Liliana Ahmetis Warum ich kein Model geworden bin. Part 8
Als ich die Tür aufschloss, blieb er zwei Schritte hinter mir stehen. Ich drehte mich um und hatte einen Moment lang Angst, dass er sich abwenden und gehen könnte. Er war wirklich wie ein junges Mädchen. Ich kam mir zum ersten Mal älter vor als er.
„Komm schon, ich tu dir schon nichts.“
„Hast du was zu trinken?“
„Gin, Vodka, Lillet.“
„Eis?“
„Ja.“
„Dann können wir uns Martinis mixen.“
„Ok – ich mach uns Martinis.“
Er stand mitten im Zimmer, die Hände in den Taschen seiner Hose und las das Lorca-Gedicht.
„Identität ist der absolute Horror“, sagte er. „Identität ist die Hölle. Eine der wenigen Ideen, denen ich gestattete in mein Leben zu treten, war die Abscheu vor der Identität.“
„Wie gefällt dir das Gedicht?“ fragte ich aus der Küche.
„Besser als ich dachte, besser als ich dachte“, sagte er.
„Wenn es dir nicht gefallen hätte, würde ich dich jetzt rausschmeissen.“
„Kann es sein, dass du mich liebst?“ fragte er.
„Schon möglich. Ich weiss ein paar Sachen über Männer. Als ich dich sah, da wusste ich sofort, dass du ungebraucht warst, in erotischer Hinsicht meine ich. Irgendwie unberührt.“
„Tatsächlich? Das hast du bemerkt?“
Er ging auf den Balkon und zündete sich eine Zigarette an.
Ich hörte, wie er der Amsel im Hinterhof zupfiff.
„Sie kann den Walkürenritt“, sagte ich so laut, dass er es hören musste.
Er pfiff die 4 Takte – und das Miststück antwortete. Ich holte die geeisten Gläser aus dem Eisfach und goss die Drinks ein. Die Amsel legte sich weiter ins Zeug.
Ich gab ihm sein Glas und wir stießen an. Er setzte sich auf mein Bett und ließ sich, genauso wie ich es mir wünschte, nach hinten fallen. Ich stellte mein Glas auf den Boden und kniete mich zwischen seine Beine.
„Liliana Ahmeti – ich ziehe die traditionelle Art und Weise vor.“
„Ich auch“, sagte ich, machte seinen Gürtel und seinen Hosenschlitz auf.
„Eine verdammte Idiotin bist du – hast du denn nichts anderes im Kopf?!“ schrie er plötzlich und knallte sein Glas an die Wand. Er stand auf, schnappte sich einen meiner Gürtel und schlug damit wild um sich. Ich schmiss mich auf das Bett, dahin wo er gelegen hatte. Er ging im Zimmer herum und peitschte die Wände und den Schreibtisch.
„Mach weiter, mach nur weiter so! aber peitsch gefälligst mich und nicht die Sachen!“
„Du...“. Ihm fiel nichts mehr ein. Aber er lies den Gürtel über seinem Kopf kreisen wie einen Propeller. Ich zog mich aus, so schnell wie ich mich noch nie zuvor ausgezogen hatte.
„Aber nimm bitte die Peitsche da aus der Schublade, die oberste Schublade.“
Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass er so ausrasten konnte. Er warf den Gürtel weg und holte die Peitsche aus dem Kasten. Wir schauten uns eine Sekunde lang an, wie wir uns noch nie zuvor angesehen hatten. Es war total still, eine Sekunde lang. Er ließ die weichen Lederstreifen durch seine Hand gleiten. Ich rollte mich langsam auf den Bauch und klopfte mit der Hand auf meinen Hintern. Er schlug nicht besonders kräftig zu, aber er machte es gut; nach jedem Schlag zog er die Peitsche langsam weg.
„Fester, wenn ich bitten darf.“
„Ich wusste gar nicht, dass mir das gefällt“, sagte er und schlug zu.
„Aber ich.“
„Das allerdings wusste ich.“
Danach suchte er irgendwann in meinen CDs herum und legte die Cello Suiten von Bach auf. Ich hörte, wie er sich in der Küche einen Drink mixte.
“Willst du auch einen?” fragte er. Ich antwortete nicht, stand auf und fing an zu tanzen. Er kam herein, die Drinks in der Hand, und blieb in der Tür stehen. Ich tanzte nackt vor ihm im Kerzenlicht, so wie es sich gehörte. Es ist nicht leicht, auf die Cello- Suiten zu tanzen. Ich machte es zum ersten Mal. Aber ich fand den Dreh, und merkte mit Entzücken, dass der alte Bach diese Sarabande gemacht hatte, damit ich Jahrhunderte später zu ihr tanzte. Lasko stand an den Türrahmen gelehnt und schaute mir zu. Die Tempowechsel kamen immer zur richtigen Zeit. Mir gelangen Figuren die ich mir nicht zugetraut hätte. Ich konnte tanzen. Er ging in die Küche, holte sich die Ginflasche, legte sich auf das Bett und schaute mir zu. Ich dachte an Dwayne. Und er setzte sich auf, und fasste nach mir. Aber ich ließ mich nicht fassen. Und er trank und ich konnte sehen wie er nach mir lechzte.
Gegen drei Uhr brachte ich ihn zur Bushaltestelle. Er war so betrunken, dass er wie ein nasser Sack auf meinen Schultern lag. Er redete ununterbrochen, versuchte Zusammenhänge zu erklären, die es nicht gab, verlor den Faden. Die Worte kamen alle zugleich, überlagerten sich, bildeten Interferenzen und ergaben von Zeit zu Zeit einen blitzenden Sinn. Ich schaute ihm ins Gesicht, auf dem ein gegenstandsloses Lächeln lag, wie das eines Embryos im Mutterleib. Und ich dachte: Liliana – ist es wirklich das was du willst: ein total besoffener Mann, mehr als zwanzig Jahre älter als du, der kein einziges klares Wort mehr herausbringt und dir auf den Schultern hängt wie ein nasser Sack? Und etwas in mir sagte Ja, Ja – und immer wieder: Ja.
Ein Nachtbus driftete vorbei. Nebelschwaden in der schwülen Luft. Es fing an zu regnen. Wir kamen an der Litfasssäule vorbei an der das Newton-Plakat klebte. Ich hielt an, hob sein Kinn und er sah die Amazone.
„Sie zogen damals die Skythen in ihren Bann – so wie du mich jetzt. A band of greeks schnappten sich ein paar Amazonen und wollten mit ihnen zurück ins Heimatland segeln. Die Weiber brachten alle Griechen um und schmissen sie über Bord. Aber sie konnten nicht navigieren. Und sie landeten im Land der Skythen. Und dann verführten sie diese Burschen. Lass uns diese Ausstellung anschaun. Du hast noch nicht genug schöne Frauen in deinem Leben gesehen.“
„Du solltest immer betrunken sein“, sagte ich.
„Erst kürzlich hielt ich die Schönheit selbst in meinen Händen, das orphische Ei“, sagte er, nahm meinen Kopf in seine Hände und küsste mich huldvoll auf die Stirn:
„Du wirst noch Schönheiten sehn, die dich so blenden, dass du blind davon werden wirst....“
An der Bushaltestelle machte er sich von mir los, richtete sich auf und fragte,
„Und? Wann bringen wir uns denn jetzt endlich um, Baby?“
„Irgendwann – nicht jetzt: du musst nach Hause zu deiner Frau.“
Er lachte trocken und lehnte sich gegen die Schaufensterscheibe des Tschibo-shops. Langsam rutschte er zur Seite und ich fing ihn auf. Seine silberne Taschenflasche fiel ihm aus der Hand und ich hob sie auf. Und ich klammerte mich an ihn wie eine Ertrinkende. Zwei Typen, die in der Nähe herumlungerten, kamen näher. Lasko richtete sich auf, und sie drehten ab.
„Alle haben Angst“, sagte er. „Man muss nur wissen, wovor.“
„Und du – hast du keine Angst?“
„Nur vor dir, Baby – nur vor dir.“
Der Regen war jetzt so stark und rauschte wie ein urzeitliches Meer. Der Nachtbus rollte heran. Lasko stieg ein, hievte sich auf das Oberdeck, als ob er vollkommen nüchtern wäre. Der Bus fuhr los, und Lasko winkte mir zu. Er lächelte, sein nasses Haar schwarz über der Stirn. Die Szene war bigger than life. Ich bekam natürlich einen Heulkrampf. Und in diesem Moment fiel mir ein, dass ich an diesem Tag den Termin für das shooting für Bread & Butter im Tempelhofer Flughafen hatte. Auf dem Mittelstreifen saß ein Asiate auf einem dieser runden Betonklötze und telefonierte. Ein Mädchen mit zündholzroten Haaren kam aus dem Shisha-Lokal, sah den davonfahrenden Bus und sagte: Scheiße!
„Halbe Stunde“, sagte ich.
„Ewigkeit...“, sagte sie und schüttelte sich wie ein nasser Hund.
Der Regen war endlos. Eine uniformierte Frau schloss das Gatter vor dem U-Bahn-Eingang auf und tauchte wieder in die Tiefe wie ein Wal. Vor dem Bierhaus Nr. 3 stand ein Streifen- und ein Notarztwagen. Die Polizisten redeten mit den Besoffenen. Ein Sanitäter saß auf der Treppe seines Wagens und rauchte eine Zigarette, die weißen Kopfhörer in seinen Ohren. Der Himmel färbte sich aschgrau und der Tag donnert heran.
Jetzt, da ich das aufschreibe fliegt ein brauner Nachfalter in meine Schreibtischlampe. Der Staub seiner Flügel rieselt herunter, und er ist kurz vorm Verrecken. Ich mache die Lampe aus und er setzt sich auf meine Hand. Ich gehe im Dunkeln zum offenen Fenster und werfe ihn in die Nacht, die seine Zukunft ist, und ich sehe ihn weg flattern in die sanfte Dunkelheit. Die Zeit ist das einzige interessante Phänomen. Gegenwart ist ein Blitz, der einen entweder killt, oder für immer fixiert. Nur die Vergangenheit liegt wie eine geheimnisvoll verschlossene Muschel dicht unter der Wasseroberfläche, leer, opak und existent. Marcel Proust war einer von denen die ich echt beneide: er versenkte sich in die einzig existente Zeit.
Ich hoffte, dass die Striemen auf meinem Hintern nicht zu allzu lange zu sehen sein würden. Wir hatten so lange nebeneinander gelegen. Après l'amour. Er hatte sein Gesicht in meinen Achselhöhlen vergraben und ich spürte, wie er das Sterben probte. Seine Lippen saugten an mir wie ein Walbaby an den Zitzen seiner Mutter. Und dann, als Alles längst verflimmert und vorbei war, und wir langsam, wie lebende Tote, wieder in die Sphäre der Worte zurücktrieben, tauchte er seine Zunge in meine Vagina. Sein Schwanz stieg auf Halbmast und ich stürzte noch einmal über die rasiermesserscharfe Kante der Lust ins Leere und den freien Fall – und ich drückte sein Gesicht in mich, brauchte und liebte ihn wie keinen je zuvor. Und ich wusste, wie zerbrechlich er war, wie unwiederbringlich und verschwunden schon fast, und besiegelte den Pakt. Und er verstand es, legte seine Hand auf meine rechte Brust und sagte,
„Du bist schön wie ein falscher Diamant.“
Und dann kam der Bread&Butter-job. Es war Fashion-Week. Und die ganze Sache fand im ehemaligen Flughafen Tempelhof statt. Es war eine show ausschließlich für Großeinkäufer. Sie begrüßen dich, stellen dir die wichtigen Leute vor, gehen mit dir in die Garderobe. Du wirst betätschelt, geschminkt, frisiert und gepudert. Und dann kommen die Klamotten: LEE-jeans, hauteng und heiß geschnitten. Das Nobelsegment. Ich zog mich so um, dass niemand meinen nackten Hintern sehen konnte. Auf den Toiletten zogen sie sich Koks rein. Die Stimmung war bestens. Es gab Mineralwasser, Orangensaft und Champagner und mit Gurken belegte Schwarzbrotschnittchen. Wenn ein Einkäufer auftauchte holen sie dich und du gehst dann lässig vor ihm auf und ab. Das war alles: Leicht verdientes Geld. Ich machte meine Sache gut. Gegen Abend kam der Manager zu mir, ein Schotte im Kilt mit dicken knolligen Knien. Er bedankte sich überschwänglich und sagte, dass er mich unbedingt für Madrid buchen wolle, Anfang September. Einen Großauftrag aus Seoul habe er mir zu verdanken, sagte er. Die Jeans die ich anhatte, könne ich behalten.
Mir war Alles egal. Ich hatte den symbolischen Charakter der Welt längst begriffen. Ich wusste, dass ich Alles verlieren würde: meine Erinnerungen, meine Pläne, meine Lust, Alles. Es interessierte mich noch, wie man sich für etwas interessiert, von dem man weiß, dass es einen schon bald nicht mehr interessieren wird. Die Agentur überwies mir 1200 Euro. Meine Fotos auf der SEEDS-Webpage waren verdammt gut: Ich schaute ins Leere, als ob dort weit draußen etwas wäre, das ich unbedingt haben musste und das mich mit seiner Süße umbringen würde. Und genauso war es.
Lasko schickte mir eine Datei nach der anderen. Er schickte mir veröffentlichte Texte, und nie gedruckte Shortstories. Und aus all diesen Sachen spürte ich eine ungestillte Sehnsucht nach gewissen Gefühlen, die er mit magischer Perfektion beschreiben konnte, aber möglicherweise nie wirklich empfunden hatte. Ich fing an Mitleid mit ihm zu haben. Und das machte mich wütend. Aber am schlimmsten waren seine privaten Sachen, die Mails, die entgleisten Gedichte, das Betteln um Liebe und Freundschaft, verpackt in aggressive arrogante Beschimpfung und paranoide Spekulation, Zitate, Gesänge der Selbstauslöschung und Wiedergeburt. Er schien sich ernsthaft für unsterblich zu halten – und arbeitete versessen an seinem Untergang. Und dann stieß ich auf Folgendes: Er absolvierte eines seiner Stipendien in Amsterdam, wohnte im Haus eines Antropologenpärchens, trank jede Menge billigen Weisswein, kiffte noch dazu und schrieb. Eines Nachmittags saß er in dem chinesischen Pavillon im Vondelpark und las Gedichte von Ezra Pound. Und neben ihm saß eine ältere Dame in Schwarz. Sie sprach ihn an – und machte ihm Komplimente, die er, wie immer, unbeholfen abwehrte. Sie erzählte ihm, dass sie sich schön gemacht hätte für ihren Mann, der nach einem Jahr auf See heute endlich zurückkommen würde. Er mochte dieses romantische Konzept und identifizierte sich total mit dieser verblichenen Schönheit: er selbst wartete, wie sie, auf jemanden, der von sehr weit herkam. Und unmittelbar darauf notierte er das: …und wie man jemanden, der zu weit in einen selbst eingedrungen ist, nicht mehr angreifen kann, ohne eigenes Terrain zu verwüsten, überzieht man ihn mit dem Perlmutt der Liebe.
Diesen sogenannten Perlen ist nicht anzusehen, wie sehr jede einzelne erst schmerzte, dann anfängt zu gleiten und schließlich der gleichgültigste und selbstverständlichste Bestandteil des eigenen Organismus wird.
In der Liebe gibt es nur Pyrrhussiege.
Ich ging in dieser Nacht in das Bierhaus Nr. 3, in dem ich mit ihm getrunken und dieses unvergessliche hypnotische Gespräch geführt und das mich ihm so abgrundtief geöffnet hatte. Ich saß auf demselben Platz wie damals. Und ich sah Gott. Lasko hatte ihn mir gezeigt. Gott war ein Zweimetertyp, Mitte Sechzig, hatte langes, lässig nach hinten gekämmtes weißes Haar, eine schwarze Lederjacke, ein rotes Gesicht mit einer großen aber immer noch schön geschnittenen Nase. Und er redete mit seinen Ministern: Poseidon, Hermes und dem noch immer nicht endgültig entlassenen Hades persönlich. Und die Drei verhandelten über das Schicksal des Universums. Poseidon wollte es zum Teufel gehen lassen, was Hades ablehnte, denn das wäre, wie er sagte, keine angemessene Maßnahme gegen das gescheiterte Projekt und alle seine Passagiere. Gott gab ihm Recht. Hermes wollte ein zuckersüßes Puff aus dem ganzen Sauhaufen machen – das war so seine Art. Gott winkte ab: immerhin war er der Chefdesigner und dieser ironische Umgang mit seiner Schöpfung war ihm zutiefst zuwieder. Schließlich kam Persephone herein, ihren räudigen schwarzen Hund im Schlepptau, der sich zu Füßen der Götter niederließ und sie mit seinen trüben altersschwachen Augen anschaute wie Leute, an den er sich nur noch dunkel erinnern konnte. Die Vier bestellten ein Lage nach der anderen und verloren ihre Pläne aus den Augen. Gott hielt sich trotz allem gut. Seine Bassstimme beherrschte den Raum. Er sprach von sich konsequent in der dritten Person. Es war noch eine Menge von ihm zu erwarten. Er schien stolz darauf zu sein, diesen aparten Ort für seine Emanationen gewählt zu haben. Hermes kam an meinen Tisch und spendierte mir noch einen Vodka-Red-Bull. Gott selbst schaute eine göttliche Sekunde lang auf mich herab – und seine Schweinsaugen glitzerten wie Strass in der Septembersonne. Persephone forderte mich zum Tanzen auf, zu Let it bleed. Und ihre Hände waren kalt und nass wie tauendes Eis. Ich sagte nicht Nein. Und ich wusste in diesem Moment, dass ich zu niemandem jemals mehr Nein sagen würde. Poseidon gab mir huldvoll seine Visitenkarte. Und ich gab ihm meine falsche E-mail-adresse. Der schwarze Hund rappelte sich plötzlich auf, schleppte sich raus und krepierte im Schein der Leuchtreklame B3. Und Gott ging hin, schwang seinen enormen magentafarbenen Penis in einer sehr eleganten tantrischen Figur über ihm – und das tote alte Tier verwandelte sich in einen jungen winselnden Welpen, der der Göttin der Unterwelt die großen weißen Plattfüße in ihren silbernen Sandalen leckte. Und ich ging ohne zu zahlen. Und ich ging runter zum Fluss, am Kraftwerk entlang, durch das nasse Gebüsch, setzte mich in den weichen Sand unter der Brücke, wo wir uns geliebt hatten, und weinte. Und die Ratten und Fledermäuse sekundierten mein Weinen mit ihren mondschwangeren verlorenen Pirouetten. Und ich wusste, dass mich nichts mehr von ihm abhalten konnte. In der Liebe gibt es nur Pyrrhussiege. Wenn wir uns länger kennen werden - und ich weiß, dass du es genauso fühlst - dann würde da ein Moment kommen, in dem alle Gewohnheiten und Rituale verschwinden und alle irrwitzigen und kindischen Bedenken und Skrupel. Ich bin so selten bei mir - ohne eigentlich außer mir zu sein. Manchmal erinnere ich mich unvermittelt an scheinbar vergessene Details, die aufblitzen wie Fische in einem Bach: Ein heißer Sommernachmittag in meiner Kindheit. Es war in den Bergen, ich muss 12 oder 13 gewesen sein. Es war in einem Tal, an einem Waldabhang auf einem staubigen ockerfarbenen Weg in der Gluthitze eines Sommernachmittags. Da spürte ich plötzlich und zum ersten Mal die unwiderstehliche Anziehungskraft des nackten Oberkörpers eines Jungen, den ich eigentlich gar nicht besonders mochte, weil er ein Christ war und auch immer davon redete - und den blitzartigen Schatten einer Vorahnung all der qualvollen Lust, die hinter den Jahren auf mich wartete. Ich lasse mich so leicht zerstören von den Launen anderer, die nichts weiter im Sinn haben, als auf ihre Kosten zu kommen. Aber wenn du mich erfunden hättest, Lasko, würde ich darauf bestehen, weitergeschrieben zu werden. Das Schreiben ist wie Tauchen. Man lässt sich wie ein Taucher immer tiefer hinab sinken. Und irgendwann erreicht man den Punkt, von dem ab die Luft in den Lungen noch reichen würde, um wieder nach oben zu kommen - aber man entscheidet sich für die Tiefe. Man hofft, dass kein Barracuda, kein Hai in der Nähe ist und den Überlebensreflex auslöst. Und dann sinkt man tiefer.
Die Nacht war zärtlich, und aus der Stille kamen Stimmen. Ich stand auf, bereit, wegzulaufen. Mir wurde schlagartig klar, dass eine Frau nachts allein unter einer Spreebrücke nicht unbedingt in Sicherheit ist. Aber dann sah ich zwei junge Männer über die Brücke kommen. Sie waren in ein Gespräch vertieft, und ihre Stimmen schlangen sich ineinander - und sie sprachen griechisch. Und diese Sprache klang in der stillen, warmen, irisierenden Luft wie Vogelgezwitscher. Die beiden sahen mich nicht, gingen durch den Lichtkegel einer Straßenlaterne und verschwanden hinter den Bäumen, und ihre Stimmen versickerten langsam wieder in der Stille der Nacht.
Lasko war nicht mehr jung. Nur noch ein paar Jahre, dann würde er wirklich alt sein. Ich würde den größten Teil seines Lebens nie kennen: seine flirrende Jugend, seine ersten Ekstasen, die rührend hilflosen ersten Berührungen (mit jeder Berührung verlieren wir einen Teil unserer Kindheit, hatte er gesagt), den Geschmack und den Duft seiner jungen Haut, die Weichheit des Blickes seiner jungen Augen. Damals, als er durch ganz Europa zog, per Anhalter, als Landstreicher, allein unter Autobahnbrücken, an leeren Stränden in der Nacht, in den Gärten fremder Leute, in Cafés und leeren Kinosälen. Und später in all den Hotelzimmern, den Spiegeln der Badezimmer, aus denen er verschwunden war, wie aus dem Kurzzeitgedächtnis all der Menschen, die ihn irgendwann irgendwo gesehen hatten, einen Passanten unter Millionen anderen, in Indien, China, Afrika. Noch war er in ganz guter körperlicher Verfassung für sein Alter, seine Konstitution hatte ihn einiges aushalten lassen. Ein alter Mann riecht alt, nach ungelüfteter Kleidung und gestockter Milch. Lasko roch gut, herb, nach Aluminium und Zitrone. Er war chemisch jung, vielleicht auf seinem Zenit, vielleicht auch schon eine Spur darüber hinaus. Die Zeit nagte an ihm und sein Lebensstil, das dauernde Trinken und Rauchen, die schlaflosen Nächte, der Dauerclinch mit seiner Frau, die Stagnation seiner Schreiberei, die verzweifelte Suche nach der Schönheit in der flüchtigsten Form. In seinem Sperma hatte ich die Spur seiner alternden Existenz geschmeckt. Und es hatte mich, wider Erwarten, nicht abgestoßen. Zeit und Ewigkeit reicherten sich in ihm an. Wir waren keine Jungverliebten. Aber es gab ein Vertrauen zwischen uns, das durch nichts begründet war – und vielleicht gerade deswegen anfing unerschütterlich zu werden. Und die Jahre die zwischen uns lagen, waren wie eine Brücke, über die wir zueinander gehen konnten, ohne von der reissenden Zeit fortgespült zu werden.
Ich ging den Uferweg entlang zurück durch die weiche windstille Nacht. Das Wasser des Flusses war schwarzer spiegelnder Lack. Zwischen treibenden Wolken blitzten Sterne auf. Und ich dachte an die Nacht in einem fernen Dezember, als ich mit Albion auf der Llogara-Höhe an der Adriaküste gestanden hatte. Die Stille und Schönheit der Nacht brachte uns zum Schweigen. Jedes mögliche Wort erstickte vor der in sich ruhenden gleichgültigen Schönheit einer vorübergehend zum Stillstand gekommenen Welt: der zur Küste hin abfallende Pass, die bleiche Schlange der Serpentinenstraße im Mondlicht, den schwarzen Firniss der Adria, die kalt glitzernden Sterne. Das alles waren wir, in diesem Augenblick. Aber an das sehrende, kaum auszuhaltende Gefühl der Liebe zu dir, Albion, das so tief in mir war wie nicht einmal ich selbst, erinnere ich mich nicht mehr. Es ist für immer verschwunden: ein mit nachtblauem Samt ausgeschlagenes leeres Etui. Ich habe die Erinnerung an meine damals lodernde Liebe zu dir, die in diesem und schon fast vergangenen Moment über der Tiefe einer längst vergangenen Zeit in mir schwebt wie eine Feder, vergessen. Es gab einen Ort, an den niemand kommen konnte, der aus meinem Bewusstsein gelöscht war, von dessen Existenz ich nichts mehr wusste, der auf keiner Karte verzeichnet war, den man nicht mit Google-Earth anfliegen und nicht im Internet finden konnte, ein Ort ohne Namen, an dem noch niemand jemals war. Aber es muss diesen Ort geben, weil ich von ihm geträumt geträumt hatte: Der Ort, wo ich immer bin – bis zum Augenblick meines Todes.
Alle Dinge verlieren irgendwann ihre Konturen, und die Schönheit geht konsequent ihrem Ruin entgegen. Schönheit vergeht – Schminke besteht, wie es in einem albanischen Sprichwort heisst.
Wenn ich Albion vergessen hatte können, würde es mir nicht schwerer fallen, auch Lasko zu vergessen, eines Tages. Aber diesen Tag durfte es nicht mehr geben. Wenn etwas in mir in der Lage war, den einen zu vergessen, dessen Süße mich so bezaubert und betäubt hatte, und er meinem Gedächtnis entgleiten konnte, dann war es keiner mehr wert von mir erinnert zu werden. Lasko sollte kein Nachfolger sein und keinen Nachfolger haben, keine weitere Perle in der Kette, no other brick in the wall. Er musste begreifen, dass er mich töten musste, damit er für immer bei mir war. Vielleicht lag er jetzt schlaflos in seinem Bett und dachte an mich, nur ein paar Kilometer von mir entfernt. Oder er lag, die Arme hinter seinem Nacken verschränkt, neben seiner Frau, die längst eingeschlafen war, seinen Samen in sich, ein Schwarm schwirrender Seelen, ein nicht abreissender Strom von Mücken, der aufstieg, sich in eine Straßenlaterne stürzte, um als Staub in die ewige Vergessenheit hinab zu rieseln.
Als ich über die Brücke ging, rauschte ein Platzregen herunter, so plötzlich und gewaltig, dass ich keine Zeit mehr hatte, den Regenschirm aufzuspannen. Und ich überließ mich dem warmen Strömen und es ließ mich zerrinnen wie Tintenschrift auf einem weissen Blatt Papier. Diese Nacht hatte ein Gesicht, und die Augen in diesem Gesicht waren geschlossen. Und ich legte meine Hände auf dieses Gesicht. Ich wusste, dass Lasko mich töten würde.
Die Agentur hatte einen Vorschuss überwiesen – und mich für ein neues Shooting auf Usedom gebucht: Beachwear. Das war noch nicht der Durchbruch – aber immerhin.
Ich kaufte mir Kleider, zwei Paar High Heels, Dessous, Gin, Zigaretten – und einen Flacon Grey Flanell, Eau de Toilette für Lasko. Wir trafen uns am Bahnhof Zoologischer Garten. Lasko trug einen sandfarbenen Anzug, ein weisses Hemd und eine dunkelblaue Krawatte mit sehr schmal gebundenem Knoten. Er sah aus wie ein italienischer Aristokrat. Ich spiegelte mich in seiner Sonnenbrille.
„Hey Baby – du siehst verdammt nochmal verdammt gut aus“, sagt er.
„Du auch“, sagte ich.
„Lass uns ein paar Minuten über den Kurfürstendamm gehen: die Leute sollen uns sehen und denken, wir wären eine Liebespaar.“
„Hör auf, Lasko. Ich mag sowas nicht.“
Das erschreckte ihn und er blieb stehen.
„Entschuldige“, sagte er und wir schwenkten in die Jebensstraße ein.
Ein Pulk von Leuten vorm Eingang des Museums. Männer checkten mich ab; sie überlegten, ob ich als Nacktmodel in Frage käme. Frauen beäugten mich gierig oder eifersüchtig. Lasko war sichtlich stolz. Er hatte eine Einladung und wir passierten die Warteschlange. Über der Mitte der Freitreppe hing das berühmte, riesiges s/w-Foto von auf uns zumarschierenden nackten Frauen auf Stilettos. Das machte klar was einen erwartete.
„Helmut war einer der Männern, denen die Frauen vertrauen“, sagte Lasko.
„Davon gibt´s nicht viele“, sagte ich. Ein Typ kam uns auf der Treppe entgegen und schoss ein Foto von uns. Lasko zupfte sich am Ohrläppchen. Ich lächelte in die Kamera. Ich war keine Anfängerin mehr.
„Man merkt´s dir an“, sagte er.
„Was?“
„Dass du´s kannst.“
„Ist nicht schwer.“
Im ersten Ausstellungsraum hingen die Bilder die ich fast alle schon kannte: Pelze, Leder, Hotelzimmer, swimmingpools, und nackte, aufgestrapste Frauen, Charlotte Rampling. Von irgendwoher kam Miles Davis: Round about Midnight. Lasko war ganz ruhig und gelassen.
„Die Photographie ist das Medium des Todes“, sagte er. „Auf einem Foto sieht man etwas, das es in Wirklichkeit nicht gegeben hat – und niemals geben wird.“
„Die Frauen auf diesen Fotos hat es aber wirklich gegeben“, sagte ich. „Der Beweis ist: sie spiegelten sich für den Bruchteil einer Sekunde in seinem Objektiv.“
„Der Mensch des Westens ist umstellt von Spiegeln“, sagte Lasko. “Und in diese Spiegel jagten die Maschinen. Und hinter den zerbrochenen Spiegeln sucht er vergeblich nicht die Kamikazetypen, die verschwunden sind, sondern sich selber. Aber er kann sich selbst nicht mehr sehen, weil die Spiegel zerbrochen sind. Also sucht er nach jemanden, den es nicht gibt. Und abgesehen davon versteht niemand diese Musik, der nicht selber eine schwarze Seele hat.“
„Welche Musik meinst du?“
„Round about Midnight.“
Eine gutaussehende Dunkelhaarige in Jeans und einem goldbetressten Michael Jackson-Jäckchen schritt durch den Raum. Lasko schaute ihr nach. Sie drehte sich an der Tür nach ihm um. Er tat so als ob es ihm entgangen wäre. Und ich tat so als ob ich das nicht bemerkt hätte.
„Du hast drei Sachen zu mir gesagt“, sagte ich. „Du hast gesagt: was mir an dir gefällt ist, dass ich dir gehöre. Zweitens: Lass mich dich erziehen, Baby. Und drittens: Warum lieferst du dich mir nicht vollständig aus?“
„Hab ich das wirklich gesagt?“
„Du warst betrunken....“
„Das macht nichts.“
„Du bist am besten wenn du betrunken bist.“
„Ich kann nicht immer betrunken sein.“
„Ich wollte, du wärst es.“
Er bot mir einen Schluck Gin aus seiner silbernen Taschenflasche an.
„Die Kunst zeigt ihr Geheimnis nur im geheimen. Man muss nicht glauben, dass man irgendetwas durch Neugier erfährt. Die Dinge laufen einem entweder in die Hand - oder es gibt sie nicht. Die Welt ist ein Sarg, ein Sarkophag, eine Zisterne. Die sogenannten exakten Wissenschaften sind diese kleinen Maulesel, die die Stute anwärmen und die Hufschläge abbekommen, bevor der Hengst den Plan betritt. Good morning, baby, good night.“
Noch einmal kreuzte das dunkelhaarige Miststück unseren Weg. Solche Weiber sieht man nur auf solchen Vernissagen. Und wieder schauten sich die beiden an. Ich nahm es als einen Trick des genius loci. Vor einem enorm gespreizten Akt nahm Lasko mich in den Arm. Ich legte meinen Kopf auf seine Schulter. Dann ließen wir uns los, und jeder von uns ging für ein paar Minuten allein, und wir verloren uns irgendwie aus den Augen. Ich bemerkte es erst als es zu spät war. In keinem der Räume konnte ich Lasko finden. Ein älterer Mann in einem Trenchcoat sprach mich an. Ich ignorierte ihn und ging runter in die Eingangshalle. Auch da war er nicht. Ich wählte Laskos Nummer. Er ging nicht ran. Seine Stimme auf dem Anrufbeantworter klang anders als sonst, irgendwie kälter, abweisend, verschlossen. Verzweiflung kroch in mir auf wie eine Schlange. Ich ging raus auf die Straße. Ich trank einen Kaffe in der Cafeteria. Das war es also: zum ersten Mal zeigten wir uns zusammen – und schon haute er mit einer anderen ab. Ich hätte es wissen müssen: er war der geborene Betrüger. Er konnte keiner Versuchung widerstehen. Er konnte niemals genug kriegen. Und ich konnte ihn nicht aufgeben. Mein Herz hing an ihm wie ein Fisch am Haken. So endete Alles. Ich kriegte den Kaffe kaum runter. Die Leute um mich herum degenerierten in Sekunden zu Zombies und verbrannten zu Asche. Das war es also: Er hatte natürlich ein feiges Finale gewählt. So hatte er es vermutlich mit all den anderen Frauen auch gemacht. Irgendwann konnte er ihre Nähe nicht mehr ertragen, wählte einen strategisch geeigneten Ort und schmiss sich einer anderen in die Arme – oder rannte heim zu seiner Frau, um auf allen vieren vor ihr zu kriechen, ihre Stiefel zu lecken - und sie, wenn er Glück hatte, ficken zu dürfen. Er war einfach für nichts verantwortlich. Alles spielte ihm in die Hände. Sein Charme, seine Aura der Verlorenheit, seine Statur, seine Subwooferstimme, seine elegante Abgerissenheit, seine Saint-Loup-Haftigkeit, sein splendor formae, seine passiv-sadistisch Art, seine gedächtnisstiftende Ausstrahlung, sein träumerisches Wesen.
Ein Defekt seiner Natur ließ ihn, immer wenn etwas von ihm erwartet wurde, stur und unerbittlich werden. Aktivität konnte er nur zeigen wenn sie aus dem Überschäumen seines Temperaments kam, aus der Überraschung: er wollte, dass man sie als Zauber empfand. Das war der Grund seiner Erfolglosigkeit als Schriftsteller – und seiner Wirkung auf Frauen.
Wenn ich nachts am Fluss saß und auf ihn wartete, und endlich seine Schritte auf dem Kiesweg hörte, ein letztes Mal auf das Wasser schaute, bevor ich ihn sah, und er sich zu mir auf die Mauer setzte, und ich mir zehn Minuten gab, bevor ich ihn sanft zurückbog, den Gürtel seiner Keuschheit löste und seinen Penis in meinen Mund nahm – da war ich kurz davor, ihm alles zu verzeihen, seine Verzweiflung und seine Hybris. Aber dass er mich hier sitzen ließ, mich so kalt abservierte, das machte mich fertig. Und ich wünschte mir eine Pistole, um ihn abzuknallen, ein Messer, um ihn abzustechen, ein Samuraischwert, um ihn zu köpfen. Ich versuchte, dieses Gefühl mit meiner Eifersucht zu vergleichen, von der ich besessen war, als Albion mich damals mit diesem türkischen Nilpferd betrogen hatte. Aber ich hatte keine emotionale Erinnerung mehr an diese damalige Eifersucht. Sie war gelöscht – und mit ihr die Liebe. Es war, als ob ein Eisschelf abgebrochen und in einem arktischem Meer versunken war. Das hier war stärker.
Ich zündete mir eine Zigarette an. Eine Kellnerin kam auf mich zu und sagte, dass das Rauchen hier nicht gestattet sei. Ich warf ihr die Zigarette vor die Füße und trat sie aus und sagte: ich rauche nicht. Sie schaute mich an, und in ihren Kuhaugen war alles Unverständnis dieser Welt.
Und da kam Lasko plötzlich herein. Seine Augen suchten nach mir, und als er mich sah war dieser Blick in seinen Augen, so weich und erlöst. Ich hätte untergehen können in diesem Blick, wenn es nicht der Blick gewesen wäre, von dem ich aufgespiesst und getötet werden wollte.
„Wo warst du, Liliana? - warum rennst du weg?! Was machst du hier? Was ist hier überhaupt los?!“, sagte er und nahm meinen Kopf in seine Hände wie ein rohes Ei und küsste mich auf die Stirn.
„Was starrst du mich so an, du dumme Sau! “, sagte er zu einem Typen der uns angrinste. Der Typ erstarrte. Lasko packte ihn an den Schultern und schüttelte ihn wie einen nassen Sack.
„Ich dachte, du hättest mich verlassen“, sagte ich. Er hörte es nicht.
„Lass ihn los!“ schrie eine Frau in einem kleinen Schwarzen.
Lasko ließ los, verbeugte sich mit einem Lächeln und sagte:
„Milady – ich befürchte, Sie wissen nicht wovon Sie reden! Wir leben in einer Epoche in der die Gesetze der Psychologie allen wohlerzogenen Menschen bekannt sein sollten. Ihre Erziehung lässt offensichtlich einiges zu wünschen übrig...“
Die Frau schnappte nach Luft. Ihr Mund verzerrte sich als würde ihr jemand einen Korkenzieher in den Hintern schrauben.
„Seid ihr bekokst – oder was, ihr dämlichen Idioten?!“ kreischte sie.
„Schnauze!“ sagte Lasko – und gefiel mir besser als je.
Zwei Ordner kamen und schmissen uns raus.
„Komm schon, ich tu dir schon nichts.“
„Hast du was zu trinken?“
„Gin, Vodka, Lillet.“
„Eis?“
„Ja.“
„Dann können wir uns Martinis mixen.“
„Ok – ich mach uns Martinis.“
Er stand mitten im Zimmer, die Hände in den Taschen seiner Hose und las das Lorca-Gedicht.
„Identität ist der absolute Horror“, sagte er. „Identität ist die Hölle. Eine der wenigen Ideen, denen ich gestattete in mein Leben zu treten, war die Abscheu vor der Identität.“
„Wie gefällt dir das Gedicht?“ fragte ich aus der Küche.
„Besser als ich dachte, besser als ich dachte“, sagte er.
„Wenn es dir nicht gefallen hätte, würde ich dich jetzt rausschmeissen.“
„Kann es sein, dass du mich liebst?“ fragte er.
„Schon möglich. Ich weiss ein paar Sachen über Männer. Als ich dich sah, da wusste ich sofort, dass du ungebraucht warst, in erotischer Hinsicht meine ich. Irgendwie unberührt.“
„Tatsächlich? Das hast du bemerkt?“
Er ging auf den Balkon und zündete sich eine Zigarette an.
Ich hörte, wie er der Amsel im Hinterhof zupfiff.
„Sie kann den Walkürenritt“, sagte ich so laut, dass er es hören musste.
Er pfiff die 4 Takte – und das Miststück antwortete. Ich holte die geeisten Gläser aus dem Eisfach und goss die Drinks ein. Die Amsel legte sich weiter ins Zeug.
Ich gab ihm sein Glas und wir stießen an. Er setzte sich auf mein Bett und ließ sich, genauso wie ich es mir wünschte, nach hinten fallen. Ich stellte mein Glas auf den Boden und kniete mich zwischen seine Beine.
„Liliana Ahmeti – ich ziehe die traditionelle Art und Weise vor.“
„Ich auch“, sagte ich, machte seinen Gürtel und seinen Hosenschlitz auf.
„Eine verdammte Idiotin bist du – hast du denn nichts anderes im Kopf?!“ schrie er plötzlich und knallte sein Glas an die Wand. Er stand auf, schnappte sich einen meiner Gürtel und schlug damit wild um sich. Ich schmiss mich auf das Bett, dahin wo er gelegen hatte. Er ging im Zimmer herum und peitschte die Wände und den Schreibtisch.
„Mach weiter, mach nur weiter so! aber peitsch gefälligst mich und nicht die Sachen!“
„Du...“. Ihm fiel nichts mehr ein. Aber er lies den Gürtel über seinem Kopf kreisen wie einen Propeller. Ich zog mich aus, so schnell wie ich mich noch nie zuvor ausgezogen hatte.
„Aber nimm bitte die Peitsche da aus der Schublade, die oberste Schublade.“
Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass er so ausrasten konnte. Er warf den Gürtel weg und holte die Peitsche aus dem Kasten. Wir schauten uns eine Sekunde lang an, wie wir uns noch nie zuvor angesehen hatten. Es war total still, eine Sekunde lang. Er ließ die weichen Lederstreifen durch seine Hand gleiten. Ich rollte mich langsam auf den Bauch und klopfte mit der Hand auf meinen Hintern. Er schlug nicht besonders kräftig zu, aber er machte es gut; nach jedem Schlag zog er die Peitsche langsam weg.
„Fester, wenn ich bitten darf.“
„Ich wusste gar nicht, dass mir das gefällt“, sagte er und schlug zu.
„Aber ich.“
„Das allerdings wusste ich.“
Danach suchte er irgendwann in meinen CDs herum und legte die Cello Suiten von Bach auf. Ich hörte, wie er sich in der Küche einen Drink mixte.
“Willst du auch einen?” fragte er. Ich antwortete nicht, stand auf und fing an zu tanzen. Er kam herein, die Drinks in der Hand, und blieb in der Tür stehen. Ich tanzte nackt vor ihm im Kerzenlicht, so wie es sich gehörte. Es ist nicht leicht, auf die Cello- Suiten zu tanzen. Ich machte es zum ersten Mal. Aber ich fand den Dreh, und merkte mit Entzücken, dass der alte Bach diese Sarabande gemacht hatte, damit ich Jahrhunderte später zu ihr tanzte. Lasko stand an den Türrahmen gelehnt und schaute mir zu. Die Tempowechsel kamen immer zur richtigen Zeit. Mir gelangen Figuren die ich mir nicht zugetraut hätte. Ich konnte tanzen. Er ging in die Küche, holte sich die Ginflasche, legte sich auf das Bett und schaute mir zu. Ich dachte an Dwayne. Und er setzte sich auf, und fasste nach mir. Aber ich ließ mich nicht fassen. Und er trank und ich konnte sehen wie er nach mir lechzte.
Gegen drei Uhr brachte ich ihn zur Bushaltestelle. Er war so betrunken, dass er wie ein nasser Sack auf meinen Schultern lag. Er redete ununterbrochen, versuchte Zusammenhänge zu erklären, die es nicht gab, verlor den Faden. Die Worte kamen alle zugleich, überlagerten sich, bildeten Interferenzen und ergaben von Zeit zu Zeit einen blitzenden Sinn. Ich schaute ihm ins Gesicht, auf dem ein gegenstandsloses Lächeln lag, wie das eines Embryos im Mutterleib. Und ich dachte: Liliana – ist es wirklich das was du willst: ein total besoffener Mann, mehr als zwanzig Jahre älter als du, der kein einziges klares Wort mehr herausbringt und dir auf den Schultern hängt wie ein nasser Sack? Und etwas in mir sagte Ja, Ja – und immer wieder: Ja.
Ein Nachtbus driftete vorbei. Nebelschwaden in der schwülen Luft. Es fing an zu regnen. Wir kamen an der Litfasssäule vorbei an der das Newton-Plakat klebte. Ich hielt an, hob sein Kinn und er sah die Amazone.
„Sie zogen damals die Skythen in ihren Bann – so wie du mich jetzt. A band of greeks schnappten sich ein paar Amazonen und wollten mit ihnen zurück ins Heimatland segeln. Die Weiber brachten alle Griechen um und schmissen sie über Bord. Aber sie konnten nicht navigieren. Und sie landeten im Land der Skythen. Und dann verführten sie diese Burschen. Lass uns diese Ausstellung anschaun. Du hast noch nicht genug schöne Frauen in deinem Leben gesehen.“
„Du solltest immer betrunken sein“, sagte ich.
„Erst kürzlich hielt ich die Schönheit selbst in meinen Händen, das orphische Ei“, sagte er, nahm meinen Kopf in seine Hände und küsste mich huldvoll auf die Stirn:
„Du wirst noch Schönheiten sehn, die dich so blenden, dass du blind davon werden wirst....“
An der Bushaltestelle machte er sich von mir los, richtete sich auf und fragte,
„Und? Wann bringen wir uns denn jetzt endlich um, Baby?“
„Irgendwann – nicht jetzt: du musst nach Hause zu deiner Frau.“
Er lachte trocken und lehnte sich gegen die Schaufensterscheibe des Tschibo-shops. Langsam rutschte er zur Seite und ich fing ihn auf. Seine silberne Taschenflasche fiel ihm aus der Hand und ich hob sie auf. Und ich klammerte mich an ihn wie eine Ertrinkende. Zwei Typen, die in der Nähe herumlungerten, kamen näher. Lasko richtete sich auf, und sie drehten ab.
„Alle haben Angst“, sagte er. „Man muss nur wissen, wovor.“
„Und du – hast du keine Angst?“
„Nur vor dir, Baby – nur vor dir.“
Der Regen war jetzt so stark und rauschte wie ein urzeitliches Meer. Der Nachtbus rollte heran. Lasko stieg ein, hievte sich auf das Oberdeck, als ob er vollkommen nüchtern wäre. Der Bus fuhr los, und Lasko winkte mir zu. Er lächelte, sein nasses Haar schwarz über der Stirn. Die Szene war bigger than life. Ich bekam natürlich einen Heulkrampf. Und in diesem Moment fiel mir ein, dass ich an diesem Tag den Termin für das shooting für Bread & Butter im Tempelhofer Flughafen hatte. Auf dem Mittelstreifen saß ein Asiate auf einem dieser runden Betonklötze und telefonierte. Ein Mädchen mit zündholzroten Haaren kam aus dem Shisha-Lokal, sah den davonfahrenden Bus und sagte: Scheiße!
„Halbe Stunde“, sagte ich.
„Ewigkeit...“, sagte sie und schüttelte sich wie ein nasser Hund.
Der Regen war endlos. Eine uniformierte Frau schloss das Gatter vor dem U-Bahn-Eingang auf und tauchte wieder in die Tiefe wie ein Wal. Vor dem Bierhaus Nr. 3 stand ein Streifen- und ein Notarztwagen. Die Polizisten redeten mit den Besoffenen. Ein Sanitäter saß auf der Treppe seines Wagens und rauchte eine Zigarette, die weißen Kopfhörer in seinen Ohren. Der Himmel färbte sich aschgrau und der Tag donnert heran.
Jetzt, da ich das aufschreibe fliegt ein brauner Nachfalter in meine Schreibtischlampe. Der Staub seiner Flügel rieselt herunter, und er ist kurz vorm Verrecken. Ich mache die Lampe aus und er setzt sich auf meine Hand. Ich gehe im Dunkeln zum offenen Fenster und werfe ihn in die Nacht, die seine Zukunft ist, und ich sehe ihn weg flattern in die sanfte Dunkelheit. Die Zeit ist das einzige interessante Phänomen. Gegenwart ist ein Blitz, der einen entweder killt, oder für immer fixiert. Nur die Vergangenheit liegt wie eine geheimnisvoll verschlossene Muschel dicht unter der Wasseroberfläche, leer, opak und existent. Marcel Proust war einer von denen die ich echt beneide: er versenkte sich in die einzig existente Zeit.
Ich hoffte, dass die Striemen auf meinem Hintern nicht zu allzu lange zu sehen sein würden. Wir hatten so lange nebeneinander gelegen. Après l'amour. Er hatte sein Gesicht in meinen Achselhöhlen vergraben und ich spürte, wie er das Sterben probte. Seine Lippen saugten an mir wie ein Walbaby an den Zitzen seiner Mutter. Und dann, als Alles längst verflimmert und vorbei war, und wir langsam, wie lebende Tote, wieder in die Sphäre der Worte zurücktrieben, tauchte er seine Zunge in meine Vagina. Sein Schwanz stieg auf Halbmast und ich stürzte noch einmal über die rasiermesserscharfe Kante der Lust ins Leere und den freien Fall – und ich drückte sein Gesicht in mich, brauchte und liebte ihn wie keinen je zuvor. Und ich wusste, wie zerbrechlich er war, wie unwiederbringlich und verschwunden schon fast, und besiegelte den Pakt. Und er verstand es, legte seine Hand auf meine rechte Brust und sagte,
„Du bist schön wie ein falscher Diamant.“
Und dann kam der Bread&Butter-job. Es war Fashion-Week. Und die ganze Sache fand im ehemaligen Flughafen Tempelhof statt. Es war eine show ausschließlich für Großeinkäufer. Sie begrüßen dich, stellen dir die wichtigen Leute vor, gehen mit dir in die Garderobe. Du wirst betätschelt, geschminkt, frisiert und gepudert. Und dann kommen die Klamotten: LEE-jeans, hauteng und heiß geschnitten. Das Nobelsegment. Ich zog mich so um, dass niemand meinen nackten Hintern sehen konnte. Auf den Toiletten zogen sie sich Koks rein. Die Stimmung war bestens. Es gab Mineralwasser, Orangensaft und Champagner und mit Gurken belegte Schwarzbrotschnittchen. Wenn ein Einkäufer auftauchte holen sie dich und du gehst dann lässig vor ihm auf und ab. Das war alles: Leicht verdientes Geld. Ich machte meine Sache gut. Gegen Abend kam der Manager zu mir, ein Schotte im Kilt mit dicken knolligen Knien. Er bedankte sich überschwänglich und sagte, dass er mich unbedingt für Madrid buchen wolle, Anfang September. Einen Großauftrag aus Seoul habe er mir zu verdanken, sagte er. Die Jeans die ich anhatte, könne ich behalten.
Mir war Alles egal. Ich hatte den symbolischen Charakter der Welt längst begriffen. Ich wusste, dass ich Alles verlieren würde: meine Erinnerungen, meine Pläne, meine Lust, Alles. Es interessierte mich noch, wie man sich für etwas interessiert, von dem man weiß, dass es einen schon bald nicht mehr interessieren wird. Die Agentur überwies mir 1200 Euro. Meine Fotos auf der SEEDS-Webpage waren verdammt gut: Ich schaute ins Leere, als ob dort weit draußen etwas wäre, das ich unbedingt haben musste und das mich mit seiner Süße umbringen würde. Und genauso war es.
Lasko schickte mir eine Datei nach der anderen. Er schickte mir veröffentlichte Texte, und nie gedruckte Shortstories. Und aus all diesen Sachen spürte ich eine ungestillte Sehnsucht nach gewissen Gefühlen, die er mit magischer Perfektion beschreiben konnte, aber möglicherweise nie wirklich empfunden hatte. Ich fing an Mitleid mit ihm zu haben. Und das machte mich wütend. Aber am schlimmsten waren seine privaten Sachen, die Mails, die entgleisten Gedichte, das Betteln um Liebe und Freundschaft, verpackt in aggressive arrogante Beschimpfung und paranoide Spekulation, Zitate, Gesänge der Selbstauslöschung und Wiedergeburt. Er schien sich ernsthaft für unsterblich zu halten – und arbeitete versessen an seinem Untergang. Und dann stieß ich auf Folgendes: Er absolvierte eines seiner Stipendien in Amsterdam, wohnte im Haus eines Antropologenpärchens, trank jede Menge billigen Weisswein, kiffte noch dazu und schrieb. Eines Nachmittags saß er in dem chinesischen Pavillon im Vondelpark und las Gedichte von Ezra Pound. Und neben ihm saß eine ältere Dame in Schwarz. Sie sprach ihn an – und machte ihm Komplimente, die er, wie immer, unbeholfen abwehrte. Sie erzählte ihm, dass sie sich schön gemacht hätte für ihren Mann, der nach einem Jahr auf See heute endlich zurückkommen würde. Er mochte dieses romantische Konzept und identifizierte sich total mit dieser verblichenen Schönheit: er selbst wartete, wie sie, auf jemanden, der von sehr weit herkam. Und unmittelbar darauf notierte er das: …und wie man jemanden, der zu weit in einen selbst eingedrungen ist, nicht mehr angreifen kann, ohne eigenes Terrain zu verwüsten, überzieht man ihn mit dem Perlmutt der Liebe.
Diesen sogenannten Perlen ist nicht anzusehen, wie sehr jede einzelne erst schmerzte, dann anfängt zu gleiten und schließlich der gleichgültigste und selbstverständlichste Bestandteil des eigenen Organismus wird.
In der Liebe gibt es nur Pyrrhussiege.
Ich ging in dieser Nacht in das Bierhaus Nr. 3, in dem ich mit ihm getrunken und dieses unvergessliche hypnotische Gespräch geführt und das mich ihm so abgrundtief geöffnet hatte. Ich saß auf demselben Platz wie damals. Und ich sah Gott. Lasko hatte ihn mir gezeigt. Gott war ein Zweimetertyp, Mitte Sechzig, hatte langes, lässig nach hinten gekämmtes weißes Haar, eine schwarze Lederjacke, ein rotes Gesicht mit einer großen aber immer noch schön geschnittenen Nase. Und er redete mit seinen Ministern: Poseidon, Hermes und dem noch immer nicht endgültig entlassenen Hades persönlich. Und die Drei verhandelten über das Schicksal des Universums. Poseidon wollte es zum Teufel gehen lassen, was Hades ablehnte, denn das wäre, wie er sagte, keine angemessene Maßnahme gegen das gescheiterte Projekt und alle seine Passagiere. Gott gab ihm Recht. Hermes wollte ein zuckersüßes Puff aus dem ganzen Sauhaufen machen – das war so seine Art. Gott winkte ab: immerhin war er der Chefdesigner und dieser ironische Umgang mit seiner Schöpfung war ihm zutiefst zuwieder. Schließlich kam Persephone herein, ihren räudigen schwarzen Hund im Schlepptau, der sich zu Füßen der Götter niederließ und sie mit seinen trüben altersschwachen Augen anschaute wie Leute, an den er sich nur noch dunkel erinnern konnte. Die Vier bestellten ein Lage nach der anderen und verloren ihre Pläne aus den Augen. Gott hielt sich trotz allem gut. Seine Bassstimme beherrschte den Raum. Er sprach von sich konsequent in der dritten Person. Es war noch eine Menge von ihm zu erwarten. Er schien stolz darauf zu sein, diesen aparten Ort für seine Emanationen gewählt zu haben. Hermes kam an meinen Tisch und spendierte mir noch einen Vodka-Red-Bull. Gott selbst schaute eine göttliche Sekunde lang auf mich herab – und seine Schweinsaugen glitzerten wie Strass in der Septembersonne. Persephone forderte mich zum Tanzen auf, zu Let it bleed. Und ihre Hände waren kalt und nass wie tauendes Eis. Ich sagte nicht Nein. Und ich wusste in diesem Moment, dass ich zu niemandem jemals mehr Nein sagen würde. Poseidon gab mir huldvoll seine Visitenkarte. Und ich gab ihm meine falsche E-mail-adresse. Der schwarze Hund rappelte sich plötzlich auf, schleppte sich raus und krepierte im Schein der Leuchtreklame B3. Und Gott ging hin, schwang seinen enormen magentafarbenen Penis in einer sehr eleganten tantrischen Figur über ihm – und das tote alte Tier verwandelte sich in einen jungen winselnden Welpen, der der Göttin der Unterwelt die großen weißen Plattfüße in ihren silbernen Sandalen leckte. Und ich ging ohne zu zahlen. Und ich ging runter zum Fluss, am Kraftwerk entlang, durch das nasse Gebüsch, setzte mich in den weichen Sand unter der Brücke, wo wir uns geliebt hatten, und weinte. Und die Ratten und Fledermäuse sekundierten mein Weinen mit ihren mondschwangeren verlorenen Pirouetten. Und ich wusste, dass mich nichts mehr von ihm abhalten konnte. In der Liebe gibt es nur Pyrrhussiege. Wenn wir uns länger kennen werden - und ich weiß, dass du es genauso fühlst - dann würde da ein Moment kommen, in dem alle Gewohnheiten und Rituale verschwinden und alle irrwitzigen und kindischen Bedenken und Skrupel. Ich bin so selten bei mir - ohne eigentlich außer mir zu sein. Manchmal erinnere ich mich unvermittelt an scheinbar vergessene Details, die aufblitzen wie Fische in einem Bach: Ein heißer Sommernachmittag in meiner Kindheit. Es war in den Bergen, ich muss 12 oder 13 gewesen sein. Es war in einem Tal, an einem Waldabhang auf einem staubigen ockerfarbenen Weg in der Gluthitze eines Sommernachmittags. Da spürte ich plötzlich und zum ersten Mal die unwiderstehliche Anziehungskraft des nackten Oberkörpers eines Jungen, den ich eigentlich gar nicht besonders mochte, weil er ein Christ war und auch immer davon redete - und den blitzartigen Schatten einer Vorahnung all der qualvollen Lust, die hinter den Jahren auf mich wartete. Ich lasse mich so leicht zerstören von den Launen anderer, die nichts weiter im Sinn haben, als auf ihre Kosten zu kommen. Aber wenn du mich erfunden hättest, Lasko, würde ich darauf bestehen, weitergeschrieben zu werden. Das Schreiben ist wie Tauchen. Man lässt sich wie ein Taucher immer tiefer hinab sinken. Und irgendwann erreicht man den Punkt, von dem ab die Luft in den Lungen noch reichen würde, um wieder nach oben zu kommen - aber man entscheidet sich für die Tiefe. Man hofft, dass kein Barracuda, kein Hai in der Nähe ist und den Überlebensreflex auslöst. Und dann sinkt man tiefer.
Die Nacht war zärtlich, und aus der Stille kamen Stimmen. Ich stand auf, bereit, wegzulaufen. Mir wurde schlagartig klar, dass eine Frau nachts allein unter einer Spreebrücke nicht unbedingt in Sicherheit ist. Aber dann sah ich zwei junge Männer über die Brücke kommen. Sie waren in ein Gespräch vertieft, und ihre Stimmen schlangen sich ineinander - und sie sprachen griechisch. Und diese Sprache klang in der stillen, warmen, irisierenden Luft wie Vogelgezwitscher. Die beiden sahen mich nicht, gingen durch den Lichtkegel einer Straßenlaterne und verschwanden hinter den Bäumen, und ihre Stimmen versickerten langsam wieder in der Stille der Nacht.
Lasko war nicht mehr jung. Nur noch ein paar Jahre, dann würde er wirklich alt sein. Ich würde den größten Teil seines Lebens nie kennen: seine flirrende Jugend, seine ersten Ekstasen, die rührend hilflosen ersten Berührungen (mit jeder Berührung verlieren wir einen Teil unserer Kindheit, hatte er gesagt), den Geschmack und den Duft seiner jungen Haut, die Weichheit des Blickes seiner jungen Augen. Damals, als er durch ganz Europa zog, per Anhalter, als Landstreicher, allein unter Autobahnbrücken, an leeren Stränden in der Nacht, in den Gärten fremder Leute, in Cafés und leeren Kinosälen. Und später in all den Hotelzimmern, den Spiegeln der Badezimmer, aus denen er verschwunden war, wie aus dem Kurzzeitgedächtnis all der Menschen, die ihn irgendwann irgendwo gesehen hatten, einen Passanten unter Millionen anderen, in Indien, China, Afrika. Noch war er in ganz guter körperlicher Verfassung für sein Alter, seine Konstitution hatte ihn einiges aushalten lassen. Ein alter Mann riecht alt, nach ungelüfteter Kleidung und gestockter Milch. Lasko roch gut, herb, nach Aluminium und Zitrone. Er war chemisch jung, vielleicht auf seinem Zenit, vielleicht auch schon eine Spur darüber hinaus. Die Zeit nagte an ihm und sein Lebensstil, das dauernde Trinken und Rauchen, die schlaflosen Nächte, der Dauerclinch mit seiner Frau, die Stagnation seiner Schreiberei, die verzweifelte Suche nach der Schönheit in der flüchtigsten Form. In seinem Sperma hatte ich die Spur seiner alternden Existenz geschmeckt. Und es hatte mich, wider Erwarten, nicht abgestoßen. Zeit und Ewigkeit reicherten sich in ihm an. Wir waren keine Jungverliebten. Aber es gab ein Vertrauen zwischen uns, das durch nichts begründet war – und vielleicht gerade deswegen anfing unerschütterlich zu werden. Und die Jahre die zwischen uns lagen, waren wie eine Brücke, über die wir zueinander gehen konnten, ohne von der reissenden Zeit fortgespült zu werden.
Ich ging den Uferweg entlang zurück durch die weiche windstille Nacht. Das Wasser des Flusses war schwarzer spiegelnder Lack. Zwischen treibenden Wolken blitzten Sterne auf. Und ich dachte an die Nacht in einem fernen Dezember, als ich mit Albion auf der Llogara-Höhe an der Adriaküste gestanden hatte. Die Stille und Schönheit der Nacht brachte uns zum Schweigen. Jedes mögliche Wort erstickte vor der in sich ruhenden gleichgültigen Schönheit einer vorübergehend zum Stillstand gekommenen Welt: der zur Küste hin abfallende Pass, die bleiche Schlange der Serpentinenstraße im Mondlicht, den schwarzen Firniss der Adria, die kalt glitzernden Sterne. Das alles waren wir, in diesem Augenblick. Aber an das sehrende, kaum auszuhaltende Gefühl der Liebe zu dir, Albion, das so tief in mir war wie nicht einmal ich selbst, erinnere ich mich nicht mehr. Es ist für immer verschwunden: ein mit nachtblauem Samt ausgeschlagenes leeres Etui. Ich habe die Erinnerung an meine damals lodernde Liebe zu dir, die in diesem und schon fast vergangenen Moment über der Tiefe einer längst vergangenen Zeit in mir schwebt wie eine Feder, vergessen. Es gab einen Ort, an den niemand kommen konnte, der aus meinem Bewusstsein gelöscht war, von dessen Existenz ich nichts mehr wusste, der auf keiner Karte verzeichnet war, den man nicht mit Google-Earth anfliegen und nicht im Internet finden konnte, ein Ort ohne Namen, an dem noch niemand jemals war. Aber es muss diesen Ort geben, weil ich von ihm geträumt geträumt hatte: Der Ort, wo ich immer bin – bis zum Augenblick meines Todes.
Alle Dinge verlieren irgendwann ihre Konturen, und die Schönheit geht konsequent ihrem Ruin entgegen. Schönheit vergeht – Schminke besteht, wie es in einem albanischen Sprichwort heisst.
Wenn ich Albion vergessen hatte können, würde es mir nicht schwerer fallen, auch Lasko zu vergessen, eines Tages. Aber diesen Tag durfte es nicht mehr geben. Wenn etwas in mir in der Lage war, den einen zu vergessen, dessen Süße mich so bezaubert und betäubt hatte, und er meinem Gedächtnis entgleiten konnte, dann war es keiner mehr wert von mir erinnert zu werden. Lasko sollte kein Nachfolger sein und keinen Nachfolger haben, keine weitere Perle in der Kette, no other brick in the wall. Er musste begreifen, dass er mich töten musste, damit er für immer bei mir war. Vielleicht lag er jetzt schlaflos in seinem Bett und dachte an mich, nur ein paar Kilometer von mir entfernt. Oder er lag, die Arme hinter seinem Nacken verschränkt, neben seiner Frau, die längst eingeschlafen war, seinen Samen in sich, ein Schwarm schwirrender Seelen, ein nicht abreissender Strom von Mücken, der aufstieg, sich in eine Straßenlaterne stürzte, um als Staub in die ewige Vergessenheit hinab zu rieseln.
Als ich über die Brücke ging, rauschte ein Platzregen herunter, so plötzlich und gewaltig, dass ich keine Zeit mehr hatte, den Regenschirm aufzuspannen. Und ich überließ mich dem warmen Strömen und es ließ mich zerrinnen wie Tintenschrift auf einem weissen Blatt Papier. Diese Nacht hatte ein Gesicht, und die Augen in diesem Gesicht waren geschlossen. Und ich legte meine Hände auf dieses Gesicht. Ich wusste, dass Lasko mich töten würde.
Die Agentur hatte einen Vorschuss überwiesen – und mich für ein neues Shooting auf Usedom gebucht: Beachwear. Das war noch nicht der Durchbruch – aber immerhin.
Ich kaufte mir Kleider, zwei Paar High Heels, Dessous, Gin, Zigaretten – und einen Flacon Grey Flanell, Eau de Toilette für Lasko. Wir trafen uns am Bahnhof Zoologischer Garten. Lasko trug einen sandfarbenen Anzug, ein weisses Hemd und eine dunkelblaue Krawatte mit sehr schmal gebundenem Knoten. Er sah aus wie ein italienischer Aristokrat. Ich spiegelte mich in seiner Sonnenbrille.
„Hey Baby – du siehst verdammt nochmal verdammt gut aus“, sagt er.
„Du auch“, sagte ich.
„Lass uns ein paar Minuten über den Kurfürstendamm gehen: die Leute sollen uns sehen und denken, wir wären eine Liebespaar.“
„Hör auf, Lasko. Ich mag sowas nicht.“
Das erschreckte ihn und er blieb stehen.
„Entschuldige“, sagte er und wir schwenkten in die Jebensstraße ein.
Ein Pulk von Leuten vorm Eingang des Museums. Männer checkten mich ab; sie überlegten, ob ich als Nacktmodel in Frage käme. Frauen beäugten mich gierig oder eifersüchtig. Lasko war sichtlich stolz. Er hatte eine Einladung und wir passierten die Warteschlange. Über der Mitte der Freitreppe hing das berühmte, riesiges s/w-Foto von auf uns zumarschierenden nackten Frauen auf Stilettos. Das machte klar was einen erwartete.
„Helmut war einer der Männern, denen die Frauen vertrauen“, sagte Lasko.
„Davon gibt´s nicht viele“, sagte ich. Ein Typ kam uns auf der Treppe entgegen und schoss ein Foto von uns. Lasko zupfte sich am Ohrläppchen. Ich lächelte in die Kamera. Ich war keine Anfängerin mehr.
„Man merkt´s dir an“, sagte er.
„Was?“
„Dass du´s kannst.“
„Ist nicht schwer.“
Im ersten Ausstellungsraum hingen die Bilder die ich fast alle schon kannte: Pelze, Leder, Hotelzimmer, swimmingpools, und nackte, aufgestrapste Frauen, Charlotte Rampling. Von irgendwoher kam Miles Davis: Round about Midnight. Lasko war ganz ruhig und gelassen.
„Die Photographie ist das Medium des Todes“, sagte er. „Auf einem Foto sieht man etwas, das es in Wirklichkeit nicht gegeben hat – und niemals geben wird.“
„Die Frauen auf diesen Fotos hat es aber wirklich gegeben“, sagte ich. „Der Beweis ist: sie spiegelten sich für den Bruchteil einer Sekunde in seinem Objektiv.“
„Der Mensch des Westens ist umstellt von Spiegeln“, sagte Lasko. “Und in diese Spiegel jagten die Maschinen. Und hinter den zerbrochenen Spiegeln sucht er vergeblich nicht die Kamikazetypen, die verschwunden sind, sondern sich selber. Aber er kann sich selbst nicht mehr sehen, weil die Spiegel zerbrochen sind. Also sucht er nach jemanden, den es nicht gibt. Und abgesehen davon versteht niemand diese Musik, der nicht selber eine schwarze Seele hat.“
„Welche Musik meinst du?“
„Round about Midnight.“
Eine gutaussehende Dunkelhaarige in Jeans und einem goldbetressten Michael Jackson-Jäckchen schritt durch den Raum. Lasko schaute ihr nach. Sie drehte sich an der Tür nach ihm um. Er tat so als ob es ihm entgangen wäre. Und ich tat so als ob ich das nicht bemerkt hätte.
„Du hast drei Sachen zu mir gesagt“, sagte ich. „Du hast gesagt: was mir an dir gefällt ist, dass ich dir gehöre. Zweitens: Lass mich dich erziehen, Baby. Und drittens: Warum lieferst du dich mir nicht vollständig aus?“
„Hab ich das wirklich gesagt?“
„Du warst betrunken....“
„Das macht nichts.“
„Du bist am besten wenn du betrunken bist.“
„Ich kann nicht immer betrunken sein.“
„Ich wollte, du wärst es.“
Er bot mir einen Schluck Gin aus seiner silbernen Taschenflasche an.
„Die Kunst zeigt ihr Geheimnis nur im geheimen. Man muss nicht glauben, dass man irgendetwas durch Neugier erfährt. Die Dinge laufen einem entweder in die Hand - oder es gibt sie nicht. Die Welt ist ein Sarg, ein Sarkophag, eine Zisterne. Die sogenannten exakten Wissenschaften sind diese kleinen Maulesel, die die Stute anwärmen und die Hufschläge abbekommen, bevor der Hengst den Plan betritt. Good morning, baby, good night.“
Noch einmal kreuzte das dunkelhaarige Miststück unseren Weg. Solche Weiber sieht man nur auf solchen Vernissagen. Und wieder schauten sich die beiden an. Ich nahm es als einen Trick des genius loci. Vor einem enorm gespreizten Akt nahm Lasko mich in den Arm. Ich legte meinen Kopf auf seine Schulter. Dann ließen wir uns los, und jeder von uns ging für ein paar Minuten allein, und wir verloren uns irgendwie aus den Augen. Ich bemerkte es erst als es zu spät war. In keinem der Räume konnte ich Lasko finden. Ein älterer Mann in einem Trenchcoat sprach mich an. Ich ignorierte ihn und ging runter in die Eingangshalle. Auch da war er nicht. Ich wählte Laskos Nummer. Er ging nicht ran. Seine Stimme auf dem Anrufbeantworter klang anders als sonst, irgendwie kälter, abweisend, verschlossen. Verzweiflung kroch in mir auf wie eine Schlange. Ich ging raus auf die Straße. Ich trank einen Kaffe in der Cafeteria. Das war es also: zum ersten Mal zeigten wir uns zusammen – und schon haute er mit einer anderen ab. Ich hätte es wissen müssen: er war der geborene Betrüger. Er konnte keiner Versuchung widerstehen. Er konnte niemals genug kriegen. Und ich konnte ihn nicht aufgeben. Mein Herz hing an ihm wie ein Fisch am Haken. So endete Alles. Ich kriegte den Kaffe kaum runter. Die Leute um mich herum degenerierten in Sekunden zu Zombies und verbrannten zu Asche. Das war es also: Er hatte natürlich ein feiges Finale gewählt. So hatte er es vermutlich mit all den anderen Frauen auch gemacht. Irgendwann konnte er ihre Nähe nicht mehr ertragen, wählte einen strategisch geeigneten Ort und schmiss sich einer anderen in die Arme – oder rannte heim zu seiner Frau, um auf allen vieren vor ihr zu kriechen, ihre Stiefel zu lecken - und sie, wenn er Glück hatte, ficken zu dürfen. Er war einfach für nichts verantwortlich. Alles spielte ihm in die Hände. Sein Charme, seine Aura der Verlorenheit, seine Statur, seine Subwooferstimme, seine elegante Abgerissenheit, seine Saint-Loup-Haftigkeit, sein splendor formae, seine passiv-sadistisch Art, seine gedächtnisstiftende Ausstrahlung, sein träumerisches Wesen.
Ein Defekt seiner Natur ließ ihn, immer wenn etwas von ihm erwartet wurde, stur und unerbittlich werden. Aktivität konnte er nur zeigen wenn sie aus dem Überschäumen seines Temperaments kam, aus der Überraschung: er wollte, dass man sie als Zauber empfand. Das war der Grund seiner Erfolglosigkeit als Schriftsteller – und seiner Wirkung auf Frauen.
Wenn ich nachts am Fluss saß und auf ihn wartete, und endlich seine Schritte auf dem Kiesweg hörte, ein letztes Mal auf das Wasser schaute, bevor ich ihn sah, und er sich zu mir auf die Mauer setzte, und ich mir zehn Minuten gab, bevor ich ihn sanft zurückbog, den Gürtel seiner Keuschheit löste und seinen Penis in meinen Mund nahm – da war ich kurz davor, ihm alles zu verzeihen, seine Verzweiflung und seine Hybris. Aber dass er mich hier sitzen ließ, mich so kalt abservierte, das machte mich fertig. Und ich wünschte mir eine Pistole, um ihn abzuknallen, ein Messer, um ihn abzustechen, ein Samuraischwert, um ihn zu köpfen. Ich versuchte, dieses Gefühl mit meiner Eifersucht zu vergleichen, von der ich besessen war, als Albion mich damals mit diesem türkischen Nilpferd betrogen hatte. Aber ich hatte keine emotionale Erinnerung mehr an diese damalige Eifersucht. Sie war gelöscht – und mit ihr die Liebe. Es war, als ob ein Eisschelf abgebrochen und in einem arktischem Meer versunken war. Das hier war stärker.
Ich zündete mir eine Zigarette an. Eine Kellnerin kam auf mich zu und sagte, dass das Rauchen hier nicht gestattet sei. Ich warf ihr die Zigarette vor die Füße und trat sie aus und sagte: ich rauche nicht. Sie schaute mich an, und in ihren Kuhaugen war alles Unverständnis dieser Welt.
Und da kam Lasko plötzlich herein. Seine Augen suchten nach mir, und als er mich sah war dieser Blick in seinen Augen, so weich und erlöst. Ich hätte untergehen können in diesem Blick, wenn es nicht der Blick gewesen wäre, von dem ich aufgespiesst und getötet werden wollte.
„Wo warst du, Liliana? - warum rennst du weg?! Was machst du hier? Was ist hier überhaupt los?!“, sagte er und nahm meinen Kopf in seine Hände wie ein rohes Ei und küsste mich auf die Stirn.
„Was starrst du mich so an, du dumme Sau! “, sagte er zu einem Typen der uns angrinste. Der Typ erstarrte. Lasko packte ihn an den Schultern und schüttelte ihn wie einen nassen Sack.
„Ich dachte, du hättest mich verlassen“, sagte ich. Er hörte es nicht.
„Lass ihn los!“ schrie eine Frau in einem kleinen Schwarzen.
Lasko ließ los, verbeugte sich mit einem Lächeln und sagte:
„Milady – ich befürchte, Sie wissen nicht wovon Sie reden! Wir leben in einer Epoche in der die Gesetze der Psychologie allen wohlerzogenen Menschen bekannt sein sollten. Ihre Erziehung lässt offensichtlich einiges zu wünschen übrig...“
Die Frau schnappte nach Luft. Ihr Mund verzerrte sich als würde ihr jemand einen Korkenzieher in den Hintern schrauben.
„Seid ihr bekokst – oder was, ihr dämlichen Idioten?!“ kreischte sie.
„Schnauze!“ sagte Lasko – und gefiel mir besser als je.
Zwei Ordner kamen und schmissen uns raus.
findeiss - Sonntag, 21. August 2011, 22:29- Rubrik: FORTSETZUNGSROMAN
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