Appell zum Urheberrecht.
Gunther Nickel, Deutscher Literaturfonds, an ANH:Lieber Herr Herbst,
das Heidelberger Institut für Textkritik hat einen Appell veröffentlicht, mit dem die Bundesregierung aufgefordert wird, gegen die schleichende Aushöhlung des Urheberrechts u.a. durch Google vorzugehen. Inzwischen haben ihn mehr als 1000 Schriftsteller, Literaturwissenschaftler, Übersetzer und Verleger unterzeichnet. Den Appell finden Sie hier:
http://www.textkritik.de/urheberrecht. Einführende Informationen in die Problematik hier:
http://www.textkritik.de/digitalia/google_urheberrecht.htm.
Auch das Kuratorium des Deutschen Literaturfonds unterstützt diese Initiative. Wir würden uns freuen, wenn auch Sie den Appell unterzeichnen und Ihre Kolleginnen und Kollegen auf diese Aktion aufmerksam machen.
Schöne Grüße
Ihr Gunther Nickel ANH an Gunther Nickel, Deutscher Literaturfonds:Lieber Herr Nickel,
ich bin mir höchst unsicher, ob ich das unterschreiben soll. Das hat künstlerische Gründe. Das Urheberrecht schreibt Kunstwerke als Waren fest, als Gegenstände, als vererbbares Eigentum zumal. Die Erfahrung etwa mit den Erben Richard Strauss' zeigt, welch ein Unheil so etwas anrichten kann. Die kapitalistische „Lösung“ einer Eigentums-Waren-Festschreibung von Kunst halte ich für künstlerisch verderblich. Zugleich bin ich aber auf Erträge aus meiner künstlerischen Arbeit angewiesen und also hin- und hergerissen: soll ich die Kunst zugunsten meines persönlichen Wohlgehens verraten? Ich sehe dann immer zum Barock und denke mir: wieviel Vivaldi ist in Bach! oder später: wieviel Mendelssohn in Wagner, Reformationssinfonie, Parsifal usw. Die Vorstellung, daß Wolf Vostell heute die Genehmigung von Daimler Chrysler brauchte, um einige seiner berühmtesten Installationen und Bilder zu schaffen, dreht mir den Magen um. Eigentlich denke ich deshalb, auch für den „Fall Google“, daß wir eine völlig andere Art der Entlohnung für Künstler brauchten, angelehnt an den Bibliotheksgroschen oder die Industrieabgaben an die GEMA, nicht aber eine noch verschärfte Urheberrechts„lösung“. Eine Verschärfung des Urheberrechts festigt in jedem Fall die Kapitalkonzentration.
Wie gesagt, ich zaudere und zage mit mir selbst, bin aber an einer öffentlichen Diskussion über diese Belange höchst interessiert.
Ich grüße Sie herzlich aus Berlin:
ANH
www.albannikolaiherbst.de 
das Heidelberger Institut für Textkritik hat einen Appell veröffentlicht, mit dem die Bundesregierung aufgefordert wird, gegen die schleichende Aushöhlung des Urheberrechts u.a. durch Google vorzugehen. Inzwischen haben ihn mehr als 1000 Schriftsteller, Literaturwissenschaftler, Übersetzer und Verleger unterzeichnet. Den Appell finden Sie hier:
http://www.textkritik.de/urheberrecht. Einführende Informationen in die Problematik hier:
http://www.textkritik.de/digitalia/google_urheberrecht.htm.
Auch das Kuratorium des Deutschen Literaturfonds unterstützt diese Initiative. Wir würden uns freuen, wenn auch Sie den Appell unterzeichnen und Ihre Kolleginnen und Kollegen auf diese Aktion aufmerksam machen.
Schöne Grüße
Ihr Gunther Nickel
ich bin mir höchst unsicher, ob ich das unterschreiben soll. Das hat künstlerische Gründe. Das Urheberrecht schreibt Kunstwerke als Waren fest, als Gegenstände, als vererbbares Eigentum zumal. Die Erfahrung etwa mit den Erben Richard Strauss' zeigt, welch ein Unheil so etwas anrichten kann. Die kapitalistische „Lösung“ einer Eigentums-Waren-Festschreibung von Kunst halte ich für künstlerisch verderblich. Zugleich bin ich aber auf Erträge aus meiner künstlerischen Arbeit angewiesen und also hin- und hergerissen: soll ich die Kunst zugunsten meines persönlichen Wohlgehens verraten? Ich sehe dann immer zum Barock und denke mir: wieviel Vivaldi ist in Bach! oder später: wieviel Mendelssohn in Wagner, Reformationssinfonie, Parsifal usw. Die Vorstellung, daß Wolf Vostell heute die Genehmigung von Daimler Chrysler brauchte, um einige seiner berühmtesten Installationen und Bilder zu schaffen, dreht mir den Magen um. Eigentlich denke ich deshalb, auch für den „Fall Google“, daß wir eine völlig andere Art der Entlohnung für Künstler brauchten, angelehnt an den Bibliotheksgroschen oder die Industrieabgaben an die GEMA, nicht aber eine noch verschärfte Urheberrechts„lösung“. Eine Verschärfung des Urheberrechts festigt in jedem Fall die Kapitalkonzentration.
Wie gesagt, ich zaudere und zage mit mir selbst, bin aber an einer öffentlichen Diskussion über diese Belange höchst interessiert.
Ich grüße Sie herzlich aus Berlin:
ANH
www.albannikolaiherbst.de
[Urheberrecht.]
Korrespondenz - Freitag, 3. April 2009, 12:39- Rubrik: KYBERREALISM
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