Erektionen & Burka. Genetische und kulturelle Disposition.
Es ist doch auffällig, daß uns dieselbe nackte Frau in der Sauna für gewöhnlich ganz schlaff läßt, auch wenn wir selbstverständlich hinschaun; entkleidet sie sich aber im Restaurant, sind alle männlichen Gäste mit einem Mal Phallus. Es ist der Zusammenhang, der aufs Begehren wirkt, und es braucht eine Vornahme, braucht den bewußten Willen, sich auch in der Sauna oder gar am Nacktstrand sichtbar erregen zu lassen, kurz: braucht Kultur. Das Restaurant hingegen bringt die Kultur schon mit. „Bitte mach deine Brust frei, die linke.“ „Hier?“ „Hier.“ Sie muß es gar nicht tun, die Aufforderung reicht schon und die, sagen wir, Frechheit, das Ansinnen auch vorzubringen: ein Mut, mithin die Stärke (genetisch bleibt sich das immer gleich), die sich aus der Kultur ausspricht und im „Natürlichen“ jeder FKK-Bewegung versagen muß, weil sie dort von vorneherein desinfiziert ist. Wer sagt, Sexualität sei „nur“ natürlich, versagt sich den Rausch. Und versteht nicht, welche Funken sich aus der Spannung zwischen Trieb und Geist herausschlagen lassen, bis das Feuer dann auch brennt. Dieses gilt für jede Übertretung. Weshalb wir Moralen brauchen. Liebeskunst ist immer blasphemisch.
Übertretung.]
Wie sie „versehentlich“ die Burka fallen ließ, momentlang, Campus des Brunnens der Sieben, wie sich das Kleid über die Wade hob, Jerusalem Altstadt.





















