herbert hurka meinte am 2008/04/25 11:26:
@ANH Das Fremde, das Eigene
Es gibt Lebenspraktiken der Mobilität, hinter die kaum mehr zurückzuspringen ist auf fundamentalistische Positionen. Kulturelle Identität - erstens: was soll das überhaupt sein? Deutsche Kulturtests für Immigranten aus Anatolien? - zweitens: Alles in Fluss! Grenzen zwischen wahrer, guter, weil auf Auseinandersetzung zurückgehender Adaption des Anderskulturellen und schlechter Adaption, weil nur aus den global floatenden Zeichensalat als Selbstbedienungsladen konsumierten Kulturpools - ich könnte das nicht mehr an peinlich erscheinden Deutsch-Bauchtänzerinnen festmachen. Sind Pizza und Grappa einschl. der beliebten Kaffee-Variationen dann nicht auch peinlich? Oder anders gesagt, wäre, was peinlich erscheint nicht einfach nur in Kauf zu nehmen angesichts der Möglichkeiten, die sich der Selbsterweiterung durch das Fremde eröffnen? Trotzige Insistenz auf der eigenen Kultur, eingefriedet (!) in Definitionen, und dann - geht wieder alles von vorn los?
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/4883115/#4887995
albannikolaiherbst antwortete am 2008/04/25 11:35:
@hurka.
Sie können das nicht mehr fest"machen", na gut. Ich schon. Mir ist manchmal zum Kotzen dabei, weil nämlich unterm Strich die A c h t u n g verlorengeht vor dem anderen. Wie denn auch nicht, wenn man kein Eigenes mehr weiß...Pizza und Grappa sind deshalb nicht peinlich, weil es sich um Genußmittel handelt wie Pfeffer, wie Seidenstoffe usw. Peinlich wäre, Pizza für eine deutsche Erfindung zu halten und so auch auszugeben. Ich habe nichts gegen Selbsterweiterung durch das Fremde, ganz im Gegenteil, aber es muß etwas da sein, daß es auch aufnehmen und verarbeiten kann. Was mich hier so ekelt, ist, daß da n i c h t s ist; und dieses Nichts macht auch aus dem Anderen Nichts; es reduziert es, nimmt ihm die Seele, verfügt rein, weil es schick ist... es sind Übergriffe, deutliche Übergriffe; daß wir das nicht mehr so empfinden, sagt imgrunde schon genug. Sieg der Äquivalenzform, imgrunde muß man nur immer Marx neu lesen und die Erscheinungen dann als einen internalisierten Kapitalismus begreifen. Es ist nicht beliebt, was ich jetzt sage, aber ich kann Bin Laden unterdessen sehr gut verstehen.
Etwas völlig anderes ist es, wenn Dollar Brand, Abdullah Ibrahim, Allah'u Akbar singt. Etwas völlig anderes ist es, wenn Ausdrucksformen, sagen wir orientalischer Kalligraphien durch Arbeit in die eigene Kultur intergriert werden. Aber, wie gesagt, es muß eine eigene auch da sein - und die ist das Gegenteil von Multikulti.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/4883115/#4888018





















