„... und mit einer kleinen Hand“. Daniel Barenboim spielt Chopin für die Berliner Philharmoniker unter Asher Fisch (Konzert des 2. Oktobers 2009, Berliner Philharmonie).
Sanft gekürzt >>>> erschienen am 4. Oktober 2009. Hier ungekürzt.]
Hier wird nicht gemäkelt, auch wenn das beste Stück des Abends Lutoslawskis Streicherouvertüre von 1949 gewesen ist. Barenboims Schüler Asher Fisch, dem er zum Abschluß einen väterlich beglückten Wangenstreich versetzte, mußte sich nicht länger dirigentisch ziselieren wie bei dem raffinierten Jungpomp Szymanowskis zuvor. - Genug. Denn nun Chopin.
>>>> „...mit einer kleinen Hand“, schrieb Benn. Müßig, sich über orchestrale Schwächen zu erheben. Chopin ist Chopin, „artistische Überzeugung“ der Melancholie. Der 67jährige Barenboim, neben seiner >>>> Wagnerissomo-Zeit zur pianistischen Heimat zurückkehrt (entsinnen Sie sich seines jungen Mozarts noch?), hat Chopins süffige Brüchigkeiten derart in den Fingern, daß man die Tränen kriegt. Dabei überforderte, die Konzerte hintereinanderzuspielen, schon Jüngere. Ich merkte die Nervosität; der mächtige Mann war ein Junge. So spielte er auch, aus erster Verliebtheit, doch mit Wissen. Nicht die auftrumpfende Geste ist seines, sondern was in die Eingeweide geht. In den Pianissimi ist Barenboim vollendet Chopin: Innigkeit, Traurigkeit. Nähe. Die spielt für das Orchester mehr als für ein Publikum, dem Barenboim den gewohnten Heros gibt. Blicke legten sich zwischen ihn und den Solohornisten, rein an dem Dirigenten vorbei. Das Vorhaben ist für einen wie ihn auch riskant: ich lasse mich prüfen. Von den Musikern, Euch. Das hat Größe. Wir werden ihn „den großen alten Mann der Musik“ nennen werden. Hier war er großer weiser Junge der Musik: empfindlich, ängstlich, trotzig. Nahm die stehenden Ovationen halb verlegen, halb aber hochmütig an. Lieber den Oberarm des ersten Geigers berühren, seinen Protegé Fisch umarmen, immer, immer bei den Musikern sein. Das reicht bis in den Anschlag. Präzise trennt er die Töne, er hat einen Hang zur Punktierung, das chopinsche Perlenlaufen spielt er nur beiläufig mit: kein pianistischer Zirkusartist. Und wenn ich auch zu merken glaubte, er und das Orchester sparten anfangs Kraft (so zurückgenommen die Streicher, daß den Saal manchmal ein fein ununterscheidbarer Mischklang dimmte), so drehten sie im zweiten Konzert massiv auf. Als wäre dieses nicht genug, gab der erstaunliche Mann ein Nocturne hinzu: fürs Publikum. Blick zum Orchester, kleine Geste des Glücks, und er spielt noch einmal ihm vor von seiner kleinen Hand. Er mag arrogant sein, dieser Mann, doch kommt das von der Größe.
Leider hat Daniel Barenboim seine Zustimmung zur für den 4. Oktober geplanten live-Übertragung der dritten Aufführung des Konzertes nicht erteilt, die >>>> in der Digitalen Konzerthalle der Berliner Philharmoniker vorgesehen war; vermutlich wird das Konzert deshalb auch nicht ins Arvchiv aufgenommen sein. Was ein kleiner Jammer ist. Ich hätt, es hören zu dürfen, Ihnen gegönnt.
ANH.





















