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HOERSTUECKE
LEIBSELIGER, WIR RÜCKEN VOR!
Der Dichter Christian Filips
oder
Avantgarde ist Retrogarde.
Eine poetische Montage von Alban Nikolai Herbst.
Mit Musik von Michael Mantler, Felix Mendelssohn-Bartholdy,
Arnold Schönberg und Katia Tchemberdji.
>>>> WDR 3, open: WortLaut.
23.05 Uhr:
>>>> WDR3 Livestream.
Alternativ: >>>> hier klicken.
Filips 9 <<<<
albannikolaiherbst - Donnerstag, 7. Mai 2009, 20:05- Rubrik: HOERSTUECKE
„open: wortLaut“ *: >>>> Ankündigung des WDRs.
[*: Schrecklich, übrigens, absolut mies, wie man uns
unserer Sprache beraubt:
„open wortlaut“, es ist nicht zu fassen.]
>>>> Filips 10
Siebter und achter Produktionstag (Filips 8) <<<<
albannikolaiherbst - Dienstag, 28. April 2009, 08:52- Rubrik: HOERSTUECKE
Fünfsechsmal jetzt noch abgehört und immer weitere Feinheiten justiert; ganz kleine Klangverschiebungen waren noch nötig, auch die Abstimmungen auf Dynamik usw. Gestern nacht (Sonntag, 26.4.) dann noch die zweite Probe-CD gebrannt, die ich eben (Montag, 27.4.) nur über die Lautsprecher abgehört habe. Außer fünf Kleinigkeiten, an die ich mich jetzt noch setzen will, werden dreivier Fehlerchen drinbleiben müssen, die aber wahrscheinlich nur noch ich selber höre oder die vielleicht ein Toningenieur noch hört (zweidrei Knackserchen aus der Überspielung von Schallplatte, einmal Papier unter einem Wort); das ist aus Zeitgründen nicht mehr zu revidieren, so daß mir hier jetzt Aslaam gilt: die Perfektion ist alleine Allahs. Außerdem bin ich mir unsicher, ob diese winzigen Risse im Gewebe nicht sogar gut sind, weil sie industrielle Glätte verneinen, dieses luftdichte Versiegeln von dem, was wir Seele nennen – weil sie dem Stück schlicht dasjenige bewahren, was Ernst Bloch „das Außen“ nennt.
Gestern nacht hatte ich endlich jenen Zustand erreicht, den ich immer, ob in einem Gedicht, ob in einem Roman, ob in einem Hörstück erstrebe, nach dem ich mich sehne: Es bekam etwas Rauschhaftes, Berauschendes, es war dieser Schauer, der einen bei einem Gelungenen durchfährt und der einem den Eindruck vermittelt, nicht ich, sondern jemand anderes habe „das“ gemacht. Fremdheit und Ergriffensein. Wenn sich das herstellt, obwohl man nun wirklich zum Abwinken oft alles gehört und gehört und gehört hat, wenn die Montage tatsächlich Überraschtheit auslöst, dann, glaube ich, und n u r dann, ist ein Kunstwerk gut. Wenn ich mit den letzten Revisionen durchbin, werde ich die Master-CD für den WDR brennen, die dann auch noch einmal abgehört werden muß: jetzt auf etwaige Übertragungs-(Brenn-)fehler. Danach ist dann noch von jedem zitierten Musikstück Quelle und Zeitdauer zu nennen; das ist etwas lästig, läßt sich aber aus der Montagedatei auf die Zehntelsekunde genau gut ablesen.
Heute abend werde ich fertig sein und mit gutem Gefühl alles auf die Post bringen können.
>>>> Filips 9
Sechster Produktionstag (Filips 7) <<<<
albannikolaiherbst - Montag, 27. April 2009, 09:12- Rubrik: HOERSTUECKE
7.51 Uhr:
Seit sechs Uhr an der Montage. Ich bin jetzt punktgenau bei 52 Minuten 36 Sekunden angekommen (52'40'' sollen es sein, mit der An- und Absage 54'40''), und zwar allein dadurch, daß ich aus dem Gespräch Sekunde für Sekunde retardierende Pausen herausgenommen habe, Schritte, Nebengeräusche usw. Das nimmt zwar Filips etwas seinen fast immer lange überlegenden Sprachduktus, dieses Tasten und Suchen nach dem richtigen Wort, Namen, Begriff, aber dadurch, daß der Duktus in der Gedichtrezitation erhalten bleibt und auch in den kleinen Auszügen aus unserem Cafégespräch, wird er zugleich gewahrt. An zweidrei Stellen kürzte ich die Musiken etwas, es gibt jetzt keine „Inseln“, sondern das Stück treibt sehr voran, und man hört des Einzelnen sensible Überlegung und poetische Empfindung in einem brachialen Meer des Verkehrslärms treiben. Als uns Vostell 1976 auf sein letztes Happening, oder doch eines seiner letzten Happenings, auf einen Acker von Worpswede mitnahm, damit wir wieder den Wind zu hören lernten, war das genau die entgegengesetzte Erfahrung zu diesem Hörstück jetzt: während ich die Bänder abhörte, bekam ich überhaupt erst mit, w e l c h ein Lärmen permanent um uns herum ist - und das, obwohl Filips und ich den größten Teil unseres langen Gespräches im Tiergarten aufnahmen, nicht etwa entlang einer Hauptverkehrsader; danach aber hört es sich nun an. Und dort, wo momenthafte Ruhe ist, knallen aber auch sofort Motosägen und das - beim Abhören des Bandes - nahezu unglaublich laute Klacken und Knallen der Verschlußklappen elektrischer Wassersprüher. Daß Filips als eine Erfahrung seiner Jugend (in den Neunzigern!) das Erleben ausgerechnet so kleiner Städte wie Worms als zerstörter bezeichnet, findet im Hörstück über die radikale Dokumentation des Lärms eine ziemlich genaue Entsprechung. Interessant ist dabei zudem, daß Pasolinis, der nun wahrlich nicht von George herkommt, die dörfliche Welt seiner Kindheit im Friaul zurücksuchenden Gedichte im Vergleich zu Filips' Texten fast ein wenig melancholisch-verklärend wirken; ausgerechnet Filips' Gedichte, der immer wieder vom prophetischen Gestus spricht (zugleich aber vom Zweifel an ihm), wirken bisweilen enorm schroffer, manchmal nüchtern dagegen, ein andermal von distanziertester Abstraktion. Wie Gebet aber, tatsächlich, Mendelssohns „O Haupt voll Blut und Wunden“, und passend (dagegen gesetzt: Mantler/Bruce, vermittelnd wiederum Mantlers Ungaretti-Vertonungen, und an einer - nur kurzen – Stelle konnte ich es nicht lassen, >>>> Tschemberdjis Vertonung meines Kindergebets für K. zu zitieren, und zwar das Verloren).
11.16 Uhr:
Erste Abmischung gefahren, und soeben brennt die Probe-CD. Ich will das Stück gleich, wenn Prunier hergekommen sein wird, über den CD-Spieler anhören; erfahrungsgemäß ergibt das n o c h mal einen anderen Eindruck. Danach geht es dann wieder von vorne mit der Feinarbeit weiter; die endültige CD - auf den mir zugeschickten Datenträgern des WDRs - brenne ich sicher nicht vor Montag mittag. Gern hörte ich mir davor noch einmal alles in Filips' Gegenwart an; noch sind ja Einwände möglich, also sie zu berücksichtigen.
Jetzt wird erstmal mit meinem Jungen gefrühstückt; ans Cello gehen wir zwei dann sowas um sechs Uhr, wenn er drauße herumgetollt ist und etwas hatte von dem wirklich herrlichen Wetter.
13.43 Uhr:
So, einmal mit Prunier die gebrannte CD durchgehört; es gibt noch ein paar kleine Dynamik-Schwächen, die auszugleichen sind, dreiviermal ist Filips' Stimme einen Tuck zu leise, und zu Anfang hat die CD zwei Fehler, Aussetzer, gehabt, punktartig – ansonsten steht das Stück tatsächlich. Das bedeutet: einen weiteren Durchgang jetzt, um die Problemchen zu beheben, die ich eben gehört habe, dann einen Durchgang mit der zweiten Probe-CD, danach die Rohlinge des WDRs brennen und den Master-Rohling abhören. Ah ja, und auf den hergesandten Stick speichere ich dann zusätzlich. Danach kann alles auf die Post. Insgesamt wird es Montag mittag werden, schätze ich.
>>>> Siebter und achter Produktionstag (Filips 8).
Fünfter Poduktionstag (Filips 6) <<<<
albannikolaiherbst - Samstag, 25. April 2009, 08:25- Rubrik: HOERSTUECKE
An Christian Filips. Email.Lieber Christian,
ich fand die beiden CDs mit den von Monika Rinck vorgeschlagenen und anderen Musiken bei mir im Briefkasten. Danke erst einmal dafür.
Beide Bands eignen sich nicht, zum einen, weil es sich bei den Musiken ganz sicher nicht um Pop handelt, sondern bei Jamie Lidell um - an sich überhaupt nicht uninteressante - Electronic, bzw. um Techno-Rock; setzte ich d a s aber ein - etwa bei dem Dialogfragment über das Erleben der Städte als zerstörte - dann bekäme das etwas rein Illustratives, das ich auf jeden Fall vermeiden will: Musiken dürfen und sollen k o m m e n t i e r e n, aber nicht "bebildern", was eh schon gesagt wurde und sinnlich sofort und zudem ganz allgemein verständlich ist; die andere CD, "sheer terror", ist, wie sie heißt: ebenfalls Rock, aber lärmendster Draufhau-Rock jenseits aller Zwischentöne, wozu sich noch eine Sängerhaltung kumpant, die vor Unterschichts-Machismo nur so bummt und bumst und grölt; ich mag auch ungern Zeilen in das Hörstück nehmen, die sich an "motherfucker"-Terminologien geilmotzen: man hört diesen Sänger permanent geradezu ins Publikum rülpsen, und zwar mit fettgekörntem Auswurf.
Ich denke, ich werde bei meiner bisherigen Musikauswahl bleiben, auch wenn mir mein bester Freund eine CD gab, deren Musik durchaus infrage käme: nämlich einige Stücke der Gruppe "Can". Letztlich entscheide ich darüber aber erst, sollte ich merken, daß meine Idee des leitmotivischen Arbeitens sich für das Hörstück irgendwann totläuft. Bisher hab ich einen anderen Eindruck.
Bis heute abend, so denke ich, werde ich die Montage bereits halbfein ausgehorcht fertighaben. Morgen dann wird es an die Details gehen.
Ganz herzlich,
Alban Seit Viertel nach fünf Uhr früh an der weiteren Montage. Bin bei 50'21''. Die „reine“ Vorgabe, Pop zu nehmen, unterlaufe ich jetzt ziemlich radikal; dadurch aber, daß das mit Mantlers/Jack Bruces Jazzrock konterkariert wird, läßt es sich gut rechtfertigen. Gerade durch die Rock-Stellen wird der Mendelssohn-Choral, der bisweilen anklingt, aus der reinen Klagehaltung befreit, und wiederum Bruce's Rock k o m m e n t i e r t tatsächlich und illustriert nicht bloß. Beides ist g u t e Musik, das ist gerade in diesem Fall entscheidend, zumal auch Pasolini und Filips bisweilen ineinander übergehen und auf diese Weise die poetische Haltung und Nähe sinnlich klarwird, egal, ob die p o l i t i s c h e n Ausgangsvoraussetzungen so verschieden sind wie die ä s t h e t i s c h e n Einflüsse, die auf die Autoren je gewirkt haben, bzw. gewirkt haben mögen.
16.20 Uhr:
Unterbrechung durch Pruniers Nachmittagsbesuch, dann wieder an die Montage. Es kam eine Email der WDR-Redakteurin herein, bei der ich glücklicherweise noch einmal wegen der genauen Länge des Hörstücks angefragt hatte, auch, ob bitte s i e An- und Absage sprechen wolle, weil ich's häßlich finde, wenn das dieselben Stimmen tun, die im Hörstück Rollen haben. Nun erfahr ich, daß es nicht um 60', sondern „nur“ 54'40'' geht, i n k l u s i v e An- und Absage – was für mich bedeutet, jetzt wieder aus den fastfertigen 59' sechs Minuten und zwanzig Sekunden herauskürzen zu müssen. Das wird „auf Kosten“ der durchgespielten Musiken gehen, hauptsächlich jedenfalls. Aber dadurch, daß ich die einzelnen Takes nunmehr auf vorantreibende Dramaturgie in sich selber kürze, wird, merkte ich eben, auch schon einiges gewonnen. Gar nicht schlecht sowas: Es z w i n g t zur Konzentration.
>>>> Sechster Produktionstag (Filips 7).
Vierter Produktionstag (Filips 5) <<<<
albannikolaiherbst - Freitag, 24. April 2009, 09:36- Rubrik: HOERSTUECKE
16.47 Uhr: Seit kurz nach fünf Uhr morgens an der Montage. Die verwendeten Musiken bisher:
Michael Mantler, Cerco un paese innocento (auf Ungaretti)
Michael Mantler, No answer (auf Beckett)
Felix Mendelssohn-Bartholdy, O Haupt voll Blut und Wunden
Arnold Schönberg, Das Buch der Hängenden Gärten (auf George)
Dazu die aus den O-Tönen und Studio-Aufnamen herauskopierten Gesprächs- und Gedichtmomente leitmotivisch eingebaut, durch die Montage gestreut; auch schon sehr viele Schnitte nahezu „sauber“ in das Klangbild hineingefeilt, was immer viel Zeit braucht – vor allem, weil der Bildschirm meines Laptops nun sehr viel kleiner ist, als es die zumal oft zu mehreren nebeneinandermontierten und im Programm ineinander übergehenden Bildschirme der Rundfunkanstalten bzw. Profistudios sind. Es läßt sich dennoch gut arbeiten, vor allem mit den Stax-Hörern; ich höre auch mehr, als daß ich nach den grafischen Wellenformen der Clips arbeite. Enorm aggressiv ist der mit aufgenommene Verkehrslärm, sogar im Tiergarten; ich arbeite diese Aggressivität der akustischen Umwelt, die wir, wenn wir spazierengehen und uns dabei unterhalten, ja kaum mehr wahrnehmen, scharf in dem Hörstück heraus: das ist wie ein Kommentar zu dem, wa Filips „das Abwesende“ nennt, auch „das Verlorene“ in den Pasolini-Gedichten. Dadurch wirken die Aussagen nachdrücklicher, als kommentierte man sie >>>> oder erklärte . Überhaupt verzichte ich ja auf jeglichen Kommentar, wenn man davon absieht, daß ich Filips' Lebenslauf einlese. Das Hörstück soll sich selbst, in seiner Form, kommentieren.
Mittags >>>> kam dann Prunier. Jetzt warte ich auf meinen Jungen, dessen Hausschlüssel abgebrochen ist, so daß ich jetzt nicht weiterarbeiten, das heißt eben: hören kann – weil ich sonst die Klingel nicht höre.
Ich habe von den 60 Sendeminuten nunmehr 44 Minuten und 20 Sekunden fertig montiert (ohne letzten Feinschliff).
17.49 Uhr:
Wichtig, übrigens. Es bestätigt sich die Erfahrung, daß der Höreindruck über gute Kopfhörer ein völlig anderer als der über meine ja nun ebenfalls und sogar extrem guten Lautsprecherboxen ist. Davon ausgehend - weil halt die wenigsten Hörer, nehme ich an, Sendungen mit Kopfhörern lauschen -, werde ich die Endjustierung n i c h t über die Kopfhörer, sondern über die Boxen vornehmen - wobei man strenggenommen sogar schlechte Boxen anschließen müßte, um einen Eindruck der tatsächlichen Hörverhältnisse in den Wohnzimmern oder gar Küchen zu erhalten und darauf abzumischen. Andererseits wären dann besondere Feinheiten einer Komposition gar nicht möglich; ich hatte darüber schon mal eine Diskussion im Deutschlandfunk anläßlich meines Bombay-Hörstücks, als ich Peter Lieck phasenverkehrt aufnehmen wollte (der Effekt ist, daß die Stimme dann nicht ortbar von irgendwo aus dem Raum kommt; ist aber keine Stereoanlage am Empfänger dran, dann hört man schlicht gar nichts).
Also: Feinmischung erst per Kopfhörer und dann noch einmal per Lautsprecher. Merken, Herbst.
>>>> Fünfter Produktionstag (Filips 6)
Dritter Produktionstag (Filips 4) <<<<
albannikolaiherbst - Donnerstag, 23. April 2009, 17:03- Rubrik: HOERSTUECKE
11.24 Uhr:
Soeben den ersten Schnitt fertigbekommen: das Gespräch gestern beim Spaziergang; bin da bei 1 Stunde 6 Minuten, das ist als Grundlage prima. Seit kurz vor sechs Uhr sitze ich dran, unterbrochen von einer Radfahrt zur Villa Elisabeth, wo mir Filips Pop-Musiken geben wollte, die er nachts noch von M. Rincks bekommen hatte. Aber ich stand dann da vor der verschlossenen Tür, und niemand öffnete. An sein Mobilchen ging Filips nicht, so daß ich unverrichteter Dinge zurückradeln, noch kurz bei der Schule meines Jungen vorbeischauen mußte, um ihm ein Heft hinterherzubringen, das er hier hatte liegenlassen. Kurzes Gespräch mit der Klassenlehrerin, dann zurück an die Töne.
Das Gespräch ging mir noch sehr nach; jetzt auch wieder, da ich es Silbe für Silbe abhöre. Das Gespräch ging und geht mir nach wie vor vor allem in seinem Skeptizismus sehr nach: Fragwürdigkeit des Dichters-als-Künstlerkonzept; Filips spricht vom „Projekt Dichter“, dem er keine Zukunft mehr gibt. Die „Abwesenheit von etwas“, von der er in dem Gespräch erzählt und die gerade der Anlaß seiner Literatur gewesen sei, wird so deutlich, daß sie sich auf mich überträgt und nachts in der Bar, der Profi und Αναδυομένη waren dabei, drückend nachwirkte; es ist dies so anders als mein eigenes, nach wie vor eher optimistisches Empfinden, auf das es sich dann aber legte. Ich hatte richtiggehend zu kämpfen, war enorm erschöpft, was nicht von der Tätigkeit allein herrühren kann und auch nicht von dem kleinen Halsschmerz-Infekt, den ich mir eingefangen habe.
Wie ich das Hörstück konstruieren will, beginnt gerade erst, leichte Konturen zu bekommen. Doch bevor ich überhaupt montieren kann, sind auch die anderen O-Töne noch zu „säubern“, vor allem sind die Aufnahmen aus dem Hauptstadtstudio zu putzen. Mit alledem habe ich ganz sicher bis heute abend zu tun.
Was mir zur Musik noch einfällt, was ich ganz sicher – wenigstens a u c h – nehmen werde, ist Michael Mantlers tiefe Vertonung „When I run“ nach Samuel Beckett; das scheint mir ausgesprochen passend zu sein. Es singt Jack Bruce. In meinem >>>> New-York-Roman habe ich das Musikstück schon zur Grundlage einer große Szene gemacht; dort konnte es aber nicht klingen, es war erzählt, nicht mehr.
16.13 Uhr:
Die Schnitte sind fertig, auch die Gedichte aus den durchlaufenden Aufnahmen separiert, teils schon zugeordnet: Ich will etwa Pasolinis von Filips in Lutherdeutsch übersetzte „Recession“ mit Filips' „Es kommt der Etat in die Jahre“ kombinieren; dazu dann, als musikalisches Leitmotiv, das Hauptthema von >>>> Michael Mantlers Beckett-Vertonung „What is the word?“ durch die Komposition ziehen; einmal soll das Stück auch g a n z erklingen, und zwar nach Filips' „Begriff von Klarheit“, welches ein höchst programmatisches Gedicht ist. Pasolinis „Salerno“ haben wir beide eingesprochen, sowohl Filips als auch ich; das wird dann ebenfalls kombiniert. Eine erste Reihenfolge habe ich während des Abhörens (und Putzens, von Mundgeräuschen, Atmern usw.) auch schon erstellt. Nun kann es also losgehen mit der Montage. „Fremden“ Pop brauch ich jetzt eigentlich nicht mehr, Mantlers Jazz, bzw. (mit Bruce) Jazzrock sollte reichen. Vielleicht setze ich zur Strukturierung einen einzigen Celloton ein, den ich dann noch selbst einspiele; da bin ich mir aber noch nicht sicher. An ganz wenigen Stellen wird Kirchenmusik vorkommen, auf jeden Fall „O Haupt voll Blut und Wunden“ in meinem DAT-Mitschnitt des Karfreitagskonzertes der Sing-Akademie, dessen Dramaturg Filips ja ist, so daß sich da keinerlei Urheberrechtsprobleme auftun.
19.59 Uhr:
Mit der Montage begonnen. Wenn das so weiterläuft, wie es jetzt schon klingt, wird das absolut irre.
>>>> Vierter Produktionstag (Filips 5)
Zweiter Produktionstag (Filips 3) <<<<
albannikolaiherbst - Mittwoch, 22. April 2009, 11:38- Rubrik: HOERSTUECKE
8.38 Uhr:
Warten auf Filips, der um 9 Uhr hiersein will.Eigentlich hatte ich vor, mit ihm für O-Töne und unser Gespräch zur Glienicker Brücke zu fahren, um dort im pleasure ground vor den Schinkelbauten aufzunehmen; das ist mir jetzt aber als Tour zu zeitintensiv; man muß ja vom Wannsee aus nochmal eine halbe Stunde mit dem Bus fahren. Besser, wir radeln in den Tiergarten und nehmen d o r t auf; dann sind auch gleich Cafés in der Nähe; in einem will ich ebenfalls ein Gespräch führen und mitschneiden, so kommt dann genügend Atmo zusammen. S e h r schön ist, dank >>>> parallalie, >>>> dieses. Es gefällt mir eh, wenn Die Dschungel auch die Funktion poetischer Produktionsmittel bekommen.
Sind alle Aufnahmen im Kasten, muß ich alles durchhören; bei den Gedichten eh meine Anstreichungen machen, Gedanken einformulieren; ich möchte aber nichts aus dem Quasi-Off kommentieren, allenfalls Filips' Lebenslauf, den ich gestern einsprach, einmontieren. Ansonsten rein in der Immanenz der Klänge bleiben.
15.16 Uhr:
Bei strahlendem Wetter einen langen Spaziergang durch den Tiergarten, vom Brandenburger Tor bis zum Bahnhof Zoo, dann auf der „anderen“ Seite zurück durch Tiergarten usw., an der Akademie vorbei bis zum Reichstag gemacht und dabei mit Filips gesprochen, all das aufgenommen, schließlich zur Arbeitwohnung zurück und von dort in ein Café, wo wir noch einmal aufnahmen, diesmal mit Gedichtlesung zu Atmo, Popgedudel, Stimmen, Gläsern usw.; einmal spielte tatsächlich Mahlers Ich bin der Welt abhanden gekommen an; es ist hübsch zu hören, wie erschrocken die Bedienung auf Pop zurückschaltet.
Dann den Mittagsschlaf genutzt, das Band in den Computer einzuspielen, das ist jetzt fast fertig. Ich habe die Idee, die Aufnahme des Spaziergangs mit dem Gespräch in Echtzeit durch das Hörstück durchlaufen zu lassen und dann darüber je anzuschichten, was an Originaltexten, auch was an Musiken nötig sein wird. Nur meine Fragen während des Spaziergangs will ich - probehalber erstmal – hinausnehmen.
17.03 Uhr:

21.18 Uhr:
Bis eben das Gespräch geschnitten; zwischendurch knallte einmal das System zusammen, da hatte ich dann eine Stunde lang umsonst gearbeitet... Egal. Bin bei 21'12'' und fahr jetzt das Gerät herunter.
>>>> Dritter Produktionstag (Filips 4)
Erster Produktionstag (Filips 2) <<<<
albannikolaiherbst - Dienstag, 21. April 2009, 15:22- Rubrik: HOERSTUECKE
7.29 Uhr:
S o habe ich noch nie >>>> für ein Hörstück gearbeitet, aber mir genau das immer gewünscht: aus der L e e r e zu arbeiten, rein übers Hören. Christian Filips' Gedichte sind d a, das ja, auch seine >>>> Pasolini-Übersetzungen, von denen ich mir momentan denke, daß i c h sie sprechen und dann in das laufende, sich entwickelnde Hörstück einmontieren werde, teils unter Filips' Dichtungen, teils zu ihnen kombiniert – vielleicht aber als einzigen oder f a s t einzigen Kommentar, der aus der Hermetik herausfällt... von der Musik abgesehen. Wir haben die Vorgabe, es müsse Pop sein: Für uns beide sehr schwierig, wir mögen ihn ja beide nicht. Nun muß man ihn integrieren. Ein paar Gedanken gingen in Richtung Verfremdung: einige Stücke mit dreifacher Geschwindigkeit ausstrahlen oder mit nur halber, sowas, und darüber dann einmischend ein paar der von Filips betreuten >>>> Uraufführungen im Rahmen der >>>> Sing-Akademie, dessen Dramaturg er ist. Aber das werde ich dann nach Klanglage entscheiden. Sinnvoll wäre auch, noch mal zu schauen, welche Musiken Pasolini geliebt hat. Dazu dann ein Gespräch, das ich mit Filips ganz frei während eines Spaziergangs führen und mitschneiden will und woraus ich dann Partikel ebenfalls durch das Hörstück streue, sehr wahrscheinlich nach einer formalen Vorgabe; die Montage durchrhythmisieren und die Partikel synkopisch hineinnehmen: alles viel mehr Klang als journalistisch-dokumentarische Mitteilung; überhaupt den funktionalen Aspekt der Mitteilungen herausnehmen oder doch scharf hinunterfahren. Uns beide, Filips und mich, interessiert Musik. Über Übersetzung will ich mit ihm auch noch sprechen, und da mein frz. Übersetzer Prunier für diese Woche in Berlin weilt, vielleicht auch ihn noch mit hineinnehmen.
Hier läuft Brahms' Deutsches Requiem. Um kurz nach neun radle ich zum Hauptstadtstudio los. Bis dahin lese ich Filips und frühstücke auch mal was.
10-12.15 Uhr:
[ARD-Hauptstadtstudio.]
Eingesprochen: die Filips-Gedichte, zuvor las ich selber Filips' Übersetzungen der Pasolini-Gedichte, die sehr bald bei >>>> Urs Engeler erscheinen werden, noch im Sommer, wie Filips erzählt hat. Pasolinis Gedicht sind in Friaulisch geschrieben; wir können das beide nicht sprechen. Falls unter meinen Lesern jemand ist, d e r es kann und bereit wäre, dreivier Texte als mp3's einzusprechen, wär ich für kurze Meldung unter fiktionaere at gmx dot de ziemlich dankbar.    Die Aufnahmen grob ge„putzt“ und nach dem Sicherungsspeichern sowohl auf CD gebrannt als auch auf meine externe Festplatte kopiert. Danach dann noch ein Abschlußgespräch über das, was wir morgen tun werden, bei einer Zigarette vor dem Gebäude: Filips wird um 9 Uhr bei mir sein, dann werden wir zur Glienicker Brücke rausfahren, um dort ein Gespräch aufzuzeichnen, das wir spazierengehend aufnehmen werden. In ein Café wolln wir dann auch noch, dort ebenfalls für O-Töne, vielleicht mit dem einen oder anderen Bezugsgedicht, das für Filips' Poetik wichtig war, bzw. immer noch ist.
>>>> Zweiter Produktionstag (Filips 3)
Filips 1 <<<<
albannikolaiherbst - Montag, 20. April 2009, 07:37- Rubrik: HOERSTUECKE
Als 1981 Geborener gehört >>>> Christian Filips derzeit sicherlich zu den interessantesten Erscheinungen in der zeitgenössischen deutschen Dichtung. Anders als viele seiner Generation, die ihre Herkunft aus Pop, Rap und anderen populären Kunstformen weder leugnen können noch wollen, ist Filips bereits in seiner dezidiert europäischen Ausbildung ein Außenseiter. Als solcher machte er bereits als Jugendlicher in Literatur-Wettbewerben auf sich aufmerksam: er war erst 20 Jahre alt, als sein Gedichtband „Schluck auf Stein“ erschien, für den er geradezu umgehend den begehrten Rimbaud-Preis erhielt. Dennoch geriet er nie eigentlich ins Scheinwerferlicht. Statt sich einer im deutschen Literaturbetrieb üblichen Stipendiatenkarriere auszusetzen, wurde er nach dem Studium Dramaturg der berühmten >>>> Sing-Akademie zu Berlin, deren Programme er seither gestaltet. Dabei gräbt er in akribischer Arbeit nicht nur permanent vergessene Werke der Musikhistorie aus, sondern bemüht sich auch nachdrücklich um eine Vermittlung von dichterischem Wort und zeitgenössischen Kompositionen. Es ist typisch für ihn, daß er auch gerne einmal selbst vor ein Konzert der Akademie tritt, um aus dem Stegreif Miltons „Lost Paradise“ zu rezitieren.
Alban Nikolai Herbst hat den aus der Zeit gefallenen jungen Dichter nach Art einer Collage portraitiert.
>>>> Filips 2
albannikolaiherbst - Freitag, 27. Februar 2009, 08:27- Rubrik: HOERSTUECKE
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Für Adrian Ranjit Singh v. Ribbentrop,
meinen Sohn.
Achtung Archive!
DIE DSCHUNGEL. ANDERSWELT wird im Rahmen eines Projektes der Universität Innsbruck beforscht und über >>>> DILIMAG, sowie durch das >>>> deutsche literatur archiv Marbach archiviert und der Öffentlichkeit auch andernorts zugänglich gemacht. Mitschreiber Der Dschungel erklären, indem sie sie mitschreiben, ihr Einverständnis.
Kontakt zu Alban Nikolai Herbst:
fiktionaere At gmx DOT de.
Herbst & Deters - Fiktionäre
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NEUES
und manchmal, herr Lampe,
ist es doch nicht einerlei, ob man anna (gramm, nicht...
Aikmaier - 2009/11/08 00:48
@sun-ray.
So spricht - die Einsamkeit. Also: versteh ich's.
albannikolaiherbst - 2009/11/07 23:18
Derweil Sie es tun,
schenk...
Derweil Sie es tun,
schenk ich trotzdem nochmal nach:
An...
Sun-ray - 2009/11/07 22:57
Bin ich seltenst.
Weil...
Bin ich seltenst.
Weil wenn, nur ganz privat und äußerst...
Sun-ray - 2009/11/07 20:37
Bruno Lampe - 2009/11/07 20:33
A.D. VII Id. Nov. Anno 2762 a.u.c.
Siebter Tag vor den Iden. Dies comitialis. Spiele.
Kein Rand atmete Nachhall. Kral hinter Ewigkeit im ...
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zuletzt aktualisiert am 2009/11/08 00:48
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