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Tagebuch
Vierter Tag vor den Nonen. Dies nefastus publicus. Am Morgen geht das Sternbild der Krone auf (Columella). In Syrien geht der Gürtel des Orion auf (Plinius). In Ägypten geht am Morgen der Kleine Hund auf (Plinius).
Also bedeutet die italienische Bezeichnung für den Waschbären, procione (aber auch die lateinischen Bezeichnungen Procyon und Euprocyon (auch das Lied „Rocky Racoon“ von McCartney bekommt plötzlich eine Hinzu-Bedeutung dank der Waschbärenkunde)), im Grunde „kleiner Hund“, weil’s auf ein griechisches ‚prokyon’ zurückgeht für dieses Sternbild. Kühne Erkenntnisse. Die Verhundung des Waschbären und dessen Vermützung, weil sich mir gerade ein Donald Duck und seine Neffen auf einer Tour in die „Wildnis“ aufdrängen. Von meinen verabschiedete ich mich heute morgen für die nächsten zwei Wochen. Sie verbrachten die Wartezeit bis zur Abfahrt auf dem Sofa vorm Fernseher. Hingefahren war ich aber, weil die Mutter mich gebeten hatte, den Ficus beniaminus alle vier-fünf Tage zu gießen, und ich also Haus- und Wohnungsschlüssel brauchte. Die Kinofahrt mit ihnen am letzten Samstag sei tatsächlich ein Erlebnis für sie gewesen. Gut, also wiederholen. Besser: hingegangen, den Stadthügel hinauf, schwitzend. Schwül ist es, redet Landmanns Kopf - Dreyer. Mitbekommen: Zichorie (fertig gekocht), eine Riesenzucchine aus dem einst von mir betreuten Gemüsegarten in Lhasa (hier am Nachmittag gekocht), Schinkenrest. Und beim Essen geschwitzt, denkt er zwischen zwei Schweißausbrüchen - ebd. Keine Fliege, die an der Stirne vorbeifächelte. An den Lärchen in der Grünanlage rührt sich absolut nichts. Ich hasse Ventilatoren. Als ich Feierabend machte und ein Weißbier öffnete, rief ich den Schwager an, der heute fünfzig wird. „Vielleicht hol’ ich dich noch ein.“ „Wieso, willst du schneller älter werden als ich?“ „Nö, mal sehen, vielleicht mit 57 in den Vorruhestand.“ „Und bis dahin Sonderschichten schieben.“ „Besser als Kurzarbeit.“ Fünfzig Leut’ sind gelanden zur Feier. Wieder mein Einmal-im-Monat-Lottotippschein und das Sich-Wundern über mein Dasein. Nur nichts einreden lassen. Oder ausreden lassen. Donner? Kommt mir recht. Die Lärchen beginnen sich zu rühren. Regen plötzt alle Dauer fort.
Bruno Lampe - Samstag, 4. Juli 2009, 19:34- Rubrik: Tagebuch
.... die, die wie ein stück blutwurst aussehen, sind porphyre, das stück rindfleisch ist feldspat. der verkieselte rechts unten im bild entpuppt sich tatsächlich als eine verkieselung von etwas, darunter ist ein anderes gestein. die orangefarbenen augen in dem dunklen biotit... das ist ein augengneis, den links unten im bild (orange, weinrot bis lila) halte ich für roten kalkstein, muß da aber noch weiter forschen. den schwarzen ganz unten kann ich noch garnicht zuordnen, ganz oben das dunkle gestein zähle ich erst einmal grundsätzlich zu den vukanitischen gesteinen, es hat granitische fremdgesteinseinschlüsse. ich will ihn nachher mit dem hammer zerschlagen, will wissen, wie er innen aussieht. in der mitte, das ist eindeutig sediment zementierter sandstein auf dem weg zum quarzit, die braune färbung ist nur äußerlich, wahrscheinlich durch eisen verursacht.

cellini - Samstag, 4. Juli 2009, 10:05- Rubrik: Tagebuch
- 49 mal gelesen
.... gestern abend am telefon. sie weinte sehr, ist einfach fertig im moment. sie hängt im augenblick im wahrsten sinne des wortes zwischen allen stühlen. ist mitten in der prüfung, ihr kolloqium wird im herbst folgen. sie hat inzwischen den personalrat angerufen, weil man ihr die rückkehr in die alte kita nur dann ermöglichen will, wenn sie auf ihren unbefristeten vertrag verzichtet, womit sie nicht einverstanden ist. ein freund ist richter am arbeitsgericht, dieser schüttelte energisch den kopf: "ist nicht, wegen ist nicht." einen unbefristeten vertrag bei der stadt zu haben, ist wie ein sechser im lotto, seit jahren schon gibt es immer wieder nur maximal für ein jahr befristete verträge, und... diese können so oft verlängert und neu befristet werden, wie man will. die stadt besetzt auch einfach um, ob die mitarbeiter wollen, oder nicht, so was heißt dann kettenvertrag. es kann eine mitarbeiterin seit jahren schon in einer völlig anderen kita arbeiten, aber trotzdem noch das recht auf ihren arbeitsplatz in der kita haben, in der sie vor 10 jahren anfing... das ganze system versteh ich nicht. notfalls geht sie vor gericht.... sie kämpft immer um alles das, worauf sie ein recht hat. als ihre tochter damals auf das verbundgymnasium für hochbegabte gehen sollte, der direktor des normalen gymnasiums, auf dem sie seit der vierten klasse war, sie aber nicht gehen lassen wollte, ging sie bis zum regierungspräsidenten, setzte das durch. auch für ihren sohn kämpfte sie viel, er sollte trotz sehr guter noten auf eine sonderschule... weil er ausdiagnostizierter adhs'ler ist. er blieb auf dem gym, machte sein abi mit bestnote. es war sehr schwer die ganzen jahre, aber er hatte dann eine klassenlehrerin, die ihn so nahm, wie er sich gab, die auf seine besonderheiten in seinem verhalten völlig einging. in englisch und französisch war er jahrgangsbester mehrere jahre... alles in allem für meine schwester ein sehr mühsamer weg, heute kommt er als erwachsener mensch sehr gut mit sich selbst zurecht, macht seine ausbildung, ist auf seinem weg, kann heute wesentlich besser filtern, ritalin bekam er nur zwei jahre, dann fand meine schwester eine homöopathin, diese behandelte ihn mehrere jahre begleitend. heute tauchen die symptome nur noch dann auf, wenn er sich völlig überfordert fühlt, dann nimmt er eine substanz... es beruhigt sich wieder. er will jetzt ausziehen, was meiner schwester auch zu schaffen macht. sie freut sich sehr darüber, ist andererseits aber auch sehr traurig. sie wird umziehen müssen, die neue wohnung wird kein kinderzimmer mehr haben. "eine wohnung ohne kinderzimmer... für mich noch unvorstellbar."
dann passierte ihr in der nacht, als sie sehr spät von ihrer tochter zurückkam, es ist jetzt einige wochen her, etwas für sie sehr dummes, so ihre aussage, sie fuhr über eine rote ampel im zustand von unterzuckerung.... nu muß sie ihren führerschein für vier wochen abgeben. "die welt ist ungerecht, da fahren besoffene nachts quer durch die stadt immer über rote ampeln, und mich blitzen sie. nach 27 jahren mein erster punkt." "du machst was ganz einfaches, das geht auch ohne anwalt.... du gehst zu deinem arzt, läßt dir aufgrund deiner krankheitsgeschichte bescheinigen, daß dein körper nicht dazu in der lage ist, längere strecken auf dem rad zu fahren. du bist die ganzen jahre vorbildlich gefahren, beides müssen sie berücksichtigen. erklär dich dazu bereit, ein höheres bußgeld zu zahlen. dann erklärst du, daß du das auto brauchst, um mit deinem sohn im falle eines anfalles sofort in die klinik fahren zu können, die müssen nicht wissen, daß er demnächst ausziehen wird. und, ruf da nicht an, schreib auch nicht, fahr mit deinen ganzen unterlagen dahin." ein anwalt würde erst einmal darauf plädieren, daß das messgerät ungenau arbeitete, dann wird er von den 1,1 sekunden 0,1 abziehen wollen, wenn das alles nichts bringen sollte, wird er vorschlagen, daß du ein höheres bußgeld zahlst... und, er kostet geld, welches du im moment auch nicht übrig hast." "ich könnte ja auch erklären, daß mir das im zustand von unterzuckerung passierte." "nee... das laß bloß bleiben, wenn du das erklärst, haben sie dich richtig am wickel, weil du nämlich im zustand von unterzuckerung garnicht erst hättest fahren dürfen." "oh... danke." "heul dich aus, und dann sortier, aber du mußt handeln, möglichst schnell." "meinst du, daß das was bringen würde?" "versuch macht klug." "weißt du, ich glaub ich mach was falsch... weil ich immer alles richtig machen will. die dummen kommen viel leichter durchs leben, denen passiert so was nicht, die müssen auch nicht so um alles kämpfen. ich seh das in der kita, in einer gruppe arbeiten zwei pädagogische fachkräfte, die eine hat eine ausbildung zur kinderpflegerin, die andere ist fachwirtin für kindertageseinrichtungen. beide werden pädagogische fachkräfte genannt, verdienen das gleiche geld, auf die kinderpflegerin wird immer viel mehr rücksicht genommen, als auf die andere kollegin. bei der kinderpflegerin wird immer gleich ja gesagt, die andere muß um das, was sie durchsetzen will, grundsätzlich kämpfen. in deutschland wird immer noch auf die schwachen gebaut, und woran liegt das?... weil wir immer noch die ganze nazikacke am hals haben. du darfst einfach nicht sagen, daß du gut bist, tust du das, wird von allen seiten geschossen. ich hab die schnauze im augenblick gestrichen voll." "ich las gestern eine stellenanzeige, es wurden zwei pädagogische fachkräfte für die betreuung und begleitung von kleinkindern gesucht, ganz unten stand.... ausbildung nicht zwingend erforderlich." "ja, und diese leute verdienen dann genauso viel wie ich, bekommen den gleichen titel. jeder, der nichts wird, wird wirt, oder pädagogische fachkraft. der eine behandelt die wunden der gesellschaft, der andere die wunden der kinder... tolle wurst."
cellini - Samstag, 4. Juli 2009, 09:01- Rubrik: Tagebuch
- 37 mal gelesen
Die Skala der Affekte generiert die Temperierung der Rede, und doch ist der Ursprung der Sprache nicht im Ausdrucksverlangen zu suchen. Was Gefühle angeht, da bin ich mit Nietzsche einig, entbehrt Sprache jeglicher Kompetenz:
Daß die Sprache uns nicht zur Mitteilung des Gefühls gegeben ist, sieht man daraus, dass alle einfachen Menschen sich schämen, Worte für ihre tieferen Erregungen zu suchen: die Mitteilung derselben äußert sich nur in Handlungen, und selbst hier gibt es ein Erröten darüber, wenn der andere die Motive zu erraten scheint. Sprache kann nicht wirklich Gefühle wiedergeben, sondern nur auf Verhältnisse weisen, mit denen Gefühle kontaminiert sind. Selbst in der Sprache der Leidenschaft und Sucht bleibt das allerletzte unaussprechlich. Es gilt Werner Krauss’ Satz: „Die Sinnkraft des einfachen Vorgangs, dass sich zwei Menschen in die Arme schließen, erreicht kein sprachlicher Ausdruck.“ Die Beschreibung eines Sprungs ins Wasser wird immer defizitär sein, kann sie doch diesen Sprung nicht ersetzen. Ich gehe jetzt baden…
Bild: >>>>H I E R
Paul Reichenbach - Samstag, 4. Juli 2009, 08:06- Rubrik: Tagebuch
Fünfter Tag vor den Nonen. Dies nefastus.
Ich hab’s: Keraban, der Starrkopf. Denn ein merkwürdiger Satz entstand in mir: Der Türke (was für ein Türke?) in mir hockt am Schwarzen Meer. Und Keraban, bei Verne, weigert sich (glaub’ ich), irgendeinen Mehrpreis für die Fähre übers Goldene Horn zu bezahlen, und beschließt daher, lieber rund ums Schwarze Meer zu reisen, um auf die andere Seite des Goldenen Horns zu gelangen. Der entsprechende Band (sicher eins dieser arg gekürzten Fischer-Taschenbücher, die’s damals gab, als ich sie in der Wolfsburger Mansardenwohnung las) mufft noch vor sich hin auf einem Dachboden in Niedersachsen. Denn hier steht er nicht. Eine Autoladung noch, dann bin ich (nach vierundzwanzig Jahren) endlich hierher umgezogen. Mir ginge es wie den Antennen der Schnecken, zwar aufmerksam, aber langsam. So unsinnig formulierte ich die Antwort auf die Frage nach meinem Befinden im Anschluß an einen Gruß aus dem Baltikum, den S. dann doch noch per sms schickte (fantastico sei’s (das Begeisterungsbegehren der Italiener: stupendo, strepitoso, meraviglioso, carino, also ma ganz ehrlich… (mein Verhältnis zur Wirklichkeit: abwägendes Najá-Gerede oder begeisterte Stummheit))). Im Supermarkt die Blumenhändlerin, von der ich mir gelegentlich ein Sträußchen binden ließ im letzten Jahr. Die roten Lippen in dem blassen Gesicht über dem etwas gebückt gehenden Körper wie der Schatten des Gedächtnisses einer Blume. Ein wenig japanisch. Kurzes Lächeln beim Grüßen. Ich sollte mal wieder ein Sträußchen binden lassen, denn sie verstand es, meine Blumenideen in ein Bildliches umzusetzen. Ich hätte auch schreiben können, daß es mir wie dem Bambus auch ohne Schnittblumen ganz gut ginge, die beiden Sprossen kämen langsam, aber sicher voran. Was aber dem „ohne“ neben der Blumenfrau ein „mit“ gäbe, das sich darin selbst negierte, weil es ein anderes Es meint. Tatsächlich die beiden Sprossen wie zwei Antennen (Hörner), fensterwärts sich mühend. Unevident der Berg heute, da kein Regen trotz Donner, somit Dunst. Und aller Schwefel ward Schwafel.
Bruno Lampe - Freitag, 3. Juli 2009, 19:57- Rubrik: Tagebuch
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"Ihr Mann ist Tod und lässt Sie grüßen."
"Es besteht kein Zweifel, dass Wörter, mit denen viel gelogen worden ist, selbst verlogen werden. Man versuche nur, solche Wörter wie „Weltanschauung", „Lebensraum", ,,Endlösung" in den Mund zu nehmen: die Zunge selber sträubt sich und spuckt sie aus. Wer sie dennoch gebraucht, ist ein Lügner oder Opfer einer Lüge. Lügen verderben mehr als den Stil, sie verderben die Sprache. Und es gibt keine Therapie für die verdorbenen Wörter; man muss sie aus der Sprache ausstoßen. Je schneller und vollständiger das geschieht, um so besser für unsere Sprache. Aber wie ist es eigentlich möglich, dass Wörter lügen können? Lügen auch die Wörter „Tisch", „Feuer" und „Stein"? Es ist doch gewiss, dass die Tyrannen, die uns Jahr um Jahr belogen haben, auch diese Wörter in den Mund genommen haben. Es geht wohl auch bei dieser Frage nicht ohne eine verlässliche Semantik1. Nicht jedes Wort kann nämlich lügen. Und es ist auch nicht so, wie eine oberflächliche Betrachtung suggeriert, dass etwa die abstrakten Wörter lügen könnten, die konkreten nicht. Die semantische Grenze zwischen Wörtern, die lügen können, und solchen, die es nicht können, verläuft woanders."... Aus: Harald Weinrich, "Linguistik der Lüge"
Morgen kommt Besuch ins Haus und bleibt bis Sonntag, ergo räume ich etwas auf und finde, neben >>>>Harald Weinrichs „Lügenlinguistik“, der Text war die juryeinhellig beste Antwort auf die Preisfrage der Darmstädter Akademie von 1964 „Kann die Sprache Gedanken verbergen?“, >>>>Augusto Monterroso, Kurzprosa im Reclamformat (1 DDR –Mark hat das Bändchen 1977 gekostet), die ich nur empfehlen kann. Denn kürzer wie im folgenden Text geht es, glaube ich, nimmer.
Der Traum des Käfers
Es war einmal ein Käfer namens Gregor Samsa, der träumte, er sei ein Käfer namens Franz Kafka, der träumte, er sei ein Schriftsteller, der über einen Angestellten namens Gregor Samsa schriebe, der träumte, er sein Käfer.
Paul Reichenbach - Freitag, 3. Juli 2009, 15:06- Rubrik: Tagebuch
.... was will ich?. nicht bis zur rente in diesem job arbeiten. was will ich noch?. ich will ans wasser. direkt am wasser leben und arbeiten. eventuell doch in meinem job?. n e i n. was tun?. nach möglichkeiten suchen, innerhalb der nächsten zwei jahre die grundlagen eines jobs zu schaffen, mit dem ich an der see arbeiten kann. welche voraussetzungen habe ich?. eine medizinische ausbildung, eine im bereich fitness, zwei kaufmännische ausbildungen, ein diplom. welche jobs werden im bereich ostholstein an der ostsee angeboten?. gesundheitswesen, bürojobs, einzelhandel.... gastronomie. büro, einzelhandel und gastronomie scheiden aus. ergo bleibt das gesundheitswesen. hab mich schlau gemacht, einen plan ausgearbeitet, den ich umsetzen werde, was bedeutet, daß ich noch zwei jahre in diesem meinem jetzigen job arbeiten werde. im dezember beginne ich hier in hamburg mit einer zweijährigen nebenberuflichen ausbildung, hab mich heute angemeldet. auf welche art und weise ich diesen job dann ausüben werde, weiß ich heute noch nicht. mir böte sich die möglichkeit als angestellte zu arbeiten, oder mich selbständig zu machen. ich denke tatsächlich an eine praxis.... und zwar zusammen mit meiner schwester, dies ist erstmal aber nur ein gedanke der schwestern. sie als ergotherapeutin, ich als ausgebildete masseurin mit abschluß, die die normale massage und die reflexzonenmassage, entspannungstherapien, rückenschule, hot stone, lomi Lomi, und die ayurvedische massagetherapie (dies als hauptschwerpunkt) anbietet, yoga und meditation war eh schon immer mein ding, ach ja, hab ja auch noch mehrere jahre buddhismus studiert. mit dieser grundlage finde ich an der ostsee überall einen job. die anzahl der ausgeschriebenen stellen ist immens. ich weiß, daß ich in zwei jahren 52 jahre alt werde... na und?.
ich habe diesen meinen jetzigen job satt, und zwar bis oberkante unterlippe. mein chef hat sich letzten dienstag mir gegenüber so daneben benommen, daß ich mehrere tage ganz benommen war. seine frau rief gestern im büro an: "wie geht es ihnen." "nicht so gut." "ich habe ihm die leviten gelesen, er wird sich bei ihnen entschuldigen." "das hat er in der letzten zeit bereits mehrere male getan." "wenn er sich bei ihnen bis montag nicht entschuldigt hat, rufen sie mich an." "nein, das werde ich sicherlich nicht tun. ihr mann braucht keine assistentin, er braucht eine mutter der nation mit einer ziemlich klaren kristallkugel." "ich weiß garnicht, was ich sagen soll, es tut mir so leid." "sie kennen ihn, sie sind seit über 25 jahren mit ihm verheiratet." "ja... deshalb ruf ich ja auch an. was wollen sie jetzt tun?". "ich werde es nicht mit ihm klären, ich werde es für mich klären." "wie meinen sie das?" "ich muß für mich entscheiden, ob ich die nächsten jahre so mit ihrem mann arbeiten kann, aber vor allen dingen, ob ich das will." "sie sind nicht die erste assistentin, von der ich das höre. ich weiß, daß er schwierig ist." "wenn er n u r schwierig wäre, ginge das ja noch, was er sich da leistete, geht auf keine kuhhaut, er bat mich danach zum gespräch, ein wort gab das andere, ich knallte ihm alles um die ohren, was er nicht hören wollte, denn er ist derjenige, der völlig unstrukturiert arbeitet, aber erwartet, daß die assistentin das alles auffängt." "und?... was hat er gesagt?" "das ist das leid der assistentin." "w i e b i t t e?" "genau das sagte er."
es reicht, ich hab von diesem job die schnauze voll. ich würde lieber heute als morgen alles hinschmeißen, aber das wäre ziemlich unüberlegt. also werde ich diese zwei jahre noch durchhalten, unter anderem auch deshalb, weil mein jetziger verdienst mir die möglichkeit gibt, diese ausbildung zu finanzieren. ich werde so kooperativ wie möglich, und so höflich wie nötig diese zwei jahre mit ihm arbeiten, künftig aber wird er keine chance mehr haben, sein bild, welches ich von ihm habe, irgendwie revidieren zu können. das hat sich jetzt komplett erledigt. ich sehe jeden tag das gesicht einer kollegin, die aushält, weil sie für sich keine andere chance mehr sieht.... so will ich nicht 63 jahre alt werden. punkt.
cellini - Freitag, 3. Juli 2009, 13:49- Rubrik: Tagebuch
- 68 mal gelesen
ich muss das jetzt fertig machen. nie wieder aufträge annehmen. ist ja auch keine lösung.
diadorim - Freitag, 3. Juli 2009, 07:24- Rubrik: Tagebuch
- 44 mal gelesen
mutter der nation.... >>>>>>
cellini - Donnerstag, 2. Juli 2009, 22:48- Rubrik: Tagebuch
- 71 mal gelesen
Sechster Tag vor den Nonen. Dies nefastus.
Gestern mit ‚Gestern unterwegs’ fertig geworden. Nein, nicht fertig geworden, nicht in dem Sinne. Jetzt brauche ich eine Weile, um wieder Handke lesen zu können. Setzen lassen, sonst wird’s ein Konsumieren. Sich aber freuen über das beim Lesen Mitgesehene, an dem beim Lesen Mitgesehenen, „auf das“ wäre vermessen. Gestern morgen ausnahmsweise auf dem Sofa aufgewacht. Dem Rücken war die ungewohnte Lage anzumerken. Einfach weggesackt im abschließenden Sinnieren, der Schwierigkeit, den Faden durchzuschneiden. Auch wenn ich nicht mehr weiß, was mir da durch den Kopf ging. Wahrscheinlich wieder imaginäre Gesprächsmonologe über die Glaubensartikel des Egotheismus. Soweit war’s im Groben auch schon gestern notiert. Aber wie schrieb ich dann in einer Mail: Ich hatte heute einen Depri und definitiv keine Lust, ihn zu beschreiben. Aus dem ich erst herauskam, als ich mein schon gebasteltes Gedichtchen desktruktiv umarbeitete. Erst da war ich mit mir einverstanden. Der nötige Schritt vom Egotheismus zur Egoerotik. Geht mir indes häufiger so: krieg’ ich den Tag verwortet, wird er mir wurscht und er liegt endlich hinter mir (womit ich diesem Tagebuch eine konkrete Funktion zuweise, in der sich die jeweiligen, tagesabhängigen Absichten aber nicht erschöpfen). Schon wieder ein Nachmittagsgewitter. Beim gestrigen Wasserguß drang es unten durch die Balkontür, und es tropfte auf die Pappe, die mein kleines Theater vor Ruß - und nun scheinbar auch vor Wasser - schützt, das ich darin aufgebaut habe. Heut’ mehr Glimpf: weniger Regen, der erst anfing, als ich die Tür von innen wieder zugemacht, nachdem ich noch zur Weinkellerei gefahren. Im ausliegenden Gästebuch standen als letzter Eintrag die Komplimente des lokalen Ruzzolone-Vereins. Zwar weiß, daß es sich um eine lokale Sportart handelt, aber nicht, worin sie besteht. Also fragte ich, denn die Nette war wieder da. Der Hinweis auf die Etrusker durfte natürlich nicht fehlen (da bin ich zumindest bei touristischen Prospekten äußerst ironieanfällig, wenn’s los geht mit „schon die alten Etrusker“ - um dann zu erfahren, daß sie Wein anbauten oder sonst was: aha! - möglicherweise tranken und aßen sie auch, wer weiß), also es gehe darum, eine Art Holzrad so rollen zu lassen, das es einen bestimmten Weg so rasch wie möglich zurücklegt, also - wenn ich’s recht verstanden habe - keinen geraden. Und es sei nicht nur hier verbreitet. Und in der Poebene mache man das mancherorts auch mit Käselaiben. Wer hat den Käse zum Bahnhof gerollt? Und draußen wurde der Himmel immer schwärzer. Weiterhin Arbeitslosigkeit. Abgesehen von einer Seite für morgen. Nach dem Handke nun weiter mit Dreyer (neben dem „Theoretisch-Philoso-Philologischen“): ich nix schuld, du nix schuld (146). Dieses Herzbummern gestern! Das Herz machte ‚O’ und bekam sich nicht wieder in den Griff. Trio wäre jetzt angebracht und ihr Да Да Да.
Bruno Lampe - Donnerstag, 2. Juli 2009, 18:34- Rubrik: Tagebuch
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Für Adrian Ranjit Singh v. Ribbentrop,
meinen Sohn.
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