wvs meinte am 2008/11/11 01:14:
Ich las einmal von einem Interview ....
das Ingeborg Bachmann nach Veröffentlichung der "Anrufung des großen Bären" gegeben hatte. Sie wurde gefragt, was sie zu einer bestimmten Passage bewogen habe, wie sie gerade darauf gekommen sei. Ihre Antwort war verblüffend, denn sie sagte (etwa, dem Sinn nach, es ist mehr als 30 Jahre her): "Wenn ich mir beim Schreiben soviele Gedanken machte käme ich nie dazu etwas zu vollenden."
Nun, bezogen auf ihre Skrupel bestimmte Passagen zu lesen, könnte ich mir vorstellen, daß die Interessierten schon - mindestens (s.o./phryne) - eine Ahnung haben was sie erwartet. Daher erscheint mir ihre Sorge um die (überwiegende Zahl der) Zuhörenden unbegründet. Da könnte Ihnen ein wenig von der Bachmann'schen Distanz gut tun. Selbstzensur scheint mir vor dem Hintergrund einer allseits zunehmenden Einschränkung des freien Denkens eher unangebracht - warum der 'Obrigkeit' in dieser Hinsicht in die Hände spielen?
Wiewohl, und das hatte ich ja schon zuvor an anderer Stelle angemerkt, es Sie ehrt, daß Sie daran denken.
D a s ist selten geworden in dieser Zeit.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/5309410/#5314098
albannikolaiherbst antwortete am 2008/11/11 08:00:
@phryne und wvs.
Es geht mir um etwas völlig anderes als um eine etwaige Selbstzensur. Die übte ich nie aus und werde ich nie ausüben. Sondern: Der Akt der Wahrnehmung ist außerhalb des öffentlichen Raumes, zumal, wie beim Selberlesen, allein, ein völlig anderer als in einer Veranstaltung. Lesungen s i n d so etwas: Veranstaltungen, event meinethalben; wiederum ist ihr ritischer Character weitaus kleiner, als ihn etwa eine Theateraufführung hat, die ja bis heute immer noch bannt. Bei Autorenlesungen wird der bannende Ritus von einer zugleich betriebenen personality show unterlaufen, d.h. er wird aufs Individuellste hinunterprofaniert. Das geschieht beim stillen Lesen nicht.Das Problem entsteht im Falle meiner Texte darin, daß nahezu alle auf Rhythmus und Klanglichkeit gebaut sind, und zwar auf solche, die sich Lesern, die andere Konzepte gewöhnt sind, nicht unmittelbar erschließt: viele schauen in meine Bücher wie Leute, die, anstatt die Musik anzuhören, deren Partituren zu lesen versuchen, ohne Noten zu können.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/5309410/#5314303































