Eine Zwischenmeldung als Arbeitsjournal des Dienstags, dem 16. August 2011. Noch einmal Florian Kessler, sowie Replik des Vitalismus.
9.05 Uhr:
[Arbeitswohnung.]
Wegen des zweiten Kinderbuches, dessen Plot-Entwicklung mir zur Zeit ziemliche Probleme bereitet, und weil ich bis zum Freitag die Fahnen der >>>> Kleinen Theorie des Literarischen Weblogs korrigiert haben muß, bleibt mir momentan weder die Zeit, Ihnen von der blauen Nereïde zu erzählen, die mich in der vergangenen Samstagnacht umschwamm, noch kann ich das Arbeitsjournal führen, wie Sie es gewöhnt sind. Sehen Sie’s mir bitte nach und bleiben mir gewogen.
Zudem, >>>> Liliana Ahmeti entschädigt Sie, und zwar auch dann, denke ich, wenn >>>> ein böswilliger Dummkopf das Andenken an den Dichter Wolfgang Hilbig vermittels Anmaßung schmäht, nämlich in seinem, des Dummkopfes Nick. Da hat es ziemlich gut gepaßt, daß mich gestern abend ein junger forscher Mann ansprach; ich saß da im >>>> Einstein des Westens und wartete auf >>>> Dr. No, mit dem ich hernach lange und angenehm causierte. Zur >>>> Bar hinüber, gleich um die Ecke, schafften wir es dann nicht mehr. Das hatte mit New York zu tun, aber ich spreche nicht drüber. Wie auch immer. Jedenfalls stand - also ich saß noch allein da und belutschte meine Pfeife - der junge Mensch am Nebentisch auf und fragte: „Sind Sie Alban Nikolai Herbst?” Ich konnte nicht anders, als wahrheitsgemäß zu bejahen. „Ich bin >>>> Florian Kessler”, setzte er fort, „und habe Sie in der Süddeutschen geschmäht.” „Ah ja”, sagte ich und lächelte, damit ihm seine Furcht verging. Es schien sie aber zu schüren. „Ich setze mich dann besser woanders hin”, sagte er nämlich. Darauf ich, ernstlich überrascht: „Weshalb denn das? Bleiben Sie ruhig.” „Nein, nein, es ist besser, wenn ich mich umsetze.” Sprach’s und tat’s, und zwar so weit wie möglich entfernt, ganz in die hintere Ecke des Gartens, wobei das, weil ich fast hinten saß, ganz ganz vorne rechts war, wenn man aus dem Lokal die hinteren Treppen hinabgeht.
Dachte er, ich würde ihn noch einmal erschießen? Weshalb? Ich tendiere nicht zur Redundanz. Oder mochte er nicht, daß ich sähe, mit wem er sich traf? Oder wollte er seine Verabredung vor meinem nervigen Pathos schützen?
Nun ist es ja nicht so, daß ich mich überall einmischen würde, schon gar nicht in die Rendezvous fremder Jungs. Ich weiß aber auch nicht, ob man von einem Rendezvous hätte sprechen können, das er gehabt; ich guckte nämlich gar nicht mehr rüber. Zumal da lauter Menschen zwischen uns saßen und sowieso Dr. No, unterdessen, gekommen war und von etwas zu sprechen begonnen hatte, das ich ständig - er warf’s mir leise mahnend vor – übersähe: daß ich nicht alles immer voraussetzen darf, weil wir, die dieses Berufes sind, für ein sterbendes Medium leben. Nicht alle, freilich, und nicht nur: Ich zum Beispiel entdeckte, aus Lebensfreude, das Tauchen, ob in die Körper, ob ins Meer. Das hält einen wie Löwinnen aufrecht und tut den Muskeln gut.
(Selbstverständlich erzähl ich Ihnen die Kesslergeschichte, weil ich doch weiß, der junge Mann guckt heut bei Google, ob er vielleicht erwähnt worden ist, und ich mag Menschen nicht enttäuschen.)
16.08 Uhr:
Mühsam, mühsam. Aber ganz langsam klärt sich der Ablauf der Geschichte, die der zweite Jungenroman erzählen wird. Wahrscheinlich kann ich morgen endlich daran gehen, die Kapitelstrukturierung vorzunehmen und danach sofort zu schreiben beginnen: indem ich das, was bisher da ist, erstmal wieder „zu den Akten” lege.
Immerhin, Nachricht vom WDR: Mein nächstes Hörstück wird über >>>> Helmut Krausser gehen; viel Puccini also diesmal. Er weiß aber noch nichts, ich werde ihm gleich mailen. Für das Stück hätte ich gerne eine Idee, wie man ein Backgommon-Match akustisch umsetzen kann.
Weiter mit dem Plot. In zwei Stunden kommen die Zwillingskindlein hierher, mit ihrer Mama und auch unserm Jungen: gemeinsames Spaghetti-Essen.

[Arbeitswohnung.]
Wegen des zweiten Kinderbuches, dessen Plot-Entwicklung mir zur Zeit ziemliche Probleme bereitet, und weil ich bis zum Freitag die Fahnen der >>>> Kleinen Theorie des Literarischen Weblogs korrigiert haben muß, bleibt mir momentan weder die Zeit, Ihnen von der blauen Nereïde zu erzählen, die mich in der vergangenen Samstagnacht umschwamm, noch kann ich das Arbeitsjournal führen, wie Sie es gewöhnt sind. Sehen Sie’s mir bitte nach und bleiben mir gewogen.
Zudem, >>>> Liliana Ahmeti entschädigt Sie, und zwar auch dann, denke ich, wenn >>>> ein böswilliger Dummkopf das Andenken an den Dichter Wolfgang Hilbig vermittels Anmaßung schmäht, nämlich in seinem, des Dummkopfes Nick. Da hat es ziemlich gut gepaßt, daß mich gestern abend ein junger forscher Mann ansprach; ich saß da im >>>> Einstein des Westens und wartete auf >>>> Dr. No, mit dem ich hernach lange und angenehm causierte. Zur >>>> Bar hinüber, gleich um die Ecke, schafften wir es dann nicht mehr. Das hatte mit New York zu tun, aber ich spreche nicht drüber. Wie auch immer. Jedenfalls stand - also ich saß noch allein da und belutschte meine Pfeife - der junge Mensch am Nebentisch auf und fragte: „Sind Sie Alban Nikolai Herbst?” Ich konnte nicht anders, als wahrheitsgemäß zu bejahen. „Ich bin >>>> Florian Kessler”, setzte er fort, „und habe Sie in der Süddeutschen geschmäht.” „Ah ja”, sagte ich und lächelte, damit ihm seine Furcht verging. Es schien sie aber zu schüren. „Ich setze mich dann besser woanders hin”, sagte er nämlich. Darauf ich, ernstlich überrascht: „Weshalb denn das? Bleiben Sie ruhig.” „Nein, nein, es ist besser, wenn ich mich umsetze.” Sprach’s und tat’s, und zwar so weit wie möglich entfernt, ganz in die hintere Ecke des Gartens, wobei das, weil ich fast hinten saß, ganz ganz vorne rechts war, wenn man aus dem Lokal die hinteren Treppen hinabgeht.
Dachte er, ich würde ihn noch einmal erschießen? Weshalb? Ich tendiere nicht zur Redundanz. Oder mochte er nicht, daß ich sähe, mit wem er sich traf? Oder wollte er seine Verabredung vor meinem nervigen Pathos schützen?
Nun ist es ja nicht so, daß ich mich überall einmischen würde, schon gar nicht in die Rendezvous fremder Jungs. Ich weiß aber auch nicht, ob man von einem Rendezvous hätte sprechen können, das er gehabt; ich guckte nämlich gar nicht mehr rüber. Zumal da lauter Menschen zwischen uns saßen und sowieso Dr. No, unterdessen, gekommen war und von etwas zu sprechen begonnen hatte, das ich ständig - er warf’s mir leise mahnend vor – übersähe: daß ich nicht alles immer voraussetzen darf, weil wir, die dieses Berufes sind, für ein sterbendes Medium leben. Nicht alle, freilich, und nicht nur: Ich zum Beispiel entdeckte, aus Lebensfreude, das Tauchen, ob in die Körper, ob ins Meer. Das hält einen wie Löwinnen aufrecht und tut den Muskeln gut.
(Selbstverständlich erzähl ich Ihnen die Kesslergeschichte, weil ich doch weiß, der junge Mann guckt heut bei Google, ob er vielleicht erwähnt worden ist, und ich mag Menschen nicht enttäuschen.)
16.08 Uhr:
Mühsam, mühsam. Aber ganz langsam klärt sich der Ablauf der Geschichte, die der zweite Jungenroman erzählen wird. Wahrscheinlich kann ich morgen endlich daran gehen, die Kapitelstrukturierung vorzunehmen und danach sofort zu schreiben beginnen: indem ich das, was bisher da ist, erstmal wieder „zu den Akten” lege.
Immerhin, Nachricht vom WDR: Mein nächstes Hörstück wird über >>>> Helmut Krausser gehen; viel Puccini also diesmal. Er weiß aber noch nichts, ich werde ihm gleich mailen. Für das Stück hätte ich gerne eine Idee, wie man ein Backgommon-Match akustisch umsetzen kann.
Weiter mit dem Plot. In zwei Stunden kommen die Zwillingskindlein hierher, mit ihrer Mama und auch unserm Jungen: gemeinsames Spaghetti-Essen.
albannikolaiherbst - Dienstag, 16. August 2011, 16:13- Rubrik: Arbeitsjournal
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