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Pasolinimitschrift
pasolinis bashing des arbeitsbegriffs. super. einfach super.
accattone: 'aschenputtel hat nen schuh verloren, deinen bringt die feuerwehr zurück.'
beckett lässt grüßen. und dass gehen eben nicht flanieren ist. you ve got stinkfood, babe, auch zappa scheint durch.
diadorim - Freitag, 3. Juli 2009, 09:47- Rubrik: Pasolinimitschrift
ich schnupper an einem aqua monolith in permanent rot dunkel. alles, was ich damit anstreiche, kann ich verwischen, wenn ich will. cretacolorstifte riechen nach überzuckertem berliner. wo krieg ich den jetzt her? pier, kehr.
diadorim - Dienstag, 16. Juni 2009, 17:27- Rubrik: Pasolinimitschrift
pasolini im gepräch mit ezra pound (schreibheft 69):
"Sie sagen, Ihre Dichtung ist aus Dingen gebaut, die intelligente Menschen zueinander sagen. Gewiß folgen die Dinge, die unter intelligenten Menschen gesagt werden, einer ziemlich zwanglosen Kurve. Tatsächlich kommen sie sehr zufällig daher, mit einigen Höhepunkten und anderen Momenten, die grau sind."
diadorim - Samstag, 6. Juni 2009, 23:14- Rubrik: Pasolinimitschrift
die waschfrau bringt die babys in der handtasche als blüte mit. häh?
worauf geht das zurück? oder ist das eine art privatlegende?
wie ich lange zeit dachte, dass ermkes kamp einfach ein synonym für friedhof sei, wenn es hieß, wenn der sowieso so weiter säuft, liegt der bald auf ermkes kamp. kam mir nie in den sinn, dass ermke nicht jedem friedhofspächter weltweit geläufig sei.
ich fand im gastmahl die italiener eigentlich wenig gehemmt in der auskunftsfreude, die bereitschaft, auskunft zu geben, war da, und auch die erkenntnis, dass vieles im argen liege, nur genau drüber nachdenken, was genau und womit sex und liebe zusammenhängt, hat man eben noch nicht wollen. erschreckend allerdings, die totale homophobie. sehr dämlich, pasolinis frage nach der anständigkeit, und warum die fabrikarbeiterinnen nicht lieber als nutten arbeiten wollten, die ja viel mehr geld verdienten. allerdings auch dämlich die antworten. was sich zu bedingen scheint. die nutten, die er dann interviewte, liefern die eigentliche antwort ihres so einträglichen lebens in diesem italien von 1963 durch bloße präsens. die ventilieren nun nicht gerade ein sorgen befreites lustvolles leben. wie auch.
diadorim - Montag, 1. Juni 2009, 13:32- Rubrik: Pasolinimitschrift
'geht dahin kotzen, wo ihr gesoffen habt'
accattone
diadorim - Sonntag, 31. Mai 2009, 01:18- Rubrik: Pasolinimitschrift
asuncion, heute hätte pasolinis ruderalgesellschaft hier ihren platz, und den nächsten james bond, hätte ich ihn zu verantworten, siedelte ich dort an, zwischen den 'archiven des terrors', den unbestraften, einer kapital umfunktionierten 'operation kondor', den oligarchen kokainschleusen, wie deren geldwaschanlagen, den casinos. http://www.lateinamerikanachrichten.de/?/artikel/927.html
bernhard gross nennt pasolinis kleinkriminelle in ppp. figurationen des sprechens, berlin 2008, improvisierte existenzen, zwischen verbrechen und sinnlosem nichtstun, solche, die das noch nicht arbeit nannten, wozu auch.
"An den Wegrändern, in den Straßengräben und im Gebüsch oder im Schilf des Flußufers finden sich Orte, die eine affektive Aufladung erfahren; (...) Wie Seismographen scheiden die Protagonisten mit höchster Sensibilität die Orte der Freiheit von denen der Ordnung, des Zwangs, Erstere sind die passageren Orte, die Orte des Außen, die nach eigenen Regeln funktionieren."
"Es ist gerade jene Ziellosigkeit und Augenblickshaftigkeit des Agierens der Jungen, die alle Orte mit einbezieht und noch die Erzählung strukturiert."
es sind proletarische flaneure. passagengänger am maisfeldrand. oder, wie es lou reed in dirty blvd singt: "No one here dreams of being a doctor or a lawyer or anything / They dream of dealing on the dirty boulevard". es ist darin etwas aufgehoben, was noch in der aussichtslosigkeit seiner existenz trotzig den freiheitsebegriff im schilde führt, ohne den kleinkriminellen zum dandy zu verklären oder zum megalomanen dr. minino aufsteigen zu lassen.
der slapstick des immer weitermachens, der einem das bittere ende nicht erspart, ist bei den libertins von salo allerdings zum schwarzen slapstick geworden, die mitleidlosen, sie lachen sich kaputt, wichsen zu jeder grausamkeit und verführen zur anarchie der macht. wenn man sie im lagerhof in bademänteln, untereinander eingehakt, die beine wie zum folter-can-can schwingen sieht, weiß man es, hinter den kulissen spiegelt sich, wovon theweleit sagt: "Es gibt wenig Grund zur Annahme, dass sich nur das Streicheln der Hunde dort ritualistisch abspielt."
theweleit, deutschlandfilme, frankfurt 2003: "Unser Auge: ein Mordkomplize der 'Libertins', der herrschenden Wichser aller Länder, Regionen und Religionen, die zwei Drittel der Weltbevölkerung permanent in Dantes Höllenkreisen schmoren lasssen, und dazu aufrufen, bei sog. Wahlen irgendeinem dieser Kill-Profis unsere Stimme zu geben. Unsere sprichwörtliche Bereitschaft, Scheiße zu fressen, wenn sie nur ein wenig garniert ist, jeden Scheiß und jeden Dreck, der nur genügend 'visualisiert' ist, letztlich um am Leben gelassen zu werden. Sehr nett ist es nicht, was uns dieser Film injiziert." pasolini wollte nach salo keinen film mehr machen. aus der gewalt des performativen ausbrechen, ja, nur wie, pasolini setzte nicht mehr auf sexualität als befreienden akt des politischen, er nahm vieles, worauf er hoffnung gesetzt hat, später resigniert zurück. man kann ihm recht geben. wer sadomasochismus einmal gesellschaftlich denkt, wird der lust daran vermutlich nicht mehr so leicht froh. und, vielleicht sollte man hinzufügen, dass im sinne pasolinis kein liebesakt im kapitalismus von sadomasochistischen tendenzen frei ist.
zwei analytiker im bett, sagt der eine, du, ich kann nicht, ich brauche ein objekt. meint der andere, ach, ich dachte, du...
diadorim - Montag, 20. April 2009, 16:10- Rubrik: Pasolinimitschrift
grosse vögel - kleine vögel. vater und sohn sprechen mit einer philosophischen krähe beim gehen, die sie zum schluss verspeisen. bye bye black bird. vorstadtstrassen, rohbauten, schrott, autoreifen, aufheben, was sich vielleicht nochmal verwenden lässt. 'wir sind zu dumm, um mit den vögeln zu sprechen', mit spatzen spricht man ja auch nicht, die verständigen sich durchs hüpfen. falken greifen spatzen an, lieber franz, was tun? franz sagt, nochma von vorn anfangen, da haben die vögel noch was nicht verstanden. daraus bezieht slapstick seine komik: zurück auf anfang. weitermachen, einfach immer weitermachen, ist es auch noch so aussichtslos. und es wird immer aussichtsloser nach togliattis tod.
strommasten, autobahnbrücken im bau, alles im bau. heilige analphabeta. wie lässt sich stadt denn lesen? als ruderalgesellschaft. randständigkeit. einfallstrassen. ausfallstrassen. wo geht ihr hin fragt die krähe? wir gehen da runter. immer nur da runter. da runter noch so und so viel kilometer bis istanbul. da runter noch so und so viel kilometer bis cuba. aber wir gehen da runter. ninetto zum mädchen im engelskostüm: siehst aus wie ein flugzeug. letzte einstellung: ein flugzeug überm maisfeld.
und vor der bar las vegas lernt die dorfjugend das tanzen in reih und glied, und immer fährt der bus einem vor der nase weg.
diadorim - Samstag, 11. April 2009, 14:00- Rubrik: Pasolinimitschrift
ich weiss nicht, wieso mir ausgerechnet mein allererstes konzert einfällt, auf das ich ging, wenn ich an pasolini denke, '84 in der münsterlandhalle, die mutter meiner freundin ging mit, wir standen in der ersten reihe, meine haare waren rabenschwarz: http://www.youtube.com/watch?v=P39WqPHPYe0
ich hörte den song dann wieder und wieder auf dem weg nach england zum schüleraustausch, da vergaß mich der bus beinahe an der raststätte. zeiten der leopardenhosen, des haarlacks, 'it s a competetive world', und wir alle liebten martin lee gore, in latex amounts.
diadorim - Donnerstag, 19. März 2009, 13:13- Rubrik: Pasolinimitschrift
ich denke, ich würde meine arbeit gerne nach einer zeile aus 'Poesie mondane' benennen, die übersetzt wird mit: 'Wir sehen uns auf den Bildschirmen', 'Ci vediamo in proiezone', was aber eigentlich doch nicht bildschirme bedeutet, oder, sondern vorführungen, aber ich verstehe, dass man es auch nicht mit 'wir sehen uns auf projektionen' übersetzen kann.
ich bin fasziniert, wie sehr pasolinis kritik einer gesellschaft, sich auch an einer architekturkritik wiederfinden lässt in seinen gedichten, in seinen filmen. er hatte sie auf dem schirm, die 'Erfinder von Behausungsschachteln' und 'Wohlstandskasernchen der Direktoren, / die selbst schon zu Marmorklötzchen geworden, / ihren harten Symbolen von Status und Dauer.' (leider nicht das original da, um zu schauen, ob der diminutiv so gewollt ist).
ich erinnere mich an antonionis Liebe62, vorstadtexistenzen, die zwischen schachteln und äckern sich bewegen. das könnte mein thema sein: Tiere in Architektur. ich geh mal den hund suchen. ich las von den tragischen überfällen auf sizilien.
diadorim - Mittwoch, 18. März 2009, 12:07- Rubrik: Pasolinimitschrift
saló geschaut. ohne das bonusmaterial und pasolini am set kaum zu ertragen. dennoch steht ausser frage, wie wichtig der film ist.
der faschismus des neuen hedonismus, der einen faschisten von einem neoliberalen so wenig wie von einem klerikalen oder kommunisten mehr unterscheidet. die verfügbarmachung des körpers als ware. die volten der ersten erzählerin, die von gruseligsten missbräuchen mit klavierbegleitung berichtet und damit endet, wie viele lire sie in ihrer tasche danach vorfand. die akzeptanz, dass ein recht auf ausgleich, opfer zu schlächtern machen darf, woraus in weiten teilen der faschismus seine rhetorik bezog.
"Man müsste eine Möglichkeit finden, um auch den Akt des Tötens beliebig zu wiederholen. (...) Hast du noch immer nicht begriffen, dass wir dich tausendfach töten wollen, bis an die Grenze der Ewigkeit, sofern die Ewigkeit eine Grenze hat."
am set, heisst es, wurde viel gescherzt. vielleicht die beste eigenschaft, wenn man weiss, es wird einem nicht zum verhängnis, und es ist auch wieder der slapstick dabei, wie der postbote in teorema. statische bildaufbauten. futuristische kunst in den räumlichkeiten. man mag diesen film nicht schauen, weil man perspektivisch zum beobachtenden mitwisser gemacht wird. das will man nicht sein, das will man nicht sehen, so ist man nicht.
"So kann ich das Ragout nicht essen. Warum isst du dann nicht einfach Scheisse?"
vieles im film mutet heute holzschnittartig an, aber wenn man bedenkt, dass faschisten in uniform mit faschistischem gruss in den siebzigern in italien, und nicht nur dort, keine seltenheit waren, dann begreift man vielleicht, dass der spiegel nicht gross genug sein konnte, um das ganze panorama einer machtgeilen erniedrigunslust abzubilden, die so wenig anthropologisch begründbar ist, wie der papst von gott eingesetzt. anthropologisch scheint allein die tatsache, dass menschen sich anpassen können und müssen, aber woran, das begründet ihre ganze würde, um die nicht zuletzt pasolini mit der kunst gerungen hat.
diadorim - Mittwoch, 18. März 2009, 09:33- Rubrik: Pasolinimitschrift
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Für Adrian Ranjit Singh v. Ribbentrop,
meinen Sohn.
Achtung Archive!
DIE DSCHUNGEL. ANDERSWELT wird im Rahmen eines Projektes der Universität Innsbruck beforscht und über >>>> DILIMAG, sowie durch das >>>> deutsche literatur archiv Marbach archiviert und der Öffentlichkeit auch andernorts zugänglich gemacht. Mitschreiber Der Dschungel erklären, indem sie sie mitschreiben, ihr Einverständnis.
Kontakt zu Alban Nikolai Herbst:
fiktionaere At gmx DOT de.
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NEUES
und manchmal, herr Lampe,
ist es doch nicht einerlei, ob man anna (gramm, nicht...
Aikmaier - 2009/11/08 00:48
@sun-ray.
So spricht - die Einsamkeit. Also: versteh ich's.
albannikolaiherbst - 2009/11/07 23:18
Derweil Sie es tun,
schenk...
Derweil Sie es tun,
schenk ich trotzdem nochmal nach:
An...
Sun-ray - 2009/11/07 22:57
Bin ich seltenst.
Weil...
Bin ich seltenst.
Weil wenn, nur ganz privat und äußerst...
Sun-ray - 2009/11/07 20:37
Bruno Lampe - 2009/11/07 20:33
A.D. VII Id. Nov. Anno 2762 a.u.c.
Siebter Tag vor den Iden. Dies comitialis. Spiele.
Kein Rand atmete Nachhall. Kral hinter Ewigkeit im ...
DIE DSCHUNGEL.ANDERSWELT
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zuletzt aktualisiert am 2009/11/08 00:48
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