Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop

e   Marlboro. Prosastücke, Postskriptum Hannover 1981   Die Verwirrung des Gemüts. Roman, List München 1983    Die blutige Trauer des Buchhalters Michael Dolfinger. Lamento/Roman, Herodot Göttingen 1986; Ausgabe Zweiter Hand: Dielmann 2000   Die Orgelpfeifen von Flandern, Novelle, Dielmann Frankfurtmain 1993, dtv München 2001   Wolpertinger oder Das Blau. Roman, Dielmann Frankfurtmain 1993, dtv München 2000   Eine Sizilische Reise, Fantastischer Bericht, Diemann Frankfurtmain 1995, dtv München 1997   Der Arndt-Komplex. Novellen, Rowohlt Reinbek b. Hamburg 1997   Thetis. Anderswelt. Fantastischer Roman, Rowohlt Reinbek b. Hamburg 1998 (Erster Band der Anderswelt-Trilogie)   In New York. Manhattan Roman, Schöffling Frankfurtmain 2000   Buenos Aires. Anderswelt. Kybernetischer Roman, Berlin Verlag Berlin 2001 (Zweiter Band der Anderswelt-Trilogie)   Inzest oder Die Entstehung der Welt. Der Anfang eines Romanes in Briefen, zus. mit Barbara Bongartz, Schreibheft Essen 2002   Meere. Roman, Marebuch Hamburg 2003 (Bis Okt. 2017 verboten)   Die Illusion ist das Fleisch auf den Dingen. Poetische Features, Elfenbein Berlin 2004   Die Niedertracht der Musik. Dreizehn Erzählungen, tisch7 Köln 2005   Dem Nahsten Orient/Très Proche Orient. Liebesgedichte, deutsch und französisch, Dielmann Frankfurtmain 2007    Meere. Roman, Letzte Fassung. Gesamtabdruck bei Volltext, Wien 2007.

Meere. Roman, „Persische Fassung“, Dielmann Frankfurtmain 2007    Aeolia.Gesang. Gedichtzyklus, mit den Stromboli-Bildern von Harald R. Gratz. Limitierte Auflage ohne ISBN, Galerie Jesse Bielefeld 2008   Kybernetischer Realismus. Heidelberger Vorlesungen, Manutius Heidelberg 2008   Der Engel Ordnungen. Gedichte. Dielmann Frankfurtmain 2009   Selzers Singen. Phantastische Geschichten, Kulturmaschinen Berlin 2010   Azreds Buch. Geschichten und Fiktionen, Kulturmaschinen Berlin 2010   Das bleibende Thier. Bamberger Elegien, Elfenbein Verlag Berlin 2011   Die Fenster von Sainte Chapelle. Reiseerzählung, Kulturmaschinen Berlin 2011   Kleine Theorie des Literarischen Bloggens. ETKBooks Bern 2011   Schöne Literatur muß grausam sein. Aufsätze und Reden I, Kulturmaschinen Berlin 2012   Isabella Maria Vergana. Erzählung. Verlag Die Dschungel in der Kindle-Edition Berlin 2013   Der Gräfenberg-Club. Sonderausgabe. Literaturquickie Hamburg 2013   Argo.Anderswelt. Epischer Roman, Elfenbein Berlin 2013 (Dritter Band der Anderswelt-Trilogie)   James Joyce: Giacomo Joyce. Mit den Übertragungen von Helmut Schulze und Alban Nikolai Herbst, etkBooks Bern 2013    Alban Nikolai Herbst: Traumschiff. Roman. mare 2015.   Meere. Roman, Marebuch Hamburg 2003 (Seit Okt. 2017 wieder frei)
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Arbeitsjournal

Durcheinandrig. Das Arbeitsjournal des Dienstags, den 21. November 2017.


[Arbeitswohnung, 6.59 Uhr]

Kurz vor sechs hoch. Der Tag wird a bisserl kompliziert werden, weil meine Putzfrau kommt; die anderthalb Stunden, die sie auf mein Schreibzimmer verwendet, entfallen für die Arbeit. Also nutze ich sie für den Waschsalon. Die Putzfrau klingt, tritt ein, dann sofort hinradeln, Wäsche in die Maschinen, wahrscheinlich fünf, zurückradeln, erneut an den Schreibtisch, eine Stunde später wieder hin, dann die Trockner-Arien, schließlich die Wäsche provisorisch schon mal legen und falten und in den großen Rucksack stapeln und in der Hoffnung wieder zurück, daß die Putzfrau fertig ist. - Daß nachts oder morgen früh der Freund aus Warschau wieder zurückkommen wird, macht die Arbeits- und Putz„logistik” ebenfalls ein wenig schwierig, weil ich am nächsten Dienstag auf Reise gehe, er aber bis Dienstag hierbleiben will. Normalerweise hätte ich die Wascherei auf den Tag nach seiner Abreise legen mögen; auch, um hier wieder die mir so nötige Ordnung herzustellen. Sie wissen ja, Freundin, alles geschieht in einem einzigen und nicht sehr großen Zimmer, derweil ich zugleich unter Arbeitshochdruck stehe.

>>>> Elfenbein hat mir als Pdf die Thetis-Seiten der Frühjahrsvorschau geschickt; ich m u ß also bis Anfang Dezember mit der Überarbeitung fertig sein, zugleich endlich, für die Contessa, mit dem Protokoll der Tonbandaufzeichnung fertig werden; es sind jetzt noch 48 Minuten zu übertragen, für je zehn brauche ich rund eine Stunde.

Im >>>> Morgenecker heute ist der Regen ein Vorhang „von dieser beinahe leuchtenden Trübheit, die an die gläsernen Eingangstüren von Zahnarztpraxen gemahnt”; wenn er sich höbe, erschauten wir das Theater des Todes – und also regnet es, wie wenn wir stürben. Ach welche Hilflosigkeit drückt sich in dem Bereuen aus, „den Schirm im Auto gelassen zu haben”!
Eine kleine Novemberwirklichkeitserzählung, doch immerhin eine am Meer, an einem Hafen jedenfalls. Ein halbes Brötchen im Schnabel, fliegt eine Möve vorüber.

Doch auch ohne den Regen ist dort das Leben ein Trug:

Ostsee

Kaum Salz im Meer.
Von Eiszeit her
trügt dieser riesige See mit der See,
trügt mit der sandigen Bläue das Weiß
und mit Ägäis
Eis.


Von da:
Der Engel Ordnungen

>>>> Bestellen.

Die Adler fliegen durchs Arbeitsjournal des Montags, den 20. November 2017, in der Schatten „moniches”, und Kobolde tanzen dazu.


[Arbeitsjournal, 7.20 Uhr
Krähen krächzen unter dem Dach,
das keines Himmel jemals gewesen]

An, liebste Freundin, >>>Parallalie, soeben geschrieben und mit fast der Geschwindkeit des Lichtes gegen Novembers Lichtnot verschickt:
>>>> Toller Text Bruno Lampes heute morgen (also gestern nacht) - er hat mich sofort entzündet, so daß ich eben >>>> ein Kommentarchen schrieb, das Michele Malaise (was ein Name!) über Paul und Kleist auf einer Brücke Gottfried Kellers mittemang, wie der Berliner sagt, und auch die Berlinerin tut es, mit Der Dschungel verbindet, der schließlich Rudyard Kipling ihren Namen, jedenfalls Teilnamen, gab. Dabei sah ich, daß der amerinische Schulze >>>> mit Ibn Hamdîs sehr weit gedieh; ich weiß gar nicht, wie nun dort noch Anschluß finden. Vielleicht geht es darum aber auch gar nicht. Sondern Ideen drängen gleichwie in ihre Vollendung, die eben des Körpers bedarf als eines Objektes (!), und sei es ein Buch. Der reine Text ist bei Gott, also nicht, der Körper bei den Menschen (den Tieren, den Pflanzen, der Erde).
Ich bin und bleibe Pantheist. Die Urheberschaft ist beliebig. „Und da begriff ich es: Alles Sprechen oder Schreiben ist nur ein vergeblicher Versuch, eine Leere zu füllen, die unerschöpflich ist, der Versuch” - was jetzt folgt, ist der Titel >>>> Morgeneckers heute: - „einen See zuzuschaufeln, dessen Grund unausgelotet bleibt.”
Ein Pantheist wird notwendigerweise Sexist sein, auch weil er zwar vielleicht Götter, nicht aber EInen GOtt hat; so wurde auch Aragon >>>> die Stadt Paris zum Land und mancher Laden zum stehenden See, in dem sich die „Spazierstöcke sanft hin und her wie See­gras” wiegen:

Aragon Payson Rogner

Aus jeder Mietshauswandnische hör ich Kobolde wispern und das rhythmische Trapptrapp von hohen, hohen Elbenpumps, wenn, zu Villanellen, die Rundtänze einstudiert werden, auf die schließlich Entgrenzung folgt. Überall Schwänzchen, meine Güte, überall zuckende Mös‛chen: les grottes sont les moniches de l‛ombre, et j‛y jouis. So wieder Aragon, genau s o sah ich gestern, in einem Nachflug meines Vorgesterns Schweifens, eine glückhaft lüsterne Frau, die versank und auftauchte und wieder versank, es gab keinen Halt mehr außer den Händen, die sie hoben und drehten. Ah ihr Gesicht! (Es ist immer das Gesicht). Keine Lust ist als Erfüllung, wo nicht die ihre.
(...) c‛est la vie qui fait apparaître ici cette divinité poétique à coté de laquelle milles gents passeront sans rien voir, et qui, tout d‛un coup, devient sensible, et terriblement hantante, pour ceux qui l‛ont une fois maladroitment perçue. „... die sie dummerweise einmal wahrgenommen haben” und kosteten von dieser, Freundin, Mütter Kuchen. - „Mütter” ist eine Allegorie, geschlechtlich bis ins Mark und also ebenfalls sexistisch.

Wetterwechsel, mein Ofen stinkt; wahrscheinlich muß ich auch nur den blechernen Aschekasten leeren.
Soeben getan, 9.01 Uhr.
Der Himmel hißt die Sonne. Verhaltener Jubel des endlich gewordenen Tages.
Zweiter Latte macchiato.
Erster Morgencigarillo, bei dem es erstmal bleiben muß: Mein Vorrat hat sich erschöpft. So werde ich nachher hinaus -

- wenn der erste Arbeitsgang erfüllt ist. Die Contessa schrieb mir gestern zur Nacht: „Du gehörst zu mir. Das steht fest.” Und ich gehöre zu meiner Familie, zu लक्ष्मी, dem Sohn und den Zwillingskindern, gehöre desgleichen zur Löwin – und Ihnen, Freundin, gehöre ich auch. Unsere Vorstellung von, sagte ich gestern dem nun Warschauer Freund, einer Familie, einer Frau, einem Mann ist verderblich und falsch, weil monotheistisch zutiefst. Sollst keinen haben neben mir: Ach, verehrteste Freundin, was haben wir noch zu lernen!

Ihr
heute Pan

Orpheus und der Sirenengesang, den Kinski hörte wie er. Das Arbeitsjournal des Sonntags, den 19. November 2017. Mit Klaus Kinski.


[Arbeitswohnung, 9.59 Uhr
Der Ofen bollert, das Oberlicht steht auf:
Kühle, die in die Wärme zieht.]

Der gestrige Tag lief, Freundin, völlig aus dem Ruder. Geschafft habe ich quasi nichts und muß heute „nachholen”.
Es war einfach so, na ja, „einfach”... war so, daß der Unterleib ausbrach und mich durch den Tag trieb, was heißt: durchs Netz. Und fang ich damit einmal an, komm ich nicht mehr los. Einen „realen” „Ausweg” habe ich derzeit ja nicht, das Herz, wie Sie wissen, schlägt weit fern, zumal die Löwin, unterdessen, ihr Begehrnis mit jemandem anderes stillt - a n jemandem ist, denk ich, präziser.
Und Chats, diese imaginäre Onanie zu zweit? Die Zahl 62, bald 63, erlaubt sie nicht mehr oder macht sie doch zeitweise unerquicklich. Ich fiel aus dem Raster; das Netz ist unerbittlich. Mich jünger zu nennen, als ich‛s bin, dazu bin ich zu stolz. Es wäre schlichtweg Kapitulation.
So seh ich zurück, den Wunsch, noch einmal Vater zu werden, aufgegeben, und lebe in Beziehungen, die, wie fest und innig sie immer sind, an den Rändern flimmern – oder, ecco, flirren wie >>>> meine Poetik. Selbst schuld, also, sage ich mir und taumel unter Geistern.
Die ich rief und über die gestern Peter H. Gogolin >>>> Treffliches schrieb.

Und dann aber dieses Gedicht! Ja, Freundin, die zweite Kleine Poetik >>>> steht jetzt drin; ich hab doch gesagt, daß Sie Geduld haben müssen, mit einem wie mir ja sowieso. Doch als wär‛s noch nicht genug, dies tote Vögelein, spielt heut >>>> mein täglicher Morgenecker mit Wittgenstein herum: „Über die Jahre entsteht natürlich der Verdacht, daß der Block nichts enthält oder etwas ganz anderes, als die Legenden erzählen.” Das eigentliche Erbe ist eine diesmal sogar nur eine Dreiviertelseite kurze Erzählung, deren „Anleitung” nach ihrem Zusammenbau vernichtet zu werden habe, „verbrannt”, schreibt Ecker und ergänzt, es sei sogar so, daß sie, die Anleitung, nach ihrer, der Erzählung, Vollendung sich von selbst entzünde.
Hätte ich die Geschichte geschrieben(, hab ich aber nicht), hätte ich aufs Feuerbild verzichtet und wäre grausamer gewesen und diese Anleitung sich selbst s c h r e d d e r n lassen; das hätte in den Köpfen noch mehr Knicke gemacht, vor allem auf die Romantik verzichtet, die sich bei Ecker in Tonscherben, Rubinspindel und Silberhelix synthetisiert:

Ecker Andere Häfen (amazon)

Abends Freund Broßmann, wie aßen und aßen, dummerweise hatte er zwei schwere Rotweine mitgebracht. Für mich ist Rotwein nicht gut, ich brauche klare helle Gebirgsbachweine, sonst wird mein Kopf sehr schwer und fühlt sich, wenn ich morgens erwache, wie ein Pappkarton an, auf den man bumpernd einklopft. Das ist nicht schön.
Wir aßen und sprachen. Und wieder warn wir bei Frauen.
Ich erzählte ihm von meiner Pornossee (Pornos See) & Odyssographie, den Äolsböen, den Circes, die mich zum Wildschein verwandeln, und von all den Sirenen, gegen die ich das Wachs nicht kenne... denn die Wahrheit ist, daß ich Musik nur deshalb so besessen höre, so lautstark, weil sie ihr, der Sirenen, Gesang übertönt und ich doch gleichzeitig weiß, daß sie, die Musik, sein eigentlicher Ausdruck ist. In den Pornos allerdings ist sie nur seltenst zu ertragen: Sie singt da einfach falsch. Stell ich aber den Ton ab, hör ich die Sirenen wieder und bin nun doppelt verloren.
Um den Druck loszuwerden, den nun aber i c h besinge, muß ich genau das auch tun, und zwar in dem ich ihm Form geb: gestalteten Inhalt. - Nein, Freundin, k e i n e Sublimation! Es ist vielmehr Verwandlung.

Übrigens war der Freund ganz froh, mich wieder getrieben zu finden. „Du und ohne sinnliches Erleben... das wirkt auf mich befremdlich, ja unangenehm.” So oder ähnlich drückte er‛s aus und verzehrte - als Nachtisch . fast einen kompletten Camembert, aß auch das Schälchen Guarcamole noch leer und fast die ganze Trüffelwurst auf. Dazu dieser Rotwein, die beiden Flaschen waren schnell innen trocken, ich holte Weißwein aus dem Kühlschrank.
Jetzt sind nur zwei Cigarillos noch da. So war mir der Unterleib erst in den Magen, dann in die Lunge gestiegen, und endlich,, als Rauch, stieß ich ihn aus.

Jetzt werd ich, Freundin, wieder Geist, genötigterweise.Komm! amoktoller Mohn!
Komm! lustbesautes Bett!
Ich bin dein letzter fortgepeitschter Sohn!
Komm! beiß mir in den Mund!
Komm! wildes Farbentrinken!
Komm! fiebre mich gesund!


Klaus Kinski,>>>> Orient
Kinski Fieber

Hab im Dünenschutt der Stunden. Kleine Poetiken (2): Uwe Dick.


Hab im Dünenschutt der Stunden
Einen Vogelleib gefunden,
und das Köpfchen, augenleer,
abgetrennt, lag nebenher.
Schau mich, Mädchen, nicht so an,
weil ich’s nicht ertragen kann.
Manchmal kommen einem Gedichte von einer restlos unheimlichen, weil höchst grausamen Naivität unter: Auch der Charakter manches Volksliedes trägt sie, vieles Märchenhafte Des-Knaben-Wunderhorn oder deren Mischung wie in Des Knaben Wunderhorn... einfachkecke Reime oft, die gleichermaßen schnippisch wie arglos selbst auf die Monstrosität von Augenleere reimen, ja im launigen Tanzschritt, der auf den Fußspitzen mindestens trippelt, und immer geht es mit einer so überraschenden, wie einfachen Findung einher oder mit einem Begebnis: Ich habe einen Vogelleib gefunden, ein totes Körperchen, das lag vor meinem Fuß. Und als ich mich bückte, war es nur ein Torso, der filigrane Kopf war abgeschnitten und hatte keine Augen.
Es ist diese unbedingte materielle Gegenwart des Todes, was die Eingangsformulierung „Dünenschutt der Stunden“ nicht als den abstrakten Lyrismus erleben läßt, der er eigentlich wäre, sondern sie zu der lebendigen Metapher einer leisen, phlegmatischen Einsamkeit macht. Stundenlang bist du durch die Dünen gestrichen: verwehte Hügel, auf denen allenfalls etwas Ginstriges wächst und trocknes Gras wie Stroh. Die Dünen wandern den Stunden nach, als wären sie, diese wie jene, Schutt.
Eines Tages werden sie‛s sein.
War ich zu zweit? War ich allein?
Ich weiß es nicht mehr, weiß nicht mehr, wem ich’s gesagt hab, dies „Schau mich, Mädchen, nicht so an“. Wahrscheinlich sind wir miteinander geschritten und wußten nicht, was und o b es denn würde. Ein jedes in seinen Gedanken, die zueinander wollten, es nicht konnten, vielleicht es nicht durften. Erst der kleine tote Vogel hat unsere Finger ineinander verschränkt.
Stumm standen wir da und sahn auf diesen Leib hinab, für den der Tod Katastrophe gewesen, erbarmungslos, verstümmelnd, aber für uns gemildert in menschliches Maß: Weil er so klein war, ließ sich ihm begegnen. Selbstverständlich ein Trug. Doch jetzt, jetzt konnt’ ich dich ansehen, zumal... plötzlich... dein Blick!
Die Maden sah ich, eine zehntelsekundenschnelle Vision, den spitzen starken Schnabel, der in die Augäpfel hackte: einmal zweimal – und wieder. Erst des Gedichtes Messer schnitt den Halsansatz vom Vogelrumpf.
Blatt und Heft finden sich in einem Zyklus, der bescheiden „Ansichtskarten aus Wales“ heißt und von einem auf das absichtsvollste vergessenen Dichter stammt, der allerdings noch lebt... und wie! Mit seinen Geschichten, Gedichten und Pamphleten reist er unermüdlich herum, um all jenen die Leviten zu lesen, die ihn ebenso unermüdlich aus den Literaturbetrieblichkeiten löschen. Kaum ist noch der Name >>>> Uwe Dicks bekannt... aber stöbern Sie ein wenig in den Antiquariaten. Wenn Ihnen die „Sauwaldprosa“ unterkommt oder das „Echo des Fundamentschritts“, dann... - ja dann, Freundinnen, Freunde, zögern Sie nicht... Amazon, seh ich grad, ist er >>>> noch einen Cent wert.
Ach Mädchen, was war’s, das ich in deinen Augen sah?!
Und was sahst du in den meinen?
Hab im Dünenschutt der Stunden
Einen Vogelleib gefunden,
und das Köpfchen, augenleer,
abgetrennt, lag nebenher.
Schau mich, Mädchen, nicht so an,
weil ich’s nicht ertragen kann.

Dick Echo des Fundamentschritts

Uwe Dick
Das Echo des Fundamentschritts
Dichtungen 1968 – 1980
Wilhelm Heyne Verlag, München 1981
Kleine Poetiken 1 <<<<

Der Pickel zur Akne. Das Arbeitsjournal des Sonnabends, den 18. November 2017, widmet sich der Schönheit einmal m e h r.


[Arbeitswohnung, 7.05 Uhr
Erster Latte macchiato, eCigarre]

Hat sich gestern schnell gelöst, mein Musikcomputer-Audioproblem. Irgendetwas - (:weshalb dieses Wort zusammengeschrieben wird, kapiere ich bis heute nicht) - hatte die Software, wohl besonders den Treiber, meiner externen Soundcard zerschossen; kurzfristig fiel auch mein wohnungsinternes Netzwerk aus. Hilfe schufen ein Update des Betriebssystems, die Deinstallation der Treiber„reste” und Installation einer zu der Soundcard gehörenden ganz neuen Firmware, na jà: eine relativ neuen, da die Card selbst keine wirklich neue ist.
Ich gebe, Freundin, zu, versucht (gewesen) zu sein, meine TASCAM durch eine professionellere von Edirol auszutauschen; die Kosten wären momentan aufzubringen, ja imgrunde müßte ich fürs Finanzamt eigens welche schaffen. Nun gut, bis Ende Dezember ist dafür noch Zeit.
Das Problem zu lösen, ging so unerwartet schnell, daß auch die weiteren Arbeitsvorhaben wie am Schnürchen flutschten. Nun ist für die Contessa nur noch knapp mehr als eine Stunde Tonprotokoll zu übertragen, und mit der Durchsicht von >>>> Thetis nähere ich mich der Hälfte: 426 der 895 Buchseiten sind geschafft – Sie erinnern sich: >>>> Elfenbein will im Dezember setzen, damit zum Frühjahr kommenden Jahres die Zweite - dannmehr (: statt „nunmehr”) neu durchgesehene - Auflage im Buchhandel vorliegen kann. Es gibt, hörte ich, bereits Vorbestellungen. Ebenfalls dann wird die Neuausgabe der - (hà!): ebenfalls ebenfalls - vergriffenen Aeolia bei >>>> Arco da sein.
Insoweit, Freundin, Kontinuität. Immerhin.
Auch für die vielen noch nicht als Buch erschienenen Gedichte gibt es ein Licht, und zwar diesseits meines Jenseitsimpulses, sie „einfach” selbst und dann unter einem Untertitel zu verlegen, der gleichermaßen ironisch wie aggressiv die Vorbehalte gegen sie bezeichnet: „Unmoderne Gedichte” oder mit Bezug auf Nietzsche „Unzeitgemäße Gedichte”, was aber gerade des Bezuges wegen zurechtgeschönt wäre. Beim Titel selbst allerdings soll es bleiben:

Derelvelieder

Auf den ersten Blick zu ungewöhnlich vielleicht, möchte ich von einer Bindestrichlösung absehen, die ich fast immer als unelegant erlebe, also „Derelve-Lieder”; möglich wäre allerdings die Andersweltlösung: „Derelve.Lieder” - eine ähnliche Bewegung, die auch für meinen kleinen New-York-Roman vollzogen wurde, dessen Untertitel, nämlich die Gattungsbezeichnung, den Spielort in sich mit hineinnahm: „Manhatten Roman”. Das wiederum kam von Aragon her: >>>> „Théatre/Roman”:

Aragon Théatre-Roman

Er freilich zog die Gattung hinauf in den Titel; „In New York” spiegelt es quasi nach unten.

„Nach unten”:
Ästhetik, letztlich, d.h. erstlich die >>>> Lehre von der Oberfläche, wird zur Reise in die Tiefen. Höhlen und Schächte (metaphorische Bilder des Unbewußten) als Spiegel und zugleich Widerparte des Schönen, das aber nicht nur, dies mit Adorno, im Ausgesparten bleibt – er nennt es das Negative –, sondern entgegen der moralischen Nachkriegsdoktrinen sich auch tatsächlich zeigt.
Nur ist Wohlklang nicht Wohlklang, der Kitsch nicht Kunst, wiewohl sie einen Anteil des Kitsches auch haben muß. Sonst zieht sie an den Herzen vorüber und wird ihrerseits pur Ratio, so daß der Kitsch nun erst recht, weil ein Vakuum entstand, in die Herzen hineinzieht. Zugleich machte dann Kunst die patriarchale Bewegung fort von der Erde in einen „reinen” Geist mit, der auf der Lebensfeindlichkeit fußt (Sexualfeindlichkeit, Feindlichkeit gegen Natur usw. - mitsamt allen ökologischen Folgen, gegen deren Unheil wir uns – oder viele von uns – seit nun schon Jahrzehnten wenden). - Kunst, nein, ist nicht notwendigerweise politisch, aber ihre Strukturen und Gestaltungsprinzipien sind es, und insofern sie‛s sind, muß sie – durchaus in auch religiösem Sinn – Erscheinung sein (womit wir, Freundin, wieder beim Wortursprung wären: αἴσθησις), doch t a k t i s c h zugleich, ja strategisch. Kunst ist Kampf genau wie Verführung.

Zweiter Latte macchiato, Cigarillo, 8.16 Uhr.

Schriftstellerdarsteller, soso, liebste Freundin, >>>> nennen sie mich, manche meiner Gegner. So daß man sie berechtigt Feinde nennen muß, wiewohl ich nichts anderes tat, als in einigem anderer Meinung zu sein, also als sie, und dies auch zu vertreten. Man kann mich nicht vereinnahmen, weder von „links” noch von „rechts”, noch von der „Mitte”; nämlich deshalb der Vorwurf. „Schriftstellerdarsteller” sagt, daß ich gar keiner sei, sondern nur „so tue”, als ob ich es wäre. Angesichts meiner Bücher ist er absurd, ja bizarr.
Dennoch, er wirkt. Alleine darum schmerzt er mich, wurmt mich, und weil dem so ist und sie, die Gegner, es spüren, stechen sie nach, wann immer sich Gelegenheit findet. Dabei werden die Bücher vom Tisch gewischt, wie auch Die Dschungel, wann immer mächtigerseits von Blogs die Rede ist, so gut wie gar nicht erwähnt wird, geschweige, daß ich eingeladen würde. Zur Ignoranz gehört die Verleugnung wie der Pickel zur Akne.
Daß jemand freies Denken fordert und nicht nur das – es sich gestattet, ist nach wie vor Skandal, schon gar, wenn er sich so auch verhält, skeptisch gegen Moden, skeptisch gegenüber dem Mainstream, skeptisch gegenüber der Entkörperung, skeptisch gegenüber „gender”-Ideologemen, skeptisch gegenüber dem verleugneten Eros – und darum, gegenüber jeder Häme auf Schönheit, ein Jünger der Schönheit.
Angesichts der Schrecken der Welt dürfe Kunst nicht mehr schön sein, so der moralisch geschwungene Hammer. Doch wie?! Die häßliche Kunst verdoppele nicht, also vermehre nur den Schrecken? O Teufelshörner der Mimesis!
Wohl wahr, daß das Schöne nicht gut und das Gute nicht wahr, diese Erkenntnis sitzt tief schon bei Goethe, und also sollte gerettet sein „das edle Glied / Der Geisterwelt vom Bösen”; besser drum weg mit dem Kleist an den Wannsee. Der Penthesilea Schönheit, Küsse, Bisse, daß sich das reimt, es war nicht zu ertragen. Ist's meinen Gegnern immer noch nicht.
„Ist die Erkenntnis einer drohenden Gefahr”, heißt es heute >>>> im Morgenecker, „unabwendbare Gewißheit geworden, muß dem Schrecken kaltblütig entgegengetreten werden”, so daß schließlich, als Ecker und Frau seine Eltern besuchen, ihre Schwiegereltern also, der Garten hinterm Haus von lauter in der Erde befestigten Kisten bedeckt ist, auf jeder derer eine Sonnenuhr liegt. „Zu Hause angekommen, schrieb ich diese Geschichte. Ich werde sie Vater nicht zeigen. Und ich will und werde nie wieder eine Geschichte schreiben, denn Geschichten sind Kisten, weiß ich nun, die man über Stellen stülpt, die niemals ein anderer betreten darf.”
Was mich nun direkt auf meine heutige Kleine Poetik bringt, die ich im Lauf des Tages einstellen werde. Wenn‛s soweit ist, sage ich Ihnen bescheid. Bringen Sie, Freundin, für mich die Geduld auf, die ich auch für Sie habe, und die Zuversicht, die mich Ihnen zuträgt:

Ihr ANH

P.S., 10.36 Uhr
Ich habe eingeheizt, liebste Freundin:Einheizen 2017

Nun ward‛s auch mir zu kühl. Und meine strenge stille Muse, den Wolpertinger auf dem Schoß, hat ihren Winterplatz neu eingenommen, denn auf dem Ofen weiter | wär nicht gut sitzen mehr.
Muse mit Wolpertinger

An Frau Venus, Hörselberg Thüringen, Belle Étage. Das Arbeitsjournal des Freitags, den 17. November 2017. Mit Giuseppe Sinopoli.


[Arbeitswohnung, 10.29 Uhr]
Gestern abend, Freundin,

brach am Musikcomputer das gesamte Audio zusammen; wahrscheinlich hat ein Treiber was abgekriegt, ohne daß ich aber wüßte, wovon und weshalb. Damit muß ich mich heute morgen beschäftigen. Da der Freund nach Warschau aufbrach, hektisch, habe ich vier Tage Ruhe; weshalb er es tat, erzähle ich nicht.
Dann eben, ich hocke schon an dem Audioproblem (immerhin geht das interne Netzwerk wieder, das gestern nacht ebenfalls gesponnen hat), meldete sich die Contessa und bat um die Idee für ein Logo; für was, sag ich hier öffentlich auch nicht, schon weil sie abergläubisch ist, und ich bin‛s also mit ihr.
Literarische Arbeit wahrscheinlich erst wieder nach mittags

während mein >>>> Morgeneckermann uns eine Erzählung unterschiebt, die in Wahrheit eine Rezension ist, nur daß sie mit dem irren Satz endet, er habe die Folgebände der Trilogie nicht gelesen. - Verstehen Sie, Freundin, das Problem in dem Satz? Nur daß schon die Familie des ersten Bandes, also von dreien, in einer Gemüseabteilung „biwakiert (…), die sich nach allen Seiten bis zum Horizont erstreckt”, und es in dem Kaufhaus schließlich zugeht fast wie in Nach Centaurus A, dem Intermezzo in >>>> Thetis. Allerdings ist die Generationenfolge nicht gar so biblisch; es werden überhaupt „Kataloge” vermieden, statt dessen nicht mehr zu unterscheiden ist, ob Rotten wilder Tiere oder Waren die Heldenfamilie bedrohen, die im dritten Band bereits eine Sippe ist. Und alles das auf 1 ¾ Seiten:


Sei man in dem einen Genie, so schrieb ich eben der Contessa, dann in dem anderen a u c h – und fügte derart allerbescheidenst hinzu, daß ich's „demütig” besser hätte genannt, es stamme der Satz nicht von mir, sondern von dem Jahrhundertdirigenten Giuseppe Sinopoli. Er hat ihn 1986 in einem Interview nach seinem Bayreuther Debüt gesagt.

Ihr

Tannhäuser

(der in den >>>> Hörselberg aber wieder hineinwill)

Zusammenhangsdurchstoßung. Das Arbeitsjournal des Donnerstags, den 16. November 2017, das von den Geschlechtern der Dichtungen spricht.


[Arbeitswohnung, 7.50 Uhr]

Es wurde gestern, Freundin, nicht gar so spät, spät ward es halt aber doch. So kam ich um halb sieben erst hoch. Der Freund möcht‛ seinen Aufenthalt noch um eine Woche verlängern; da ich, wie Sie gut, ach so gut wissen, nur ein einziges Zimmer habe, bedeutet sein Entschluß, daß ich weiterhin meinen gewohnten Arbeitsabläufen nicht strikt genug nachkommen kann, um nicht ein schlechtes Gewissen zu haben. Nur ein Zimmer mehr, und es wäre anders; er schläft ja hier auf dem am Boden vor dem Mitteltisch aufgeschlagenen Vulkanlager; stehe ich in der Frühe auf und schalte das Licht an, weck ich ihn mit – erst recht, wenn ich für den Latte macchiato das Küchenlicht angehen lasse. Es fällt ihm dann voll aufs Gesicht. Ist er aber wach, dann wird halt gesprochen, während ich in meinen Gedanken still verfangen bleiben will und, um mich auf die Gleise meiner Arbeitspläne zu schieben, auch muß, und um dann schwungvoll loszurollen. Manchmal schwingt auch ein Traum nach, der sich als Pforte nutzen ließe oder gar eine ganze neue Erzählung eröffnet. Wenn Sie da noch drin sind und sagen aber selbst nur: „Ich brauche noch einen Moment für mich”, ist er weg.
Andererseits, wieviele Millionen Menschen leben genau so, anderswo? Unser „westlicher” Anspruch auf Raum ist gegenüber ihnen von enormem Luxus, ja Anspruch ist Ansprüchlichkeit – zumal ich mein gestriges Pensum tatsächlich übererfüllt habe, sogar mit der Thetis-Überarbeitung liege ich wieder im Zeitschnitt. Also ging ich sehr beruhigt in den Abend, wir aßen, wir tranken, wir lasen vor, es war schon in den Nächten zuvor die Idee eines neuen Buches durch den Humus gebrochen, und das Pflänzchen hat schon immer mehr Blätter bekommen. Eine Reihe dieser Texte war über die fiktionäre Website zugänglich, quasi meinem öffentlichen Archiv; die wurde nun aber vom Netz genommen, weil der Hoster aufgab. Für Sie, liebste Freundin, ist das nun alles verloren. Deshalb werde ich die Texte nach und nach hier einstellen, und dann eben wird es, wie‛s aussieht, auch ein Buch davon geben. Der Freund ist ganz berauscht von ihnen. Kleine Poetiken möchte ich‛s nennen – ganz wie die Sendereihe hieß, die ich seinerzeit für den NDR konzipiert hatte und auch füllte. Und heute also, fünfzehn Jahre später, >>>> dort die erste dieser kabinettstückhaften poetischen, sagen wir, Betrachtungen.

Die Berauschung des Freundes tut mir gut, und so ist‛s auch gut, daß er hierbleibt – nicht nur, weil sie mich selbst sammelt, sondern weil auch zusammenkommt, was in den Äther verdampfte. Wobei ich zugleich höchst ambivalent bin. Denn die Betonung meines Vermögens, über andere Dichterinnen und Dichter zu sprechen, legt sich, fühle ich, wie ein Schleier über mein eigenes Werk, auch wenn der Freund behauptet, diese Fähigkeit sei selten und nur bei denen zu finden, die ihrer Dichtung sicher sind. Das ist ein schöner Satz – ob wahr aber, bleibt dahingestellt. Tatsächlich ist es, dieses Vermögen, der Ausdruck einer Penetration, der erotischen Wahrnehmung nämlich, böse gesagt: abermals eines Sexismus, also des meinen, der in das Fremde eindringt und es, so oder so, überwältigt.
Benns Wort der Zusammenhangsdurchstoßung fällt mir sofort ein. Der harte Begriff ist völlig am Platz, auch wenn Verführung ein schönerer wäre, nur daß sie meinen Leser:innen geschieht, nicht der Dichtung. Sie wird, ob ich in sie eindringen dürfe, gar nicht gefragt. Der Zauber, der dann leuchtet, ist die Verschmelzung ihres Eies mit meinem Samen; auch er, der Zauber, fragt nicht. Selbst wenn mich die fremde Dichtung nicht will, empfangen tut sie d o c h.
Heikle Gedanken, Freundin, in einer heiklen Zeit. Denn ganz ohne Frage protokollieren die Berichte der ob faktisch genötigten, ob „nur” belästigten Frauen – der neue STERN gibt >>>> #metoo dreizehn (!) erschütternde Seiten – eine unerträgliche Verfaßtheit von Männern und einen so ekelhaften, machtbesessenen, über-, bisweilen im Wortsinn, -griffigen, nämlich betatschenden Dünkel, daß ich mich schämen muß, diesem Geschlecht anzugehören. Der, in der Tat, ist nicht zu ertragen.
Dennoch läßt sich Geschlecht nicht verleugnen; egal in welchen Rahmen: Ich nehme erotisch wahr. Auch erotisch, selbstverständlich, doch soll ich dieses, die Wahrheit, verschweigen, beginne ich, moralisch zu verdrängen und steck‛ schon im Sumpf der Doppelmoral. „Nein ist ein Nein” ist falsch. Es kann eines sein, selbstverständlich, kann aber auch „Jain” sein und sogar „Ja”. Was es ist oder sein wird, läßt sich nicht normativ bestimmen, sondern allein im Geschlechtsspiel, das allerdings den Regeln der Höflichkeit, des Stils und der gegenseitigen Achtung folgen muß. Sonst ist es kein Spiel mehr, kein lustvoller Kampf der Geschlechter, sondern ein asymmetrischer Krieg, den bislang all jene asymmetrisch führten, die sowieso schon die Kriegsgewalt hatten. Für Zwischentöne, wie Schnitzler sie nannte, gibt es bei diesen Männern keinen Platz, doch auch in den Regulationen nicht mehr, die den Unerträglichkeiten abhelfen sollen. In dieser Dialektik stecken wir fest, jedenfalls derzeit. „Im Hotelzimmer”, heißt es >>>> heute bei Ecker, „zog ich die Vorhänge zu, legte mich etwa eine halbe Stunde ins Bett und danach, erfrischt von dem Schläfchen, machte ich mich daran, das Mobiliar zu zertrümmern.
Sofort war ich geheilt.”

ANH

Sehnsuchtslied - oder „... die ganze Nacht, und lauschte”. Das Arbeitsjournal des Mittwochs, den 15. November 2017.


[Arbeitswohnung, 6.52 Uhr]
Eckers heutiger>>>> Morgentext lebt von einem einzigen Bild – und davon, wie sich die Familie in es ergibt. Stellen Sie sich, Freundin, vor, Ihre Wohnung sei von einem in jedem Zimmer wie Dampf, doch zähen Schaum von Boden bis Decke und bis in jede Ecke komplett aufgefüllt; reglos umschließt und bedeckt er alles. Sie können zwar hinein und hindurchgehen, auch atmen, sofern Sie vor Nase und Mund eine Hand fächeln lassen. Doch ganz ohne Einfluß auf Ihr Gemüt ist es nicht, schon weil Sie nicht weiter sehen können als bei sehr dichtem Nebel. Offenbar dämpft die Substanz auch Geräusche und Klänge; deshalb ist die Musik nur wie aus einer gleichsam anderen Dimension zu vernehmen, die der heimgekehrte Vater vermittels der Fernbedienung eingeschaltet hat, nachdem er sich unmittelbar auf die Treppenstufen direkt vor der Wohnung zu seiner dort schon harrenden Familie gesetzt hat. Man kann nicht einmal sagen, daß sie ausharren würde. Was geschah, wird hingenommen wie ein Wetterwechsel, über den sich vielleicht etwas seufzen, den man aber nicht ändern kann. Vielleicht wird die Substanz nunmehr bleiben, vielleicht auch, nachdem ihr ein wenig langweilig ward, wieder gehen. >>>> Insch‛allah.

Der Freund blieb gestern den ganzen Tag, quasi, fort, jedenfalls ab Mittags, war, um zu helfen, zur Geliebten geeilt, hatte sich vorher noch mit >>>> meiner Impresaria getroffen, mit der er befreundet, kehrte nachts erst, da schlief ich schon, in sein interimes Nachhause zurück. So kam ich heute einerseits wieder um sechs hoch, verscheuchte aber, andererseits, den Freund, weil es hier ja nur ein einziges Zimmer gibt, von den Nutzräumchen abgesehen, er sowieso, was ich seit etwa halb fünf in meinerseits nicht ruhigem Schlafen mitbekam, sich schon alle Zeit auf dem von mir für ihn vorbereiteten Vulkanlager wälzte, auch immer wieder stöhnend, als stemmte er sich gegen eine Last. Jedenfalls war ihm auch sogleich nach Sprechen, worauf ich nicht antwortete oder nur gelegentlich, „ich brauche morgens einfach meine Gedanken”, so daß er dann mit aufstand und zu seinen Eltern aufbrach, bei denen er hier in Berlin ein Zimmer. Derweilen ich den Morgen und die wartende Arbeit besann, auch immer wieder an Triest denken mußte, wohin ich am 28. reisen werde, um mir den liegengebliebenen Roman zu vergegenwärtigen, all >>>> die antwortlosen Briefe dorthin, an die fünfhundert Buchseiten werden‛s schon sein.
Und wie um mich an sie konkret zu erinnern, fand ich gestern – als ich meine kleine Poetik zu Uwe Dick suchte, die tatsächlich nicht als Datei vorliegt und die ich aber in den staubigen Bergen alter Typoskripte mit anderen solcher Poetiken aufstöbern konnte; wie gut, daß ich nie etwas weggeworfen habe; selbst die Briefe, die ich mit sechzehn oder siebzehn tippte, sind alle noch da, oft als Durchschläge, für die es damals sogar ein eigenes, ein sehr dünnes Papier gab: Durchschlagpapier; zwischen Originalbrief und dieses wurde ein sogenannte Kohlepapier gelegt – – fand ich gestern zwei Prosastücke, an die ich überhaupt keine Erinnerung mehr gehabt hatte. Eines werde ich gleich >>>> in Die Dschungel eingestellt haben, sandte es aber erst einmal an meine Lektorin, einfach weil ich sie t e i l e n wollte. Wobei er in Der Dschungel schon schon steht, nämlich >>>> im Arbeitsjournal eines, vor sechs Jahren nämlich, sechsten Oktobers. - „... suche einen Text über Uwe Dick, finde nicht den, aber Prosastücke, an die ich nicht einmal mehr eine Erinnerung hatte; fast schockhaft, sie zu lesen”, schrieb ich ihr. „Eines muß ich Dir sofort vorlesen (…, ...) aber vielleicht geht es ja nur mir so: etwas von mir selbst, aber Fremdes so sehr, daß es fast schon Kristall ist.”
Dieses Kristallene hat auch der zweite Text, den ich abends noch hinterherschickte, nachdem Elvira auf den ersten reagiert und meinen Eindruck bestätigt hatte. Bei dem zweiten vermag ich nicht einmal zu erfassen, ob er denn abgeschlossen sei. (Wie ich >>>> dort jetzt sehe, steht auch er in Der Dschungel bereits. Nunmehr werde ich ihn in die zu überarbeitenden Erzählungen für >>>> Septime übernehmen – wie als ein Etwas, das ich selbst - das mein Selbst - nie geschrieben. Sondern das sich mir schrieb.)

Den ganzen Tag über war ich von dieser Fremdheit mehr als bedrückt und habe keine Ahnung, wie viele solcher Stücke n o c h sich finden, finden, finden werden,

muß aber mit der Contessa-Arbeit vorankommen; ich sitze noch immer an der schriftlichen Übertragung des Tonprotokolls. Immerhin bin ich mit zwei Stunden vierzig jetzt „über den Berg”. Thetis hingegen blieb liegen; die Aufteilung halb/halb will nicht klappen, schon gar nicht eine Dreierteilung, wenn ich die Überarbeitung der Erzählungen a u c h noch vorantreiben will. Dadurch, daß der Freund heute bis zum Abend unterwegs sein wird, habe ich allerdings Luft.

Auf dem kleinen Grab des Meerschweinchens unterm Baum des drübigen Hinterhofes blieb eine Kerze stehen; ihr Leuchten drang durch einen Stern. Die Kinder lernten (sahen, spürten), daß man die erste Erde mit der Hand auf das Dahingegangene gibt, nicht etwa vermittels einer Schaufel; man behält auch nicht die Handschuhe an. Berührung mit der Erde, Haut zu Erde zu Haut.
Dann standen die Zwillingskinder vor uns, wir drei Erwachsenen hinter ihnen. Da legte der Bruder den Arm um die Schwester. Still und den Hut in den Händen sah ich die beiden Rücken an.
„Und wenn einer von uns vorher geht?” Für Zwillinge ein ganz besonders unfaßbarer Gedanke. Er hatte die zwei die ganze Nacht durch, erzählte mir लक्ष्मी, beschäftigt. „Wir kommen allein, wir gehen allein”, hat meine Mutter bisweilen gesagt. „Alles übrige sind Provisorien auf Zeit.” Sie, anders als ich, hat zu Illusionen niemals tendiert. >>>> V ö l l i g anders als ich.
Aber, Freundin, das wissen Sie ja. Alleine einzuschlafen, nüchtern, ohne also Ihre Wärme verschmolzen mit meiner, wie sollte das gehen? Wer schliefe denn dann - oder gar, daß er träumte?
Daß ich vom Bett nicht rollte,
nicht vom Moos! Ich lag am Hang
die ganze Nacht und lauschte
auf Deinen Schlaf und tauschte
in jeder Körperdrehung bang,
gleich, ob der meinen oder Deinen,
den meinen dankbar für ihn ein.

ANH

Bruno ‡ . Das Arbeitsjournal des Dienstags, den 14. November 2017


[Arbeitswohnung, 9.43 Uhr
(Die „Sondersitiuation”, die eben auch das späte
Aufstehen, erklärt wie begründet, habe ich ins
>>>> DTs geschrieben)]

Tränen, Freundin,

viele Tränen gestern, Kindertränen – Kinderwut aber auch, der Zwillingsbuben, der die Ärztin anschrie: „Sie Mörderin! Und lassen sich für den Mord noch bezahlen..!” Womit er aus der Praxis stürmte und sämtliche Türen schlug. Nur daß er a u c h noch rief: „Gebt mir doch auch eine Spritze!”
Das Zwillingsmädchen war in ihren Tränen gefaßter, in denen es schwamm. Rief mich frühmittags nassen gebrochenen Stimmchens an: „Kannst du bitte kommen?” Die Mama war mit dem Bruder zu einem Elterngespräch in die Schule geladen.
Morgens hatte Bruno in seinem Hauserl gelegen und war nicht vorgekommen. Als das Mädchen ihn herausholte und ganz vorne vor die Tür legte, rührte er sich nicht. Sein Bruder, Flecki, starrte ihn mal an, mal lief er hektisch hin und her.
Die Ärztin sah keine Möglichkeit, hatte das Tier, das nicht aß und nicht trank, über den ganzen Vormittag in einem Wärmezelt. Die Zwillinge waren gleich nach der Schule noch einmal hingeeilt, da konnte die Ärztin noch nichts sagen. Dann rief sie an.
„Flecki hat nicht einmal mehr Abschied nehmen können, er hätte doch wenigstens dabeisein müssen!” So der Junge wieder, bevor er auch daheim aus dem Zimmer stürzte und Türen schlug. „Ich bin schuld, ich bin schuld!”
Es brauchte Ruhe, geduldiges Sprechen auch über das, was der Tod sei, um ihn leidlich zu formen, wieder – vor allem darüber, was es bedeute zu trauern.
Die Mama stumm, immer wieder liefen ihr die Tränen. Da ging das trauernde Mädchen zu ihr, umfaßt ihre Hüften und – tröstete. Ein unglaubliches Bild: daß wir Linderung finden, wenn wir sie einer anderen, einem anderen geben.
Wenn ein Haustier stirbt. Wenn von den Kindern, um es psychoanalytisch zu sagen, ein Übergangsobjekt hinfortgeht. Wohin geht es? Und die uralte Frage, was ist die Seele.
Heute nachmittag werden wir das kleine Tier beerdigen, im Hinterhof unter dem Baum, in den vor zwei Wochen der Blitz fuhr. Er hat sich gespalten in einen, der noch steht, und einen, der jetzt wie ein Dach quer über dem gesamten Areal liegt, aber lebt, weiterlebt: ein neues Zuhause für Hunderte Spatzen, die sich fast sogleich eingefunden haben. Sie können jetzt von den Fenstern der einen Wohnung schräg hinüber zu denen der andere spazieren. Wobei, wenn sie nicht flattern, hüpfen sie mehr: kleine knappe Sprünge, jeder ein Schritt.
Unter dem Baum ruhen bereits eine Eidechse, ein Skink und noch eine Eidechse. Sie alle haben auf dem kleinen Balkon der Wohnung gelebt, die auch den Meerschweinchen Heim war. Flecki wird einen neuen Gefährten bekommen, „doch”, sagte ich zu dem Buben, „laß auch ihm die Trauerzeit.”
Er trauerte tatsächlich, ich hätte das nicht geglaubt, suchte die Nähe der Menschen, barg seinen Kopf an ihrem Bauch und... anders kann ich es nicht ausdrücken, weinpiepste unentwegt. Anders als uns sind ihm, das Leid aus den Augen zu spülen, keine Tränen.

*

Auch bei >>>> Christopher Ecker stirbt heute wer, indes nach einem Unfall. Die Frau ist schon tot, der Erzähler liegt auf dem Bett im Notfallwagen. Der Bernhardiner – es ist ein Sanitäter – spricht ihm zu und erzählt von fünf oder sechs Wegen jenseits der Schwärze. Für einen von denen müsse man sich entscheiden, nur daß der Erzähler nicht versteht, was er meint. „Es war, wie wenn man fliehen will und sich die Füße nicht vom Boden heben.” Sie seien, diese Wege, nur noch nicht begehbar, erklärt der Bernhardiner, sondern erst dann, wenn man sich hinter der Schwärze befinde, „als ginge ein lang vergessener Plan in Erfüllung”.

*

So sprachen und lasen uns vor der Freund und ich bis abermals vier Uhr; im Sommer wäre es da schon hell geworden.
Erst las ich Manfred Hausmann vor:
Ob mein Blick auf dein Gesicht
noch so lange niedersieht,
das Geheimste sieht er nicht,
das in dir geschieht.
Später, nach vielen vielen weiteren seiner Gedichte und nach >>>> meiner Erzählung über unsere Begegnung - des schon sehr alten Dichters und meine , der da noch gar keiner war - las ich aus >>>> Der Engel Ordnungen:

Der Engel Ordnungen

Und dann erzählte ich von den Dichterinnen und Dichter, die mich geprägt, suchte erfolglos meine Ausgabe der Gedichte Uwe Dicks, irgendwo zwischen den Buchstapeln, denn im Lyrikregal, wo sie hingehört, steht sie nicht mehr, und er, der Freund, erzählte von seinen Dichtern, und der Abend, der Spätabend, die Nacht wurden selbst immer dichter. Bis ich schließlich noch mein >>>> Hörstück zu Daniela Danz uns anhören, es uns erlauschen ließ, und er, der Freund, der von Frau Danz noch niemals etwas gelesen, sank, in Wogen Glückes ohnedies, ins Wörtermeer des Glücks.

Dieses, Freundin, mochte ich Ihnen, nachdem ich anfangs vom Traurigsein schrieb, endlich ganz ebenso schreiben

und endlich unendlich nimmt Sie in den Arm, Freundin, Ersehnte, Sie Fernesoferne... - :

ANH

Von insch‛allahner Ergebenheit. Das Arbeitsjournal des Montags, den 13. November 2017. Mit Faber und der Mode.


[Arbeitswohnung, 10.22 Uhr]
Momentan, liebste Freundin,

laufen meine Arbeitspläne ziemlich aus dem Gerück. Der Freund, bevor er am Donnerstag abreisen wird, übernachtet immer hier, was zur Folge hat, daß wir nachts noch stundenlange Gespräche führen, so auch gestern nach dem Fest bei US. Da waren wir überhaupt erst gegen halb zwei Uhr nachts zurück und lagen nicht vor kurz vor vier – mit der Folge, daß ich, der Freund war da bereits neu unterwegs, einen halben Ruhetag einlegen mußte, den ich, mich wieder hingelegt, mit Figaros Hochzeit verbrachte und irgendwann nicht mehr wußte, was geträumte und was „reale” Musik war. Mittags riß ich mich dann zusammen und setzte mich zumindest an die Contessa-Arbeit, mit der ich auch tatsächlich gut vorankam.
Mir dann einen Sugo nero di seppia bereitete, ihn für mich allein, doch mit Penne gegessen, dazu ich >>>> Hydra, einen in Dortmunds Rechtsradikalenmilieu spielenden, aber auch unabhängig davon hochpolitischen Tatort, nämlich mit Peter Faber sah, mit dem ich mich, stellte schon einmal die Löwin im Gespräch fest, „gehörig identifiziere”, auch wenn meine eigenen soziopathischen Züge eine nicht ganz so starke Ausprägung haben und meine Konfektionswahl schon prinzipiell anderen Grundsätzen folgt. Ich bin halt, modisch gesehen, Aristokrat.
Das hängt mir schlimmer an als >>>> dem Herrn Hartmann Götz George.
Morgens nämlich noch hatten der Freund und ich über die problematische Stellung gesprochen, die ich, ganz offenbar auch und vielleicht sogar vor allem des „Ribbentrops” wegen, in diesem vermaledeiten Betrieb habe; die meisten Menschen, denen ich davon erzähle, glauben es anfangs nicht; oft braucht es dreivier Jahre, bis sie mitbekommen, daß ich keineswegs wahnhafte Befürchtungen hege. Jedenfalls las ich ihm die Erfahrungen >>>> Gogolins vor (man muß sie sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen), von denen er >>> vor zweieinhalb Jahren ziemlich konkret in Der Dschungel schrieb. Es ist ganz gut, sich dies als Beleg bewußt zu machen. „Insofern”, sagte ich dem Freund, „ist es für jeden gerade kleinen Verlag ein wirkliches Sicherheitsrisiko, sich auf meine Arbeit einzulassen, gerade wenn die Kapitalkraft nicht da ist, Durststrecken durchzustehen”, insofern es auf die Bücher-”tatsächlich” eben nicht ankommt, es einfach wurscht ist, ob sie gut oder schlecht sind. Sie werden erst gar nicht gelesen. Man will sie nicht, weil man mich nicht will; jede(r) andere hätte mit ihnen längst reüssiert, wäre auch und gerade mit Der Dschungel längst im Kanon.
Immerhin quält mich dieser leidige Umstand nicht mehr. Statt dessen – wie am Sonnabendabend auf dem Fest in einer Diskussion über Sexismus – begreife ich, daß er mir die Freiheit gibt, Positionen zu vertreten, die nicht unbedingt piecie sind, und sie auch hart zu vertreten, selbstbewußt und stolz: auf Akzeptanz aus, nicht auf Gefallen.
Jedenfalls war Fabers scharfe Durchdringungskraft eben nicht nur kriminalistischer Fragestellungen gerade erst damit fertig geworden, alle um ihn herum vor den Kopf zu stoßen, als der Freund zurückkam; ich hatte noch nicht mal mein Gedeck abgewaschen. Und erneut sprachen wir bis in nächtlichste Nacht. So daß abermals nicht daran zu denken war, um sechs in der Frühe aufzustehen, sondern ich um halb neun meinen Kater treten mußte, damit er mit mir aus dem Bett kam. Besonders tierfreundlich war das nicht.
Und hinke jetzt bereits selbst meinem modifizierten DTs hinterher. Das bedeutet aber nicht, auch meinen täglichen Ecker aufzugeben.
Diesmal („Der Schacht”) führt er uns in sein, des Erzählers, Inneres, führt uns sogar „ein”, zusammen mit Metermaßen und Apfelbutzen (: was ein schönes Wort ist, übrigens), mit Papiertaschentüchern und Besenstielen, die alle in ihm auf eine Ewigkeit verschwinden, die der Unendlichkeit des Weltalls entspricht. Ewigkeit, so begreifen wir, ist die zeitliche Seite des Unendlichen, ihr zeitlicher Ausdruck, wie eben Unendlichkeit der räumliche Ausdruck von Ewigkeit ist. Daß die Körperstelle, da diese beiden sich auftun, eine pikante ist, tut imgrunde nichts zur Sache, sondern entspricht jener kalauernden Abwehr, die, solang wir‛s noch können, dem Fürchterlichsten widersteht, es zumindest bannt. Es ist die insch‛allahne Ergebenheit, eine, möchte ich sagen, melancholische Stoik, was uns am Leben hält; Ecker selbst spricht von „melancholischer Nachdenklichkeit”:


So auch die Liebe, übrigens. Alle Erfüllung ist bedingt - ganz wie die Wahrheit, die aufschießt, und schon ist sie fort. Und wenn ich bei Walter Benjamin nun schon mal bin, kann ich, liebste Freundin, diesen Brief auch mit einem Zitat* von ihm abschließen:
In den Gebieten, mit denen wir es zu tun haben, gibt es Erkenntnis nur blitzhaft. Der Text ist der langanhaltende Donner.
 



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