LOYOLA
(...)
Danach hatte es anfangs nicht ausgesehen. Was an di Nolas Neigung zu jungen, dunkelhaarigen Frauen liegt und daran, daß er sie sogar noch nach vier Jahrhunderten nicht recht im Griff hat. Aus diesem Grund gibt man ihm, wenn er den Auftrag erhält, eine Transmigration vorzunehmen, immer einen Adjutanten mit. Das bin meistens leider ich. Man sagt, ich kennte ihn gut genug, die schlimmsten Entgleisungen zu verhindern; außerdem habe ich Erfahrung mit der Seefahrt, so daß es uns an Gesprächsstoff nicht mangelt. Allerdings frage ich mich bis heute, weshalb die Wahl überhaupt je auf di Nola fällt. Seit unserer ersten Transmigration, 1587 in Wittenberg, bin ich ja gewarnt und habe meinerseits nichts unversucht gelassen, auch die Leitung zu warnen. Kontemplation und eine gewisse Kühle stehen uns besser an als der Hedonismus eines Freibeuters. Aber es hilft nichts; di Nolas Charme, dessen Vorhandensein ich gar nicht bestreite, sondern eigentlich - eben deshalb - beklage, läßt den Mann immer wieder aufs neue zum Herold werden. Immer wieder kommt er lächelnd und beschwingt aus dem Sekretariat, um mich ironisch zu sich herzupfeifen. Dabei sollten Engel Würde haben, sie sollten von heiligem Ernst sein, nicht beschwingt und schon gar nicht witzig. Jedenfalls ist das meine Meinung. Wir müssen uns irgendwie vom Widersacher unterscheiden; Ironie ist nicht unsre Domäne. Doch wer hört schon auf mich? Seit dem 5. Laterankonzil ist die Idee unseres Daseins, ist unsere ganze Ontologie wie aufgeschmolzen.
„Loyola komm!“ rief di Nola. „Wir brauchen einen Einfall!“ Er pfiff mich herbei wie einen Hund, den man zur Sauenjagd mitnimmt, wobei sein „wir“ selbstverständlich ihn selbst meinte, n u r ihn. Dann nahm er seine Flügel ab und legte sie mir auf die ausgestreckten Arme, der ich gar nicht wußte, was ich damit sollte, und während ich noch betäubt von dem Gewicht dieser wiederneuen Entgleisung in Gottes Antichambre stand, schritt er beschwingt ins Ankleidezimmer, um sich für die Gegenwart umzuziehen. Ich war dann schon erleichtert, daß er wenigstens konfektionstechnisch Stil bewahrte und nicht etwa als Autonomer wieder herauskam oder mit gelbem Irokesenschnitt.
(...)
ANNO 1900 2 <<<<
Danach hatte es anfangs nicht ausgesehen. Was an di Nolas Neigung zu jungen, dunkelhaarigen Frauen liegt und daran, daß er sie sogar noch nach vier Jahrhunderten nicht recht im Griff hat. Aus diesem Grund gibt man ihm, wenn er den Auftrag erhält, eine Transmigration vorzunehmen, immer einen Adjutanten mit. Das bin meistens leider ich. Man sagt, ich kennte ihn gut genug, die schlimmsten Entgleisungen zu verhindern; außerdem habe ich Erfahrung mit der Seefahrt, so daß es uns an Gesprächsstoff nicht mangelt. Allerdings frage ich mich bis heute, weshalb die Wahl überhaupt je auf di Nola fällt. Seit unserer ersten Transmigration, 1587 in Wittenberg, bin ich ja gewarnt und habe meinerseits nichts unversucht gelassen, auch die Leitung zu warnen. Kontemplation und eine gewisse Kühle stehen uns besser an als der Hedonismus eines Freibeuters. Aber es hilft nichts; di Nolas Charme, dessen Vorhandensein ich gar nicht bestreite, sondern eigentlich - eben deshalb - beklage, läßt den Mann immer wieder aufs neue zum Herold werden. Immer wieder kommt er lächelnd und beschwingt aus dem Sekretariat, um mich ironisch zu sich herzupfeifen. Dabei sollten Engel Würde haben, sie sollten von heiligem Ernst sein, nicht beschwingt und schon gar nicht witzig. Jedenfalls ist das meine Meinung. Wir müssen uns irgendwie vom Widersacher unterscheiden; Ironie ist nicht unsre Domäne. Doch wer hört schon auf mich? Seit dem 5. Laterankonzil ist die Idee unseres Daseins, ist unsere ganze Ontologie wie aufgeschmolzen.
„Loyola komm!“ rief di Nola. „Wir brauchen einen Einfall!“ Er pfiff mich herbei wie einen Hund, den man zur Sauenjagd mitnimmt, wobei sein „wir“ selbstverständlich ihn selbst meinte, n u r ihn. Dann nahm er seine Flügel ab und legte sie mir auf die ausgestreckten Arme, der ich gar nicht wußte, was ich damit sollte, und während ich noch betäubt von dem Gewicht dieser wiederneuen Entgleisung in Gottes Antichambre stand, schritt er beschwingt ins Ankleidezimmer, um sich für die Gegenwart umzuziehen. Ich war dann schon erleichtert, daß er wenigstens konfektionstechnisch Stil bewahrte und nicht etwa als Autonomer wieder herauskam oder mit gelbem Irokesenschnitt.
(...)
ANNO 1900 2 <<<<
albannikolaiherbst - am Dienstag, 25. März 2008, 15:13 - Rubrik: LOYOLA
Wie bekomme ich d a s, übereinandergelegt, in eine Variation hinein, ohne daß das Gedicht illustrativ, also Bild-Gedicht wird? Ich verabscheue Bild-Gedichte, selbst bei Apollinaire fand ich sie immer ridikül. Sondern will, daß sich dies Vorhaben in einer reinen Wort-Form erfüllt. Also:
& 
[Die gekreuzigte Schlange stellt Christus dar, zugleich spielt sie auf das hebräische ש („Sin“ oder „Shin“) an, den einzigen Buchstaben, der den Namen Gottes aussprechbar macht; man beachte den Dreier-Aufstrich, der Dreieinigkeit symbolisiert. (So, nebenbei, kommt es zu „Jesua“). Hierüber legte ich nun gerne das Ω, mit dem Scelsi bekanntlich gern unterzeichnet hat, wobei dieses Omega auch als Null gelesen werden kann. Das nähert sich dem Schöpfungsbeginn wie seinem Ende als Gesamtumfassung. Zugleich läßt ש eine Analogie zum asiatischen, speziell buddhistischen „Shin“ zu, dem Scelsi nahgewesen sein dürfte.]
Variation XVI <<<<


[Die gekreuzigte Schlange stellt Christus dar, zugleich spielt sie auf das hebräische ש („Sin“ oder „Shin“) an, den einzigen Buchstaben, der den Namen Gottes aussprechbar macht; man beachte den Dreier-Aufstrich, der Dreieinigkeit symbolisiert. (So, nebenbei, kommt es zu „Jesua“). Hierüber legte ich nun gerne das Ω, mit dem Scelsi bekanntlich gern unterzeichnet hat, wobei dieses Omega auch als Null gelesen werden kann. Das nähert sich dem Schöpfungsbeginn wie seinem Ende als Gesamtumfassung. Zugleich läßt ש eine Analogie zum asiatischen, speziell buddhistischen „Shin“ zu, dem Scelsi nahgewesen sein dürfte.]
Variation XVI <<<<
albannikolaiherbst - am Freitag, 2. November 2007, 16:59 - Rubrik: LOYOLA
noch kein Kommentar - Kommentar verfassen
Es gibt keine innigere, zugleich kontemplativ geschlossenere Geste der Offenheit; den Begrüßten ins Meditieren hineingenommen, der Gruß selber ist Meditation: gerade die Weltlichkeit wird sakral.
[Scelsi, Pranam.
Jeder Ton ist ein Klang.
Ist eine Kugel:
ihre Oberfläche.]
Jeder Ton ist ein Klang.
Ist eine Kugel:
ihre Oberfläche.]
albannikolaiherbst - am Mittwoch, 17. Oktober 2007, 09:50 - Rubrik: LOYOLA
noch kein Kommentar - Kommentar verfassen
albannikolaiherbst - am Montag, 8. Oktober 2007, 10:32 - Rubrik: LOYOLA
noch kein Kommentar - Kommentar verfassen
Ich bin codiert - unter diesem Satz, der einer der Selbsterkenntnis ist, geht, wenn sie auch das Selbstbewußtsein ergreift, alles moralische Handeln in die Knie. Freiheit wird einem dann bewußt nicht als etwas, das wäre, sondern etwas, das wir, unabhängig von einer etwaigen Realität, einfach fühlen: Sie wird zu einem Phänomen der Wahrnehmungspsychologie und entspricht Halluzinationen, bzw. einer voreingestellten Apperzeption, nämlich nicht, wie es die Hirnforschung nennt, implizitem Wissen, sondern impliziten A n n a h m e n (Voreinstellungen) des ganglischen Apparates. Ich bin codiert heißt, ich kann mich aus den Codierungen nur dann lösen (sie umschreiben), wenn genau das als ein Teil des Programmes mit angelegt worden ist. Aber die empirische Tatsache, daß nicht verwendete Dornen an den Neuronen vom Hirn wieder abgebaut und ggbf. durch andere, nunmehr verwendete „ersetzt“ werden , sofern sie sich überhaupt gebildet hatten, und die weitere empirische Tatsache, daß wir nach etwa dem zwanzigsten Lebensjahr überhaupt keine neuen Dornen (neue synaptische Verbindungen) mehr ausbilden können, sondern sich die bis dahin entwickelten nur noch festigen, perfektionieren usw., macht den Gedanken, es sei auch nur irgend eine Freiheit, zu einer um Atem ringenden Irre.
Insofern ist j e d e s strafende, und rächende sowieso, moralische Handeln in tiefstem Grund unmoralisch: Es tut den Verbrechern - als zum Verbrechen unausweichlich codierten Wesen – nicht minder ein Unrecht an als diese ihren Opfern angetan haben. Das Unrecht wiederholt sich in den Guten. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit des tragischen Handelns. Denn es ist keine Frage, daß es solcher Verurteilungen bedarf, um wiederum andere Menschen vor dem Erleiden neueren Unrechts zu schützen; aber Strafe wird dann eine Schutzmaßnahme und kann nicht etwa als 'moralisch gerecht' begründete Handlung sein; stellt sie sich als solche hin, gehört der Moralist in eben die Zelle, in die man den Verbrecher sperrt: Beide sind Kopf und Zahl derselben Münze. Vielmehr muß man sich beim Verbrecher entschuldigen und ihm sagen: „Im Interesse der Allgemeinheit können wir nicht anders, als dich zu bestrafen. Aber wir wissen, daß auch das wieder ein Unrecht ist.“
Unter die Umstände einer solchen „Strafe“ muß auch der präventive wie der vergeltende Krieg gerechnet werden. Strafe, die gerecht wäre, darf immer nur und ausschließlich Notwehr sein. Was moralisch über sie hinausgeht und aus dem guten (rechten) Gewissen stammt, ist ein Verbrechen selbst.
Die „Tragik“ selber aber stammt aus dem Selbstbewußtsein, wenn es sich bildet und sieht. O b und wie es sich bildet, hängt seinerseits von den Elementen der Codierung ab. Das heißt: Die Tragik wird durch das Selbstbewußtsein dem Sein hinzugetan; alles übrige ist notwendiger Prozeß. Tragik ist der Modus, in welchem das Selbstbewußtsein diesen und sich selbst erlebt.
Insofern ist j e d e s strafende, und rächende sowieso, moralische Handeln in tiefstem Grund unmoralisch: Es tut den Verbrechern - als zum Verbrechen unausweichlich codierten Wesen – nicht minder ein Unrecht an als diese ihren Opfern angetan haben. Das Unrecht wiederholt sich in den Guten. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit des tragischen Handelns. Denn es ist keine Frage, daß es solcher Verurteilungen bedarf, um wiederum andere Menschen vor dem Erleiden neueren Unrechts zu schützen; aber Strafe wird dann eine Schutzmaßnahme und kann nicht etwa als 'moralisch gerecht' begründete Handlung sein; stellt sie sich als solche hin, gehört der Moralist in eben die Zelle, in die man den Verbrecher sperrt: Beide sind Kopf und Zahl derselben Münze. Vielmehr muß man sich beim Verbrecher entschuldigen und ihm sagen: „Im Interesse der Allgemeinheit können wir nicht anders, als dich zu bestrafen. Aber wir wissen, daß auch das wieder ein Unrecht ist.“
Unter die Umstände einer solchen „Strafe“ muß auch der präventive wie der vergeltende Krieg gerechnet werden. Strafe, die gerecht wäre, darf immer nur und ausschließlich Notwehr sein. Was moralisch über sie hinausgeht und aus dem guten (rechten) Gewissen stammt, ist ein Verbrechen selbst.
Die „Tragik“ selber aber stammt aus dem Selbstbewußtsein, wenn es sich bildet und sieht. O b und wie es sich bildet, hängt seinerseits von den Elementen der Codierung ab. Das heißt: Die Tragik wird durch das Selbstbewußtsein dem Sein hinzugetan; alles übrige ist notwendiger Prozeß. Tragik ist der Modus, in welchem das Selbstbewußtsein diesen und sich selbst erlebt.
[Moraltheorie.]
albannikolaiherbst - am Samstag, 15. September 2007, 06:23 - Rubrik: LOYOLA
Saugt den Koran a u f. Macht ihn zu einem Teil des Eigenen, fügt seine Mythen in die der eigenen Herkunft ein, mit denen sie im Abendland ohnedies eng zusammenhängen, synthetisiert ihn, hybridisiert die „Lehre“, doch trinkt von ihren Schönheiten und schenkt ihr aus den Karaffen der anderen, „verbotenen“, Schönheiten ein, von den unsren. Macht aus der Burka ein Element der Mode, die zum Bikini zurückschwingt und ihn mit der Burka und sie mit dem Striptease kombiniert. Widerstand verflüssigt; wenn er verfestigt, verhärtet er und spielt dem Gegner, der Doktrin, noch zu. Man muß sich einen Gegner aneignen, um ihn zu besiegen, muß ihn vereinnahmen: Suren in aufgeklärte Gedichte übernehmen und mit der Bhagavadgita und der Thora kombinieren, mit dem Popul Vuh, mit der Edda: klingende Autorität unter klingenden Autoritäten. Das vorgeschriebene Kopftuch verliert in dem Moment seine symbolische Macht, in dem auch die aufgeklärte Europäerin es einfach mal so, weil ihr das grad in den Sinn kommt, in Clubs trägt; das gilt für jede Uniform. Nichts schadet einem absoluten Anspruch so sehr wie ein Dekoratives. Und nichts kann ihn menschlicher, menschengerechter machen. Dasselbe galt fürs Kreuz. Das Dekorative des Halbmonds ist die Arabeske. Sie integriert ihn weitergehend, und "humanisiert" ihn, als irgend ein radikales (ausschließendes) Gesetz das nur könnte.
(CDXXXXVII).
[Zu >>>> Ralph Giordano.]
(CDXXXXVII).
[Zu >>>> Ralph Giordano.]
albannikolaiherbst - am Montag, 16. Juli 2007, 07:05 - Rubrik: LOYOLA
noch kein Kommentar - Kommentar verfassen
albannikolaiherbst - am Dienstag, 27. Februar 2007, 09:22 - Rubrik: LOYOLA
noch kein Kommentar - Kommentar verfassen
Und haben einerlei Odem.
albannikolaiherbst - am Montag, 19. Februar 2007, 11:21 - Rubrik: LOYOLA
noch kein Kommentar - Kommentar verfassen
Mit allem Recht wird gesagt werden dürfen (und sicher auch gesagt): Der tut >>>> das alles nur, weil wir ihn nicht anerkennen.
Daran i s t was. Aber halt „was“ nur. Denn die Bewegung fand ihre Gründe, und der Einwand ist so wohlfeil wie der Vorwurf, wäre man ‚arisch‘ ins ‚Dritte‘ Deutsche Reich geboren, man wäre a u c h zum Hitlerjungen geworden. Selbstverständlich wäre man das, schon gar bei dieser Abkunft.
Notamale: Moral entsteht aus Prägung und Erfahrung.
Daran i s t was. Aber halt „was“ nur. Denn die Bewegung fand ihre Gründe, und der Einwand ist so wohlfeil wie der Vorwurf, wäre man ‚arisch‘ ins ‚Dritte‘ Deutsche Reich geboren, man wäre a u c h zum Hitlerjungen geworden. Selbstverständlich wäre man das, schon gar bei dieser Abkunft.
Notamale: Moral entsteht aus Prägung und Erfahrung.
[Moral.]
albannikolaiherbst - am Montag, 22. Januar 2007, 12:02 - Rubrik: LOYOLA
Im hervoragenden Programmheft zur >>>> neuen Inszenierung René Jacobs‘ und Luk Percevals findet sich gleich zu Anfang >>>> Silke Leopolds Bemerkung, es habe zu den Auswirkungen“des Reform-Konzils von Trient (1545-1563) (..) auch das Ziel {gehört}, das weltliche Dasein wieder stärker mit der Religionsübung zu verknüpfen, Alltag und Andacht zu einer Einheit zu machen und schließlich in der religiösen Inbrunst auch eine erotische Komponente zu entdecken. Daß die Musik hierfür ein geeignetes Werkzeug darstellte, weil sie den Intellekt und die Sinne gleichermaßen ansprach, erkannten vor allem die neugegründeten Religionsgemeinschaften wie der Jesuitenorden oder die Oratorianerbruderschaft des heiligen Filippo Neri, die sich weltliche Kunstformen des Theaters oder der Musik für religiöse Bestimmungen zunutze machten.“ K u n s t, umgekehrt, tat das immer. Daher ihr unbedingt Irdisches.
[Poetologie.]
albannikolaiherbst - am Samstag, 20. Januar 2007, 08:26 - Rubrik: LOYOLA


















