Das Leben als einen Roman begreifen (1).
Vielleicht ist dies eine der wenigen Arten, in denen man, ohne sich zurückzuziehen oder mögliche Erlebnisse von sich wegzuhalten, das Leben bei allem Schrecken nicht nur aushalten, sondern vor allem mitgestalten kann – man ist dann liebevoll besessen. Man ist der ‘Held’ dieser je eigenen Geschichte, zugleich aber auch der Autor des Helden, man wird zugleich ins Chaos geworfen und hat, wenn man es ganz ernst bedenkt, eigentlich wenig Chancen, es mitzubestimmen. Man ist ‘geworfen’. Aber indem man das akzeptiert und dann anfängt, es zu gestalten (zu inszenieren), wird man tatsächlich zu einer Art Urheber. Nicht etwas inszenieren, das es nicht gibt - also täuschen -, sondern genau das, w a s es gibt, als ein künstlerisches Material begreifen, über das ich verfügen kann und muß. Ich kann daraus einiges lernen, vor allem, wie bestimmt ich bin; denn es geht nicht, gerae als Urheber nicht, eine beliebige Figur etwas Beliebiges tun zu lassen, etwas, das mir gerade so einfällt und aus Daffke. Die Ästhetik eines Romanes steht dagegen, er würde falsch, also schlecht. Die Figur wird in einem Roman immer eine Handlungsweise wählen, die für sie stimmt. Das geht so weit, daß selbst in Büchern, die jede bürgerlich-zivilisierte Norm außer Kraft setzen (etwa die Raum-Gesetze bei Ishiguro in The Unconsoled), sich ihrerseits ein Wirkungsgefüge herstellt, das wiederum ganz bestimmte Handlungen verlangt, wenn diese, sagen wir, neue ästhetische Welt denn in ihrem Rahmen glaubhaft sein soll. Ein Dichter, der etwas kann, hat dafür immer ein Gefühl. Er ist in der Gestaltung seiner Arbeiten genau so wenig frei wie der Mensch in seinem Alltag; beiden aber vermittelt sich ein Gefühl von Freiheit, und zwar immer dann, ist etwas gelungen. Das ist das Paradoxe daran.
[Hier in Den Dschungeln, fällt mir gerade auf, ist das Tagebuch der Roman. Und die anderen Rubriken reflektieren unter anderem über ihn.]
>>>> Das Leben als Roman 2
[Hier in Den Dschungeln, fällt mir gerade auf, ist das Tagebuch der Roman. Und die anderen Rubriken reflektieren unter anderem über ihn.]
>>>> Das Leben als Roman 2
albannikolaiherbst - Mittwoch, 10. August 2005, 12:15- Rubrik: Arbeitsjournal
5 Kommentare - Kommentar verfassen - 1242 mal gelesen























