Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop

Marlboro, Prosastücke, 1981 Die Verwirrung des Gemüts, Roman, 1983 Die blutige Trauer des Buchhalters Michael Dolfinger, Lamento/Roman, 1986 Die Orgelpfeifen von Flandern, Novelle, 1993, 2001 Wolpertinger oder Das Blau, Roman, 1993, 2000 Eine Sizillische Reise, Fantastischer Bericht, 1995, 1997 Der Arndt-Komplex, Novellen, 1997 Thetis. Anderswelt, Fantastischer Roman, 1998, (Erster Band der Anderswelt-Trilogie) In New York, Manhattan Roman, 2000 Buenos Aires. Anderswelt, Kybernetischer Roman, 2001, (Zweiter Band der Anderswelt-Trilogie) Inzest oder Die Entstehung der Welt, Der Anfang eines Romanes in Briefen, zus. mit Barbara Bongartz, 2002 Meere, Letzte Fassung 2007. Bei Volltext. Die Illusion ist das Fleisch auf den Dingen, Poetische Features, 2004 Die Niedertracht der Musik, Dreizehn Erzählungen, 2005 Dem Nahsten Orient / Très Proche Orient, Liebesgedichte, 2007 Meere, Letzte Fassung 2007 Aeolia.Gesang / Stromboli. Mit den Bildern von Harald R. Gratz. Limitierte Auflage, 2008 Kybernetischer Realismus, Heidelberger Vorlesungen. Manutius Heidelberg 2008Der Engel Ordnungen, Gedichte. axel dielmann - verlag 2009 d e

 
Sun-ray meinte am 2009/05/27 12:48:
So ist es - und beschreibt damit
den nicht wegzudiskutierenden Unterschied
zwischen Bedürftigkeit und Vision. 
Paul Reichenbach antwortete am 2009/05/27 14:41:

Danke.
Ja, und trotz ihrer Unterschiede generieren sich Bedürftigkeit und Vision gegenseitig. Sie bedingen einander.

 
Sun-ray antwortete am 2009/05/27 18:24:
Verzeihen Sie bitte, wenn ich vehement widerspreche:
Nein, tun sie nicht.
Bedürfnis und Vision mögen einander
bedingt nachvollziehbar die Hand reichen -
Bedürftigkeit jedoch verhindert Vision.
Denn sie ist nichts weiter als zielintendierte Abhängigkeit.
Und Abhängigkeit der Kontrapunkt zu Freiheit.
Vision aber ist Ausdruck größtmöglicher Freiheit.
So sie dies nicht ist, ist sie keine Vision,
sondern bloß Illusion. 
Paul Reichenbach antwortete am 2009/05/27 19:03:

Genaues Lesen bedarf keiner Bitte um Verzeihung und eine daraus resultierende korrigierende Ergänzung, wie die Ihre, ist natürlich willkommen. Dass Bedürftigkeit Illusionen weckt, stimmt. Aber ebenso, da bleibe ich dabei, kann sie Visionen, Utopien, etc. erzeugen. Aber vielleicht haben Sie eine andere Vorstellung vom Begriff Vision, fassen ihn quasi eher wie El Greco oder Bosch, als Erleuchtung?
Über "zielintendierte Abhängigkeit als Kontrapunkt zu Freiheit, Supergedanke von Ihnen, schreibe ich später. Hier am großen Zeiger turnt leider aufgeregt ein Termin. :-)

 
Sun-ray antwortete am 2009/05/28 12:35:
Ja, ich denke auch, dass es sinnvoll ist,
beim jeweiligen Verständnis von Vision weiterzusetzen.

Zwar fände ich den Zugang dazu über El Greco und Bosch
persönlich farbenfroher, aber mich beschäftigt noch immer
Ihr gestriger Literaturtipp. Weshalb ich lieber bei diesem bleibe.
Ich erwähnte ja bereits, dass ich Herrn Serres ein wenig umständlich finde.
Aber auch umständliche Nüsse lassen sich knacken. ;)

Er zieht einen wunderschönen Vergleich zwischen
Platons Gastmahl und dem Abendmahl der Eucharistie.
Und letzteres dazu heran, jene Qualität des Lebens zu beschreiben,
die aufgrund angelegter Parameter beim Gastmahl verborgen bleibt.
Im Grunde ist es jenes berühmte Mehr zwischen Himmel und Erde,
über welches wir maximal wissen, dass es existiert:
Das wahre Wesen der Singularität,
welches sich nicht nur durch Worte nicht erfassen lässt,
sondern vor Worten geradezu flieht.

Entsprechend verstehe ich Vision als eine Botschaft
aus der Singularität in die Singularität.
Sie kommt völlig ohne periphären Ort der Betrachtung aus.
Insofern unterscheidet sie sich fundamental von Illusionen,
welche aus persönlichen Bedürftigkeiten (Defiziten) geboren werden.
Auch und besonders dann, wenn diese vorgeben,
visionär zu sein - was lediglich eine Illusion über die Illusion wäre.

Eine Vision ist ohne Wahrheit nicht vorstellbar.
Und obschon ich sie schmunzelnd als umständlich empfinde,
fasziniert mich die sorgfältige Art und Weise,
in der sich Herr Serres diesem recht empfindlichen Zusammenhang nähert.
"Wenn das Problem der Reduktion sich auflöst,
bleibt die Traduktion, die Übersetzung;
wenn das Problem der Produktion verschwindet,
bleibt die Kommunikation.
Wenn das Problem der Referenz sich erschöpft,
bleibt die Interferenz."

(Serres, Hermes II. Interferenz)

Die Interferenz ist nicht irgendwie in Kauf zu nehmender,
sondern wesentlicher Teil der Wirklichkeit.
Insofern als sie wahr ist und eine tragende Rolle
im Ursache-Wirkungs-Gefüge spielt.
Denn sie tritt ja nicht nur fachbezogen hie und da mal auf,
sondern gilt disziplinübergreifend immer und überall.
Es wäre ein unerklärliches Wunder, wenn sie nicht kommunizierte.
Da wir nichts darüber wissen und sagen können,
wie genau sie das tut, schließe ich hier den Kreis,
indem ich einräume, dass es auf diesem Hintergrund betrachtet
grundsätzlich auch möglich sein kann,
dass sie sich Bedürftigkeit mitteilt.
Wenn sie das jedoch tut, dann sicherlich in ihrem Sinne
und nicht in dem der Bedürftigkeit.
Denn Wahrheit bedeutet Liebe bedeutet Freiheit -
und wie schon erwähnt: Bedürftigkeit spricht ganz andere Sprache.

Soweit mein Morgendenken dazu ..... ;) 

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Michael