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Rezensionen
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Nicht nur einer Verwaltung aber hat sich >>>> Eigner nie eingepaßt, sondern überhaupt keiner Sozialerwartung – nämlich weil eine jede solche eine Gesellschaftserwartung ist und weil jede diese das Ergebnis eines, mit Adorno gesprochen, universalen Verblendungszusammenhangs. Eigner läßt sich nicht täuschen, auch nicht von seiner unfraglichen „Nähe zum Volk”: Kunst f ü r den Arbeiter muß notgedrungendermaßen Kunst g e g e n ihn sein, nämlich gegen seine Bedürfnisse nach Verschleierung und Befriedigung, kurz: nach Entertainment. In diesem Sinn ist Eigners Dichtung elitär. Aber sie hält ein Elitäres am Leben, das den Menschen-als-befreiten vertritt und so lange auf der Vertretungsscholle stehen bleibt, sie für den, sagen wir, „Arbeiter” so lange als Brückenkopf besetzt hält, bis der dort selber ankommt. Ohne Frage, das ist auch arrogant, doch diese Arroganz ist ein Gebot abermals der Menschlichkeit. Daß mit einer solchen Position weder in den „revolutionistischen” Aufbruchsjahren der 70er – ecco!: Staat zu machen war, noch „Solidarität”, liegt auf der Hand. Sie eignete sich aber ebenso wenig für die Kunstförderung aus privater Hand, weil Eigner zu deutlich dafür einsteht und stand, daß Kunst „z e r s e t z t. In einer lebensfeindlichen Umwelt muß Kunst radikaler sein denn je; sie muß destruktiv und subversiv sein. Kunst (...) ist die Stadt-Guerilla des Wohlstands”, Eigner 1976. „Ich schreibe, weil ich sonst Bomben legte”, sagte er zu anderer Gelegenheit und wurde dafür vom Betriebstisch gefegt. Man vergesse nicht, in welche Herbstzeit auch dieser S a t z hineindetonierte.
(...) >>>> Eigneressay 2
>>>> Gerd-Peter Eigner.

albannikolaiherbst - Mittwoch, 18. November 2009, 11:34- Rubrik: Rezensionen
albannikolaiherbst - Sonntag, 19. Oktober 2008, 08:46- Rubrik: Rezensionen
albannikolaiherbst - Montag, 15. September 2008, 16:20- Rubrik: Rezensionen
albannikolaiherbst - Montag, 15. September 2008, 07:16- Rubrik: Rezensionen
[Geschrieben für den WDR;
ausgestrahlt von WDR 3, „Gutenbergs Welt“ am 31. August 2008.] Letztendlich ist man nirgendwo bei sich“, sagt er. „Man ist auf der Flucht. Zeitlebens. Sogar, wenn man in alles hineinflüchtet und vor nichts und niemandem wegläuft.So steht das in Gerd-Peter Eigners neuem Roman „Die italienische Begeisterung“. So beginnt Theo Bronken die Erzählung einer Lebensgeschichte, einer seiner Lebensgeschichten, nachdem ihn sein alter Freund Rolf Boddensiek in dem mittelitalienischen Bergflecken, auf den er sich zurückgezogen hat, aufgespürt hat, um ihm von seiner Lebensgeschichte, die nur eine ist, zu erzählen; über sie sind die beiden Männer verbunden. Beide haben sie Kinder von Frauen, die ihre Männer nicht liebten. Damit ist die Tragik, um die Eigners Buch a u c h geht, eingefaßt. Denn ihre Kinder lieben die Männer wie Frauen. Bronken liebt seines nahezu abgöttisch. Weshalb dieses Buch, neben einer grandiosen Obsessionsgeschichte, in seinem Herzen auch eines über Väter und Töchter ist. Ich sehe das Kind im Gras, es krabbelt. Ich sehe, wie ich mit eigener Hand eine um ein Vielfaches größere Nische in den Hang treibe, ich sehe mich bereits Kreuzhacke, Brecheisen und Schaufel schwingen. Den Aushub, den ich oben gewinne, schütte ich unten auf. Ich schaffe einen Auslauf fürs Kind. Ich bin der tiefen Überzeugung, daß das Kind recht daran getan hat, gegen alle prognostische Unfehlbarkeit der Medizin und meiner klugen Kollegen sein eigenes Erscheinen anzustreben. Ich schließe hinter mir ab und folge der Drenger nach Zürich.Daß daran ein Unheil hängt, das sich bloß versteckt, ist Bronken, diesem tragödischen Wilden, nie ganz unbewußt, der Roman läßt keinen Zweifel; Bronken flüchtet tatsächlich hinein, er sucht die Tragodien an ihren Ursprüngen auf..Sie blickt durch mich hindurch. Und legt nun ihre ermüdeten schlanken Hände schwer an meinen Hals, während ich meine auf ihre Hüften lege und die mir binnen weniger Minuten wieder einmal zur Fremden und Unerreichbar Gewordene halte wie eine, die aus einer mir nicht zugänglichen Dimension, einer Dunkelheit, zu der ich keinen Zutritt habe, hervorgebrochen ist, um sich wer weiß wovor, vielleicht dem Unsäglichen, ihrem Unsäglichen, in meine Arme zu flüchten und in Sicherheit zu bringen. - und es ist, wie wenn sich Derartiges vererbte, Familienstrukturen, Familiendynamiken gleich, und immer wieder etwas, das später auch Tochter und Vater einander auf diese schweigend verzweifelte Weise suchen lassen wird. Auch das streift Obsessives.Was habe ich gesagt?“ sagt Bronken, der sich nun seine erdschweren Mokassins von den nackten Füßen streift und, den Rücken talwärts kehrend, die Füße ins eiskalte Quellwasser streckt. „Habe ich gesagt, ich wolle meine Feindschaftsgeschichte dazwischenschalten? Oder habe ich gesagt, daß ich sie vorschalte? Letztlich läuft es auf dasselbe hinaus.Das Baby, Valentina genannt, trinkt nicht, die Säuglingsschwester sagt zu Drenger, der Mutter, der Mund sei zum Saugen zu klein. Der Nabel will nicht verheilen, die Wunde wird schwarz, man fährt ins Spital. Es ist beeindruckend zu lesen, wie Eigner die Hilflosigkeit der Eltern, die zunehmend zu Planlosigkeit und Panik wird, in den Staccato seiner realistischen Erzählform hineintreibt und zugleich darin eine andere, eine ursächliche Hilflosigkeit spiegelt und sich austragen läßt: nämlich diejenige der Partner gegenüber einander. Und d avor steht eine ganz andere Hilflosigkeit, eine, auf die eine Drenger nur hilflos reagieren k a n n: die Obsession für eine Frau, die gar nicht ist, die längst verschwand, die kaum noch im Bewußtsein ist, die dennoch weiter wirkt und deren Stelle schon gar eine Tochter nicht einnehmen kann. Das scheint Valentina zu ahnen, früh schon zu ahnen. Oder ist es nur ein Instinkt, der die andere Frau aus dem Vater vertreiben will?:Schon seit dem Augenblick, da sie beim gemeinsamen Plantschen in der Badewanne Interesse an dem Unterschied gefunden hat, den ich zur Mutter aufweise (...), ist sie mit um so entschiedenerem Interesse hinter dem sich ihr nun Verbergenden her. Sie will mir den Gürtel öffnen. Ich schiebe ihre Hand beiseite. Sie zieht den Reißverschluß auf. Ich schlage ihr sanft, aber entschieden auf die kleinen Finger, die bald fast so lang und schlank sind wie die der Mutter.Daß Eigners Roman solche Analogien... nein, nicht aufzeigt, aber nahelegt und wirken läßt, und daß er das in aller Schönheit schildert, die eben ein wirklich Entsetzliches h a t, macht ihn groß. Denn selbstverständlich sind solche Vergleiche konstruiert: so unauffällig, ja, kann man sagen, „normal“ sie daherzukommen scheinen. Sie legen Identität nahe und weisen damit auf eine Dynamik hin, die jenseits des Willens der Beteiligten wirkt:aber ich wollte ja,“ sagt dieser Vater, „eigentlich auf die Mutter zu sprechen kommen - Eben. Und kommt auf eine Geschichte der Kleinlichkeiten, Streitigkeiten, Mißverständnisse, eines erst verdeckten, dann bis zur Brutalität offenen Kampfes zu sprechen, diesen furchtbar banalen Niedergang einer Ehe, die noch lange von der rasenden Vaterliebe zu dem Kind zusammengehalten wird, bis dann doch alles zusammen- und mit dem Erscheinen des Freundes jene Frau wieder in das Leben Bronkens durchbricht, die es, so abwesend sie auch war, letztlich bestimmt hat. Die er nun endgültig verloren hat, denn sie ist ja gestorben. Sie habe, erzählt der Freund, ihm, ihrem Ehemann, auf dem Totenbett gestanden, daß sie nur immer ihn, den Freund dieses Ehemannes, daß sie immer nur Bronken geliebt habe. Das möchte er, ihr Ehemann, dem sagen. So daß Brinken vor dem doppelten Verlust steht: Den schweren der Tochter, die ihm nach der Trennung von der Mutter entzogen wird, macht den der einst obsessiv geliebten Frau fast ein wenig leichter, weil er ihn mit-entrückt.Nur in der Nacht dann, oben auf meinem Dach über der Cantina, die ich einmal zu ihrem persönlichen Refugium habe ausbauen und von dem ich ja dank des Geländers, das ich später für die Valentina habe anbringen lassen, nicht herunterkippen konnte, habe ich geheult, ich sage dir, über das Geländer hinweg zu Tal geheult wie keine ostfriesische Marschkuh pißt, nur damit du es weißt. Es glaubt mir ja sonst sowieso niemand.So wird dieses Buch, das als die Erzählung einer großen Jugendlichen-Liebe beginnt, die der reifende Mann allmählich vergißt, zu der Erzählung über eine zunehmend verzweifelnde Liebe des Vaters zur Tochter, die er schließlich verliert, um sich dann noch erinnern zu müssen, wen er davor schon verlor. Daß diese beiden Verluste zueinandergehören, man aber gar nicht sagen kann, wie, diese Ahnung leuchtet wie die Hintergrundstrahlung eines Erzählkosmos, der es von Anfang an auf Begeisterung angelegt hat und deshalb wissend auf Verhängnis. Denn jede Sucht will ihre Katastrophe.
>>>> Gerd-Peter Eigner, Die italienische Begeisterung, Roman, geb., 412 Seiten, 19,95 EUR, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2008.

albannikolaiherbst - Freitag, 12. September 2008, 16:36- Rubrik: Rezensionen
[Der auf dem Scan schlecht lesbare kleine Textteil des Stempelabdrucks schreibt vor: "Gemäß § 12 URG dürfen die Texte ohne vertragliche Autorisation nicht verwendet werden. Auch nicht durch eine Inhaltsangabe. Dies verbietet § 12 Abs. 2 URG. Die Übersendung der Fahnen geschieht unter dem Vorbehalt einer Akzeptierung dieser Rechtslage." Über die Formulierung "einer Akzeptierung kann man, abgesehen vom schlechten Deutsch, schon ins Grübeln kommen.]
albannikolaiherbst - Montag, 28. Juli 2008, 05:49- Rubrik: Rezensionen
[Geschrieben für den WDR.] Es geschieht nicht mehr oft, daß mir bei der Lektüre eines neuen Romanes die Tränen kommen. Ich bin 53 Jahre alt und habe einiges erlebt, gesehen und gelesen. Hier kamen sie, in den letzten Achteln des Buches, nachdem ich bereits zuvor sehr aufmerksam wurde. Vielleicht, dachte ich, haben die Ostdeutschen ja wirklich die besseren Geschichten, denn Geschichten braucht es, wenn jemand nach wie vor mit Recht realistisch - also herkömmlich - erzählen will. So gehen die Geschichten der Ostdeutschen als Geschichten in den Schatz der deutschen Literatur ein, Erfahrungsgeschichten von wie hier ergreifender Natur: als Unterhaltungsliteratur, selbstverständlich, von der gilt, was >>>> Wolfgang Weyrauch vor Jahrzehnten gesagt hat: wenn sie nicht zum Besten zähle, gehöre sie zum Schlechtesten. Dieses Buch gehört zum Besten. Dafür stehen, neben der unaufdringlichen, aber zwingenden Konstruktion der Geschichte, die etwa den ostdeutschen Cremer mit dem Fluch einer ins Banat verschlagenen und zurückgekehrten Schwarzwälder Familie und dadurch mit einem Abschnitt der Lebensgeschichte Erich Mielkes verklammert, der später im Buch auch leibhaftig auftritt - dafür stehen einige Sätze. Diese zum Beispiel:
Aber seltsam: Wenn ich jetzt zurückdenke, dann lag das Glück ganz woanders: In dem Strauß aus Löwenzahn, Schnittlauch und Gänseblümchen etwa, den meine Tochter in einem Frühjahr gepflückt und im Zahnputzbecher auf meinen Arbeitstisch gestellt hat (...). Oder in den verschlafenen Blicken meiner Frau, wenn ich nach durchwachter Nacht hinter dem Okular mit frischen Corissants nach Hause kam und ihr den Kaffee ans Bett brachte. Damals war mir das ganz unwichtig erschienen, aber jetzt sieht es so aus, als ob gerade darin das Glück meines Lebens gelegen hat. Vielleicht ist das mit dem Glück dem Doppler-Effekt unterworfen, und die Frequenz ändert sich, je nachdem, ob sich das Glück auf einen zubewegt oder von einem weg.
albannikolaiherbst - Montag, 30. Juni 2008, 10:49- Rubrik: Rezensionen
albannikolaiherbst - Freitag, 16. Mai 2008, 11:22- Rubrik: Rezensionen
„... ***** (ist) ein Meister reduzierter Szenen und Dialoge“, verspricht der Klappentext des Suhrkamp Verlages und schüttet auf den Müllberg der Saisons einen weiteren deutscher Meister der Sprache; zumal wird als Meister, sogar wer schon altert, zunehmend jünger. Man findet sich vor Meisterinnen und Meistern unterdessen ja gar nicht mehr durch; die Leute überspringen aus der Leipziger Literaturinstitutslehre, möchte man meinen, alleweg gleich den Gesellen; solche publizieren, scheint's, nur noch >>>> in kleinen Verlagen. Zum Beispiel, eben, >>> Giwi Margwelaschwili, der ja zweifelsohne unter unsere hoffnungsvollsten Nachwuchstalente zählt, schon aus Altersgründen. Von dem kann man noch manches erwarten. Doch dreh ich die Meisterschraube lieber um zwei Umdrehungen raus und behaupte allein: ***** hat einen wunderschönen Liebesroman geschrieben, einen kleinen Roman – daß „wunderschön“ hier mindest so ambivalent zu lesen ist, wie reklamierte Meisterschaft es w ä r e, gehört innig in ihn hinein. Nein, dieser Dichter paßt noch nicht auf den Sockel der Meisterschaft, die letztlich doch immer nur Handwerk gemeint hat und die Träger seiner Briefe auf die Sockel der PR zementiert. Hier, ganz im Gegenteil, ist noch ein Leben.
albannikolaiherbst - Dienstag, 18. März 2008, 09:31- Rubrik: Rezensionen
Eine >>>> s e h r schöne Kritik zu Marcus Brauns neuem Roman gelesen. Weshalb allerdings Krekeler in seinem letzten Absatz süffisant-nebenbei auf m i c h draufhaut, ist recht unklar; ich hab mit dem Buch ja nun gar nichts zu tun... es sei denn, man begriffe, daß namentlich „die“ Kritik von THEORIE falschverstanden postmodern nichts mehr wissen will, um die sie aber eben doch nicht herumkommt – Krekeler hätte >>>> meinen Begriff des „postrealistischen Realismus'“ schließlich nicht nennen müssen. Mußte er's also d o c h und stellte sich das Bein deshalb selbst? Indem er meinte, es m i r zu stellen? Und reduziert so die eigene Analyse aufs „Gefallen“?
Unterm Strich bleibt, sowieso, die Freude über diese Kritik. Sie hat im ganzen Übrigen, und das ist viel, einen wohltuend genauen und zugleich beseelten Stil. (Nur fällt der Ausrutscher eben deshalb auf, und man fragt sich).
albannikolaiherbst - Samstag, 7. Juli 2007, 09:25- Rubrik: Rezensionen
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Für Adrian Ranjit Singh v. Ribbentrop,
meinen Sohn.
Achtung Archive!
DIE DSCHUNGEL. ANDERSWELT wird im Rahmen eines Projektes der Universität Innsbruck beforscht und über >>>> DILIMAG, sowie durch das >>>> deutsche literatur archiv Marbach archiviert und der Öffentlichkeit auch andernorts zugänglich gemacht. Mitschreiber Der Dschungel erklären, indem sie sie mitschreiben, ihr Einverständnis.
Kontakt zu Alban Nikolai Herbst:
fiktionaere At gmx DOT de.
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diadorim - 2009/11/20 14:50
unverhofft meldete sich ein drehbauchautor ...
unverhofft meldete sich ein drehbauchautor und prof der hff bei mir. mit ihm, samt sohn und dessen freundin, ... Computerprobleme?
Hin und wieder den festen Sitz der Sim-Karte in der...
Bodo Blaumann (Gast) - 2009/11/20 11:14
albannikolaiherbst - 2009/11/20 09:55
Arbeitsjournal. Freitag, der 20. ...
7.57 Uhr:
[Arbeitswohnung. Vaughan Williams, Sir John in Love.]
Morgencigarillo & Latte macchiato. ... albannikolaiherbst - 2009/11/20 09:17
Familienstand: Selbstauskunft.
Ich habe eine Frau, zu der ich nicht „Frau” sage, eine erotische Dienerin, zu der ich „Frau” sage, sofern ... albannikolaiherbst - 2009/11/20 09:02
Jede Sucht will ihre Katastrophe ...
(...)
Nicht nur einer Verwaltung aber hat sich >>>> Eigner nie eingepaßt, sondern überhaupt ...
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