diadorim meinte am 2009/05/05 17:57:
ich habe gerade einen generalkonflikt. ich find die dschungel klasse, ich finde sie singulär, und bin hier gerne, ich finde sie auch besser als ein meese, der es sich ödipal in seinem erzbayreuth bequem gemacht hat. aber ähnlich wie bei rainald goetz, wenn der zu dichten anfängt, krieg ich ein problem, wenn sie lyrik posten. rainald goetz, in seiner prosa ohne zwang poetisch, in seinen lyrikanleihen zwangspoetisch, ist ein guter autor, keine frage. doch posten sie beide lyrik, stellt sich bei mir das buttercremegefühl ein, und ich will dann beim stolterfoht anrufen, was ich nie tun würde, oder bei verschiedenen ms um verzeihung bitten wollen, dass ich es hier so prima finde, und, ja, auch eigentlich sie, weil, nein, sie sind kein möchte-gern, sie sind ein hat-schon-viel, der sich vielleicht nur manchmal auf ein sollte-weniger justieren könnte, ich mag das kaum schreiben, ich bin ja nicht der hüter von irgendwas, noch wüsste ich es besser, es ist dann vielleicht nur die enttäuschung, die man verspürt, wenn einem gesagt wird von jemandem, den man schätzt, das und das finde ich ganz toll, das will ich auch, und man selber denkt, das find ich ganz grässlich, das will ich auf gar keinen fall. man kann ja auch niemandem, der gerne schwimmt sagen, nee, wasser ist doch nass, das weiss der ja sehr wohl und genau darum liebt er es ja. deshalb kann ich auch gar nicht anfangen, irgendwie am gedicht rumzuverbessern, das ganze element ist ja so gewollt und aufgesucht, was ich in dieser form meiden würde. ich bin darüber einigermaßen verzweifelt, weil ich es gerne gut finden würde, und weil ich ja sehe, was sie können, also es liegt absolut nicht daran, dass sie es nicht können, sie wollen es nur nicht so, wie es mir gefiele, so wie sie eben nicht den pop wollen. und eigentlich macht das auch gar keinen sinn, ihnen das zu schreiben, ich schreib es auch eher mir, damit ich damit klar komme, wo zu sein, wo ich mich poetisch nicht unter gleichgesinnten befinde, was sehr viel für sich hat und vor allem für mich. in der engel ordnungen gibt es gedichte, mit denen ich was anfangen kann, die ich gut finde, und es ist auch nicht so, dass ich gedichte von gleichgesinnten samt und sonders für den gipfel derzeitiger dichtkunst hielte, von daher muss es eigentlich auch nicht aufregen, es hinterlässt nur eine leise melancholie bei mir. so als würde man in ein sehr schickes lokal ausgeführt und alles stimmt, verliebt in die begleitung, die kellner aufmerksam, das essen perfekt, der wein erlesen, die musik gewählt, das licht geschmeichelt, aber man hat leider diese lebensmittelallergie und vermiest, während man mit dem besteck das gericht zerpflückt, die ganze stimmung, an der man doch selber gerne teil gehabt hätte. verzeihung.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/wem-dient-das-kleid/#5683807
albannikolaiherbst antwortete am 2009/05/05 18:03:
@diadorim (2).
Danke fürs Wiedereinstellen. Aber was, um Polyhymniaswillen, ist ein "Meese"?
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/wem-dient-das-kleid/#5683820
diadorim antwortete am 2009/05/05 18:07:
http://de.wikipedia.org/wiki/Jonathan_Meeseein meese ist das, was eine oppermann immer schon besser war.
http://de.wikipedia.org/wiki/Anna_Oppermann
bitte, aber ich hab trotzdem ein schlechtes gewissen, meiner banalen argumentativkraft wegen, ihnen gegenüber, mir gegenüber, allen, die mich hier lesen gegenüber und vorwurfsvoll sagen, von dir erfährt man ja nur noch hier was, was nicht stimmt. (andererseits können die ja auch froh sein, dass sie jetzt nur noch halb so viele mails kriegen, und sind nicht zu antworten genötigt, seit dem ich ja weiss, wie sehr das einige belastet, mal aus den dschungeln heraus gesprochen richtung engelbecken, halt, stopp, nein, der groll existiert nicht mehr, schon gut.)
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/wem-dient-das-kleid/#5683833
albannikolaiherbst antwortete am 2009/05/05 18:44:
@diadorim (3).
Da hatte ich nu echt ne Bildungslücke, weil ich bei Bildern offenbar immer noch nur einäugig bin, bzw. wirklich nur sehr wenig im Focus hab.Wegen des Grolls: Es ist ein G e n u ß, daß Sie hier in Der Dschungel mit der Machete Pfade hauen. Das muß einfach mal gesagt sein. Und es geht wirklich nicht darum, mit mir (m)einer Meinung zu sein. Ich reagiere nur auf Häme grantig; an Kritik kann ich zäh rumkauen, aber lösche sie nicht. Sondern nehme sie ernst. Auch dann, wenn ich schließlich d o c h bei meinem Striemel bleibe.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/wem-dient-das-kleid/#5683928
gemikse antwortete am 2009/05/05 19:30:
verlöschen
ich habe meinen platz
verlassen neben
hasen und
füchsen
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/wem-dient-das-kleid/#5684020
M (Gast) antwortete am 2009/05/05 19:41:
nicht nicht um Verzeihung bitten
aber bitte! auch nicht Rainald Goetz "Lyrik" mit ANHs verbinden, vergleichen. ich glaube, ersterer will was ganz was anderes damit, kommt woanders her, will woanders hin, und weiß schon, wie beknackt das öfter mal klingt, hochbewußte Hochbeknackung, hoffen wir wenigstens. (Wo lebt denn einer, der Meese nicht kennt?)
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/wem-dient-das-kleid/#5684042
albannikolaiherbst antwortete am 2009/05/05 20:51:
(@M.:
Wo lebt denn einer, der Tilo Midek und György Kùrtag nicht kennt? Und nie Marianne Fritz gelesen hat..? Um von Lezama Lima zu schweigen. Haben Sie? No oalstan, wie der Wiener sagt.)
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/wem-dient-das-kleid/#5684170
M (Gast) antwortete am 2009/05/05 21:10:
Meese ist ein breit öffentliches Phänomen
seit jetzt 10 Jahren etwa, kein Geheim- oder Spezialistentum. Wenn Sie kulturell interessierter Berliner sind und noch nie von Meese etwas gehört, gelesen, gesehen haben, ist das wirklich schwer zu verstehen. Bzw. Staatsoper, Lützowbar, Pfanzenort und dann in die Muschel. Entschuldigung.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/wem-dient-das-kleid/#5684219
diadorim antwortete am 2009/05/05 21:11:
ich vergleiche nur die inkompatibilität beider ansätze mit meinem verständnis von guter dichtung. sonst gibts da nicht viel zu vergleichen, klar.ich brauch nur auch keine hochbewußte hochbeknackung mehr, vielleicht brauch ich sie auch doch, aber sie ist für mich persönlisch völlisch uninteressant geworden, wie jetzt so ein rheinländer dafür vielleicht zu sagen wüsste, iss mein problem, weeß ick, aber nicht nur, goetzens kyritz tat dies, kyritz tat das, geht mir auch bei aller hochbewusstheit derart stark auf die notstromeier, aber, egal, anderes überwiegt. aber es ist so durchaus leicht, goetz gut zu finden, so wie man lottmann nie gut finden konnte und können wird, aus dem grunde verbeugt sich bis heute halb mittemitte vor lottmann, weil sie meinen, das sei schon schwer genug. jugend von heute hat mir für alle zeiten und bücher von morgen von lottmann gereicht.
meese muss man nicht kennen. es schadet vielleicht auch nicht, aber kennen muss man ihn nicht. so einer lebt vielleicht eigentlich in einem guten abstand zu vielem, der meese nicht kennt. wer weiss.
und diese hochbeknackung einzusetzen, um lyrik vorzuführen, fände ich einfach schäbig und eines goetzens nicht würdig.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/wem-dient-das-kleid/#5684227
diadorim antwortete am 2009/05/05 21:33:
da ich die regeln des retourkutschen fahrens und lenkens alle genauestens kenne, liebe M, hätte ich das vorraussagen können und ich finde, das rückspiel war gerechtfertigt. wiewohl ich viele deiner einwände hier auch gerne läse.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/wem-dient-das-kleid/#5684275
M (Gast) antwortete am 2009/05/05 21:34:
nicht alles
der Verständigung dient.Gut finden / schlecht finden ist ja zum Glück abgeschafft.
Klar geht einem partiell gerne immer irgendwas schwer auf die Eier, leider kann auch Lottmann partiell "gut schreiben". "Gut schreiben" kann sogar partiell der unangenehme Biller, man muß doch nichts teilen, bzw. sucht sich raus, womit man dann wieder was macht, das andere läßt man liegen, läßt sich ärgern, was auch immer. Beknackung ist manchmal auch ungelungen und schlapp, dann kommt es wieder drauf an, wo was steht und worauf es trifft.
Ich dachte beim lesen von "guter Autor", daß das fast auch wie eine Beleidigung klingt. Wie alles. Alles nervt, alles ist schön. Gute Dichtung, wie furchtbar. Wie schön. (Kyritz ist als Name leider ein Fehlgriff, deswegen konnte Kyritz machen was er wollte, es war immer nicht so schön.)
US hat mal erzählt, wie gut ihm eigentlich jede Lohnarbeit gefallen hat, die er gemacht hat. Wie gut nämlich alles ist.
Im Abstand zu vielem leben halte ich daher für ganz falsch, besonders wenn man ständig Aussagen darüber trifft, wie es "ist".
(Kennst Du im Ernst Leute, die sich vor Lottmann verneigen? Die möchte ich (nicht) sehen.)
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/wem-dient-das-kleid/#5684277
gemikse antwortete am 2009/05/05 21:37:
frage an einen fuchs
ist es nicht beuys der auffliegt wie
ein scheuer
vogel wenn meese
den hasen
anpirscht
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/wem-dient-das-kleid/#5684288
M (Gast) antwortete am 2009/05/05 21:43:
oh
ich kenne mit mit dem Retoursystem nicht so gut aus, hier sowieso nicht, ich bin auch bei guter Laune und ich glaube nicht, daß Goetz mit dieser Art von Gedichtform Lyrik vorführen will, das wäre ja auch blöd, sondern auf was anderes rauswill. Neue Formhilflosigkeit vorführen etwa, ungewisses schwaches Ausdruck, sich selber erlauben und doof aussehen dabeiaber ich habe das Buch nicht und kann mich nicht mehr so gut erinnern
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/wem-dient-das-kleid/#5684296
diadorim antwortete am 2009/05/05 21:55:
wie man den toten bildern das fell erklärt. jaja. ich hab sich schon riesenmaschinisten vor ihm bücken sehen, aber die gehen jetzt nach new york, machen einen waschsalon auf, und lottmann wird münzautomat, schreibt die bild.und, nein, au contraire, ich finde gute dichtung und gute autoren selbsterklärend gut, was soll man denn sonst dafür sagen, teildurchschlaute versformate von analytisch befähigten ausgabebeauftragte. nee, nee.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/wem-dient-das-kleid/#5684313
M (Gast) antwortete am 2009/05/05 22:00:
gut!(Werber, okay)
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/wem-dient-das-kleid/#5684322
diadorim antwortete am 2009/05/05 22:05:
das wiederum hätte ich gerne in großen lettern, dann geh ich auf der nächsten maidemo mit und trage ein transparent vor mich her:gut! - (Werber, okay)
gez. M
eine stadt sucht einen werber
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/wem-dient-das-kleid/#5684332
ppa (Gast) antwortete am 2009/05/05 22:11:
vielleicht
findet goetz seine lyrik einfach nur verbreitenswert ?vielleicht ist da etwas manchmal ganz einfach stehengelassen und dem leser überlassen ?
ich denke jeder mensch hat seine eigene melodie und jeder hat seine eigene rhythmik - herausgezogen aus einer natur oder einer kultur.
für mich gibt es an kunst eigentlich nichts zu kritisieren sondern nur zu beobachten und irgendwas schön oder reizvoll oder kräftig oder wieauchimmer zu finden.
eine rezeption findet doch aus sich heraus statt.
danach erst beginnt man sich womöglich zu beschweren, dass es davon von dem was einem so gefällt allzu wenig gibt.
und ist man dazu befähigt, fügt man dem dann noch etwas hinzu - ganz egal ob
das jemandem passt oder nicht - es wird immer jemandem geben, dem das nicht
gefällt - sonst könnte man ja echt für alle machen.
ich denke - wir alle sind irgendwie kommunikationsgestört - wir sind uns fremd.
zu mir meinten sie immer ich wär ein guter clown für die kinder - ich konnte es
nie akzeptieren, vielleicht weil sie selbst eher etwas zu streng waren.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/wem-dient-das-kleid/#5684346
albannikolaiherbst antwortete am 2009/05/06 00:44:
@M (2). Vielleicht sind Sie ja neu hier.
So daß Sie nicht wissen können, daß mich öffentliche Phänomene an sich nicht interessieren - es sei denn, sie betreffen mich direkt. Das liegt wohl einfach daran, daß mich der Pop nicht interessiert. Weil er mich eben nicht betrifft. Mag sein, daß man bei einer solchen Haltung bisweilen etwas spät etwas "erfährt", aber Wichtiges erfahren wir alle schließlich d o c h. Wie man jetzt sieht. Auch wenn ich, wie ich gleich noch diadorim antworten werde, höchst unsicher bin, ob Meese wichtig i s t. N u r ein öffentliches Phänomen zu sein, gilt nicht, weil die Öffentlichkeit - ästhetisch wesentlich - nicht gilt, sondern eher im Gegenteil n i c h t gilt. Sie macht Patte für andere. Punkt. Ich muß auch nicht zu allem, was öffentlich als wichtig gilt, eine Meinung haben. Wozu? Mich hat schon AIDS nicht interessiert, und 9/11 interessierte mich ausschließlich deshalb, weil mich der Islam interessiert; das tat er schon lange zuvor. Er gilt mir - seine K u n s t gilt mir - millionenfach mehr als etwa die Beatles, auf deren Schlagermusik ich insgesamt und seit je hätte verzichten können, Bernsteins Meinung nun hin, Bernsteins Meinung dazu her. Anselm Kiefer - auch ein öffentliches Phänomen - interessiert mich erst seit 1996, weil ich da vor einem Bild im Städel stand und keine Luft mehr bekam. In m i r brannte da sein Atelier. D a s ist Erfahrung - nicht etwas, das öffentliches Interesse ist.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/wem-dient-das-kleid/#5684593
albannikolaiherbst antwortete am 2009/05/06 01:02:
@diadorim zu Meese.
Interessant, wie der Profi es sieht, der ja nun Sammler ist, den Markt gut kennt und vieles g e g e n ihn sammelt. Ich faß mal, aus der, zugegeben: etwas alkoholisierten Erinnerung, zumal mit Bachs Cellosuiten im Ohr, zusammen: "Meese? Der heißt so, damit man nicht "mies" sagen muß... im Ernst, englischer Vater, also englisch ausgesprochen mies. Ich halte ihn für epigonal. Seine Zeichnungen sind aber gut, sehr gut. Die großen Sachen... na ja, wer's mag. Ich finde sie belanglos. Um das Phänomen Meese zu verstehen, mußt du verstehen, wie der Kunstmarkt funktioniert. Meese paßt perfekt in ihn hinein." Folgte eine längere Abhandlung über Satchi. Dann: "Aber auch die kleineren Galerien. Also da verkauft jemand ein Bild für 8000. Was kriegt die Galerie? 4000, sowas. Verkauft sie aber ein Bild von 80000, kriegt sie 40000. Also muß man solche Bilder machen. Auf Kunst kommt es dabei nicht an. Irgendwann stellt CAPITAL oder MANAGER MAGAZIN eine Bestsellerliste für Kunst auf, wie der SPIEGEL für Literatur. Und das Ding läuft rund. Da gibt es dann solche Leute wie Denis Scheck, die sich die Bücher der SPIEGELliste vornehmen, die guten ins Töpfchen, die schlechten in den Müll. Daß er damit die Bestsellerliste bedient, weiß er sehr wohl, aber darf sich mit dem guten Gewissen betrügen, ihr gegenüber vor laufender Kamera kritisch gewesen zu sein. Undsoweiter. - Oppermann? Ah ja. Da hat diadorim recht, aber Oppermann galt zu Lebzeiten nichts, der ging's nicht gut. Als sie tot war, entdeckte man ihre Qualitäten. Meese ist für den Betrieb da besser, weil er ja weiterproduzieren kann, so daß sich der Bedarf kalkulieren und entsprechend nachdecken läßt. Übrigens macht der Betrieb auch aus sehr guten Malern sehr schlechte: er hypt sie, das gefällt ihnen, sie verdienen Geld und bedienen dann nur noch mit dem Immergleichen. Um manche von denen ist es sehr sehr schade, sie haben enorm gut begonnen."Ich denk mal, unterm Strich sprach der Profi von kapitalismusdemokratischer Korruption, also von Pop. (Er m a g Pop, nicht jeden, aber einiges. "Was du dem Pop mit Recht vorwerfen kannst, ist, daß seine Vermarktung mit Gewalt alles gleichmacht und er sich dem nicht widersetzt. So daß sie es schafft.")
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/wem-dient-das-kleid/#5684606





















