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Kulturtheorie
„Der Herbst hat keine Angst vor den Folgen.“ Doch, hat er. Sogar, und zu recht, eine riesige. Aber ich laß mich auch von meiner Angst nicht korrumpieren.
[Das bezieht sich >>>> hierauf. Mein Kommentar endete anders, als Guido Graf zugelassen hat. Ich schrieb zu >>>> Elmar Krekeler, kann das aber nicht mehr vollständig rekonstruieren und muß mir also auch für Kommentare angewöhnen, sie erst einmal in eine eigene Datei zu schreiben: „Verzeihen Sie, aber manchen suggestiven Behauptungen gehört einfach eins aufs Maul.“ Mein der, schon klar, im Interesse des literarischen Freundschaftsfriedens erfolgten "Zensur" nachgesetzter Kommentar lautete dann wiederum: „Du hast mich zensiert, lieber Guido. Ich glaube aber, daß Krekeler zu den ausgesprochen wachen Leuten gehört, die einen bestimmten groben Ton sehr wohl als den feinen erkennen, der er ist.“]
albannikolaiherbst - Montag, 7. September 2009, 10:27- Rubrik: Kulturtheorie
Ist wohl die reichste zumindest der westlichen Welt. Nur daß sich lauter Arme an ihr bedienen, so daß sie schließlich zur ärmsten aller Sprachen wird: zur allein funktionalen.

albannikolaiherbst - Donnerstag, 27. August 2009, 00:18- Rubrik: Kulturtheorie
(...) Als wären sie transfinite Zahlen, überlagern die Wellen einander im Ohr. Der unendlich geschichtete Klang ist wie weißes Licht die Summe aller Farben. Zwar kann eine Miniatur auch bloßer Ulk sein, dennoch vermittelt sie die Sicherheit, die Übersicht zu haben. Man steht ja davor und merkt nicht, selbst eines seiner Teile und selbst nur eine der Zahlen zu sein. Viele Comics gehören hierher, musikalisch HK Gruber und die Ministücke Gerhard Rühms. Selbst der provokanteste Aphorismus gibt, wie Lego-Welten in Spielzeugländern, Überschaubarkeit vor. Daß Aphorismen normativ sind, verstärkt das. Doch täuscht das wie das Spaßige selbst; keiner wußte darüber Bescheid wie Borges. In den Miniaturen der „grünverschlossenen botschaft“ HC Artmanns wittert das durch: „„Ein puma sitzt in einem traumbaum und sieht dich an... Wird er springen – wird er bleiben? Das zu überlegen, hast du fünfundsiebzig herzschläge zeit.“ Überhaupt neigen die Wiener dazu, mit Miniaturen böse zu scherzen.
(...)
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albannikolaiherbst - Mittwoch, 25. März 2009, 09:10- Rubrik: Kulturtheorie
(...) Zugleich kann die Miniatur auch ein Spaß sein, ja ein Ulk, der, aus der Perspektive des Spötters, die Sicherheit vermittelt, „es immer schon zu haben“; die Comics gehören hier hinein, musikalisch HK Gruber und die Ministücke Gerhard Rühms. Aber auch noch der provokanteste Aphorismus verleiht sich den Schein der Übersicht und macht dadurch, wie Lego-Welten in Spielzeugländern, den Eindruck von Überschaubarkeit; daß Aphorismen normativ sind, bestärkt das noch. Genau zwischen diesen Polen oszilliert die miniature Form, immer wieder geht das Größte, Fließende, Unendliche in das knapp Abgeschlossene ein und wird mit ihm, darf man das sagen?, identisch. Findet man diesen Gedanken des Identischen nicht bereits in der Herkunft des Begriffs „Miniatur“, das eine kleine „mit Zinnoberrot gemalte“ Nachahmung meinte, in den Anfangslettern der alten Handschriften geboren und aufgewachsen in der Buchkunst, in deren Initialen Fantasiebildchen kamen, das Kapitel zu umreißen? Es ist dieselbe Idee. Wobei das Bild, wie der Klang, bei aller „Identität“ etwas anderes ist, die Miniatur-an-sich aber das einzelne Wort. Wir sagen „Welt“, und sie wird.(...)
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albannikolaiherbst - Sonntag, 22. März 2009, 08:54- Rubrik: Kulturtheorie
Er versteht sie nicht als solche, sondern >>>> unterstellt ihren Inhalt als bereits vorgefertigte Antwort für einen Einzelfall, nämlich mich. Aber darauf kommt es nicht an, sondern zurecht stellt sich grundsätzlich die Frage, ob nicht eine erste Bewegung zur Kunst i m m e r (selbst)therapeutischen Characters sei. Darüber wäre immer noch nachzusinnen. Was bringt jemanden dazu, sich mit etwas leidenschaftlich und bis über, wenn es gesellschaftlich schlecht damit läuft, nahezu alle Schmerzgrenzen hinaus intensiv zu beschäftigen und es durchzukämpfen, obwohl der objektiv-persönliche Mehr- und Genußwert so gering ist (Anerkennung, soziale Akzeptanz, ökonomische Sicherheit), ja, wie mir >>>> Martin R. Dean einmal klagte, eine unablässige Kette narzißtischer Kränkungen mit sich bringt. Man könnte auch >>>> Kippenberger, den zu Lebzeit Mißachteten und post mortem hoch Gehandelten zitieren: „Ich kann mir doch nicht jeden Tag ein Ohr abschneiden.“ War van Goghs Arbeit eine gescheiterte Selbsttherapie? Darum, letztlich, dreht sich alles, wenn wir nach den ersten Motiven der Kunstausübung fragen, ob bei Kleist, Hölderlin, ob bei van Gogh und Allan Pettersson. Die Erfolgreichen zu betrachten, lohnt in dieser Hinsicht nicht, weil wir nicht wissen, wie s i e im Fall des Mißerfolgs gehandelt hätten – aber bei den guten unter ihnen, die es zweifelsfrei gibt, können wir's ahnen (bei Goethe, Heiner Müller, Picasso usw.): nämlich genau so wie die anderen.
Ob jemand aber ein guter Künstler s e i, das können wir letzten Endes immer nur glauben. Das betrifft auch den Künstler selbst: "Wir selbst wissen es wahrscheinlich noch nicht einmal auf dem Sterbebett, ob wir es gewesen sind", sagte Gustav Mahler. 
albannikolaiherbst - Samstag, 21. März 2009, 11:07- Rubrik: Kulturtheorie
(...) Dem entsprach seinerzeit eine auch und gerade musikalische Poetologie der Entsagung, die sich mit der Erfahrung des Hitlerfaschismus auflud und namentlich von Adorno formuliert worden ist: sie gab dem schuldbeladenen Gewissen einer ganzen Nation die Kunst-Form und hing zugleich mit einer Ästhetik des Fragments zusammen, das den Schein der Abschließbarkeit, des Vollkommenen und Harmonischen zerriß und schon bei Nietzsche den geschlossenen gesellschaftlich-repräsentativen Systemen die Absage erteilte. Musikgeschichtlich war die erste Bewegung dahin eine Abkehr von den aufgeblähten Orchesterapparaturen des späten Neunzehnten Jahrhunderts, über die nach Mahlers Achter kaum noch hinauszugehen war. Ursula Krechel spricht, für die Dichtung, von „überflüssigem Erzählspeck“, auf den der gute Geschmack zu verzichten habe, und noch der Zeitgenosse läßt „Dichtung“ von „Verdichtung“ kommen. Daß kein Fleisch mehr s e i, ist geradezu die Gegenauffassung zum Barock. So gesehen ist die Miniatur ein engstes (Wieder-)Ergreifen eines ästhetisch Religiösen, das statt des Repräsentierens, dem architektonisch der Protz der Gründerzeit entspricht, auf ein „Eigentliches“, Wesenhaftes abzielt, aber schließlich in die Körperlosigkeit führt. Schon Brahms gab vor, dessen Schattenschnitt als Signet dieses Festivals dient, Musik am liebsten zu hören, indem er nur die Partitur lese: auch dies abstrahiert von der Sinnlichkeit, so unverdächtig Brahms sonst auch gewesen sein möge, vom Leben das Leben zu subtrahieren. „Alles ist eitel“, notierte eben auch er.
Dennoch gibt es ein Andererseits. Allerdings ist auch dieses religiös: Zu denken an des Maimonides Blatt, auf das sich Walter Benjamin bezieht: es enthalte alle anderen Blätter in sich („Welten“, mit Borges) und imgrunde den Kosmos wie Gottes Name, der das Verbot von Bildern ist. יהוה (JHWH) wie لله (Allah): In den kalligraphischen Formen des Namens liest sich die Welt. Doch hat gerade Maimonides' Blatt immer wieder Bilder entworfen, poetisch sind das Geschichten, erzählte Bilder also, mögliche Welten oder auch Momente unserer Welt, doch von solcher Expressivität, daß wir vermeinen, ein Alles-zugleich zu vernehmen. Das ist mitunter nicht ohne Komik, wenn man etwa an Doderers „Kürzestgeschichten“ denkt oder wenn wir in Hans Carl Artmanns Miniaturen der Grünverschlossenen Botschaft lesen: „Ein puma sitzt in einem traumbaum und sieht dich an... Wird er springen – wird er bleiben? Das zu überlegen, hast du fünfundsiebzig herzschläge zeit.“(...)
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albannikolaiherbst - Freitag, 20. März 2009, 16:05- Rubrik: Kulturtheorie
Will man heute Lyrik loben, dann attestiert man ihr zuallererst, sie sei präzise, genau gearbeitet, nichts an ihr sei beliebig, bleibt sie dabei gelegentlich auch rätselhaft vage und im Dunkeln. Eins scheint gewiss: Dichtung, die den Namen verdient, hat mit Präzision aus dem Licht gerückt, was immer dem Leser undurchsichtig erscheint.
Woher nur, frage ich mich, nimmt man diese Gewissheit? Und ist es eigentlich ein Lob, wenn man der Literatur die Unfehlbarkeit eines Präzisionsuhrwerks bescheinigt?
Ganz sicher sind die Moden heute andre, was mit Recht und Einfalt einmal »ein schöner Augusttag des Jahres 1913« genannt werden durfte, warf schon im 'Mann ohne Eigenschaften' den Schatten jener Welterzeugungsweise voraus, die das Licht der Aufklärung nicht nur mit dem Auge des Malers wiedergab, sondern mit dem Verstand des Physikers brach. Die Verwirrungen, die sich aus der Phänomenologie der Erkenntnis ergaben, man könne sich der Erscheinungen allein als intim erfahrene nicht mehr sicher sein, halten bis heute an und Künstler wie Wissenschaftler in Arbeit.
Robert Musil war es dann auch, der meine Zweifel an der Sprachgenauigkeitspflicht weiter schürte:
»Wir sprechen alle so wie der Versammlungsredner, der sagt: ‚Aber wenn wir diese Basis betrachten’, oder: ‚Wir lassen uns den Horizont, auf dem wir stehen, nicht zerreißen!’ Man versteht ihn recht gut, auch wenn er nicht weiß, was er redet. [...] Offenbar besteht das Grundphänomen der Sprache darin, daß einer eilig auf etwas aufmerksam machen will, das er weiß oder fühlt, wofür ihm nun das komplizierteste System von Tasten und Hebeln zur Verfügung steht, das je einen Menschen unsicher gemacht hat; es ist ähnlich rätselhaft wie ein Klavier, aber wenn einer mit der Faust in ein Klavier haut, so wissen wir sofort ungefähr, was er meint, auch ohne nachsehen zu müssen, wohin er gezielt hat. Man darf also nicht glauben, daß etwas richtig gesagt werden müsse, damit es richtig verstanden werden könne; und darauf beruht das Geheimnis der lebendigen Sprache.«
Ja, möchte man einwenden, aber muss sich nicht gerade darum die Literatur ganz anders verhalten? Lesen wir weiter:
»Fürchterlich ist es, wenn man zum Gegenteil gezwungen wird, und nur schlechte Schriftsteller nötigen den Leser, auf jedes ihrer Worte acht zu haben. Er bemerkt dann sofort, daß er in achtzig von hundert Fällen nicht die geringste Ahnung hat, warum gerade diese Worte dastehen, und findet eine solche Ausdrucksweise mit Recht unklar. Besonders lästig sind dabei die kleinen Worte und die Wahl ihres Platzes. Ein guter Schriftsteller aber wird es immer verstehn, so zu schreiben, daß man alle seine Worte verstellen könnte, und auch durch ähnliche ersetzen, ohne daß sich der Sinn ändert; das erleichtert die Aufmersamkeit und entspricht dem modernen Prinzip, Ersatzteile herzustellen, die überall erhältlich sein müssen.«
Kann das denn ernst gemeint sein? Spricht hier nicht der Ironiker? Scheint uns nicht intuitiv das Gegenteil wahr? Zumal bei einem Schriftsteller wie es keinen zweiten gab. Und doch.
Katastrophisches türmt sich so in Babel auf und für eine eher sparsam verwortete Gattung wie die Lyrik möchte man sich gar nicht ausmalen, was es hieße, wenn die wenigen Worte nicht alles Gewicht zu stemmen hätten, wenn bei diesen fragilen Sprachgebäuden, wo jedem Morphem eine tragende Funktion zukommen kann, nicht die ganze schwebende Last auf zierlichen Karyatiden ruhte.
Schweifen wir kurz ab: gerade wurde wieder der Leonce-und-Lena-Preis vergeben, der wichtigste Preis für deutschsprachige Lyrik und Dichter in den besten Jahren, möchte man glauben. Vor einiger Zeit erhielt auch ich ihn. Halb. Und man bescheinigte mir in der Begründung ein »hochkomplexes lyrisches Sprechen, das zeigt, was Lyrik zuallererst ist: ein schönes Spracherweiterungsprogramm.«
Ich fühlte mich auch nur halb gelobt, da ich glaubte, dieser Ausdrucksweise mangele es an Präzision, oder eher an einer Idee von dem, was ich meinte, mit meinen Gedichten verfasst zu haben. Ich dachte – wohl auch, weil ich zu den Menschen zähle, die die Welt als tendenziell gegen sich gerichtet empfinden, selbst wenn man ihnen wohl will – ich hätte bloß einen Gedichtgenerator erfunden, ein »schönes Spracherweiterungsprogramm«, das ganz einzigartige Worte erfindet. Wobei mir selbst doch die Worte, sind sie einmal ge- oder erfunden, eine zu vernachlässigende Größe scheinen.
Ist das jetzt nicht Koketterie, so ist es schiere Dummheit, möchten Sie einwenden?
Ich kann mir nur nicht helfen, ich empfinde es so, wenn ich lese, wenn ich schreibe. Ich denke immerzu an die Funktion, die Form interessiert mich nur insofern, als dass sie einem übergeordneten Ziel zustrebt, das ich selbst nicht kenne, geschweige denn wüßte, ob es überhaupt existiert.
Das finden Sie jetzt mit Recht unklar. Doch ich ahne, wenn ich versuche, es Ihnen mit Hilfe einer Sprache zu erklären, die Dichter wie Leser teilen, komme ich nicht wesentlich weiter.
Wenn ich Ihnen doch als Dichterin von Dichtung wie der Physiker vom Licht auch als Wellen und Teilchen sprechen könnte, wäre uns beiden damit geholfen? Sie glauben nicht? Ich auch nicht.
Ich glaube, dass wir zwar mit dem Recht der Gewohnheit annehmen, dass Fachsprachen auch Sprachen im intuitiven Sinne seien, doch dabei übersehen, um wie viel mehr noch als Literatur sie einem Funktionscharakter verpflichtet sind, der außerhalb ihrer und nicht in ihnen selbst begründet liegt. Will sagen, wenn wir mit unserem Alltagsverständnis der Sprache jene Fachausdrücke im dichterischen Zugriff ihrer Sprechwelt entwenden und in unsere überführen, entsteht zwangsläufig das mehrdeutig Schillernde, doch das Exakte ihrer Wissenschaft bleibt uns auf diese Weise weiterhin verborgen. Daraus folgt: Literatur ist etwas anderes als exakte Wissenschaft. Wir wissen das und doch wissen wir auch, dass dem Exakten etwas anhaftet, womit sich Literatur gut und gerne loben lässt. Vielleicht, weil wir glauben, ihr Stern ist im Sinken und die Astronomen entreissen uns sonst ganz das Firmament. Mit der Tarnkappe der Genauigkeit buhlen wir um die Aufmerksamkeit einer Gesellschaft, die sich nichts vormachen lassen, sondern genau wissen will, wie der Hase läuft. Nämlich gerade so, dass ihn zwei Igel immer noch auszutricksen verstehen.
diadorim - Mittwoch, 18. Februar 2009, 11:32- Rubrik: Kulturtheorie
Möglicherweise hat die Postmoderne genau das geleistet, wovon man ihr vorwarf und -wirft, daß sie es fragmentiere: möglicherweise hat sie die Homogenität der Welt wieder hergestellt. Der Vorwurf lautet bekanntlich, in ihr herrsche sowohl purste Beliebigkeit, wie zugleich jede bestimmte Erscheinung als eine x-beliebige je nach Gusto hergenommen werde. Doch ist sie, genau betrachtet, eine Kunst- und Denkform der Beziehungen: alle Erscheinungen, deren sie sich widmet, sind miteinander vermittelt. Dadurch defragmentiert sie und nimmt den Prozeß der Moderne, die gespalten hat, zurück, indem die Bewegung des Spaltens selber auf Bewegungen der Vereinigung bezogen werden, ja das Spalten wird zu einem T e i l der Vereinigung. Das ist ein mystischer Vorgang, der es de facto hinbekommt, nicht nur den Pop in die Hochkultur zu heben, nein, Pop und konventionelle (bürgerliche, ja recht eigentlich oft aristokratische, bzw. sakrale) Kunst miteinander ins Bett zu legen, und zwar zu einem Liebesakt. Der tatsächlich fruchtbar ist.
[Auf der anderen Seite ist dieser Vorgang einer der Umrechnung, also der Äquivalenz und entspricht damit d e r kapitalistischen Strategie: kein Fremdes ist, das sich nicht in ein Vertrautes umtauschen ließe. Hier setzt >>>> das mit der Postmoderne wiedererstarkte Sakrale ein, und zwar als Kritik, die selber Teil des postmodernen Prozesses, deren einer - politisch/ökonomischer - Ausdruck als Globalisierung, deren anderer aber die zur Faust erhobene Hand vormoderner Religionen ist, die sich gegen diese Globalisierung aufwerfen: als Bewegungen ihrer Befreiung von Fremdherrschaft - mit allen bösen Geißeln einer revolutionären Kader, die es ganz gleichfalls auf Einheitlichkeit, in diesem Fall Homogenität des religiösen Ausdrucks, anlegt, zu dem „die wahre Lebenspraxis“ gehört. Diese Bewegung in die Einheitlichkeit ist auch im Westen, in den Forderungen zum Geschlechterverhältnis sowie im Sinne einer angenommenen, demokratisch definierten Anständigkeit zu beobachten: Äquivalenz; nur nehmen sie dort eine auf den ersten Blick gewaltfreie, letztlich aber über die Öffentliche Meinung institutionalisiert-gewaltsame Ausprägung an: letztlich eine von Ideologien.]
albannikolaiherbst - Samstag, 15. November 2008, 10:02- Rubrik: Kulturtheorie
„Vergessen Sie nie: Wir verdanken dem F e u e r die Sprache.“
[Nachdem der Mensch gelernt hatte, die Speise zu garen,
verfeinerte sich seine Zunge. Durch die Ausdifferenzierung
seines Geschmacksinnes wurde er fähig zu sprechen.
Eine Erzählung >>>> Frank Brunner-Robinsons.]
albannikolaiherbst - Donnerstag, 29. Mai 2008, 09:08- Rubrik: Kulturtheorie
Es ist nicht zu fassen, aber die deutsche BewältigungsSchuldIndustrie setzt der Verlogenheit immer noch eins drauf. Nach der florierenden Verdinglichung, die nach wie vor prosperiert, sind wir nunmehr beim beauftragten Kitsch angelangt. Ganz offen, quasi * überm verdeckten Führerbunker. Man könnte ihn einen begrabenen nennen.
Dabei war die Idee so gut wie es das Denkmal selber - bis in seine Ausführung - i s t, für die man sich freilich nicht loben lassen sollte und schon gar nicht solch ein Lob noch beklatschen. Doch da sich unter den auf dem Programm-Flyer genannten Sponsoren auch eine „CityClean“ befindet, lag ein My Own's Country Cleaner offenbar nahe. Dabei hatte der Moderator, ausgerechnet!, der gelackter nicht hätte sein können - eine replikante Form Dieter Thomas Hecks bei neuer Hitparade - - dabei hatte ausgerechnet e r ein „richtiges“ Gefühl: „Sagen Sie mal, bei diesem Strahlewetter... ist das eigentlich dem Anlaß angemessen?“ fragte er Lea Rosh. Die praktikablerweise sich über das Wetter sehr freute, denn wer, so fragte sie - das ist für die Trauer um Ermordete wichtig -, wäre andernfalls gekommen? Doch sicher nicht so viele wie heute abend. Sondern man wäre unter sich dagestanden, sie und der Herr Thierse, im Regen, und Lothar Zagrosek und Harald Weiss und paar Honoratioren der Stadt... - Ecco.  Doch lassen wir den Pragmatismus beiseite, noch war ja gar nichts verloren. Auch Tatjana Blachers Moderation von Texten Selma Meerbaum-Eisingers kapitulierte noch keinen. Und die Musiker, zwischen den Stelen, nahmen ihre Plätze ein, während es sich causierte in der gediegnen Betroffenheit draußen, die dieser sonnige Anlaß für Trauer verausgab. „Ein Land, das ein solches Denkmal errichtet, ist zu ehren“, sagte Frau Rosh und reichte den Deutschen, die, anstelle zu klatschen, hätten schweigen sollen, zum Klatschen die Hand. So ward das Unrecht, das dieses Denkmal bekennt, zum Anlaß der sich selbst applaudierenden Ehre. Wen eigentlich schaudert so etwas nicht?
Das Volk. Dem Volk schaudert nie was. Das Volk möchte Spiele, wenn es zum Brot die Ehre noch draufkriegt. Und hat es die Spiele, dann möchte es kuscheln. Anstatt aber nun >>>> Katja Ebstein zu rufen und g l e i c h D. T. Heck, oder ge >>>>blahat nach >>>> Brink, Alles auf Sieg, auch >>>> Jambas Schnuffel hätte sich sicher erboten ... anstatt also ehrlich aufs gesunde Geschmacksempfinden zu setzen, wollt' man was Seriöses, ohne daß aber das Ergebnis ein anderes wär. Bloß bitte nicht zu anspruchsvoll, lautet die Devise. Nachher rennen die Leute aus der Gedenkstadt noch raus und sind von dem Elend, dessen gedacht wird, geschockt... wer, Leser, dann - wählt einen noch? - Wer will hier Demokratie riskieren? Also beauftragte man Harald Weiss, der für volksnahen Ton vielleicht sehr bekannt ist, zu Anlaß und Ort etwas tonzusetzen, das allem Bedürfnis ästhetopolitisch gerecht wird und keinem Trauernden in die Privatsphäre tritt.  So klang das denn auch. Als hätte es nicht die großen Arbeiten Pendereckis gegeben, nicht Detlef Heusingers Vertonung der Todesfuge und diese-selbst überhaupt. Sondern die Betroffenheit durfte sich in den Dreiklang schmiegen. Fassungslos stand ich drin, umschwärmt, trotz der Enge, von einer Art Mensch, die die Musik an Fühllosigkeit noch gar übertraf: Reporter, die permanent klackten, das war eine Art Feuern von Zeitgeist, der Journaille Maschinengewehre, ich wurde so sauer, daß ich einem Reporter die Hand vors Objektiv hielt, mehrfach, wir waren nahe daran, aufeinander loszugehen – erst als ich nun i h n fotografierte, mit meinem geräuschlosen Mobilchen, ergriff er seiner inneren Hasen Panier... aber das ganze Ausmaß der Geschmacklosigkeiten wurde nun wieder von dieser... man scheut sich, „Musik“ dafür zu schreiben, abermals und ihrerseits übertroffen... so viel Marmelade wurde über die Opfer, und lauwarm, und zähe, ausgegossen, und eine in weiß gewandete, rückendecolletierte Mezzosopranistin watete darin noch herum...  Ich schätze >>>> Lothar Zagrosek, das ist bekannt. Was mag den Mann bewogen haben, solch ein Stück zur Uraufführung zu bringen, an solch einem Ort, was hat die Verantwortlichen geritten, die ermordeten Juden Europas posthum in diesen Kitsch zu verschmieren? Imgrunde muß man von Totenschändung sprechen.
Und doch, die Idee war gut, das Denkmal i s t gut, ja hätte sich nicht eine Musik finden lassen, die Ort und Anlaß gerecht wird, die hätte trauern lassen können oder, zumindest, bedenken, die einen in sich selbst geführt hätte: nicht zu orten zwischen den Stelen, ungefähr, drohend vielleicht, oder einfach ein Kaddish der Stille, und hätte auch den strahlenden Sonnenschein durchaus zum Tag des Gedenkens erlaubt? Und wäre nachgeklungen in einem, auf der Fahrt und dem Gang heim, auf dem Gang ins Hotel und dort noch, bevor einer einschläft? Allers doch immer ein Wäre und Hätte. Denk ich an Deutschland in der Nacht.
albannikolaiherbst - Samstag, 10. Mai 2008, 16:46- Rubrik: Kulturtheorie
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Für Adrian Ranjit Singh v. Ribbentrop,
meinen Sohn.
Achtung Archive!
DIE DSCHUNGEL. ANDERSWELT wird im Rahmen eines Projektes der Universität Innsbruck beforscht und über >>>> DILIMAG, sowie durch das >>>> deutsche literatur archiv Marbach archiviert und der Öffentlichkeit auch andernorts zugänglich gemacht. Mitschreiber Der Dschungel erklären, indem sie sie mitschreiben, ihr Einverständnis.
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NEUES
und manchmal, herr Lampe,
ist es doch nicht einerlei, ob man anna (gramm, nicht...
Aikmaier - 2009/11/08 00:48
@sun-ray.
So spricht - die Einsamkeit. Also: versteh ich's.
albannikolaiherbst - 2009/11/07 23:18
Derweil Sie es tun,
schenk...
Derweil Sie es tun,
schenk ich trotzdem nochmal nach:
An...
Sun-ray - 2009/11/07 22:57
Bin ich seltenst.
Weil...
Bin ich seltenst.
Weil wenn, nur ganz privat und äußerst...
Sun-ray - 2009/11/07 20:37
Bruno Lampe - 2009/11/07 20:33
A.D. VII Id. Nov. Anno 2762 a.u.c.
Siebter Tag vor den Iden. Dies comitialis. Spiele.
Kein Rand atmete Nachhall. Kral hinter Ewigkeit im ...
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zuletzt aktualisiert am 2009/11/08 00:48
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