Sprache
Macht, sprachhistorisch völlig korrekt, die Greuel zu Gräuel. Doch fragt man sich, was Gräuel denn jetzt seien?: K l e i n e Grauen? War denn nicht grad das Gegenteil, war n i c h t ein Grauen gemeint, das jedes Grauen überstieg? Wo die Sprache selbst eine Identität des Eigenen entwickelt hatte und einem Wort fast wesenhafte Substanz verliehen, reduziert es die neue Rechtschreibung auf eine Erklärbarkeit, die Greuel eben nicht hatten. Als hätten sie es d o c h. So lügt man sich sprachlich das Ungeheuerliche handlich.
[Bei >>>> Littell.]
albannikolaiherbst - am Montag, 17. März 2008, 06:43 - Rubrik: Sprache
Erschrocken ruft mich ein Anwalt an und zitiert das Amtsgericht:
"Ihre Anfrage kann derzeit nicht beauskunftet werden."
albannikolaiherbst - am Freitag, 2. Februar 2007, 12:48 - Rubrik: Sprache
Es trägt - ähnlich dem ‚Schicksal’ - die Dichtung, und zwar gerade durch eine ambivalente Zusammenlegung, die recht eigentlich Verschiebung ist. Aus dem germanischen wæno zu wān, beides „Hoffnung, Erwartung“, geworden, legt es sich mit dem mittelhochdeutschen wan, „leer, unvollständig“, zusammen und l e e r t die Hoffnung. Dennoch bleibt im sprachlichen Untergrund, den ich dem menschlichen Unbewußten analogisiere, der Lebenswille erhalten, und zwar über das S p i e l e r i s c h e: das illūdere, „täuschen, verspotten“, in „Illusion“ treibt nämlich lūdere, „spielen, täuschen“ an und schließt zugleich den Bedeutungshof zum Schein der Ästhetik: demjenigen, das wahrgenommen wird, aisthánisthai. So bleibt aller Wahn, zumal dem Ästhetischen eingeformt, an eine Bewegung gebunden, die hoffend w i l l. Sie allein widersteht dem Pragmatismus, der mit dem Realismus schulterschließt und prinzipiell resignativen Characters ist.
Deshalb trägt gerade das Wahnhafte der (erzählten) Dichtung ihre Größe, nicht etwa eine auf die Frage, wie man ‚richtig’ leben könne, zielende Moral. Die ist ihr - letzten Endes - bei aller Menschlichkeit abträglich. Denn sie harmonisiert außerhalb der Kunstbewegung, will nämlich nicht wahr, sondern gut sein. Es war ein willentliches Mißverständnis der Klassik, dieses beides zusammenzulegen und gar noch das schön hinzuzutun. Sozusagen wiederholte sich wān und wan. Die a l t e Klassik, die Antike, war da weiter.
Deshalb trägt gerade das Wahnhafte der (erzählten) Dichtung ihre Größe, nicht etwa eine auf die Frage, wie man ‚richtig’ leben könne, zielende Moral. Die ist ihr - letzten Endes - bei aller Menschlichkeit abträglich. Denn sie harmonisiert außerhalb der Kunstbewegung, will nämlich nicht wahr, sondern gut sein. Es war ein willentliches Mißverständnis der Klassik, dieses beides zusammenzulegen und gar noch das schön hinzuzutun. Sozusagen wiederholte sich wān und wan. Die a l t e Klassik, die Antike, war da weiter.
[Poetologie.]
albannikolaiherbst - am Mittwoch, 25. Oktober 2006, 15:45 - Rubrik: Sprache
noch kein Kommentar - Kommentar verfassen
albannikolaiherbst - am Donnerstag, 1. Juni 2006, 21:31 - Rubrik: Sprache
noch kein Kommentar - Kommentar verfassen
[Ligeti, Violinkonzert]
Hab's geschafft und saß rechtzeitig an ARGO. Deinen mir zugesandten "dezenten Start" hab ich dazu auf den Bildschirm gelegt. Die Kerze läßt Dein Geschlecht leuchten, als wäre es im All ein vertikaler Andromedanebel - ein sich verspritzend reflektierendes Katzenauge, das zwischen den gespreizten Beinen einer Göttin, die Highheels trägt, ganz zur Pupille, ja zu einer Litze wurde, die in ihrer grellweißen Strahlung verschwindet.
Hab's geschafft und saß rechtzeitig an ARGO. Deinen mir zugesandten "dezenten Start" hab ich dazu auf den Bildschirm gelegt. Die Kerze läßt Dein Geschlecht leuchten, als wäre es im All ein vertikaler Andromedanebel - ein sich verspritzend reflektierendes Katzenauge, das zwischen den gespreizten Beinen einer Göttin, die Highheels trägt, ganz zur Pupille, ja zu einer Litze wurde, die in ihrer grellweißen Strahlung verschwindet.
[Etudes, 2. Körper beschreiben.]
albannikolaiherbst - am Donnerstag, 18. August 2005, 08:09 - Rubrik: Sprache
noch kein Kommentar - Kommentar verfassen

Sollten Sie dennoch solche Waren mitführen, werden diese vom Zoll eingezogen und ohne Entschädigung der Vernichtung zugeführt.
Deutsche Kontinuität.
albannikolaiherbst - am Freitag, 29. Juli 2005, 12:11 - Rubrik: Sprache
Der Marianne-Fritz-Leser hat die Chance, sich zu verlieren – und wenn er Glück hat, findet er sich wieder, aber wenn nicht, hat er auch sehr viel davon.
albannikolaiherbst - am Donnerstag, 10. März 2005, 10:09 - Rubrik: Sprache
noch kein Kommentar - Kommentar verfassen
Jemanden verohnmächtigen.
albannikolaiherbst - am Montag, 14. Februar 2005, 13:46 - Rubrik: Sprache
Haftungsfreistellungserklärung.
albannikolaiherbst - am Donnerstag, 16. Dezember 2004, 22:25 - Rubrik: Sprache
[Imrat Khan, Ragas (auf der Subahar)]
H o h e, s e h r hohe Kunst:
“Was tust du in diesem Land“ er gefragt und sie: „Desselbe wir du. Ich lebe.“
Genickt und getrippelt neben ihm her: „Ich bin unterwegs.“ Sie gesagt, gelächelt, genickt und er ihr Gesicht angeschaut: „Wie alt bist du.“
„Ich habe dich auch nicht nach deinem Alter gefragt. Wie alt ist die Straße. Ich sage: sie ist vernachlässigt.“ Sie genickt und geradeaus geblickt, als folgte sie einem unsichtbaren und doch vorhandenen Punkt, nur für seine Augen nicht sichtbar geworden ihr Ziel und sie zielstrebig zugegangen auf diesen Punkt, seine Pakete sie scheel betrachtet hatte, mißtrauisch und sie trotzdem getragen: zwei Stück. Eines für die linke Hand, eines für die rechte und nie gewechselt.
Satzzeichen als Zäsuren Legati – Notationsversuche für Sprache.
H o h e, s e h r hohe Kunst:
“Was tust du in diesem Land“ er gefragt und sie: „Desselbe wir du. Ich lebe.“
Genickt und getrippelt neben ihm her: „Ich bin unterwegs.“ Sie gesagt, gelächelt, genickt und er ihr Gesicht angeschaut: „Wie alt bist du.“
„Ich habe dich auch nicht nach deinem Alter gefragt. Wie alt ist die Straße. Ich sage: sie ist vernachlässigt.“ Sie genickt und geradeaus geblickt, als folgte sie einem unsichtbaren und doch vorhandenen Punkt, nur für seine Augen nicht sichtbar geworden ihr Ziel und sie zielstrebig zugegangen auf diesen Punkt, seine Pakete sie scheel betrachtet hatte, mißtrauisch und sie trotzdem getragen: zwei Stück. Eines für die linke Hand, eines für die rechte und nie gewechselt.
Satzzeichen als Zäsuren Legati – Notationsversuche für Sprache.
albannikolaiherbst - am Donnerstag, 25. November 2004, 22:58 - Rubrik: Sprache
noch kein Kommentar - Kommentar verfassen

















