Schneeflocke (Gast) meinte am 2009/06/19 11:15:
Lieber Herr Herbst,
auch wenn Ihnen das Erlebnis so sehr in den Kopf sprang, dass sie staunend wie ein Kind und fassungslos wie vor einem Gruseln stehen, DAS sollten Sie SO nicht ausdrücken!
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/schwester-was-tat-ich-dir-an/#5771934
diadorim antwortete am 2009/06/19 12:52:
hm. aber was ist denn ausgedrückt, habe ich mich gefragt. fisting?und wieso schwester, und wer ist M, und welchen satz vom genie? keine ahnung, was mit genie gemeint ist, helfen sie mir auf die sprünge?
und, ich glaube, sie verstehen es manchmal auch falsch, man beklagt sich nicht übers dargestellte, sondern vielleicht über die darstellung, vielleicht ist die ja mitunter biedermeier?
pasolini hat ja nun auch von allem gedichtet, wirklich von allem, und es ist innig und schön, aber er war ein "wirklichkeitsfresser" und die subjektive kamera enthielt oft den gegenschuss. und, wie bei meere, habe ich mich gefragt, warum wird da wieder jemand angerufen, schwester, du, da, was bindest du dir noch dein haar, wir wollen zum friseur jetzt gehn und uns danach nie wieder sehn. ich sag ja gar nicht, dass es einfach wäre, von sex zu schreiben, das muss man vielleicht auch frau diekmann sagen, und auch goetz, und denke dann manchmal, das muss vielleicht jemand machen, der davon nicht viel kennt, weil, das ist ja das dilemma des lesers, der guckt ja auch von außen druff, auf den text, und jemand, der von sex wenig weiß, der müsste eben alles auch von außen betrachten und beschreiben, obwohl das ja gar nicht das problem des gedichts ist, das ist ja drin.
also, für mich reichte das:
nahm deinen Leib
naß um die Faust
nahmst meine Faust
wo ein Kinderkopf durchpaßt
durch die Schelle deiner Hände
fest ums Gelenk
an dem du mich eindrehst
dann wäre nämlich das biedermeier mit dem was tat ich dir da an und das blut raus, die moralische haltung, die sie beklagen, ist ja im gedicht selbst, das lyrische ich hat ja mächtig skrupel und gewissensbisse im nachhinein, die drängen sich für meine begriffe viel mehr nach vorn, schon im titel, als der sex.
andererseits ist das vielleicht auch nicht verkehrt, nur könnte es anders ausgedrückt sein. ist ja nun mal so, als man das erste mal was lebendiges tot gemacht und verspeist hat, hatte man sicher auch skrupel, weil man hat ja spiegelneurone, empathie und mitleid auch und denkt sich, ich will ja niemandem weh tun, ich will ja auch nicht, dass man mir weh tut, vielleicht, oder, sagen wir, bestenfalls.
skrupel sind ja nicht verkehrt, wenn jemand sagt, schlag mich ins gesicht, hatte fichte ja auch skrupel, und ich dachte, ja, die hatte er wohl zu recht, die hätte ich auch erst mal. und einen der alleralleraller schönsten sätze zu skrupel hat tatum o'neal gesagt in paper moon:
"Ich hab auch Skrupel, verstanden ?
"Weißt du, was das sind, Skrupel ?"
"Keine Ahnung, aber wenn du sie hast, dann kann man ne Wette drauf abschließen, dass sie jemand anderm gehören."
und, es ist ja was dran, die skrupel, die man hat, gehören immer auch jemand anderem, davon weiss ja auch das gedicht was, aber es könnte das irgendwie anders sagen, für mein empfinden, aber, keine ahnung, wie, das können nur sie wissen.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/schwester-was-tat-ich-dir-an/#5772159
albannikolaiherbst antwortete am 2009/06/19 14:04:
@diadorim/@schneeflocke.
Das war jetzt, denke ich, hilfreich. Bleibt aber dennoch noch unfertig.Wegen M: Das ist ein Dritter, ein Betrachter, der - allenfalls - kommentiert. Es ist n i c h t die Frau hier. Daß das nicht klar wurde, wußte ich und bekam es heute morgen, als ich das Gedicht persönlich besprach, bestätigt. Von daher aber das "M war gegangen". Ich hätte gerne diesen Dritten, der mit hochgezogener Braue zuschaut, stärker im Gedicht.
Dennoch: Was Sie, Schneeflocke, als Grausen empfinden, ist mehr eine Art Irritation, wenn das Ich seine Hand nachher betrachtet und den Schleim sieht, in dem es an ihren Rändern sich auflösende, sekretartig zerfasernde Blutbätzchen, wie Schmierblutung, gibt. Es handelt sich aber nicht um eine bösartig zugefügte Verletzung, ja nicht einmal um einen Übergriff; genau das löst diese hohe Form von Irritation aus, in der es auch etwas gibt, das zurückschreckt, wobei das Zurückschrecken aber wiederum ganz falsch ist. Diadorim hat recht, daß es hier um Moral geht, aber um eine, die weder einer Realität noch einem wirklichen Bedürfnis entspricht. Die ganze Ambivalenz wird in solchen Erlebnissen losgelassen. Zugleich spielt in solche Erlebnisse immer zugleich auch ein Ekel mit hinein, der gegens Organische-an-sich geht. Darauf wollte ich auch hinaus.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/schwester-was-tat-ich-dir-an/#5772301





















