KYBERREALISM
albannikolaiherbst - am Samstag, 3. Mai 2008, 08:23 - Rubrik: KYBERREALISM
Man kann die Evolution als einen globalen Denkvorgang begreifen, der Zwischenergebnisse kennt und sie immer wieder, in seinem Schließverfahren weiterschreitend, verwirft, und Ergebnisse kennt, die ihrerseits stets vorübergehend, Zwischenergebnis nämlich, bleiben - die Erde als zentrales Gehirn, das seine Energie aus der Sonne bezieht, einen energetischen Input, vergleichbar der cerebralen Zufuhr von Sauerstoff und Glukose, umgeben wiederum von dezentralen Schichten entfernterer Hirnregionen, Mars, Jupiter, Neptun schließlich: das Sonnensystem, das die Erde nahezu zu einem geschlossenen macht, in dem sich Regelkreise drehen. Höchst selten gelangen da Störsignale hinein, Transzendenzen aus den Kometen. Der Denkprozeß läuft prinzipiell rein für sich, und er endet nicht, bevor jemand den Stecker zieht.
In diesem Modell ist Hardware nicht mehr wesentlich von der Software verschieden, und der Moral kommt eine ebenso steuernde Funktion zu wie den Atemprozessen, sie ist aber nicht über sie gestellt, sondern Faktor unter Faktoren (Information unter Informationen). Dadurch verliert sie das ihr Eigene, das Moralische-selbst nämlich. Substanz („Wesen“) wird flüssig, wird Teil eines strukturell verständlichen, nämlich evolierten Prozesses; ebenso ergeht es „dem“ Menschen als physische und psychische Erscheinungsform einer bestimmten Denkverbindung. So auch der Technik: Sie wird als Erscheinungsform neben Erscheinungsformen, die miteinander konkurrieren, ständigen Überlebenstests ausgesetzt und konkurriert deshalb auch mit dem Menschen. Vielleicht wird man eines Tages sagen, der, der das sagen wird, teile sich mit der Technik einen Vorfahren wie wir mit den Primaten.
In diesem Modell hat es jede Erscheinung mit dem survival of the fittest zu tun, nur daß, was denn ein solcher „fittest“ sei, sich ebenfalls permanent verändert und in Bezug auf verschiedene Untersysteme seinerseits ganz verschieden ist. Werden die Untersysteme wirkend miteinander verbunden (etwa als „Globalisierung“), überlebt dasjenige „fittest“, das sich gegenüber dem anderen durchzusetzen versteht. Das muß nicht Kriege (Aus/Löschungen) bedeuten, es kann auch Infiltration, bzw. Synthese bedeuten und gelegentliche Mutationen umfassen, also Sprünge der Entwicklung, in denen sich ein- oder mehrfach parallele Entwicklungen amalgamieren.
Das alles entspricht der Erfahrung.
In diesem Modell ist Hardware nicht mehr wesentlich von der Software verschieden, und der Moral kommt eine ebenso steuernde Funktion zu wie den Atemprozessen, sie ist aber nicht über sie gestellt, sondern Faktor unter Faktoren (Information unter Informationen). Dadurch verliert sie das ihr Eigene, das Moralische-selbst nämlich. Substanz („Wesen“) wird flüssig, wird Teil eines strukturell verständlichen, nämlich evolierten Prozesses; ebenso ergeht es „dem“ Menschen als physische und psychische Erscheinungsform einer bestimmten Denkverbindung. So auch der Technik: Sie wird als Erscheinungsform neben Erscheinungsformen, die miteinander konkurrieren, ständigen Überlebenstests ausgesetzt und konkurriert deshalb auch mit dem Menschen. Vielleicht wird man eines Tages sagen, der, der das sagen wird, teile sich mit der Technik einen Vorfahren wie wir mit den Primaten.
In diesem Modell hat es jede Erscheinung mit dem survival of the fittest zu tun, nur daß, was denn ein solcher „fittest“ sei, sich ebenfalls permanent verändert und in Bezug auf verschiedene Untersysteme seinerseits ganz verschieden ist. Werden die Untersysteme wirkend miteinander verbunden (etwa als „Globalisierung“), überlebt dasjenige „fittest“, das sich gegenüber dem anderen durchzusetzen versteht. Das muß nicht Kriege (Aus/Löschungen) bedeuten, es kann auch Infiltration, bzw. Synthese bedeuten und gelegentliche Mutationen umfassen, also Sprünge der Entwicklung, in denen sich ein- oder mehrfach parallele Entwicklungen amalgamieren.
Das alles entspricht der Erfahrung.
albannikolaiherbst - am Montag, 7. April 2008, 09:02 - Rubrik: KYBERREALISM
Carl Johannes Verbeen (* 4. Mai 1922 in Amsterdam; † vermutlich 1994 im Libanon) war ein fiktionaler schweizerisch-holländischer Schriftsteller, dessen folgende Biographie und dessen Werke eine Erfindung des Schriftstellers >>>> Alban Nikolai Herbst sind. Alle folgenden Angaben beruhen auf einem Radioessay Herbsts vom April 2006, in dessen Zusammenhang es versäumt wurde, auf den fiktionalen Charakter Verbeens hinzuweisen.
Verbeen ist einer der „vergessenen Wilden“ der deutschsprachigen Literatur und Komponist. Sein Werk steht am Beginn der postmodernen Ästhetik und vereint hochgradig vitalistische, teils sexistische, teils esoterische Tendenzen mit einem bemerkenswerten Bilderreichtum und hoher Stilistik, in deren Ausprägung sowohl der literarische Symbolismus (etwa Lautréamonts) wie ein Expressionismus döblinscher Prägung maßgeblich eingeflossen sind. Daneben speisen sich die Romane und Gedichte offenbar aus dem persönlichen Erleben seiner zahlreichen Reisen insbesondere in den Orient. In seinen späten Jahren wurde Verbeen zum Verkünder einer neuen, durchweg eklektizistischen Religion, der sog Poesia Divina. Von der Kritik wird Verbeen, wenn überhaupt erwähnt, als Scharlatan betrachtet.
Verbeen war der Sohn eines niederländischen Kaufmanns und dessen afghanischer Ehefrau. Schon als Kind kam Verbeen zusammen mit seiner Familie nach Frankfurt am Main. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde die Lebenssituation mit der Zeit immer schlimmer, so daß die Familie 1937 in die Schweiz emigrierte und sich in Zürich niederließ.
Finanziell äußerst großzügig abgesichert, konnte sich Verbeen immer schon der Musik und Literatur widmen. Ausgedehnte Reisen führten Verbeen häufig in den Orient und in seinen späteren Jahren nach Südamerika, wo er von 1983 bis 1990 in Manaus, Brasilien lebte. 1964 hielt sich Verbeen einige Zeit in Teheran, Iran, auf.
1942 konnte er mit dem Gedichtband Chohan debütieren, hatte aber bis zu Schatten (1953) mit seinen Werken keinen Erfolg zu verzeichnen. Erst dieser Roman Schatten (1953) machte ihn kurzfristig berühmt. Doch schlug er ein Jahr später, nach der Uraufführung seines happeningartigen Theaterstücks "Hagen von Tronia ohne n" (Bern 1954), einen Schweizer Kritiker nieder und verletzte ihn schwer. Diese Tat wurde mit fünf Jahren Haft geahndet, welche Verbeen bis 1960 in der Zürcher Strafanstalt Regensdorf verbüßte. Seither wurde er in der deutschsprachigen Literaturgeschichte als persona non grata behandelt und kam praktisch nicht mehr darin vor.
Während seiner Haft konvertierte Verbeen vom calvinistischen Christentum zum katholischen Glauben und setzte sich auch sehr intensiv mit religiösen Fragen auseinander. Als er nach Ende seiner Haftstrafe und einem Aufenthalt im Iran (1964; damals noch Persien) seine spätere Ehefrau Chagai kennenlernte, kam er mit dem Islam in Kontakt und konvertierte noch vor seinem befristeten Umzug nach Teheran zum Islam.
Anlässlich eines Besuchs bei seinem Verleger Geert van Oorschot in Amsterdam lernte Verbeen den Schriftsteller Albert Vigoleis Thelen kennen. Als dieser zwischen 1960 und 1973 in Blonay bei Vevey das Gut „La Colline“ verwaltete, besuchte ihn Verbeen öfter mit Frau und Tochter. Thelen übersetzte nicht nur einige Werke von Verbeen, er schätzte ihn auch als Freund und Kollegen. Versuche Thelens, Verbeen mit Hans Werner Richter bekannt zu machen, schlugen anscheinend wegen beiderseitigem Desinteresse fehl.
Als Komponist schuf Verbeen u.a. „Zelil“ (für großes Orchester), welches 1967 unter dem Dirigenten Ernest Bour auf den Donaueschinger Musiktagen seine Uraufführung erlebte.
Bedauerlicherweise enthält das ansonsten sehr präzise Archiv der Donaueschinger Musiktage zwar einen Hinweis auf Ernest Bour, unterschlägt jedoch sowohl Verbeen wie sein Werk, als wäre es dort niemals aufgeführt worden ...
Im Alter von 72 Jahren ist Carl Johannes Verbeen 1994 angeblich im Libanon verschollen.
Werke [Bearbeiten]
Chohan. Gedichte (1942)
Krempel. Gedichte (1943)
Schweine. Kurzgeschichten (1942)
Tolle Trümmer. Gedichte (1946)
Immer noch Trümmer. Beharrende Gedichte (1950)
Erstes Streichquartett (1950)
Gott. Gedichte (1952)
Schatten. Roman (1953)
Weshalb ich gerne impotent bin. Kampfschrift (1954)
HAGEN VON TRONIA OHNE N, Eine Heitere Mythologie mit reichlich viel Blut (1954)
Aus einer Zelle. Dostojewski-Meditationen (1957)
Offener Brief an Johannes XXIII. (1959)
Ihr seid Idioten. Romanfragment (1962)
Chalil. Erotische Gedichte (1966)
Zelil für großes Orchester (1967)
ALLAH’S PEOPLE für Violine, Chor, kleines Orchester und Zuspielband (1971)
Licht oder Die Verkündigung. Roman (1973)
Sterben. Gedichte (1975)
Geistliche Studien. Meditationen (1982)
A onça espelhada , poemas (1983)
Tupí, poemas (1984)
Amor/Doust, poemas oriental-brasileiros (1985)
POESIA DIVINA, Erbauungen (1988)
Leben. Gedichte (1992)
LEIDENSCHAFTLICH INS HELLE ERZÜRNT, Gedichte aus dem Nachlaß, hrsg. von Chagai Verbeen (1997)
Weblinks [Bearbeiten]
Alban Nikolai Herbst: >>>> Leidenschaftlich ans Helle erzürnt. Die vergessene Dichtung des Carl Johannes Verbeen, SWR2 2006
>>>> Ausschnitt aus Schatten (1953)
"Verbeen bei Thelen": >>>> Übersetzungen aus fremden Sprachen Nr.11._____________________________________________________
Verbeen (14) <<<<<
Erster Produktionstag <<<<
Zweiter Produktionstag <<<<
Dritter Produktionstag <<<<
Vierter Produktionstag <<<<
Verbeen ist einer der „vergessenen Wilden“ der deutschsprachigen Literatur und Komponist. Sein Werk steht am Beginn der postmodernen Ästhetik und vereint hochgradig vitalistische, teils sexistische, teils esoterische Tendenzen mit einem bemerkenswerten Bilderreichtum und hoher Stilistik, in deren Ausprägung sowohl der literarische Symbolismus (etwa Lautréamonts) wie ein Expressionismus döblinscher Prägung maßgeblich eingeflossen sind. Daneben speisen sich die Romane und Gedichte offenbar aus dem persönlichen Erleben seiner zahlreichen Reisen insbesondere in den Orient. In seinen späten Jahren wurde Verbeen zum Verkünder einer neuen, durchweg eklektizistischen Religion, der sog Poesia Divina. Von der Kritik wird Verbeen, wenn überhaupt erwähnt, als Scharlatan betrachtet.
Verbeen war der Sohn eines niederländischen Kaufmanns und dessen afghanischer Ehefrau. Schon als Kind kam Verbeen zusammen mit seiner Familie nach Frankfurt am Main. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde die Lebenssituation mit der Zeit immer schlimmer, so daß die Familie 1937 in die Schweiz emigrierte und sich in Zürich niederließ.
Finanziell äußerst großzügig abgesichert, konnte sich Verbeen immer schon der Musik und Literatur widmen. Ausgedehnte Reisen führten Verbeen häufig in den Orient und in seinen späteren Jahren nach Südamerika, wo er von 1983 bis 1990 in Manaus, Brasilien lebte. 1964 hielt sich Verbeen einige Zeit in Teheran, Iran, auf.
1942 konnte er mit dem Gedichtband Chohan debütieren, hatte aber bis zu Schatten (1953) mit seinen Werken keinen Erfolg zu verzeichnen. Erst dieser Roman Schatten (1953) machte ihn kurzfristig berühmt. Doch schlug er ein Jahr später, nach der Uraufführung seines happeningartigen Theaterstücks "Hagen von Tronia ohne n" (Bern 1954), einen Schweizer Kritiker nieder und verletzte ihn schwer. Diese Tat wurde mit fünf Jahren Haft geahndet, welche Verbeen bis 1960 in der Zürcher Strafanstalt Regensdorf verbüßte. Seither wurde er in der deutschsprachigen Literaturgeschichte als persona non grata behandelt und kam praktisch nicht mehr darin vor.
Während seiner Haft konvertierte Verbeen vom calvinistischen Christentum zum katholischen Glauben und setzte sich auch sehr intensiv mit religiösen Fragen auseinander. Als er nach Ende seiner Haftstrafe und einem Aufenthalt im Iran (1964; damals noch Persien) seine spätere Ehefrau Chagai kennenlernte, kam er mit dem Islam in Kontakt und konvertierte noch vor seinem befristeten Umzug nach Teheran zum Islam.
Anlässlich eines Besuchs bei seinem Verleger Geert van Oorschot in Amsterdam lernte Verbeen den Schriftsteller Albert Vigoleis Thelen kennen. Als dieser zwischen 1960 und 1973 in Blonay bei Vevey das Gut „La Colline“ verwaltete, besuchte ihn Verbeen öfter mit Frau und Tochter. Thelen übersetzte nicht nur einige Werke von Verbeen, er schätzte ihn auch als Freund und Kollegen. Versuche Thelens, Verbeen mit Hans Werner Richter bekannt zu machen, schlugen anscheinend wegen beiderseitigem Desinteresse fehl.
Als Komponist schuf Verbeen u.a. „Zelil“ (für großes Orchester), welches 1967 unter dem Dirigenten Ernest Bour auf den Donaueschinger Musiktagen seine Uraufführung erlebte.
Bedauerlicherweise enthält das ansonsten sehr präzise Archiv der Donaueschinger Musiktage zwar einen Hinweis auf Ernest Bour, unterschlägt jedoch sowohl Verbeen wie sein Werk, als wäre es dort niemals aufgeführt worden ...
Im Alter von 72 Jahren ist Carl Johannes Verbeen 1994 angeblich im Libanon verschollen.
Werke [Bearbeiten]
Chohan. Gedichte (1942)
Krempel. Gedichte (1943)
Schweine. Kurzgeschichten (1942)
Tolle Trümmer. Gedichte (1946)
Immer noch Trümmer. Beharrende Gedichte (1950)
Erstes Streichquartett (1950)
Gott. Gedichte (1952)
Schatten. Roman (1953)
Weshalb ich gerne impotent bin. Kampfschrift (1954)
HAGEN VON TRONIA OHNE N, Eine Heitere Mythologie mit reichlich viel Blut (1954)
Aus einer Zelle. Dostojewski-Meditationen (1957)
Offener Brief an Johannes XXIII. (1959)
Ihr seid Idioten. Romanfragment (1962)
Chalil. Erotische Gedichte (1966)
Zelil für großes Orchester (1967)
ALLAH’S PEOPLE für Violine, Chor, kleines Orchester und Zuspielband (1971)
Licht oder Die Verkündigung. Roman (1973)
Sterben. Gedichte (1975)
Geistliche Studien. Meditationen (1982)
A onça espelhada , poemas (1983)
Tupí, poemas (1984)
Amor/Doust, poemas oriental-brasileiros (1985)
POESIA DIVINA, Erbauungen (1988)
Leben. Gedichte (1992)
LEIDENSCHAFTLICH INS HELLE ERZÜRNT, Gedichte aus dem Nachlaß, hrsg. von Chagai Verbeen (1997)
Weblinks [Bearbeiten]
Alban Nikolai Herbst: >>>> Leidenschaftlich ans Helle erzürnt. Die vergessene Dichtung des Carl Johannes Verbeen, SWR2 2006
>>>> Ausschnitt aus Schatten (1953)
"Verbeen bei Thelen": >>>> Übersetzungen aus fremden Sprachen Nr.11.
Erster Produktionstag <<<<
Zweiter Produktionstag <<<<
Dritter Produktionstag <<<<
Vierter Produktionstag <<<<
albannikolaiherbst - am Donnerstag, 6. März 2008, 14:34 - Rubrik: KYBERREALISM
Nunmehr >>>> h i e r.
albannikolaiherbst - am Montag, 21. Januar 2008, 05:36 - Rubrik: KYBERREALISM

albannikolaiherbst - am Mittwoch, 9. Januar 2008, 15:56 - Rubrik: KYBERREALISM
Nun schleppt nämlich schon der Begriff des Regelkreises Täuschendes bei sich mit; es ist treffender, von Regelspiralen zu sprechen. Der sich über sie herstellende Eindruck ist der von >>>> Sprüngen – etwas das wir, zum Beispiel bei Mutationen, auch aus der Naturgeschichte, vor allem aber aus der Quantenphysik "kennen". Insoweit untergräbt ein Kybernetische Realismus die Linearität, als er nicht stetig ist: zwischen dem scheinbaren Wiederanfang und dem tatsächlichen Neuanfang klafft eine Lücke.
Denn eben gerade nicht findet eine Ewige Wiederkehr des Gleichen statt, sondern die Erzählung bildet geschichtliche Strukturen ab, die nach Mustern organisiert sind, welche sich zugleich irreversibel über fortlaufende Metaebenen auf dem Zeitstrahl voranbewegen. Hat man den Eindruck, ein Erzählzyklus komme wieder an seinem Anfang an, so haben sich doch sämtliche Beteiligten und hat sich auch das grundlegende Setting verändert. Es ist ungemein wichtig, sich das vor Augen zu halten.
Man kann sich das durch ein Gedankenspiel, also ein Modell, klarmachen, das die Spirale selbst sich in einer Vierten Dimension, nämlich der Zeit, auffalten läßt. Was wir sehen, ist gemeinhin d a s, weil wir aus unserer subjektiven Zeit, unserer, nennte Whitehead das, Epoche, und n u r aus ihr, auf die Prozesse sehen:
Das ist die Draufsicht auf die Erzählung oder auch auf die „Erfahrung, daß alles wiederkehre“ im zyklischen Naturdenken oder eben auch der Regelkreis-Gedanke, der über die Selbstrepräsentation zur ästhetischen Redundanz führte, wenn wir das Gebilde eben nicht in die Zeit kippen. Tun wir das aber, sehen wir einen durchlaufenden Strom der Erzählungen:
Nun setzt sich die scheinbare Stetigkeit dieses Stromes der Erzählungen (in Somadevas um das Jahr 1000 herum entstandenen >>>> Kathasaritsagara war noch ein Ozean, also Stetigkeit der Ströme der Erzählungen vorgestellt) aus zahllosen, letztlich unendlich vielen Erzählungen zusammen; das, addiert, ergibt dieses stetig Bild (es heißt aber wohl nur, daß die Sprünge verschwindend kleine Dimensionen annehmen). Nehmen wir indes eine einzige Erzählung aus dem Strom heraus, läßt sich die Spirale und lassen sich deshalb die Sprünge erkennen, die die „Anfänge“ und „Enden=Wiederanfänge“ der Regelspiralen, bezogen auf diese einzige Erzählung, vollziehen; man sieht jetzt deutlich, daß es sich eben nicht um Redundanzen handelt. Dazu noch einmal der erste Graph:
Diese Kippleistung vollbringt die poetische Inspiration. Letztlich ist ein Roman >>>> der Schatten, den ein vier- bzw. mehrdimensionaler Erzählkörper, also die ihm zugrundeliegende, aus seinen Gründen herauswirkende Wirklichkeit, auf die Buchseite in die Schriftform wirft.
HV 4 <<<<
Denn eben gerade nicht findet eine Ewige Wiederkehr des Gleichen statt, sondern die Erzählung bildet geschichtliche Strukturen ab, die nach Mustern organisiert sind, welche sich zugleich irreversibel über fortlaufende Metaebenen auf dem Zeitstrahl voranbewegen. Hat man den Eindruck, ein Erzählzyklus komme wieder an seinem Anfang an, so haben sich doch sämtliche Beteiligten und hat sich auch das grundlegende Setting verändert. Es ist ungemein wichtig, sich das vor Augen zu halten. Man kann sich das durch ein Gedankenspiel, also ein Modell, klarmachen, das die Spirale selbst sich in einer Vierten Dimension, nämlich der Zeit, auffalten läßt. Was wir sehen, ist gemeinhin d a s, weil wir aus unserer subjektiven Zeit, unserer, nennte Whitehead das, Epoche, und n u r aus ihr, auf die Prozesse sehen:
Das ist die Draufsicht auf die Erzählung oder auch auf die „Erfahrung, daß alles wiederkehre“ im zyklischen Naturdenken oder eben auch der Regelkreis-Gedanke, der über die Selbstrepräsentation zur ästhetischen Redundanz führte, wenn wir das Gebilde eben nicht in die Zeit kippen. Tun wir das aber, sehen wir einen durchlaufenden Strom der Erzählungen:
Nun setzt sich die scheinbare Stetigkeit dieses Stromes der Erzählungen (in Somadevas um das Jahr 1000 herum entstandenen >>>> Kathasaritsagara war noch ein Ozean, also Stetigkeit der Ströme der Erzählungen vorgestellt) aus zahllosen, letztlich unendlich vielen Erzählungen zusammen; das, addiert, ergibt dieses stetig Bild (es heißt aber wohl nur, daß die Sprünge verschwindend kleine Dimensionen annehmen). Nehmen wir indes eine einzige Erzählung aus dem Strom heraus, läßt sich die Spirale und lassen sich deshalb die Sprünge erkennen, die die „Anfänge“ und „Enden=Wiederanfänge“ der Regelspiralen, bezogen auf diese einzige Erzählung, vollziehen; man sieht jetzt deutlich, daß es sich eben nicht um Redundanzen handelt. Dazu noch einmal der erste Graph:
Diese Kippleistung vollbringt die poetische Inspiration. Letztlich ist ein Roman >>>> der Schatten, den ein vier- bzw. mehrdimensionaler Erzählkörper, also die ihm zugrundeliegende, aus seinen Gründen herauswirkende Wirklichkeit, auf die Buchseite in die Schriftform wirft.HV 4 <<<<
albannikolaiherbst - am Montag, 7. Januar 2008, 11:31 - Rubrik: KYBERREALISM
Wir leben in einer Zeit direkter aufeinandertreffender Widersprüche und A-Historizitäten, als das jemals anderswo der Fall gewesen ist. Man könnte allenfalls, aber selbst da sind die historischen Ungleichzeitigkeiten vergleichsweise lächerlich, das 16. Jahrhundert und den Einfall der technologisch überlegenen Spanier in die mittel- und südamerikanischen Kulturen zum Vergleich herbeiziehen. Den Prozeß aufeinanderrückender Ungleichzeitigkeiten nennen wir heute Globalisierung. Es scheint mir, um eine literarische Leitbedeutung wiederzuerringen, unabdingbar zu sein, daß die poetische Ästhetik sich nicht nur den Globalisierungsprozessen, sondern den von ihnen betroffenen Seelen anzunähern und ihnen zu entsprechen versucht. Das geht nicht ohne ein spürbares und oft schmerzhaftes Knirschen im Gefüge der Konstruktionen ab. Es hat aber zugleich den ungemein poetischen Reiz eines Stromes der Erzählungen von Gleichzeitigkeiten.
Stellen Sie sich einen letztlich in mittelalterlichen, ja vormittelalterlich-tribalen Sozialstrukturen lebenden gläubigen Islami vor, über den die volle Flut der westlichen... ich bin mir nicht sicher, ob ich „Freizügigkeit“ schreiben darf... über den jedenfalls so etwas mit vollen Pranken hinüberschwappt. Und stellen Sie sich vor, daß derselbe Mann Waffen an die Hand bekommt, die dem historischen Stand seiner Entwicklung in gar keiner Weise entsprechen, schon allein, weil er die bewußte Erfahrung von Abschreckung und Kaltem Krieg nicht in einer Weise hat mitmachen können, wie sie uns geradezu schon in die Genetik gerutscht ist. Stellen Sie sich also sein Recht vor, und stellen Sie sich gleichzeitig unser Recht vor mitsamt den Errungenschaften eines Gesellschaftsvertrages und überhaupt der Entwicklung imaginärer autonomer Subjekte. Beide Rechte s i n d Rechte, aber sie schließen einander praktisch aus. Das gilt insgesamt für verschieden geerdete Moralsysteme, die nun alle hautnahst aneinanderhocken und miteinander einen Modus finden müssen, sich weiterzuentfalten - oder aber sie sterben ab. Das ergibt einen ungemein reichen Stoff. Um Ihnen ein Beispiel zu geben: Griffe uns eine außerirdische, uns technisch weit überlegene Zivilisation an und verlangte, wir möchten doch, weil wir noch unentwickelt seien, auf unsere moralischen Errungenschaften, etwa die Menschenrechte, verzichten, gar kein Zweifel, daß wir das als eine hochfeindliche Intervention betrachten und uns mit sämtlichen uns zur Verfügung stehenden Mitteln dagegen zur Wehr setzen würden. Um sich klarzumachen, was ein multiperspektivisches Erzählen bedeutet, wie es der Kybernetische Realismus im Sinn trägt, und worauf es hinauswill, müssen Sie sich nur eben in eine solche Situation, aber auch in diejenigen hineinversetzen, die wir als Usurpatoren erleben würden, indem sie über unsere Kultur mit der massiven, auch durchaus mit Militär drohenden Gewalt ihrer Form von Befreiung herfallen. Das ist auf b e i d e n Seiten ein enormer tragödischer Stoff. Es läßt sich bereits hier erkennen, wie der antike Tragik-Begriff bis in unsere Tage ungebrochen hineinstrahlt. Um ihn allerdings herauszulösen, bedarf es eines hochrelativierenden Blicks auf die Moralsysteme, also auch auf uns selbst, die wir mindestens einem davon tief angehören. Die geforderte Relativität ist insofern auch eine des Ichs, also des Erzählers oder besser: der Erzählfigur - und sie führt abermals in die alte Fragestellung nach dem auktorialen oder subjektivistischen Erzähler zurück. Auch hier ist das Grundmodell ein nach Spiralenart ausgedrehter, vorantreibender Zirkel.
HV 3 <<<<
Stellen Sie sich einen letztlich in mittelalterlichen, ja vormittelalterlich-tribalen Sozialstrukturen lebenden gläubigen Islami vor, über den die volle Flut der westlichen... ich bin mir nicht sicher, ob ich „Freizügigkeit“ schreiben darf... über den jedenfalls so etwas mit vollen Pranken hinüberschwappt. Und stellen Sie sich vor, daß derselbe Mann Waffen an die Hand bekommt, die dem historischen Stand seiner Entwicklung in gar keiner Weise entsprechen, schon allein, weil er die bewußte Erfahrung von Abschreckung und Kaltem Krieg nicht in einer Weise hat mitmachen können, wie sie uns geradezu schon in die Genetik gerutscht ist. Stellen Sie sich also sein Recht vor, und stellen Sie sich gleichzeitig unser Recht vor mitsamt den Errungenschaften eines Gesellschaftsvertrages und überhaupt der Entwicklung imaginärer autonomer Subjekte. Beide Rechte s i n d Rechte, aber sie schließen einander praktisch aus. Das gilt insgesamt für verschieden geerdete Moralsysteme, die nun alle hautnahst aneinanderhocken und miteinander einen Modus finden müssen, sich weiterzuentfalten - oder aber sie sterben ab. Das ergibt einen ungemein reichen Stoff. Um Ihnen ein Beispiel zu geben: Griffe uns eine außerirdische, uns technisch weit überlegene Zivilisation an und verlangte, wir möchten doch, weil wir noch unentwickelt seien, auf unsere moralischen Errungenschaften, etwa die Menschenrechte, verzichten, gar kein Zweifel, daß wir das als eine hochfeindliche Intervention betrachten und uns mit sämtlichen uns zur Verfügung stehenden Mitteln dagegen zur Wehr setzen würden. Um sich klarzumachen, was ein multiperspektivisches Erzählen bedeutet, wie es der Kybernetische Realismus im Sinn trägt, und worauf es hinauswill, müssen Sie sich nur eben in eine solche Situation, aber auch in diejenigen hineinversetzen, die wir als Usurpatoren erleben würden, indem sie über unsere Kultur mit der massiven, auch durchaus mit Militär drohenden Gewalt ihrer Form von Befreiung herfallen. Das ist auf b e i d e n Seiten ein enormer tragödischer Stoff. Es läßt sich bereits hier erkennen, wie der antike Tragik-Begriff bis in unsere Tage ungebrochen hineinstrahlt. Um ihn allerdings herauszulösen, bedarf es eines hochrelativierenden Blicks auf die Moralsysteme, also auch auf uns selbst, die wir mindestens einem davon tief angehören. Die geforderte Relativität ist insofern auch eine des Ichs, also des Erzählers oder besser: der Erzählfigur - und sie führt abermals in die alte Fragestellung nach dem auktorialen oder subjektivistischen Erzähler zurück. Auch hier ist das Grundmodell ein nach Spiralenart ausgedrehter, vorantreibender Zirkel.
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albannikolaiherbst - am Donnerstag, 3. Januar 2008, 12:22 - Rubrik: KYBERREALISM
In der Matrix des Kybernetische Realismus stehen nicht nur faktische Er/Kenntnisse als Komponenten, sondern auch Möglichkeiten; das ist der entscheidende ästhetische Ansatz, daß er kein ausschließendes poetisches Verfahren ist, sondern ein integratives, das kausale Zusammenhänge eben n i c h t festfährt. Für einen Roman bedeutet das, daß dieselben Erzählstränge sich ebenso spalten können wie die erzählten Subjekte und daß diese gespaltenen Erzählstränge jeder zu anderen Weiterhandlungen führen, die parallel miterzählt werden, ohne daß es einen Akzent auf eine bestimmte Weiterhandlung gäbe. Schon insofern ist es unmöglich, einen Roman so zu planen, daß von Anfang an sein Ziel feststeht, auf das dann hingeschrieben wird. Zwar mag ein Ziel intendiert sein, es wird aber praktisch nie oder nur in einem von vielen möglichen Erzählungen über denselben Handlungsgegenstand erreicht. Ich habe, während ich das Verfahren entwickelte – besser: während e s sich entwickelte – auch Leser meiner Arbeiten darin hineingenommen, die auf meine Arbeit reagiert haben; in Der Dschungel ist das ja sehr gut möglich. So schrieb mir am 29. November 2005 ein Kommentator, der sich mimikry nannte, das Folgende in das Literarische Weblog – wozu Sie wissen müssen, daß ich in dieser Zeit intensiv am Dritten Band meiner Anderswelt-Trilogie schrieb und täglich Segmente daraus, die Sie heute noch nachlesen können, in dem Literarischen Weblog veröffentlichte und über sie mit meinen Lesern diskutierte; dabei haben sich drei Leser anerboten, Figuren des Romanes zu werden; eine, Brem genannt, ist heute, nach Abschluß der Erfindungsphase, sogar eine der Hauptpersonen geworden. Jedenfalls schrieb mimikry Folgendes, und Sie müssen jetzt nur noch wissen, daß die genannten Herren Cordes, Herzfeld und Goltz reine Romanfiguren sind, Niam Goldenhaar ist es sowieso und Judith Hediger wiederum ein Hybrid aus erfundener und Real-Person, hingegen die genannten Damen Lilith und Desideria sind „reine“ Realpersonen, die ihrerseits Weblogs betrieben; >>>> Desideria schreibt ihres bis heute. >>>> Hier also mimikrys Kommentar*.
Ich habe diesen Text nahtlos in meinen Roman integriert und bin den gelegten Spuren weitergefolgt, das heißt, ich habe das, was als mögliche Folge einer Romanhandlung von meinem Kommentator mimikry fantasiert worden ist, wie eine Tatsache behandelt – als eine matrische Komponente eben, mit der ich die poetischen Rechenvorgänge als Möglichkeit durchgearbeitet habe, die, und das ist jetzt wichtig, anderen Möglichkeiten durchaus widersprach. Auf diese Weise gelangen Sie zu einem Romanmodell, das sich jeglicher Eineindeutigkeit verweigert und dennoch, je im Hinblick auf einen bestimmten Erzählstrang, sinnlich evident und auf sich bezogen den Gesetzen der Kausalität verpflichtet bleibt. Das entspricht ganz unserer Erfahrung von Wirklichkeit, wenn etwa nach dem Bau des Assuan-Staudamms unliebsame Folgen eintraten, die zuvor nicht absehbar gewesen waren, weil man bestimmte Determinanten, die erst mit dem Bau wirksam wurden, nicht gekannt hat. Prinzipiell gilt, daß der Eingriff in ein Geschehen Auswirkungen auf jedes Einzelelement des gesamten ökologischen Systems hat, also auf jede Komponente der Matrix. Insofern der Kybernetische Realismus sich wie alle vorgängigen Ästhetiken zur Wirklichkeit mimetisch verhält, so eben hier zu einer prozessual verstandenen, also immer in Bewegung befindlichen Wirklichkeit. Daraus ergibt sich, daß ein nach-postmoderner Roman, der nicht regressiv ist, kein bestimmtes Ende haben kann, sondern immer nur verschiedene bestimmte Enden. In WOLPERTINGER ODER DAS BLAU finden Sie diesen Ansatz in den drei einander widersprechenden Epilogen, die das Buch abschließen und geradezu notwendigerweise in ein nächstes Buch hin eingeführt haben: in den ersten Band der Anderswelt-Triologie nämlich, in THETIS. ANDERSWELT. Es handelt sich insgesamt n i c h t um ein hermetisches Erzählprinzip, sondern gerade um das Gegenteil. Daß dennoch oft eine starke Hermetik empfunden wird, liegt daran, daß wir es gewohnt sind, gewohnt gemacht worden sind, die Abschließbarkeit von Handlungsvorgängen vorauszusetzen und sie in einem Roman deshalb zu erwarten, ja sie von ihm zu fordern. Hiergegen stehen meine Arbeit und damit der Kybernetische Realismus völlig quer.
Dritte Vorlesung 2 <<<<
Ich habe diesen Text nahtlos in meinen Roman integriert und bin den gelegten Spuren weitergefolgt, das heißt, ich habe das, was als mögliche Folge einer Romanhandlung von meinem Kommentator mimikry fantasiert worden ist, wie eine Tatsache behandelt – als eine matrische Komponente eben, mit der ich die poetischen Rechenvorgänge als Möglichkeit durchgearbeitet habe, die, und das ist jetzt wichtig, anderen Möglichkeiten durchaus widersprach. Auf diese Weise gelangen Sie zu einem Romanmodell, das sich jeglicher Eineindeutigkeit verweigert und dennoch, je im Hinblick auf einen bestimmten Erzählstrang, sinnlich evident und auf sich bezogen den Gesetzen der Kausalität verpflichtet bleibt. Das entspricht ganz unserer Erfahrung von Wirklichkeit, wenn etwa nach dem Bau des Assuan-Staudamms unliebsame Folgen eintraten, die zuvor nicht absehbar gewesen waren, weil man bestimmte Determinanten, die erst mit dem Bau wirksam wurden, nicht gekannt hat. Prinzipiell gilt, daß der Eingriff in ein Geschehen Auswirkungen auf jedes Einzelelement des gesamten ökologischen Systems hat, also auf jede Komponente der Matrix. Insofern der Kybernetische Realismus sich wie alle vorgängigen Ästhetiken zur Wirklichkeit mimetisch verhält, so eben hier zu einer prozessual verstandenen, also immer in Bewegung befindlichen Wirklichkeit. Daraus ergibt sich, daß ein nach-postmoderner Roman, der nicht regressiv ist, kein bestimmtes Ende haben kann, sondern immer nur verschiedene bestimmte Enden. In WOLPERTINGER ODER DAS BLAU finden Sie diesen Ansatz in den drei einander widersprechenden Epilogen, die das Buch abschließen und geradezu notwendigerweise in ein nächstes Buch hin eingeführt haben: in den ersten Band der Anderswelt-Triologie nämlich, in THETIS. ANDERSWELT. Es handelt sich insgesamt n i c h t um ein hermetisches Erzählprinzip, sondern gerade um das Gegenteil. Daß dennoch oft eine starke Hermetik empfunden wird, liegt daran, daß wir es gewohnt sind, gewohnt gemacht worden sind, die Abschließbarkeit von Handlungsvorgängen vorauszusetzen und sie in einem Roman deshalb zu erwarten, ja sie von ihm zu fordern. Hiergegen stehen meine Arbeit und damit der Kybernetische Realismus völlig quer.
[*: Der durchaus reale Schweizer Schriftsteller >>>> Markus A. Hediger
schrieb daraufhin drei Tage später in Der Dschungel:
>>>> „Romanfigur Hediger (3). Als diese sehe ich
mich selbst spätestens seit ich der Romanfigur Herbst in Berlin begegnete.
Und bin ausserordentlich verwirrt deshalb, weil ich nun den Verdacht
nicht loswerde, Herbst habe mich tatsächlich erfunden. Nun bin ich Romanfigur,
die sich in Variationen selber liest.“]
schrieb daraufhin drei Tage später in Der Dschungel:
>>>> „Romanfigur Hediger (3). Als diese sehe ich
mich selbst spätestens seit ich der Romanfigur Herbst in Berlin begegnete.
Und bin ausserordentlich verwirrt deshalb, weil ich nun den Verdacht
nicht loswerde, Herbst habe mich tatsächlich erfunden. Nun bin ich Romanfigur,
die sich in Variationen selber liest.“]
Dritte Vorlesung 2 <<<<
albannikolaiherbst - am Samstag, 29. Dezember 2007, 16:35 - Rubrik: KYBERREALISM
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Deshalb habe ich in meiner zweiten Vorlesung gesagt, die phantastische Literatur nehme die Aufklärung zurück; sie ist der Narr, der dem siegreichen Feldherrn im Triumphzug vorherläuft und ihn mit Gründen verspottet. Insofern keine andere Literatur so sehr Sprache der Seele ist wie die phantastische, steht sie neben den Naturwissenschaften als eine der Säulen zeitgenössischer Ästhetik da; sie auch steht ja deutlich mit am Beginn dessen, was moderne Literatur dann geworden ist. In Teilen kann selbst der Ulisses, da auf der Folie eines alten Mythos geschrieben, der phantastischen Literatur zugerechnet werden; er belebt nachdrücklich die Allegorie und damit die Vorstellung, es gebe ewig währende Muster, die sich durch die Individuen hindurch jetzt im Wortsinn: realisieren. Darüber gibt es keine Freiheit, man wird von dem Muster als Träger erkannt und verwendet. Nur daß der Kybernetische Realismus sich des Umstands bewußt ist, daß es sich bei solchen Mustern nie um identische, sondern eben immer nur um ähnliche handelt, die sich wahrscheinlich von Träger zu Träger wandeln.
Schon hier, wenn Sie diesem Instinkt folgen, wird deutlich, worin sich die personale Konzeption einer neuen narrativen Ästhetik von der dinglich-sachlichen Konzeption des herkömmlichen Realismus unterscheidet: Nach-postmoderne Personen einer Erzählung vereinen in sich den Widerspruch einer personalen und akausalen Gesamtheit (die nämlich nennen wir Autonomie) mit dem Umstand, daß sie Träger von Informationen sind, der Muster nämlich, und als solche sind sie Hüllen. Hätten sie nicht Gefühle und überhaupt ein Innenleben, man müßte sie für leer halten. In einer Erzählung des kybernetischen Realismus begründet sich ihre Existenz – das heißt die Tatsache, daß Leser solche Personen emphatisch mitleben können – nicht länger aus der Annahme von Autonomie, sondern aus den Konflikten, die diese Annahme austrägt, wird sie mit den wirkenden Mustern konfrontiert. Walter Benjamins im Ursprung des Deutschen Trauerspiels entwickeltes Allegorie-Konzept steht nicht grundlos ebenfalls am Beginn der Literarischen Moderne, Seite an Seite mit der Entwicklung des Konzepts des Unbewußten, das von der Phantastischen Kunst sinnlich ausgestaltet wurde (und weiterhin wird). Dazu halten in nahezu derselben Zeit die ökologischen Konzepte Ernst Haeckels in die moderne Wissenschaft Einzug: Konzepte vernetzter Systeme. So alt ist der moderne Begriff der Kybernetik, der seinerseits letztlich einer aus der Antike ist. >>>> Darauf hat einer meiner Leser in einem Dschungel-Kommentar völlig zu recht hingewiesen. Wenn Sie sich allein nur diese drei Momente der modernen theoretischen Erfassung von Wirklichkeit simultan vor Augen führen, wird Ihnen mit fühlbarer Evidenz klarwerden, was ich mit zirkulärem Erzählen meine: daß solche Zirkel eben keine ewigen Wiederkünfte, sondern sich durch die Geschichtszeit weiterbewegende Spiralen sind, die nicht, wie es ein Zirkel täte, an ihrem tatsächlichen Ausgangspunkt wieder ankommen, sondern an einem Ausgangspunkt, der sich irreversibel verändert hat. Kein anderer ästhetischer Ansatz als nunmehr der meine trägt diesem wahren Umstand Rechnung. Und kein anderer ästhetischer Ansatz legt so entschieden sein Veto gegen den Satz ein, letztlich verändere sich gar nichts, und wir lebten, wie Kästner sagt, imgrunde weiter auf den Bäumen. Gerade indem ich etwa auf antike Modelle wie das des Schicksals zurückgreife, dem es sich nicht entkommen läßt, gebe ich der Geschichtlichkeit ihren Stellenwert zurück. Denn dieses Schicksal ist nicht länger eines, das Götter bestimmen, sondern ein selbstbewirktes Bewegtes: Autopoeisis.
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Schon hier, wenn Sie diesem Instinkt folgen, wird deutlich, worin sich die personale Konzeption einer neuen narrativen Ästhetik von der dinglich-sachlichen Konzeption des herkömmlichen Realismus unterscheidet: Nach-postmoderne Personen einer Erzählung vereinen in sich den Widerspruch einer personalen und akausalen Gesamtheit (die nämlich nennen wir Autonomie) mit dem Umstand, daß sie Träger von Informationen sind, der Muster nämlich, und als solche sind sie Hüllen. Hätten sie nicht Gefühle und überhaupt ein Innenleben, man müßte sie für leer halten. In einer Erzählung des kybernetischen Realismus begründet sich ihre Existenz – das heißt die Tatsache, daß Leser solche Personen emphatisch mitleben können – nicht länger aus der Annahme von Autonomie, sondern aus den Konflikten, die diese Annahme austrägt, wird sie mit den wirkenden Mustern konfrontiert. Walter Benjamins im Ursprung des Deutschen Trauerspiels entwickeltes Allegorie-Konzept steht nicht grundlos ebenfalls am Beginn der Literarischen Moderne, Seite an Seite mit der Entwicklung des Konzepts des Unbewußten, das von der Phantastischen Kunst sinnlich ausgestaltet wurde (und weiterhin wird). Dazu halten in nahezu derselben Zeit die ökologischen Konzepte Ernst Haeckels in die moderne Wissenschaft Einzug: Konzepte vernetzter Systeme. So alt ist der moderne Begriff der Kybernetik, der seinerseits letztlich einer aus der Antike ist. >>>> Darauf hat einer meiner Leser in einem Dschungel-Kommentar völlig zu recht hingewiesen. Wenn Sie sich allein nur diese drei Momente der modernen theoretischen Erfassung von Wirklichkeit simultan vor Augen führen, wird Ihnen mit fühlbarer Evidenz klarwerden, was ich mit zirkulärem Erzählen meine: daß solche Zirkel eben keine ewigen Wiederkünfte, sondern sich durch die Geschichtszeit weiterbewegende Spiralen sind, die nicht, wie es ein Zirkel täte, an ihrem tatsächlichen Ausgangspunkt wieder ankommen, sondern an einem Ausgangspunkt, der sich irreversibel verändert hat. Kein anderer ästhetischer Ansatz als nunmehr der meine trägt diesem wahren Umstand Rechnung. Und kein anderer ästhetischer Ansatz legt so entschieden sein Veto gegen den Satz ein, letztlich verändere sich gar nichts, und wir lebten, wie Kästner sagt, imgrunde weiter auf den Bäumen. Gerade indem ich etwa auf antike Modelle wie das des Schicksals zurückgreife, dem es sich nicht entkommen läßt, gebe ich der Geschichtlichkeit ihren Stellenwert zurück. Denn dieses Schicksal ist nicht länger eines, das Götter bestimmen, sondern ein selbstbewirktes Bewegtes: Autopoeisis.
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albannikolaiherbst - am Freitag, 28. Dezember 2007, 11:31 - Rubrik: KYBERREALISM
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Jetzt also Butter bei die Fische:
Kybernetischer Realismus ist demzufolge eine Poetologie der Spiegelungen und Wechselwirkung. Er ist prinzipiell unabgeschlossen und, wenn man vom anthropologiefernen Begriff der Entropie absieht, unabschließbar. Seine Grundstruktur sind >>>> Regelkreise, daher tendiert eine Erzählung des Kybernetischen Realismus zu Zyklen, und diese, im Verhältnis zueinander, vollführen Sprünge: Der Erzählzyklus führt nicht, wie etwa bei den aus der Science Fiction stammenden Zeitschlaufen, in seinen tatsächlichen Anfang zurück, sondern in etwas, das dem Erzählanfang zwar täuschend gleichsehen mag, aber doch etwas anderes ist: ein Etwas mit der Erfahrung des durchlaufenen zyklischen Weges. Es geht also gerade nicht um eine Ewige Wiederkehr, sondern um etwas, das Muster wiederholt, aber sich in den Metaebenen irreversibel voranbewegt. Kommt der Erzählzyklus wieder an seinem Anfang an, haben sich sämtliche Beteiligten und hat sich auch das Setting verändert. Es ist ungemein wichtig, sich das vor Augen zu halten. Die Erzählung kommt immer wieder auf ihre leitenden Motive zurück, aber wenn sie zurückkommt, sind diese Motive bereits verschoben; Sie können sich das als Perspektivwechsel klarmachen. Sie können es sich aber auch musikalisch klarmachen: Ein Thema wird zwar wiederholt, aber als organische Entwicklung aus den vorhergegangenen Variationen, und selbst wenn es wörtlich/klanglich wiederholt wird, hat doch der Hörer das Vorhergegangene als unmittelbare/mittelbare neue Erfahrung, unter deren Wirkung er die Wiederholung nun a l s Wiederholung wahrnimmt. Das ist selbst bei wortgetreuer Wiederholung von der Rezeptionsseite etwas anderes, als wenn ein Thema/Motiv zum ersten Mal zu Gehör gebracht wird. Das gilt selbstverständlich erst recht, wenn wir ein- und dasselbe Musikstück zum zweiten, dritten, n-ten Mal hören: Jedes Mal schaffen die Erfahrungen vormaligen Hörens eine ganz neue Erfahrung. Es ist unmöglich, zum zweiten Mal einen ersten Eindruck zu machen: Dieses Axiom, das für jede soziale Kommunikation gilt, gilt in der Poetik ganz genau so und wird im Kybernetischen Realismus als ganz bewußtes Stilmittel eingesetzt.
albannikolaiherbst - am Mittwoch, 26. Dezember 2007, 09:56 - Rubrik: KYBERREALISM

















