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NOTATE
Seltsam, wie klein der Preis plötzlich wird, den man seit Kindheit für riesig gehalten, für fern. Nun ist er plötzlich ganz nah. Dadurch werden die Dinge aber, anders, als geht man an etwas Wirkliches nahe heran, nicht größer, sie verschwimmen auch nicht, sondern werden – übersichtlicher, schrumpfen sich gleichsam in etwas so Begreifbares wie Voraussehbares zurecht; man sieht die Menschen der Jury und empfindet ihre Willen, Hoffnungen mit, auch ihre vermeintlichen Identitäten, die Selbstbilder. Es geht zu wie überall sonst, und die „Macht“ zeigt sich als etwas, das rein aus dem Ruf kommt. - Auch dies ist eine Form der Profanierung. Der Lebenslauf[(t) - in Mehrzahl „-läufte“ - bringt sie mit sich.
Andererseits ist da auch Schönheit: Welch Glück jetzt über eine Verwundete kam! Wie sehr's ihr zu gönnen ist. Diesen Aspekt hätte eine ästhetisch begründete Preisvergabe n i c h t gehabt; der Literaturpreis an, z.B., Thomas Pynchon, wäre auch nicht von ungefähr so menschlich gewesen, auch der an Philip Roth nicht. Die Humanität der Entscheidung macht glücklich, nicht die Entscheidung.

albannikolaiherbst - Dienstag, 13. Oktober 2009, 10:50- Rubrik: NOTATE
Worüber ich in den letzten Jahren immer wieder nachgedacht, was mich so tief beschäftigt hat, daß es sogar Kern >>>> meines Lilith-Librettos wurde, was mich aber auch danach nie mehr losgelassen und jetzt gerade, wo „plötzlich“ >>>> Überraschung vorgespielt wird, „wir“ seien ja wirklich im Krieg: -
- daß ich, um meine Lieben zu schützen, selbstverständlich auch auf der Seite derer kämpfen würde, die Unrecht haben. Genau so etwas aber ist >>>> der Stoff für tragödische Kunst. Es ist reinweg falsch zu behaupten, es gebe keine Tragödie mehr, vielmehr sei die Gegenwart grotesk oder absurd und was dergleichen Abwehrbewegungen mehr sind, die die Grotesken, neuerdings den Tarantino-Trash etwa, als eigentlich >>>> „unserer“ Zeit angemessene Kunstformen ansehen wollen; das ist eine Haltung, die n u r aus der Sattheit gespeist wird, aus einer Art gelangweiltem Überdruß, der sich mit der politisch korrekten Umgangsform gepaart hat: cleanness; sie hat denn auch bei 9/11 gründlich versagt. Die Abwehr brach zusammen, und es wurde geradezu von der Kette gelassen, was man zuvor ironisch, trashig oder kalauernd eingepackt hatte.

albannikolaiherbst - Samstag, 26. September 2009, 16:07- Rubrik: NOTATE
Deshalb ist es kompletter Blödsinn, >>>> sie etwa Ernst Jünger vorzuwerfen. Selbst der Begriff >>>> „Ästhetizismus“, unterdessen als Abwehrkeule verwendet, verunklart dann, wenn man ihn, anstelle ihn auf eine Lebenshaltung, einen Lebensstil, anzuwenden, moralisch auf ein Kunstwerk münzt. Er sagt aber nichts anderes, als daß ein Kunstwerk ästhetizistisch (im Gegensatz zu „moralisch“*) sei - „ästhetisch“ hieße ja bloß, daß es mit den „Gesetzen“ der Wahnnehmung spielt und sich ihnen an- und/oder entgegenformt; von einem Kunstwerk zu sagen, es sei ästhetisch, wäre deshalb nichts als Tautologie -; ästhetizistisch muß es geradezu sein, jedes, weil das Hauptmerk der Kunst Formung ist. Der Vorwurf des Ästhetizismus verkennt genau das. Ein ungeformter Text mag alles mögliche sein, Mitteilung eines Inhaltes, moralisch motivierte Mittelung eines Inhalts, also Botschaft, Sachmitteilung, Erinnerung usw.; es ist damit aber noch kein Kunstwerk. Zu dem wird er, wenn es „gelingt“, erst dann, wenn das Material - auch eine moralische Botschaft ist für ein Kunstwerk erst einmal nur Material – geformt wird. Das Material selbst genügt nie – oder nur dann, objet_trouvé, wenn es in ein ihm an sich fremdes Verhältnis hineininszeniert wird. Genau das ist aber ebenfalls Formung; das Formkalkül wird bewußt und sehr viel weitergehend von dem fremden Verhältnis abhängig gemacht, als das bei einem „normalen“ Kunstwerk der Fall ist. >>>> Herr und Knecht.
(Siehe dazu >>>> auch Hurka.
*) Interessanterweise wird für „moralisch“ immer wieder ein ideologischer Realismus gehalten, dessen Doktrin eine sogenannte Einfachheit ist; man verkennt bei dem auf ersten Blick „schlichten“ Stil die dahinter wirkende Ideologie; Einfachheit ist eine strategische Maßnahme der ---- Rhetorik.) [Poetologie.]

albannikolaiherbst - Samstag, 19. September 2009, 08:47- Rubrik: NOTATE
Zugegeben, >>>> einige Sätze hors machen meine Eitelkeit stolz, aber es tut wie Trauer weh. Ich häng doch am Roman, den ich so würge. Aus wilder alter, pathetischer Liebe erwürge. Aber „...es mag sein, dass er nur möglich ist, wenn man den Roman hält, das, was da wächst, Buch nennt, es fasst. Die Raupe muss ihre Gestalt aufgeben, um Schmetterling zu werden, aber sie muss es als Raupe tun, daran arbeiten, sich einspinnen. Den Roman kann keine Technik erneuern, das müssen seine Autoren leisten.“
[Poetologie.
„Ich folgte einem Referrer.“] 
albannikolaiherbst - Freitag, 11. September 2009, 06:33- Rubrik: NOTATE
Wenn jemand von jemandem anderen sagt, er sei gelassener geworden (der Komparativ meint ja durchaus nicht, es sei schon vorher Gelassenheit dagewesen) – wie im Falle >>>> Magnus Lindbergs: „die in weicherer, gelassenerer Harmonie klingen“ (Kimmo Korhonen)... Schwingt nicht in solchen Formulierungen immer eine Idealisierung der Resignation mit, ja s i n d sie nicht bereits Resignation-selber, also Absage und damit, wie liebevoll auch immer gemeint, ein Aufgeben? Etwas Unheimliches scheinen jene an sich zu haben, denen das Aufgeben fremd bleibt; wer nicht nur Jugend mit widerständiger Kraft vereint, sondern sie seiner späteren Reife erhält, wirkt unmenschlich.
In Bemerkungen wie der zitierten klingt eine Prägung in Ergebenheit an, die christlich „Demut“ heißt und sich nach wie vor unter den Vater beugt. >>>> Anstelle, daß man bedauert, es gehe die Kraft notwendigerweise verloren. Verschleiß wird für etwas ausgegeben, das eine Errungenschaft sei. Es ist aber bloß, und bleibt es, Verschleiß.

albannikolaiherbst - Mittwoch, 19. August 2009, 12:54- Rubrik: NOTATE
Wird >>>> der Kitschvorwurf erhoben, ist auf die F o r m zu sehen, n u r noch auf die Form; das betrifft auch „Bilder“ und Metaphern: w i e sind sie – als vermeintliches Klischee – gesetzt, in welchem Zusammenhang, mit welchem Rhythmus stehen sie da, gibt es etwa Synkopen? Tut man das nicht, sondern sieht sie allein über ihren Inhalt an, besteht die Gefahr, daß formulierte Emotionalität und das formulierte Gefühl-an-sich, für Kitsch erachtet wird. Es ist aber nicht das Gefühl kitschig, so wenig wie irgend ein rotglühender Sonnenuntergang, sondern seine reproduzierte Massivität. S o gesehen, ist unterdessen Ironie kitschig, s o gesehen ist – in der Gegenwartskunst – Distanz kitschig. Während die intellektuelle, also die in der Kunst formal gebundene Emotionalität, zu einem „Neuen“ wird. Man könnte für Ironie und Distanz von Intellektuellenkitsch sprechen. Denn sie, nicht etwa das Gefühl, sind die Ware von der Stange geworden.
Etwas anderes ist es mit den Melancholikern; doch zu denen gehört man, oder man gehört zu ihnen nicht. Es gibt literarische Temperamente. [Poetologie.] Zu dem allgemeinen Vorgang gehört auch, daß Literaturen, die sich, vor allem in Deutschland, am Boden ausrichten und Heimat formulieren, nahezu sofort zu Blut und Boden uminterpretiert werden, ebenso leichtfertig, wie der „Held“ desavouiert wird. Dahinter steht Industrie: es ist der modernen Ökonomie nicht förderlich, die Produktionsmächte w o l l e n nicht, daß noch Bindungen bestehen, die sich der opportunen Flexibilität eines Arbeitsreplikanten widersetzen. Der Replikant ist als solcher durchweg gewollt: wurzellos und „frei“ verfügbar einzusetzen, wo die Industrie ihn braucht; mit dem einher geht eine Entmaterialisierung industrieller Vorgänge: sie verschieben sich auf Dienstleistung und Bewußtseinsverfassung, indes die materielle Produktion in Hungerlohnländer outgesourct wird: ein verräterischer Begriff, der den Landsknecht als Träger der industriellen Wirklichkeit zeigt. Er ist die menschliche Ware, die sich selbst herstellen muß. Als eine sogar in ihrem Körperkult entkörperte.
Je weniger Individuum wir noch sind, um so bestimmter glauben wir an unsere individuelle Autonomie: das ersetzt die Religion. Wo nur noch nach Masse gerechnet wird, Pop(ularität) und Quote, wird das Private zum Heiligen Vorhang, hinter dem man seinen leergefegten Altar verbirgt.

albannikolaiherbst - Mittwoch, 29. Juli 2009, 12:43- Rubrik: NOTATE
Ich weiß nicht, was ich grad schreibe, während ich nichts schreibe.
(Was ich erschaffe, derweil ich nichts schaffe.)
albannikolaiherbst - Mittwoch, 1. Juli 2009, 23:45- Rubrik: NOTATE
Nun fällt also auch >>>> das unters >>>> Urheberrecht: nach der Collage ist Zug um Zug Satire dran. Soweit sie kenntlich >>>> den „Geist“ zitiert. Aber auch >>>> damit gab es Probleme. Unfaßbar, >>>> wie blind meine Kollegen sind. Wenn man >>>> auf Sockeln nicht selbst stehen kann, will man sie doch verkaufen. Wir werden noch den Heiligen Geist als geschütztes Eigentum der Kirchen erleben, indes sie ihre Kathedralen-hardware renovierungskostenhalber veräußern. [Urheberrecht.]
albannikolaiherbst - Sonntag, 24. Mai 2009, 09:12- Rubrik: NOTATE
Entspricht der Verachtung gegenüber vergewaltigten Frauen, sei seien selbst schuld an dem Unglück, weil sie sich so einladend gekleidet hätten.
albannikolaiherbst - Sonntag, 17. Mai 2009, 12:53- Rubrik: NOTATE
Erscheinung, ganz unvermittelt, während ich >>>> John Polkinghorne lese, den mir >>>> der geniale Friedrich Forssmann >>>> auf der Leipziger Messe geschenkt hat (sogar auf dem Reclambändchen „initialisiert“, mit Datum und den Pfeil auf einen kleinen Daumenabdruck durch Fettfleck)... also Religionsdurchschauerung in Mathematik:
Mathematik ist Inbeziehungsetzung.
Nicht mehr, nein. Aber derart massiv als Gefühl von Wahrheit. Als ob ich einen Körper fühlte.
albannikolaiherbst - Donnerstag, 14. Mai 2009, 11:21- Rubrik: NOTATE
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Für Adrian Ranjit Singh v. Ribbentrop,
meinen Sohn.
Achtung Archive!
DIE DSCHUNGEL. ANDERSWELT wird im Rahmen eines Projektes der Universität Innsbruck beforscht und über >>>> DILIMAG, sowie durch das >>>> deutsche literatur archiv Marbach archiviert und der Öffentlichkeit auch andernorts zugänglich gemacht. Mitschreiber Der Dschungel erklären, indem sie sie mitschreiben, ihr Einverständnis.
Kontakt zu Alban Nikolai Herbst:
fiktionaere At gmx DOT de.
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NEUES
und manchmal, herr Lampe,
ist es doch nicht einerlei, ob man anna (gramm, nicht...
Aikmaier - 2009/11/08 00:48
@sun-ray.
So spricht - die Einsamkeit. Also: versteh ich's.
albannikolaiherbst - 2009/11/07 23:18
Derweil Sie es tun,
schenk...
Derweil Sie es tun,
schenk ich trotzdem nochmal nach:
An...
Sun-ray - 2009/11/07 22:57
Bin ich seltenst.
Weil...
Bin ich seltenst.
Weil wenn, nur ganz privat und äußerst...
Sun-ray - 2009/11/07 20:37
Bruno Lampe - 2009/11/07 20:33
A.D. VII Id. Nov. Anno 2762 a.u.c.
Siebter Tag vor den Iden. Dies comitialis. Spiele.
Kein Rand atmete Nachhall. Kral hinter Ewigkeit im ...
DIE DSCHUNGEL.ANDERSWELT
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zuletzt aktualisiert am 2009/11/08 00:48
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