Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop

e   Marlboro. Prosastücke, Postskriptum Hannover 1981   Die Verwirrung des Gemüts. Roman, List München 1983    Die blutige Trauer des Buchhalters Michael Dolfinger. Lamento/Roman, Herodot Göttingen 1986; Ausgabe Zweiter Hand: Dielmann 2000   Die Orgelpfeifen von Flandern, Novelle, Dielmann Frankfurtmain 1993, dtv München 2001   Wolpertinger oder Das Blau. Roman, Dielmann Frankfurtmain 1993, dtv München 2000   Eine Sizilische Reise, Fantastischer Bericht, Diemann Frankfurtmain 1995, dtv München 1997   Der Arndt-Komplex. Novellen, Rowohlt Reinbek b. Hamburg 1997   Thetis. Anderswelt. Fantastischer Roman, Rowohlt Reinbek b. Hamburg 1998 (Erster Band der Anderswelt-Trilogie)   In New York. Manhattan Roman, Schöffling Frankfurtmain 2000   Buenos Aires. Anderswelt. Kybernetischer Roman, Berlin Verlag Berlin 2001 (Zweiter Band der Anderswelt-Trilogie)   Inzest oder Die Entstehung der Welt. Der Anfang eines Romanes in Briefen, zus. mit Barbara Bongartz, Schreibheft Essen 2002   Meere. Roman, Marebuch Hamburg 2003 (Verbotene Fassung)   Die Illusion ist das Fleisch auf den Dingen. Poetische Features, Elfenbein Berlin 2004   Die Niedertracht der Musik. Dreizehn Erzählungen, tisch7 Köln 2005   Dem Nahsten Orient/Très Proche Orient. Liebesgedichte, deutsch und französisch, Dielmann Frankfurtmain 2007    Meere. Roman, Letzte Fassung. Gesamtabdruck bei Volltext, Wien 2007.

Meere. Roman, „Persische Fassung“, Dielmann Frankfurtmain 2007    Aeolia.Gesang. Gedichtzyklus, mit den Stromboli-Bildern von Harald R. Gratz. Limitierte Auflage ohne ISBN, Galerie Jesse Bielefeld 2008   Kybernetischer Realismus. Heidelberger Vorlesungen, Manutius Heidelberg 2008   Der Engel Ordnungen. Gedichte. Dielmann Frankfurtmain 2009   Selzers Singen. Phantastische Geschichten, Kulturmaschinen Berlin 2010   Azreds Buch. Geschichten und Fiktionen, Kulturmaschinen Berlin 2010   Das bleibende Thier. Bamberger Elegien, Elfenbein Verlag Berlin 2011   Die Fenster von Sainte Chapelle. Reiseerzählung, Kulturmaschinen Berlin 2011   Kleine Theorie des Literarischen Bloggens. ETKBooks Bern 2011   Schöne Literatur muß grausam sein. Aufsätze und Reden I, Kulturmaschinen Berlin 2012   Isabella Maria Vergana. Erzählung. Verlag Die Dschungel in der Kindle-Edition Berlin 2013   Der Gräfenberg-Club. Sonderausgabe. Literaturquickie Hamburg 2013   Argo.Anderswelt. Epischer Roman, Elfenbein Berlin 2013 (Dritter Band der Anderswelt-Trilogie)   James Joyce: Giacomo Joyce. Mit den Übertragungen von Helmut Schulze und Alban Nikolai Herbst, etkBooks Bern 2013    Alban Nikolai Herbst: Traumschiff. Roman. mare 2015.
________________________________


 

HOERSTUECKE

Vom 25. - 30. April 2016: ANHs Traumschiff im Lesezeichen des WDRs3.




GREGOR LANMEISTERS LETZTE REISE




>>>> WDR3
Montag, den 25., bis Freitag, den 29. April 2016, je 14.45 bis 15 Uhr
Sonnabend, den 30. April 2016, 15.05 bis 16 Uhr


Alban Nikolai Herbst
>>>> Traumschiff
Roman
>>>> mare


EINE AKUSTISCHE KREUZFAHRT. Ein Schriftstellertagebuch mit Tönen. (Eine akustische Kreuzfahrt, 11).


E I N E   A K U S T I S C H E

K R E U Z F A H R T


Ein Schriftstellertagebuch mit Tönen


(Die, im >>>> Traumschiffroman, alte Dichterin auf dem Panoramadeck)

von
Alban Nikolai Herbst



Kavita Janice-Chohan               Elvira Magometschnigg

Andreas Nickl


sowie als Gregor Lanmeister

Paulus Böhmer


_______

WDR 3
Sonnabend, 6. Juni 2015
12.05 - 13 Uhr
Sonntag, 7. Juni 2015
15.05 – 16 Uhr



PODCAST >>>> über Dropbox
Eine akustische Kreuzfahrt 10 <<<<

Probe- und Aufnahmetag der Sprecher:innen: Eine akustische Kreuzfahrt, 6.


(19. Dezember, 15.23 Uhr.
Arbeitswohnung.)

Soeben wiedergekommen von der Probe mit >>>> Elvira Magometschnigg, meiner Wiener Sprecherin, die sehr früh morgens mit dem Flieger ankam. Zwei Durchläufe, absurderweise in einem Hotelzimmer, an dem am absurdesten >>>> das Hotel selbst ist. Riesiger, aufgemotzter Empfang, der Zimmerbereich aber, im dritten Stock des alten Plattenbaus, geradezu kleinbürgerlich kleinlich; enge, mit altem, wie bereits zerfasertem Teppichboden ausgelegt. Das Zimmer wird vor allem von einem riesigen Fernsehbildschirm eingenommen, der zwei Drittel des schmalen Schreibtischchens besetzt. Direkt davor ein Doppelbett mit gerüschten Gardinen.
Also als allererstes das Bildschirmding runtergewuchtet. Durch die Fenster indes, immerhin, Blick auf die Spree – ein allerdings ebenfalls wenig erbaulicher, wenn es wie heute unentwegt regnet. Eigentlich hätten wir hier in der Arbeitswohnung proben sollen, dnn kam was dszwischen. Egal, so habe ich dieses "Riverside" einmal von innen gesehen: gute Vorlage für eine Erzählung, etwa, wenn ich die >>>> Yüe-Ling-Novelle wieder aufnehmen sollte, die ich, merke ich gerade, völlig vergessen habe - fast, sonst wär ich jetzt nicht drauf gekommen.
Die Probe selbst lief gut; deutlich ist nach wie vor, daß das Stück viel zu lang ist. Dennoch will ich es insgesamt, wie es jetzt vorliegt, aufnehmen und erst kürzen, wenn ich die Stimmen in der Montage angelegt und wohl auch schon mal ein paar O-Töne dazugemixt habe.
Pause also; Magomeschnigg ist mit einem Freund ins Museum, ich mochte da nicht mit.
Weiter geht‘s um 18 Uhr im Hauptstadtstudio der ARD, quasi gleich bei Magometschniggs Hotel um die Ecke. Ich leg mich jetzt mal eine Stunde hin.
***

(Gleich wieder aufgestanden; bin zu unruhig, um schlafen zu können. Ich fange am besten schon mal damit an, die Paulus-Böhmer-[Lanmeister]-Aufnahmen zu putzen.)
***

Nachtrag,
20. Dezember, 8.12 Uhr:


Dann waren sie alle zusammen, Kavita Chohan, Elvira Magometschnigg, Andreas Nickl, ich selbst, sowie für die Tontechnik Karin G,, mit der ich schon mehrfach gearbeitet habe; da wir unterdessen beim Du sind, vergesse ich peinlicherweise ihren Nachnamen immer.
>>>> Nickl, der bereits im >>>> Neapelstück mitsprach, hat in dem neuen Stück nur wenige Sätze, allerdings als jeweils als eine andere Rolle zu sprechen; deshalb zogen wir seine Aufnahmen vor. Zudem mußte er gegen 19.45 Uhr aufs Theater, konnte also nicht die ganze Aufnahmezeit bleiben. Dennoch, er mochte sich danach aus dem ersten Durchlauf nicht lösen, übernahm „einfach“ die Paulus-Böhmer-Partie (Lanmeister) als sozusagen Joker, bis wir tatsächlich einmal durchwaren. Gute Stimme, ich werde ihn öfter einsetzen; hier, leider, ist sie zu jung, also für den alten sterbenden Mann (der, anders als >>>> im Roman, worin e r spricht, bzw. denkt lediglich eine Innenstimme des Autors ist).
Chohan und Magometschnigg: wunderbar. Letztere anfangs etwas zu wenig Stimmendruck, was sich über den Abend aber gab, dafür sind die wienmelodischen Phrasierungen herrlich, teils an >>>> Peggy Lucac erinnernd, nur jünger, teils an Romy Schneider. Chohan mit der bekannten vollen Wärme. Ich selbst habe den Autorenpart gesprochen, dabei teils die Sprecher dirigiert. Vieles geht vor sich, als würden wir ein Musikstück einstudieren; ich schlage tatsächlich oft den Takt.
Gegen Viertel nach acht Pause, Nickl geht, wir andern drei, während mir die Technikerin die bisherigen Aufnahme schon mal auf den Stick zieht, gehen unten im Haus jede/r ein kleines Bier trinken, plaudern; die beiden brauchen diese Minuten der Stimmschonung.
Kurz nach halb neun dann noch einmal ein Durchlauf, ohne mich aber, nur die beiden Damen; ich sitze draußen am Regiepult.. Da wir die Mikrophoneinstellung beibehalten, damit ich später ohne größere Manipulationen mischen kann, seh ich sie witzigerweise nur von hinten:


Freilich hat das den Vorteil, daß ich mich allein auf die Stimmen konzentriere.
Gegen halb zehn läßt die Stimmkonzentration deutlich nach, zweidreimal muß ich in den Sprecherraum, um, wenn simultan gesprochen wird, die Einsätze zu geben, Taktschlag (je einen Schlag v o r). Die Aufnahme währt bis Viertel nach, die Technikerin läßt mich überziehen, gibt ihren spätern Feierabend dran, geht in dem Stück ganz mit – eine Erfahrung, die ich für meine akustischen Arbeiten immer wieder mache; ebenfalls, daß meine Sätze überhaupt erst zu wirken beginnen, wenn sie Klang werden dürfen.




Nachher noch in die >>>> Böse-Buben-Bar auf zweidrei Bier, etwas Wein; Magometschnigg ist erneut von dem Wiener Freund begleitet, der sie aus dem Studio auch abholt. Jetzt sitzen beide bereits zurück im Flieger, indessen für mich nun erst einmal die Schnitte anstehen: zu „putzen“, wie man sagt.

*
>>>> Eine akustische Kreiuzfahrt 7
Eine akustische Kreuzfahrt 5 <<<<

V o r   K a p s t a d t. Eine akustische Kreuzfahrt. Ein Schriftsteller-Tagebuch mit Tönen, 4: Aus den O-Ton-Protokollen.

Filo 33 Vor KAPSTADT Wind
0.01 Einrichten der Mikros.
0.25 Begrüßung. Tür. Fernes Tuten: Verwenden!
0.50 "Sun is there": Kurzer Dialog. Abermals Tuten. Erzählung über die Wale.
1.27 Zum Wind Gespräche, abermals die Schiffshörner. Treppen, Schritte, Signalklingeln.
2.02 Schiffshörner. Tür. "Morning" "Morning", Lachen im Hintergrund, "Thank you".
2.34 Hinaus und wieder und wieder Hörner.
3.03 Nächstes Horn. Nase schneuzen, Sprechen, Schritte auf dem Brückendeck.
3.33 Wieder Horn.
4.03 Schniefen und entfernteres Horn. Jetzt auch Meer.
4.27 Tonwechsel. "Good morning", Schiffsrauschen, fernere Schiffshörner.
5.05 Nächstes Horn.
5.24 elektronisches Signal (sehr leise).
6.00 Tür kurz, Reden, Treppesteigen außen.
6.25 Huster, entfernt. Fast nicht hörbares weiteres Hornhupen. Maschine, eher aber als Rauschen.
6.54 Helles Männersprechen, Hupe fern.
7.22 elektronisches, abermalig leises Signal, Rauschen, fernes Hupen.
8.24 Anderes (leises) elektronisches Signal. Schiffsrauschen.
8.53 Husten, meines.
Filo 34 Vor KAPSTADT mit Ansage
0.02 Starkes (Maschinen-)Rauschen mit Stimmen.
0.38 Tonwechsel, kurzer ferner Dialog, Signal, Tür, etwas quietscht, Schritte (Treppe). Gespräche nähern sich. Abermals das Dreiersignal.
1.31 Tuten (Horn ff).
2.21 Signal und Ansage Walkie Talkie. Frau im Gespräch. Deutlicheres Signal.
3.00 Wind auf den Mikros. Fernes Tuten ff. Signal.
3.30 Verhaltenes Gespräch und Walkie Talkie von der Brücke. Signal.
3.55 Kurzer Austausch mit mir, ich über Johannesburg. "Ob das noch klarer wird?": wegen des dichten Nebels. Immer wieder Hörner und das Signal. Verhaltenes Sprechen.
5.00 Lachen, kurz. Gruppe.
5.25 Sehr schönes Horn. Um 5.38 noch einmal, ein anderes. Ständige Horn-Kommunikation, dazu immer wieder die Elektroniksignale und Sprechen.
6.26 Lachen und Good morning und Raucherhusten.
Verhaltene Gespräche etc. Dazwischen immer mal wieder (m)ein Schniefer.
8.04 Ich ins Mikro: "Die Stadt schält sich aus dem Dunst."
8.30 Rauschen und leises Reden. Hantieren am Mikro. Lachen, Reden.
9.12 Möven. Reden. Weitere Seevögelstimmen.
9.41 Tonwechsel, Wind auf den Mikros. Möven.

Eine akustische Kreuzfahrt. Ein Schriftsteller-Tagebuch mit Tönen. Aus dem Entwurf (3).

(...)

Sprecher 1     Wie durch vorzeitliche Traumstätten fremdartigster Ungeheuer, an die zudem unausgesetzt die Gischt schlug, glitt das Schiff da entlang,

Sprecher 2     Kurs schon neu aufs Hohe Meer,

Sprecher 1     das weithin, so weit die Augen sahen, alles überzog.

Sprecher 2     Die alte schwere Dichterin sitzt stumm vor dem Fenster und sieht nur hinaus, sieht nur die Zeit

Sprecher 1     Indessen in der Astor Lounge Sinatra erklang.

Lanmeister     Wer ein Herz hat, macht sich schuldig.

Sprecher 1     Der junge Mann war zu sauber dafür.

Sprecher 2     Sinatra braucht Sünde und Rauch.

Sprecher 1     Das scherte aber das Publikum nicht.

Lanmeister     Was hören die Menschen?

Sprecher 1     Und der Reisende notierte zu Zarah Leander:

Sprecher 2     Wenn mir auf dieser Reise etwas klar geworden ist, dann, daß mein Sterbebuch ein Gesang für das Leben sein muß. Die Utopie eines menschlichen Davongehens, das mir von Anfang an im Sinn lag, ist aus der Bereitschaft zum Abschied nicht zu gewinnen, sondern allein aus lebendigstem Leben.

(...)

Eine akustische Kreuzfahrt. Ein Schriftsteller-Tagebuch mit Tönen. Aus dem Entwurf (2).

(...)

Musik: O-Ton Schubert mit Stimmgeräuschen. Und das dann „zurück“ ins Meer fließen lassen.

Sprecher 2     Ich will im Licht sein und an der Luft. Zurück in die Vergangenheit meines Schreibens: Bleistift und Notizbuch. Es ist so warm geworden, daß ich mein Hemd übern Kopf ziehe. „Don‘t do it!“ rufen mir von ihren Liegestühlen drei alte Damen zu, und amüsieren sich. Indessen Lanmeister, denke ich mir, vor der direkten Anstrahlung auf der Hut ist,

Sprecher 1     der ihm, ohne daß er oder wer andres es sah, am Bootsdeck im Rücken saß, genau dort, wo die drei Damen immer noch weiter kicherten.

Sprecher 2     Die Wolken hängen als eine Flotte dunkler, aneinandergerückter Zeppeline über der See; die Sonne lassen sie nur manchmal zu uns herunterblicken und immer nur kurz: eine Seeblockade zur Luft.

Lanmeister     In die Strukturen der Wogen versinken.

Sprecher 2     Es gibt Rutschen gleich gestraffter Seide, hochpolierte, wie glattes Metall. Dazu über Strecken sich erhebende Bergzüge, nicht eine einzige krisslige Unruh auf den Pässen. Dann wieder Wogen aus einem mit Silber bedampften Blei, über dem der Gischtschnee wirbelt. Auf Hunderte Seemeilen Krönchen dahinter. Und wenn wir uns

Sprecher 1     dachte Gregor Lanmeister

Atmo: O-Ton Meeressirren

Lanmeister      gehoben von einem Wogenpflug, wieder hinabsenken, schäumt es unweit vom Berg weg:

Sprecher 2     dann hebt ein ungeheures Sirren an, wieder und wieder, das sich aufs Gleichmaß des Brandungsrauschens senkt - oder sich aus ihm erhebt, es ist nicht zu sagen -. Das wiederum Ton in Ton mit dem unendwegten Stampfen des Motors.

Atmo: Meeressirren und Schiffsmotor

Sprecherin          Schweigen, ständig
                         in schweigendem Deutsch.

Sprecher 1     Wer dem Meer und dem Motor lange genug lauscht, vernimmt ein immer gewaltigeres Tosen

Sprecher 2     auf der Fahrt in Gregor Lanmeisters zufrieden stillen Tod.

Lanmeister     Ich liebe dieses sanfte hohe Wiegen.

Sprecher 2     Immer hat er gedacht, daß sie einander erkennten.

(…)

Akustische Keuzfahrt 1 <<<<

Eine akustische Kreuzfahrt. Ein Schriftsteller-Tagebuch mit Tönen. Aus dem Entwurf (1).

(…)

Nur Wogen.
Pause. Stille.


Sprecher 1     Und da aber lag sie, die Astor, gegenüber einem Frachtschiff voller Container, das seine roten Kräne reckte. Nicht jugendlich mehr, doch Dame von Jahren, die auf sich hält. In eleganter Weiße, die Gangway schon wie ein Finger ausgestreckt, der auf den Passagier-Terminal leichtgeschrägt hinunterwies, und von Bug bis Heck über die gesamten 176 Meter und über den Zwillingsschornstein und den Mast das Radars unter diesem Himmel schon buntest bewimpelt, der seine tiefen Wolken ballte - eine Schönheit, fürwahr, mit dem Charme des Vergangnen, das immer noch ist, still, dachte ich, und lächelnd: So für die weite Fahrt bereit, die mich quer durch den Indischen Ozean nach Südafrika brächte und unten um das Kap herum durch die tropischen Tiefen des Atlantiks nach Europa wieder zurück. Aber ich wußte da noch nicht, daß ich Heimkehr fühlen würde, und Herkunft, die sich schließt. In dem Moment, aber auch das wußt' ich noch nicht, würde Gregor Lanmeister sterben. Ich wußte aber, wie: in einem Ausatmen, das sich verläßt: das losläßt, zwar willentlich, doch ohne daß sich das weiß.
Sprecher 2     So standen Sie da, junger Mann, ganz vorne auf der Mole, und schauten eine lange Zeit zu mir herüber.
Sprecher 1     (spöttisch:) 'Junger Mann'...
Sprecher 2     Ich darf das sagen. Ich war bereit. Sie aber sind es noch lange nicht. Das hat diese Reise gezeigt.
Sprecher 1     Niemand war bereit von uns allen. Kein Passagier, kein Crewmitglied. Und nach Ihnen hab ich vergeblich geschaut.

Kreuzfahrt, In den Abend (3) <<<<

AUF WDR 3: FAHLMANNS WELTEN. Von Alban Nikolai Herbst.


F A H L M A N N S  W E L T E N

Ein poetisches Hörstück
über
Christopher Eckers unheimlichen Roman
Fahlmann.
Von
Alban Nikolai Herbst.



Kavita Janice-Chohan               Sascha Broßmann

Adrian v. Ribbentrop


_______

Sonntag, 1. Mai 2014
23.05 Uhr
WDR 3


Montage und Regie
Alban Nikolai Herbst
Alban Nikolai Herbst: Fahlmanns Welten, >>>> PODCAST des WDRs.
Fahlmanns Welten 7 <<<<

Fahlmanns Welten: Dritter bis Fünfter Produktionstag. PP128, 18. März 2014: Dienstag. (Fahlmanns Welten 6).

(6.20 Uhr.
Händel, Tamerlano.)

Das Hörstück ist fertig:


Aber ich habe derart intensiv gearbeitet, daß daran, mein Vorankommen hier in Der Dschungel mitzuprotokollieren, überhaupt nicht zu denken war; zweimal lag ich, so erschöpft war ich, bereits um halb elf Uhr abends im Bett und schlief bis morgens durch. Briefe blieben unbeantwortet, anderes ebenfalls liegen. Der ofenbedingten Verstaubung - Staubmäuse von Wadenhöhe, zum Duschen kam ich auch nicht, geschweige, daß ich mich rasiert hätte – war gestern vormittag dann entschieden mit Staubsauger und Feudel zu begegnen, bevor eben mittags die Löwin ankäme. Also keine Pausenruhe. Aber es ist geschafft. Jetzt warte ich für eventuelle Korrekturbitten auf die Rückmeldung meiner Redakteurin.

Was die Arbeit behinderte, war vor allem – darüber schrieb ich bereits >>>> im letzten PP, daß ein vorher nie dagewesenes Brummen auftrat, wenn ich die Tondateien übers Interface abhörte; im Kopfhörerausgang des Laptops „fehlt“ es. Also dachte ich, meine alte UA-3 habe einen Schlag abbekommen; da keine Zeit war, mich auf Fehlersuche zu begeben, entschied ich mich, ein ganz neues Interface zu erstehen; mit dem Gedanken habe ich ohnedies schon lange gespielt.
Das tat ich dann auch, erstand ein >>>> Tascam US-122mkII, konnte aber die mitgelieferte Software nicht einsetzen, weil mein Laptop seit ein paar Tagen sein CD/DVD-Laufwerk nicht mehr erkennt; es wird immer deutlicher, daß ich um die Anschaffung eines schnellen und sehr guten Standcomputers nicht mehr lange herumkommen werde. Jedenfalls suchte ich mir die nötigen Treiber im Netz, fand sie, installierte sie, und siehe, alles lief – bis plötzlich Verzerrungen auftraten, aber immer nur dann, wenn der Computer-Eingang der Soundcard verwendet wurde; die analogen Eingänge für CD-Player, DAT-Recorder, den Nakamichi funktionierten ohne jedes Murren mit breitem tiefen Klangvolumen. Und seit gestern, nach irgend einem Fehler, den ich gemacht habe, gibt das neue Interface Tondatein nur um ein Mehrfaches verlangsamt wider, so daß ich erneut die alte Edirol anschloß, mit der alles anstandslos läuft, nur, daß ich eben dieses Grundbrummen in den Lautsprechern und Kopfhörern habe. Es stammt eindeutig vom Laptop. Deshalb war es nötig, zu jeweils letzten Kontrollen von den Mischungen CDs zu brennen (was ich über einen zweiten, eigentlich ausrangierten Laptop tat) und diese dann über die „normale“ Anlage abzuspielen. Beruhigend: Die Tondateien selbst haben das Brummen nicht, ich kann also beruhigt produzieren. Für Schnitte muß deshalb aber selektiv gehört werden, man muß im Ohr das Brummen wegrechnen und sehr gut imaginieren können, wie sich die Klänge tatsächlich anhören. Das lernt man mit den Jahren. Es ist besonders dort wichtig, wo ich mit Nullsignalen arbeite, also extrem Spannung aufbaue. Man darf solche Effekte nicht übertreiben, sie müssen auf Zehntelsekunden exakt sitzen; bekommt man das Störbrummen nicht aus dem Geist, wird die Einschätzung schwierig.

Die technischen Probleme kamen also zu der künstlerischen Arbeit hinzu. Nach meiner Rückkehr von der großen Seereise und damit direkt vor dem Arbeitsbeginn an dem nächsten, dem Kreuzfahrt-Hörstück werde ich mein System insgesamt auf neuesten Stand bringen; es ist extrem nervig, wenn das Werkzeug nur eingeschränkt taugt; vielleicht sollte ich insgesamt erwägen, auf Mac umzusteigen, auch wenn das meinen Kostenrahmen erst einmal sehr sprengt oder zu sprengen doch scheint; immerhin läßt sich die Anschaffung gegen die Steuer verrechnen, bei einer von solchem Umfang zumindest abschreiben; parallel würde ich dann aber eine Windows-Anlage mitlaufen lassen, damit ich werde weiterhin auf die alten Montagen zugreifen können. Mal sehen.

Zweiter Tag also, etwa zwanzig Minuten der Montage bekam ich hin; es waren ja aus den Interviews mit Ecker sowie den Paris-Aufnahmen jeweils nur kleine Stücke herauszuschneiden und für das Stück zu formatieren; ich arbeite mit der 88k-Frequenz, die später wieder heruntergerechnet werden muß, damit der Rundfunk auch senden kann. Es hat sich aber gezeigt, daß extrem hohe Abtastfrequenzen, die nachher auf etwas niedrigere herunterformatiert werden, weitaus bessere Klangergebnisse zeitigen, als wenn man gleich mit niedrigen Frequenzen arbeitet. Freilich geht das auf Speicherkapazitäten, was sich besonders am Laptop durch relativ lange Speicherzeiten bemerkbar macht. Auch hier gilt, was Inbal über nicht-Erstklasse-Orchestern sagte: Man erreicht dieselbe Qualität wie diese, aber es braucht mehr, bisweilen sehr viel mehr Zeit.
Des weiteren waren Geräusche zu produzieren, bzw. aus meinem Archiv zusammenzusuchen, uralte etwa, noch auf Cassette aufgenommen, aus Afrika; unabdingbar, daß jemand, der wie ich arbeitet, sorgsam sein Archiv pflegt. Jedenfalls wieder ein Hin und Her zwischen Laptop und Anlage, in diesem Fall speziell meinem nach wie vor grandiosen, in seiner Qualität wohl niemals wieder erreichten >>>> Nakamichi; daß ich mir seinerzeit, in meinen Börsenjahren, nicht etwa ein großes Auto, sondern eine Musikanlage gekauft habe, macht sich immer wieder bezahlt; es ist geradezu eine Grundlage meines Berufes geworden. Ich kann kaum ausdrücken, wie dankbar ich für meine damaligen Entscheidungen bin, die fast allewelt für querköpfig hielt.
Am dritten Tag stand die Rohmontage – wegen der technischen Probleme später als vorgehabt. Dennoch blieb ich im Zeitplan, denn was ich im Typoskript mir schon vorgestellt hatte, wurde nun klingende Wirklichkeit; ein kleiner Fremdkörper, den ich aber belassen werde, ist der kurze Exkurs auf Eckers >>>> dem Fahlmann vorhergegangenen Roman >>>> Madonna; rein akustisch macht er schon deshalb Spaß, weil ich darin in der Tat mit einem Stück Madonnas spiele, auf dem Broßmanns tiefe, hier sogar kehlige Stimme geradezu unverschämt klingt, anmaßend, wütig, erschreckend. Ecker selbst nennt diesen seinen Roman „ein Haßbuch“: dem war zu entsprechend. An anderen Stellen wiederum habe ich, der Parallelen halber, kleine Stücke aus meinem eigenen Parisbuch eingestreut, aus den >>>> Fenstern von Saint Chapelle also, und zum ersten Mal ein Hörstück-Selbstzitat eingebaut, nämlich, abermals einer ästhetischen Parallele halber, aus meinem 2002 für den Deutschlandfunk inszenierten Pynchon-Hörstück: ein, geb ich zu, Insider, da man das in den Archiven des Senders schlafende Stück einstweilen nicht nachhören kann. Vielleicht wird es eines Tages wiederholt und dann, wie >>>> das Neapel-Stück, auch ins Netz gestellt werden; immerhin >>>> können Sie es nachlesen, auch wenn dabei das Eigentliche, meine akustische Realisation, n i c h t erlebt werden kann. Wer Interesse an dem Stück-„selbst“ hat, möge sich bei mir melden.

Am Sonntag abend war ich „durch“. Jetzt galt es, das Stück auf verschiedenen Anlagen abzuhören, die von geringerer Qualität als die meine sind. Das ist wichtig, damit man eine Vorstellung davon bekommt, was die wahrscheinlich meisten Hörer der Sendung von der Montage überhaupt mitbekommen können; im Zweifelsfall muß nachher nochmal ein bißchen revidiert werden.

Mehr habe ich über die Produktion nicht mehr zu erzählen, bin nur gespannt, was Sie sagen werden, nachdem die sie, so hoffe ich, gehört haben werden. Der Sendetermin steht schon fest: 1. Mai 2014, 23.05 Uhr, WDR III. Er wird aber noch gesondert annonciert werden, auch in meiner Abwesenheit.
Guten Morgen.
>>>> Fahlmanns Welten 7
Fahlmanns Welten 5 <<<<
*******


Und jetzt wieder, aber sofort!, ans Lektorat.

(Wir kommen auf die Welt und gehen alle wieder, und in unsrer Lebenszeit kommen viele andre an, und viele gehen zwischendurch. Und alle, alle werden uns ins Nichtuns folgen, und ins Nichtich.)
*******

Fahlmanns Welten, Zweiter Produktionstag. PP127, 13. März 2014: Donnerstag. Fahlmanns Welten 5. (Darinnen, im Kommentar, ein Aberneues vom Zahnarzt).

(10.15 Uhr.)
Bis eben gebraucht, >>>> die Sprecheraufnahmen fertigzuschneiden. Zugleich habe ich das Stück dabei in Szenen unterteilt, in die jeweils noch die O-Töne des Gesprächs mit Ecker eingefügt werden müssen. Das werde ich allerdings schon bei der ersten Anlage der Montage tun, danach erst kommen >>>> die in Paris aufgenommenen Atmos dazu, wiederum danach die Geräusche usw. Erst, wenn dies alles steht, werde ich mich um die Musiken kümmern, fast völlig anders, als ich sonst arbeite.
Außerdem habe ich einige Einzeltakes aus der Aufnahmesituation, quasi Transzendenzen, zugeschnitten, solche, die sich gegen das „saubere“ Hörspiel stemmen, statt dessen Situatives (Räuspern, Zwischenrufe, Lachen usw.) bereitstellen, das ich mit einbauen will als jeweils Verweise auf den Entstehungsprozeß. Leider werde ich aber gleich unterbrechen müssen, weil um 11.15 Uhr ein rund einstündiger Zahnarztbesuch ansteht; wird nett werden: nächster Kunstzahn. Allmählich baue ich mich in einen Setzkasten um, >>>> nach den Augen mein nächster Schritt zum Cyborgism.

(Den Sport habe ich aus Zeitgründen ausfallen lassen; es war klüger, mich schon früh an das Hörstück zu setzen; wahrscheinlich werd ich es bis zum Sonntag so halten; allenfalls, daß ich abends zum Spätschwimmen gehe. Ab Montag wird die Löwin hiersein, für eine Woche, letztes Treffen vor der Großen Seereise. Da brauche ich etwas Zeit, um hier sauberzumachen. Schon deshalb will ich >>>> das Fahlmann-Hörstück spätestens in der Sonntagnacht fertig haben.)

P.S.: Ich bekomme derzeit einige Briefe. Wenn ich momentan nicht antworte, bitte dran denken, in was ich grade stecke:


Fahlmanns Welten, Szene 18:
Liturgie, als Chor gesprochen.

*******


>>>>>>> INTERMEZZO.


(12.46 Uhr.)
Und weiter an die Spree:
Platsch-Aufnahmen 1:


Ich weiß noch nicht, wie die Töne geworden sind, warf dicke Steine hinein, schnitt mit. Klang hohl, könnte passen. Aber mittags ist am Bodemuseum ein irrer Betrieb, und zwar auch auf dem Fluß. Es kostete Geduld, bis endlich mal kein Boot mehr kam und der Wind die Kinderstimmen von dem nahen Spielplatz in eine andre Richtung blies. Ich hör‘s mir jetzt mal an. Aber sehr wahrscheinlich werde ich nachts noch in den Tiergarten radeln, sowas um nach eins, damit drumrum nicht mehr viel Verkehr ist, und die Aufnahme am See wiederholen. Vielleicht hab ich Glück, und es quaken schon Frösche.

Und nun die erste Montage anlegen. Leider brummt meine Soundcard, eventuell muß ich eine neue kaufen. Ärgerlich. Ich hab an der einfachen Edirol UA3 sehr gehangen. Bislang hat sie immer beste Dienste geleistet. Aber sie ist nun auch schon alt.
*******
 



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