read An meinte am 2008/07/07 12:36:
@Aikmaier & walhalladada
Die Psychoanalyse als fantastischer Fundus ist sicher ein Steckenpferd der Dichtung, der Dichter das Steckenpferd des Quacksalbers, der Handwerksbegabte, das Steckenpferd des Marktes, grüße an Kafka!Für mich muss es heißen: "Nein, aber er pinkelt jetzt gerne hinein."
Laufenlassen, das wäre eigentlich konsequent, Druck nehmen, mal abgesehen davon dass dieses Organ durch Druck stimuliert wird.
Inkontinenz, kommt doch von continere: enthalten, oder von continentia: Selbstbeherrschung, also etwas angewandte Verhaltenstherapien...
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/5043040/#5043581
walhalladada antwortete am 2008/07/07 14:47:
Bringen wir den Unterschied doch auf den Punkt: Angewandte Verhaltenstherapie bedeutet, dass die Anpassung (negativ) nach Außen in einer Art Dressurakt einstudiert wird, mit dem Ziel, ein möglichst schmerzfreies und widerstandsloses Rädchen im sozialen Getriebe zu werden. Man weiß letztlich nicht um die Ketten, an denen man liegt, und wenn sie einen behindern, sind es nicht die Ketten, sondern man selbst hat 'ungeschickt' mit ihnen gerasselt... Die Ketten bleiben an sich unangetastet und unhinterfragt! ('Es macht mir nichts mehr aus!)Bei der Psychoanalyse, deren Vorrang für mich ganz außer Frage steht, lernt man die Ketten, an die man gebunden ist - um im schiefen Bild zu bleiben - Glied für Glied kennen. Eine Anpassungsleistung besteht auch hier, nämlich in einer Identifikationsleistung - Ja, das sind meine Ketten! sollte der 'Analysand' am 'Ende' einer Analyse schließlich anerkennen. Das ist meine 'Unlust', mein 'Mangel' mein 'Verlust'! Das bin 'Ich'!
Das bedeutet, dass - anders als bei der Verhaltenstherapie - der MANGEL produktiv werden muss. Das kann aber nur auf dem Umweg über eine Symbolisierung geschehen: Die Erhabenheit der Psychoanalyse besteht eben darin, erkannt zu haben, dass die 'Lust', dass der 'Genuss' nur vermittelst einer Symbolisierung der Unlust vonstatten gehen kann, damit der 'Leidensdruck' sich auf eine andere Weise ein Ventil schafft, als eben 'notdürftig' sich im Bett zu 'erleichtern'. Genau dieser Akt der Symbolisierung kennzeichnet die Verwandschaft der Psychoanalyse zur Literatur.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/5043040/#5043871
albannikolaiherbst antwortete am 2008/07/07 15:28:
Von walhalladada für Aikmaier.
So ist das geradezu vorbildlich beschrieben in einer Grundbewegung, die die Dichtung als eine geformte Symbolisierung versteht. Das ist die e i n e Seite.Eine andere ist das, was ich in MEERE mit "Kunst ist Archäologie" gemeint habe; was da im Dichtenden auftaucht, taucht im Wortsinn a u f; die Form des Textes ist nicht etwa das Gerüst, sondern der Bohrvorsatz, der Schichten aufsprengt, von denen die Intention des Autors mitunter gar keine Ahnung hat. Dann beginnt die Entscheidung: lasse ich das zu oder nicht. W e n n zugelassen wird, dann, aber erst dann, wird das Zugelassene zum Material, wie Aikmaier es bezeichnet, und wird auf der nächsten Ebene, der so etwas wie der Kunstwille zuzuordnen ist, bewußt neu- und umgestaltet.
An der Pschoanalyse Material für die Kunst selber können imgrunde nur Theoreme sein; was ich parallelisiere, sind Prozesse Vielleicht läßt es sich auch so ausdrücken, mit Bezug auf einen der wichtigsten psanalytischen Termine: Die Form spielt die Rolle der Übertragungs-Trägers.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/5043040/#5043969
walhalladada antwortete am 2008/07/07 16:03:
Lieber Herr Herbst - 'was Sie parallelisieren sind Prozesse...Aber ja! Und die Form ist sicherlich ein gewichtiges 'Movens', wie es übrigens auch Parallalie in seinen jüngsten >>'Irrereien' betont.
Das gilt aber auch und erst recht für die klassische psychoanalytische Situation, die ja zunächst eine reine 'Formsache' darstellt und auch hier durchaus als formaler 'Übertragungs-Träger' fungiert.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/5043040/#5044038





















