Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop

e   Marlboro. Prosastücke, Postskriptum Hannover 1981   Die Verwirrung des Gemüts. Roman, List München 1983    Die blutige Trauer des Buchhalters Michael Dolfinger. Lamento/Roman, Herodot Göttingen 1986; Ausgabe Zweiter Hand: Dielmann 2000   Die Orgelpfeifen von Flandern, Novelle, Dielmann Frankfurtmain 1993, dtv München 2001   Wolpertinger oder Das Blau. Roman, Dielmann Frankfurtmain 1993, dtv München 2000   Eine Sizilische Reise, Fantastischer Bericht, Diemann Frankfurtmain 1995, dtv München 1997   Der Arndt-Komplex. Novellen, Rowohlt Reinbek b. Hamburg 1997   Thetis. Anderswelt. Fantastischer Roman, Rowohlt Reinbek b. Hamburg 1998 (Erster Band der Anderswelt-Trilogie)   In New York. Manhattan Roman, Schöffling Frankfurtmain 2000   Buenos Aires. Anderswelt. Kybernetischer Roman, Berlin Verlag Berlin 2001 (Zweiter Band der Anderswelt-Trilogie)   Inzest oder Die Entstehung der Welt. Der Anfang eines Romanes in Briefen, zus. mit Barbara Bongartz, Schreibheft Essen 2002   Meere. Roman, Marebuch Hamburg 2003 (Bis Okt. 2017 verboten)   Die Illusion ist das Fleisch auf den Dingen. Poetische Features, Elfenbein Berlin 2004   Die Niedertracht der Musik. Dreizehn Erzählungen, tisch7 Köln 2005   Dem Nahsten Orient/Très Proche Orient. Liebesgedichte, deutsch und französisch, Dielmann Frankfurtmain 2007    Meere. Roman, Letzte Fassung. Gesamtabdruck bei Volltext, Wien 2007.

Meere. Roman, „Persische Fassung“, Dielmann Frankfurtmain 2007    Aeolia.Gesang. Gedichtzyklus, mit den Stromboli-Bildern von Harald R. Gratz. Limitierte Auflage ohne ISBN, Galerie Jesse Bielefeld 2008   Kybernetischer Realismus. Heidelberger Vorlesungen, Manutius Heidelberg 2008   Der Engel Ordnungen. Gedichte. Dielmann Frankfurtmain 2009   Selzers Singen. Phantastische Geschichten, Kulturmaschinen Berlin 2010   Azreds Buch. Geschichten und Fiktionen, Kulturmaschinen Berlin 2010   Das bleibende Thier. Bamberger Elegien, Elfenbein Verlag Berlin 2011   Die Fenster von Sainte Chapelle. Reiseerzählung, Kulturmaschinen Berlin 2011   Kleine Theorie des Literarischen Bloggens. ETKBooks Bern 2011   Schöne Literatur muß grausam sein. Aufsätze und Reden I, Kulturmaschinen Berlin 2012   Isabella Maria Vergana. Erzählung. Verlag Die Dschungel in der Kindle-Edition Berlin 2013   Der Gräfenberg-Club. Sonderausgabe. Literaturquickie Hamburg 2013   Argo.Anderswelt. Epischer Roman, Elfenbein Berlin 2013 (Dritter Band der Anderswelt-Trilogie)   James Joyce: Giacomo Joyce. Mit den Übertragungen von Helmut Schulze und Alban Nikolai Herbst, etkBooks Bern 2013    Alban Nikolai Herbst: Traumschiff. Roman. mare 2015.   Meere. Roman, Marebuch Hamburg 2003 (Seit Okt. 2017 wieder frei)

James Joyce, Chamber Music/Kammermusik. Nachdichtungen von Helmut Schulze und ANH, Arco Wien/Wuppertal 2017/18
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Tagebuch

III, 361 - Immer unvorbereitet

Eigentlich wollte ich eine Begebenheit beschreiben, die mich damals in Berlin davon abstehen ließ, weiterhin die Seminare im Institut für vergleichende Literaturwissenschaft vor allem bei Hamacher zu besuchen. Es betrifft einen Abend mit einer Kommilitonin, die mir während einem der Seminare einen Pfennig als Glückspfennig vor mich hingelegt. Es kam dann zu einer Kneipenrunde in Kreuzberg 36. Und zu den Mechanismen, die ich schon auf dem Dorf eingelernt, wenn irgendwo ein Schützenfest oder ein Schwofabend war. Der Alkohol als Voraussetzung. Nö, nichts metoo-Verdächtiges, da keine Machtverhältnisse vorhanden, sondern nur Ohnmachtsverhältnisse. Nur Peinlichkeiten.
Aber die Einzelheiten, die mir dieser Tage ständig durch den Kopf gehen, sind nicht geeignet, wiedergegeben zu werden. Muß ich schon für mich behalten. Zudem war ich damals tatsächlich psychisch angeknackst, irgendwann dann der Gang zur Psychobetreuung der TU (?). Und besuchte bald überhaupt nichts mehr. Verdingte mich stattdessen bei meinem nunmehr von der FU entlassenen Italienisch-Dozenten, ihm als sozusagen Tippse und Vorübersetzer zu dienen. Gegen Schwarzgeld. War natürlich keine Zukunft.
Insofern ein immer wiederkehrendes Reflektieren über das, was Studium eigentlich bedeutet hat. Eigentlich nur die Auseinandersetzung mit sich selbst in der Unfähigkeit, sich den Sprachduktus des Akademischen anzueignen, auch wenn mir im ersten Seminar zum ‘Herzog Ernst’ das Nachplappern sehr gut gelang bei einem mündlichen Referat. Erst sehr viel später lernte ich Mandeville kennen, der heute wieder auftauchte, als ich anfing ‘The Antipodes’ von Brome zu lesen. Den Band kaufte ich damals in der Habelschwerdter Allee nicht weit von der Rostlaube zum einen wegen der Antipoden (Neuseeland-Phantasien damals) und zum andern wegen des Nachnamens, der dem Namen des Ortes homophon, dessen acht Kilometer entfernte Badeanstalt ich oft und gern aufsuchte, fleißig auf die Pedalen des Fahrrads tretend. Oft zu dritt oder zu viert.
Das Vorwort belehrt mich, es sei ungefähr in dem Sinne aufgeführt worden, den Zuschauern nach einer der schwersten Pestzeiten in London, die mehr als ein Jahr gedauert, das Publikum in einem gewissen Sinne psychologisch wieder aufzupäppeln. 83 gekauft und seither nicht gelesen.
Im Gefolge waren dann eher wichtig die Bekanntschaften, die ich auf diesem Weg machte.
Die dann schon eher prägten.
Lebe insofern in diesen Reflektionen, während der Tabaccaio tatsächlich vorzuhaben scheint, seinen Laden anderen Leuten zu übergeben. Es riecht mittlerweile nach Parfümerie-Artikeln. Er zwar immer noch präsent, aber eher nebenbei. Und vorgestern gleich drei neue Gesichter hinter dem Tresen. Wodurch der Umstand wegfällt, daß ich schlicht erscheine, um zu erhalten, was ich brauche. Ich muß es nunmehr mit genauen Worten beschreiben.
Aber mit genauen Worten zu beschreiben, was man braucht, ist eine Unmöglichkeit, die sich lediglich umschreiben läßt mit dem Erschrecken vor dem Wiedererkennen von Leuten auf den üblichen Wegen, die man intus hat, und denen man einem Kennenlernen einen unverbindlichen Gruß voranstellt, um ihm zu entgehen.
Das Gestrüpp im offenen Gesicht, hinter dem man sich verbirgt. Mein Lachen gestern, als ich den Tabaccaio-Laden verließ. Alle sagten “ciao”, nur Walter sagte sehr förmlich “buona sera”. Ich dreht mich zu ihm um und sagte ebenso förmlich “buona sera”. Er kehrte zurück ins Unformelle und Unförmliche des “ciao”. Mir nur scheu in die Augen schauend.
Warum, weiß ich schon. Er hat sich unter mir eingekauft, wo anfangs eine Tischlerei gewesen. Hatte versucht, von meinem Wasseranschluss zu profitieren. Neulich die Frage, ob ich Fernsehanschluß hätte. Und die Andeutung, mir aufs Dach zu steigen, um die Antenne anzuzapfen. Die zwar da ist, aber von mir nicht genutzt wird. Nichts von alledem passierte.
Und Schlagfertigkeit war noch nie meine Stärke.

III,360 <<<<

III, 360 - … und immer noch keine Musik, aber das wird sich gleich ändern

Hat der Tabaccaio jetzt etwa einen Lehrling? Er selbst telefonierte, am Lottospieltresen stehend, hinterm Haupttresen stand aber ein junger Mann, sichtlich darum bemüht, Ordnung zu bringen in sein Hinterm-Tresen-Sein. Nie zuvor gesehen. Ob er neu sei, fragte ich, was er bejahte. Auf dem Heimweg fiel mir ein, daß die Frage eigentlich ziemlich zweideutig war, denn sie lautete ja “sei nuovo?”, die aber auch so verstanden werden konnte: “sei ‘n’ovo?” Was nichts anderes bedeutet als: “Bist du ein Ei?”
Denn er war ziemlich kahl geschoren. Ich habe seit Tagen Ähnliches vor, wahrscheinlich deshalb mein nach Innen gerichtetes Kalauern. Immerhin ist der Weihnachtsmannbart ab. Mehr zu sagen, traut sich mein Anstand nicht.
Es sei denn, er hat vor, seinen Laden zu übergeben. Denn in den letzten Jahren fiel einiges fort von seinen Tätigkeiten. Man konnte noch seine Strom-, Gas-, Telefonrechnungen dort bezahlen. Überm Haupttresen hingen massenweise Rubbellose. Jetzt nichts mehr. Außer den Zigaretten und Zigarren usw. bleibt noch das Lotto, drei Slotmachines und Kleinkram wie etwa Glühbirnen, Knabberkram und Coca, Fanta, Bierdosen.
Merkwürdig ist, daß nicht wie sonst am Ende der Woche die Wochendverderber mit Arbeiten sich meldeten mit Deadline “Anfang der Woche”. Auch, daß eine Agentur mir an Sylvester einen Betrag überwies (jedenfalls kam die Gutschrift am 2. Januar), der sich aus der letzten Rechnung von 2016 und der letzten von 2017 summierte. Dazwischen liegen immer noch über zehntausend Euronen. Vielleicht höre ich ja deshalb an den letzten Abenden verdächtig oft die ‘Police’.
Kraus selbst hat keine Schuld daran. Auch wenn er heute von der neuen Strafprocessordnung sprach, die in Oesterreich 1899 in kraft trat und den Advocatengaunern ein Dorn im Auge gewesen. Er ist so pillchenweise eine hübsche Lektüre. So langsam lernt man ihn kennen, seinen Stil, der immer höflich ist, immer wohlinformiert, aber niemals hofiert. Was ihn echauffiert, läßt ihn ein eiskaltes Resümee darüber schreiben. Wilhelm Liebknecht über die Dreyfus-Affaire: Analyse pur.
Einen Tag später. Schon wieder derselbe “Lehrling” beim Tabaccaio, aber abermals in seiner Gegenwart. Ich nutzte die Regenpause, wie auch gestern schon. Zumal gestern regnete, hagelte und donnerte es. Wasser mußte aufgewischt werden unter einem der Fenster, die nach Westen gehen. Überwand mich, mußte mich überwinden, die gestern gekaufte Gasflasche in den Hof zu schleppen. Damit sie griffbereit ist.
Nach wie vor troglodytenhaftes Beimirsein. Da nur eine Arbeit zu tun ist, die nicht allzulang ist und erst für den achten fertig sein muß, treib’ ich das am Vormittag neben der Lektüre voran, am Nachmittag kümmert er sich um seine eigene Produktion, d.h. er sichtet, richtet ein. Aber was da heruntergeladen wurde von seinem Blog, ergab ein Worddokument von über 2000 Seiten. Und so stecke ich vorerst im zweiten Jahr.
Dann in der Küche mit dem Holzofen. Restlektüre mit Kleists Briefen, heute schon bei Wieland, und Wilhelmine ist nicht mehr up to date, dafür umso mehr Ulrike, seine Schwester. Beginn eines neuen Projekts aus dem Französischen (meint aber nicht Kleist, sondern ihn bzw. mich). Er kann das Übersetzen nicht sein lassen, weil ihm so ganz die poetische Ader abhanden gekommen für Eigenes (damit Sie wissen, was ich insgesamt meine, klicken Sie unten auf “Bruno Lampe”, ganz oben das neue Projekt, ohne daß ich jetzt mit einzelnen und speziellen html-Codes herumfummele).
Konsequenz der derzeit gewollten Asozialität: kein Clooney-Film gestern, keine Versammlung des Vereins, der hinter dem Bioladen steht, was mich herzlich gelangweilt und den ganzen Nachmittag unproduktiv verschlungen hätte, keine Liedermachervorstellung am Nachmittag, kein Film heute abend, et demain, wer weiß.
Analog zu dem Hypochonder, von dem es heißt, auch ein solcher könne mal krank werden, behaupte ich also, auch das Leben eines Asozialen kann durchaus spannend sein.
Denn das Leben hat doch immer nichts Erhabneres, als nur dieses, daß man es erhaben wegwerfen kann. Kleist an Ulrike, 1. Mai 1802 “Auf der Aarinsel bei Thun”. Aber keine Sorge, es heißt gleich weiter: Mit einem Worte, diese außerordentlichen Verhältnisse thun mir erstaunlich wohl, u. ich bin von allem Gemeinen so entwöhnt, daß ich gar nicht mehr hinüber mögte an die andern Ufer, wenn Ihr nicht da wohntet.

III,359 <<<<

III, 359 - Ti schermi / dal morso / de’ vermi

Ich kam vom Tabaccaio oder heute mal von der Tabaccaia zurück (der einzige Gang seit Tagen), besorgte mir noch kurz Rohrzucker (Mascobado) im Bioladen. Zu beidem hatte ich mich fast zwingen müssen, mein mittlerweile Troglodytenaussehen spottet jeder Beschreibung. Ein dicker Vollmond belohnte mich bzw. dessen versöhnender Anblick. An der Anschlagtafel der Totenanzeigen eine Jacoba-Johanna mit irgendwie niederländischem Nachnamen. Im Briefkasten dann ein Brief von der regionalen Gesundheitsbehörde. Sie erinnerte mich daran, dass seit 2006 das regionale Screening-Programm für die kolorektale Krebsvorsorge aktiv sei. Weshalb man an alle 50-74jährigen per Post einen “kit” geschickt habe. Zweimal kam dieser “kit” in den letzten Jahren hier an: er enthielt eine Plastikröhre für eine - wie man so sagt - Stuhlprobe. (Man drückt es halt nicht direkt aus, wenn’s im Deutschen heißt “Wie ist der Stuhlgang?”, heißt’s im Italienischen “Come va di corpo?”).
Den tatsächlichen Hergang meiner Sitzungen werde ich hier natürlich nicht beschreiben. Aber die Behörde wußte, daß ich mich dieser Screening-Kampagne nie angeschlossen habe. Dann gibt es noch eine dicke fettgedruckte Telefonnummer, die man anrufen könne.
Wahrscheinlich werde ich sie nicht anrufen. Denn, wenn ich eins fürchte, sind es vorsorgliche Behandlungen, die einen im Grunde bevormunden und den Körper vollends enteignen und zum Objekt machen. Nein, nicht zum Objekt, was schon wieder eine Reminiszenz der Avenidas-Diskussion wäre, bei der sich meine Glühbirne immer von selbst aus ihrer Fassung dreht, sondern schlicht zum Gegenstand.
Daß es dazu kommen kann, ist ein Gedanke. Wie etwa die gespenstischen Verse in >>> Arrigo Boitos Poem >>> “Re Orso”:
Re Orso,
Ti schermi
Dal morso
De’ vermi.

Aber König Bär ist König und hat einen Henker und läßt bei jedem Erklingen dieser Vese nach und nach alle köpfen und den Henker sich selbst, weil niemand mehr außer dem König Bär, dem diese Verse immer wieder erklingen, in seinem Schlosse am Leben war. Worauf er das Schloß verläßt und ganze einhundert Jahre durch die Welt zieht, um dann mit einhundertfünfzig Jahren doch noch zu sterben. Etliche Lustra braucht dann ein Wurm, der einst aus einem Apfel gekrochen während eines Banketts und ebenfalls auf Königs Geheiß den Kopf verloren (aber Gott schützt die Würmer, wie es heißt), um endlich den Sarkophag zu erreichen.
(Vgl. auch den Bärenhäuter in Arnims ‘Isabella von Ägypten’. (le lecteur s’amuse))
Daß der heilje Valentin auch so ein sogenannter Akephalos-Märtyrer (also “ohne Kopf”), daran gemahnt auch wieder die allernächste Wiederkehr des Wiegenfestes. We are not amused. Not really.
Andererseits muß ich demnächst dann doch meine Zähne usw. usf.
Acht Tage seit dem letzten Mal. Schuld war die Bedienungs- und Wartungsanleitung einer Elektrostauchmaschine. Sie ließ mich auch auf weitere drei Kaurismäki-Filme verzichten. Denn wenn es gegen sieben Uhr abends nicht mehr geht, geht auch nichts anderes mehr. Es sei denn, noch ein paar Kleist-Briefe an Wilhelmine in den Jahren 1800/1801 mit den Verwirrungen eines jungen Mannes, der etwas zu begreifen anfängt, aber noch nicht genau weiß, was. Ich habe eine große Sympathie für ihn. Aber was er so über die Rolle der Frau denkt, würde heute zu Entsetzensschreien führen. Halt Spiegel der Zeit. Das Gefühl, er arbeitet sich in den Briefen an Wilhelmine selbst ab, um zu etwas zu kommen, was man vielleicht so Seelenverwandtschaft nennen könnte, die er sich aber - ja, fast schon selbst - als vermeintliches Ideal verdichtend andichtet. Allerdings, es fehlen Wilhelminens (so mit diesem altmodischen Genitiv) Briefe.
Und denken an die Briefordner mit Briefen an Ihn (so nennt ich sich jetzt), verstaut unten rechts im Schreibtisch, um wahrscheinlich nie wieder gelesen zu werden)…

III,357 <<<<

III, 358 - Mit Messern schießende Polizisten

Die Bestätigung, daß stetiges und an mehreren Tagen wiederholtes Hinaufgehen in die mehr hiesige als diesige (was allerdings in dieser Jahreszeit nicht immer auszuschließen ist (was dann regelmäßig eine Kontrolle der mitterweile brüchigen Plastiplane erfordert, die sich da über das Brennholz breitet)) Oberstadt bzw. mein oberstädtisches Hiesigsein den Waden guttut, insofern als sie ein wochenlanges Unbeweglichsein beim ersten Wieder-dann-Hinaufgehen mit einer gewissen Muskelalgie beantworten.
Das begann am vorigen Donnerstag, als ich zur Apotheke mußte (Blutdruckpillenabhängigkeit, eher suggestiv als objektiv, da ich selber ja nie messe, aber als alter Herzneurotiker läßt sich so ganz ohne Hypochondrie auch nicht leben, und Hippokrates, als ich ihn das letzte Mal aufsuchte vor vielen vielen Monaten, holt auch immer gleich die Manschette hervor und macht bedenkliche Kopfbewegungen, nachdem er kräftig gepumpt, aber im Grunde sehe ich ihn, Hippokrates, lieber eher selten), ohne zu versäumen, meinen Tabaccaio zu verraten und eine Schachtel Zigaretten im Tobaccoshop fuori porta zu kaufen. Und wie selbstverständlich stand auch Ibrahim du Senegal vorm Tor mit seinen Holzdingern.
Ab Freitag dann war’s wegen Kaurismäki. Und erstmal landen. Number one, einen Killer für sich bestellen und bevor der Film losging, Madredeus aus den Lautsprechern. Sinnigerweise endete der Film auf einem Friedhof und mit einem Auto vor dem Friedhof, das grad mal einen Schritt vor dem zu Killenden zum Stillstand kam, weil der Fahrer rechtzeitig die Bremse betätigte, der aber nicht der Killer war, denn der war ihm schon auf dem Friedhof begegnet mit einer Pistole, die er tatsächlich auf ihn richtete, aber da der Killer einen Lungenkrebs hatte mit nur noch zwei Wochen Lebenszeit, diese schließlich gegen sein eigenes Herz richtete und sich damit selbst hinrichtete, war auch das erledigt. Wow, dacht’ ich am Ende, die zur Poesie erhobene Lebensmüdigkeit mit den einfachsten Mitteln. Beckett? Nee, bei Kaurismäki fehlt diese beckettsche Verpuppung. Ein Ertragen vielleicht, ein - wie auch immer - maulfaules Hinnehmen, ohne endgültig zu resignieren. Auf der Selbstmordklippe Dahinlebende, Dasein im Augenwinkel Nippende. Nicht ohne Dankbarkeit, die aber nicht darauf erpicht ist, sich zu äußern.
Dann Samstag die andere Geschichte. Lichter der Vorstadt? Keine Ahnung. Scheitern. An der Nase herumgeführt werden. Im Grunde nur Instrument sein. Happy End = a happy Hand für den Zusammengeschlagenen.Hinterher schwierige Unterhaltung bei Valda in der Pizzeria. Zu viert bei Bier, Crema catalana und Pommes. Schwierig aber nur, weil’s voll war und laut war. Und wieder hinauf.
Gestern ging das Heraufsteigen wesentlich schneller, es kamen mir unterwegs physiologische Beweggründe in die Quere, und alle Muskeln machten nunmehr durchaus mit. Im Grunde flüchtete ich. So drei Abende hintereinander. Außerdem hatte ich den Film von gestern tatsächlich schon einmal im Fernseh’ gesehn. Irgendwas mit Wolken, die vorbeiziehen, die man aber am Ende nicht sieht, sondern die Augen, die ein Hinaufschauen zu ihnen suggerieren. Abermals ein Happy End. Viel Alkohol und Zigaretten. Fürsorge. “Hast du dir wehgetan?” Nachdem er im Flur nach einem Kneipengang vornüber auf den Boden geknallt.
[Spiegelatmosphären jetzt: “Was das eigentlich vorstellen soll, sieht man gar nicht ein; und um die Täuschung vollends mit dem Dolche der Wirklichkeit niederzubohren, hangen an jeder Seite des Pfahls vier niedliche Spiegel, die das Bild des Gemäldes auf eine widerliche künstliche Art zurückwerfen.” (Kleist, Brief an Wilhelmine von Zenge, 16. August 1800; er spricht von einem Panorama der Stadt Rom auf dem Berliner Gendarmenmarkt).]
Da ich wie oft so früh zu den Filmen komme, ist kaum schon jemand da - ‘deutsche Pünktlichkeit’ -,lediglich ein anderer Zuschauer war schon da. Ein gewisser Giovanni, Architekt. Der fing dann an zu schwadronieren, kam von der Bücherverbrennung (was in Italien nicht stattgefunden habe) zur Monumentalarchitektur (Olympiastadion) zum wunderbar funktionierenden Nahverkehr in Berlin, wo er gewesen sei. Ähnliches kenne ich ja nun schon von früher und meinetwegen bezogen auf München. Aber das war alles nicht weiter interessant, auch nicht das Geschwafel von den Grünen oder weiß der Geier was. Wirtshausschwafeleien und Allerweltsmeinungen. Ich ging lieber eine Zigarette rauchen.
Da ich aber - allerweltsselig - hatte fallen lassen mein schon viele Lustra dauerndes Hiersein, kam er dann doch wieder zu mir und fragte nach. Das Stichwort Florenz und das Stichjahr 81 (das Stichjahr!) verleitete ihn zu Konfessionen: er habe da auch studiert. Und dann kam eine Art Bekenneraussage: er habe dann aber zehn Jahre im Gefängnis gesessen. Natürlich die Frage: wieso? Banküberfall, einen Toten habe es gegeben. Ob ich darüber nicht in den Zeitungen gelesen hätte? Nein, zu der Zeit hätte ich noch kaum die Fühler nach Italien ausgestreckt.
Nachhaken konnte ich nicht mehr. Würde es aber gern tun. Der Film fing an.
Dann wie gesagt, schnell zurück, Lust zu trinken und zu rauchen.
Abschaffel rauchte im Büro und drehte dabei zwischen Daumen und Zeigefinger die Haare seiner Augenbrauen. Er zwirbelte kleine Bündel zusammen und dann auf seine Fingerkuppen. Häufig lösten sich kleine Haare, und Abschaffel legte sie vorsichtig nebeneinander auf den Aschenbecherrand. Manchmal steckte er sich ein einzelnes Augenbrauenhaar in den Mund, spielte eine Weile damit und zerkaute es. Genazino, Abschaffel
Dann gestern und auch heute noch die verstörende Nachricht in digitalen deutschen Zeitungsblättern: Polizisten erschießen mit Messern… bewaffneten Mann. Erst heute wurde mir klar, daß da ein Wort fehlt: “einen”, es geisterten bis dahin ‘mit Messern schießende Polizisten’ in meinem Kopf herum.

III,357 <<<<

III, 357 - Schweinereien

Nein, ein Erdbeben hatte es nicht gegeben. Und die immer etwas unsicher auf dem Herd stehende kleinere Pfanne enthielt brutzelnd, was sie brutzeln sollte: eine Zwiebel. In der Erwartung, daß sie irgendwie sich bräune, kehrte ich zum PC zurück, blätterte in der ‘Zeit’. Als ich zu einem Titel gelangte, der die Worte ‘Trump’ und ‘Clown’ verband, ohne daraus eine Gleichung zu machen, erfolgte hinter mir ein Scheppern. Die Pfanne mit der Zwiebel und dem zwangsläufigen Öl war selbstmörderisch vom Herd gesprungen und auf dem Boden gelandet. Man nennt so etwas eine ‘Schweinerei’ (Aber das ist eine Schweinerei. >>> Joyce, Giacomo Joyce). Zwiebelstücke zusammensuchen und entfernen. Reinigungsprodukte bemühen, Wasser in den Eimer. Schrubben. Zum Glück brannte der Holzofen, da ward schnell trocken, was Wasser war, aber ich fürchte, es ist dem Öl noch nicht endgültig der Garaus gemacht.
Mit Pasolinis ‘Petrolio’ ‘fertig’ geworden heute. Dieses Panorama seiner Kultur, die nur ihm gehört. Selbst wenn er dann noch Dante adaptiert und seinen Carlo auf einen Karren setzt, den drei Götter ziehen, von denen einer stumm ist, die anderen beiden ihm aber den Text für seine Gedanken liefern. Der Karren ist eine Art Kamerawagen, der rückwärts fährt und immer im Fokus ein Pärchen hat: Il Merda und seine Flamme (Il Merda e la sua mecca, wie es zweimal heißt (le mac heißt es wohl auf französisch fürs männliche Pendant (Macker))), ihr Köpfchen ihm zugeneigt, sein Arm um sie herum geschlungen, und das die ganze Via Tor Pignattara in der römischen Peripherie entlang, und jede Querstraße ein Höllenkreis in eine jeweils andere Rot-, dann Grün-, dann wieder Rotfarbe getaucht. Eines der abgeschlosseneren Stücke dieses aus Fragmenten bestehenden Buches.
Ein anderes Mal dachte ich: Boccaccio. Rahmenerzählung (High-Society-Empfang), sich absondernde Intellektuelle, die sich Geschichten erzählen, die wiederum über all das und die Erde selbst hinausgehen. Irgendwo die Idee einer Explosion eines Bahnhofs (Bologna). Das Verlassen des Bahnhofs, die Abwesenheit der Stadt schlechthin, ein Wandern durch eine imaginäre Po-Ebene bis hin nach Turin. Alles sehr menschenleer. Und ganz zu schweigen von Geburten aus Männerbäuchen, wo plötzlich Scheiße (Il Merda) anfängt, ein Säuglingsplärren von sich zu geben.
Die Auffassung der Welt als Körper ohne Rückhalte und die Konstatierung, daß dieses Festhalten am Körper sich im Hedonismus nicht anders halten läßt als im Konsumieren. Vielleicht hier ein Ansatz. Der Blick geht über weite Strecken zuallererst auf den Unterleib.
Gut: es gibt noch weitere Texte, die ich noch nicht kenne. Si potrebbe continuare (Ungaretti).
Und endlich wieder eine Bedienungs- und Wartungsanleitung: an die 80 Seiten netto. Da weiß man, was man hat, was man sonst nicht hat. Und am letzten Wochenende der schmerzliche Verzicht auf >>> Kaurismäki wegen der anderen Übersetzungen (7 Abgaben am Anfang der Woche (zum Ausgleich zwei weckerlose Schlaforgien (Körpersein, nichts sonst) gestern und heute)). Aber da es zehn Filme sein sollen, bleiben mir noch sechs Filme. Hope so.

III,356 <<<<

III, 356 - Merkwürdige Begegnung

Seit einer Woche war die Wasserrechnung fällig und ich somit irgendwie gezwungen, doch noch das Postamt aufzusuchen. Gestern hatte ich hinunterspazieren wollen, aber es waren Arbeitsbestätigungen abzuwarten, vor allem eine recht heftige. Und die kam dann auch prompt. Was mir für die nächsten Tage kein geringes Handicap beschert (“Andy Capp”). 26 Seiten und ein Gemisch aus Kunstgeschichte und Kulturgütergesetzgebung, geschrieben von einer der oberen Ebenen der Gerichtsbarkeit. Man will etwas zurückhaben. Deadline: Montag “ora di pranzo”, wie es hier so schön heißt, meint “so zwischen Mittagessen und Verdauung, möglichst aber noch vor der Verdauung”.
Hinzu kam eine morgige Deadline, an der noch herumzutricksen war und ist. Aber die Quelle habe ich mittlerweile ausgemacht, an der das entlanghangeln kann: EG-Maschinenrichtlinie, wo sich manches wiederfindet, was der Text enthält.
Also Ende der Tage der Enthebung von aller fremdbestimmten Sorgfalt und Weckeraufmerksamkeit.
Und fuhr dann hinunter mit dem Auto, erst zum Supermarkt, nein, nicht Coop, sondern zu dem einen etwas verborgenen gleich neben der Feuerwehr, wo mir neulich der Mond schien und eine Gloria eine einzige Zitrone wog.
Auf dem Weg zwischen abgestelltem Auto und Supermarkteingang hielt ein Auto neben mir. Der Fahrer gestikulierte wild mit den Armen. Bis ich mich gezwungen sah, die Autotür zu öffnen. Ein völlig unbekannter Mensch. Wo ich denn gearbeitet habe so ums Jahr 95 herum? Naja, unter anderem bei Enel, der damals noch staatlichen Elektrizitätsgesellschaft. Und was das für eine Arbeit gewesen sei? Naja, Deutschunterricht. Und kam mit einem “Wie heißt du?” heraus. Ich beteuerte, ihn nicht zu kennen. Er bestand darauf, einer meiner Schüler gewesen zu sein. Das Ganze verdatterte mich nicht wenig, auch weil er sein Auto seitlich eingeparkt hatte, um mich zum Sitzen darin aufzufordern.
Aber natürlich ein ‘Wie es mir gehe usw.’. Er sei mittlerweile in Mailand, mache in Lederwaren, sei in Terni gewesen, um Musterstücke aus der Produktion bei einer bekannten Bekleidungskette vorzustellen. Immer noch nichts, was mir bekannt vorgekommen wäre in dem Gesicht.
Sprach von seinen Musterstücken, fragte mich, welche Größe ich trage. Fummelte mir im Mantelkragen herum und stellte fest: “L”, ließ mich seine Musterstücke befummeln: eine Mischung zwischen Lederjacke und -mäntelchen und ein Lederjäckchen. Die seien insgesamt über 1000 Euro wert. Er wolle sie mir geben. Denn er müsse noch heute Abend nach Mailand zurück.
Ich war immer noch verdattert und hatte immer noch keine Ahnung - wie auch jetzt noch nicht -, wer da neben mir saß. Das einzige, was sich sagen läßt: einer, der mich wiedererkannt hat. Auch sein Name, den er nannte, sagte mir nichts.
Welche Größe denn die Frau trage, denn er hatte auch eine weiße Damenlederjacke dabei. Nun, sagte ich, ich sei mittlerweile geschieden. Also wurde das Thema beiseite geschoben. Und er fuhrwerkte mir die beiden zuerst gezeigten Jacken in eine große Plastiktüte. Und überreichte sie mir. Aber einen kleinen Deal wollte er dann doch machen. Ich solle ihm doch wenigstens das Benzingeld geben. Wahrscheinlich für die Fahrt zum Flughafen. Und nahm mir dann 70 Euro ab. Also “einmal Volltanken und Autobahngebühr”.
Er habe, wie er vorher beteuerte, die Musterstücke loswerden wollen, um nicht am Flughafen Mehrwertsteuer dafür entrichten zu müssen. Was ich allerdings nicht verstanden habe. Unbegreiflich auch, was er da bei dem entlegenen Supermarkt zu tun hatte. Ok, es gibt da einen Gebrauchtwagenhändler, der auch gebrauchte Motorräder verkauft. Aber danach zu fragen, war mir nicht eingefallen.
Und so gab er mir die beiden Lederjacken, und ab dafür.
Zuhause dann probierte ich. Die eine paßt und läßt sich tragen, das Jäckchen allerdings zu eng. Wäre zu verschenken. Unter den superschlanken Personen (bin ja selber nicht grad großleibig), die ich kenne, käme eigentlich nur eine in Frage.
Merkwürdige Begegnung. 1995? 22-23 Jahre her! Und ich sehe immer noch so aus? Enel, Piazza Verdi, Viale Regina Margherita mit den Platanen und den Pollen im Mai, es schien immer, als ob es schneite. Und der Pollenschnee dann in den Straßenbahnschienen.
III,355 <<<<

III, 355 - … und der Gürtel des Orion

Epifania del Nostro Signore und Apertura Staordinario des einen Supermarkts - Coop. Seit dem ersten Januar war ich aus dem Stadttor nicht mehr herausgekommen. Ein paar Sicherheitshalber-Einkäufe insofern, die geringe Arbeit erlaubte dies. Zumal zu einer Zeit, in der kaum jemand unterwegs ist. Es war auch nur eine Kasse besetzt mit der Sonn- und Feiertagskassiererin, der ich tatsächlich eine “buon anno!” wünschte. Ein bißchen wundert sie sich, stellte aber fest, dass man sich im neuen Jahr noch nicht gesehen hätte. Ich hätte antworten können, dass das neue Jahr noch nicht einmal begonnen habe zu laufen. Jedenfalls für mich nicht. Und überhaupt, es müsse erst noch auf die Beine kommen. Aber das fiel mir wie meistens erst hinterher ein.
Denn auf die Beine war ich ja schon gekommen am Abend davor. Und spürte das sogar heftig. In den Beinen nämlich. Eine Veranstaltung, zu der ich nicht eingeladen war (via fb) merkwürdigerweise. Dennoch die zufällige Entdeckung einer “Cantina del poeta”. Kam mir bekannt vor. Hatte ich auch mal, und der Mit-Initiator meiner Initiative damals war einer der Mitveranstalter dieser Initiative. Aber scheinbar war ich nur ein wilder Nebenzweig zu meiner Zeit, denn auch schon vor mir gab es Initiativen in dieser Richtung unter dem gleichen Titel. Also ein ziemliches Initiativengestrüpp, dem nun wieder Wasser zum Grünen eingegossen wurde.
Nach der zufälligen Entdeckung blieben zwei Stunden, in denen ich rasch meine Ausdrucke durchblätterte und dann drei eigene Machenschaften und meine furiose Lebenslauf-Übersetzung (Hölderlin: che emozione allora, als ich’s unter Dach und Fach hatte, es brauchte den millionsten Teil der BER-Flughafenbauzeit, und Kosten durch Null lassen sich nicht teilen, wie auch nicht das Tränchen, das hinterher floß, als es fertig war).
Sackte es ein in den schwarzen Mantel, den einst dort im Abruzzendorf der Schneider meinem Ex-Schwiegervater, der neben ihm wohnte, geschneidert, und ging tatsächlich hinunter. Mal sehen.
Ein Trüppchen stand da schon. Und es wurde dann richtig voll. Anders als bei meiner Initiative damals. Lag wohl auch an der Mitveranstalterin. Eine, die edlen Schmuck herstellt. der Raum auch geprägt von solchen Sachen. Zwar sah ich sie schon öfter, aber einen Draht fand ich nie. Glattes blondes, manchmal ganz eng anliegendes Haar, makellos glatte Haut. Kein Stolpern möglich über Unregelmäßigkeiten. Quasi un impedimento.
Kurz, ich las tatsächlich. Aber keine Sitzgelegenheiten. Es wurde langsam unbequem. Und selbst die Freude über den einen alten Herrn (70? 80?), der über eine Island-Reise in diplomatischen Angelegenheiten (?) und einer Begegnung mit einer Sigrud hoch auf ihrem Pferd in Versen erzählte und dabei Verse aus dem Gedächtnis zu rezitieren versuchte, die er damals geschrieben. Aber er bekam’s noch zusammen, ohne auch nur ein Stück Papier bei sich zu haben. Rezitieren einer nunmehr lückenhaft werdenden Erinnerung, reichte nicht, mich, meinen feststehenden Beinen Erleichterung zu verschaffen. Andere saßen auf dem Boden. Es wäre dito unbequem für mich gewesen.
Also ging ich raus, mir die Beine zu vertreten. Und war auch nicht der einzige.
Gestern >>> “Victoria”, Bier, Patatine fritte und eine Pizza Margherita zu fünft bei Valda, der Gürtel des Orion und dann allein noch etliche Versionen der Bach’schen >>> “Chaconne” (sehr sinnlich) bis tief in die Nacht.
Pasolini steht auch noch auf dem Zettel, aber den hak’ ich ein anderes Mal ab. Denn hierfür wäre ein ganz anderer Denkschlenker notwendig (obwohl der Chaconne-Link schon in diese Richtung geht: “linguaggio dei corpi e dei capelli” (Petrolio, 337).

III,354 <<<<

III, 354 - Neujahrsnacht e dintorni

Das Jahr begann mit einer unvorgesehenen Autofahrt bzw. mit der Gewißheit, mir am Vormittag Zigaretten kaufen zu können, wie das auch Weihnachten möglich war, denn zumindest an den Vormittagen der Sonn- und Feiertage hält der “ho più di 80 anni”-Vater (sagte er mir neulich) des Tabaccaio den Laden 100 Meter weiter offen. Am Neujahrsmorgen indes nichts. Alles zu. Da ich nur noch eine Zigarette hatte, blieb nur eine sichere Möglichkeit: die Raststätte an der Schnellstraße Richtung Orte zu erreichen und gleichzeitig dort zu tanken. Denn soviel Sprit war da nicht mehr. So ein Dreißigkilometerspäßchen. Unterwegs stellenweise heftiger Regen.
Zu dieser Sicherheit hatte mich am Vorabend der Gärtner bewogen: es fände nichts statt bei Tullia, sie sei woanders eingeladen, und er, der bei ihr mit der Japanerin untergebracht, wisse noch nicht so genau (somit durfte ich sicher sein: keine Feier, kein Zigaretten-Schnorren). Erstmal schlafen, meinte er. Sie, die Japanerin habe überhaupt ein wenig unter all dem “Kulturschock” gelitten (oder unter seiner Kultursorge? als sie beide am ersten Abend nach der Ankunft hier waren, schien das nicht so bei ihr (ich fürchte, er hat sie einfach nur überanstrengt mit der Reise nach Rom und zum Flohmarkt Porta Portese am Sylvestertag (alle paar hundert Meter sei eine Band spielbereit gewesen da in Trastevere - cool! (fand zumindest er)))). Wie lange sie denn schon bei ihm sei? Drei Monate. Direktemang aus Tokio zum Kaiserstuhl. Und dann die Reise jetzt nach Italien. Bereits am Tag davor, ich wollte zum Bioladen, standen sie vor dem Hofaufgang nach einem Spaziergang durch Amelia. Er schickte sie zum Ausruhen bei Tullia, begleitete mich zum Bioladen und saß noch ein Weilchen bei mir.
Übertriebene Schutzgesten. Und irgendwie unheimelig und wie aufgedruckt der etwas sterile Lippenkuß vorm Fortschicken.
Ein Zehntausendkilometerspäßchen? Auch Tullia, der ich gestern zum Neuen Jahr gratulierte, meinte, sie habe ihn nie so gesehen. Und sie kennen sich schon lange. Immer im Zimmerchen, die beiden. Und waren abgefahren, ohne sich verabschieden zu lassen.
[Cavalcai] con intenzione sincera nei miei desideri, la quale / mi portava a speranze bugiarde che venivano dalla preoccupazione dell’animo. Ibn Hamdis : Reiten in der aufrichtigen Absicht, die mir Wunsch gewesen und falsche Hoffnungen mir eingab, die der Sorge des Herzens entsprossen. Oder so.
Und landete dann an Sylvester lang nach der Essenszeit und wieder mal nach einigen Seiten mit Beschreibungen von Schwänzen (Penissen? Penaten? männlichen Geschlechtsteilen?) bei Pasolini (Dinner for One habe ich mir tatsächlich angesehen, aber das Kind ist nicht mehr in mir, das dabei lacht: Öde) beim ami belgique. Alles en famille. Ein Freund mit fünfjährigem Sohn noch dabei. Und Kindersprache üben. Die anderthalbjährige Tochter.
Im Ostello gegenüber ebenfalls eine Feier. Überraschend diskret. Ganz ohne Beat. Merci!
Heimgang gegen zwei Uhr nachts. Da hält an der Gärtner neben mir mit seinem Auto. “Zu Valda?” “Nur, um zu gucken.” Runter zu Valda. Anhalten. Ein Pulk junger Menschen davor. “Ich fahr’ wieder rauf.” Hatte nichts dagegen. Abschied mit einem “à demain” beiderseits, aber da kam niemand, also vorgestern. Dann die abschiedslose Abreise.
La dissociazione è ordine. L’ossessione dell’identità e la sua frantumazione è disordine. Pasolini, Petrolio

III,353 <<<<

III, 353 - Himmel : graublau mit Halbmondpuppe im Gewölk

Eigene Vergangenheiten sind immer etwas Gestriges, anders als andere Vergangenheiten, die durchaus aktuell werden können. Denn Eines ist es, meinetwegen den Karl Kraus des Jahres 1899, wie jetzt, zu lesen, ein Anderes, sein eigenes, vom damaligen Jetzt infiziertes Schreiben von vor 13 und mehr Jahren zu sichten. Man begreift nur, daß es gut gewesen, es getan zu haben. Ich warte bei der Durchsicht nur noch darauf, daß es über das Jeweilige Jetzt hinausgeht. Die ersten fünf Monate Blog (einfach unten auf Bruno Lampe klicken) haben’s noch nicht wirklich drin.
Ich fürchte aber, daß das wieder versanden wird, wenn der normale Trott wieder kommt mit seiner Brotarbeit. Wie schon geschehen mit der Durchsicht meiner Tagebücher, die im ‘August-Urlaub’ begann.
Immerhin, ich schlaf’ bis in die Puppen. Für diese Puppen gilt nicht >>> “La puppet qui fait non”. Pas des puppets. Nur zuweilen in der Vorstellung. Je nun, ich komme direkt aus den Seiten, auf denen der eine Carlo bei Pasolini, der sich ein paar Seiten vorher stracks in eine Frau verwandelt, nachdem er am Bahnhof Termini im Jahr 1969 junge, über ihre Körper beschriebene Arbeiter auf Lastwagen hat vorbeifahren sehen, die ein rotes Tuch um den Hals trugen und Partisanengesänge von sich gaben, jungen Heranwachsenden auf einer Wiese bei Rom reihenweise seinen Mund darbietet und dabei minutiös das jeweilige Geschlecht und die Art beschreibt, wie jeweils die Schüchternheit zum Ausdruck kommt und überwunden wird.
Mit Batailles ‘Ciel bleu’, den ich heute ausgelesen, konnte ich weniger anfangen. Morbide Schmerz- und Krankheitszustände, viele Tränen, am Ende eine furiose Vereinigung im Schlamm bei Trier am Rande eines Abgrunds, der wie mit Sternen von den Lichtern eines Friedhofs besät ist, der am Grunde des Abgrunds liegt. Vom Alkohol ganz zu schweigen. Von London geht es in ein Wien, in dem gerade Dollfuß ermordet wurde, in ein Barcelona, wo sich Bürgerkrieg ankündigt und ausbricht, um zu enden in Frankfurt und mit dem faszinierten Anhören von Hitler-Pimpfen, die vor dem Bahnhof trommeln und pfeifen. Und damit alles schon vorwegnehmen.
Vorgestern lud mich die Ex-Schwägerin zum Mittagessen ein. Weihnachten geht das immer schlecht, da kommt nämlich an Heiligabend die Ex zur ihr, und sie mit den Neffen ist dann am Weihnachtstag bei der Ex. Immerhin kam mich am Tag davor der eine Neffe (was man so Nenn-Neffe und Nenn-Onkel nennt) vorbei: Gute Wünsche und Erkundigung nach meinem Ergehen.
Die Ex-Schwägerin hatte während des Films ‘Cuori puri’, den ich jüngst erwähnte und verärgert verlassen hatte, neben mir gesessen. Erzählte mir dann die zweite Hälfte des Films: da die kirchlich angehauchte Mutter des Mädchens dito auf Keuschheit vor der Ehe versessen war (sie mit ihr sogar zum Gynäkologen gegangen, um sich ein intaktes Hymen bestätigten zu lassen), hatte das Mädchen ein Problem, weil der Freund eben doch wollte. Und sie dann nur auf sich selbst horchte, passierte es halt. Wie es aber der Mutter beibringen? Bis ihr dann einfiel zu sagen, einer der Zigeuner habe sie vergewaltigt.
Meine “hm’s” blieben. Was klagt ein solcher Film an? Die Rückständigkeit der Italiener? Die falsche Humanität den Zigeunern gegenüber? Die Probleme, sich mit irgendwas über Wasser zu halten? Also eher ein essayistischer Film, der hier ein Stückchen, da ein Stückchen anschneidet, ohne auf den Punkt zu kommen? Daß das Leben eine Heuchelei. Und Altruismus, wie er betrieben wird, mitnichten auf Menschenliebe basiert, sondern immer nur sich selbst feiert. Denn anders wäre es wohl nicht möglich, einen Zigeuner anzuklagen für das, was einem als Schuldempfindung eingeimpft wurde. Der Zigeuner ist der, der auf einer niedrigeren Stufe steht. Dem so etwas zuzutrauen ist.
An den bemerkte ich unwillkürlich eine Art Wachstum. Wie das? Ich fragte danach, da sie ja nun aus dem Wachstumsalter heraus sind. Die Oberkörper irgendwie mächtiger. Kunststück: Fitness-Center. Gewichte stemmen. Tatsächlich fragte mich der mich besuchende Neffe, ob ich nicht Gefallen daran finden könne, mich körperlich zu betätigen. Ich zuckte aber nur mit meinen schmächtigen Achseln. Nicht unbedingt. Und dachte an das Schieben des Rasenmähers damals auf dem Lande und wie ich ihn bergauf stemmte und bergab zu halten versuchte.
Am selben Tag, als der Neffe kam, es war schon dunkel, kam der >>> Schönwetterbauer, mein hiesiger Vormieter (einst nannte ich ihn im Tagebuch als MM oder apostrophierte ihn als ‘Gärtner’), vorbei mit seiner neuen Frau, einer Japanerin. Er sagte, ich solle mal “Menschen und Märkte” in die Suchmaske eingeben. Ich tat’s. Nehme an, daß ich morgen dann den Sylvesterabend bei Tullia verbringen werde, wo die beiden untergebracht sind. Er verhieß eine Carbonara. Binnich, als Carbonara-Experte, kritik-süchtig allerdings gespannt.
Guten Rutsch!

Am Ende der schneeweißen neuen Brücke über den Tiber,
fertig gebaut von den Katholiken, um die Faschisten nicht Lügen zu strafen,
zwischen Friesen, Säulenstümpfen, falschen Fragmenten, unechten Ruinen
eine Gruppe von Frauen, die in der Sonne auf Kunden wartete.
Darunter auch Franca, eine, die aus Viterbo hierher gekommen war,
ein Mädchen, aber schon Mutter, die war am schnellsten:
lief rufend zur Tür meines Autos
so selbstsicher, daß ich sie nicht mehr enttäuschen konnte:
stieg ein, machte es sich bequem, fröhlich wie ein Junge,
und führte mich Richtung Via Cassia: bogen dann ab und
fuhren auf einer verlassenen Straße unter der Sonne
zwischen Gipsbaustellen und tripolitanischen Häuschen
und gelangten zu ihrem Platz: eine kleine Wiese
unterhalb einer Anhöhe mit Moosflechten und Grotten.
Ein altes braunes Pferd weiter hinten im feuchten Gras,
ein leeres Auto inmitten der Büsche
und nicht weit : hier und dort das Echo festlicher Böller:
rings herum war es voller Paare, junge und arme Leute.
In jenen Tagen waren mein Leben, meine Arbeit angefüllt,
keine Unausgeglichenheit, keine Angst bedrohte mich:
jahrelang war ich vorangekommen, zunächst durch die Gnade des Körpers,
- Sanftmut, Gesundheit und Begeisterung, die mir die Geburt gab,
dann durch ein Licht des Denkens, wenngleich noch unsicher,
- Liebe, Kraft und Bewußtsein, die ich mir im Leben erwarb.
Und doch, erstes und einziges ungeborenes Kind, es schmerzt mich nicht,
daß du niemals hier sein kannst, auf dieser Welt.

Pier Paolo Pasolini, A un figlio non nato


III, 352 - Absolute Stille

Es hatte mich wieder hinabgezogen. Das war Samstag. Letzter Film vor Weihnachen. >>> ‘Cuori puri’ - ‘Reine Herzen’ - sollte es geben. Liebesgeschichte zwischen einem 25- und einer 18jährigen. Möglich, daß ich etwas wiedererleben wollte, was damals die Zahlenkombination 20/17 (oder 21?) hatte. Italienische Produktion, herausgekommen in diesem Jahr. Aber schon nach einer halben Stunde war klar: ich bin im falschen Film. Und hätte es mir auch schon vorher denken können: italienische Filme sind nichts für mich. Was zumindest das gängige Muster betrifft.
Eine Tochter und eine Mutter. Kein Vater. Engagement in der Kirche. Ein Priester oder sonstwie Kleriker, der über Keuschheit vor der Ehe redet, vor ihm als Zuhörer lauter junge Menschen. Engagement zugunstens eines Rom-Lagers (also Zigeuner): Geschenke, Gaben. Emotionen, die im Konzilianten versinken: “Wir sehen uns in der Kirche?” So die Mutter zur Tochter. Eine moderne, aufgeschlossene Kirche. Konziliant, wie gesagt.
An das Rom-Lager grenzt ein Parkplatz. Wächter des Parkplatzes ist der 25jährige. Job-Probleme. Manchmal Ärger mit den Zigeunern. Auch er hat eine Mutter, aber eben auch keinen Vater. Verhältnis dito konziliant.
Was Konflikt sein und auf Widersprüche verweisen könnte, wird im Keim erstickt. Etwa die Geschichte der Mutter des 25jährigen, die ihre Wohnung verliert. Irgendwann besucht er sie mit der 18jährigen (da hatte er sie schon geküßt gehabt und war mit ihr am Meer und auch im Wasser gewesen (also wahrscheinlich, um doch noch etwas Körper hineinzubringen)), dann in ihrer Notbleibe: ein Bekannter hatte ihr einen Wohnwagen zur Verfügung gestellt. Das war’s aber auch schon zu dieser Thematik. Nicht der Anflug einer Analyse.
Schauspielerisch überhaupt flach und bar aller Innigkeit. Die Mütter erscheinen als zufällig gewählte Schauspielerinnen. Nach einer Stunde stand ich kurzentschlossen auf und ging. Bloß keine italienischen Filme dieser Art mehr!
Carlo, ein Doppelmensch, denn es gibt Carlo I und Carlo II, geht da ganz anders mit seiner Mutter um in Pasolinis >>> ‘Petrolio’ (hier eine andere Rezension der bei >>> Wagenbach erschienenen Übersetzung): den bzw. das mir für diese Jahresendzeit hervorgeholt (das Buch besitz’ ich als Erstausgabe (heißt aber nur, ich kaufte es, sobald es erschienen war, ohne es aber gleich zu lesen (aber verräterisch allemal das Wort ‘Besitz’ (ein Buch besitz’ ich erst, wenn ich’s gelesen)))), der sie nicht nur einmal, sondern gleich mehrmals fickt. Und nicht nur sie, sondern auch seine vier Schwestern, was aber nicht näher beschrieben, sondern nur noch erwähnt wird, wie auch noch die Großmutter, einer ihrer Freundinnen, mit der Dienstmagd der Familie, ihrer vierzehnjährigen Tochter, zwei Dutzend gleichaltrigen Mädchen usw. Beschreibungen exhibitionistischer Szenen.
Kann auch sein, es sei dies nur eine Metapher für das, was Seiten später folgt: die Beschreibung von Firmenverflechtungen. Mutter- und Tochtergesellschaften. Das Sexuelle der Macht wie schon in >>> ‘Die 120 Tage von Sodom’ (als ich ihn damals sah, waren es eher die anderen Zuschauer, die den Film vorzeitig verließen).
Es folgen Szenen aus dem Salon-Leben (Macht-Besitzer) im Rom der späten 50er und frühen 60er Jahre. Und bin bei einem Fünftel dieser Geschichte. Das ganze Projekt war auf 2000 Seiten angelegt, publiziert wurde dann das, was sich vorfand. Pasolini: “ma io vivo la genesi del mio libro” (petrolio 48).
Also eher das Beschreiben der Entstehung dieses Projekts.
Da ich ihn, Pasolini, schon oft sprechen hörte (youtube gibt hierzu reichlich Möglichkeit): ich höre tatsächlich seine Stimme, die Art, wie er sprechend die Worte setzt.
Am Heiligen Abend die Einladung zum Weihnachtsessen bei den Ukrainern. Wahrscheinlich, weil ich vor ein paar Tagen Meroslava auf ihre Bitte vom Zahnarzt abgeholt, denn sie hat ja keinen Führerschein. Also Rotwein schon zu Mittag und auch noch zwei Gläschen 50prozentigen Vodkas direkt aus der Ukraine. Kindheits- und Jugendgeschichten, die gar nicht mal so unähnlich waren, was zum Beispiel Schweineschlachten betrifft, oder daß da einer gewesen sei, der immer sagte, man müsse morgens, wenn man einen Kater hat, gleich erstmal ein Bier trinken. So einen gab’s im meinem Dorf auch. Nu’ lebt er nich’ mehr.
Beim Rauchen auf dem kleinen Terrässchen die Feststellung an diesem ersten Weihnachtstag: absolute Stille!
Und, oh holy shit, die ganze Zeit lief der Fernseher, während wir am Tisch saßen! Und immer noch dieselben Gesichter, die ich noch vor meiner fernsehlosen Zeit (zehn Jahre nun schon) kannte.
Als ich heimkehrte, lief wieder die Wiedergängerin um, die es scheinbar zu Hause nicht aushalten kann, verduckt ihre Richtungen wechselnd, aber sie ließ sich nicht vermeiden. Ich grüßte, machte ein paar Bemerkungen zur Stille der Tageszeit und schlupfte in meinen Hof hinauf.
Bis zum nächsten Morgen, der heute war, fastete ich.

III,351 <<<<

 



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