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Arbeitsjournal
7.06 Uhr:
[Arbeitswohnung.] Strandbar Mitte, Montag abendAn sich hatte ich bereits zum Schwimmen gehen wollen: Laufpause heute. Nun aber doch keine Laufpause, und geschwommen wird erst morgen. Als ich um Viertel vor sechs am Schreibtisch saß, war so viel elektronische Post zu beantworten, daß ich mich festgeschrieben habe. Seit gestern sitze ich wieder an der Planung der Argo-Lesungen Herbst/Winter 2013/14; da tauchen dann reiselogistische Probleme auf, die gelöst sein wollen. Also kam ich auch nicht an das Neapel-Hörstück, zumal gestern, nachdem ich in den knappen 30 Grad Celsius zehn Kilometer gelaufen war und auch das Krafttraining absolviert hatte, mein Kreislauf Ruhe wollte. Überdies ging mir eine Absage schwer nach, auf die ich nicht wußte, ob und wie reagieren; beschäftigte mich seit vorgestern abend quasi unentwegt. So schrieb ich dann einen heiklen Brief und hatte für Neapel den Kopf in keiner Weise frei.
Jetzt verschiebt sich alles um einen Tag; auch dringendst!! gewaschen werden muß. Werd ich jetzt ebenfalls morgen erst tun. Wichtig wäre, in die Imaginationswelt hinein- und zurückzufinden, die das Neapelstück bedeutet; ich wollte ja, daß das bis zum 27., wenn ich für eine Woche davonfliegen werde (wohin, das verrate ich Ihnen noch nicht, aber: Serengeti), wenigstens mit dem Entwurf fertig sein.
Dann bekommt man mit, daß man Bewunderer hat, die sich aber öffentlich nicht „outen“, indessen die Gegner nicht zögern, es zu tun, und auch die nötigen Medien haben. In diesem Geweb irrt man ein bißchen verloren herum, versucht, es zu fassen, hineinzufassen, aber das einzige, was einem wirklich gelingt, ist, klebrige Fingerspitzen zu bekommen, ohne die Spinnen auch nur gesehen zu haben. Man ahnt allenfalls, wo sie lauern. Indem ich mich aber um die Organisation der Lesungen kümmerte, einfach praktische Arbeit erledigte, konnte ich immerhin meine dunkle Stimmungsgrundierung vom Tisch wischen. Und, wie die Löwin es trefflich ausdrückte: „Man hat auf jeden Fall seinen Körper im Griff.“
Abends mit der Familie im Pratergarten; es hatte morgens Zeugnisse gegeben; ein passables bis gutes unseres Großen, je ein hübsches erstes für die Zwillingskindlein; darauf wollten wir, alkoholfrei nun auch die Mama des Nests, anstoßen. Man glaubt nicht, wie wenig man eigentlich essen muß, nein, umgekehrt: wie viel man normalerweise in sich hineinstopft, das der Körper gar nicht braucht. Diese Erkenntnis wird jeden Tag schlagender. Ich guck jetzt immer auf die Packungen nach der Kalorienzahl und bin perplex, daß ich nicht längst schon so fett wie Sagichnicht bin. Allein mein Schokoladekonsum hätt mich für einen Sumoringer prädestinieren müssen. Daß das immer so „abging“, ist ein Wunder.
Also heute noch mal laufen, dann morgen die vom Morgenschwimmen ausgefüllte Pause.
Und an Neapel jetzt.
Heute abend dann, zwei Tage vor der Mittsommernacht, der >>>> Aschemond:
albannikolaiherbst - Mittwoch, 19. Juni 2013, 07:36- Rubrik: Arbeitsjournal
9.25 Uhr:
[ICE FFM-Berlin.]
Das nenn' ich ein Glück: Heute morgen kam die Nachricht, der von mir gebuchte Zug nach Berlin falle aus, bzw. gehe nur bis Fulda; danach überschwemmungshalber allerlei Umgesteigerei zwischen und bis Hannover, kein Halt in Spandau usw. Also entschied ich mich, „untenherum“ zu fahren, also den ICE über Leipzig zu nehmen. Aber als ich am Hauptbahnhof ankam, punktgenau, kann man sagen, hatte die Deutsche Bahn bereits wieder umdisponiert. Jetzt geht der Zug bis Fulda und fährt von dort aus ohne einen weiteren Halt bis Berlin durch. Besser kann's für mich gar nicht gehen, also in solch einem quasi-Sprinter zu sitzen; möglicherweise werde ich nun wieder sehr viel früher am Berliner Schreibtisch sitzen als erwartet; zumal habe ich hier im Zug ein Abteil mit freier Tischfläche. 
Feines Seminar in Lüneburg gestern; sechs Studenten, bissi knapp besucht also, aber gute intensive Arbeit deshalb möglich, vor allem ein freies Gespräch über Verschulung und aber die „eigentliche“ Idee von Universität: Schlüssel für Falltüren, unter denen sich Welten befinden. Usw. Dann mit dem Taxi zum Bahnhof; nur wenig verspätet der Zug nach Hannover, dort gleich Anschluß, um fünf Minuten nach 20 Uhr war ich in Frankfurtmain und mußte sechs Minuten aus die UBahn warten, in denen mich >>>> Oberländer anrief, wie lang ich noch brauchte. - Man wartete dei fünfzehn Minuten noch, dann ging Eva Demski nach vorn und las eine nach dem Stricknadelprinzip gewählte Ulysses-Stelle:  Ihr folgte Oberländer mit einem feinen Auszug aus dem Nausikaa-Part, der in der Tat ausgezeichnet zum folgenden Giacomo Joyce paßte:  Daniel Jurjew, der nunmehr Reicherts Übersetzung vortrug, hastete ein bißchen sehr durch den Text, dessen lyrische Weiten deshalb in keiner Weise deutlich wurden. Also holte ich, als ich mit >>>> Schulzes und meinen Übertragungen aufs Podium getreten war, etwas aus und erzählte, worum es in diesen frühen Notaten eigentlich gehe. Dann las ich alternierend nur fünf Stellen des Buches, je im Original und je den beiden deutschen Versionen; teils das Englische zwischen das Deutsche gestellt, teils ihm voran. Ich ließ mir viel Zeit gerade für die Deklamation. Leukert hat mitgeschnitten; sowie ich das Tonfile habe, werde ich's Ihnen, wahrscheinlich über Youtube - verfügbar machen; dafür wird’s dann in Der Dschungel einen stehenden Link geben. Ich denke, daß das auch in >>>> Abendscheins Interesse liegt. Vielleicht aber werde ich Schulze selbst, wenn ich ab Mitte Juli wieder in Amelia sein werde, seine Passagen sprechen lassen und das dann, einkopiert in den Lesungsmitschnitt, einstellen. Mal sehen.
Jetzt geht es erstmal wieder ans Neapelstück, das ich nun mit Kraft vorantreiben muß, zumal ich ab morgen abend wegen >>>> des Festivals jeden Tag in der Oper sein werde – hübsch für das Sporttraining: allabendlich zwanzig Kilometern Radfahren zu meinem täglichen Laufen hinzu. Gestern setzte ich allerdings aus; ich hätte es zeitlich nicht untergebracht. Sündigte auch, trank zwar nach wie vor keinen Alkohol, aber aß mit Sahne angemachten Salat, Salami, fetten Käse und Brot. Das muß heut wieder weggelaufen werden; mal sehn, was nachher die Waage anzeigt.
So. Nach >>>> Neapel.

albannikolaiherbst - Montag, 17. Juni 2013, 10:13- Rubrik: Arbeitsjournal
8.20 Uhr:
[Bispinger Heidekate.]
Stelle grad die Kritik zur Mittwochs->>>> Fanciulla fertig. Sowie sie eingestellt ist, geb ich Ihnen bescheid.
Danach wird noch einmal durch diese herrliche Landschaft gelaufen, dann geht’s unter die Dusche und nach Lüneburg weiter.
Guten Morgen.
Aus der Heide 1 <<<<
(Ein Lieblingsschlager meiner Kindheit, Text von Hermann Heidelöns:
„Rose Marie, Rose Marie,
sie-hi-ben Jahre mein Herz nach Dir schrie.
Rose Marie, Rose Marie,
aber Du hörtest es nie.
Jedwede Nacht, jedwede Nacht,
Hat mir im Traume dein Bild zugelacht,
Kam dann der Tag, kam dann der Tag,
Wieder alleine ich lag.
Jetzt bin ich alt, jetzt bin ich alt,
Aber mein Herz ist noch immer nicht kalt,
Schläft wohl schon bald, schläft wohl schon bald,
Doch bis zuletzt es noch hallt:
(Und wieder:) Rose Marie....“
Erst einige Jahre später kam ich auf die spöttische Verdrehung „Im Wald und auf der Hei-ei-di/da habe ich mein Gau-hau-di...“.)
9.34 Uhr:
So, die Kritik >>>> steht drin. Jetzt hinaus ins Land.
23.35 Uhr:
[Lüneburg, Hotel Rote Rosen.]
Soeben von Essen und Vorbereitungsgespräch mit >>>> Stang http://www.stang-pr.de zurück; Salat, Hähnchenbruststreifen darüber; auf der Gasse gesessen. Die Stadt ist außer Rand und, soweit bei Norddeutschen möglich, auch Band: das alljährliche Stadtfest mit Rummelplatz, sogar einem Riesenrad, Massen durchlaufender Leute, grölendem Rock vom Bühnenwagen; ansonsten alles geputzt. Man sitzt da ganz gern mittendrin, aber nach einer Woche würde man rammdösig werden von all dem selbst von den Gebäuden internalisierten UnserDorfSollSchönerWerden; ich selbst würde nicht nur rammdösig, sondern binnen eines halben Jahres in der Geschlossenen Abteilung der nächsten Klapse landen.
Das „Hotel“ Rote Rosen ist ein Asia-halb-Imbiß-halb-Sushia; die Gastzimmer befinden sich in einem Nachbarhäuschen, das außen noch nach Fachwerk aussieht, innen aber komplett totrenoviert worden ist. Als ich ankam, war alles verschlossen, aufs Klingeln reagierte niemand. Ich mußte, Göttinseidank war draußen eine Telefonnummer angeschlagen, erst durchrufen, bis mir eine junge, nicht aus Gründen der Intelligenz völlig überforderte Frau öffnete, sondern weil sie schlichtweg keine Lust hatte. Mein Zimmer dann ist eng, hat ein Bett, einen Nachttisch, Ende. Es gibt keine Seife, und der Einbauschrank weiß nicht, daß irgendwann einmal Kleiderbügel erfunden wurden. Immerhin, ein Handtuch lag am Fußende des Bettes. Ich empfand das als eine deutlich zivilisierte Geste, die sich aber nicht ausbauen läßt, weil das Zimmer kein Telefon kennt – wahrscheinlich, um auf keinen Fall irgend einen Gedanken an Service Raum gewinnen zu lassen. Wiewohl der Voucher etwas anderes sagt, gebe es auch kein Frühstück. Dieses ganze Nichts für 65 Euro, was eine ziemliche Unverschämtheit ist. Wenn Sie also einmal nach Lüneburg kommen, dann meiden Sie dieses Haus. Da hinwiederum ich es gewöhnt bin, in Zelten zu schlafen oder auch schon mal unter Freiem Himmel, arrangier ich mich; 's ist eh nur eine Nacht. (Über WLan sprech ich nicht, weil ich ja meinen Stick hab, der vorzüglich funktioniert).
Immerhin, mit Anstrengung brachte die junge asienstämmige Frau es heraus, daß sie „dann eben runterkomme“ morgen früh um halb acht, wenn ich denn unbedingt einen Kaffee haben müsse – nein, direkt so hat sie das nicht gesagt, aber mir doch zu verstehen gegeben. Hätte ich auf sieben Uhr bestanden oder solch hühnerfrühe Zeit auch nur auszusprechen gewagt, hätt ich heut nacht rächende Ninjas gewärtigen müssen. Also werde ich jetzt noch eine Stunde lesen, oder zwei, um zu verhindern, daß ich allzu früh wach bin. Um acht, nach diesem Kaffee, den ich hier allein noch aus Trotzbewußtsein trinken werde, werd ich gleich in Stangs Hotel losziehen und dort dann frühstücken – immerhin bis zum Bloomsday-Abend die einzige Mahlzeit des Tages; hoffentlich hat man Haferflocken. Knapp fünfzehn Kilometer gelaufen heute.
Genießen Sie die Nacht.

albannikolaiherbst - Samstag, 15. Juni 2013, 23:54- Rubrik: Arbeitsjournal
(Dachte ich gerade. Beim Schreiben der Rezension >>>> dazu:)
Wirklich daheim nur in der Musik zu sein. Nur in ihr ohne Vorbehalt zu sein, ohne jede Bitternis. Niemals aber bei den Menschen.
Aber die Musik. Sie geht über jeden Mutterschoß hinaus – weil auch „Mutter“ wieder ein Mensch ist, vor dem ich mich vorsehen muß. Heim in die Musik gekehrt wäre ein Satz für die Zeit nach meinem Sterben, wüßte ich nicht allzu gut, daß es „drüben“ auch keine Musik mehr gibt. Also gibt es auch keine Heimkehr. (Dennoch soll das Sterbebuch von ihr erzählen, Ausdruck der innigsten Hoffnung werden, die zugleich die stillste ist, die wir Getrennten kennen.)
Vielleicht zeichnet es die Heimkehr aus, daß sie niemals ankommt; vielleicht ist die Fahrt selbst das Heim, in „Traumschiff“ die bewußt angenommene Fahrt in die ins Meer sinkende Sonne. Das, in Quintessenz, ist das erzählerische Vorhaben meines nun folgenden, nächsten Romans.
Auch Stoff für ein Gedicht. Nein. Atem eines Gedichts.
Der gestern abend hereingebrochene Regen, der die ganze Nacht durch hart herunterschlug, hat sich gehoben. Ich sehe einen strahlend blauen Himmel, in dem wie ausgedünnte Watte Wolkenschlieren stehen. Wirklich daheim nur in der Musik zu sein.
15.31 Uhr:
[Bispinger Heidekate.] „Das scheint eine männliche, wahrscheinliche hormonell bedingte Disposition zu sein“, sagte die Löwin vor ein paar Minuten, als ich vom Laufen einigermaßen geschafft zurückkam. „Frauen empfinden es auch als Leistung, wenn sie sich sehr gut erholt haben, es sich wohlsein lassen konnten. Das macht sie glücklich. Männer hingegen müssen immer die schwersten Steine gehoben, die wildesten Berge erstiegen, den besten Roman geschrieben haben.“ Anspannung und Entspannung machten Frauen gleichermaßen zufrieden. „Ich muß von der Jagd das Wild mitgebracht haben“, antwortete ich, „sonst wird meine Familie nicht satt. Wenn ich mich wunderbar erholt hab, aber komme mit leeren Händen heim, dann habe ich versagt.“
In der Tat brauchte ich einen Erfolg. Also lief ich, nachdem ich gestern schon im Frankfurtmainer Grüneburgpark über zehn Kilometer gelaufen war, heute mehr als zwölf quer durch die Heide. Ich habe einen guten Parcours gefunden, nahezu alles Sandweg – seiner Kondition nach auch ohne mich viel fürs Joggen genutzt. Dieses Laufen an frischer Luft und eben nicht auf einer Tartanbahn ist ganz wundervoll – schon gestern merkte ich das. Der Grüneburgpark ist geradezu ideal: Etwa die Hälfte der Strecke steigt er leicht an, was man aber erst merkt, wenn's die andere Teilstrecke abwärts geht:: Da läuft man nicht, sondern fliegt und geht mit so viel Optimismus, geradezu anstrengungslos, ins Ziel, daß man sofort Lust auf eine weitere Runde bekommt. Außerdem ist's abwechslungsreich, man merkt die Strecke eigentlich erst ab dem achten Kilometer, jedenfalls ich, der noch nicht wirklich trainiert ist. Und heute, wie gesagt, brauchte ich allerdingendst ein Erfolgserlebnis. Wenn ich das nicht von „draußen“ bekomme, mach ich es mir selbst. Leistung ist deshalb etwas so Wunderbares, weil man von niemandem abhängig ist. Niemand gibt einem Almosen und von niemandem muß man es annehmen, sondern man erstreitet sich, was man will, ganz alleine, ganz aus eigener Kraft. Auch das gehört für mich zu dem Gefühl, ein freier Mann zu sein. Ich brauche das auch deshalb so dringend, weil der Literaturbetrieb völlig anders funktioniert – weil es in ihm um soziale Kompatibilität geht und das selbst Erstrittene, das Werk, zwar nicht stört, so daß es schon ein qualitativ angemessenes sein soll, aber es steht nicht im Zentrum der, sagen wir, Wohltätigkeit.
War ein tiefes Loch, in das ich seit gestern gerutscht war. Gut, daß die Löwin mich auffing vorhin, und besonders gut, daß ich derzeit keinen Alkohol trinke – wie sie mit mehr als nur einem Anflug von Erleichterung bemerkte, so daß ihr Lächeln durchaus nicht ohne Ambivalenz war. Jetzt aber wieder an die Opernkritik.

albannikolaiherbst - Freitag, 14. Juni 2013, 15:49- Rubrik: Arbeitsjournal
5.18 Uhr:
[Arbeitswohnung.]
Latte macchiato, erste Morgenpfeife.
Gepackt ist schon fast alles, aber der Laptop fehlt noch, sonst könnt ich dies schlecht tippen. Heute ist aber mit Serengeti die Lüneburger Heide gemeint, was sich nicht zuletzt aus dem Umstand rechtfertigt, daß auch sie eine Art Steppenlandschaft ist. Vorher allerdings >>>> La Fanciulla del West in Loys Inszenierung unter Weigle, dessen Position, als ehemals Zögling Barenboims, immerhin die eines Nachfolgers von Georg Solti ist – eines der Lieblingsdirigenten meiner jungen Jahre, bevor er wirklich berühmt, weil er das Chicago Symphony Orchstra besonders mit seinen Mahler-Interpretationen zu einem der führenden Klangkörper der Welt gemacht hat. Auf der Fahrt in die Heide werde ich von dem Puccini-Abend erzählen.
Gestern nacht kamen aus dem Verlag noch ein paar Fahnenfragen zurück: ein paar Unsicherheiten usw. wegen meiner Korrekturen; das soll bis mittags geklärt sein, um rechtzeitig eingearbeitet werden zu können. Denn es drängt ein Abgabetermin für etwas, woran sich der Verlag mit diesem Buch beteiligen will. Wir rechnen uns aber Chancen nicht aus. Dennoch ist es wichtig, den Finger zu heben. Serengeti aber auch deshalb, weil die Löwin in die Heide kommen wird; sie hat gerad ein paar Tage frei und kenne diesen Landstrich noch nicht, der wiederum mir aus der Kindheit vertraut ist. Hier sah ich meine erste Kreuzotter. Da muß ich um die zwölf gewesen sein. Hier spielt auch Svend Fleurons schöne Erzählung von Tyss und Tuff, die ich Ihnen bereits einmal >>>> dort ans Herz gelegt habe – worauf es zu dieser seltsamen Diskussion um „Langsamkeit“ gekommen ist. Aber: Wenn Schlangen lieben... (Und ich dachte grad, es wär dann vielleicht der Zeitpunkt gekommen, der Trollheide 1 eine 2 beizugeben).
Anlaß meiner Reise ist allerdings etwas anderes, - ein Seminar nämlich, an dem ich mitzuwirken gebeten wurde. Argo wird da mit im Vordergrund stehen. Weshalb ich nun auch einige Verlagsprospekte im Gepäck habe, was dieses Gepäck ziemlich schwer macht. Fast drückt er ein Paradox aus, aber der Satz ist wahr: Hochglanz hat Gewicht. - Einige Prospekte sind auch für >>>> das Literaturforum bestimmt, um dort am Bloomsday ausgelegt zu werden, wenn ich zum ersten Mal >>>> Schulzes http://parallalie.twoday.net und meine „Aneignungen“, die nunmehr fertig sind, des Giacomo Joyce öffentlich vorstellen werde; die korrigierten Fahnen dafür lassen jetzt nur noch Formatierungsfragen offen, um die sich nur noch Schulze selbst und >>>> Abendschein kümmern. Meine eigenen Vorschläge sind gemacht; darüber letztzuentscheiden dafür überlasse ich den beiden. Ui, ein Reim.
Je mehr von Saviano ich lese, desto schwerer liegt mir das Neapel-Hörstück auf der Seele, weshalb, abgesehen von den Fahnenarbeiten, mir dieses Ding nicht so leicht von der Hand geht, wie ich gedacht habe; es ist eine Frage der Verantwortung, ja der Verantwortlichkeit, sowohl gegenüber den Menschen dort und ihrer Stadt – eigentlich: ihres gesamten Umlands -, wie auch gegenüber mir selbst, gegenüber meinem Anspruch, der auch einer gegenüber der Freude ist. Ich möchte sie nicht schief. Was hier zu bewältigen ist, ist tatsächlich wieder einmal die Amivalenz, und zwar diesmal in einer untergründig scharfen Weise; auf ganz andere Weise, als ich schwärmerisch meinte, verlangt der Titel des Stückes sein Recht. Immerhin „steht“ der Ansatz. Wie in der Mathematik, wenn wir einen Lösungsweg suchen, der aber elegant sein soll, bedarf es nun besonderer Konzentration; alles weitere, nach dem Ansatz, wird sich finden. Des' bin ich gewiß.
In zwei Stunden muß ich in der SBahn sitzen, die mich zum ICE bringt. Daß ich Ihnen vorher noch weiteres schreiben werde, ist eher unwahrscheinlich. Nur noch das >>>> DTs von gestern eben. Dann ans Rasiermesser.
Guten Morgen, Leserin.
7.11 Uhr:
Zweiter Latte macchiato. (Immerhin das habe ich noch geschafft, Ihnen von dem Fest eine Collage >>>> nachzutragen; Sie müssen aber, um sie ansehn zu können, einen Tuck hinabscrolln. - Und jetzt den Laptop runterfahren, alles gut verschnüren und allmählich zur SBahn abziehn. Freilich bleibt mir noch die Zeit, einige Dateien zu sichern und dann die Löwin zu wecken in Wien: daß die Heide ruft.)
16.50 Uhr:
[Frankfurtmain, Liliengarten.]
Angekommen nach einer ziemlich verwirrenden quasi-Rundfahrt sehr sehr nah über elbeschem Gewässer, das Großseen-character angenommen hat, manchmal kaum zwanzig Zentimerter über versunkenem Land, weshalb bereits in Berlin der ICE ausfiel und der Ersatzzug gleich mit der Ankündigung einfuhr, wir müßten bis Hannover mit mindestens einer Stunde Verspätung rechnen. Dort hatte ich aber Glück und erwischte einen ebenfalls verspäteten ICE nach hier.
Mein Zimmer bezogen: Blick in wildestes Buschwerk, so weit das Auge reicht, aber, nicht eine einzige Lilie. So grübelte ich ein bißchen über den Namen meiner Unterkunft nach, wurde indes durch zwei letzte Fahnentelefonate mit >>>> Elfenbein in das unmittelbare Terminleben zurückgeholt. Dann alles für die Oper nachher herausgelegt und bei Tainted Talents >>>>> einen sehr schönen, ja in seiner poetischen Knappheit geradezu eleganten Text nicht „über“, nein, m i t Jorge Bucay gelesen. Zu Pfeife und Fruchtsaft. Er liest sich auch ohne diese beiden schön. Tun Sie's. Indessen ich mich dusche, um sinnvoll ein frisches Hemd anzuziehen, zu dem auch eine Krawatte paßt. - Aber da ich nun einmal hier bin... hallooo! Frau Phyllis lebt doch in Frankfurt. Vielleicht hat sie morgen früh, bevor ich wieder in den Zug muß, Lust auf einen gemeinsamen Kaffee.

albannikolaiherbst - Mittwoch, 12. Juni 2013, 17:01- Rubrik: Arbeitsjournal
10.40 Uhr:
[Arbeitswohnung.]
Seit sieben Uhr an den >>>> etkBooks-Fahnen von Giacomo Joyce gesessen und mit den Korrekturen, die ich gestern nacht noch begann, auch schon fertig geworden; ein bißchen was ist an dem Bücherl noch zu tun, vor allem in Hinsicht auf die Formatierungen. Wobei schon jetzt das Schriftbild sehr klar auf der Site steht, elegant geradezu – sehr viel schöner als in der alten Suhrkamp-Ausgabe. Abgesehen von dem haptischen Buch, das entstehen wird, bin ich jetzt sehr gespannt, wie und ob sich diese Eleganz auch im eBook herstellen wird. Es macht Freude, mir vorzustellen, daß in dieser Reihe im nächsten Jahr auch meine „Neue Fröhliche Wissenschaft“ erscheinen wird, zumal im eBook mit von Sascha Broßmann initiierten technischen Verweis-Neuigkeiten, wie es sie bislang noch in keinem anderen Buch, meines Wissens, gegeben hat. Also wird er auch mit auf den Titel gehören.
Ansonsten, gestern abend einmal wieder mit dem Profi beisammengesessen, ebenfalls nach langer Zeit einmal wieder im Stradbad Mitte gegenüber dem Bodemuseum.  Die architektische Schändung des alten Strandbades ist nun einigermaßen aufgehoben dadurch, daß unten auf einer geglätteten Fläche, einer Mischung aus Dorfpodiumsschwofplatz und Parkett, tatsächlich getanzt wird: Latein und Standard. Das hat etwas ungemein Märchenhaftes, vor allem, wenn die Dämmerung fällt und auf der andren Seite der Spree der sanierte Museumsbau sich in hellsten Sandstein erleuchtet. Über die Brücke Kleinkunstsänger, hinter uns, im hölzernen Amphitheater ein Russenpop, teils auch Folklore, von der Bar her Mainstream; das mischte sich alles ineinander, und ich mag doch solche Collagen gern. Wenn dann noch über die andere Brücke die SBahn dahinzieht, gefolgt von einem ICE, und über allem der Fernsehturm schaut, weiß man genau, warum man hier und nicht anderswo lebt.
Alkfreies Bier getrunken, dann einen alkoholfreien Mojito; der Profi futterte eine ziemlich verlockend duftende Pizza, ich hatte zwar schon meine Haferflocken mit Obst drin, mußte mich aber doch etwas anstrengen, weitren Appetit zu unterbinden. Blieb standhaft.
Gleich werd ich zum Laufen losziehen, wegen des mosernden linken Ellbogens aber das Krafttraining ein bißchen einschränken. Er ist besser seit gestern nacht, aber noch nicht wieder gut. Und morgen geht es in die Serengeti; immerhin kenn ich den Ort schon und weiß, daß der Netzzugang dort kein Problem ist – jedenfalls war er bislang keins. Mit etwas Glück komm ich vorm Abflug noch zum Schwimmen.
Nun ist aber wirklich Neapel dran.
Genießen Sie diesen, hier in Berlin, abermals herrlichen Tag!
11.21 Uhr:
Upps! Alles zurück: Grad wollt ich zum Laufen los, da fällt mir ein, daß ich um zwölf beim Zahnarzt sein muß. Na- das wär was gewesen... - Also laufen „danach“. Ich radle einfach schon im Sportlook hin. Dann Mittagsschlaf, dann wieder was tun.

albannikolaiherbst - Dienstag, 11. Juni 2013, 11:06- Rubrik: Arbeitsjournal
8.46 Uhr:
[Arbeitswohnung.]
Da hatte ich großes Glück gestern, daß das Wetter so mitgespielt hat: also die Kinder zogen ins Schwimmbad ab, und ich hatte gut Zeit für die Fahnen. Arbeitete allerdings Am Terrarium, um den dreien, wenn sie zurückkämen – halb sieben Uhr abends war ausgemacht – mit Abendessen zu versorgen und die Zwillingskindlein zu Bett zu bringen. Ich las aus Gert Löschütz' >>>> schönem Birnbaum-Wiesenbuch vor. Danach ging's wieder an die Fahnen – bis 23 Uhr, nur von kleinen Rauchpausen auf dem Balkon unterbrochen, mal ein paar Zügen aus der Pfeife, mal vom Cigarillo. Nachdem die Mama dann heimgekommen, schwang ich mich ziemlich gleich aufs Rad und fuhr hierher, um bis etwas nach Mitternacht weiterzuarbeiten.
Heute früh um kurz nach fünf auf, Latte macchiato, die Morgenpfeife, und sofort mit den Fahnen weitergemacht. Um acht Uhr bin ich fertiggeworden. Mein Löwinnen-Weckruf nach Wien, ein paar Minuten geplaudert, dann noch mal über drei kleine Problemfeldchen im Roman und ganz locker die Lösung gefunden; danach Brief an den Verlag und per Internet alles hinaus. Jetzt warten die nächsten Fahnen bereits, die des Giacomo Joyce, aber das ist eine Kleinigkeit, die ich heute lässig fertigbekomme. Und daraufhin wird’s, nunmehr konzentriert, an das Neapel-Hörstück gehen. Allerdings will ich vorher mein Lauf- und Krafttraining absolvieren, jetzt gleich, wenn dieses Arbeitsjournal eingestellt sein wird.
Schön war gestern eine Post, die mir eine Seite aus >>>> Reclams neuer Geschichte des deutschsprachigen Romans geschickt hat; tut gut, so prominent vertreten zu sein, auch wenn ich etwas grummle, weil ich schon meine, daß meine Bücher stringente Handlungsabläufe haben; sie werden nur anders erzählt – dieses „nur“ ist's freilich gerade, worauf es mir ankommt. Außerdem schickte mir auch Jürgensen noch >>>> einen anderen Link, der ebenfalls zeigt, daß durchaus nicht alles „umsonst“ war.
Ich will, sowie ich die Zeit finde, auch noch ein paar Bilder von der Jugendweihe meines Sohnes einstellen, unterm dentsprechenden Beitrag. Aber gedulden Sie sich. Sowie ich's getan haben werde, mach ich's im Arbeitsjournal bekannt und verlink noch mal drauf.
Jetzt aber ab zum Sport.
16.50 Uhr:
Ich bin in Phasen wie diesen immer wieder erstaunt, wie wenig man tatsächlich essen muß, um dennoch hohe Leistung zu bringen. Wieder 75 kg auf der Waage vornhin, das sind sechs weniger als bei Wiederaufnahme meines Trainings vor etwa, glaube ich, vier Wochen. Der kritisch gewordene innere Knopf des einen Anzughosenbunds läßt sich wieder anstandslos ins Knopfloch bringen; ich mußte sogar den neuen Schlangenledergürtel, den ich neulich auf dem Flohmarkt erstand, um sechs Zntimeter enger machen und ein neues Löchlein hineinstanzen.
Das Erstaunliche ist dabei auch, wie sich der Appetit verändert: auf was ich plötzlich, wenn ich ihn habe, Hunger habe: Haferflocken, Joghurt, Obst, sogar rohes Gemüse. Dazu, wegen des Ramadans (heute ist der dreizehnte Tag), Fruchtsäfte, mal auch ein Tee, den aber eher selten; nur morgens der Latte macchiato ist „geblieben“. Wirklich verblüffend aber, wenn man nicht mehr nur aus Appetit ißt, wie wenig man ißt; im Schnitt reicht eine Mahlzeit, und die muß auch nicht warm sein. Eier eß ich fast gar nicht mehr, momentan so gut wie kein Fleisch; auch mein Appetit auf Fisch ist signifikant zurückgegangen. Und es zieht mich (momentan) gar nichts mehr zur Schokolade, während ich Nüsse prima finde. Aber auch nur in einer Mahlzeit einmal am Tag.
Dabei bin ich sogar munter dabei, die alte Muskulatur wieder aufzubauen; ich merk's bereits in den Hemden und bei den Jacketts: die Schultern beginnen, den Stoff zu spannen. Das sollte ich nicht übertreiben, zumal der linke Ellbogen ein bißchen motzt; Hanteltraining kann Teufelchen sehen. Aber ab übermorgen setz ich damit sowieso aus: Es geht da in die Serengeti wieder. (Nun ja, das hat auch einen Haken: Zwar lief ich heute zum ersten Mal wieder 18 Runden, das sind 7200 Meter, und komme meinem Ziel von täglichen 10 Kilometern deutlich näher, die ich vor etwa zwei Jahren lief, als ich das Taining unterbrach, aber dort, beobachtet von Läufern der Massai, kann selbst das noch peinlich sein. Ich werd also dort in der Dämmerung laufen, dann, wenn man mich nicht erkennt, frühmorgens um Viertel nach fünf oder abends um Viertel nach sechs.)
Nun wieder zurück an die freie, fantasierende Arbeit des Geistes.

albannikolaiherbst - Montag, 10. Juni 2013, 17:09- Rubrik: Arbeitsjournal
9.35 Uhr:
[Arbeitswohnung.]
Zur >>>> Feier, und auch nur vielleicht, erst morgen. Vor mir liegen die 208 letzten Seiten der Fahnenkorrektur, die morgen früh um neun fertig sein müssen, und ich bin aber nur eingeschränkt arbeitsfähig, weil ich ab 11.30 Uhr die Zwillingskindlein betreue; da hatte ich ihrer Mama zugesagt, die von da an bis in die Nacht unterwegs sein wird. Aber ich werde den Laptop mit hinübernehmen und dort arbeiten, möchte aber natürlich mit den Kleinen und vielleicht meinem Sohn auch hinaus bei diesem schönen Wetter. Also sofort jetzt ran. Nach der schönen Feier bin ich erst gegen neun wach gewesen vorhin.
albannikolaiherbst - Sonntag, 9. Juni 2013, 09:41- Rubrik: Arbeitsjournal
(5.30 Uhr:
[Arbeitswohnung, Latte macchiato, Morgenpfeife.]
Um fünf Uhr aufgestanden, sitze ich bereits in Sportklamotten, um auf jeden Fall noch mein Training zu absolvieren, bevor ich um neun zur Familie hinüberradle. Ebenfalls vorher ist noch der Vorstellungstext für einen der Jugendlichen zu lektorieren, bzw. sogar ganz neu aufzubauen, der heute nacht um sechs vor eins ankam. Das muß mir flüssig von der Hand gehen. Dann sämtliche Texte zweifach ausdrucken, am besten dreifach, auch für die Pianistin, damit sie ihre Einsätze kennt. Danach rasieren, duschen, kleiden. Und hinüber. Bis mindestens zur Nacht werden sie heute nichts mehr von mir hören; auch an die ArgoFahnen werde ich mich erst morgen wieder setzen. Die letzten etwas mehr als einhundert Seiten sind bis zum Montag morgen aber gut zu schaffen.
Ihr
ANH.) *******[Hier nun nachgetragen, 12.6.2013:
albannikolaiherbst - Samstag, 8. Juni 2013, 05:38- Rubrik: Arbeitsjournal
9.26 Uhr:
[Arbeitswohnung.]
Zum einen verschlafen: Erst um acht Uhr hoch, wiewohl ich bereits um ein Viertel nach Mitternacht im Bett lag und wohl auch sofort eingeschlafen bin. Meinem Gefühl nach ist dies das Ergebnis des Umstands, daß ich erst um neunzehn Uhr zum Laufen und Krafttraining kam, also erst gegen zweiundzwanzig Uhr etwas aß (drei Kartoffeln hab ich mir zum Spargel gegönnt und auch auf die warme flüssige Butter nicht verzichtet). Aber der Körper hat dann nachts mit noch andrem als nur der Verarbeitung des Tagesgeschehens zu tun; die tatsächlich Phase von Ruhe wird von anderer, körperlicher Arbeit grundiert. Immerhin 78 kg heute früh, das sind dann schon, trotz Essens, drei „wirkliche“ Kilo weniger als zu Beginn des wiederaufgenommenen Trainings. Insofern: zufrieden. Noch zwei weitere Kilo, und ich hab meinen Körper wieder im selbstgestalten Griff: wendig und ausgewogen definiert. Das wiederum gibt das Selbstbewußtsein in den Geist. Da werden sich dann den möglichen Härten, die ich immer erwarte, gut parieren lassen.
Latte macchiato, Morgen-Cigarillo.
Aber ich schau grad in ein InterimsLeeres. Der Verlag hat den nächsten Fahnenschub nicht geschafft, aus sehr nachvollziehbaren Gründen. Auch hier geht Persönliches mit „Offiziellem“/Öffentlichem Hand in Hand. Wer, wenn nicht ich, verstünde das, ja wollte das stützen? Also werden die nächsten Fahnen – wir haben soeben telefoniert – gegen Mittag zu erwarten sein. Nur daß ich dann in die Staatsoper radeln werde: doppelte Probeneinsicht für Presseleute, einmal in >>>> Aschemond, dann, nach einem Transfer zur Schaubühne, in >>>> For the Disconnected Child, dessen Premiere heute abend stattfinden wird. Vielleicht aber geh ich beim zweiten nicht mehr mit, zumal ich nicht bei der Pemiere sein werde, auch aus Fahnengründen nicht kann. Aber man hat mir direkt persönlich, mit gesonderter Email, eingeladen, da möcht ich dann auch gerne folgen. Zwar werde ich die Premiere von Aschemond ebenfalls nicht erleben, weil ich am 16. nicht in Berlin bin, doch dafür drei Tage später die zweite Vorstellung, über die ich in Der Dschungel auch schreiben will – ebenso wie, direkt nach der Aufführung, über, von Christof Loy inszeniert, >>>>.La Fanciulla del West an der Oper Frankfurtmain. Jedenfalls komme ich an die nächsten Fahnen frühestens heute nachmittag, und ich will ja auch noch Sport machen – was ich hätte auch heute früh hinkriegen können; nur für den Kraftsport hätten die Trainingsphasen dann zeitlich zu nah aneinandergelegen. Auf jeden Fall fahr ich zur Staatsoper mit dem Rad, da hab ich dann schon mal knapp zwanzig Kilometer Bewegung gehabt.
Roberto Saviano.  Die Aufsätze in >>>> Die Schönheit und die Hölle beschäftigen sich oft gar nicht mehr direkt mit der Camorra, sondern er hat dort Portraits ins Buch aufgenommen, etwa Michel Petruccianis, den er verehrt hat; es sind kleine Elogen voll lebensbejahender, hoffnungsgetragener Einsichten. Obwohl mir so etwas sehr nah ist, meiner eigenen Mentalität, war ich geradezu baff, und zwar, weil mir Saviano sogar einen Fußball-Star zu schildern wußte, so menschlich, so innig und so voller Gründe, daß ich, der Fußball-„Gegner“ wie auf die Zeilen festgeklebt blieb - überzeugt geradezu. Wenn jemand das vermag, so sehr Abwehr zu unterlaufen und das ohne niederzureden, sondern „einfach“ durch die Wahrhaftigkeit seiner Darstellung, dann ist das tatsächlich Kunst und zu bewundern. Ebenso macht er es mit zwei Boxern, auch ein, nun ja, Sport, der mir fremd ist. Er nimmt mich mit all meinen Urteilen und wohl auch Vorurteilen bei der Hand und sagt: „Guck mal, fühl mal“, wobei er meinen Blick von dem markthaft Veranstalteten auf bestimmte Menschen lenkt und mich in sie mich einfühlen läßt – ohne gewollte Psychologie, vielmehr allein durch genaue Beschreibung und Wiedergabe von Gesprächen. Zugleich bleibt er selbst, „Robbè Saviano“, immer zugegeben, ebenfalls als Mensch. Da ist kein durchgestrichenes Subjekt wie allzu oft im Journalismus. Da ist „Ich“: Ich meine, ich sehe, ich verstehe etwas so und so aus diesen und jenen Gründen, die ebenfalls die meines Ichs sind. Dadurch erreicht er diese hohe Wahrhaftigkeit, ohne daß ich das Gefühl hätte, hier werde etwas didaktisch inszeniert. - Toll.
Jetzt warte ich weiter, warte auf weitere Elterntexte wegen der Jugendweihe morgen; es fehlen immer noch fünf, drei als Reaktionen auf meine Bearbeitungen, zwei insgesamt. Morgen fällt der Tag als Arbeitstag ganz aus; da will ich nur für meinen Sohn und seine Feier da sein. Seine Mutter und ich haben die Moderation übernommen.
19.10 Uhr:
Von der Staatsoper und der Schaubühne zurück und auch schon drüber geschrieben: >>>> Dort steht's. Aber zum Sport komm ich nun nicht mehr. Gut, ich hab meine zwanzig Kilometer Radfahrn absolviert, das mag für heute genügen. Morgen dann wieder Laufen, vor der Jugendweihe, auch Krafttraining usw., alles gegen sechs/halb sieben. Denn auch, wenn ich jetzt gleich loskönnte, will ich doch lieber an die neuen – es sind die letzten 142 – Fahnenseiten gehen, die mir der Verlag bereits hergeschickt hat. Ich hätt das nicht geglaubt, aber wegen der klug gewählten Type hat der Roman nun „nur“ 872 Seiten – das entspricht ziemlich genau dem Umfang von >>>> Thetis und läßt mein Konzept tatsächlich aufgehen: zwei große Seitentafeln, eine schmale Innentafel. Ich bin also durchaus zufrieden. - Was ich heute nicht schaffe, muß am Sonntag getan werden, wiewohl ich da ab mittags auf die Zwillingskindlein aufpassen werde und möchte, weil ihre Mama unterwegs sein wird.
Dann mal ran.

albannikolaiherbst - Freitag, 7. Juni 2013, 19:20- Rubrik: Arbeitsjournal
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Stelle grad die Kritik zur Mittwochs->>>> Fanciulla fertig. ... Ich liebe Ihre Opernbesprechungen...
Ich liebe Ihre Opernbesprechungen - sie hallen nach,...
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