Notat zum Kitsch. „Romantik“ als Widerstand.
Wird >>>> der Kitschvorwurf erhoben, ist auf die F o r m zu sehen, n u r noch auf die Form; das betrifft auch „Bilder“ und Metaphern: w i e sind sie – als vermeintliches Klischee – gesetzt, in welchem Zusammenhang, mit welchem Rhythmus stehen sie da, gibt es etwa Synkopen? Tut man das nicht, sondern sieht sie allein über ihren Inhalt an, besteht die Gefahr, daß formulierte Emotionalität und das formulierte Gefühl-an-sich, für Kitsch erachtet wird. Es ist aber nicht das Gefühl kitschig, so wenig wie irgend ein rotglühender Sonnenuntergang, sondern seine reproduzierte Massivität. S o gesehen, ist unterdessen Ironie kitschig, s o gesehen ist – in der Gegenwartskunst – Distanz kitschig. Während die intellektuelle, also die in der Kunst formal gebundene Emotionalität, zu einem „Neuen“ wird. Man könnte für Ironie und Distanz von Intellektuellenkitsch sprechen. Denn sie, nicht etwa das Gefühl, sind die Ware von der Stange geworden.
Etwas anderes ist es mit den Melancholikern; doch zu denen gehört man, oder man gehört zu ihnen nicht. Es gibt literarische Temperamente.
Zu dem allgemeinen Vorgang gehört auch, daß Literaturen, die sich, vor allem in Deutschland, am Boden ausrichten und Heimat formulieren, nahezu sofort zu Blut und Boden uminterpretiert werden, ebenso leichtfertig, wie der „Held“ desavouiert wird. Dahinter steht Industrie: es ist der modernen Ökonomie nicht förderlich, die Produktionsmächte w o l l e n nicht, daß noch Bindungen bestehen, die sich der opportunen Flexibilität eines Arbeitsreplikanten widersetzen. Der Replikant ist als solcher durchweg gewollt: wurzellos und „frei“ verfügbar einzusetzen, wo die Industrie ihn braucht; mit dem einher geht eine Entmaterialisierung industrieller Vorgänge: sie verschieben sich auf Dienstleistung und Bewußtseinsverfassung, indes die materielle Produktion in Hungerlohnländer outgesourct wird: ein verräterischer Begriff, der den Landsknecht als Träger der industriellen Wirklichkeit zeigt. Er ist die menschliche Ware, die sich selbst herstellen muß. Als eine sogar in ihrem Körperkult entkörperte.
Je weniger Individuum wir noch sind, um so bestimmter glauben wir an unsere individuelle Autonomie: das ersetzt die Religion. Wo nur noch nach Masse gerechnet wird, Pop(ularität) und Quote, wird das Private zum Heiligen Vorhang, hinter dem man seinen leergefegten Altar verbirgt.





















