R.F. (Gast) meinte am 2009/06/30 13:31:
Preiseitelkeiten
Das ist doch alles nicht konstruktiv. Machen sie sich doch nichts vor: Auch Lyriker treten sich hierzulande gegenseitig weg. Sie haben spitze Ellenbogen. Sie akzeptieren sich doch nur auf Augenhöhe in ähnlichr Not, aber wehe, jemand steigt irgendwie auf, und die anderen bleiben zurück, dann ist es aus mit der Freundschaft. Es ist doch eine Mentalitätsfrage. Sie wissen doch, dass Literatur oder Sprache überhaupt in Deutschland nicht die selbe nationale Bedeutung hat wie in Frankreich, wo es ja bekanntlich den homme d'lettre schon mal als Begriff gibt. Lyrik muss ein öffentliches Event werden, ein Ereignis.Hier eine bessere Geschäftsidee: Das deutsche Lyrik-Ensemble.
Das Problem ist doch, dass jeder vor sich hinwurstelt, und jeder sich als einsames Genie hält und Solidarität, wenn überhaupt, nur in gemeinsamer Not funktioniert. Meine Geschäftsidee wäre also ein Lyrikensemble, das wäre ein großer Chor von - sagen wir mal 49 gut trainierten Sprechern plus Dirigent/Dramaturg. Dieser Chor besteht entweder aus Sprecherprofis, gemischt, oder sogar aus Lyrikern selbst. Man zieht ihn als reines Sprach-Ensemble auf. Vielleicht ist er auch noch größer und bekommt noch 20 Kinderstimmen dazu, die vorne stehen.
Jetzt funktioniert die Sache folgendermaßen: Man trainiert mit diesem Chor ein etwa 45 minütiges Programm ein, sagen wir zum Thema "Frühling" , und dann nimmt man aus der zeitgenössischen deutschsprachigen Lyrik von verschiednenen Lyrikern Gedichte und baut daraus eine Dramaturgie - lässt diese Gedichte von diesen 60 Leuten sprechen, flüstern, tönen..in Gruppenaufteilungen, gemeinsam etc... was glauben sie was so ein chor aus Lyrik machen kann ...etc.... und vertraut dabei nur der Musik der gesprochenen Sprache, also man stellt unter Beweis, dass Sprache, Lyrik eben durchaus auch eine "monumentale" Bedeutung hat oder haben kann. Dann gehen sie mit diesem Chor auf Städte-Reisen, in die Hallen, sie bedienen sich dabei natürlich ebenso einer Mikrofontechnik und nutzen alle Schikanen, die es gibt, nur eins bleibt verboten: Singen oder zusätzliche Musik. Die Sprache singt für sich allein.
So. Jetzt bauen sie sich peu a peu ein Repertoire zu verschiedenen Themen zusammen. Liebe, Jahreszeiten, Technik, Reisen, bla bla
Ich sage ihnen, wenn sie mit diesem Konzept drei Jahre durch Deutschland gereist sind, hat die Lyrik, hat die Sprache einen anderen Stellenwert als vorher.
Das Ding wird ein Exportschlager bis nach Japan... und dann suchen sie sich ein Haus als Heimat, falls sie mal nicht unterwegs sind, da kriegen sie dann die Reisebusse rein.
Die Einnahmen aus den "Konzerten" fließen in einen Topf zur Unterstützung von Lyrikern. Gleichzeitig finanziert man Programmhefte, die zugleich als kleine Lyrikantologien dienen, zum Mitlesen und Mitnachhausenehmen, macht PR, gibt Interviews etc.... So muss man die Sache aufziehen.
Wenn Sie mit dem Konzept Fördergelder oder Sponsoren einholen, wird keiner Nein sagen, weil das die Lyrik nämlich aus ihrer verbissen verstaubten unglänzenden Privatgefriemel herausholt.
Wenn man einen Sprecherchor geschickt und professionell führt, kann man die Texte verstehen, noch dazu wenn man mit kanonischen Effekten, Perioden oder wiederholungen arbeitet und Tontechnik einsetzt.... und sich genug Zeit für die Proben lässt.
Anstatt also hier rumzunölen, würde ich mich jetzt an den Schreibtisch setzen und ein Papier aufsetzen, der das Konzept aufreisst und das an potentielle Sponsoren verschickt, sowie ans Bundeskulturminsterium
Das deutsche Lyrik-Ensemble.
Die Sprache nämlich muss wieder wichtiger werden als das verpiefte Lyrikergenie. Und wenn das passiert ist, dann hat auch das verpiefte deutsche Lyrikergenie wieder einen anderen Status. Es geht also um die Akzeptanz von Lyrik und den Respekt vor Lyrik und nicht um den Lyriker.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/dichterarmut-dichterreichtum/#5794589
diadorim antwortete am 2009/06/30 13:44:
ohne lyriker keine akzeptanz und keinen respekt vor lyrik, irgendwer muss sie machen. ansonsten hätte ich nichts gegen diesen vorschlag. 99 in graz hat frank köllges ähnliches getan mit ein paar von uns. allerdings bin ich des reisens müde. planen sie bitte ohne mich, der text ist schon event genug. sie denken wie ein eventmanager, ich denke halt bloß wie ein dichter. die texte sind meine werbung, ich möchte nicht ständig in personalunion mit ihnen für sie werben, auch, aber nicht nur.
es ist ein unterschied, ob man laut über bedingungen nachdenkt oder nölt. ich kenne kein verpieftes deutsches lyrikgenie. sie bringen pappe in stellung.
das unglänzende privatgepfriemel. hm. robert walser, sehr unglänzend, sehr privat gepfriemelt.
man muss einen begriff davon haben, was der glanz der literatur eigentlich ist, und nicht ihr den begriff, den man vom glanz landläufig hat, überbügeln, denke ich.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/dichterarmut-dichterreichtum/#5794616
R.F. (Gast) antwortete am 2009/06/30 14:07:
verpieft
ist genau diese Haltung: Ich bin die Dichterin aus dem frühen 19. Jahrhundert.Die Künstlerin hinter meinen Gardinen. Ich dichte.
Ich möchte entdeckt werden.
Jemand soll meinen Stein hochheben, unter dem ich lebe und dichte, und mir seltenem Insekt den Prix de Concourd verleihen. Ich möchte dann ganz bescheiden aufs Podium treten, ganz überrascht und bescheiden die Hände faltend einen großen PReis entgegen nehmen. Ach hörn sie doch auf.
Für dumm verkaufen kann ich mich selbst.
Das ist unamerikanisches Verhalten. Nicht geschäftstüchtig.
Sorry, ich will sie nicht beleidigen...wirklich nicht....aber
wer soll denn die Leidenschaft für so ein Projekt aufbringen, wenn nicht Lyriker selbst?
Es geht eben in heutigen Zeiten der Krise der Lyrik erstmal n i c h t um den Lyriker, sondern zunächstmal darum zu plausibilisieren, was Lyrik sein kann. Was Sprache sein kann. Einen Bedarf zu wecken. Und dann wird man auch wieder der Personen dahinter gewahr werden.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/dichterarmut-dichterreichtum/#5794659
diadorim antwortete am 2009/06/30 14:21:
sie schauen nur auf die haltung und leiten daraus was ab, was mit der sache selbst nichts zu tun hat. ICH BIN KEINE DICHTERIN DES 19. JHDS. wer meine gedichte liest, käme nicht auf den schwachsinn, das behaupten zu wollen.wer sind sie? was soll das? was bilden sie sich eigentlich ein? ich lasse mich auf ein gespräch ein und sie haben nicht einen funken höflichkeit über? meinen sie, das zeichnet sie aus?
es geht bei allem auch immer um die menschen, die etwas hervorbringen. wenn humanismus ganz an ihnen vorbei gegangen ist, dann haben sie etwas nachzuholen, aber gründlich.
ansonsten haben sie mit einigem nicht unrecht, aber ihre art gefällt mir nicht. absolut nicht. sie ist derart von respektlosigkeit durchsetzt, dass ich mir von jemandem wie ihnen nicht versprechen würde, dass er die sache der sprache der dichtung gut vertreten würde. ich mag mich täuschen, aber ich mag mich auch nicht länger beflegeln lassen. das werden sie verstehen. wenn sie was für die dichtung tun wollen, tun sie es, verlangen sie aber keine dankbarkeit von den produzenten, die sie gleichzeitig diskreditieren.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/dichterarmut-dichterreichtum/#5794675
R.F. (Gast) antwortete am 2009/06/30 14:34:
ich möchte
niemanden bepflegeln, wenn es so rübergekomen sein sollte, entschuldigung, ich wollte nur auf einen Mißstand hinweisen, der mir ein mentaler Mißstand zu sein scheint, irgendwie ein falsch-romantischer, das 19.Jh. meinte nicht die Produktion, sondern die Unfähigkleit der Lyrikszene sich aus der elenden Abhängigkeit von irgendwelchen Kritiker-Tussis zu befreien, die sie oben ganz zu Recht angesprochen haben. Aber das Elend sind nicht die elenden Kritikertussis, von deren Berichterwähungen man elend sich abhängig macht, sondern eben das Elend einer Mentalität, die sich lediglich auf das Künstlerdasein beschränken zu müssen glaubt. Seit mindestens 20 Jahren läuten die Glocken, dass man im Literaturbetrieb irgendwie mehr haben muss, als künstlerisches Talent. Jetzt kann ich mich in die Schmollecke zurückziehen oder mit einer konstruktiven Idee eben dagegen angehen, sonst bringt das doch alles nichts. Sonst wird man nämlich noch die nächsten 20 Jahre von elenden Kritikertussis elendig abhängig sein, die einen wieder nicht erwähnt haben usw..also natürlich sind sie nicht 19. Jahrhundert....
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/dichterarmut-dichterreichtum/#5794702
diadorim antwortete am 2009/06/30 14:56:
sie bezichtigen uns nicht konstruktiv zu sein. mit zwei kolleginnen bastel ich an einem format, das sich die rottenkinckschow nennt. entschuldigung, es fand bislang 3 mal statt, wird heuer in den kunstwerken im august sich breit machen und im november nach wien ziehen. aber, ich darf ja keine werbung machen, sondern ich soll werbung machen. wie sollten wir abhängig von was sein, was uns die droge nicht gibt? iris radisch hat keinen schimmer von dichtung. sie folgte dem ruf der elmau, weils die elmau war, ist schön da, ich bin ja auch hingefahren. wenn iris radisch sich nun für lyrik interessiert und florian ilias, dann ist das löblich, aber man ist nicht abhängig von leuten, die einem nie was gegeben haben, wie soll das denn gehen?texte schreiben, die man selber gut findet, ist nicht so einfach, das kostet beschissen viel zeit. ich sitze in keiner schmollecke, ich habe gebloggt bis zum umfallen, ich habe mich mit meiner dichtung auf manches podium gestellt, ich konnte mir die schmollecke noch nie leisten, und, bitte, wer konnte das schon? was mir nicht gefällt, sie bezichtigen ständig die dichter und die kunst selbst. die sind aber nicht schuld, nur in ganz seltenen fällen.
bitte, ja, was hat riesenmaschine gemacht? passig hat mal einen guten text vorgelegt, das hat doch gezählt, schade, dass sie jetzt lauter machwerk fabriziert, das irgendwie anschluss an den markt sucht, verständlich, aber schade, die frau kann schreiben, verschanzt sich aber hinter zweckrationalem handeln, verständlich, herrndorf kann auch schreiben. schmidt kann das. ich hab keinen einblick in deren bücher, vielleicht läuft alles super, man fragt sich dann natürlich, warum brauchen sie noch das goethe institut, wenn alles so super läuft, läuft wahrscheinlich doch nicht so super. würde ich nur ihnen nicht anlasten. verstehen sie, was ich meine? sie haben einen weg gesucht und gefunden, der kann aber nicht für alle gelten, und obs der einzige und richtige ist, bleibt auch nochmal dahingestellt. das problem ist doch viel einfacher, man kann seine zeit nur einmal vergeben, und das macht man, indem man bloggt, dichtet, dichtet und bloggt, die beschissen schnell verlotterte bude aufräumt, den kühlschrank befüllt, duscht, wen vom flieger abholt, wen zum flieger bringt. was soll denn der dichterwicht noch alles innovativ und intervenierend tun. muss man denn wirklich immer alles selber machen? kann mir mal jemand was abnehmen?
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/dichterarmut-dichterreichtum/#5794751
diadorim antwortete am 2009/06/30 15:30:
ah ja? deshalb kommentieren sie auch genau in dem moment der pose, die kaum mehr interessiert? sehr interessant.sehen sie, ich akzeptiere überhaupt kein dasein, das man mir zuweist.
der klagenfurttext sollte den preis gewinnen. sie hängen also auch dieser theorie an. tja, kann sein, aber jeder text, der dort antritt, will den preis gewinnen, nur die internetwahl kann man vielleicht beeinflussen, aber den hauptpreis? wie soll das gehen? kannte sie die anderen texte? viele schreiben auf klagenfurt hin. ich glaube, sie hängen verschwörungstheorien an, die gezielt nur eines zeigen, eine sehr begrenzte sicht.
ich komme auf riesenmaschine nicht wegen lyrik, sondern wegen der anderer strategien, die ein r. f. einforderte.
und sie gefallen sich in der pose dessen, der auch nichts wirklich innovatives vorzubringen hat, als, kind, das musst du doch wissen, wenn du anwalt wirst, dass du einen ordentlichen anzug brauchst. tja. und in welcher nische hocken sie, wissen darum und sind ihres winkels froh, wenn man fragen darf?
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/dichterarmut-dichterreichtum/#5794813
R.F. (Gast) antwortete am 2009/06/30 15:46:
@diadorim
ich war jetzt auch etwas überrascht, dass sie mit riesenmaschine kommen, die haben doch eher einen journalistischen Ansatz und soweit ich das überblicken kann, können die nicht wirklich vom Publizieren leben. Aber die Idee ist natürlich schon auch - sich als Ensemble zu verkaufen, als Riesenmaschine eben. Ich glaube wirklich, man kann nur über die Definition-ich sag mal wieder das hässliche Wort - von Kernkompetenz zu dem kommen, also was Lyrik soll, für wen und warum etc... gestern fiel hier das Wort snack, nun ja, hm....weiß nicht...schwer das zu widerlegen.Naja...wie dem auch sei, immer mal wieder dringt ein bändchen raus, wie saskia fischer letztes jahr bei suhrkamp mit scharmützelwetter dann ist es wieder weg...kräht auch kein hahn nach, ist halt schwierig...
ich fürchte es wird wirklich eine eher kulturphilosophische Diskussion über die Relevanz von Lyrik, aber die kann hier kaum geführt werden, ohne dass man da nicht sofort zu sehr ernüchternden Resümés kommt.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/dichterarmut-dichterreichtum/#5794844
diadorim antwortete am 2009/06/30 16:36:
dann schlage ich vor, kaufen und lesen sie lyrik, es darf auch meine sein.ihre pubertät hätte ich sehen wollen, wenn sie mich aufgrund meiner beiträge hier als postpubertäre krawallrhetorikerin bezeichnen. pure behauptung. aber, man kanns ja mal versuchen hier an der schießbude, oder wie?
fragt sich, wer da noch was nachholen muss, ich oder sie? und wieso glauben sie, ich habe danach überhaupt noch lust, ein wort mit ihnen zu wechseln?
ich bin mal nett, also, beinahe jeder text ist für diesen wettbewerb konzipiert und konstruiert, und jeder wird zumindest von seinem vorschläger gecoacht. auch mich fragte man mal, traute sich dann aber doch nicht aufgrund der vielen fremdsprachigen passagen und ich hatte insgesamt zu wenig klagenfurtkompatiblen text zum zeitpunkt der anfrage. verwerflich finde ich das auch nicht, texte für den wettbewerb zu schreiben. man schreibt ständig auf auftrag. was macht da den unterschied. ich bin im bilde. sie müssen mich für dumm halten, aber das wollen sie so. sie sagen jetzt selber, es war der beste text in diesem jahr. na also. so habe ich das auch gesehen. und, ja, herrndorfs beide bücher sind schöne melancholische landmarks der gegenwärtigen erzählkunst. ich mag sie auch. und jetzt habe ich anderes zu tun.
missverständnis, ich meinte, kannte passig ihre mitbewerbertexte.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/dichterarmut-dichterreichtum/#5794937
DerFreundvonderJulia (Gast) antwortete am 2009/06/30 18:02:
Sie schreiben auch Gedichte Diadrom?
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/dichterarmut-dichterreichtum/#5795100
Sun-ray antwortete am 2009/06/30 18:20:
@diodorimirgendwie ja schon bezeichnend teutsch,
dieses jammerlappige bestehen auf ernstzunehmend-sein.
ich würd Sie gern mal überzeugend
über sich selbst lachend erleben.
und sei's nur hier.
um vorzubeugen: ja, andere auch ..... ;)
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/dichterarmut-dichterreichtum/#5795149





















