Arcana. 27.05. 2009. Paul Reichenbach improvisierte Versuche über Kunst.
Es gibt Dinge, macht man sie öffentlich, die falsch werden. Gefühl und Ausdruck, Erfahrung und Sprache divergieren mit konstanter Regelmäßigkeit angesichts von Ereignissen, die plötzlich unvermutet, einem Blitzschlag gleich, einen treffen. Erst das Gedächtnis, dieser, im günstigsten, wohltemperierte, im ungünstigsten Fall, heiße oder kühle Lagerraum der Erinnerungen, sucht sich die nötigen Adjektive, Formen, Farben und Klänge, um einen Vorgang, ein Ereignis, seinen Sinn durch Versprachlichung, Abbildung (Malerei und Skulptur) und Musik zu zuweisen. Auf diese Weise verknüpfen sich punktuell Aktuelles und lebensgeschichtliche Verläufe zu Geschichten, Bildern und Tönen, die, ohne ihr gründendes Geheimnis zu verraten, ästhetisch Welthaftigkeit gewinnen können. Dem in einem Kunstwerk steckenden jeweiligen individuellen Geheimnis, das Literatur- Kunst – u. Musikwissenschaft so gern aufzuklären bemüht ist,
wohnt eine Energie inne, die, in Künstlerinnen und Künstlern jedes Genres, den Motor "Kreativität" antreibt.
Wird dieses Geheime offenbar, denke ich gerade jetzt, verwandelt sich Kunst in das was ANH vielleicht mit Pop meint. In einem Brief an Leo Löwenthal von 1921 geht Siegfried Kracauer, - er polemisiert wider die „neuen homines religiosi“ seiner Zeit, wie er sie nannte, also gegen Buber, Rosenzweig, Bloch, Lukács u. Scheler, - am Ende auf Christus ein, über dessen Verhältnis zu Geheimnissen er nicht zu unrecht schreibt: … Christus selbst hat von all diesen verschlossenen Dingen geschwiegen, er hat sich mit Sein begnügt.
Setze ich für Christus, ohne alle Blasphemie, das Wort Kunst, komme ich zum Schluss, dass sie nur dann und dort zu finden ist, wo ihre wirklichen personalen Quellen (Antriebe) mir verborgen bleiben. Einen wesentlichen Anteil an ästhetischen Erleben und Begreifen hat die süchtige Suche nach der Initialzündung, die ein Kunstwerk zu Welt macht. Diese Sucht, das hat sie mit allen Süchten gemeinsam, ist nicht zu befriedigen, auch deshalb, weil jedem Suchen in diesen Bereichen Horizontverschiebung inhärent ist. Sich mit dem Sein von Kunst zu begnügen,. sie unmittelbar direkt auf sich wirken zu lassen, um auf Kracauer indirekt zurückzukommen, ist das Eine, ist bloße Anrührung, Berührung. Das Andere, trotz Wissen das letzte Geheimnisse nicht ergründet werden können, ist die stete Annäherung an diese.
Näherung aber ist eine Form von Bewegung. Im Bewegen, im asymptotischen Fließen, im ergebnisoffenen Hinterfragen, erschließt sich der ästhetische Schein des Seins eines Kunstwerkes, kann/ wird welthaftiges SEIN werden, dem Genuss abzugewinnen und Erschütterung zugleich möglich ist. Die >>>>Arcana sind es, die Kunst vom landläufigen „Pop“ unterscheiden. >>>>Es gibt Dinge, macht man sie öffentlich, die falsch werden.
>>>>Bildquelle: H I E R





















