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Litblog-THEORIE
„Ich will bei dir nicht öffentlich vorkommen“. Das Problem besteht darin, daß jemand, der das jemandem sagt, der sein Leben als einen Roman führen will, dann gar nicht mehr drin vorkommen kann. Dabei ist das Begehren verständlich, ja fast selbstverständlich. Dennoch, indem ich dieses „Projekt“ begonnen habe, erwehre ich mich der ansonsten unvermeidlichen Ernüchterungen durch pragmatische Lebenspraxis: Das Leben als Roman „erlaubt“ nicht nur Katastrophen, sondern sie werden zu quasi-selbstgewählten Momenten einer durchlaufenden Dramaturgie, die aus dem Leben die Banalität herauszustreichen unternimmt; es ist tatsächlich eine poetische Selbstermächtigung über sich selbst. Die Heilige Wollust, Das Erschrecken, Die Erscheinung, Das Ergriffensein, Die Verantwortung, Das Tragische rücken als Gewollte ins Zentrum; in der zeitgleichen Mitbetrachtung werden die Alltagsprozeduren an die beiläufigen Orte verwiesen, an die sie gehören; sie haben sehr viel weniger noch die Chance, sich in den Vordergrund zu rücken und uns beherrschend zu banalisieren: der Abwasch, der Einkauf, das Staubsaugen, Zähneputzen, Fensterputzen, die monatliche Miet- und Krankenkassenzahlung bleiben die Routinen, die sie sein sollten, und drängen sich nicht, uns zunehmend überschattend, weiter und weiter vor, bis nur noch Bitternis und Ergebung bleiben, jene notwehrsanfte Resignation eines Alters, das man sich mit dem Wort von der Weisheit verbrämt.
Das Leben als einen Roman zu betrachten, ist eine paradoxe Intervention, paradox, weil sie sowohl das Feuer bis ins Verglühen durchleben als auch es uns permanent vorstellen läßt. Das ist zugleich Imagination wie Vergegenwärtigung. Kühlmann bemerkte einmal in einer Rezension über einen Roman >>>> Gerd-Peter Eigners, es werde darin die Frage gestellt, wie man „richtig“ lebe; das Leben als einen Roman zu betrachten, versucht sich praktisch an der Antwort: es erp r o b t die Antwort, experimentell. Nur sind es eben Seelenexperimente, in die, da wir soziale Geschöpfe sind, andere immer mit einbezogen werden, ob sie das nun wollen oder nicht und ob w i r wollen oder nicht. Dabei zeigt die Erfahrung unterdessen, daß es ihnen gar nicht so sehr darum geht, ob sie für andere erkennbar sind; ihr offenbarer Schmerz besteht schon darin, daß sie es vor sich selber werden. Dem wollen sie nicht ausgesetzt sein. Die Verdrängungsprozesse wehren sich dagegen, die uns das Leben scheinbar erträglich machen, wiewohl es doch weder überhaupt um Erträglichkeit gehen sollte, noch helfen Verdrängungen wirklich. Im Gegenteil verschieben sie die Nöte und konservieren sie für den Moment eines irrelaufenden Ausbruchs. Oder sie schleifen den Menschen unaufhaltsam ab, bis er so brüchig geworden ist, daß er an der Verkalkung dahinsiecht. Das Leben als einen Roman zu betrachten, erwehrt sich solcher Vergreisung, weil es sich durch seine Öffentlichkeit ständig kampfbereit hält.
Aber es ist nicht nur die Verdrängung, die hier wirkt, sondern auch eine religiöse Angst: Angst vor einem imaginären Feind, der bei Androhung höchster Strafen verlangt hat, daß man ihn nicht nenne. Dieses Mythische wirkt in der Diskussion jedes Intimen mit. Das Leben als einen Roman zu betrachten, ist, so gesehen, Lästerung: sie bringt den Menschen das Feuer.
[Imgrunde tragen a l l e persönlichen Weblogs diese olympische Flamme weiter, jedes ein Stückerl. Nichts anderes taten die großen Romançiers, deren Bücher man heute oft verbieten würde – mit Gründen des Persönlichkeitsrechts]
Das Leben als Roman 11 <<<<
Litblog-Theorie 118 <<<<

albannikolaiherbst - Montag, 16. November 2009, 11:17- Rubrik: Litblog-THEORIE
Ich merke selbstverständlich selber, daß sich in den letzten Monaten immer mehr das Tagebuch in Der Dschungel vorgeschoben hat, da hat >>>> sumuze schon recht*. ABER: Sie vergißt - oder kann das wahrscheinlich nicht nachvollziehen, weil sie meiner Kenntnis nach keine langen Romane schreibt -, daß Entwicklungen von Prosa, gerade von sogenannten „Weltentwürfen“, viele viele Jahre brauchen, um eine „fertige“ Arbeit zu werden, und daß die Einflußwege so gut wie nie direkte, zeitlich unmittelbare sind, sondern sie tauchen in den Büchern meist sehr verschoben auf, haben meist auch das Jackett gewechselt, man sieht ihnen nicht selten gar nicht an, worauf sie fußen – und das nicht einmal, weil man das als Autor so verstellen wollte, denn als Autor merkt man seine „Gründe“ oft selbst nicht mehr. Kommen sie heraus, überrascht das einen um so mehr – so, wie man von Wendungen, Formulierungen, Einfällen, die die eigenen Bücher nehmen, überrascht, ja auf dem völlig falschen Fuß erwischt werden kann. Mitunter sind sie, als hätte „man das gar nicht geschrieben“, sondern jemand anderes. Die Dschungel dokumentiert solche Gründe nun schon dort, wo sie Gründe noch gar nicht geworden sind oder zwar schon sind, aber als noch nicht Realisierte, noch nicht real Gewordene, sie schreibt sie flüssig fest; die Festschreibung liegt an der dataillierten Genauigkeit, die ein „normales“ Tagebuch so nie umsetzen konnte: später lassen sie sich recherchieren. Hinzukommt, gerade auch im Wechselspiel mit den Kommentaren, daß überaus deutlich wird, unter welchen Glückssternen und Katastrophen und einfach auch nur banalen Schwierigkeiten von Abwehr und Gegenwehr, um von der Ökonomie mal zu schweigen, Kunstwerke zustandekommen. Das sagt noch nichts über die Essenz eines Kunstwerks, oder nur wenig; dennoch ist diese Funktion des Web-Tagebuches, das von einer Hauptsite begleitet wird, die ein Tagebuchartiges kaum zeigt, bzw. auf dem es sich fast nur in den Kommentaren zeigt (da aber dann mitunter heftig, je nach Temperament der Schreibenden), nicht zu ignorieren.
Bücher - ich nenne auch Romane, die im Netz erscheinen, Bücher - sind wie Träume und verarbeiten (auch, selbstverständlich nicht n u r) - „Tagesreste“: interpretative Anstrengung oder die lesende Imaginationskraft holen sie wieder hervor, und d e r e n Gründe dann gleich mit. Wenn dann über Jahre hin ein täglich verfaßtes Arbeitsjournal, bzw. Tagebuch vorliegen, das eben n i c h t von vornherein sich eingefärbt hat - weil es das nämlich gar nicht konnte -, dann sind sie wie Poller, um die die Taue des Romanschiffs geworfen werden können, sowie es denn im Hafen angekommen sein wird und am Kai.
[*: Allerdings laufen - etwa in Rubriken, die auf der Hauptsite gar nicht auftauchen und auf die auch nicht verlinkt wird - durchaus einige fiktive Erzählungen weiter, die ihrerseits ihre "Gründe" in Geschehen haben, die im Arbeitsjournal, bzw. in Tagebüchern man kann sagen: vor-erzählt worden sind. Das scheint nun überhaupt nicht wahrgenommen zu werden, wofür wahrscheinlich gilt: Es gibt kein besseres Versteck als die Datenschwemme.]
>>>> Litblog-Theorie 118
Litblog-Theorie 116 <<<<

albannikolaiherbst - Mittwoch, 9. September 2009, 08:43- Rubrik: Litblog-THEORIE
Es zeigt sich, daß >>>> anonyme Kommentare ungefiltert zuzulassen, oft dann die Rezeption eines Literarischen Weblogs als Erzählung ungemein stört, wenn es anonyme Kommentatoren auf diese Störung offensichtlich angelegt haben, sei es, daß sie unreguliert und ohne Achtung auf Takt beschimpfen, sei es, daß sie unreguliert vor sich hinparlieren, oftmals in unlesbarem Deutsch, bzw. einem, dessen Gedanken sich gar nicht oder nur schwer folgen läßt, weil sowohl Regeln der Grammatik wie der Orthographie absichtsvoll und/oder desinteressiert nicht beachtet werden; hinzu tritt eine Textmenge, die sich bisweilen einfach durch copy&paste-Routinen herstellt (siehe >>>> h i e, siehe >>>> d a) und andere Leser allein durch ihre Massierung aus dem Lesefluß wirft. Werfen s o l l. Dies ist ein Angriff auf Offenheit; verlangt wird, daß die Möglichkeit, anonym zu kommentieren, eingeschränkt wenn nicht sogar unterbunden wird: Das „offene Weblog“ soll seine eigene Unmöglichkeit offenbaren. Diese Strategie entspricht derjenigen von agents provocateurs.
Hiergegen hilft es, anonyme Kommentare als Erzählfäden zu begreifen: Man beginnt einen Roman und folgt allen Einfällen, die man hat. Nach einiger Zeit formt sich eine Hauptrichtung heraus. Wie nun in diesem Roman spätestens bei einer zweiten Überarbeitung alle losen Erzählfäden (oder doch viele) gekappt werden müssen - sie wandern teils in einen Ordner für Nächstes, teils in den Papierkorb -, so müssen im Literarischen Weblog auch einige anonymen Kommentare durch Löschung und/oder Verschiebung aus den Kommentarbäumen herausgelöst werden. Hier beginnt die Formung: sie kann nunmehr nur noch über diejenigen stattfinden, die Administratorrechte haben. In einem Herausgeber-Weblog (synonym zu „Herausgeber-Zeitschrift“) wie Der Dschungel wird der Herausgeber zu einem jenes Material organisierenden Autor, das ihm andere zuspielen, so, wie der Dichter das Material organisiert, das ihm die Wirklichkeit zuspielt – soweit er es wahrnimmt. Damit ist der auktoriale Erzähler zwar wieder hergestellt, allerdings geerdet über sowohl die Kommentare anderer als auch durch deren Beiträge. Seine Auktorialität ist ans Material verpflichtet wie er selber an seine Wirklichkeit.
[Zum Gedanken der Dramaturgie siehe für den speziellen „Fall“ >>>> d a s.]
Dritter Zwischenbefund <<<<
>>>> Blogtheorie 116
Blogtheorie 115 (Feldversuch) <<<< 
albannikolaiherbst - Samstag, 23. Mai 2009, 10:42- Rubrik: Litblog-THEORIE
[In eine Theorie des literarischen Bloggens gehört dies,
weil es F r a g e n stellt: Fragen an das Medium.
Die Theorie ist nicht vorgängig, sondern entsteht: im Prozeß.]
Keine Grenze des Geschmacks, ja der Zufügung psychischer Schmerzen scheint es zu geben, die n i c h t von Kommentatoren übertreten wird; es wird sogar und bewußt das Risiko inkauf genommen, gänzlich unbeteiligten und wehrlosen Personen einen Schaden zuzufügen, in diesem Fall einem Kind. Insofern spiegelt das offene Weblog, das seinen Lesern und möglichen Kommentatoren den möglichsten Freiraum gewährt, die Verfaßtheit einer Gesellschaft, die die Einschränkung w i l l: Gängelung, rules and regulations, Zensur usw. Der Autor eines offenen Weblogs soll gezwungen werden, die Offenheit aufzugeben und sich dem >>>> Diktum des Privaten - was privat zu sein habe und was nicht – zu unterwerfen. Der Angriff geht, ob bewußt oder nicht, gegen den Skandal des sich Öffnens. Man soll sich nicht zugeben. Wenn i c h mich verdränge und zusammenkneife, habe das auch jeder andre zu tun. Die Deformation der Person durch den Markt zementiert sich als Norm.
Es gab gestern nacht in Der Dschungel einen Vorfall. Aufgrund eines Eintrages, worin ich von meinem Sohn und mir erzählte und von Werten, die ich zu vermitteln suche, warf mir ein Ungenannter öffentlich Sadismus vor und daß mein Sadismus auch an meinem Kind ausgetragen werde; er sprach dezidiert von Kindesmißbrauch. Ich reagierte sofort, nachdem ich das las, und forderte den Kommentator, der seinen Text bezeichnenderweise anonym eingestellt hatte und ihn deshalb nicht mehr löschen konnte, dezidiert zu einer Entschuldigung auf, andernfalls ich Strafanzeige stellen würde. Tatsächlich wäre ich morgen (Montag, 18.5.) zur Staatsanwaltschaft geradelt und hätte einen Strafantrag gestellt. Die IP des Kommentators hätte sich, zumal ich den gesamten Vorgang gescannt hatte, mit Sicherheit recherchieren lassen. Ich m u ß t e in diesem Fall so hart reagieren, weil gar nicht absehbar war und ist, welche Leserkreise der Kommentar schon erreicht hatte und noch erreicht hätte, - Leserkreise, die möglicherweise direkten Zugang zu meinem Sohn haben und ihn auf die eine und/oder andere Weise mit dem Vorwurf konfrontieren würden, sein Vater sei ein Kindesmißbraucher. Hier sind die Grenzen der Offenheit eines Literarischen Weblogs deutlich gezogen; auf diesem Weg läßt sich Offenheit de facto zerstören. Eine staatsanwaltliche Untersuchung hätte notwendigerweise zur Folge gehabt, daß das Weblog wenigstens vorübergehend eingefroren hätte werden müssen. Der persönliche Schaden wäre sowohl des Kindes wie des Weblog-Autors a l s Autor nicht abzusehen gewesen, abermals wäre Literatur zur Realität geworden, und zwar zu einer ihrer restriktivsten Formen.
Der Autor des Kommentars, der querschießenden Folgen seines Eintrags bewußt geworden, entschuldigte sich dann, seinen Worten nach: bereits b e v o r ich meine Drohung unter den Kommentar schrieb. Dies ist glaubhaft, zeigt aber zugleich, daß das Netz ganz offenbar das Bewußtsein von Verantwortlichkeit bei einigen users zumindest zeitweise außer Kraft setzt. Es wäre ja etwa denkbar gewesen, meine Erzählung auf eine ganz andere Art mit den in diesem Fall - sehr wahrscheinlich wirklich - gefühlten Bedenken zu kommentieren, o h n e eine Begrifflichkeit zu benutzen, die derzeit >>>> moralhysterischer Modebegriff geworden ist und es sich in einem Bedeutungsfeld bequem gemacht hat, das ein wirkliches, „freies“ Nachdenken nicht mehr erlaubt.
Hiermit einher geht Schamlosigkeit: von dem Einzeldatum einer Erzählung über Erziehung wird eine generell-„sadistische“ Haltung ihres Autors abgezogen und ihm, der sich namentlich kenntlich macht, als unbedingte Wahrheit über sich selbst vorgehalten: er sei ein Krimineller. Um sich vor so etwas zu schützen, bleibt die Notwendigkeit eines Anonyms in Kraft, gegen das wiederum die Blog-Gesetzgebung durch Impressum-Vorschrift vorzugehen versucht, die freilich den Kommentator ausnimmt und schließlich eine in diesem Wechselspiel „freie“ Äußerung unmöglich macht. Wer hiergegen auf dem Wechselspiel beharrt, soll in die Knie gezwungen werden. Das geschieht strukturell, nämlich weitgehend unabhängig von der tatsächlichen Intention des entsprechenden Kommentators: ob er das w i l l oder es einfach nicht mitbedacht hat, spielt keine Rolle.
In die gleiche Richtung weisen sämtliche „Vorschläge“, auf die Möglichkeit anonymer Kommentare zu verzichten, bzw. sie einzuschränken. Das Feld selbst soll normhaft durchreguliert, das Subjekt Funktion sein, anstelle daß weiterhin Selbstverantwortlichkeit - Bewußtsein wie Gefühl von Eigenverantwortung – eingefordert wird. An deren Stelle >>>> tritt am Schluß des Prozesses die Netzpolizei. Homo homini lupus.
>>>> Blogtheorie 115
Blogtheorie 113 <<<< 
albannikolaiherbst - Sonntag, 17. Mai 2009, 11:11- Rubrik: Litblog-THEORIE
Sich in jemanden hineinversetzen, der stundenlang Blogs liest, oder einen bestimmten Blog, um dessen Betreiber mitzuteilen und mitzuteilen und abermals und wieder und wieder mitzuteilen, welch ein Dummkopf, ja Arschloch er sei. In so einen hineinlauschen, der nicht etwa dann geht, nein, sondern wieder- und wieder- und wiederwiederkommt und wieder und wieder wiederholt, wie öde er finde, was er stunden-, wochen-, ja monatelang wieder und wieder da lesen müsse. - Wie aus einer solchen Meditation ein Mitleid entsteht.
>>>> Blogtheorie 114
Blogtheorie 112 <<<<
albannikolaiherbst - Samstag, 16. Mai 2009, 16:53- Rubrik: Litblog-THEORIE
Ist nur dann sinnvoll, wenn Identität zugrundeliegt, also die Avatare nicht als Hecke verwendet werden, hinter die man sich duckt, um aus dem Hinterhalt Schlammbatzen zu werfen. Sondern man muß die Avatare fühlen, muß sie s e i n, muß ein Gefühl für ihre Persönlichkeit, auch für ihre Geschichte haben, die man darum k e n n e n muß. Dann werden aus Avataren Personen, literarische Personen. Dies verbindet das Literarische Bloggen sowohl mit Romanen als auch mit >>>> Rollenspielen, die imgrunde realisierte Romane s i n d. Bisweilen werden die physopsychischen Grenzen des „autonomen“ Subjektes dabei überschritten, so daß manchen Spielern nicht mehr bewußt ist, was (wer) sie „in Wirklichkeit“ sind. Nun ist aber diese Wirklichkeit durchlässig, >>>> Wie wirklich ist die Wirklichkeit? heißt ein Buch Paul Watzlawiks, das mich als jungen Mann ausgesprochen geprägt hat und am Anfang meiner Poetik der Desinformationen stand: >>>> Die Verwirrung des Gemüts (1983). Will sagen: das mittelalterliche Turmfräulein, das die Phantasie einer jungen Rollenspielerin konzstruiert hat, kann m e h r Wahrheit ausdrücken als ihre „realistische“ Existenz als MTA in einem Ärztehaus. Es kann ihr eine Reifung erlauben, die der auf Entfremdung bauende praktische Beruf verhindern, wegdrücken, abschleifen würde. Der literarische Spiegel hiervon k a n n der Avatar im Netz sein.
Es ist insgesamt zu bezweifeln, ob es eine einheitliche Identät von Menschen überhaupt gibt, ja je gab, ob nicht Spaltungen sogar lebensnotwendig sind. So daß man sich weiter fragen muß, ob es überhaupt sinnvoll ist, eine einheitliche Identität zu verlangen, bzw. sie herzustellen. Wir erleben auch Welt als fragmentierte, und zwar in dem Moment schon, indem wir über unsere direkten Zusammenhänge, die materialistisch gefaßt werden können, hinausblicken. Hier gilt Lévi-Strauss' bricolage: das Ich selbst ist bricoliert. Diesem ein einheitliches Ich entgegenzustellen, wäre vergeblich Illusion. Vielmehr ist die Fragmentierung des Ichs zu ergreifen, wie die marxistische Forderung umzusetzen, endlich über die Produktionsmittel selbst zu verfügen. Ich w i l l mich als fragmentierten: b i n Herbst u n d Ribbentrop u n d Daniello u n d Deters u n d Kerbmann u n d Bertrecht u n d Borkenbrod u n d (sogar!) Niamh of the Golden Hair. Ich bin es je in verschiedener Hinsicht. Daß es zwischen allen diesen ein Verbindendes gibt, ist außer Zweifel, allerdings ist dieses Verbindende selber ungefähr; man mag das mit der Unmöglichkeit vergleichen, zugleich den genauen Standort und die Zeit anzugeben, an der ein Elektron wann wo ist.
>>>> Blogtheorie 113
Blogtheorie 111 <<<< 
albannikolaiherbst - Freitag, 8. Mai 2009, 09:05- Rubrik: Litblog-THEORIE
Zu >>>> dieser Hämischkeit, die mir nur dann, im Sinn von >>>> Rache, nachvollziehbar wäre; hätte ich den jeweiligen Urheber tatsächlich persönlich verletzt, meine ich, daß dennoch >>>> darauf, und zwar mit Nachdruck, zu bestehen ist, ebenso wie auf der, sagen wir, „Umklammerung mit Privatem“, die den literarischen und/oder denkerischen Texten in Der Dschungel widerfährt. Es geht darum, den Schein der Objektivität wie einen Vorhang beiseitezuziehen, der den Altar der geäußerten, bzw. dafür ausgegebenen Wahrheiten verhüllt: es geht um Bedingtheiten; hält man mit denen zurück, werden auch Gründe zurückgehalten, ja verstellt. Dabei erweist es sich freilich als problematisch, daß einer, der sich selbst verwundbar macht, andere notwendigerweise mit hineinzieht, die das durchaus selten so wollen. Deshalb wird der Angriff als Angriff auch verstanden, wenn auch, notwendigerweise, fälschlich als persönlich. Denn das Persönliche als ein Allgemeinstes zur Disposition zu stellen, trifft.
>>>>> Blogtheorie 110
Blogtheorie 108 <<<<
albannikolaiherbst - Dienstag, 17. März 2009, 18:38- Rubrik: Litblog-THEORIE
>>>> Gültig.
[Der Vorteil >>>> mancher referrers, die man zu lesen bekommt, ist genau dieser: Ein Literarisches Weblog veraltet n i c h t, wohl aber der referrer (der hier zweite Link wird bereits morgen veraltet sein). NB: Interessant in dem Link ist übrigens auch, als ein dritter, die >>>> Querbrücke zu Hubert Fichte.]
>>>> 108
106 <<<<
albannikolaiherbst - Montag, 5. Januar 2009, 08:36- Rubrik: Litblog-THEORIE
>>>> findeiss an ANH:
wie ich eben bemerke, schreibt da jemand unter meinem namen Th. Findeiss kommentare zu meinen sachen (z.b. >>>> "a legal thing") das ist an sich nicht weiter schlimm - nur schreibt er/sie einen idiotenstil. Und das ist dann schon ärgerlich. ANH an findeiss:
ja, da ist jemand - wahrscheinlich sind es sogar mehrere -, der in Der Dschungel herum>>>>trollt und sich dazu seit einiger Zeit Namen und Anonyma anderer "normaler" Beiträger schnappt. Es scheint darum zu gehen, Euch so sehr zu verärgern, daß Ihr aus Der Dschungel wegbleibt. Man möchte sie wohl gerne roden. Da aber solche feindlichen Namens-Übernahmen immer daran kenntlich sind, daß ein "anonym" dahintersteht, scheint mir das nicht so arg schlimm zu sein. In Deinem Fall >>>> verlinkt der Troll sein Pseudonym nicht mal auf >>>> Deine Site, so daß man seine inneren Nachtigallen, als die sich die Krähen zu tarnen versuchen, schon aus d e r Richtung trapsen hören kann.
Richtig heftig wurden die Attacken in Zusammenhang mit der >>>> Peter-Hacks-Site; da wuseln ein paar Idioten rum - männliche, aber, was schlimmer ist (denn von Männern ist man's ja gewöhnt), offenbar auch weibliche -, die anzunehmen scheinen, erhöbe ich mich ins Licht, würfe das auf ihr Idol schwere Schatten; >>>> André Thiele, der Betreiber der Site, hat sich zwischenzeitlich von ihnen >>>> deutlich distanziert.
Außerdem gibt es noch einen vandalierenden Routinetroll, der auch andersitig bekannt ist: ein Herr *.Böttcher; der tobt schon seit langem als Aff, der seine Banane nicht findet, durch Die Dschungel, >>>> lavantesiert sozusagen und macht sich mit einer ganzen Flut von Pseudonymen merklich, die alle versuchen, wie >>>> der Knotscher zu schreiben, es aber nicht schaffen.
Sehen wir es als Leben, lieber Thomas Findeiss. So lange >>>> uns die Frauen mögen, gibt es keinen Grund zu verzweifeln, nicht einmal einen, sich zu ärgern.
Mit einem Lächeln und auf einen Cocktail in der >>>> Lützowbar.
>>>> 106
105 <<<<
albannikolaiherbst - Samstag, 6. Dezember 2008, 06:20- Rubrik: Litblog-THEORIE
Es ist doch nicht die Technik-selbst, das Technologische, aus was die neue Poesie entsteht, nicht, daß wir die Steuerbefehle beherrschen und über sie die Verfügung ans Maschinelle abtreten - was der Fall wäre, ließen wir das Maschinelle „eigene“ Entscheidungen treffen, sei es auch nur als Würfelwurf. Auf die Poetik einer Dichtung hat das so viel Einfluß wie die Mechanik einer Schreibmaschine, der wir ganz sicher und zu recht das Recht** bestreiten, Inspirationen zu haben und sie überdies künstlerisch ordnen zu können. Wohl aber hat die Mechanik einer Schreibmaschine Einfluß auf die Wahrnehmung eines Textes, während er entsteht; die maschinengeschriebenen Sätze erscheinen dem Autor anders, im Wortsinn: sie sehen anders aus, als wären sie mit der Hand geschrieben; eine Spur von Endgültigkeit haftet bereits an ihnen, während sie noch entstehen. Dies perfektioniert der Computerausdruck, ja schon das Schriftbild auf dem Bildschirm: der entstehende Text wird näher an sich als einen bereits erschienenen gerückt, als das jemals zuvor der Fall war. Daher ist der Einfluß des Technologischen auf die Dichtung einer des Scheines, Anscheines. Der aber ist, indem er wirkt. Der „Zufalls“generator generiert keine Gedichte.
Es stimmt auch schon mit dem Zufall nicht. Denn die Wörter und Lettern werden weder willkürlich geordnet n o c h in Sinnzusammenhängen, sondern auch das sieht nur so aus: tatsächlich werden sie nach formal determinierten Abläufen geordnet, deren Folge allein deshalb zufällig wirkt, weil uns die „handelnden“ Steuerbefehle, nach denen der Computer vorgeblich dichtet, schon ihrer Anzahl nach unüberschaubar sind. So haben wir den Eindruck von Zufall, ohne daß dieser überhaupt da wäre. Bei „Zufall“ ist ohnedies zu fragen, ob er nicht stets nichts anderes als der Ausdruck einer Schönung unserer Wahrnehmungsblindheiten ist. Etwas sei zufällig geschehen, sagt nur, daß wir die Gründe eines Geschehens nicht kennen, bzw., sogar: sie prinzipiell nicht erfassen können.
Das computergenerierte Gedicht ist insofern auch sinnlos, wenn es zufällig eine sinnvolle Reihe ergibt. Wir interpretieren den Sinn h i n e i n, nicht ist er schon da.
[Apollinaire schnitt Wörter aus Zeitungen aus, warf die Schnipsel hoch, und waren sie heruntergeregnet, arrangierte er sie zu Gedichten. Nun aber zu meinen, es seien Gedichte-per-se schon gewesen, bedeutete, aus einem Runenwurf die Zukunft abzulesen. Die „Gedichte“ werden vielmehr zu Konstrukten der Leser, s i e schaffen das Gedicht. Der Autor macht sich zur Maschine, wobei sein Maschinelles dann nicht etwa in der Kombinatorik besteht, sondern im „zufälligen“ Zusammenspiel seiner Muskelbewegungen (Wortschnipsel in die Hand nehmen, sie von der Hand hochwerfen lassen, wobei sich die Hand öffnet usw.) mit den Umständen von Ort und Zeit (geht ein Lüftchen, steht ein Fenster offen, wie warm ist es: Bestimmungen, die den Fall der Zeitungsschnipsel bestimmen).
Computergedichte sind ein Kaffeesatz, aus dem man sie herausliest.]
[**): zu recht das Recht. Ecco! ]
104 <<<<
albannikolaiherbst - Sonntag, 16. November 2008, 15:22- Rubrik: Litblog-THEORIE
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Für Adrian Ranjit Singh v. Ribbentrop,
meinen Sohn.
Achtung Archive!
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Kontakt zu Alban Nikolai Herbst:
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zuletzt aktualisiert am 2009/11/27 10:49
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