Axel Dielmann Verlag. Absage für Das Weblog als Buch. Einvernehmlich zur öffentlichen Diskussion gestellt.
Lieber Alban,
hab vielen Dank für Deine Mail und für das Vertrauen Deines Angebotes.
Spannend ist das Projekt, interessant sicher das Buch, das ja. Verlegerisch natürlich ein Genickbruch, das auch ja, wenn auch nicht der eigentliche Grund, doch nein zu sagen:
Ich habe mich erst in den zurückliegenden Monaten näher mit Blogs befaßt, muß auch gestehen, daß die literarischen mich dabei zuletzt interessiert hatten – ich hatte Aspekte der direkte(re)n Vermarktung via Blogs im Auge sowie ein ganz anders geartetes kommerzielles Internet-Projekt. Dann habe ich, wie auch schon bei der Arbeit an »Ferdis Garage« (Ferdinand Schmökel hat bei mir eine Serie von »Ratgeber-Bändchen« gestartet, in denen er großgewordenen männlichen Kindern praktisch hilft, die endlich das nötige, sprich erwachsene Taschengeld haben, sich eine ausgewachsene Carrera-Rennbahn zu leisten und diese, freilich: im Namen ihrer Söhnchen, fleißig aus-, um-, an-, selberbauen – und rund 70 % der ordentlichen Verkaufsauflage ging durch die einschlägigen Slotracer-Blogs etc., dann 20 % über Buchhandel nach Web-Kommunikation, nur noch 5 % verkauften sich als klassisch beworbene Exemplare im Buchhandel!), gesehen, daß die Schnittstellen zwischen Buch und Netz ziemlich klar strukturiert sind:
Es finden wechselweise kommentierende Abbildungen der beiden Medien in einander statt – eine Parallelisierung aber greift letztlich nicht, soweit ich das sehe (und mir käme es auch ein wenig vor, als druckte man Bücher und gäbe nun fotokopierte Exemplare heraus, was aber meiner eher zweck-konservativen Sicht aufs Buch entspringen mag). Ich nehme an, der Zugriff auf die eigentlichen« Medien ist zu leicht, so daß man die Widerspiegelung nicht braucht, auch zu zeitaufwendig ist, während – vor allem wichtig – kein (ästhetisch-informativ-kommunikativer) Mehrwert (das konventionelle Zweitverwertungsmoment ist eh draußen, da keine Lizenzen fließen) aus der gegenseitigen Widergabe zu ziehen ist. Obendrein ist (ob nach Kontaktzahlen oder nur in der Einschätzung, spielt dabei keine Rolle) das Bild des Mediums Netz an eine so große Reichweite assoziiert, daß das Medium Buch da
nicht mit hineingedacht wird, nicht daneben gedacht werden kann, sozusagen reichweitenhinkt – daß Massenuhren-Hersteller mit ihren 30.000-Tausend-Euro-teuren Handmade-Exemplaren parallele zur Massenware auftreten hat den anderen Grund, daß die beiden Produkte eben ein gemeinsames Medium, nämlich den Markt ihrer Händler haben. – Die reine Historisierung schließlich der ursprünglichen Kommunikationen durch Drucklegung finde ich selbst nicht wesentlich.
Nun arbeitest Du freilich explizit das Medium, wie bei Deiner generellen ästhetischen und literarischen Arbeit anders nicht zu erwarten, in den Blog mit ein, die theoretische Seite ist also drinnen und wäre in einem Buch sicher ein Mehrwert. Muß aber wiederum sagen, daß ich dann für den mächtigen Aufwand, den die Herstellung eines Buches fordert, weit lieber etwas Interessantes im Netz selbst anstellen würde! (Was keine Abwertung Deiner Inhalte sein soll, sondern eine vergleichende Wertung und Abwägung meiner eigenen Arbeitskraft und –mittel ist.) – Etwa frage ich mich, warum nicht endlich ein Verlag (oder hab ich was verschlafen?) seine Manuskript-Angebote und Ab- (oder auch, soll ja mal vorkommen, Zu-) Sagen nicht via Blog abhandelt. DAS wäre eine literar-ästhetische Debatte – und wenn es nicht eine über die angebotenen Texte wäre, wovor sich wahrscheinlich beide Seiten tunlichst drücken würden, so jedenfalls eine über die Kommunikationsgewohnheiten der Branche und eine allgemein-gesellschaftliche Sicht auf Text und Literatur ... Sobald nächste Woche unsere Homepage www.dielmann-verlag.de heraufgefahren (Auffahrt! Der vorvergangene Montag, sagt mein Kalender, wäre das rechte Datum dafür gewesen) wird, werde ich eine eingerichtete Blog-Funktion entsprechend, jedenfalls partiell, nutzen!
Von dem Aspekt auftauchender Namen, vor denen Verlag XYZ Angst hat ..., wäre ich eher verleitet gewesen zu Deinem Buch-Projekt – aber dazu dann noch einmal getrennt und später, hier rast wieder das Telefon und alle anderen Leitungen. Ich finde es erwägenswert, dieses Namen-non-dropping, habe dazu noch einiges zu sagen, mit Überlegung allerdings! Dann.
Lieber Alban, pardon, ich sage ab. Pliere aber weiter gespannt auf Deine Seiten, die ein wirklich schöner, reizreicher Herbst-Kosmos sind.
S(päts)ommerliche Grüße vom Mainufer her, Dein
Axel Dielmann
axel dielmann – verlag KG
& Zeitschrift für Bücher LISTEN
Schweizer Straße 21
60594 Frankfurt am Main
069 / 9435 – 9000 Fax – 9002
www.dielmann-verlag.de
hab vielen Dank für Deine Mail und für das Vertrauen Deines Angebotes.
Spannend ist das Projekt, interessant sicher das Buch, das ja. Verlegerisch natürlich ein Genickbruch, das auch ja, wenn auch nicht der eigentliche Grund, doch nein zu sagen:
Ich habe mich erst in den zurückliegenden Monaten näher mit Blogs befaßt, muß auch gestehen, daß die literarischen mich dabei zuletzt interessiert hatten – ich hatte Aspekte der direkte(re)n Vermarktung via Blogs im Auge sowie ein ganz anders geartetes kommerzielles Internet-Projekt. Dann habe ich, wie auch schon bei der Arbeit an »Ferdis Garage« (Ferdinand Schmökel hat bei mir eine Serie von »Ratgeber-Bändchen« gestartet, in denen er großgewordenen männlichen Kindern praktisch hilft, die endlich das nötige, sprich erwachsene Taschengeld haben, sich eine ausgewachsene Carrera-Rennbahn zu leisten und diese, freilich: im Namen ihrer Söhnchen, fleißig aus-, um-, an-, selberbauen – und rund 70 % der ordentlichen Verkaufsauflage ging durch die einschlägigen Slotracer-Blogs etc., dann 20 % über Buchhandel nach Web-Kommunikation, nur noch 5 % verkauften sich als klassisch beworbene Exemplare im Buchhandel!), gesehen, daß die Schnittstellen zwischen Buch und Netz ziemlich klar strukturiert sind:
Es finden wechselweise kommentierende Abbildungen der beiden Medien in einander statt – eine Parallelisierung aber greift letztlich nicht, soweit ich das sehe (und mir käme es auch ein wenig vor, als druckte man Bücher und gäbe nun fotokopierte Exemplare heraus, was aber meiner eher zweck-konservativen Sicht aufs Buch entspringen mag). Ich nehme an, der Zugriff auf die eigentlichen« Medien ist zu leicht, so daß man die Widerspiegelung nicht braucht, auch zu zeitaufwendig ist, während – vor allem wichtig – kein (ästhetisch-informativ-kommunikativer) Mehrwert (das konventionelle Zweitverwertungsmoment ist eh draußen, da keine Lizenzen fließen) aus der gegenseitigen Widergabe zu ziehen ist. Obendrein ist (ob nach Kontaktzahlen oder nur in der Einschätzung, spielt dabei keine Rolle) das Bild des Mediums Netz an eine so große Reichweite assoziiert, daß das Medium Buch da
nicht mit hineingedacht wird, nicht daneben gedacht werden kann, sozusagen reichweitenhinkt – daß Massenuhren-Hersteller mit ihren 30.000-Tausend-Euro-teuren Handmade-Exemplaren parallele zur Massenware auftreten hat den anderen Grund, daß die beiden Produkte eben ein gemeinsames Medium, nämlich den Markt ihrer Händler haben. – Die reine Historisierung schließlich der ursprünglichen Kommunikationen durch Drucklegung finde ich selbst nicht wesentlich.
Nun arbeitest Du freilich explizit das Medium, wie bei Deiner generellen ästhetischen und literarischen Arbeit anders nicht zu erwarten, in den Blog mit ein, die theoretische Seite ist also drinnen und wäre in einem Buch sicher ein Mehrwert. Muß aber wiederum sagen, daß ich dann für den mächtigen Aufwand, den die Herstellung eines Buches fordert, weit lieber etwas Interessantes im Netz selbst anstellen würde! (Was keine Abwertung Deiner Inhalte sein soll, sondern eine vergleichende Wertung und Abwägung meiner eigenen Arbeitskraft und –mittel ist.) – Etwa frage ich mich, warum nicht endlich ein Verlag (oder hab ich was verschlafen?) seine Manuskript-Angebote und Ab- (oder auch, soll ja mal vorkommen, Zu-) Sagen nicht via Blog abhandelt. DAS wäre eine literar-ästhetische Debatte – und wenn es nicht eine über die angebotenen Texte wäre, wovor sich wahrscheinlich beide Seiten tunlichst drücken würden, so jedenfalls eine über die Kommunikationsgewohnheiten der Branche und eine allgemein-gesellschaftliche Sicht auf Text und Literatur ... Sobald nächste Woche unsere Homepage www.dielmann-verlag.de heraufgefahren (Auffahrt! Der vorvergangene Montag, sagt mein Kalender, wäre das rechte Datum dafür gewesen) wird, werde ich eine eingerichtete Blog-Funktion entsprechend, jedenfalls partiell, nutzen!
Von dem Aspekt auftauchender Namen, vor denen Verlag XYZ Angst hat ..., wäre ich eher verleitet gewesen zu Deinem Buch-Projekt – aber dazu dann noch einmal getrennt und später, hier rast wieder das Telefon und alle anderen Leitungen. Ich finde es erwägenswert, dieses Namen-non-dropping, habe dazu noch einiges zu sagen, mit Überlegung allerdings! Dann.
Lieber Alban, pardon, ich sage ab. Pliere aber weiter gespannt auf Deine Seiten, die ein wirklich schöner, reizreicher Herbst-Kosmos sind.
S(päts)ommerliche Grüße vom Mainufer her, Dein
Axel Dielmann
axel dielmann – verlag KG
& Zeitschrift für Bücher LISTEN
Schweizer Straße 21
60594 Frankfurt am Main
069 / 9435 – 9000 Fax – 9002
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albannikolaiherbst - 24. Aug, 13:16- Rubrik: DSCHUNGELBUCH
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