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Litblog-THEORIE
Dieses geschah wie unvermerkt. Es ist ein LesePhänomen. Als prägte die tägliche Beschäftigung tatsächlich den Modus der Aufmerksamkeit um.
Zum ersten Mal las ich einen ganzen Roman am Bildschirm, ohne mich nach dem Buch zu sehnen. Das war frappierend, ist es noch; wie so viel näher mir der Text in seiner quasi amateriellen Erscheinung kommt, wie viel quasi unmittelbarer er in mich eingeht, Wörter und Sätze zu Bildern werden, Zusammenhängen, auch logischen Schlüssen, gegen die sich, las ich zuvor in Büchern, allein die fremde Materie sperrte, das fetischhaft Dinghafte. Ja, es hätte mich gestört, wären noch Seiten umzuschlagen gewesen. Das wäre gewesen, als stünde ich in Rom und versuchte, die nicht mehr leicht lesbaren lateinischen Schriften an Säulen zu entziffern oder die nachgelassenen Botschaften Hinterbliebener auf Grabsteinen. - Seltsam, wie sich die Wahrnehmung verschiebt – wie schleichend, in einem, daß plötzlich der, sagen wir, E-Text bedeutsamer erscheint als einer in Druckform. Wobei der am Bildschirm erscheinende (!) Text in der Tat näher an der religiösen Idee des Wortes ist, als der in einem Buch. Das Buch ist immer auch Goldenes Kalb, um das die Aaronscharen tanzen, ist Götze, der zur Ware verkommt, wenn ihm nicht, wie die Alchemiker taten, ein Geheimnis beigeflüstert wird, das sich nirgends manifestiert: also eben das Wort ohne Bild wieder. In diesem Sinn wird in >>>> Wolpertinger und >>>> Thetis die Diskette verwendet; gerade deren technische Überkommenheit – zu der gehört, daß es kaum noch Lesegeräte für sie gibt oder bald mehr geben wird – verleiht ihr eine Aura, die vordem das Buch immer wieder umkreist hat: geheimes Buch, unsichtbares Buch, zu entschlüsselndes Buch, Necronomicon, Kabbala usw.
Interessant ist aber erst einmal das pragmatisch Nüchterne der neuen Leseerfahrung: wie wenig Buch als Konkretes sie noch braucht, ja daß das Konkrete sie stört, sich zwischen den Text (die Dichtung) und den Leser (mich) stellt, um ihn vom „Eigentlichen“ abzulenken. Daß die Befreiung vom Sentimentalen, das jeder Fetisch hat, tatsächlich als Befreiung erlebt wird und nicht als Verlust von Gefühl. Dabei hänge ich am Buch, sehr. Kann aber nun erst recht nicht umhin, sein Ende zu konstatieren – als Ende nicht nur eines Informationsmittels, sondern als Ende des Mediums von poetischem Gesang. Der mußte allerdings ohnedies immer aus den Büchern erst wieder herausübersetzt werden. Vielleicht fanden sie ihr Ende schon da, als man vergaß, daß sie allein Partituren sind. Als die Menschen also vergaßen, daß man sie übertragen muß in Laut: wie man Gedichte rezitiert.
Der Vorgang ist aber im Grunde banal: Gewohnheit nämlich. Indem ich seit Jahrzehnten lange Texte am Bildschirm bearbeite, ist der Einwand, „man“ lese nicht lange Texte im Netz, längst obsoletevoliert. Es werden, eventuell, ältere Leser den Schritt nicht mehr machen, jüngeren aber wird bereits morgen der elektronische Text näher als der gedruckte sein. Anders als dieser, s c h w i n g t er.
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Litblog 137 <<<<

albannikolaiherbst - Montag, 26. März 2012, 09:01- Rubrik: Litblog-THEORIE
Vielleicht ist dies eine der wenigen Arten, in denen man, ohne sich zurückzuziehen oder mögliche Erlebnisse von sich wegzuhalten, das Leben bei allem Schrecken nicht nur aushalten, sondern vor allem mitgestalten kann – man ist dann liebevoll besessen. Man ist der ‘Held’ dieser je eigenen Geschichte, zugleich aber auch der Autor des Helden, man wird zugleich ins Chaos geworfen und hat, wenn man es ganz ernst bedenkt, eigentlich wenig Chancen, es mitzubestimmen. Man ist ‘geworfen’. Aber indem man das akzeptiert und dann anfängt, es zu gestalten (zu inszenieren), wird man tatsächlich zu einer Art Urheber. Nicht etwas inszenieren, das es nicht gibt - also täuschen -, sondern genau das, w a s es gibt, als ein künstlerisches Material begreifen, über das ich verfügen kann und muß. Ich kann daraus einiges lernen, vor allem, wie bestimmt ich bin; denn es geht nicht, gerae als Urheber nicht, eine beliebige Figur etwas Beliebiges tun zu lassen, etwas, das mir gerade so einfällt und aus Daffke. Die Ästhetik eines Romanes steht dagegen, er würde falsch, also schlecht. Die Figur wird in einem Roman immer eine Handlungsweise wählen, die für sie stimmt. Das geht so weit, daß selbst in Büchern, die jede bürgerlich-zivilisierte Norm außer Kraft setzen (etwa die Raum-Gesetze bei Ishiguro in The Unconsoled), sich ihrerseits ein Wirkungsgefüge herstellt, das wiederum ganz bestimmte Handlungen verlangt, wenn diese, sagen wir, neue ästhetische Welt denn in ihrem Rahmen glaubhaft sein soll. Ein Dichter, der etwas kann, hat dafür immer ein Gefühl. Er ist in der Gestaltung seiner Arbeiten genau so wenig frei wie der Mensch in seinem Alltag; beiden aber vermittelt sich ein Gefühl von Freiheit, und zwar immer dann, ist etwas gelungen. Das ist das Paradoxe daran.
[Hier in Den Dschungeln, fällt mir gerade auf, ist das Tagebuch der Roman. Und die anderen Rubriken reflektieren unter anderem über ihn.]>>>> Das Leben als Roman 2 Ersteintrag am 10. August 2005.
albannikolaiherbst - Sonntag, 19. Februar 2012, 08:59- Rubrik: Litblog-THEORIE
quer >>>> durch das ganze Netz Der Welt.
(Auch damit hat der Verfasser – leider – nicht unrecht:
Nachdem sein Roman "Meere" von 2003 gerichtlich verboten worden war (...), hielten die Verlage Abstand.Bitter. Wobei er nur die „großen“ Verlage meinen kann, also jene, die einem Dichter Position garantieren. Indes, ich nehme den Ausdruck der Hochachtung a n: Selten hat einer seinen literaturbetrieblichen Paria-Status produktiver kultiviert, ja längst zum Langzeittest in eigener Sache umgemünzt.Auch darum ging es. Ja. Herumzudrehen. Auch hier: perverse Bewegung aller Kunst.)
Kleine Theorie des Literarischen Bloggens 135
albannikolaiherbst - Sonntag, 4. Dezember 2011, 11:10- Rubrik: Litblog-THEORIE
albannikolaiherbst - Montag, 24. Oktober 2011, 12:57- Rubrik: Litblog-THEORIE
Nachdem Henze und Kumpan:inn:e:n in Der Dschungel die Rote Karte programmiert bekommen haben, wird jetzt anderswo versucht, ihr, Der Dschungel, und ihrem Herausgeber zu schaden, diesmal unter >>>> des Turmseglers Litblog-Rezension. Das Bizarre daran ist, daß jener mit Benjamin Stein wie auch >>>> Gregor Keuschnig seit langem einen Dispens wegen der Behandlung von Trolls zu glimmen hat; der von ihm sehr geschätzte Keuschnig hat daraus die Konsequenz gezogen, sich an Der Dschungel nicht mehr zu beteiligen. Während also hier, was dem Herausgeber von Keuschnig wie Stein, sowie anderen, vorgeworfen wird, die Trolls - so gut es geht – akzeptiert werden, war der anderen Vorgehen gegen sie von Anfang an rigoros; es wurde und wird dort viel schneller gelöscht, als das hier jemals der Fall war. Denn Die Dschungel versuchte und versucht es immer weiter, aus dem Phänomen ästhetische Erkenntnis zu gewinnen. Dies hat aber genau dort seine Grenzen, wo nur noch diffamiert wird. >>>> „Henze“s suggestive Unterstellung, Die Dschungel schreibe, um „Traffic“ zu generieren, ihre Trolls sich selbst, läßt sich nun quasi nur noch dadurch aushebeln, daß sein, „Henze“s, Klarname recherchiert und dann rechtlich gegen ihn vorgangen wird; dann zeigte sich zwar schnell, wer n o c h an den entsprechenden Aktionen beteiligt ist, doch liefe das eben der eigentlich angestrebten Liberalität Der Dschungel zuwider und torpedierte damit ihr eigenes Konzept. Eben darum geht es den Angreifern auch. Ihnen ist der Grundskandal – abgesehen von den diffamierend-persönlichen Invektiven - die anonyme Kommentarfunktion, also daß hier nichtregistrierte, bzw. nichtmoderierte Kommentatoren zugelassen werden. Genau das soll nicht sein, und genau die wollen es verhindern, die Anonymität hier genießen. Sie genießen sie, u m sie auszuhebeln. Genau diejenigen, die lautstark nach der freien Meinung rufen, sind es, denen sie ein Dorn im Auge. Um sie auszuhebeln, macht man sich der absichtlich falschen Unterstellung schuldig, auch böswillige Nachrede stehe unter dem Schutz ihrer VerfassungsGarantien. So wird der Herausgeber Der Dschungel tatsächlich genötigt, aussperrende Schritte zu unternehmen, indem nicht nur die Attacken immer persönlicher werden, sondern vor allem wird zwar nachweisbar falsch argumentiert, doch für mit seinem Werk nicht, geschweige zufällige Leser kommen die betreffenden Kommentare schlüssig genug einher, um jede Gegenrede wie eine „Verteidigung“ des getroffenen Hundes wirken zu lassen. Insofern führen die Trolls leserpsychologisch einen Krieg, dessen Ziel eben die Denunziation ist, und zwar eine, die das öffentliche Ansehen des Denunzierten restlos demontieren soll. Da es sich im vorliegenden Fall nicht um einen öffentlichen Sympathieträger handelt, sondern er ausgewiesen Widerstand leistet, wird die Demontierung von nicht unmächtiger Seite durchaus begrüßt – ganz so, wie seinerzeit auch >>>> das Buchverbot öffentlich begrüßt worden ist, von dem nun zunehmend geahnt werden muß, es stünden die trollenden Vorgänge mit ihm in einem Zusammenhang. Das hätte insofern seine Logik, als die Gründung Der Dschungel eine Reaktion auf das Buchverbot gewesen ist, namentlich der gesamte, immer wieder in ihr bearbeitete Komplex des Verhältnisses von Allgemeinem und Privatem, Privatem und Literarisiertem. Nun würde, was in Der Dschungel an den Grenzen von Realität und Fiktion geschah und geschieht und dort auch bleiben wollte, konkrete Realität werden müssen – mit allen entsprechenden Folgen und vor allem einem abermals skandalhaften Unterstrich: der geführte Prozeß wäre notwendigerweise schmutzig – vor allem auch deshalb, weil, anders als in der Bildenden Kunst, das Private in der Literatur nach wie vor nicht als kunstwürdig, ja seine künstlerische Behandlung für anrüchig gilt – dabei bewußt außer Acht gelassen, w i e privat große Literatur immer schon gewesen ist, ob bei Nabokov oder Dante, bei Frisch oder Joyce oder bei Gerd-Peter Eigner. Die Beispiele sind Legion. Ob etwas rechtshängig wird, hängt heutzutage und nach hiesigem Recht allein noch davon ab, ob sich ein Kläger findet. Es gibt unterdessen Anwaltskanzleien, die nach solchen Klägern suchen; ein ganzer juristischer NeuErwerbszweig hat sich in den letzten zehn Jahren etabliert. Der Herausgeber Der Dschungel soll auf dessen verstimmter Klaviatur nun seinerseits zu spielen genötigt werden; und tut er‘s, wird auch dies ihm schaden. Doch ziehen sich die Schlaufen allmählich so eng, daß kaum anderes wird übrigbleiben. Ob deshalb allerdings das Projekt-an-sich und darin das Teilprojekt der anonymen Kommentare als gescheitert angesehen werden muß, ist durchaus noch dahingestellt. Denn auch hier agieren wir wieder im Herzen der Zeit.
>>>> Litblog 133 b (im Beitrag um 14.45 Uhr)
Litblog 132 <<<<

albannikolaiherbst - Samstag, 22. Oktober 2011, 15:58- Rubrik: Litblog-THEORIE
Interessant, daß ich oft das Gefühl eines schlechten Gewissens habe, wenn ich, statt wie normalerweise frühmorgens, erst spät oder gar nicht in Die Dschungel komme. Wem gegenüber habe ich’s? Auf wen also wurde die Kontrolle projeziert? Tatsächlich auf den – einmal mehr – >>>> idealen Leser? Er dann wäre die Instanz, um Rechenschaft abzulegen? Ein profanierter Gott (die profanierte Mutter)? und ganz wie dieser Inneninstanz – wobei mir auffällt, daß die „Mutter” sprachlose Autorität ist, der „Vater” hingegen im Wortsinn im Wort steht, das erscheint. Die „Mutter”* für das Früheste, der „Vater” ungefähr mit Bildung der Geschlechtsidentität.
Hierzu paßt, weitersymbolisch argumentiert, daß ich, wie >>>> die Löwin gestern sagte, die Schlammwerfer anlocke, indem ich ihnen, wider meine Erfahrung, die Möglichkeit anonymen Kommentierens immer noch weiter zugestehe. Es ist ein alter Streit in Der Dschungel. Ich selbst statte, wird argumentiert, die Büttel des „Vaters” mit Macht aus, reiche den Trolls ihre Waffen. Offenbar soll meine Kontrollinstanz strafen können: Schmerz zufügen – fast so, wie im Triumphzug der Hämer vor dem römischen Feldherrn einherlief, um ihn zu beleidigen oder doch wenigstens klarzuhalten, daß er ein fehlbarer Mensch sei: hier wirkt etwas davon mit - scheint mitzuwirken, denn tatsächlich bin ich von Hämeattacken jedes Mal aufs neue verletzt; sie setzen aber auch Energien in mir frei, Aggressionspotentiale, die sich ausrichten lassen und nicht cholerisch-wahllos entladen. Imgrunde ist es ein Pubertätsprozeß: Aufstand. Dazu paßt das (noch immer) nichtNormierte des Mediums, sein nach wie vor Unreguliertes und damit auch Ungesichertes, so Pionierhaftes wie Riskantes. Der neue Promoetheus trägt das Feuer durchs Netz.
[*): Mir kommt gerade der Gedanke, daß „Mutter” nicht
notwendigerweise Frau sein muß; besser wäre, von dem
Mütterlichen zu sprechen, einem Prinzip der
Umhüllung (Matrix), das eine mit dem Kind, dem Objekt und Subjekt
noch nicht getrennt sind, gleichsam identische Versorgung garantiert.
Nur darum ist da von „Autorität” nicht zu sprechen: diese bedarf
der Trennung und Getrenntheit.
Ist der Ideale Leser aber Autorität, kann er insofern keine
Innenprojektion seiner Autoren sein, sondern wie der Gott
wird er entäußert. Die Konstruktion der Göttin (Große Mutter)
versucht, die Trennung aufzuheben und trotzdem nicht in die
Sprachlosigkeit zurückzufallen. Im Gegensatz zum Vatergott
erlaubt sie bleibende und weiterwerdende Reife.]
>>>> Litblog-Theorie 132
Litblog-Theorie 130 <<<<

albannikolaiherbst - Freitag, 8. April 2011, 09:03- Rubrik: Litblog-THEORIE
albannikolaiherbst - Samstag, 8. Mai 2010, 12:44- Rubrik: Litblog-THEORIE
Auch dies ist zu spüren: Verschiebt sich die Arbeit eines Dichters vom - mehr oder minder hermetischen, nämlich monadischen - Buch auf das prinzipiell unabgeschlossene Netz, dann p o l i t i s i e r t das die Poetik. Dies ist >>>> den Verächtern des Netzes entschieden entgegenzuhalten.
>>>> Litblog 125
Litblog 123 <<<<
albannikolaiherbst - Donnerstag, 15. April 2010, 18:54- Rubrik: Litblog-THEORIE
„Ich will bei dir nicht öffentlich vorkommen“. Das Problem besteht darin, daß jemand, der das jemandem sagt, der sein Leben als einen Roman führen will, dann gar nicht mehr drin vorkommen kann. Dabei ist das Begehren verständlich, ja fast selbstverständlich. Dennoch, indem ich dieses „Projekt“ begonnen habe, erwehre ich mich der ansonsten unvermeidlichen Ernüchterungen durch pragmatische Lebenspraxis: Das Leben als Roman „erlaubt“ nicht nur Katastrophen, sondern sie werden zu quasi-selbstgewählten Momenten einer durchlaufenden Dramaturgie, die aus dem Leben die Banalität herauszustreichen unternimmt; es ist tatsächlich eine poetische Selbstermächtigung über sich selbst. Die Heilige Wollust, Das Erschrecken, Die Erscheinung, Das Ergriffensein, Die Verantwortung, Das Tragische rücken als Gewollte ins Zentrum; in der zeitgleichen Mitbetrachtung werden die Alltagsprozeduren an die beiläufigen Orte verwiesen, an die sie gehören; sie haben sehr viel weniger noch die Chance, sich in den Vordergrund zu rücken und uns beherrschend zu banalisieren: der Abwasch, der Einkauf, das Staubsaugen, Zähneputzen, Fensterputzen, die monatliche Miet- und Krankenkassenzahlung bleiben die Routinen, die sie sein sollten, und drängen sich nicht, uns zunehmend überschattend, weiter und weiter vor, bis nur noch Bitternis und Ergebung bleiben, jene notwehrsanfte Resignation eines Alters, das man sich mit dem Wort von der Weisheit verbrämt.
Das Leben als einen Roman zu betrachten, ist eine paradoxe Intervention, paradox, weil sie sowohl das Feuer bis ins Verglühen durchleben als auch es uns permanent vorstellen läßt. Das ist zugleich Imagination wie Vergegenwärtigung. Kühlmann bemerkte einmal in einer Rezension über einen Roman >>>> Gerd-Peter Eigners, es werde darin die Frage gestellt, wie man „richtig“ lebe; das Leben als einen Roman zu betrachten, versucht sich praktisch an der Antwort: es erp r o b t die Antwort, experimentell. Nur sind es eben Seelenexperimente, in die, da wir soziale Geschöpfe sind, andere immer mit einbezogen werden, ob sie das nun wollen oder nicht und ob w i r wollen oder nicht. Dabei zeigt die Erfahrung unterdessen, daß es ihnen gar nicht so sehr darum geht, ob sie für andere erkennbar sind; ihr offenbarer Schmerz besteht schon darin, daß sie es vor sich selber werden. Dem wollen sie nicht ausgesetzt sein. Die Verdrängungsprozesse wehren sich dagegen, die uns das Leben scheinbar erträglich machen, wiewohl es doch weder überhaupt um Erträglichkeit gehen sollte, noch helfen Verdrängungen wirklich. Im Gegenteil verschieben sie die Nöte und konservieren sie für den Moment eines irrelaufenden Ausbruchs. Oder sie schleifen den Menschen unaufhaltsam ab, bis er so brüchig geworden ist, daß er an der Verkalkung dahinsiecht. Das Leben als einen Roman zu betrachten, erwehrt sich solcher Vergreisung, weil es sich durch seine Öffentlichkeit ständig kampfbereit hält.
Aber es ist nicht nur die Verdrängung, die hier wirkt, sondern auch eine religiöse Angst: Angst vor einem imaginären Feind, der bei Androhung höchster Strafen verlangt hat, daß man ihn nicht nenne. Dieses Mythische wirkt in der Diskussion jedes Intimen mit. Das Leben als einen Roman zu betrachten, ist, so gesehen, Lästerung: sie bringt den Menschen das Feuer.
[Imgrunde tragen a l l e persönlichen Weblogs diese olympische Flamme weiter, jedes ein Stückerl. Nichts anderes taten die großen Romançiers, deren Bücher man heute oft verbieten würde – mit Gründen des Persönlichkeitsrechts]
>>>> Litblog-Theorie 120
>>>> Das Leben als Roman 13
Das Leben als Roman 11 <<<<
Litblog-Theorie 118 <<<<

albannikolaiherbst - Montag, 16. November 2009, 11:17- Rubrik: Litblog-THEORIE
Ich merke selbstverständlich selber, daß sich in den letzten Monaten immer mehr das Tagebuch in Der Dschungel vorgeschoben hat, da hat >>>> sumuze schon recht*. ABER: Sie vergißt - oder kann das wahrscheinlich nicht nachvollziehen, weil sie meiner Kenntnis nach keine langen Romane schreibt -, daß Entwicklungen von Prosa, gerade von sogenannten „Weltentwürfen“, viele viele Jahre brauchen, um eine „fertige“ Arbeit zu werden, und daß die Einflußwege so gut wie nie direkte, zeitlich unmittelbare sind, sondern sie tauchen in den Büchern meist sehr verschoben auf, haben meist auch das Jackett gewechselt, man sieht ihnen nicht selten gar nicht an, worauf sie fußen – und das nicht einmal, weil man das als Autor so verstellen wollte, denn als Autor merkt man seine „Gründe“ oft selbst nicht mehr. Kommen sie heraus, überrascht das einen um so mehr – so, wie man von Wendungen, Formulierungen, Einfällen, die die eigenen Bücher nehmen, überrascht, ja auf dem völlig falschen Fuß erwischt werden kann. Mitunter sind sie, als hätte „man das gar nicht geschrieben“, sondern jemand anderes. Die Dschungel dokumentiert solche Gründe nun schon dort, wo sie Gründe noch gar nicht geworden sind oder zwar schon sind, aber als noch nicht Realisierte, noch nicht real Gewordene, sie schreibt sie flüssig fest; die Festschreibung liegt an der dataillierten Genauigkeit, die ein „normales“ Tagebuch so nie umsetzen konnte: später lassen sie sich recherchieren. Hinzukommt, gerade auch im Wechselspiel mit den Kommentaren, daß überaus deutlich wird, unter welchen Glückssternen und Katastrophen und einfach auch nur banalen Schwierigkeiten von Abwehr und Gegenwehr, um von der Ökonomie mal zu schweigen, Kunstwerke zustandekommen. Das sagt noch nichts über die Essenz eines Kunstwerks, oder nur wenig; dennoch ist diese Funktion des Web-Tagebuches, das von einer Hauptsite begleitet wird, die ein Tagebuchartiges kaum zeigt, bzw. auf dem es sich fast nur in den Kommentaren zeigt (da aber dann mitunter heftig, je nach Temperament der Schreibenden), nicht zu ignorieren.
Bücher - ich nenne auch Romane, die im Netz erscheinen, Bücher - sind wie Träume und verarbeiten (auch, selbstverständlich nicht n u r) - „Tagesreste“: interpretative Anstrengung oder die lesende Imaginationskraft holen sie wieder hervor, und d e r e n Gründe dann gleich mit. Wenn dann über Jahre hin ein täglich verfaßtes Arbeitsjournal, bzw. Tagebuch vorliegen, das eben n i c h t von vornherein sich eingefärbt hat - weil es das nämlich gar nicht konnte -, dann sind sie wie Poller, um die die Taue des Romanschiffs geworfen werden können, sowie es denn im Hafen angekommen sein wird und am Kai.
[*: Allerdings laufen - etwa in Rubriken, die auf der Hauptsite gar nicht auftauchen und auf die auch nicht verlinkt wird - durchaus einige fiktive Erzählungen weiter, die ihrerseits ihre "Gründe" in Geschehen haben, die im Arbeitsjournal, bzw. in Tagebüchern man kann sagen: vor-erzählt worden sind. Das scheint nun überhaupt nicht wahrgenommen zu werden, wofür wahrscheinlich gilt: Es gibt kein besseres Versteck als die Datenschwemme.]
>>>> Litblog-Theorie 118
Litblog-Theorie 116 <<<<

albannikolaiherbst - Mittwoch, 9. September 2009, 08:43- Rubrik: Litblog-THEORIE
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Für Adrian Ranjit Singh v. Ribbentrop,
meinen Sohn.
Herbst & Deters Fiktionäre:
Achtung Archive!
DIE DSCHUNGEL. ANDERSWELT wird im Rahmen eines Projektes der Universität Innsbruck beforscht und über >>>> DILIMAG, sowie durch das >>>> deutsche literatur archiv Marbach archiviert und der Öffentlichkeit auch andernorts zugänglich gemacht. Mitschreiber Der Dschungel erklären, indem sie sie mitschreiben, ihr Einverständnis.
Kontakt ANH:
fiktionaere AT gmx DOT de
NEU ERSCHIENEN
EINFÜHRUNG IN DIE ROMANE:
NEUES
albannikolaiherbst - 2012/05/17 11:12
Unvatertägiges Argo- und GalouyeJournal ...
10.35 Uhr:
[Arbeitswohnung.]
D ann doch die Einladung I.R.‘s angenommen, um viertel nach acht hier aufgebrochen, ... albannikolaiherbst - 2012/05/17 10:29
Das DTs für den 16.5.2012.
4.50 - 8.30 Uhr:
Argo-ÜA, ff.√ [Gekommen bis TS 540 oben.]
8.30 - 9.45 Uhr:
Die Dschungel:
DTs nachtragen ... @GB-Jeremias.
Was denn stehe hier, historisch, still? Positionen,...
albannikolaiherbst - 2012/05/17 10:24
Tut mir leid.
Ich bin...
Tut mir leid.
Ich bin nicht persönlich eingebunden,...
FB-jeremias (Gast) - 2012/05/16 21:03
@Phorkyas zur Solidarität.
Weniges wäre mir unangenehmer, als kauften meine...
albannikolaiherbst - 2012/05/16 15:50
albannikolaiherbst - 2012/05/16 15:42
Diesmal mit Vampiren. Das Argo- und ...
Argo-TS 535neben & 5359 Uhr:
[Arbeitswohnung.]Dre ieinhalb Stunden zur Nacht geschlafen, wir waren fast ... albannikolaiherbst - 2012/05/16 15:34
AEOLIA-GESÄNGE. Das Buch. Schmutztitel. ...
>>>> Aeolia 36/Stromboli 48: DAS BUCH
Aeolia 35/Stromboli 47 <<<< @Schlinkert & Hütt.
Danke an Sie beide!
Ich habe die Stimmen alter Menschen...
albannikolaiherbst - 2012/05/16 15:21
Ähnliche Positionsbestimmungen...
Ähnliche Positionsbestimmungen habe ich hier ja...
Phorkyas - 2012/05/16 15:18
Il bacio di Tosca
Schöne Koinzidenz zu alten Stimmen und Urheberrecht,...
Hans Hütt (Gast) - 2012/05/16 13:30
Wenn Sie Glück
haben, ist in der Seniorenresidenz ein Geburtstag zu...
Norbert W. Schlinkert - 2012/05/16 13:21
albannikolaiherbst - 2012/05/16 08:47
Das DTs des 15.5.2012.
Argo-ÜA ff, bis TS 533 oben.
Galouye-Hörstück: Klänge (Akkordeon und Cello).
Rezension für FAZ ... albannikolaiherbst - 2012/05/15 17:55
Zurück in die Routinen. Ein fallendes ...
Argo-TS 5289.20 Uhr:
[Arbeitswohnung.]
N un bin ich wieder allein... nein, ‚allein‘ ist ein falsches ...
JPC

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Zuletzt aktualisiert am 2012/05/17 11:12
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