cellini meinte am 2008/09/24 13:46:
Ich lese gerade....
.... das Buch von Max Dauthendey „Sieben Meere nahmen mich auf“ (es sind erst nach seinem Tode veröffentlichte sehr private Texte, Tagebucheinträge, Briefe), eingeleitet und herausgegeben von Dr. Hermann Gerstner by Albert Langen, 1957. In diesen Texten lese ich von einer ständigen großen Verzweiflung. Oft, wenn er ein Gedicht schrieb, wusste er, dass er sich von dem Erlös aus dem Verkauf nicht mal einen Lebenstag kaufen konnte. Einmal lieh er sich etwas Geld, um ein Buch drucken lassen zu können, er rechnete sich vorher schon aus, dass er plus minus null da raus ging. Von stündlichen Nahrungssorgen spricht er immer wieder, und das sie ein Ende haben sollen. Eines verzieh er sich nie, dass er seine geliebte Frau in eine solche Not brachte, dass sie sich nicht anders zu helfen wusste (was sie ihrem Mann unter Tränen beichtete), als ihrem eigenen Vater zu telegraphieren, und um Beerdigungsgeld für den eigenen Mann – also Max Dauthendey – zu bitten, weil dieser gestorben sei. Das Geld kam tatsächlich, die Beileidsbekundungen auch. Als sie das erste Essen nach dem Eingang des Beerdigungsgeldes einnahmen, ging es beiden nicht sehr gut, unter Tränen aßen sie. Von der Mahlzeit zurückkommend lagen weitere Beileidsbekundungen vor, sie weinten beide so bitterlich, als wäre tatsächlich er gestorben. Ihm war, als ob er an seinem eigenen Begräbnisessen selbst teilgenommen hatte. Sie telegraphierten an die Angehörigen, dass er wieder am leben sei und schickten zugleich erklärende Briefe ab. Am schlimmsten war für Max Dauthendey aber, dass er seine Frau in eine solche Situation gebracht hatte.Das gestellte Ansinnen ist entweder eine völlige Unbedachtheit, oder eine Unverschämtheit, jede/r die/der klar denken kann, wagte so etwas nicht, es sei denn, er/sie will provozieren. Ich halte dieses Schreiben an Sie deshalb für eine Finte. Vor allem die gewählte Ansprache „sehr geehrter Herbst“…. und… „Ich bestaune Ihren unermüdlichen Schaffensdrang, freue mich immer, Sie zu lesen, kommentieren zu hören“… so, so… kommentieren hören. Ick hör da eher die Nachtigall trapsen.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/5212482/#5213059





















