufschrift “Poste e Telegrafi” trägt, darüber eine Garibaldi-Büste. Da klang’s aus dem Palazzo oben wie Klavier.
Ich ging zurück.
Jemand rauchte draußen. Wer da spiele? „Kinder“, sagte der.
Tatsächlich, der Saal voller Eltern, Tanten, Onkel, vielleicht auch Omas und Opas, Geschwistern, Cousinen. Vorne ein schon etwas reiferer junger Mann am Klavier. Was er spielte, weiß ich nicht. Dem Abend gemäß hätte ich mir einbilden können so etwas wie ‚Claire de lune‘ oder irgendein Nocturne. Dann folgte etwas Rhythmisches.
Wahrscheinlich war’s die Lehrerin, die ihm die Notenblätter umblätterte. Was mir auffiel. Denn oft sah ich mir auf youtube >>>> Schuberts Nummer 100 an, weil es für mich kurios war, solche Notenumblätterinnen tatsächlich zu sehen (meistens -innen, ja). Vorher sah ich sie nie. „Meine geniale Umblätterin, hat er einmal gesagt, dachte ich.“ - Bernhard, Der Untergeher.
Ich klatschte sogar, doch verließ den Saal, als zwei kleine Mädchen anfingen, auf Querflöten ihre zwar Fähigkeiten zu zeigen, die Töne bewirkten, mehr aber nicht.
In meine Wohnung zurückgekommen, lief immer noch Monteverdis ‘Il ritorno di Ulisse in patria”.

AN DEN MOND

O huldreicher Mond, ich denk’ daran zurück,
wie ich vor Jahresfrist auf diesen Hügel stieg,
dich zu betrachten – im Herzen beklommen:
Du hingst damals über jenen Wäldern dort,
wie du jetzt in deinen hellen Schein sie tauchst.
Doch getrübt schien mir und zitternd in Tränen,
die in die Augen mir traten, dein Antlitz
dem Blick, darüber, wie so mühselig
mein Leben war: und ist, noch auch sich ändert,
o mir so teurer Mond. Und dennoch hilft es,
mich zu erinnern, zu messen die Dauer
meiner Schmerzen. O wie willkommen ist dann
in der Jugend, wenn lang’ noch währet Hoffnungs=
Schimmer und kurz nur reicht Gedächtnis=Lauf,
sich zu erinnern an das, was vergangen,
ob es schon traurig und der Kummer stets währt!
 
Giacomo LEOPARDI, Alla Luna (dt. von mir)


Die Bamberger Elegien.

Bamberger-Elegien-amazon-
>>>> Elfenbein-Verlag Berlin 2011 <<<<
Einband in Old Mill Avorio von Fedrigoni
Rote Fadenheftung, 152 Seiten, 20 Euro

ISBN 978-3-941184-10-7



>>>> Zur direkten Bestellung.
Bestellung >>>> über amazon.

III, 295 - Ich wünsche mir zuweilen Gewitter

Wahrscheinlich war es am Sonntagabend, als mich die Sehnsucht packte, zur Porta della Valle zu pilgern, schließlich sitze ich derzeit meine mindestens zehn Stunden hier am Schreibtisch ab, um den Leuten Humbug zu verklickern, etwa über die Inanspruchnahme einer Bürgschaft. Und das über geschätzte 140 Seiten (rechnet man die hiesige Standardseite mit 200 Wörtern oder 1500 Anschlägen). Eine Verlängerung lediglich fürs Wochenende. Unvorhergesehenes kam auch dazwischen.
Auch war der Weg zum westlichen Tor nunmehr frei. Es wehte ein Wind durch Haar und Klamotten. Mir entgegen. Denn ich mußte an der entweihten Kirche vorbei, in und vor der sich bis zum Tag davor die Tänzer ausgetobt hatten. Dahinter steckte aber auch die schlecht verhehlte Sehnsucht, sie dann doch tanzen zu sehen und im Zuschauen mich selber. Also saß ich nur auf dem Mäuerchen vor dem Tor. Der Abendhimmel hatte sich schon dunkel gefärbt, aber noch nicht ganz. Lediglich der Halbmond mit seinem Luzifer als Sternbegleitung schon, davor hoch oben die Schreie winziger Mauersegler. Comme il faut. Nichtzeit mit Zigarette und Wind. Ich hätte mir ein Gewitter gewünscht. Und mich als Comme-il-faut-Abendstern. Zigaretten sind keine Lichtbringer.
Und so ist es wieder ziemlich still geworden, aber nicht so wie auf dem Land. Wohin ich mich auch gar nicht zurücksehne. Die Stimmen vom Platz. Dachte ich, während ich im Grunde auch darauf warte, daß der knallorangene BMW wieder auftaucht, der seit einigen Tagen mit seiner Farbe alles durcheinander bringt, um vielleicht den Moment zu erwischen, in dem der BMWler oder die BMWlerin das Auto verläßt. Was ansonsten das Landleben betrifft, mag gelten: Alle diese Beispiele von Leuten, die aus der Großstadt auf das Land gegangen sind, um dort besser und länger zu leben, sind nur fürchterliche Beispiele, dachte ich. Bernhard, Der Untergeher.
Rom als Großstadt zu bezeichnen, dürfte wohl seine Berechtigung haben, noch sinnhafter (warum eigentlich nicht ‘sinnlich’ hierfür?) aber ist das Adjektiv vor dem Wort Exemplum.
Ebenso fürchterlich ist auch immer die Kombination malerischer Dörfer mit guter Küche. Was gleich im Untertitel eine Journalistin “naturgemäß” (Bernhard) zustandebringt, die in der >> Süddeutschen in einem Artikel über Amelia keinen besseren Aufhänger findet, als daß nach dem Erdstoß vom Oktober letzten Jahres (sic!) in aller Herrgottsfrühe die Konditorin Russo nach einem dramatischen Tagesbeginn (“Ihr Bett tanzt.” - schon wieder dieses Wort “tanzen”) ihre Konditorei voller Menschen vorfand.
D.h., wenn die Erde wackelt, geht man in die Konditorei. Aha.
Fürchterlich, daß in dem Artikel auch noch der aalglatte Betreiber des Ostello zitiert wird. Wer weiß, wann sie den Artikel geschrieben hat. Der aalglatte Betreiber des Ostello hatte die ganze letzte Woche hindurch immerhin 95 Gäste (im Artikel beklagt er sich)! Ich gebe ihm dieses Beiwort, weil er auf eine Beschwerde von mir (wegen einer mehrstündigen Totalbeschallung des Platzes an einem Sonntagnachmittag) mal antwortete: “Sollen sich die jungen Leute etwa nicht mal vergnügen?” Seitdem grüße ich ihn nur noch auf eine sehr zugeknöpfte Weise.
Ich wünsche mir zuweilen Gewitter.

ein blitzstrahl
zuckte und meine
augen zehrten sich
in unruhiger
schlaflosigkeit

die ganze nacht
mit ihrem leuchten
zog aus scheiden
klingen heraus
vom abend- bis zum
morgenland

und pfeilen gleich
die flammend das kleid
der finsternis zerreißen

brandschatzend

abû al-qâsim ‘abd al-rahmân

(Poeti arabi di Sicilia)

III,294 <<<<

III, 294 - Tarock

Als ich am letzten Samstag den Palazzo Petrignani aufsuchte wegen Dr. Caligari, kam ich wie üblich ziemlich frühzeitig dorthin, und da erst eine Handvoll Leute entweder draußen oder am Kassiertisch standen, machte ich mir den Spaß, den leeren Freskensaal zu betreten und mit sachten Schritten und versonnen mich nach den Grotesken umsehend und im Grunde in diesem Schreiten lebend einen Moment des Enthobenseins zu zelebrieren. Langsam klang bei dieser Raumausfüllung, die ich vollführte, und knapp oberhalb der Hörschwelle mein Vorname ans Ohr, bis ich dann doch stutzte. Die Wand, die spricht? Bis ich mich umdrehte.
Da saß, unsichtbar für den, der vorwärts schauend den Saal betritt, die Sibylle an der hinteren Wand und hatte perfekt diesen Moment inszeniert, die mich gestern vorm Bioladen ziemlich zigeunerinnenhaft die Tarockkarten legen und ich mir dies gern gefallen ließ (sonst hätte sie es ja auch nicht gemacht (“dachte ich, während ich das Gasthaus betrat” - Bernhard, Der Untergeher, der ein ganzes Leben in diesen Moment des Gasthausbetretens zu legen scheint)). Und es war ja auch eine Art Gasthausbetreten gestern abend, denn ich nippte während des Aufdeckens der Karten an einer Pinte schwarzen ‘smokey’ Biers, daß sogenannte ‘handwerkliche’ (birra artigianale) Brauer anboten (sie, Italienerin, er, ein Franke und auch sonst ziemlich Frankie goes to Hollywood). Um sie herum ein Andrang von diesen schon erwähnten Tänzern und Tänzerinnen (es geht schlicht um dieses: >>>>).
Da ich weder Smartphone noch sonst etwas zum Fotografieren habe, wurde ein Bekannter gebeten, die aufgedeckten Karten zu fotografieren und an meine E-Mail zu schicken, die ich selber eingab, aber nichts ist angekommen. Und so tappe ich leider ein bißchen im Dunkeln.
Ich sprach mit einer Tänzerin über diesen Umstand, kein Smartphone oder sonst etwas zum Festhalten von etwas Bildlichem zu haben. Ich sagte, es sei manchmal ein Wunsch da, etwas abbildlich festzuhalten, dann sei der Skrupel dabei, es doch anders festhalten zu wollen, meinethalben als Wortbild oder wie immer man es nennen will. Denn es gebe tatsächlich Momente, die verdorben würden, wollte man sie so zack zack im Snapshot festhalten.
Sie verstand es durchaus, zumal sie selbst sich dauernd über ihr Smartphone beuge, seit sie es - wiewohl widerstrebend - habe.
Jedenfalls läßt sich im Nachhinein lediglich feststellen, daß die Tarockkarten mich in eine Welt der Leichtigkeit und Beherrschbarkeit versetzten (die Karte, die zeigen sollte, woher ich komme, zeigte sehr plausibel eine Frau, die einen Löwen zu bändigen versucht, daneben eine Burg auf einer Anhöhe (grad so, wie ich damals das eheliche Landhaus beim Psychologen zeichnete), nur daß am Ende die letzte Karte (“the mission”, wie sich die Sibylle auf Englisch ausdrückte) den vom Blitz getroffenen Turm zeigte. Tanto da invocare >>>> Santa Rita)!
Und noch dagesessen bis spät. Neben mir die Morgenröte (die versehentlich hingetippten Morgenräte auf den nächsten Morgen verschiebend: allemal schlechte Räte!). Fuhr mir einmal durchs Haar: was für weiche Haare er doch habe! Und ich, völlig unbewußt, fand zweimal meine linke Hand auf ihrem beschuhten rechten Fuß wieder. Rechtfüßig verlinkt.

Quante lingue eloquenti legò il vino,
quante ne seppe sciogliere di mute!

Muhammad Ibn Al-Qattâ’

Wie viele Sprachen schlug nicht in Fesseln der Wein
wie viele jedoch, die stumm, vermocht’ er zu lösen!

(Lektüre: Poeti arabi di Sicilia)

III,293 <<<<

Trinken aus der Wölfin.


Trinken aus der Wölfin

(Dieses "zu spät"!)
(Bach, Erste Partita für Violine solo, Sziget: Soviel zum "Sexisten".)


Komm ich dort hin, muß ich das Wasser grüßen.
Von weitem lockt es meinen Mund hinab zu seinem Maul.
Die Mittagshitze blitzt von seinem Messing.
Vergessen ist sein Platz in die drei Buden eingetrocknet
und in ein mürbes Karussell.
Rostrot das Gras, und schütter sind die Pinien.
Zwei Kinder, rosa im Haar die Ausgehschleife,
spieln in plissiertem rosa Rock und rosa Schuhchen Nymphen.
Die Mutter, auf ihrer Bank die Siesta rauchend,
argwöhnt nicht die Lust, die aus dem Brunnen stürzt und beißt
die kleinen Mädchen, als sie gierig trinken:
bereit wie Frauen, die sich geben.

Da heben sie verstört zu mir den Blick,
als ob schon volle Monde wären.
Und mit dem Kindblut der Hetären
fließt in den Wolfskopf das Wasser zurück.
Aus >>>> Der Engel Ordnungen

III, 292 - why more?

Zum ersten Mal in diesem Jahr ausgegangen am Abend, gleich zweimal hintereinander. Filmische und beim zweiten Mal auch musikalische Vorwände. >>>> Freitag wurde dieser Film gezeigt im Original, aber leider nie Kracauer gelesen, auf den Vieles in dem Film zurückging. Schwer zu sagen, ob das noch nachzuholen ist. Zumindest die ja spontan zurückgebildet sich habenden Schuppen woanders wieder vergegenwärtigen gekonnt in einer hypnotischen gar nicht mal mehr Selbstüberwindung, verschränkt die ‘beideseinander’ gemeinsame Schnittfläche - das ungegenständige Innengewände in einem “einzelig” aufreimenden Rain, die Elemente und deren Einbettung in “Etwas” (Eggers, Harlekinsmäntel).
Weimar. Vine-mare. Why more? It goeth a schill out of it, you ought to lear & lure, learn it! Und kratz’ mir den Handrücken tulpenrot.
Ein Leichter im Schlepptau irgendwie, Tauworte spinnend. Der Gang hinunter weniger leicht als sonst, weil Lampe-Fieber, aber es ging an und sogar ihn an.
Gestern dann >>>> Caligari selbst im >>>> Palazzo Petrignani (Sala dello Zodiaco). Am Klavier wie schon andere Male bei Stummfilmen >>>> Arturo Annecchino: Empathie nannte ich es hinterher ihm gegenüber, aber der stille Mensch lächelt vielleicht, aber in dem Bewußtsein, was er gemacht: was soll er dazu noch sagen, wo es nichts zu sagen gibt, sofern man es “gemacht”.
Es war in gewissem Sinne auch eine Verabredung mit dem jungen amerinischen Dichter Luca Succhiarelli. Es passierte über FB, wo er einen neuen Privatdruck angekündigt hatte. Wo man das finden könne. Beim Verleger, nämlich ihm selbst, er habe Lust, mit mir über Poesie zu reden. Ob er zum Film am Samstag käme, ‘Caligari’ nämlich. Und bat mich noch, youtubes von seinen Gedichten anzuhören. Hier >>>> ein Beispiel: ittero, Italia, itterizia inezia idiozia!. Ich erklärte mich gern bereit. Dann auf die direkte Frage, was ich davon halte: Es sei eine Menge Zorn in den Gedichtzeilen, die glücklicherweise mit dem gesprochenen Text mitlaufen, aber die Stimme, die den Zorn vorträgt, vergesse in der Stimme den Zorn, der in den Zeilen steckt. Schade, den neuen Privatdruck hatte er indes nicht mitgebracht. Es ist aber immer ein Glück, sich auf dieser Ebene verständigen zu können. Ohne, setzte ich gern hinzu, irgendetwas rechtfertigen zu müssen.
Im Lichtdämmer davor auf der Schwelle sitzend ein Sesshafter, ins Himmelsvieleck hinauf äugend wie später vor dem Filmviereck und dem Kulissenvieleck des Films (direkt auf die Wand projiziert, also nicht einmal Leinwand), viel zu hoch die Mauersegler…

wo wer am wegrand
die erde berührt

das rund der welt
ein bequemes gesäß

der ich
auch nicht gern fahr’

dreißig sagte sie
tage - die fraktur
zu entziffern

die e i n e ungeduld
die platte welt
zu umarmen


Statt Fülle des Wohlklangs bösester Ausdruck: Terry Gilliams Inszenierung der Verdammnis Fausti von Berlioz unter Simon Rattle an der Staatsoper im Schillertheater Berlin.

[Fotografien (c.): >>>> Matthias Baus]

La Damnation de Faust 1


Wir sollten uns ausmalen, welch furchtbarer Zauber – ein Teufelszauber fürwahr – diese Inszenierung gewesen wäre, hätte sie bereits auf die einzigartige Bühnenmechanik der noch im letzten Umbau befindlichen tatsächlichen Staatsoper Unter den Linden stattfinden können und nicht unter den nicht nur klanglich, sondern eben auch operntechnisch eingeschränkten Bedingungen des Schillertheaters. Ein Höllenzauber wurde Terry Gilliams Interpretation gleichwohl, selbstverständlich ohne Zauber, schon gar nettkommensurable quasi Comic-Ironie – wenn man von Fausti Frisur einmal absieht: eine Anspielung wohl auf die pädagogischen Sadismen gleichermaßen >>>> Heinrich Hoffmanns wie >>>> Wilhelm Buschs. Denn weniger wie ein Burschenschaftler kommt dieser Faust daher als mehr wie ein Primaner oder Oberprimaner vor der vorletzten Jahrhundertwende oder von noch früher.
Jedenfalls haben wir es bei Gilliam und aber auch Berlioz von Anfang an mit der Hölle zu tun und ihrem verklärten Gegenbild: dem, wovon sie ihren Ausgang nahm, der ins Erhabene idealisierten Natur. Genau dies stellt auch Rattles Dirigat klar: Nirgendwo habe ich so sehr die genial komponierte Gemeinheit einiger Schlüsselmusiken Berlioz‘ deutlicher gehört wie gestern abend in der Staatsoper. Sei es, daß zum vulgären ungarischen – ecco! – Marsch ins Nationalbewußtsein nicht passende Menschen erschossen werden, sei‘s, daß das studentische Gaudeamus igitur zu einer von Haß und Widerwärtigkeit nur so berstenden Gesangsnummer wird: Gruppen„geist“ wird zum Grölen der Meute.
Besonders widerlich wird es aber schon bei des Branders Hohnlied in Auerbachs Keller („Im Ofen glaubte die arme Seele,/sich verbergen zu können./Aber sie irrte sich/- und noch schlimmer-/zu guter Letzt wurde sie dort gegrillt“), das von choralem Aufgrölen und dieses durch ein fugiertes, von dumpfem Schlagwerk ausgehöhltes „Amen“ abgeschlossen wird.
La Damnation de Faust 2

Nein, angenehm ist das alles nicht. Sondern es dreht uns den Magen um. Es führt uns vor Ohren, was war und aber, steht zu befürchten, weiterhin ist. Genau das mag die, nachdem der letzte Vorhang fiel, extremen Buh!s erklären, die vor allem aus den hinteren Reihen zu vernehmen waren. Man läßt sich den Spiegel nicht so gerne vorhalten, schon gar nicht derart intensiv in der Oper.
Gegen den herausgeschleuderten Unmut stellten sich freilich auch Bravi, unter einigen anderen auch meine. Und dies, obwohl auch ich meistens genervt bin, wenn „mal wieder“ Nazi-Szenarien auf einer Bühne bemüht werden. Aus Überdruß freilich, und weil es in aller Regel bei puren Behauptungen oder Aufstülpungen bleibt.
Genau das ist in Gilliams Inszenierung nicht der Fall. Sondern er entwickelt sein Szenario direkt aus Libretto und Partitur und aus der Verklemmungs- und Nationalfindungsgeschichte Deutschlands seit dem Biedermeier. Es läßt sich ja durchaus von der Geburt des deutschen Faschismus aus dem Ungeist der Restauration sprechen – anders als für Frankreich oder gar England, wo das schließliche Nationalverständnis revolutionäre Quellen hatte, die im Volk selbst (zumindest mit)entsprangen.
Diesem, dem Volk, ist der berliozsche Faust allerdings fremd, anders als Goethes. Hier ist es gerade die Flucht in „reine“ Innenwelten, die schließlich seine Hinwendung zum Faschismus begründet.
Dieser Faust ist im Wortsinn ein innerlicher Mitläufer: Die säkular ritualisierten Regeln scheinen ihm die Differenz abzuheben, die er zum „einfachen“ Volk immer gespürt hat; zunehmend fühlt er sich im Volkstum und in seinem Streben aufgehoben, ohne daß er doch sein Eigenes verraten müßte. Nicht grundlos zitiert das Programmheft Klaus Manns auf der Karrieregeschichte Gustav Gründgens‘ basierenden Mephistoroman: Der „deutsche Künstler“, vordem bestenfalls Lakai und vom Volk in aller Regel verlacht, erhält nicht nur gesellschaftliche Reputation, sondern wird zur zentralen Idealfigur.
Daß er dabei an „wesentliche“ Ideologeme des Regimes gar nicht glaubt, ist die dem berlioz‘schen Faust inneliegende Tragik, bzw. die vom Teufel ausgelegte Rute, auf dessen Leim er tritt. Fausts Seele wird von Mephistofele geholt, weil er, Faust, sich ihm verschreibt, um die als Jüdin deportierte Marguerite zu befreien. Da auch erst zeichnet er den Vertrag – also indem er Gutes tun will.
Böser, in der Tat, lassen sich des Teufels berühmte Worte bei Goethe überhaupt nicht deuten: „Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“ Daß dieser Satz umkehrbar ist, beschreibt das sich gegen Faust wendende Verhängnis.
Man muß fast mit Kant argumentieren: Weil er an Marguerites Befreiung ein persönliches Interesse hat, ist sein Wille und Handeln nicht moralisch. Und zwar hat er selbst keine Untaten begangen, aber tatenlos ihnen zugesehen. In die Hölle kommt er nicht als Täter, sondern als Mitläufer. Dazu, ein solcher zu sein, genügt schon, daß man nicht aktiv im Widerstand war, auch wenn man, so Erich Kästner, die Faust in der Tasche ballte.

Härter, zugleich aktueller und darum provokanter kann die Botschaft eines Regisseurs gar nicht sein. Nix mit >>>> Jabberwocky, meine Damen und Herren, den einiges Publikum wahrscheinlich erwartet hatte. Also nicht die Spur verspielter und angeblich postmoderner Beliebigkeit – auch dann nicht, wenn sich Gilliam meisterhaft postmoderner Formen bedient.
Es ist absolut schlagend, mit welcher Meisterschaft er sich, obwohl an die Bühnenwirklichkeit immer wieder zurückgebunden, filmischer Mittel bedient. Dazu gehört nicht nur der Trick, vermittels aufprojezierter, sich zunehmend schneller bewegender Bäume ein rasendes Dahinfahren vorzuführen, derweil die Akteure tatsächlich auf der Stelle bleiben; dazu gehört vor allem auch >>>> Hildegard Bechtlers sozusagen bühnenbildnerischer Hyperlink auf der Wachowskis >>>> The Matrix. Aber auch schon Fausts Studierzimmer als einen über >>>> Berchtesgarden - bzw. Motiven nach Caspar David Friedrich - quasi frei im All schwebenden Minimundus zu zeigen, ist postmodernen Bildwelten verdankt. Manches erinnert auch an Arbeiten >>>> Hans Jürgen Syberbergs.

La Damnation de Faust 3

Geradezu genial auch, daß Faust Marguerite in ihrem Zimmer die Füße wäscht; hier rückt der christlicher Ritus die tatsächlichen Verhältnisse ins Bild, die Faust auch spürt, sich aber nicht bewußt machen kann oder will. Sonst wäre er da schon aufgebrochen, mit ihr, um dem Unheil zu entkommen. Bei Gilliam wird diese Fußwaschung quasi zum Judeskuß. Wenig später erscheinen die Schergen.
Überhaupt ist eine – notwendige - Besonderheit dieser Inszenierung die Rollenauffassung Marguerites. Gilliam gelingt mit Magdalena Kožená eine Befreiung. Ihr Gretchen ist nämlich alles andere als naiv; ihr wird auch nicht ein Baby „angehängt“. Die Frage, weshalb ein, sagen wir mal, Intellektueller ausgerechnet von einem Backfisch erotisch attrahiert wird – etwas, das mir den Stoff von Faust I immer absurd und lähmend hat erscheinen lassen -, erledigt sich bei Gilliam von selbst. Als Naivchen verkleidet sich diese Marguerite nämlich nur: um als dunkelhaarige Jüdin nicht aufzufallen. Deshalb trägt sie, wenn sie ihr Zimmer verläßt, blonde Zöpfeperücke und Dirndl.

La Damnation de Faust 4

Wobei Faust selbst davon spätestens nach dem ersten Stelldichein nicht mehr getäuscht ist; um ihr hochgradiges Gefährdetsein weiß er also. Und zeigt sie selbstverständlich nicht an. Sondern das tut der Teufel, der es auch war, Faust zum ersten Mal in die nationalsozialistische Gesellschaft einzuführen.

Gerade, daß Faust solch ein Sinnsucher, darum vereinsamt und voll melancholischer Liebessehnsucht, also empfänglich für gesellschaftliche Anerkennung ist, macht ihn für Mepho so schmackhaft. Er wird über seine innere, die objektive Wahrheit verdrängende Wahrhaftigkeit stolpern und dann in die Hölle im Wortsinn hinabjagen, derweil er doch glaubt oder sich vormacht, hinauf auf dem Wege zu Marguerites Befreiung zu sein. Mit einer deutlichen Anspielung auf den Weltenbrand am Ende von Wagners Götterdämmerung geht er in Flammen auf.
Auch dieses Bild zeigt, wie genau Gilliam konstruiert hat. Im ersten Teil des Abends imaginiert sich Faust nämlich als Siegfried, der sich in dem gleichnamigen Bühnendrama, abermals Wagners, neben Brünnhilde in den Flammenring legt, treue(!!)halber Notung zwischen sich und ihr. In der perfiden Logik des Nationalsozialismus ist der Künstler – oder sagen wir: das Genie – zum Helden geworden.
Hält man sich vor Augen, daß der Geniebegriff ein emanzipatorischer war, der die Künstler aus dem Lakaientum holte, wird die politische Perversion an dieser Stelle eklatant: als Held ist der Künster nicht wieder nurmehr Lakai, sondern soldatisch geworden; freiwillig und widerspruchslos Befehlsketten unterworfen, egal was die Befehle verlangen.
Genau das nicht gesehen oder zu sehen gewollt zu haben, wird zurecht mit der Hölle bestraft.

Nun ist das Problem dieses Musikstücks wie schon bei Goethe der Teufel. Theologisch gesprochen ist er unsres aber sowieso. Denn letztlich ist alleine er es, der die Dynamiken bloßlegt. Fast möchte man meinen, er ersehne, daß jemand seinen Leim auch sieht. Als würde ihn das erlösen. Daß es niemand tut – das wird bei ihm zu Zynismus. Deshalb kann er bei jedem Gemeuchelten nur noch lauter lachen. So gesehen, ist seine Einsamkeit die einzig echte. Von Gott ist außer ihm nichts zu hören – der, wenn überhaupt, taucht allenfalls wie weiland der Sonnenkönig bei Moliere auf: ex machina und süßlich in Marguerites Himmelfahrt. Das Gold, in das sie hier gebettet wird, ist nichts als tander Schein. Wär es nicht noch böser, man wollte >>>> H.C.Artmann zitieren:
durch den schornstein
geht es ins himmelreich
bedenks
durch den schornstein
da zieht der rauch
so leicht -
komm mit ...
(...)
In diese Apotheose (Artmann: „verbrannt/wird deine hand/und zu rauch/und zu aschen auch“) ruft Mino Kinoshitas Stimme: „Komm, Margarita!“/und dein haar
und dein kopf
und dein leib
und dein fuß
wird zu schönem
wirklich
schwarzen ruß -
komm mit ...

La Damnation de Faust 6



*

>>>> Florian Boesch singt und spielt den Méphistophélès mit am Unheil geradezu schon verzweifelter Lust. Deshalb hat sein Triumph am Ende einiges Bittere, gegen das er sich nur wieder in neue Schale, neuen falschen Vorschein werfen kann. Es mag ein utopisches Element sein, daß Gilliam ihn, nachdem Faust in Flammen aufgegangen ist, auch den Vertrag verbrennen läßt. Der im Sekundenbruchteil verzischt. Nur einen Menschen endlich sehen, der ihm, dem Verführer, widersteht – ja nur versuchte, es zu tun! Er wäre dann erlöst wie >>>> Stokers Dracula, „da im Augenblick der endlichen Auflösung ein Schimmer von Glück über des Grafen Anlitz huschte, das ich eines solchen Ausdrucks gar nicht für fähig gehalten hätte“. Vielleicht, daß wir dann in ihm – Gott erkennten? Der ohne das abwesend bliebe.
Vergleichsweise einfältig dagegen – weil unbegriffen eindimensional – >>>> Charles Castronovos Faust, dessen lyrische Inbrunst freilich – goethetreu darin – von Werther hergenommen wirkt. Was allerdings wollte eine Frau wie der gnadenlos guten >>>> Magdalena Koženás Marguerite von einem sentimentalen Hampelmann wie Faust? - Seltsam, wie sich hier die Attraktionen für mich umkehrten und nicht mehr Gretchen die langweilige Person des Stückes war. Allein die tumbe Ungelenkheit, mit der sich Faust in ihrem Zimmer auf sie legt, noch die Knobelbecher an den Füßen... - Wäre wohl Mephisto ihr gewachsen gewesen?
So sind sie alle also - trotz oder gerade wegen seines Witzes auch Méphistofélès - v e r f a l l e n --- geworfen, um es mit Heidegger zu sagen. Was in diesem Zusammenhang schmerzhaft pikant ist, vielleicht auch unlauter. Der ja gerade wäre für den Faust eine ideale Figurbesetzung gewesen – so, wie man in einer französischen Inszenierung den Teufel vielleicht nicht, wie hier zuweilen im Mittelteil, in eine Wehrmachtsuniform stecken, sondern als >>>> Petain kleiden sollte.

La Damnation de Faust 7

Wie nun auch immer, Simon Rattles Dirigat läßt dieses Geworfene, Verfallene, Böse wirklich Klang werden; es geht ihm dankenswerterweise nicht um Schönklang, sondern vor allem um eines: Ausdruck, Ausdruck und nochmals Ausdruck. Das darf nicht nur, sondern soll oft scharf klingen – und muß es. Vergleichbar Radikales habe ich bislang nur auf >>>> Igor Markevitschs Einspielung aus dem Jahr 1959 gehört. Ich wäre ausgesprochen gespannt darauf gewesen, wie sich diese Inszenierung am Teatro Massimo in Palermo angehört haben wird, mit dem sie – und mit der English National und der Vlaamse Opera – coproduziert wurde. Daß sie erst fünf Jahre nachher in Berlin aufgeführt wurde, ist ein Rätsel, das ich noch nicht lösen kann. Immerhin finden sich Auszüge aus Palermo auf Youtube:



Jedenfalls... wer diese Inszenierung verpaßt, nun jà, was soll man zu der und dem sagen? Nur das schreckliche Brodeln ihrer großen Flammenseen und das Zähneknirschen ihrer Folterknechte beim Martern der Seelen war noch zu hören. (Berlioz, Damnation, Auf der Erde.)
*


Hector Berlioz
LA DAMNATION DE FAUST

Légende dramatique en quatre scènes

Inszenierung Terry Gilliam – Bühne Hildegard Bechtler – Kostüme Katrina Lindsay
Licht Peter Mumford – Video Finn Ross – Regiemitarbeit/Choreografie Leah Hausmann


Magdalena Kožená – Charles Castronovo – Florian Boesch
Jan Martiník – Mitho Kinoshito
Chor: Martin Wright

Staatskapelle Berlin
Simon Rattle

Die nächsten Vorstellungen:
1., 4., 9., 11 Juni, je 19 Uhr

>>>> Karten
logo_staatsoper


III, 291 - abseitig verwandert

Wattebauschig der Kopf mitten im Nachmittag. Arbeiten war nicht mehr möglich. Das Wort fand ich mal für einen Traum (sehr lange her, muß noch in Wolfsburg gewesen sein), in dem mir die Worte meines Vaters so vorkamen, der im Traum etwas sagte, dessen Inhalt in der Watte verlorenging. Später ähnliche Zustände, allerdings bei Tage. Eine adäquate Entsprechung fand ich dann in der Art, wie Laurie Anderson ihr >>>> ‘O Superman’ singt. Wo der Synchronismus mit dem, was einen umgibt, eine leichte Verschiebung erfährt. So wie bei Filmen, in denen die Stimme des Synchronsprechers nicht mit den Lippenbewegungen des Schauspielers übereinstimmen und ein Abseits entsteht, das dennoch parallel zur Welt abläuft. Und der Kopf tastet sich nur sehr langsam von einem Moment zum andern. Und mit Watte vollgestopft.
Entscheidungen lassen sich dann nicht mehr gefallen, getroffen zu werden. Man braucht schon einen Notar bzw. im vorliegenden Fall eine Notarin, um feststellen zu lassen, daß He der Nachname und Jun der Vorname, dito für Zhou und Guihong. Eine Notariatsurkunde, die hier grad herumliegt, um übersetzt zu werden. Zu beanstanden wäre daran, daß die Notarin Beijing einer Chinesischen Republik zuordnet…
e la >>>> ‘canzone popolare’?
”Ich habe zwei Arten von immerwiederkehrenden Schwellenträumen. Im ersten bin ich unbeschuht und rutsche in den Socken von der Schwelle ab, weil diese, ob aus Holz oder aus Stein, sehr glatt und noch dazu an den Kanten gerundet ist. Aber ich komme doch jedesmal unversehrt auf die andere Seite, und der Schreck ist heilsam: denn ich frage mich im Abrutschen: Wo bin ich? … (Handke, Der Chinese des Schmerzes).
Manchmal geschieht mir der Wunsch, mal wieder Fußballspiele zu sehen, die Zeit zu verdasseln, um dem Augenblick beizuwohnen, in dem der Ball über die Torlinie rollt oder ins rechte obere Toreck fliegt. Immerhin, Manchester führt jetzt gegen Ajax.
Ninno überschritt unterdessen die Schwelle, war einmal mehr zum Beichten aufgelegt. Es ging um seine “compagna”. Die habe nun eine Arbeit in einem Restaurant gefunden, und das könne am Wochenende durchaus auch mal mehr als acht Stunden bedeuten (neulich gar vierzehn!). Das Problem sei, sie habe fünf Schafe und sowieso Tauben und Kaninchen zu versorgen. Das müsse er nun besorgen. Er sei ja nun Rentner, habe vierzig Jahre als Arbeiter gearbeitet (ist allerdings etwas jünger als ich), und er wolle doch seine Zeit lieber selbst bestimmen. Und finde sich nun in dieser Stress-Situation, womit er nun gar nicht zurechtkäme. Ich ging darauf ein wie der Tormann in Handkes ‘Die Angst des Tormanns beim Elfmeter’: Der Schütze lief plötzlich an. Der Tormann, der einen grellgelben Pullover anhatte, blieb völlig unbeweglich stehen, und der Elfmeterschütze schoß ihm den Ball in die Hände. Dankend und sich gleichzeitig entschuldigend verabschiedete er sich.
Gestern erschien auf der Schwelle (die Tür steht nachmittags mittlerweile immer offen) l’ami belgique mit der Luna-Tochter Huckepack, heißt in einem Gestell samt Sonnenverdeck. Das erste Mal seit über einem Jahr, daß er spontan vorbeikam. Jupp, der graue Kater, die ex-Siope, leistete Gesellschaft. Zwei Briefumschlagausträger freuten sich über das kleine Ding mit Windelpopo. Was sie da bringen würden? Gasrechnungen. Sie zu öffnen, wartete ich, bis ich allein war. Ich schluckte.

der schwelle
wand sein
dem auswill
den wellen
deren binnen
aus- und
ingewall-
-gewollt

abseitig
verwandert


Der Ozelot und Ibn Hamdis. Das Arbeitsjournal des Dienstags, dem 23. Mai 2017. Nutzlos weise geworden sein.


[Arbeitswohnung, 7.46 Uhr
>>>> Lu mantu di la notti]
Der Plan erstand in mir wie ein Impuls, als ich am nun vergangenen Wochenende >>>> mit den jungen Leuten spielte (also ihnen Bildung gab und von ihnen andre nahm: denn dieses ist Kultur: Austausch, nicht Belehrung): >>>> Ibn Hamdis zu übertragen, bzw. nachzudichten. Helmut Schulzes und meine Nachdichtungen der >>>> Chamber Music werden im Herbst ja nun erscheinen; der Umschlag ist bereits entworfen:

Joyce Chamber Arco Entwurf

Ende Juni werde ich zu >>>> Parallalie nach Amelia reisen, um gegenseitig unsere Fassungen buchfertig zu lektorieren. Bis dahin wird auch der Ghostroman in erster Fassung (Rohfassung) fertig sein.
Moment, der Morgencigarillo...
...
(den Aschenbecher, aus Stein, aus der Küche holen
meine Contessa ist derzeit auf der Insel
dem Cigarillo den Brand geben
inhalieren
dazu der morgens obligate Latte macchiato, von allem Anfang Der Dschungel, quasi, an)
...
Ich bin mit diesem Ghostroman wirklich beinah fertig; vielleicht zehn Kapitel fehlen noch. Steht das alles, werde ich auch zur Contessa nochmal reisen, um mit ihr den Text Seite für Seite durchzugehen; einiges ist zu kürzen, anderes umzustellen. Einige Erfindungen waren/sind ihr zu viel, entfernen sich zu weit von der „Wirklichkeit“, folgen – in meinen Worten – zu sehr der Textbewegung-selbst. Es gab Momente, da erkannte sie sich und den Geliebten nicht mehr; die Geschichte hatte sich abgelöst. Da muß erwogen werden.
Dann steht der nächste Auftrag an: die Geschichte ihres Vaters – ein Buch aber nicht für die Öffentlichkeit, sondern als Chronik für die Familie. So muß keine „Rücksicht“ auf Lebende genommen werden; das Buch läßt sich an der Wirklichkeit entlang erzählen.
Ab September.

Da kommt mir Ibn Hamdis gerade recht. Zumal Parallalie und ich an der Chamber Music dreieinhalb Jahre gesessen haben; >>>> der erste Entwurf stammt vom 7. Januar 2014. Mit Ibn Hamdis wird es nicht kürzer währen, weil noch viel komplexer sein, da wir gerne das originale sizilische Arabisch mit zugrundelegen möchten, das wir beide nicht können. Abgesehen von ein paar wenigen Rohübersetzungen >>>> bei Etta Scollo gibt es nur italienische, bzw. sizilische und englische Fassungen. Ich habe die Idee, ein dafür ganz eigenes Deutsch zu entwickeln; einen schon existenten deutschen Dialekt zu verwenden, verbietet sich aus Gründen, die ich hier vermutlich nicht darlegen muß. Es sollten auch zwar auffällige, aber sofort nachvollziehbare und also verständliche Irritationen sein, vielleicht in einer Betonung von Kehllauten.
Zukunftschambermusik.
Das Projekt wäre auch politischer Widerstand, und zwar zu mehreren Seiten hin: sowohl gegenüber der hiesigen, völlig akulturellen Ausländerfeindlichkeit wie gegenüber dem sogenannten „fundamentalistischen“ Islam(ismus), der seine eigene Geschichte verbietet – etwa islamische Musik und Dichtung. Zumal Ibn Hamdis selbst seine Poesie im Exil geschrieben hat, von Sizilien nach Spanien geflohen: Fin quando durerà il mio esilio heißt eines der Gedichte und träumt wie viele seiner anderen in die verlorene Heimat zurück.

Und anderes hat sich getan. Nachdem es aussah, als ließe sich mein Wunsch zu meinen Lebzeiten nicht mehr erfüllen, alle meine Erzählung, die vor allem durch die Kulturmaschinen und ihr schlampiges Gebaren in die Tonne getreten worden sind, in einem einzelnen Band neu herauszugeben („Verzeih mir“, sagte vorm >>>> Butter einer meiner mir sehr lieben Verleger, „aber sowas geht erst in einer Gesamtausgabe, und die, nimm‘s mir wirklich nicht krumm, kann erst nach deinem Tod angegangen werden“) --- also nachdem meine Niedergeschlagenheiten neues Futter bekamen, bekam es auch die Redewendung, die von irgendwo her ein Lichtlein kommen läßt. Es funkelte >>>> septimisch und funkelt auch so weiter. Der Glanz freilich, Sie werden es wissen, kommt mit dem Vertrag.
Nicht nur dies. Lektorieren wird den Band Elvira Gross, die auch schon das >>>> Traumschiff in letzte Form zu bringen half. So wird das Buch auch Schein bekommen, Aurea. - Erscheinungstermin: Frühjahr 2019.

Seit ich das weiß, geht es mir besser. Erheblich. Auch wenn die Sorgen um meine Gedichte nach wie vor bleiben. Niemand bislang mag sie haben. So ist mein Drang gering, an den schon nächsten, >>>> dem Béartzyklus, überhaupt noch weiterzuarbeiten. Ich bin fast so weit, die Gedichte nun selbst zu verlegen, damit sie endlich in Buchform da sind. Was ich aber zum einen gar nicht finanzieren kann, und zum anderen hat solch ein Eigenverlagsding nicht die geringste Chance, es überhaupt über die Schwelle der Buchhandlungen zu schaffen. Und >>>> Bod, verzeihn Sie mir, verbietet sich aus Gründen nicht nur der Selbstachtung, sondern auch aus Achtung vor meinen „tatsächlichen“ Verlagen, vor ihrem Mut, ihrem Engagement, ihrer Leidenschaft.
Also wäre ein Verlag für die Gedichte zu finden, den es schon gibt, und ihm das Buch zu finanzieren. Was würde ich brauchen, ein/zweitausend Euro insgesamt? Die werden sich doch wohl zusammensammeln lassen. Leserinnen, meine Güte! zehn Leute à 200 Euro...
(Ich weiß von einigen Kolleg:inn:en auch in größeren Verlagen, die es genau so halten. Sehen Sie es mir nach, daß ich keine Namen nenne. Die meisten freilich gehen den Weg über die, sagen wir, öffentliche Hand. Befreundete Juroren, befreundete Ministerialbeamte. Unterm Strich ist es das gleiche. Selbstverständlich wird über dergleichen nicht öffentlich gesprochen - es käme dem zu vermeidenden Zugeben allzu gleich. Nur ich schere mal wieder da aus. So, wie meine Gedichte offenbar, so sehr sie - und wohl, weil sie - geformt sind, im Magen der Gegenwartslyrik wie Sporen liegen, vor denen man die Flanken von Pferden bewahrt.)

Zwischendurch habe ich auch immer mal wieder überlegt, aus dem deutschen PEN auszutreten; es ist müßig, meine Gründe aufzuzählen. Einige hat Thomas Rothschild >>>> aufgezählt, der den Schritt schon hinter sich hat. Bei mir spielte aber wohl Müdigkeit die tragende Rolle. So habe denn ich, wohl ebenfalls aus Müdigkeit, ihn bislang nicht getan. Es kamen auch Bitten, von ihm Abstand zu nehmen, von Menschen, die ich schätze. Jetzt, da die Erzählungen wieder leben dürfen, erhellte sich ohnedies das gallige Schwarz. Auch brachte mir Freund Eisenhauer des Fürsten Lampedusa >>>> Sirene mit, zum Billard, in einer >>>> schönen neuen Ausgabe bei Aufbau. Ich kannte den Text bereits in anderer Übersetzung.
So griff ich aber endlich zum „Leoparden“, dessen Lektüre ich immer wieder vor mir aufgeschoben hatte – aus Purismus. Denn der Titel meines aus dem Bücherschrank meiner Großmutter stammenden Exemplars ist völlig falsch übersetzt. „Il gattopardo“ ist nämlich nicht „Der Leopard“, sondern „Das Otzelot“, meinethalben auch, mit einer leichten Beugung, „Der Ozelot“, bzw. „Der Serval“ - also ein völlig anderes Tier, schon gar in einem aristokratischen Wappen. Es gibt bei Wikipedia dazu >>>> einen aufschlußreichen Eintrag.
Wie auch immer, nun also nahm ich das Buch her.
Und war verzückt.
Ein paar Zitate mögen Ihnen erklären, weshalb:
Armselige Kuppen mit unbestimmten Umrissen, leergesogenen Brüsten ähnlich, erhoben sich darüber; aber es waren eben die Klöster, die der Stadt ihre Düsternis und ihre Eigenart, ihren Schmuck, und dem Gefühl zugleich etwas wie Tod mitteilten, etwas, was nicht einmal das rasende sizilianische Licht jemals hatte auflösen können. (25)

Schlank, nicht ohne Eleganz in die bunaca, die Jacke von geripptem Samt, gehüllt, gierige Augen unter einer bedenkenlosen Stirn – so war er für ihn der vollkommene Ausdruck eines Standes im Aufstieg. Ehrerbietig übrigens und ihm nahezu aufrichtig zugetan, denn er beging seine Diebstähle in der Überzeugung, damit ein Recht auszuüben. (37)

(...) die Klage der Zikaden erfüllte den Himmel; in ihr war etwas wie das Röcheln Siziliens, das Ende August, versengt, vergebens den Regen erwartet. (58)

(...) denn er war nun schon erfahren genug, um zu begreifen, daß diese Phantasien auf dem Grunde der Seele eine Ablagerung von Trauer zurückließen, die sich Tag um Tag aufhäufen würde: und die wäre dann am Ende die wahre Ursache des Sterbens. (63)

(...) aber Concetta spürte, spürte tierhaft den Strom von Verlangen, der von dem Cousin zu der hinlief, die sich hier eingedrängt hatte (...) (87)

Das Wort „Fürst“ im Munde Angelicas galt – leider – nicht ihm, sondern sie gebrauchte es, um diesen kleinen Garibaldihauptmann heraufzubeschwören: und das weckte in Salina ein komisches Gefühl, gewoben aus der Baumwolle des sinnlichen Neides und der Seide der Freude über den Erfolg des lieben Tancredi – ein im Grunde unangenehmes Gefühl. (103)

(...) anzuknpüfen an uralte religiöse, vorchristliche Traditionen, die der bestimmten Prägung des angerufenen Namens eine bindende Kaft zuerkannten. (105)

Er fand Zuflucht in der Vorsicht, der dehnbarsten unter den Kardinaltugenden, zugleich die, die am leichtesten zu handhaben ist. (139/140)

Daher verursachte ihr die Enthüllung jener möglichen galanten Beziehung (die es übrigens gar nicht gab) einen Anfall rückschauender Eifersucht, dieser unsinnigsten aller Plagen (...). (157)

Dann schloß sich alles wieder in Schweigen, in das der Galopp der Mäuse oben über die Dachböden sozusagen Streifen zog (...). (172)

Als sie dann alt und nutzlos weise geworden waren (...). (178)

Die Schmeicheleien glitten von der Persönlichkeit des Fürsten ab wie Wasser von den Blättern der Seerose: das ist einer der Vorteile, die Männer genießen, die zugleich stolz sind und daran gewöhnt, es zu sein. (191)

(...) er war ein hübscher, starker Bursche von zweiundzwanzig Jahren, groß und dürr wie der Vater, mit Augen, die noch nicht hart waren. (227)

(..) sie waren offenbar lediglich dazu bestimmt, den Hintergrund abzugeben für die drei, vier schönen Wesen, die, wie die blonde Maria Palma, die wunderschöne Eleonora Giardinelli, wie Schwäne dahinglitten über einem Teich, in dem eine Unzahl Frösche steckte. (243)

(...) so erschienen sie etwa wie Schauspieler, denen ein Regisseur die Rollen von Romeo und Julia zu spielen gäbe (ohne daß sie das Stück kennten), wobei er ihnen Krypta und Gift verheimlicht, die doch schon im Textbuch vorgesehen sind. (247)

Der Tod – nun ja, ohne Zweifel gab es ihn, aber das war etwas für die anderen. Don Fabrizio dachte daran, daß junge Menschen, da sie diesen höchsten Ton nicht aus der Nähe kennen, Schmerzen härter empfinden als die Alten: für diese ist der Notausgang näher. (250)

Das Gefühl war übrigens zunächst an kein Übelbefinden gebunden. Vielmehr war dieser unwahrnehmbare Verlust an Lebenskraft die Probe, sozusagen die Bedingung für das Lebensgefühl; und für ihn, der gewohnt war, äußere, unbegrenzte Räume zu erforschen, innere, ungeheure Schlünde zu ergründen, war dieses Gefühl durchaus nicht unangenehm: es war wie ein ständiges, ganz leichtes Abbröckeln der Persönlichkeit, aber verknüpft mit der unbestimmten Ahnung, anderswo werde sich wieder eine Persönlichkeit aufbauen, die – Gott sei Dank – weniger bewußt, doch tiefer wäre. (266)

Und so fiel wieder eine Schaufel Erde auf das Grab der Wahrheit. (303)


Lampedusa Leopard Birnbaum

[Alles in der Übersetzung von Charlotte Birnbaum, R.Piper & Co. Verlag München 1961]
Eines der schönsten und intensivsten Abschnitte des Gattoparden sind die Seiten 168 bis 178, die von den noch kindlichen Liebesspielen Angelicas und Tancredis erzählen, auf ihren Ausflügen in die vergessenen Flügel und Räume des alten Palastes in Donnafugata. Aus diesem Stück meisterlicher Prosa ein einzelnes Zitat herauszulösen, wäre grob blasphemisch – und treffenderweise ist vor allem hieran, an diesem Stück Erzählung, Viscontis berühmte Verfilmung des Romans komplett gescheitert.
Das nämlich hatte ich, als ich den Freunden von meiner Lektüre erzählte, immer und immer wieder gehört: „Das ist ja vor allem >>>> ein ganz großer Film!“ - ganz so, als wäre Tomasi di Lampedusas Buch, seine Vorlage, überhaupt nicht bekannt. Ich meinerseits hatte den Film immer gescheut, weil ich Burt Lancaster aus seinen Westerns vor Augen hatte und für eine gräßliche Fehlbesetzung hielt.
Darin irrte ich mich. Lancaster ist perfekt besetzt, atemberaubend in seiner Präsenz. Auch der junge Alain Delon gibt dem Tancredi eine gute Figur. Allein die Cardinale ist für Angelica eine eklatant falsche Wahl. Daß jemand hübsch ist, reicht so wenig, wie – als Ausdruck gerissen erotischer Naivetät – bisweilen den Finger zwischen die Lippen zu stecken, die untre leicht hinunterziehend dabei.
Scheitern tut der Film an anderem. Er läßt die siebenunddreißig Jahre komplett aus, die zwischen dem vorletzten Abschnitt, der den Tod des Fürsten erzählt, und dem letzten liegen – etwas, das strukturell für den Roman entscheidend ist. Auch der Tod wird ausgelassen; bei Visconti schreitet der Fürst in die nächtlichen Gassen davon wie ein lonely Cowboy am Ende des Westerns in den Sonnenuntergang, nur halt invers. Und vor allem vermag Visconti nicht zu zeigen, was Lampedusa stilistisch erzählt. Sämtliche feinen Nuancen dieses Romans werden quasi auf den Plot reduziert, der menschlich aber ohne jedes Interesse, der nur ein Vorwand ist für das Seelengemälde. Und wovon ich besser gar nicht erzähle, ist die gräßliche Filmmusik. Allein die - sizilisch schieftönenden - Musiken Verdis stimmen hier in ihren Fassungen für Blaskapelle. Ausgerechnet bei ihnen drehte sich mir der Magen nicht um.
Ich habe mir den Film ganz bewußt direkt nach Abschluß meiner Lektüre angesehen.
Man merkt, welche Sätze Visconti liebte – einige davon stehen hierüber zitiert. Nun aber, da er nicht mit einem Sprecher aus dem Off arbeiten wollte (was ausgesprochen schade ist), verlegt er erzählte Passagen in die wörtliche Rede der Protgonisten. Er tut‘s so einige Male, und jedesmal zuckte ich zusammen. Denn immer verlor sich die Strahlkraft.
Was zu erzählen war, ist eben nur zu erzählen und in ein Bild nicht übersetzbar, schon gar nicht in Handlung. Die ganz wenigen Regisseure, bzw. Filmautoren, denen es gelang (sie heißen Faßbinder, Rivette, Godard), haben genau deshalb nicht text„treu“ erzählt, sondern bildlich „umgedichtet“ - der Sprache eine filmpoetische Entsprechung gefunden, die etwas Neues aus ihr schuf, das mit der Vorlage indes aufs inniglichste verwandt ist.
Textgetreue Verfilmungen gelingen alleine dort, wo ein Buch sich auf den Plot reduziert, die Handlung also das Zentrum ist, nicht aber die – ja, ich sage es, Liebste – Seele.

ANH
23. Mai 2017, Berlin


P.S.: Es gäbe noch weiteres zu erzählen, Neues. Ich schieb's aber noch etwas auf.

III, 290 - Verschraubungen

Die Zwinger riechen nach Fibeln. Fiebernde Essenerzwingung. Text einer Mail als Antwort auf eine “dringende” Übersetzung: “Buon giorno. La ringrazio. Buona giornata.” Obwohl schon der Spätnachmittag heraufzog. Es ging darum, daß das Bordpersonal die Beförderung von Fahrrädern verweigern kann, wenn dies den Bahndienst beeinträchtigt. Wahrscheinlich, weil der Sommer naht. Im Arbeitszimmer aber noch 17 Grad. Ich fange an, mich daran zu gewöhnen. Ein Gang nach unten überbrückt Kühlegefühl allemal.
Samstagabend? Ostello-Graus? Eine Bagatelle, die um drei Uhr morgens endete, als ich mit Pink Floyd und Paul McCartney in Moskau durch war, und endlich das Monstrum gegenüber schwieg. Und ich zwar McCartney’s sich gleich gebliebene Stimme gern wieder hörte, aber ihrer Ubiquität nicht mehr glaube, weil sie dem Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit angehört und nur noch die Reproduktion beabsichtigt. Nicht die Interpretation. Da ist mir Joe Cocker’s ‘With a Little Help From My Friends” doch noch aussagekräftiger. Obwohl auch das Stück schon ewig lange her ist. Aber eben als nicht reproduzierte Singularität fortbesteht.
Kurz: Massenanfeuerung auf dem Roten Platz. Und ‘amaro’ in bocca. >>>> ‘amuri’ no.
Damit müsse ich wohl leben: öffentlicher Platz, öffentliche Stätte, meinte die Handanlegerin. Wenn man schon so eine Wohnung in einer solchen Position sich wählt.
Und mich verdacht in eine hypothetische Hütte als gelegentlichen Zufluchtsort mit nichts als Daunen für solche Nächte. In der Allschweigsamkeit. Es tauchen ab und zu Anzeigen für solche baufälligen Gebäude auf. Wäre zu eruieren. Oder ein kleines Grundstück mit einem Wohnwagen darauf. Als Zuflucht vor der Zuflucht.

die eine wurzel : dankbarer
atem : eines fauligen baums

ich wachs’ mir ein übel
im leben : das zu verwandeln
auch ein erdulden fürs fleisch

Salvatore Quasimodo


Von >>>>hier
Zu allem Überfluß geben jetzt die Verschraubungen des Stuhls nach: ein jähes Sinken. Es ist immer gut, scheint’s, gelegentlich die Schrauben zu kontrollieren.

III,289 <<<<
 



twoday.net AGB

xml version of this page

xml version of this page (summary)

xml version of this page (with comments)

powered by Antville powered by Helma

kostenloser Counter

blogoscoop Who links to my website? Backlinks to my website?

>>>> CCleaner