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Ja, ich habe ihn geliebt. Unendlich geliebt. Aber wissen Sie, eben darin lag dieser furchtbare erotische Reiz: diese süchtigmachende Lust, ihn zu hintergehen, ihm untreu zu werden. Wenn ich ihm gegenübersaß, immer, morgens, beim Frühstück, und wenn er mich anlächelte, dann wurde ich allein von der Vorstellung naß, irgend einem Fremden den Saft aus der Handfläche zu lecken, aber für meinen Mann, den ich wirklich geliebt habe, weiterhin die sanfte, wunderschöne, feine Frau zu sein, auf die er sich für alle Zeit verlassen kann. Verstehen Sie, was ich Ihnen erzählen will? Ich wurde mehr als von irgend etwas sonst von dem furchtbaren Betrug erregt, den es bedeutete, einem völlig Fremden sexuell gänzlich zu Willen zu sein, und zwar einem, der nicht im entferntesten weder charakterlich an meinen Mann heranreicht noch auch nur ungefähr seine Liebesfähigkeit besitzt. Das Lustvolle war nicht nur der Betrug an dem Gatten, sondern auch der an mir selbst, an meiner Autonomie, an meinem emanzipierten Selbstbild, an meiner - erfüllten - Vorstellung von Liebe. Ich w o l l t e das hintergehen. Und hinterging es. Tatsächlich hat mir nichts anderes in meinem Leben je so viel Wollust bereitet.
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albannikolaiherbst - Sonntag, 13. Februar 2005, 08:54- Rubrik: MW, Roman
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