Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop

e   Marlboro. Prosastücke, Postskriptum Hannover 1981   Die Verwirrung des Gemüts. Roman, List München 1983    Die blutige Trauer des Buchhalters Michael Dolfinger. Lamento/Roman, Herodot Göttingen 1986; Ausgabe Zweiter Hand: Dielmann 2000   Die Orgelpfeifen von Flandern, Novelle, Dielmann Frankfurtmain 1993, dtv München 2001   Wolpertinger oder Das Blau. Roman, Dielmann Frankfurtmain 1993, dtv München 2000   Eine Sizilische Reise, Fantastischer Bericht, Diemann Frankfurtmain 1995, dtv München 1997   Der Arndt-Komplex. Novellen, Rowohlt Reinbek b. Hamburg 1997   Thetis. Anderswelt. Fantastischer Roman, Rowohlt Reinbek b. Hamburg 1998 (Erster Band der Anderswelt-Trilogie)   In New York. Manhattan Roman, Schöffling Frankfurtmain 2000   Buenos Aires. Anderswelt. Kybernetischer Roman, Berlin Verlag Berlin 2001 (Zweiter Band der Anderswelt-Trilogie)   Inzest oder Die Entstehung der Welt. Der Anfang eines Romanes in Briefen, zus. mit Barbara Bongartz, Schreibheft Essen 2002   Meere. Roman, Marebuch Hamburg 2003 (Verbotene Fassung)   Die Illusion ist das Fleisch auf den Dingen. Poetische Features, Elfenbein Berlin 2004   Die Niedertracht der Musik. Dreizehn Erzählungen, tisch7 Köln 2005   Dem Nahsten Orient/Très Proche Orient. Liebesgedichte, deutsch und französisch, Dielmann Frankfurtmain 2007    Meere. Roman, Letzte Fassung. Gesamtabdruck bei Volltext, Wien 2007.

Meere. Roman, „Persische Fassung“, Dielmann Frankfurtmain 2007    Aeolia.Gesang. Gedichtzyklus, mit den Stromboli-Bildern von Harald R. Gratz. Limitierte Auflage ohne ISBN, Galerie Jesse Bielefeld 2008   Kybernetischer Realismus. Heidelberger Vorlesungen, Manutius Heidelberg 2008   Der Engel Ordnungen. Gedichte. Dielmann Frankfurtmain 2009   Selzers Singen. Phantastische Geschichten, Kulturmaschinen Berlin 2010   Azreds Buch. Geschichten und Fiktionen, Kulturmaschinen Berlin 2010   Das bleibende Thier. Bamberger Elegien, Elfenbein Verlag Berlin 2011   Die Fenster von Sainte Chapelle. Reiseerzählung, Kulturmaschinen Berlin 2011   Kleine Theorie des Literarischen Bloggens. ETKBooks Bern 2011   Schöne Literatur muß grausam sein. Aufsätze und Reden I, Kulturmaschinen Berlin 2012   Isabella Maria Vergana. Erzählung. Verlag Die Dschungel in der Kindle-Edition Berlin 2013   Der Gräfenberg-Club. Sonderausgabe. Literaturquickie Hamburg 2013   Argo.Anderswelt. Epischer Roman, Elfenbein Berlin 2013 (Dritter Band der Anderswelt-Trilogie)   James Joyce: Giacomo Joyce. Mit den Übertragungen von Helmut Schulze und Alban Nikolai Herbst, etkBooks Bern 2013    Alban Nikolai Herbst: Traumschiff. Roman. mare 2015.
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BambergerElegien

Quatrième élégie de Bamberg. Französisch von Zazie & Pierre Petiot. ANH, La Bête qui reste. Bamberger Elegien (128).

Nous l'avons trouvé, mais nous n'avons pas pu le retenir et nous avons échoué.
Ça a pris notre tête dans ses mains et ça l'a embrassée. C'est resté longtemps. Mais ce qu'on a passe toujours dès qu'on l'a. Ça s'enfuit pour demeurer effectif comme : ce qui était. S'il en allait autrement, ça devrait courber la tête devant le quotidien et ça se perdrait. L'amour est trop grand pour les portes basses, mon aimée, il se tord, humilié, se traîne à genoux quand on le pousse, il ravale sa fierté. Mais ne le supporte pas.

Est-ce que nous nous sommes pas rendu compte de ce que nous faisions ? Combien de fois nous sommes-nous brossé les dents ensemble, avons nous dîné sans rien dire, les attentions étouffées comme un écho dans la farine, la noire pour le pain qui nourrit, mais émousse : le pain terne, le cœur émoussé. Et nous mastiquons comme ça. La facture d'électricité, le loyer, les égards quotidiens, les courses, les désirs mis de côté comme s'ils étaient déshonorants. Les chambres sont trop exigües, nous ressentons la perte mais taisons le malheur. Car exprimer ce malheur. serait une trahison qui le susciterait et l'attirerait pense-t-on. Et soudain, nous nous retrouvons étrangers à nous mêmes et étrangers l'un à l'autre. C'est là que tu es partie.



Bamberger-Elegien[>>>> D o r t Zazies und Petiots französischsprachiger Text ganz.]

BE 127 <<<<

Ans Leben. Bamberger Elegien (125). Die letzten Sätze der Endfassung.

[Dies ist zugleich der letzte Abschnitt,
der jemals von diesen Elegien in Der Dschungel
eingestellt sein wird. Alles weitere, nunmehr,
gehört alleine >>>> dem Buch.]


So regnitzsch Terrasse und Kies. Es wartet der Garten und unter den Brettern der Brunnen. Es blitzt das Daishō, daß ich müdlos jetzt aufsteh und geh, hochgeschlagenen Kragens zwar und meine Sachen verschlossen, doch daß ich glühe vor Unrecht. Und will. Mangel nur hab ich an Feigheit vorm Tod. Unesoterisch lebendig: das bin ich. Im Rucksack zwar Traurigkeit, aber voll Wille weiterzuzeugen, mit siebzig, achtzig noch, bis es mich umwirft. In Würde gefällt sein (Revolver, Freunde, gezogene Kabel). Zurück in den Kreislauf gegeben: die Haut und die Augen, die Knochen, die Adern, die Leber. Gehirn und das Herz. Meine Hoden. Ein Sarg schon, er wäre blasphemisch. Ein Stoffliches bleiben, zu Erde werden, verwandelt durch Metabolie. Umgegraben, Geliebte. Und aufgegangen, mein Sohn.


Bamberger-Elegien>>>> BE 126 (frz. Übersetzung von Prunier)
BE 124 <<<<
BE 1 <<<<

Bamberger Elegien (124). Aus der elften Elegie, Endfassung.

Nur warten so viele vergeblich und hörn nichts; Äonen allein in der Leere. Ungefähres streift manchmal von denen durch Nacht und die klammen Wälder der Straßen, laternenvorbei, an den Hauswänden aufwärts und kann sich nicht fangen. Verirrtes, metallenes Hallen, das irreal angstvoll ist, sinnloses Sehnen vor Leiblosigkeit, daß es wer löse und jemand herbeiruft. Mag sein, daß es das ist, was in Séancen das Medium vernimmt. Uns wiegt's sich meistens allein in dem Klang. Der Schauer geht daher und rührt uns. Er rinnt mit den unbegradigten Bächen. Aus Baumwipfeln weht er, steht in dem Fensterkreuz, sirrt vor der Wurzel metallener Masten, zu Füßen in Drähten, aus Fernsehgeräten, um Autos und Litfaßsäulen, in Fluren von brüchigen Villen. Die Treppen langen ins Gestern, zersplittert am schrill tätowierten Putz sozialer Brennpunktgebäude, als schluchzende Echos. Oder er fällt wie die Tropfen, die trauernd zu schwer warn, um Wolke zu bleiben: ein Regen, der senkrecht in Schluchten herabstürzt und weint, weil man nicht ist, daß man nicht wurde und wird niemals werden. Nun kommt es als Tränen zur Welt und wird Pfützen, auf denen die weitere Klage minutenlang pladdert. Doch wenigstens so werden die Nichtgeborenen irdisch. Als Schleier, die dicht, dunkelgewoben aus Nässe, die Erde und Straßen, die Häuser und Bäume mit uns und mit ihnen den Himmel verflechten. Noch nachher, sobald sie sich ausgeweint haben und, wie Gardinen vom Nachbarn, der mißtrauisch durchlugt, beiseitegelupft sind, verklingen sie weiter als Lichtbahnen abwärts stadtzu und schräg auf den Fluß und den Rasen des Gartens, auf Busch und auf Staude und Bänke, den Kies - dampfen vom Beet letzte Morendi der stegnah gestrichenen Lamentationes. Noch einmal das Becken, bevor nun, der Bogen entschwebt von den Saiten, sein Boden sich schließt, kurz an den Winter erinnern der Thüringer Weihnacht, das Scheetreiben vom Morgen tagsdrauf, als die Verwehung mich nachrutschend einschloß, schon jenseits der Erdtür: „Den Fahrausweis bitte...“

>>>> BE 125
BE 123 <<<<

Bamberger Elegien (123). Aus der zehnten Elegie, Fünfte Fassung.

Was sie, die großen, vergaßen, das halten die kleineren Städte noch fest, halten am Land fest, Perioden des Jahres und Tagen aus Frühling und mittags dem Sommer, der Nacht im Dezember. Das geht dahin mit dem bleibenden Tier, bis daß man uns selbst, genkybernetisch, durch Cyborgs substituiert hat: kosmetisch normiert, Artefakte, hygienisch und glatt, allzeit Bereite, der Menge als Ding geruchloser Körper zu sein. Replikanten stehn an, korrekt auf die Null und die Eins programmiert, stehen in Schlange, die Quote nicht macht, sondern ist und es will, daß man's sei. Ausgestattet mit Macht, die das Besondre verabscheut, kennt er, der Kommende, Ahnungen nicht, kennt nicht die Lust, die riskiert, sondern errechnet die Rente und mißt den Genuß an der Krankenversorgung. Kein Ausweichen ist; irre das Jaulen der Melder, entfernte sich einer, den Kopf aus der Longe gezogen, das Haar noch gesträubt, unzugerittener Hengst noch, nicht Wallach, und bricht aus der Koppel, solang nicht Maschinen Empfängnis besorgen. Das kommt bald, das ist schon: Vermehrungshygiene. Dem Übergriff endlich die Fresse polieren, und sei es mit AIDS. Samenspender, kontaktlos, die Väter bespermungstechnisch entvirt; bakteriologisch bedenklos die Mütter wie Kühe bestellt. Sind ja Retorten, die Utren, und Föten genetisch designt. Kein November, der graute. Die Sommer wolln nicht mehr scheiden. Wir sehen geshaped wie als neunzehn den Tod an; so mädchenhaft stehen die Brüste im Schnee ihrer Reife, gestylten Moorleichen gleichend im Altern der trocknenden Fraun. Plastinate Mumien, bemalt wie die schmuckvollen Deckel von Schmuck-Sarkophagen, sind sie zum Sterben schön gebliebne Schneewittchen.

>>>> BE 124
BE 122 <<<<

Bamberger Elegien (122). Aus der neunten Elegie, fünfte Fassung.

Offen die Tür zur Terrasse. Nichts, schrieb eine Frau, klingt mit geschlossenem Beckenboden. Sie schrieb's mit dem Cello zwischen den Beinen. Ich dachte erneut an Empfängnis, Geburten, den Tod. Dachte an Gier. Du lebtest, mein Sohn, ohne sie nicht, ohne Sekret nicht. Wie darf man's da abwehrn, das bleibende Tier? Wie es obszön nennen? Denn lästert die Löwin, die schrie, als sie der Löwe in Kenia, wir sahen vom Pickup aus zu, packte? Sie wandt sich, den Hinterleib sichtbar gehoben, unkeusch und fordernd. Sie schlug ihm die Krallen, und fauchte dazu, über die Nase. Bis daß er sie nahm, in ihrem Nacken verbissen, dann stieß er zu. Nichts pipettierte. Es grub. Sieht das noch wer, sieht er Kinder? Wie wenn Zärtlichkeit ursprünglich wäre, und Eisprung nicht Schöpfungsgewalt. Macht und Ergebung und Abwehr, aus diesem Begehr sind wir auch. Aber verwerfen es, wie wenn's uns schändet. Anstelle zu sagen: so sind wir dann, wenn wir vollkommen sind: Spucke und Votze und laut. Wollen ein Schwanz sein, nichts weiter, ein Trieb, der zurücktreibt, dunkeles Sais, dem wir die Schleimhäute heben. Ist das nicht genug, um zu wissen? Gewimmel der Spermatozoen. Seele wär das nicht auch wie das Ei, das sie ansaugt und sucht sich, wählt sich, den stärksten der Träger - ein Überträger auch er? Später das kackende Kind, der Geruch in den Windeln; der spitze Duft aus der Restmilch wär Seele nicht gleichfalls? Der Schauder, den wir, wenn unerregt, in der Geschlechtsnähe fühlen, was sagt er uns, den Besetzten, Besessenen, sind wir erregt? Daß das, was ekelt, Erregungen Quell intensivester Lust ist - hier wäre Seele denn nicht? Aber doch Anlaß der höchsten Inspirationen. Kein Buch, das es wert ist, Bild nicht, nicht Film, die sich nicht hieraus erhöben. Nicht Gott. Wie es das bleibende Tier tut mit Beute, die erst als Gerissene aufsteht, aufersteht, als Niedergerissene, Einverleibte, das Ich abgegeben, ganz weg unser Geist, wenn er ganz da ist, im Andren, vom Anderen, fremdpenetriert, schmerzvoll erleuchtet. So glüht's. Glühen ist immer enticht. Das nicht zu achten, wer sind wir? Zu meinen, wir wären erst Ich, wenn wir getrennt sind, monadisches Selbst, undurchdrungen. Durchdrungen erst sind wir. Wenn wir einander trinken, als äße einer vom andren, als kauten wir uns. Manche tun es. Haben sie Unrecht? Der Stoffwechsel wär nicht das Urbild jeder Verwandlung? Wir brauchten nicht einen Ritus der Physis und Durchlässigkeiten, unfester, fließender Stoffe, Altäre des Wechsels, religio?

>>>> BE 123
BE 121 <<<<

Bamberger Elegien (121). Aus der Achten Elegie, Fünfte Fassung. Frettchen, sie jagen am Dachstuhl.

Chemie ist sakral und die Physis, der Bios (fließ, Regnitz, fließe): organisches Regen, Orgasmen, Regresse. Heiliges Progesteron, das die Uterusschleimhaut aufschüttelt wie für den Kopf eines Liebsten, der herziehen möchte für die Empfängnis. Da­mit sie's bequem hat. Sagt: Niste dich ein, Ei, wo du auch her­kommst. So wächst es, und irgend ein Teil von Sizilien ist drin, das in spätren Jahrzehnten in Enna heraussteigt, dem fremden Touris­ten. Wie auch am Glienicker Park dieser See aus Erinn’rung ge­macht ist, die nicht die deine sein kann. Auch hier warst du nie, nicht in der Villa, nicht in dem Park. Doch ein Treppenhaus ahnt sich, Stiege, der Gummibaum, dort. Da die Tür, eine selig vertraute. Der Duft eines nahen Bohnerwachses ganz sicher nicht deiner Ge­schichte, aus Vorzeit und Vorhängen, gelb leuchtenden, bauschen­den in einem Wind, der dem Kind weht im Bettchen und der es nicht einschlafen läßt. Frettchen, sie jagen am Dachstuhl und jagen die Entchen, mit denen die Decke putzig bestickt ist. Bis eine Stim­me kommt, tröstend, bevor sie Gesicht wird, und hebt dich zu sich heraus. Wie auch das Röhricht ganz sicher nicht dir sirrt, fonte di Ciane, vergessen. Das Jungfernsilber des Sees blickt nicht für dich so. Es schaut aber in dich hinein, suchend, wie wenn du hättest schon deiner Befruchtung des andren Plazenta mitgebracht, die sich im hebenden Alter erst öffnet. Vorsichtig späht da was raus, rau­nend, so spricht es. Verfemtes Wort. Wiedergeburt aber geht so? Ist's embryoblaster Reflexrest neuronalen Bewußtseines, was in uns nachzuckt wie toter Aal in der Pfanne? Wir spüren‘s sich winden und halten den Deckel besser darauf. Schauernd vor Ahnung, be­schwörn wir Vernunft. Licht! rufen wir, und Demokratie. Wie wenn's das abschafft, was nicht in uns Ich ist. Als schwänd es, so­lang wir's verschweigen.

>>>> BE 122
BE 120 <<<<

Bamberger Elegien (120). Aus der siebten Elegie, fünfte Fassung.

Hab mich vom Schreibtisch erhoben, ich steh in der Tür. Rauchend betracht ich's. Physik und die Physiologie; Wunder, Christìn, sind sie nicht? Zwar ist die Wissenschaft Notwehr und Abwehr, Erklärung als Werkzeug, mit einem Knochen begann es, und dennoch, erschauern und staunen, das können wir trotzdem. Es gäbe sonst keine Musik, gäb nicht die menschliche Hoffart, die durchsetzt, was Alltag und Anbau nicht wollen; sich Fügen vernichtet's. Das Kindchenschema, wir wissen, es täuscht zu den Brauen der Abstand, und klein ist das Kinnchen und zärtlich; Statistiken haben wir drüber, und dennoch, wir sprechen zu recht von der Schönheit der Frauen, interpretieren sie, schaffen sie, ganz, und wir fühln sie. Daß ich nicht wegdenken kann! Von Strenge zu Wähnen, methodisch vagem, diffusem Gefühl, daß ein methodisch Gerechtes nicht sei, nur ein gutes Als-ob, willentlich imaginär, das uns heraushebt und singt, wie die Tiere nicht können. Weil's sich begreift. Städten verging das. Doch Bamberg hält daran fest. Zwar kennt es Zeit, nicht aber Zeiten, moderne, die Rom schon zu Stein für Eventzüge fror, lärmende, weißem aus Marmor, den Historismen, verklärende, cleanen. Bamberg hingegen ist still; Touristengedränge herrscht nur auf dem Brückchen am Wehr neben dem farbigen Rathausbaröckchen, wo's Eis leckt, entspannt zwischen der Bürger- und Bergstadt (wie Rom, heißt es, sie habe sieben Hügel). Sie gehen dann, aufsteigend, ein, aufgeleckt, eingeleckt in ihr, in sie, Stille des kleineren Roms, eingeatmet von mürben Mauern, den stehenden Orgien der Rosen, in Hecken, verwunschnen Gärtchen an leuchtenden Satteldächern. Hier meditiern konzentriert Katecheten in weiten Gebäuden machtloser Schönheit, in milden Gebäuden, bergan; Missionen, die nichts mehr wollen als schlafen, doch selbst in den Träumen noch streng sind. Deswegen ist hier kein Kitsch.

>>>> BE 121
BE 119 <<<<

Bamberger Elegien (119). Aus der sechsten Elegie, fünfte Fassung.

Denn braucht es, was wirkt, daß es wahr ist? Ist Freiheit selbst nicht Illusion? Ließ sie sich anders ertragen, Natur, ihr Unbedingtes, solang man nicht glaubt, selbst zu entscheiden, und folgt doch? Was läßt sie denn übrig vom Geist? Besser, wir schauen nicht hin. Solln vor der Physis hinab auf die Knie? Roboter tun so, Gerät, das Programmen gehorcht, aber doch wir nicht. Waschmaschinen, praktisch gebastelte, die! Tragisch erfüllt sich die Genesis >>>> technisch, in fremder techné, die es doch abwenden sollte, die Dinge für Dinge erschaffend, und immer Sturköpfe weiter, so lebhaft gewiß ist das Ich autonom. Bis wir mal ernstlich erkranken. Dann erst vertraun wir uns der Chemie an und rufen nach ihr, rufen sie an, fordern den Determinismus jetzt ein. Austauschbar sind die Organe; wir wolln sie dann austauschbar wissen. Wie hilflos das Selbst, unser vorgeblich freies. So lang es gesund in Funktion war. Danach werden Föten zu Formel und Nutzzeug. Wir nähren in Schalen Gene und Ei, Reproduktionsgut, steril archiviert. Gravidität wie bei Viehzucht. Kein Blick ist, kein Handschlag, was nicht Biologisches wäre, nicht Liebe, selbst Mutterliebe, enzymische, nicht, die vom Hormon kybernetisch organisiert ist. Kein Zufall noch Schuld. Schuldlos, so fallen die Blüten und tanzen im Herbstwind; der Fluß, schuldlos, er fließt unaufhaltsam dem Wehr zu, trägt die Geschicke, turbinen zershredderte neben des Steinmüllers Haus, zum Rathaus unter die schmalere Fußgängerbrücke, als Gischtkraft, in Strudeln, und weiter. Wie können wir hoffen, mehr als ein Bündel aus konditionierten Reflexen zu sein?

>>>> BE 120
BE 118 <<<<

Zum Vorabdruck der Dritten Elegie: Korrekturfahne. Bamberger Elegien (118).

Der Einfachheit halber d o c h eben schriftlich; bin bereits zurück, wenn Sie Nachfragen haben, entweder anrufen 0***-5**8*6* oder eine Mail schicken, so daß i c h anrufen kann.

Also:
  • Bitte >>>> den Text schmaler setzen, wie ich heute morgen schon schrieb, am besten um die Hälfte schmaler; sollte das Probleme machen, wenigstens um ein Drittel. Den Blocksatz so stellen, >>>> daß man merkt, es handelt sich nicht um einen Prosa-Fließtext.
  • Titel "Dritte Bamberger Elegie" ist viel zu fett und aufdringlich; mir wäre eine bescheidenere Titelei lieb. Aber möglicherweise wollen Sie wegen der Titel Einheitlichkeit; vielleicht insgesamt überlegen. Wirkt einfach seriöser anders.
  • Die Zueignung deutlich kleiner als den übrigen Text setzen (8 pt oder sowas).
  • S. 48, Abs 1, 5. Z. Ende: "sie" gesperrt setzen. (Bitte nur eine l e i c h t e Sperrung, es soll nur die Lese-Betonung steuern).
  • S. 48, Abs 1, 4. Zeile von unten: statt "Bläue, die Lockung, ist - Laune" bitte schreiben: "Bläue und Lockung sind Laune".
  • S. 48, Abs 2, 4. Zeile von unten: das "so" ist zu sehr gesperrt; leichtere Sperrung bitte.
  • - S. 49, Abs 1, 5. Zeile: "aber uns ausschloß": dieses "uns" (es ist das zweite in der Zeile) streichen.
  • S. 49, Abs 1, 5. Zeile: "Delphys" bitte kursiv.
  • S. 49, Abs 2, 2. Zeile von unten: "Wie wenig Ich!": Das "Wie" leicht sperren, bitte.
  • S. 51, Abs 2, 2. Zeile, erstes Wort: statt "währender" bitte schreiben "ihrer".
  • S. 52, Abs 1, Zeile 9 auf 10: "erfahren" bitte kursiv setzen.
  • S. 52, Rand links: Die Fußnote steht falsch, sie gehört nach S. 53, Abs 1, Z. 7 und 8. Bitte bei etwaig neuem Umbruch hier sehr aufpassen. Die Idee selber, die Fußnote an den Rand zu schreiben, ist allerdings vorzüglich. Kompliment.
  • S. 52, Abs 2, 3. Zeile: statt "sondern sie geben" bitte nur schreiben "sondern geben", das "sie" also streichen (es ist das zweite "sie" in der Zeile)
  • S. 53, Abs 1, 1. Zeile: "model" kursiv setzen (vorletztes Wort der Zeile).
  • S. 54, 1. Zeile: statt "eines Betenden" bitte schreiben "in der Betenden".
  • S. 54, letzte Zeile: Den ganzen letzten Satz streichen und allein durch "Wie Küster." ersetzen.
So, das ist es von meiner Seite. Ah ja, nein... Moment... die Bilder. Das Meerbild finde ich ein bißchen müßig, weil es einfach nur verdoppelt. Das Gesicht-Bild ist hingegen sehr schön. Ich weiß nicht, wie Sie insgesamt gestalten, aber ich würde das Meerbild ganz wegnehmen und am Anfang oder Ende das Gesicht-Bild drucken. Bitte aber n i c h t den Textlauf stören mit einem Bild.

Bin auf das Buch sehr gespannt, wann wird es dasein?

Herzlich

Ihr
ANH
www.albannikolaiherbst.de

>>>> BE 119
BE 117 <<<<


Bamberger Elegien (117). Aus der fünften Elegie, fünfte Fassung.

Das eingetrocknete Leibnest bricht unterm Absatz, und riesig die Augen vorm Selbstschreck geweitet, Verirrung von Gender, wie alle Correctness. Der abgetriebenen Föten nach Luft Schnappen vor Sehnsucht nach Müttern, die wollen. Ein Lied für die, denen der Kübel der erste und letzte Empfang war! So kußlos verschließt sich der Deckel überm Gewebe, selbst wenn es, das Herzchen, schon pochte. So tut der Geist es mit Kleinem fast immer, bevor es noch, daß es sich weiß, anfängt. Wer fände sich, wer, der nicht Frauenfeind hieße, welch nicht-Religiöser und Mann, die zu beklagen, die starben, bevor sie recht lebten? Verzweifelt ruft er. Die Tochter ruft er. Ihrer gar ist’s, ist die Stimme, jetzt neu, wieder und wieder, regnitzher hochwehend, über den Garten zur Mauer, zu mir? Wehe, so weht's, wehe, ich bin so für ewig hinweggekratzt worden! Du hörst du mich, Vater? Bin nur mehr ein Hauch, eimergeboren zurückentsorgt, Blutfetzchen war ich, Schleimblutungstochter, zersetzt mit dem anderen Abgang stille im Dunklen diskreter Nekrosen. Mein Wo? Frag nicht! Ich sag’s nicht. Ich habe für dich mein Tochter-Erbarmen. Wie wollte ich, Vater, und hofft' ich's: Tochter Dir sein! Autonomie? Sprechen wir davon? Wirft sie denn nicht, als wie die ungewollten Kinder, Liebe zum Kehricht wie ihnen voraus? Uneigentlich läßt sie uns werden und tauscht gegens Es, das es richtet, die Hinrichtung ein durch das Ich, feindlich den Pflanzen und feindlich dem allen, was immer Instinkt in uns war. Raub- und der Rückbau des amazonischen Urwalds der Ganglien: derart begradigen wir, und uns mit, und begraben und jubeln geschlechtsneutralen Befreiungen vor. Hörst du mich, Vater? Paar Blätter, sie stieben vom Kies hoch. Ein Anruf. Auch er nur ein Windlaut. „Wer ist da?“ Wir lauschen nervös. „Ist da wer?“ Wispriges Rauschen.

>>>> BE 118
BE 116 <<<<<

 



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