Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop

Marlboro, Prosastücke, 1981 Die Verwirrung des Gemüts, Roman, 1983 Die blutige Trauer des Buchhalters Michael Dolfinger, Lamento/Roman, 1986 Die Orgelpfeifen von Flandern, Novelle, 1993, 2001 Wolpertinger oder Das Blau, Roman, 1993, 2000 Eine Sizillische Reise, Fantastischer Bericht, 1995, 1997 Der Arndt-Komplex, Novellen, 1997 Thetis. Anderswelt, Fantastischer Roman, 1998, (Erster Band der Anderswelt-Trilogie) In New York, Manhattan Roman, 2000 Buenos Aires. Anderswelt, Kybernetischer Roman, 2001, (Zweiter Band der Anderswelt-Trilogie) Inzest oder Die Entstehung der Welt, Der Anfang eines Romanes in Briefen, zus. mit Barbara Bongartz, 2002 Meere, Letzte Fassung 2007. Bei Volltext. Die Illusion ist das Fleisch auf den Dingen, Poetische Features, 2004 Die Niedertracht der Musik, Dreizehn Erzählungen, 2005 Dem Nahsten Orient / Très Proche Orient, Liebesgedichte, 2007 Meere, Letzte Fassung 2007 d e

 

Kinder- und Freizeitjournal. Sonnabend, der 17. Mai 2008.

7.52 Uhr:
[Am Terrarium. Britten, Erste Suite für Cello Solo; >>>> Truls Mǿrk.]
Verschlafen kann man das nicht nennen; als ich um halb fünf aufwachte, wachte das Zwillingsmädchen mit auf, sah mich an, dann robbte sie ganz nah an mich heran, in meinen Arm und schloß die Augen wieder. Der Bub schlief ohnedies noch, auch er fast lächelnd. Es gab gestern abend, nachdem die beiden, feststellend, nicht etwa klagend, fast eine Dreiviertelstunde nahezu unentwegt „Mami, Mami“ vor sich hingesagt hatte, so etwas wie einen Bruch, wie ein Akzeptieren: Nun ist es halt so. Und dann ließen sie sich um sieben auch widerspruchslos zu Bett bringen und schliefen quasi ohne Unterbrechung, nur einmal nachts kam der Junge weinend hoch, bis heute morgen durch. Gut, ich blieb liegen; es war, als brauchte das Mädchen eine besondere Portion Zärtlichkeit.
So bin ich denn beim Hausmannsdasein angekommen; ich geb zu, daß ich nicht mal ungern tu, was ich tu: waschen zum Beispiel (bei mir lag Schmutzwäsche von viereinhalb Wochen in der Arbeitswohnung), den Kleinen die Mahlzeiten zubereiten, sie füttern wickeln, dann dauernd, ist eine Maschine durch, die Wäsche aufhängen, abhängen; das hat insgesamt etwas Meditatives. Wenn die Kleinen nicht gerade Schrei- und, besonders der Bub, Wutarien aus sich entfesseln; aber auch da reagiere ich eher stoisch. Und dann ist da ja noch mein Großer, wie ihn zu nennen wir uns für den objektiv erst Achtjährigen angewöhnt haben, der selbstverständlich auch seine Rechte hat (noch schläft er). Überdies, ich schrieb das ja schon mehrfach, lassen mich die Babies, wenn ich Cello übe, weitgehend in Ruhe; nur diese Tipperei schätzten sie g a r nicht.
Gestern also quasi nichts getan, außer daß es eine ziemliche html-Konfusion in Der Dschungel gab, weil ich ein Zählwerk auf die wohl greenhornigste aller Weisen eingebaut hatte, was dann sämtliche Kommentare zwar noch rechts anzeigen, nicht aber mehr lesen ließ. Hilfe gerufen, Cellini brachte sie, Hand in Hand mit >>>> tja. Beiden sei sehr gedankt, vor allem Cellini, die mich entlastete, weil ich zudem für den Großen kochte, der jeden Augenblick hungrig zurückzuerwarten war; und dann, na ja, noch die Wäsche und sowieso.

Abends schließlich fielen >>>> Titania (mit einer Flasche Sekt, um mit mir auf ihre Magister-Abschlußnote anzustoßen, die sowas in der Tat erheischt), außerdem Kerstin Thomiak und ein Freund hier ein; bis halber Mitternacht saßen wir und sprachen, dann zogen die drei in eine Bar ab, während ich mit einem letzten Whisky meinen arbeitslosen Tag rekapitulierte und dann zu den Babies ins Bett ging.

So, und jetzt muß ich den Kleinen ihr Breichen machen. Wobei mich Truls Mǿrk, der den Britten wirklich wundervoll spielt, daran erinnert, es gebe noch eine Kunst jenseits des Alltags. Aber er insistiert nicht, sondern singt nur rufend davon.

Zu allem, übrigens, >>>> die Diskussion um >>>> die Neufassung der Ersten Bamberger Elegie; auch wenn ich dort momentan nichts dazu schreibe, registriere ich pro und contra doch sehr genau. Und bin den Beteiligten für ihre Ernsthaftigkeit dankbar, auch wenn ich schließlich doch allein nach dem entscheiden werde, was mein poetischer Instinkt mir sagt.