PROJEKTE
Man täusche sich nicht: ohne die umher r e n o v i e r t en Häuser bezeichneten diese n i c h t-renovierten nur Elend. Ihr Geheimnis entsteht aus der Differenz. So, wie edle Mode besonders vor abgerissenen Fassaden zur Geltung kommt – eine Beobachtung, die nichts Zynisches hat, sondern etwas Wesentliches erfaßt. Solange Berlin noch nicht-renovierte Häuser inmitten lauter hochgechicter hat, solange die Fassade nicht perfekt ist, bleibt die Stadt lebenswert. Danach wird man sie fliehen müssen wie alles, das unfruchtbar wurde. Unfruchtbarkeit steckt nämlich an und w i l l anstecken, sofern sie nicht an sich leidet. In diesem Sinn auch >>>> Marcus Braun: „Ich werde in Berlin bleiben, bis es keine Baukräne mehr gibt.“Das Reine, rein-Gewordene, ist lebensfeindlich.
[Poetologie]
albannikolaiherbst - am Dienstag, 10. April 2007, 08:53 - Rubrik: PROJEKTE
Einer sterbenden Frau, weil man sie liebt, die ‘platonische’ Freundschaft verweigern.
albannikolaiherbst - am Sonntag, 11. März 2007, 06:02 - Rubrik: PROJEKTE
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Im ICE sitzt neben mir eine Frau, die eine schöne linke, aber sehr häßliche rechte Hand hat. Nicht durch Krankheit oder Unfall, sondern wie von Natur. Hände wie von zwei verschiedenen Menschen.
[Aus dem Notizbücherl..
März 2000.
Später in die Erzählung einbauen.]
6 <<<< März 2000.
Später in die Erzählung einbauen.]
albannikolaiherbst - am Samstag, 9. September 2006, 16:22 - Rubrik: PROJEKTE
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"Ich konnte die Erfahrung machen, daß kein einziger Mensch
von Musik besser wird. Die größten Schurken, die ich gekannt habe,
waren tief muikalisch. Kunst ist irrational, das läßt sich nicht verleugnen.
Etwas birst in einem, und man beginnt zu singen."
Allan Pettersson.
von Musik besser wird. Die größten Schurken, die ich gekannt habe,
waren tief muikalisch. Kunst ist irrational, das läßt sich nicht verleugnen.
Etwas birst in einem, und man beginnt zu singen."
Allan Pettersson.
„Er ist solch ein Schwein! Wie darf er da eine solche Musik schreiben können?“
Tränenüberströmt saß die Frau noch immer da und zitterte. Niemand bemerkte sie, da sie sitzengeblieben war unter der Tausenden, die standen und dem Podium Ovationen brachten. Es war der 2. November 2005, Carnegie Hall. Wieder und wieder kam der Trompeter heraus, kam auch sein Team heraus: George Dewell (synth.), Michelle Personne (voc.), Nasrath Khan Anaswami (dr.), Wilm van’t Houven (bs.). Und der ganze Chor wurde immer wieder hinaufgeschickt, The Lord's Choir, der ihn eingeladen und dessen Vorstand ihm diese „Madrigals of Time“ in Auftrag gegeben hatte, die nun etwas geworden waren, das so noch nie jemand gehört zu haben schien. Und vielleicht wirklich noch nie jemand so gehört hatte. Müller habe dem Klangkörper, schrieb tags darauf ein Kritiker, Klänge verliehen von Jenseits. Es ist offenbar, daß er nicht gewußt hat, wie wahr sein Satz auf eine ganz andere, eine radikal reale Weise war.
Gesualdo Müller verbeugte sich nicht, nicht e i n Mal, stand nur da und ließ den Jubel über sich. Unberührt sein Gesicht, unberührbar. Man kann fast sagen, er sei geekelt gewesen, so beherrscht der ganze Ausdruck des Mannes. So leidvoll imgrunde auch, so unfrei, so geworfen und getrieben zugleich. Und so hoffärtig. Schon daß er seiner kleinen Band diesen Namen gegeben hatte - „Gesualdo Müller Group“ - und sich selbst, kurz nachdem er sein erstes Opfer gefunden, zeigte das; wie verächtlich es war, daß niemand nachfragte. Wußte denn keiner, wer Gesualdo di Venosa gewesen war? Der Mörder hätte die Fotografien seiner blutigen Session vorlegen können, man hätte gesagt: Das sind Montagen. Er war sich dessen sicher, er war so voller Verachtung. Er hatte schon die nächste Musik von Jenseits im Kopf, das ging darin hin und her, stürmisch, böse, man konnte gar nicht anders, als sich zu beherrschen. Ein Weinen schwang darin mit, das Weinen dieser Frau, die in der vierzehnten oder fünfzehnten Reihe saß und sich noch immer schüttelte in ihren Krämpfen, wie eine von Fieberwellen überrollt wird, noch und noch. Hätte Gesualdo Müller sie bemerkt, aber das tat er nicht, er hätte gedacht: Erlöserin. Doch er hörte ihre Stimme, eine Sirenenstimme, in seiner inneren Musik. Und komponierte sie bereits hinein.
albannikolaiherbst - am Freitag, 1. September 2006, 05:49 - Rubrik: PROJEKTE
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Sie hatte einen Vertrag aufgesetzt, offenbar am Morgen, nachdem sie mich kennengelernt hatte; oder sie hatte ihn als Formular bereits vorrätig. Jedenfalls, ich kann das nicht anders nennen, legte ihn mir vor am Abend darauf. Da hatten wir uns geküßt, also, um das genau zu sagen: sie mich. Ich stand im Wortsinn in eine Ecke gedrängt. Im Frankfurtmainer Laumer, es ist nicht zu fassen. Suhrkamp-Leute, mit denen sie umging, die sie anhimmelten, saßen herum und bemerkten’s. Sahen her, sahen schnell weg, sahen her. Für Melissa waren sie in dem Moment Luft, Melissa Thalerhaus, so hieß sie damals noch (bevor sie den Nichtstuer *** heiratete, „aus finanziellen Erwägungen“, wie sie mir sagte - was keine Erklärung war, schon gar nicht Verständnis wollte, sondern bloß als Eröffnung einer unumstößlichen Sachlage gemeint war; übrigens hat sie nie mit ihm zusammengelebt; sie nahm seine Monatsschecks entgegen und begleitete ihn auf das eine und andere gesellschaftliche Ereignis; „ich repräsentiere die strahlende Gattin“, sagte sie mir, „das ist mein Vertrag, dafür werd ich bezahlt“). Jetzt küßte sie mich. Dann ließ sie mich stehen.
Am nächsten Morgen rief sie an. Sie war auch nach dem Kuß streng beim Sie geblieben. „Ich will Sie heute abend sehen“, sagte sie, „machen Sie sich frei.“ Das klang, als wäre man beim Arzt und, vor allem, nicht etwa Mann, sondern Frau. Und das am Telefon.
Ich folgte. Wir trafen uns in Harry’s Bar. Sie legte das Papier - es steckte in einer Klarsichthülle - vor mich auf den Tisch. „Wenn Sie mit mir schlafen wollen“, sagte sie, „dann müssen Sie das da unterschreiben. Ich akzeptiere keine Ansprüche.“
Ich zögerte nicht, aber war selbstverständlich beklommen. Der Vertrag hatte drei Paragraphen und sah sogar eine etwaige Hochzeit vor (der Nichtstuer *** war noch nicht in unser Leben getreten; es gab ihn noch nicht, kann man sagen) und einen ggbf. später beizufügenden Ehevertrag. Melissa trug ein giftgrünes Kleid, tief ausgeschnitten, das die Blässe ihrer Haut betonte; einmal, als sie sich vorbeugte, war der Anflug einer Bustwarze zu sehen. Sie hatte so dunkle Brustwarzen, daß ich später oft meinte, sie für schwarz halten zu müssen. Was mich immer um so mehr irritierte, als dieser keltische Menschentypus doch sonst zu Blaßrosa neigt. Bei Katzen, fällt mir jetzt ein, spricht man von ‚Abzeichen’. Melissa Thalerhaus’ Abzeichen waren tiefdunkel, alle. – Weshalb ich in der Vergangenheitsform schreibe? Das erzähl ich Ihnen noch. Aber die Wahrheit will vorbereitet sein.
„Eigentlich“, sagte Melissa, und in ihrer Stimme schwang ein ganz leichtfüßiger Spott, ja Humor, „muß man sowas mit Blut unterzeichnen.“ Sie lachte auf. „So ein Unsinn!“ rief sie. „Oh, mein Manhattan! Schauen Sie, das Glas ist schon leer! Hab ich wirklich so schnell getrunken?“ Dabei ließ sie den Vertrag wieder in die Sichthülle gleiten. Sah mich spitz an und setzte hintennach: „Das ist der fünfte.“ Dann winkte sie dem Kellner und zahlte. „Nein nein“, dies zu mir, „es ist m e i n e Einladung. Das gilt auch fürs Hotel.“
Morrigain 5 <<<<
Am nächsten Morgen rief sie an. Sie war auch nach dem Kuß streng beim Sie geblieben. „Ich will Sie heute abend sehen“, sagte sie, „machen Sie sich frei.“ Das klang, als wäre man beim Arzt und, vor allem, nicht etwa Mann, sondern Frau. Und das am Telefon.
Ich folgte. Wir trafen uns in Harry’s Bar. Sie legte das Papier - es steckte in einer Klarsichthülle - vor mich auf den Tisch. „Wenn Sie mit mir schlafen wollen“, sagte sie, „dann müssen Sie das da unterschreiben. Ich akzeptiere keine Ansprüche.“
Ich zögerte nicht, aber war selbstverständlich beklommen. Der Vertrag hatte drei Paragraphen und sah sogar eine etwaige Hochzeit vor (der Nichtstuer *** war noch nicht in unser Leben getreten; es gab ihn noch nicht, kann man sagen) und einen ggbf. später beizufügenden Ehevertrag. Melissa trug ein giftgrünes Kleid, tief ausgeschnitten, das die Blässe ihrer Haut betonte; einmal, als sie sich vorbeugte, war der Anflug einer Bustwarze zu sehen. Sie hatte so dunkle Brustwarzen, daß ich später oft meinte, sie für schwarz halten zu müssen. Was mich immer um so mehr irritierte, als dieser keltische Menschentypus doch sonst zu Blaßrosa neigt. Bei Katzen, fällt mir jetzt ein, spricht man von ‚Abzeichen’. Melissa Thalerhaus’ Abzeichen waren tiefdunkel, alle. – Weshalb ich in der Vergangenheitsform schreibe? Das erzähl ich Ihnen noch. Aber die Wahrheit will vorbereitet sein.
„Eigentlich“, sagte Melissa, und in ihrer Stimme schwang ein ganz leichtfüßiger Spott, ja Humor, „muß man sowas mit Blut unterzeichnen.“ Sie lachte auf. „So ein Unsinn!“ rief sie. „Oh, mein Manhattan! Schauen Sie, das Glas ist schon leer! Hab ich wirklich so schnell getrunken?“ Dabei ließ sie den Vertrag wieder in die Sichthülle gleiten. Sah mich spitz an und setzte hintennach: „Das ist der fünfte.“ Dann winkte sie dem Kellner und zahlte. „Nein nein“, dies zu mir, „es ist m e i n e Einladung. Das gilt auch fürs Hotel.“
Morrigain 5 <<<<
albannikolaiherbst - am Mittwoch, 30. August 2006, 07:17 - Rubrik: PROJEKTE
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Es war da aber irgend etwas, das den Sammler an Melissa festhielt; selbst nach dem für ihn ziemlich teuren Prozeß, etwa ein Jahr später, tauchte der Mann wieder bei uns auf. Melissa brachte ihn abends zum Essen heim. Das schien Senftmut anfangs ein wenig peinlich zu sein, es gab ja wirklich keinen Grund, sich als Freund des Hauses zu betrachten - außer einem, der eben n i c h t, jedenfalls nicht mir gegenüber, sehr freundlich ist und sicherlich jeden anderen als mich tatsächlich in eine schwierige Situation gebracht hätte. Senftmut konnte schwerlich wissen, daß ich jedes neue Spielzeug Melissas eigentlich begrüßte, weil es m i r Luft verschaffte. Daß Melissa immer ein Objekt wenn nicht gerade männlicher Begierden, so doch zumindest deutlicher Verehrung war, wußte ich ohnedies von unserem ganzen Anfang an. Meist freilich waren diese Männer so scheu, wie es >>>> Reichenbach alias Amiel heute morgen erzählt hat. Der übrigens auch zu Melissas Verehrern gehörte und vielleicht noch immer gehört. Ich habe Informationen, denen zufolge sich die beiden immer mal wieder in Frankreich treffen, bei Laon, wo mein Übersetzer Prunier lebt. Aber ich trau mich nicht recht, Melissa drauf anzusprechen. Egal. Jedenfalls stand Senftmut plötzlich bei uns neben Melissa in der Tür.
Er ist ein kleiner Mann, auffällig klein, aber ebenso auffällig beweglich, geradezu geladen. Während meine dunkle Frau ja sehr ruhig ist immer, wie ein stehendes, pulsendes Energiefeld, um das herum wir anderen mehr oder minder langsam kreisen. Nur sind unsere Umlaufbahnen durchaus nicht stabil, manchmal löst sich einer von uns und fällt in Melissa hinein. Dann gibt es – aber selten, denn meist wird man nur geschluckt – einen kurzen Entladungsblitz in ihren Augen. Es ist mir lieber, jemandem anderes geschieht das, als wenn ich selbst verglühte.
Ich hatte gekocht, wie zu Abend immer, und ich koche immer zuviel, es bleiben stets Reste. So daß schon von daher der unvorhergesehene Besuch kein Problem war. Wir setzten uns zu Tisch. Das war noch in der Zeit vor unserer Tochter, vierfünf Jahre liegt der Vorfall zurück. Senftmut wirkte nervös, und ich war es, nahm mich allerdings zusammen. Melissa kann sehr ausfällig werden, wenn es um ihre Autonomie geht, zu der eben auch die völlig freie Wahl ihrer Liebhaber gehört. Deshalb beobachtete ich nur. Senftmut hatte ganz sicher keine Ahnung, wie sehr er bereits Opfer war. Im Gegenteil ließen mich die Blicke, die er mir bisweilen zuwarf - deutlich waren sie von dem hochmütigen Erbarmen eines Siegers mit dem Besiegten durchwirkt -, seine völlige Ahnungslosigkeit erkennen, wer Melissa eigentlich war. Das bekam er erst mit, als sie, kaum hatte ich die Spaghetti aufgelegt, zu mir hochsah und ganz nebenbei bemerkte: „Weißt du, Herr Senftmut möchte nämlich gern mit mir schlafen.“ „Ach ja?“ fragte ich, sah dann ihn an, fragte nach: „Stimmt das?“
Er war derart hilflos, rutschte sozusagen auf all seinen Millionen, die ihm solche Sicherheit gaben, aus und momentlang wie in Treibsand in sie hinein. So daß der Abend dann doch noch vergnüglich wurde. Für meine Frau und mich, weniger für ihn, der ihr dennoch über die folgenden Wochen genau wie das Hündchen folgte, zu dem sie ihn machte.
Morrigain 4 <<<<
Er ist ein kleiner Mann, auffällig klein, aber ebenso auffällig beweglich, geradezu geladen. Während meine dunkle Frau ja sehr ruhig ist immer, wie ein stehendes, pulsendes Energiefeld, um das herum wir anderen mehr oder minder langsam kreisen. Nur sind unsere Umlaufbahnen durchaus nicht stabil, manchmal löst sich einer von uns und fällt in Melissa hinein. Dann gibt es – aber selten, denn meist wird man nur geschluckt – einen kurzen Entladungsblitz in ihren Augen. Es ist mir lieber, jemandem anderes geschieht das, als wenn ich selbst verglühte.
Ich hatte gekocht, wie zu Abend immer, und ich koche immer zuviel, es bleiben stets Reste. So daß schon von daher der unvorhergesehene Besuch kein Problem war. Wir setzten uns zu Tisch. Das war noch in der Zeit vor unserer Tochter, vierfünf Jahre liegt der Vorfall zurück. Senftmut wirkte nervös, und ich war es, nahm mich allerdings zusammen. Melissa kann sehr ausfällig werden, wenn es um ihre Autonomie geht, zu der eben auch die völlig freie Wahl ihrer Liebhaber gehört. Deshalb beobachtete ich nur. Senftmut hatte ganz sicher keine Ahnung, wie sehr er bereits Opfer war. Im Gegenteil ließen mich die Blicke, die er mir bisweilen zuwarf - deutlich waren sie von dem hochmütigen Erbarmen eines Siegers mit dem Besiegten durchwirkt -, seine völlige Ahnungslosigkeit erkennen, wer Melissa eigentlich war. Das bekam er erst mit, als sie, kaum hatte ich die Spaghetti aufgelegt, zu mir hochsah und ganz nebenbei bemerkte: „Weißt du, Herr Senftmut möchte nämlich gern mit mir schlafen.“ „Ach ja?“ fragte ich, sah dann ihn an, fragte nach: „Stimmt das?“
Er war derart hilflos, rutschte sozusagen auf all seinen Millionen, die ihm solche Sicherheit gaben, aus und momentlang wie in Treibsand in sie hinein. So daß der Abend dann doch noch vergnüglich wurde. Für meine Frau und mich, weniger für ihn, der ihr dennoch über die folgenden Wochen genau wie das Hündchen folgte, zu dem sie ihn machte.
Morrigain 4 <<<<
albannikolaiherbst - am Dienstag, 29. August 2006, 10:25 - Rubrik: PROJEKTE
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Eine Frau um die vierzig wird von ihrem Verhaltenstherapeuten geheilt, so daß sie ihre Schlangenphobie verliert. Im selben Jahr fährt sie nach Afrika in den Urlaub, wo sie von einer Schlange gebissen wird und stirbt.
[Arbeitsnotat von 1995.
Nach einem Gespräch mit Do.]
Nach einem Gespräch mit Do.]
albannikolaiherbst - am Freitag, 25. August 2006, 14:10 - Rubrik: PROJEKTE
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Aufnahme mit dem Mobiltelefon.
albannikolaiherbst - am Dienstag, 15. August 2006, 12:58 - Rubrik: PROJEKTE
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Ich könnte diese Erzählung aus dem Character des Weblogs herausschreiben: immer wieder nur einzelne unverbundene Passagen, die ganz bewußt darauf verzichten, einen steuernden Zusammenhang herzustellen, die einander vielleicht sogar widersprechen, sei’s in der Handlungsfolge, sei’s in den Zuschreibungen. Sondern Episoden aus Melissas Leben, wie sie mir jeweils an den Tagen einfallen, da ich das Gefühl habe, es müsse ein neues Fragment formuliert werden. Tatsächlich geht mir Melissa immer mal wieder aus dem Kopf, aber taucht unversehens drin neuerlich auf. Wie eben jetzt. Da ich mich erinnere, daß sie einen Abscheu geradezu gegen die Schrift entwickelte oder vielleicht immer schon hatte. Es wäre aufschlußreich, mir ihre alten Schulhefte anzusehen; vielleicht sind ja noch welche da. „Warum schreibst du so viel?“ fragte sie mich vor drei Jahren. „Du stellst damit doch alles fest, fixierst es. Wozu soll das gut sein? Es nimmt dem Leben die Wandlung.“ Deshalb verkaufte sie ihre Bilder auch immer nur unter Eigentumsvorbehalt; das wurde vertraglich geregelt, selbst bei kleinen Blättern. Und sie nahm das Eigentumsrecht wahr, erschien bisweilen bei den Sammlern, hatte Farbe dabei, veränderte die Bilder wieder. Einmal zerschnitt sie eines: zog ein Küchenmesser und zog es dreiviermal durch Leinwand und Öl. In Fetzen blieb das Bild im Rahmen zurück. Das Bild zeigte ein Liebespaar: der Mann berührte die ungefähr gleichgroße Frau mit der Rechten an der Hüfte; so standen sie voreinander und sahen einander je über die Schulter hinweg. „Es ist noch immer nicht fertig“, soll sie gesagt haben, als sie ging. „Lassen Sie es so hängen.“
Das tat der Sammler nicht. Ich erinnere mich, daß er Oliver Senftmut hieß, weil sich an den Vorfall ein Prozeß anschloß, den freilich Melissa wegen der eindeutigen Vertragslage gewann. Senftmut schickte uns das zerstörte Bild zurück. „Dieser Idiot!“ rief Melissa aus, sie glühte vor Wut. „Jetzt ist alles dahin, jetzt ist das Bild wirklich nichts mehr wert!“ Und warf es auf den Müll.
Morrigain 3 <<<<
Das tat der Sammler nicht. Ich erinnere mich, daß er Oliver Senftmut hieß, weil sich an den Vorfall ein Prozeß anschloß, den freilich Melissa wegen der eindeutigen Vertragslage gewann. Senftmut schickte uns das zerstörte Bild zurück. „Dieser Idiot!“ rief Melissa aus, sie glühte vor Wut. „Jetzt ist alles dahin, jetzt ist das Bild wirklich nichts mehr wert!“ Und warf es auf den Müll.
Morrigain 3 <<<<
albannikolaiherbst - am Dienstag, 1. August 2006, 08:53 - Rubrik: PROJEKTE
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Das fiel mir eben beim Spaziergang zurück in die Kinderwohnung ein:
Ein Mann, der seinem Leben seit langem ein Ende bereiten will, hat panische Angst vor dem letzten Schritt: - daß der Selbstmord auch schmerzfrei sei, daß er funktioniere, daß er, der Mann, nicht ungünstiger Umstände halber gerettet werde und verkrüppelt bleibe usw. Zweifel und Feigheit lassen ihn immer wieder zurückweichen und machen ihn schließlich, erbärmlicherweise, uralt.
Ein Mann, der seinem Leben seit langem ein Ende bereiten will, hat panische Angst vor dem letzten Schritt: - daß der Selbstmord auch schmerzfrei sei, daß er funktioniere, daß er, der Mann, nicht ungünstiger Umstände halber gerettet werde und verkrüppelt bleibe usw. Zweifel und Feigheit lassen ihn immer wieder zurückweichen und machen ihn schließlich, erbärmlicherweise, uralt.
[Ich kam über die schmuck renovierte Eisenbahnbrücke der Greifenhagener Straße. Drunter stand
ein Intercity lange still und wartete auf das Signal zur Weiterfahrt. Einen Moment lang dachte ich: Spring
auf das Waggondach und faß die Hochspannungsleitung an. Ob du den Schmerz der Verbrennung spürst?
- In dem Moment kam statt der Handlung die Idee.]
ein Intercity lange still und wartete auf das Signal zur Weiterfahrt. Einen Moment lang dachte ich: Spring
auf das Waggondach und faß die Hochspannungsleitung an. Ob du den Schmerz der Verbrennung spürst?
- In dem Moment kam statt der Handlung die Idee.]
albannikolaiherbst - am Montag, 24. Juli 2006, 16:00 - Rubrik: PROJEKTE

















