„Ich glaube an den technischen Fortschritt.“
Der Satz ist deshalb bezeichnend, weil er aus dem teilbaren Glauben daran, daß etwas kommen wird, den Glauben a n etwas macht. Darin liegt eine Normation. Denn ich kann sehr wohl daran glauben, daß der technische Fortschritt voranschreiten wird; das bedeutet aber nicht zugleich, daß ich das auch wünsche oder in jedem Belang wünsche. Indem der Satz „Ich glaube an den technischen Fortschritt“ diesen quasi als ein Höheres Wesen auffaßt, wird das Unausweichliche zementiert und angenommen. Du sollst dir kein Bildnis machen. Das im Verbund mit dem christlichen Glaubensbekenntnis untersagt sich selbst, das Bild, das man sich nicht einmal machen darf, zu untersuchen.
>>>> Geschlechtersprache 3/BE 103
Geschlechtersprache 1 <<<<
[Nach einem Einwand >>>> elsalaskers habe ich den letzten Satz umformuliert. Er lautete ursprünglich und war so falsch, bzw. mißdeutig: "Im Verbund mit dem christlichen Glaubensbekenntnis wird im Ton sich selbst untersagt, das Bild, das man sich nicht einmal machen darf, zu untersuchen." (6.4., ANH).]
albannikolaiherbst - 5. Apr, 20:36- Rubrik: NOTATE
ein Zitat herausgegriffen aus einem Kontext. Und hängen es an dem Wort Glauben auf. Dass doppeldeutig ist. Aber okey. Dann müssten wir jetzt Scholastik betreiben. Tatsächlich hat die sich mit solchen Dingen über Jahrhunderte sehr defizil auseinander gesetzt und ist zu keinem ganz verbindlichen Ergebnis gekommen. Ich jedenfalls glaube an ihn als Fakt, so wie ich auch daran glaube, dass ich jetzt gerade diese Zeilen auf dem Computer eintippe und davon ein sehr gutes Bild vor Augen habe.
Es i s t. Wird für die Apperzeption eines Faktes der Terminus "Glaube" herbeigezogen, ist das zumindest sprachlich
ein Zeichen . Umgekehrt könnte, wenn Sie von etwas sagen, es sei ein Fakt, jemand herbeikommen und das bestreiten. Der würde dann davon sprechen, daß Sie nur glaubten. Indem Sie selber aber den Glaubensbegriff bemühen, drückt sich darin ein Zweifel aus, der, w e i l geglaubt wird, indem geglaubt wird, tabuisiert wird.
(Ich hatte ganz bewußt darauf verzichtet, auf die Quelle des Satzes einen Link zu legen, schon , um niemanden vorzuführen. Um so etwas geht es mir nicht und schon gar nicht um Personalisierung, sondern tatsächlich um den Satz als solchen, für dessen Semantik in diesem Fall die semantische Umgebung gar keine Rolle spielt: mit einer solchen Emphase ist er gesprochen. Denjenigen, die unsere Diskussion verfolgt und mitbestritten haben, ist der Bezug im übrigen ohnehin klar; für alle anderen ist er gegenüber dem Satz als Phänomen unerheblich. Wiederum ist dieser Beitrag als-Beitrag-selbst ein Angebot an die Diskussionsteilnehmer, in diesem Fall namentlich an femme100têtes, auch andere Sätze herauszulösen und hier zu betrachten, das heißt >>>> für Behauptungen, bzw. Meinungen einen begründeten Nachweis zu führen. Meine eigenen Sätze nehme ich davon nicht aus.)
Ich hatte undeutlich, bzw. mißdeutig formuliert und habe das
>>>> auf Ihre Kritik hin, wie oben ersichtlich, revidiert. Danke. (Ich hoffe, Sie akzeptieren, daß ich "Kritik" als einen Spezialfall von "Einwand" ansehe).
In
>>>> meiner direkten Antwort an Sie, Frau Elsalaska, dann auch eine inhaltliche, nicht vorwiegend sprachliche Ergänzung zu
>>>> d e m Themenkomplex.
Wobei der leser k. gerade feststellen mus, dass es für ihn gar keinen rückschritt erstmal gibt. vorausgesetzt er versteht fortschritt als ein fortschreiten in der zeit - innerweltlich
betrachtet.
Mit dem zeitlosen glauben, einem entzeitigten glauben, wird der rückschritt noch
als virtualität involviert, andockt man ihn an religiöses .: der glaube wird
zur zeremonie und zum glaubensträger, der auf jenseitiges spekuliert.
Mit dem glauben wird desweiteren eine vermutlichkeit ausgedrückt, die auf
weiteres verweist, auf "konkretes", anhand der geschichte ablesbares,
das sich in revisionismus ausdrücken kann - z.b. etc.
wäre das schon vom reinen ambigue entgrenzt, oder ist das falsch gedacht ?
"Entgrenzt" eher nicht, da sich der Glaubensinhalt auf alles bezieht, das ist, also etwas Unwandelbares bezeichnet, das allenfalls in seinen Erscheinungsformen zeitlich differiert. Der Satz "Ich glaube an den technischen Fortschritt" als Glaubensbekenntnis unterstellt seinen Inhalt als ein ewiges, unwandelbares Geschehensgesetz. Gegenmit Ifone gesprochen, ist er selbst "katholisch" (καθολικός: universal, allgemein; der Begriff wurde verwendet erst, um die Allgemeinheit der Gläubigen zu bezeichnen, dann, um die Rechtgläubigen von Andersgläubigen auch innerhalb der christlichen Konfessionen abzugrenzen (Kluge, Etym.]). Indem er katholisch ist (die ökumenische Bewegung übersetzt das lat. catholicus in Abgrenzung zur Röm.-Kath. Kirche mit russisch
sobernost, was ebenfalls "allgemein", "universal" bedeutet), ist er also
begrenzt.
Daß "der Glaube zur Zeremonie" wird, ist von Ifone aber ganz sicher so n i c h t gemeint, sondern das Zermonielle sieht er ja immer wieder als ein eskapistisches Spiel der Bequemlichkeit an, gegen das sich sein Aufruf ZurückzurWahrenWirklichkeit! ganz entschieden wendet. Für eine solche Wahre Wirklichkeit braucht er aber eine Bezugsgröße. Zu der wird ihm anstelle Gottes die Technik. Er haucht ihr sogar Atem (
>>>> πνεύμα) ein.
ich meine es gibt den begriff revisionismus in der technik wahrscheinlich nicht.
hinkt die technik hierin dem religiösen glauben zumindest ausschnitthaft nicht nach ?
ich sehe zusätzlich auch keinen "technikglaubens-dekalog" z.b.
Man würde sich sicher hüten, ihn aufzustellen; andererseits geht
>>>> Ifones Argmentation deutlich in eine solche Richtung: "Du sollst dich der Wirklichkeit öffnen", wobei er Wirklichkeit ebenso deutlich auf Technik, bzw. Technisches bezieht - nicht grundlos, da unsere westlichen Industriegesellschaften technisch fundiert sind. Allerdings sind sie es eben nicht nur, sondern, was er vielleicht bestreiten würde, Mythisches spielt als Wirkursache eine ganz genau solche Rolle, und zwar als
psychisches Fakt. Das ist aber nun m e i n e Position.
Was das vermeintliche Nachhinken anbelangt: Sie hinkt nicht nach, sondern voraus. Das ist ein wesentlicher Unterschied. Und sie "hinkt", weil ein Großteil ihrer
user (!) sich weder auf ihrer Höhe befindet noch darauf befinden k a n n: bereits, wenn eine Einspritzelektronik repariert werden muß, versagt das - der Wink geht an
>>> femme100têtes - Patriarchat in seinen nicht-expertellen Vertretern. Anders als Glaubensinhalte kann Technik wahrscheinlich auch nicht "zurückfallen" (es sei denn, sie löschte uns und sich selbst damit aus); deshalb wäre ein Revisionismusbegriff kaum anwendbar.
ich sah vorhinh schon, dass sie kritik als einwand bezeichnen.
könnte man heutzutage kritik nicht schon als zuwendung oder vielleicht
zugewendetheit verstehen ?
Kritik bedeutet ja (κρινειν) eigentlich "trennen". Um das zu können, muß man erst mal zusammensein. Mir scheint das aber eine dichothome Banalität zu sein, weniger allerdings, als daß κρινειν sprachlich mit τέχνη (techné) zusammenhängt.
mja, da ja schon die begriffe performativität oder dialektik fielen, die ja
zumindest partial unter dem begriff kritik subsumierbar wären.
also ja nicht nur die einseitige kritik des besserwissens, sondern auch z.b.
die selbstkritik. die ja irgendwie dialektisch sich speist.
worauf ich ja eher spekulierte in der technikerörterung war ja eher eine gesamtschau von faktoren zu phänomenen wo sich dialektisches vom grundprizip recht schnell löst -
also multifaktorielles im auge hat ...
Knotscher - dass es keinen Revisonismus in der Technik gibt, war ein guter Einwand, über den es sich lohnt nachzudenken. Tatsächlich gab es sowas auch. Die so genannten Maschinenstürmer. (Ludditen) Sie richtete sich gegen die Technik, die Webstühle, Spinnerein, gegen die Maschinen, von Leuten, die gespürt haben, dass es nicht die Menschen sind, die sich hier als Adressaten eignen, die gespürt haben, dass sie überflüssig werden. Es gab sie in England hauptsächlich am Beginn des 19. Jahrhunderts. Sie lagen womöglich gar nicht so falsch. Es war ein "Aufstand gegen die Technik"
Ich würde aber sagen, sie wurden vom Vektor beiseite gefegt.
Im Übrigen gibt es in der Geschichte permanent Rückströmungen, als Entgegenkrümmungen - also zum Beispiel die Reformbewegungen, die Wandervögel, dieses ganze Zurückzurnatur mit Bioläden und was wir heute haben, das gab es alles schon mal in ähnlicher Weise in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts.
Also könnte man sagen, die Technik entwickelt sich wahrscheinlich immer oder sehr lange schon e n t g e g e n eines revisionistischen Unbehagens.
Als Dialektiker wiederum wundert mich das auch nicht. Es gehört sozusagen zum Spiel, zum "Verschiebestrom" - möglicherweise braucht sie ihn sogar. Herbst, wie natürlich heute auch das "Zurückzu" und die bewahrenden Elemente eines Hin - zu -den - Mythen, Trieben, Vitalismus (Auch das ist alles nicht neu.) Erinnern, Sagen, etc...... eben so einfach deshalb gar nichts rettet oder bewahrt. Im Gegenteil: All dies speist und konstruiert den Vektor mit. So - wie die Nazis - eben damals auch "religiös" auf genau diesem gemeinschaftsstiftenden Habitus der Mythen etc.... gesetzt haben, aber eben damit auch die Rakete bauen konnten
Es scheint mir ein mächtiger Irrtum zu sein, die Zeremonie, wie Ifone es nahelegt, als dem Glauben nachträglich zugesetzte Ingredienz. Entweder ist das Eine vom anderen nicht zu trennen, was das bequemere Argument wäre, oder, was ich meine: Das Ritual, also eine bestimmte soziale PRAXIS ging dem Glauben voraus. Bekanntlich hatten schon die Neandertaler Bestattungsriten. Vor dem homo sapiens! Glauben, so gereinigt und abstrakt, wie oben im Zitat, ist ein spätes historisches Phänomen. Nachdem von allen praktischen Implikationen befreit, lässt sich letztendlich an alles "glauben". Ob das dann die Technik ist oder den FC Schalke - formal (inhaltlich schon) spielt die Besetzung der von vornherein immer vakanten Position keine Rolle. Am Ende dieser Befreiungsbewegung des Glaubens von allem Idischen - sprich: Ritual, Opfer etc. - werden die Rituale, Zeremonien sozusagen nachträglich implementiert. Daher gibt es kann es keine verbindlichen mehr geben, sondern nur noch einen ausufernden Markt.
"dem Glauben nachträglich zugesetzte Ingredienz" - wo habe ich das gesagt.
Sie haben völlig Recht, dass die Zeremonien und Rituale zu den Techniken der Kommunikation mit Gott (Geistern ,Ahnen) gehören.
Man muss es deshalb sogar sagen: Sie gehören damit uralt ebenso zur "Technik" der Weihungen und Riten, zu den Techniken der Ästhetik, der Bauten.
Bekanntlich waren sogar die so ganannten technischen Meisterleistungen ihrer Zeit und Weltwunder (Stonehenge, Pyramiden etc....) religiös motiviert. Möglicherweise sogar der Motor des technischen Fortschritts.
Oder gerade Pythagoras, dem wir nicht weniges verdanken, war wie man weiß, ein religiöser Sektierer mit zum Teil seltsamen Vorschriften und Ritualen. Die Pythagoräer waren eine Sekte. Er beschäftiget sich ebenso mit Harmonien die nicht wenig mit Mathematik zu tun haben.
Der Witz ist aber, dass dieser religiöse Impetus des Technischen, heute nicht mehr gewusst wird. Er ist verdeckt.
also ich schloss insgeheim auf einen der technik eingebetteten revisionistischen
touch ... also eigenbtlich etwas zu banal.
ihrer faschismus interpretation widerspreche ich, ich meine da hat doch jeder
mal was erfunden in dieser zeit, ob das mit mythen zusammenhängt ?
ich schätze, es hat doch eher was damit zu tun dass man sich von mythen lösen
muss um naturwissenschaftlich reüssieren zu können.
also heissenberg hat ja noch philosophisch geschrieben -"physik & philosophie"
z.b.
nicht dass ich was gegen mythen hätte :::
& das ist garantiert von ckrack zu crack verschieden ( auch gewesen ) - ?
sind sie sich da sicher, also dass ein religiöser impetus des technischen,
was ich anzweifeln würde - verdeckt ist ?
mir scheint er verschwunden zu sein.
andererseits spielt ja heutzutage wieder der religiöse glaube für wissenschaftler
eine rolle, die frage nur ob er nicht einfach als eine konziliante geste an die allgemeinheit aufzufassen ist ?
Das ist Punkt - die Geschichte der Arbeitsteilung, an deren einer Bifurkation die Trennung des Heiligen vom Profanen stattfand. Wie Mythos und Naturbeherrschung, d.h. Technik eins waren, ist ja die Dialektik der Aufklärung. Wie weit dann das Mythische immer wieder auf die Technik zurückgeklappt wird, davon zeugt übrigens der überwiegende Anteil des SF-Genres in Wort und Bild, heißt: Film.
Ein Anderes, das nicht gering zu achten ist: Es gibt nicht wenige Naturwissenschaftler, die ihr Forschungsinteresse und ihre wissenschaftlichen Inspirationen aus der SF-Literatur ziehen. Selbst wenn das so ist: Du steigst nicht zweimal in denselben Fluss.
also ich fasse gerne mythologie als ein eigenständiges wesen auf,
das mir vorgestellt ist.
also dem wie nietzsche das wohl sah, dass sich götterhimmel und realität
in griechenland verschmolz, das ist ja echt lieb rausgekuckt gewesen, falls ich mich da
nicht irre.
heute werden sogenannte alltags-mythen auf mtv geknackt.
ein irrtum ?
oder ein manöver, um zu eintauchungen in ältere mythen zu verhelfen ?
"konziliante geste": Ich weiß nicht, ob, was ich sage, aussagekräftig ist: Ich habe von einem Religionsspezialisten mal gehört, dass es gerade Naturwissenschaftler wären, die einen besonderen Hang zu Sekten an den Tag legten.
Wenn, wäre das sicher auch ein Effekt der unerträglichen Spezialisierung, die die Naturwissenschaften ihren Subjekten abnötigen.
vielleicht - conspiriere ich mal mit ihnen - ist generell keine ausgeliefertheits-
haltung - psychologisch gesehen - im naturwissenschaftler vorhanden ?
also eher eine komtempltive form der religiösen begegnung ?
aber verallgemeinern lässt sich da wohl nichts.
vielleicht die falsche spur zu was ?
vielleicht vernachlässigbar.
Doch! Mythos und Technik waren absolut Eins: Belegen lässt sich das an den Mythen, die sogenannte Kulturheroen zum Thema haben. Dabei geht es immer um technische Erfindungen: der berühmteste in unserem Kanon ist sicher Prometheus' Domestizierung des Feuers, die Technik, die die Voraussetzung aller Techniken ist.
Sprachlich phantastisch bebildert sind die Indianer-Mythen, in denen es in jedem Beispiel auch um eine technische Erfindung geht und die zu Tausenden in Lévi-Strauss' Werken nachzulesen sind. Allein so, ohne die Theorie mitlesen zu müssen.
ja diese prometheus-geschichte, an die sich so viele festkrallen um nicht
ganz aus der rolle zu fallen ... ---
aber da war halt auch noch zeus und so weiter ...
das mit dem feuer war schon so eine sache ...
seh schon, sie wollen da beim mythos verweilen.
ist ja auch informativ für mich ...
Das Verrückte ist nun, das die "Dialektik der Aufklärung." selbst auch den technischen Fortschritt weiter befördert hat, indem sie nämlich die Mentalität der Trennung weiter befördert hat, Sie hat sozusagen dabei geholfen, das Subjekt aus den Laboren fernzuhalten. Stattdessen sollte es sich schwitzend und schreiend im "Dagegensein" auf den Bühnen und in der Kunst austoben.
Das konnte der Wissenschaft nur Recht sein. Die konnten dann nach der Arbeit schön in die Oper gehen und sich "erholen". Und alles war wunderbare Arbeitsteilung.
Nun, die Künstler, die Adorno verehrt hat, haben alles andere als auf der Bühne geschwitzt und geschriien. Beckett, Schönberg, Kafka etwa. Dies auch Figuren, die nirgendwo dafür plädieren, die Menschen aus den Laboren fernzuhalten, wobei Becketts Bühnenarrangements ironischerweise genauso hermetisch in sich geschlossen sind, wie wissenschaftliche Versuchsanordnungen.
Adorno ist ja auch nicht mein Buhmann, oder mein Punchingball, ebensowenig wie ich in ein modisches 68iger Bashing einstimmen möchte. Adorno gehört zum Prozess der Rationalität sicher genau so wie die katholische Kirche oder wie Faucold oder Heisenberg... Kafka, Becket, Schönberg. Adorno hatte sicher auch den Vorteil, dass er vom Standpunkt der Philosophie als einem dritten Standort, gerade mal so noch in der Lage war, vermittelnd zu rezipieren. Wir verdanken ihm e i n e n Schritt.
Was Sie aber zu Recht Hermetik nennen ist eben der Hang der Kunst zum "Formverschluss." Diesem Hang entspricht in der Wissenschaft der "Laborabschluss" Kunst ist dann "schön" oder "unheimlich" oder auch irgendwie "vielsagend" oder "magisch" und günstigenfalls hätte sie auch magischen Erkenntniswert.
Dagegen wäre auch überhaupt nichts einzuwenden.
Aber das ändert im Prinzip nichts an meiner Diagnose, dass der wechselseitige "Formverschluss/Laborverschluss" und allenfalls die gegenseitige "dilletantisch" ästhetische Rezeption letztlich echte Dialogizität im Prinzip verhindert. Also mein "platonisches Gesetz" von neulich bedroht natürlich die so genannte künstlerische Autonomie der Kunst. Ebenso wie sie den Laborverschluss der Wissenschaft bedroht. In unserer Gesellschaft aber , die nach allen Seiten hin hochvernetzt ist, dürfte so etwas wie Autonomie des Individdums wie Autonomie der Wissenschaft entweder nur noch in die Menschenkirche einzahlen (Fältchen, Achselhaare, Schwitzen etccc) oder in die Kirche der Dinge, von denen wir nach wie vor annehmnen, dass sie tot sind, was sie aber nicht sind. Weil das Lebendige in der Kunst verortet ist. Beides stimmt aber nicht. Die ästhetische Kunst ist ebenso wenig lebendig wie die künstlichen Artefakte tot sind.
In diese Richtung könnte auch eine Diskussion faschistoider Argumentationsweisen gehen, die ich
>>>> hier ausgeschlagen habe. Die meisten Geisteshaltungen, welche eien Totalitätsanspruch traqnsportieren, wurzeln in religiöser Sprache. Denn (institutionalisierte) Religion ist deren älteste.
Ich vermeide hier audrücklich
ad personam zu gehen.
Was Sie beobachten, ist, daß die explizit von einem Sprecher abgelehnte Affirmation in der Sprache selbst liegt, in dem "Ich glaube…" prominent, aber auch in der repetitiven Form der "Beschwörung" bestimmter Begriffe (siehe Liturgie) und im weitgehenden Fehlen der Konjunktion "oder" bei Beschreibungen der, eschatologisch gefassten, Zukunft.
Im
>>>> "ZurückzurWahrenWirklichkeit!" steckt eben beides: Scheinbar phänomenologische Nüchternheit
und ein ausschließender Anspruch auf
Wahrheit, die ja nur affirmiert werden müsse!
Und mit dieser Bemerkung von
>>>> dort fügt sich noch ein chiliastischer Zug an, der zwar eher klandestinen Sekten als "der" Katholizität eigen ist, auf anderer Ebene aber dem Ausschließlichkeitsanspruch des Sprechers gerecht wird:
"Nur wenige schaffen es durchs Nadelöhr der Epochen. Viele andere nicht. Noch hätten wir die Chance es durchs Nadelöhr unserer Epoche zu schaffen."
Wer weiß, vielleicht ist dieser Sprecher ja
…
Dass der Sprecher sich dann im Sessel zurücklehnt, Humanselektion kontempliert und "We Din't Start the Fire" summt, passt aufs Feinste zu einer weiteren Affirmation, welche er US-amerikanischer Hegemonialpolitik entgegenbringt (auch hier: kein link!).
NB: Zur Begriffsgeschichte des Katholischen: Als konfessioneller Kampfbegriff ist er vergleichsweise jungen Datums. Luther fasste "seine" Kirche ganz selbstverständlich als katholisch auf, sich selbst als
homo catholicus. Denn sie sollte ja für den ganzen Erdkreis gelten, die "Romani" / "Papisten" waren die. Begrenzten!
Entsprechend ist das Wort "katholisch" auch nur scheinbar aus dem anglikanischen oder lutherischen "Credo" verschwunden. Nur daß aus "allumfassend" nun "one holy Church" oder "eine heilige christiche Kirche" geworden ist, um eine Anspielung auf den (mittlerweile) Kampfbegriff "katholisch" zu vermeiden, zugleich aber den Geltungsanspruch ins allgemeine zu bewahren! - Der ökumenische Rückgriff aufs Russische ändert also inhaltlich nichts, rechnet aber mit sprachlicher Exotik!
Spricht man vielleicht von einem "schlechten" Katholizismus, weil man selbst einen "guten" betreibt?
Oh, da sprechen sie etwas wichtiges an. Ich will mich da gern auch erklären.
Das Katholische steht dafür, dass es eine Möglichkeit gibt, über die geformte Physis als geformte Meta-physis (Rituale, Sakrale, Liturgien, Beichten, Opfer...) mit meinem Gott zu kommunizieren. Das ging dann bis hin zu Auswüchsen des Ablasshandels und des Handels mit Spänen und Knochen und Tuchresten, von heiligen Schreinen etc.... (Man rückte der Meta-Physis sozusagen immer näher mit der Physis auf den Pelz.)
Dieses Element der zu Kommunikationsmaterialien ausgeformten "Physis der Metaphysis" finden sie in allen, aber wirklich in allen primitiven Religionen, seien sie nun monotheistisch oder polytheistisch.
Sie gehören damit zu den "Ästhetiken", die es ermöglichten, Gott anzuschauen, ja, ihn sogar zu berühren, ohne ihn zu sehen oder anzufassen.
Auch islamistische Rituale, die ausdrücklich ein Bilderverbot haben, überlisten dieses Bilderverbot dadurch, dass sie "Physiken der Metaphysiken" ausbilden (Moscheen, Wallfartsorte, Gebetspraktiken...etc..)
Egal also, ob Religionen ein Bilderverbot haben oder nicht - Sie entwickeln "Ästhetiken" als Physiken der Veranschaulichung. (Der Beobachtung!)
Beim Katholizismus vor oder bis Luther hat das nun dazu geführt, dass die Kirche die Physis der Metaphysis in einen wuchtigen Weltkonzern sammelte, der wirtschaftete, forschte, handelte, Kriege führte und in ganz globalisierter Form dazu ein funktionierendes Netz von Franchise-Unternehemen in den Ordensklöstern hatte, mit einer hervorragenden Infrastruktur und der fetten Mac Donalds Zentrale in Rom.
Der tiefe Grund hierfür liegt darin, dass der Katholizismus bis Luther den Glauben ganz klar hierarchisiert auffasste. Gott war Vorstandsvorsitzender, und dann kam der Vorstand (Papst, Bischöfe) die weltlichen Chefs, die Bosse, Abteilungsleiter etc.... bis hinunter zu den Schäfchen, die geweidet und geschoren wurden. (Abgaben) Der Grund dieser Hierarchie liegt in der Geschichte des Christentums, die über die Scholastik, die sich mehr oder weniger auf die Kategorienlehre des Aristoteles berief, das protegierte. Die Scholastik hat sich sehr defiziel mit dieser hierarchischen Kategorienlehre beschäftigt und das auf das Christentum übertragen. Man höre und staune: Das katholische Christentum hat sich des "übelsten" Rationalisten bedient, um ihre Struktur zu begründen.
Und das führte dann eben zu diesem globalisierten Mac Donalds Konzern, der schließlich Gnaden-Wirtschaft betrieb und daran fett wurde.
Gnade (Metaphysis) gegen Physis (Abgaben) So hieß der Tausch.
Luther ist tatsächlich der große Wendepunkt hin zu einer nichtprimitiven modernen Religiösität und das ist weltweit absolut einmalig. Und bis heute nicht ganz begriffen.
Die eigentliche Leistung Luthers ist bis heute nicht verstanden. Und er selbst hat damals nicht überblicken können, was er eigentlich tut.
Luther sagte: Gott kann nur gerecht sein, wenn er "allein aus Gnade" gerecht ist. Übersetzt heisst das: Die Gnade ist umsonst. Und zwar für alle.
Aber das bedeutet auch: Niemand kann sich mehr von seinen Sünden freikaufen. Wenn Gnade umsonst ist, kann kein Handel mehr stattfinden. Aber das Sündenregister bleibt. Und Luthers Antwort darauf: Wenn Gott allein aus Gnade gerecht ist, dann heißt das auch, dass der Gläubige "allein" aus tiefem Glauben an Gott und seiner Handlungen nicht allzu tief ins Sündenregister rutscht.
Es findet kein Handel mehr statt. Luther kam zu dieser Frage über ein Quellenstudium der Bibel. Er hat sich eben tatsächlich gefragt: Wie kriege ich es hin, dass Gott gerecht ist.
Die Hierrarchie mit ihren vollgefressenen Ablasshändlern kann es ja nicht sein. Das ist kein gerechter Gott. Sondern bloßes Geburtsrecht.
Diese Leistung von Luther war einerseits genial, andererseits aber eine systemtheoretische und energetische Katastrophe. Weil Metaphysik nicht mehr physisch, ästhetisch, anschaulich (beobachtbar) werden durfte, die meisten Rituale und Sakrale verschwanden, wurde Gott eingschlossen in energetische Monaden, den Lutheranern, den Protestanten und ihren Abkömmlingen. Die Kirche, die nun keinen Gnadenhandel mehr betreiben konnte, verlor ein Großteil der Macht. Aber: Es entstand ein dezentralisierter Monotheismus, hoch mobil, sehr tüchtig, tüchtig aus Verunsicherung, breitete es sich als Gottes Internet mit den mobilen Servern der protestantischen Pioniere dann bis in den Westen Nordamerikas aus. Die bis dahin in den Kommuniaktionsritualen der Konzernkirche gebunden Metaphysik nährte den Neuzeitkörper und gebar das protestantische Bürgertum, gebar die Zweifel Descartes und sein philosophisches "Ich" als ewig zweifelndes mit Gott eingeschlossene aber ungeteilte Einheit/Zweiheit.
Und anstelle der Physik der Metaphysik, die im Katholizismus so wunderbar funktionierte und aufgehoben war, trat die protestantische und immer leicht depressive Tüchtigkeit. Der durch Luther tief verunsicherte Gläubige war vortan in seinem ungeteilten Selbst eingeschlossen, und konnte sich eigentlich nie mehr recht sicher sein, ob er alles richtig machte oder nicht.
Aber dieser Zweifel, diese Unsicherheit machte ihn tüchtig. Er handelte damit vielleicht stets ein bisschen zu viel, produzierte Wissenschaft, Technik etc.... pp. und kam schließlich auf die Idee, dass er ja auch die Gesellschaft selbst gut und besser machen könnte. Das war die von Max Weber beschriebene Ethik des Bürgertums, die einerseits Gesellschaft besser machte, aber andererseits die Techniken der Selektion und der Listung in Gang setzte.
Wenn wir unsere Zivilisation verstehen wollen, können wir sie nur über Luther verstehen.
Der gleichzeitig mit Gott und seinem immer nagende Zweifel an seinem glauben zu Gott in seinem Selbst eingeschlossenen Mensch, ist der Mensch der Neuzeit.
Der 30igjährige Krieg ist zu vergleichen mit einer metaphysischen Atombombe, der Deutschland fast total und Europa schwer verheerte.
Luther war das Ende und der Anfang. Eine Katastrophe.
Der moderne Mensch möchte dem Zweifel, den Luther ihm auferlegt hat, gerne entgehen. Er sucht nach neuen Möglichkeiten des Selbstgestaltungskriegs. Er sucht nach neuen Möglichkeiten von Katholizität, nach neuen Möglichkeiten der Hierarchisierung und des Sinnhandels und flüchtet sich in die Kryptokatholizismen von Stalinismus und Nazismus. Er sehnt sich nach der Möglichkeit einen neuen Sinn- und Gnadenhandel zu betreiben und gerät in die die großen gescheiterten Angebote, Versuche und Verschnitte von Antireformation.
Und heute - nachdem er weiß, dass all diese Versuche in den Felder der technischen Energien entsetzlich gescheitert sind, flüchtet er sich in das letzte Gebiet, das ihm noch unschuldig scheint.
Er flüchtet sich in den Menschen selbst. Sich selbst macht er jetzt zur Kirche. Er bemalt die Menschenkirche mit Lithurgien und Versen, feiert sie mit Lebendigkeitsdesign und Leidenschaftsdesign in der Werbung und in den Fernsehprogrammen, mit Diskursdesign in den Feuilletons und mit den ewigen alten Lust-Angst-Ritualen der Mythen in der Kunst und den alten Lust-und Begehrensmaschinen - in denen jeder Schweißtropfen, jedes Fältchen und jedes Axelhaar plötzlich die Sensation ist - und hat: Wieder nichts begriffen.
Warum das gefährlich und dumm ist, habe ich gesagt. Wir können nicht hinter Luther zurück. Und wenn wir nicht kapieren, das die Bewegung Luther ebenso wie die sich an ihn anschließende Bewegung zu einer unverstandenen aber wirksamen Dynamik gehört, dann gehen wir in den anstehenden Konflikt mit den Primitivreligionen dieser Welt, die keinen Reformationsprozess hatten, dann gehen wir da hinein wie in einen Gottesdienst, unterkomplex gerüstet und gefährlich naiv. Wenn wir es nicht schaffen uns als in einem Vektor stehend zu verorten, der uns ein Rückgang hinter Luther einfach nicht erlaubt, weil die physischen Energien zu hoch geworden sind, dann kommt die Zivilisation nicht durch das Nadelöhr dieser Epoche. Sie wird stehenbleiben, sich aufreiben, stagnieren und untergehen.
Wir werden uns eine Moral zulegen müssen, die uns im Konfliktfall entscheidungsfähig macht. Wir müssen verstehen, dass wir alle Funktionen dieses Vektors sind, dürfen aber uns darin nicht ausruhen, sondern müssen ihn erforschen. Und das allerschlimmste und die allergrößte Herausforderung wird sein: Akzeptieren, dass wir erneut dabei schuldig werden. Aber nur dieses Wissen und diese Akzeptanz bewahrt uns vor der Barbarei.
Ich halte es für ein großen Fehler, die Amerikaner, deren Politik letztlich eine Lutheristische und Protestantische ist und deren technische Hegemonie immernoch darauf beruht, als barbarischen Buhmann hinzustellen. Was nicht heißt, dass man kritiklos bleibt oder dass man Folter gut findet. Aber die USA stehen in diesem Vektor der ein protestantischer ist, und damit auch eine unaufgeklärte Triebkraft. Die westliche Zivilisation muss sich ihrer Triebkräfte bewusst werden, nur so entgeht sie der Barbarei, aber sie muss sich von der Illusion verabschieden, dass die Dynamik zu stoppen ist. Die Brücken, über die wir gingen, sind hinter uns verbrannt. (Lem) Und dazu gehört auch die Lutherbrücke.
Stalinismus und Nazismus sind Kryptokatholizismen? Stalinismus und Nazismus sind Gestalten des von Luther bekämpften Katholizismus. Kann man so etwas ohne Schaum vor dem Mund schreiben? Dialogangebote sehen wohl anders aus. Ich empfehle, von Falter "Hitlers Wähler" zu lesen. Vielleicht kann das ja die protestantische Euphorie ein wenig bremsen.
>>>> Meine Einschätzung sehe ich gewissermaßen bestätigt. (Ich hoffe übrigens inständig, dass aufgrund
dieser Anrede sich nun niemand an der Ehre gerührt fühlt…)
Eine schöne Geschichte der Religion erzählen Sie da. Aber es ist eine Geschichte, deren "Wirklichkeitskontakt" hier und da zu wünschen übrig lässt.
Ich gehe einmal ins Detail:
1) Als Lutheraner favorisieren Sie bgreiflicherweise diesen Reformator. Gerade bei der Übertragung theologischer Ausformungen auf ökonomische Aus- und Wechselwirkungen stärkt Ihnen Max Webers
>>>> Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus ein Stück weit den Rücken. Dennoch ist gegen Ihren rasanten historischen Durchlauf einzuwenden, dass die Verknüpfung von göttlicher Gnadenwirkung und frühkapitalistischer Geschäftsorientierung vorgängig in den reformierten, etwa den calvinistischen Ländern "erfunden" wurde. Die Erfolgsgeschichte der Schweiz sowie der reformierten Niederlande ab dem späten fünfzehnten Jahrhundert sprechen für sich.
2) Ihre impliziten These, dass "alle" Religionen ihren Ritualen und "Kommunikationen" vorausgehen, während letztere sekundär hinzugekommen seien, erscheint mir wenig plausibel. Zumindest wüsste ich nicht, wie man in einzelnen Religionen "Formen" und "Inhalte" restlos voneinander differenzieren sollte. Allerdings habe ich im
>>>> Unterholz des Dschungels eine Diskussion über Monotheismus und Schrift gefunden, die hier Anknüpfungspunkte bietet und zusätzlich das Medium Internet thematisiert. Vielleicht wollen Sie mit mir dort diese spezielle Debatte fortsetzen?
3) Sie sprechen vom "Akzeptieren, dass wir erneut dabei schuldig werden." Abgesehen davon, dass ich diese Schuld-Fixierung als protestantischen Rest "aufklären" würde, wollen Sie mit der Akzeptanz wiederum einem alternativlosen Determinismus das Wort reden, deren obendrein Huntingdon's brisanter These vom
Clash of Cultures verpflichtet erscheint (siehe "Konflikt mit den Primitivreligionen dieser Welt"). Kontextualisiert man diese Ihre Aussagen so, werden sie weit weniger glaubhaft als Ihre repetitive Rhetorik es suggeriert.
4) Ich hinterfrage auch und gerade Ihre Bemerkungen zur US-amerikanischen als einer "lutherischen" Religionsgeschichte: Luthers Protestantismus hat, wenn überhaupt großflächig, dann vor allem vermittelt über puritanische, baptistische und andere ehemals europäische Sekten Fuß gefasst. Darüber könnte Sie das neuere Werk von
>>>>R. Balmer "aufklären". Sie können auch bei
>>>>H. Bloom auf eher gnostische und dualistische Wurzeln amerikanischer Geistesgeschichte informieren.
Die US und vor allem ihre Regierung sind keineswegs die konsequenteste Fortsetzung des Luthertums, sondern ein solipsistischer Hegemonialstaat, dessen Selbstverständnis sich aus einem Innen-Außen-Dualismus speist, wobei dieser, befruchtet von der Ideologie der "Frontier" im Wilden Westen das Denken und Handeln unter Stars'n'Stripes bestimmt.
5) Das Konzept der "Menschenkirche", wie Sie es hier einmal erläutern, beruht auf scharfsinniger Beobachtung, ist aber schwach, was die Benennung angeht. Wie Sie zeitgenössische Erscheinungen beschreiben, scheinen sie mir die transzendente Sicherung, welche institutionalisierte Religionen bislang boten, durch individualistische Heilmittel (Konsum, Fitness, Cleanness) ersetzen zu wollen. Dieser propagierte Individualismus taugt nicht für eine "Kirche", da er dem Gemeinschaftsgedanken
jeder östlichen oder westlichen Ecclesia widerspricht.
Also: Ihre Menschen"kirche" ist mehr Kampfbegriff als tragfähige Bezeichnung.
6) Zu Ihrer abwegigen Auffassung von Katholizismus hat
>>>> Tiberius das Nötige angemerkt.
7) Ich kommentiere Ihre Wortwahl nicht ausführlich, obgleich sie mir an entscheidenden Stellen "unaufgeklärt" erscheint. Lems Diktum von den verbrannten Brücken scheint mir etwa bei Ihnen eher in Richtung auf "verbrannte Erde" zu deuten.
Auch die Kirche als McDonald's-Konzern zu verunglimpfen, klingt schlüssig aufgrund der Analogie weltweiter Verbreitung und "ritueller" Gleichheit, besagt aber über die geschmeidige Rhetorik hinaus nichts.
Insgesamt teilen kann ich Ihre Schätzung der (historischen) Aufklärung auch als ein Abgrenzungsmerkmal zum Islam und asiatischen Religionen und Weltanschauungen. Jedoch braucht Ihre eigene Argumentation eine (systematische) Aufklärung über ihren Grund, ihren Totalitätsanspruch und einen stärker und schwächer vorkommenden Determinismus.
Man kann diesen Schnelldurchritt lässig kritisieren, puha, na klar, also sorry, 500 Jahre Menschheitsgeschichte in einem Blogkommentar... ich habe lediglich meinen Katholizismusbegriff erklärt und die Schwelle Luther benannt.
Sie sagen mein Menschenkirchenbegriff taugt nicht, gut, ich bin da anderer Meinung.
Im Sinne einer metaphysische gebundenden Gemeinschaft sicher nicht mehr. Da gibt es die verschiedensten Privatreligionen Aber sie bindet uns physisch. Das ist der Witz, dass bei Luther ein Tausch stattgefunden hat. Darauf wollte ich hinaus. Wir sind in einer Kirche und wissen es nicht.
Ich bin übrigens kein Lutherianer oder Weberianer.
Und was Amerika betrifft, liegen die Dinge sicher komplexer und verwickelter. Und tatsächlich ist sich auch amerika seiner protestantischen Triebkräfte nicht bewusst. Dass sage ich auch. Tatsache bleibt, dass die Dynamik der Technik und des starken industriellen Bürgertums ohne Luther nicht zu denken ist.
Ich habe hier auch lediglich etwas angerissen, das noch tiefer verstanden werden muss. Daccord.
Es tut mir leid. Aber da muss ich ihnen ganz entschieden widersprechen. Stalin und Hitler entsprechen als Führer und hierrarchiestruktur aber ganz exakt der hierarchischen Gliederung des Katholizismus. Sollten sie selbst Katholik sein - es geht mir nicht gegen die katholische Kirche, es geht mir um blinde unverstandene Sehnsüchte und Strukturen der Repräsentation, die sich schlechte Auswege sucht. Und es ist ja sogar bekannt, dass Stalin die orthodoxen in Russland als Konkurrenz sozusagen schwer bekämpft hat.
Und es ist bekannt, dass die katholische Kirche in und nach dem Krieg gerade in Deutschland eine nicht ganz rühmliche rolle gespielt hat. aber darum ging es mir nicht.
Die Gleichsetzung von Stalinismus, Nationalsozialismus und Katholizismus überzeugt mich nicht. Mit den Kriterien der zentralen Führungsfigur und der darunter angeordneten Hierarchieebenen haben Sie ein Schema geschaffen, daß so weit ist, daß nicht nur die drei von Ihnen genannten darin Platz haben, sondern fast jede menschliche Organisation. Das Schema hat für mich damit keinen Erkenntniswert.
Habe ich Sie richtig verstanden, daß der Katholizismus "für blinde unverstandene Sehnsüchte und Strukturen der Repräsentation" steht, die katholische Kirche aber nicht, oder doch?
Ja, sie haben Recht, man könnte noch mehr Strukturen aufzählen.
Und ich sage auch: Sogar meine Struktur ist in gewisser Weise hierarchisch gedacht, insofern, als dass ich sage, dass wir in einer Evolutionsdynamik stehen, die meines Erachtens einen Vektor hat oder erzeugt, gegen den zu stellen, ich heute für kontraproduktiv erachte, was aber nicht heißt, dass man nicht versuchen müsste ihn, zu verstehen und zu ergründen.
Und sie haben mich richtig verstanden - die katholische Kirche bedient diese Sehnsüchte offen und gewissermaßen ehrlich, und deshalb habe ich nichts gegen die katholische Kirche einzuwenden. (Auch meine Mc Donaldsvergleich waren nur zur Verdeutlichung ihrer Struktur gewählt, die sie damals hatte, nicht zu ihrer Abwertung Denn wir haben dieser Kirche einiges zu verdanken.)
Und ich sage auch ausdrücklich, dass ich überhaupt garnichts gegen offen praktizierte Religionen habe, weil ich sie zur Geschichte der Rationalität zähle - sofern sie nicht agressiv werden.
Wohl aber habe ich etwas gegen religösizistische Strukturen, die sich darüber nicht aufklären und behaupten, etwas anderes zu sein.
Meine Kritik richtet sich generell nur gegen Strukturen, die die Strukturen der Katholizität blind reproduzieren, und dies nicht offen eingestehen oder sich selbst darüber aufklären.
Die religiösen Implikationen werden gerade unter anderem
>>>> dort mitdiskutiert; ich habe mich
>>>> hier dazu eingelassen; vielleicht bekommen wir eine stehende Querverbindung hin.
In diesem Fall handelt es sich tatsächlich um einen Glauben.
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Ich glaube selbst an einen möglichen Fortschritt, kann aber derzeit einige rationelle Gründe angeben, warum ein solcher Glaube wollkommen blauäugig und dumm ist.
Damit stelle ich meine eigene Äußerung als aussagelos dar.
Ich füge
>>> hier noch einmal den Verweis auf meine beginnende Stellungnahme an.
Mir fällt bei dieser kleinen Erwiderung noch ein, dass an den technischen Fortschritt glauben, tatsächlich auch falsifiziert werden kann, nämlich durch die Praxis, also wenn die Gattung sich einfach zu dumm anstellt, sich in Religions- und Identifikationskriegen aufreibt, den Planeten vergiftet und schließlich alles ein ganz hässliches, leider vorzeitiges Ende nimmt.
Wer weiß, vielleicht gibt es auch eine universale Badewannenkurve für Zivilisationen. Nur wenige schaffen es durchs Nadelöhr der Epochen. Viele andere nicht. Noch hätten wir die Chance es durchs Nadelöhr unserer Epoche zu schaffen.
Insofern heisst: An den technischen Fortschritt glauben, eigentlich an die Gattung glauben.
Fehlt also doch die aufs Ganze gerichtete Vernunft, die Adorno als abgemeldete reklamiert?
Eine aufs Ganze gerichtet Vernunft kann es nicht geben. Nur eine im Ganzen prozessierende Rationalität, die sich permanent selbst beobachtet und den Kreis Ihrer Selbstbeobachtung peu a peu erweitert. Dazu bedarf sie natürlich auch dynamischer Archive und künstlicher Intelligenzen mit nichtmenschlicher Kapazität und Rückkopplungsprozesse. Und was ganz wichtig ist: Die nonverbalen und energetischen und rein physischen Potentiale müssen hier immer im Blick behalten werden als "animistische" Größen und Partner innerhalb des Prozesses, gerade wenn sie in Technik auskristallisieren.
Also um mit Kant zu sprechen: Rationalität muss beobachten die Bedingungen der Möglichkeit von Erfahrung und damit sich selbst, dazu gehört aber unbedingt mit dazu die Physis und die "nichtmenschlichen Kommunikationen" zwischen Techniken und Energien und der Entropie, der sie unterliegen.
Deshalb muss Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft ganz dicht zusammenrücken
(Es wird allerdings geschehen, dass innerhalb dieses Prozesses Ballanceentscheidungen und Nichtballance-Entscheidungen zu treffen sind,
Diese unterliegen einer Ethik der Rationalität, die eine Ethik der Abwägung sein muss, aber jenseits der Prinzipien reiner Menschlichkeit, sondern nach Maßgabe einer Art inneren thermischen Temperaturregulierung. Ähnlich den regulativen und Immunsystemen eines wachsenen Körpers)
Achtung: Ich habe dies extra in Klammern gesetzt, weil es sich für unsere heutigen Ohren und auch für meine unheimlich anhört und zu einer noch nicht verhandelten Ethik der Rationalität gehört, die aber meiner Meinung nach längst stattfindet, unter der Hand, ohne dass sie so benannt oder klar definiert wird. Beispiel Unternehmens-Beratung, Pille, Bevölkerungspolitik etc...
Dennoch: Was Sie als ethische Schablone vorschlagen, klingt - zumindest in den letzten Sätzen, da, wo Sie die philosophische Terminologie draußen lassen, höchstens nach Pragmatismus - von der Hand in den Mund gelebt auf der Basis kurzfristiger Steuerungsmaßnahmen. Selbst wenn Sie sich bemühen, in einer aufs Neutralst-Mögliche reduzierten Begrifflichkeit zu denken, so eliminiert das doch nicht die Frage des Standpunkts, von dem aus die "Abwägungen" erfolgen. War ja auch der Hauptangriffspunkt bei Sloterdijks Menschenparkphantasie, dass halt letztendlich irgendwo doch eine Instanz zu benennen wäre, die die Kriterien für zu treffende Entscheidungen offen legt. Da gibt es dann naturgemäß Möglichkeiten: Pragmatismus, Zynismus, Machtkalkül,
Religiöse Ethik, Menschenrechte. Ich kann nicht erkennen, wo sich aus Ihrer Argumentation da eine Alternative böte.
die Schwäche des Menschenparks war, dass er ein solches Thema, was ja eigentlich ein Menschheitsthema ist, einfach mal so auf ein paar Seiten abgehandelt hat. Und die andere große Schwäche war, dass er letztlich wieder von "Subjekten" gesprochen hat und meiner Meinung nach auch nicht richtig mitreflektiert hat, dass es sich beim Menschenpark ebenso sehr um ein Dinglichkeitspark handelt. Mit physischen Techniken und Energien vernetzt.
Slotterdijk und viele Philospophen machen meiner Meinung nach immer noch den Fehler, dass sie die Physik ausser Acht lassen. Die Energien. Und ihre durchaus wirksame Existenz, als Entscheidungsinstanz.
Niemand kann sich heute hinstellen und sagen: Wir machen es so oder so.
Aber ich glaube, dass, wenm man die Wirklichkeit einmal wahrnimmt, dann kommt man nicht um die sogenannte normative Macht des Faktischen drum herum. Und von dieser Einsicht muss eine Bewegung in die Dialoge hinein motiviert sein, die als Bewegung ein Findungsprozess wahrscheinlich immer bleiben wird. Wenn ich Platon wäre, wäre mein erstes Gesetz dass ich erlassen würde: Jeder Wissenschaftler kriegt ein Künstler oder einen Philosophen mit in sein Labor und jeder Künstler kriegt ein Wissenschaftler auf den Hals, der ihn erforscht. Und zwar nicht eben mal so, sondern die ganze Karriere über. Und so muss eine gegenseitige Erforschung und Beobachtung stattfinden. Ein Rückgespiegeltsein. Erkennen etc...
Ich würde Künstler und Philosophen als Einzelexistenzen genau so verbieten wie den einzelnen Wissenschaftler. Das wäre ein Weg, wenn ich was zu sagen hätte.
Bleibt immernoch die klassische Frage nach der berühmten Souveränität im Ausnahmezustand (Carl Schmidt) Ich weiss nicht wie man die Frage wirklich beantworten kann, aber vielleicht käme man auf den hier skizzierten Bewegungs-Weg . in einen Zustand der Selbstregulierten Prozess-Souveränität, in der es Ausnahmezustände eben sowenig gibt wie Normalzustände.
hört sich überhaupt nicht unheimlich an, bestätigt aber, dass man momentan in den vorstellungen viel zu kurz greift. man darf sich nämlich nicht nur ein stabiles system wünschen sondern eines, dass staibile evolution ermöglicht. ein system, welches mit spontanen mutationen fertig werden kann. das heisst, wir müsstem wie gott planen. Vielleicht akzeptieren wir dann, dass es uns eine schuhnummer zu gross ist.
aber das ist ja meine herausforderung an technokratie.
(sorry~ für recht und kleinschreibung, aber mit zwei daumen am handy bei kerzenlicht geht es nicht besser:)
wir müssen langsam ganz langsam, ganz ganz langsam, zu Gott werden------
Das ist eine grandiose Idee, ich wäre der erste, dabei mitzutun. Allerdings nicht mehr, wären dabei Verbote im Spiel, etwa solche der "Einzelexistenz". Wer denn verböte? Ob Einzelperson, ob demokratisches Gremium: ich würd es unterlaufen. Und zwar gegen den höchst akzeptablen Sinn einer solchen Regelung. Die sogar meine Sympathie hätte und bei der ich, sofort, umgehend, von jetzt auf in einer Minute, mittun würde. Nicht aber, ist ein Verbot im Spiel. Dann ist es ausschließlich dazu da, daß man es übertritt.
An den technischen Fortschritt zu glauben, bedeutet, an das Heil durch den technischen Fortschritt zu glauben. Etwas anderes, ich wiederhole es bewußt, ist, daran zu glauben, daß die Technik fortschreiten/voranschreiten wird und dann zu versuchen, die Gattung irgendwie in ihr einen Platz finden zu lassen. Hier, nur hier, unterscheiden sich unsere Ergebnisse. In einer rein rational ausgerichteten Technik hat der Mensch als das, was er (noch) ist, so wenig Platz wie das Individuum in einem Ameisenbau. Extrem genommen, würde ein moralisches Primat der Technik bis in eugenische Entscheidungen führen und sie ganz sicher auch herbeiführen. Hier berühren sich in der Tat die faschistisch/rassistische Mechanik und die Technik-Katholizität.
Um dies zu ergänzen: Wie Sie - und
das habe ich so ja auch vorgetragen - glaube ich nicht mehr daran, daß es einen
objektiv möglichen Widerstand noch gibt; ich glaube aber, anders als Sie, daran, daß man ihn genau deshalb ausüben muß. Und das geht in der Tat wohl nur noch in der Kunst als d e m Gedächtnis der Menschheitsgeschichte. Denn eine Kategorie wie Schönheit, zumal mit einem Anspruch des Absoluten, ist das absoluter Widerbild des Rationalen; es ist sein - Teufel.
Wir würden dann zu etwas, das es - nicht gibt.
Stimmt - als Dialektiker muss ich ihnen da natürlich Recht geben. Andererseits könnte man natürlich auch so schlau sein und das mit einkalkulieren und eben gerade deshalb das Verbot aussprechen.
Ich glaube nicht an das Heil des Technischen Fortschritts, weil es ein unabsehbarer prinzipiell unendlicher Fortschritt ist. Aber ich glaube daran, dass es ein Prozess ist, der einen Vektor hat, der letztendlich uns in den Raum treibt. Was sich hier ereignet, ist aber jenseits von Heil oder nicht Heil, jenseits von Gut und Böse.
Was Sie hier vorschlagen, lese ich dann so: Sie lehnen es ab, ein Heil im technischen Fortschritt zu sehen, und wissen aber dass es diesen Vektor gibt.
Ich hatte ja auch schon die Vermutung, das die Retro und Gegenbewegungen als "Verschiebestrom" dem Vektor zuspielen
Das verstehe ich in sofern, weil man dann sozusagen ein Manifest hätte, das Manifest des Simulationismus: Im Wissen um die Dialektische Struktur der Wirklichkeit handeln wir gegen unsere Überzeugungen, damit diese sich einlösen. Aber dann müssen Sie konsequent sein, Herbst. Nämlich so:
Manifest des Simulationismus:
Wir begrüßen das Verbot der Kunst, weil wirkliche Kunst sich trotzdem durchsetzt.
Wir begrüßen die Schließung und das Verbot aller Buchhandlungen, damit wirklich gute Texte endlich sich letztlich durchsetzen.
Wir begrüßen das Verbot der Wissenschaft, damit sich die notwendige Wissenschaft gerade zeigt.
Wir verbieten die Liebe, damit sie eben gerade da ist.
Wir verbieten den Sex, damit er wieder Spaß macht.
USW...
Ohne Quatsch, eigentlich wäre das dann konsequent.
Aber eigentlich wollte ich es trotzdem andersrum. Ich wollte sagen:
Wir begrüßen den technischen Fortschritt und rücken ihm sogar noch auf die Pelle, damit er sich entschleunigt...
So rum wollte ich das machen.
Gott gibts nicht, aber er wird werden.
wegen Teufel, sie reden da von Teufelszeug, ich denke, man muss verstehen, dass es das Kunstschöne und das Wissenschaftsschöne gibt, aber ich denke die können sich nicht in Abstoßung mehr zueinander bewegen, weil dann gitbs nämlich gefährlich Arbeitsteilung und Schizophrenien. Peter Handke lässt seine Bücher dann auf High-Tec- Druckmaschinen drucken, schreibt aber mit Federkiel, und Wissenschaftler X klont Mittags Babys und abends ließt er dann irgendein Schmusegedicht von Dicher xy oder geht in die Oper zu Don giovanni Das ist nämlich die Realität, die wir jetzt haben
Das Manifest muß nicht mehr geschrieben werden, es wirkt ja längst, wie man auch Ihren Positionen entnehmen kann:
1) Das Verbot der Kunst ist implizit wirksam, einerseits durch Ansprüche einer
political correctness (in dem Sinn ist es übrigens immer schon wirksam gewesen), andererseits über die qua Markt vorgenommene Profanierung. Und Buchhandlungen muß man nicht wirklich mehr verbieten, sie gehen eigenbewegt ohnedies schon ein, und mit, finde ich, Recht. Deswegen geht aber allenfalls noch das Buch, nicht aber die Dichtung ein, sondern die sucht sich ihren Platz in anderen Medien,
unterläuft ihn sich. Und sie wird sich auch durchsetzen, nur daß das allenfalls bedingt etwas mit wirtschaftlichem Erfolg hat. In jedem Fall werden die großen Texte von einigen wenigen Händen in wenige anderer Hände weitergereicht werden, mitunter mit dem Etikett des Auserwählten. Das hat durchaus etwas von Gralshüterei. Das ist elitär, aber d a ß es das hat, dieses Ritualhafte, garantiert ihr Überleben. Verbote würden das erst richtig befördern - vorausgesetzt, Menschen bleiben einigermaßen so disponiert, wie sie es jetzt noch sind. Wie funktional in Retorten designte Menschengeschöpfe reagieren werden, darüber können wir Fantasien haben, aber uns letztlich keine gesicherte Vorstellung machen.
2) Ich wollte ein unpraktizierbares Verbot der Wissenschaften dadurch ersetzen, daß man aufs Recht des Irrationalen, zum Beispiel eines Glaubens, pocht und für ihn eintritt. Auch das geschieht derzeit schon, und zwar im weltpolitischen Maßstab.
3) Jeder Satz, der Liebe als längst designten Ausdruck von Markt proklamiert, hat Liebe bereits verboten. Dennoch fährt der in seiner Mutter Gift getränkte Pfeil Amors jeden Tag tausendfach aufs neue in ein Opfer.
4) "Sex ist uncool" - da haben wir's auch schon, und zwar im Verbund mit dem schärfsten Sexverbot, das sich denken läßt: AIDS. Ich habe vor Jahren einmal
>>> eine deutliche Polemik zu dem Thema geschrieben.
Das ist die Realität, die "wir" immer schon hatten. Das ist wirklich keine Erscheinung der Neuzeit. Es sind sogar signifikant oft "böse" Machthaber gewesen, die die Künste förderten, allein deshalb, weil sie die Mittel dazu hatten. Das nimmt der Kunst aber nichts, da sie prinzipiell für alle zugänglich und von allen erlebt werden kann. Kunst ist nicht moralisch, ich kann das gar nicht oft genug betonen; sie ist es genau so wenig, wie es die Wissenschaften sind. Wie diese sind, ist sie allein auf ihr Thema gerichtet, so, wie Rilke zu recht von einem - auch wenn sein Entstehen persönlich motiviert war - Liebesgedicht schrieb: es spreche nicht zur (persönlichen) Geliebten, sondern zur Welt. Das gilt sogar noch für Kokoschkas Alma-Puppe. Diesen entschiedene Zug ins Allgemeine teilt die Kunst mit der Wissenschaft, es ist wie deren i h r kühles Moment.
Sofern Sie zu dem Gedanken noch eine sprachlich überzeugende Form fänden, legten Sie den Übermenschen wieder auf und griffen also direkt zu Nietzsches Zarathustrabuch zurück. Von da aus gingen dann tatsächlich,
>>>> wie fêmme100tetes vermutet hatte, Stränge in Richtung auf einen, sagen wir, Techno-Faschismus, und zwar verstärkt über den Ausschließlichkeitscharakter Ihres proklamierten (und eben zweiwertigen, nicht etwa modalitätslogischen) Rationalismus. Das ergibt für meinen Instinkt (!) ein nicht geheures Amalgam. Denn unterm Gesichtspunkt n-wertiger Interdependenzen ist auch bei möglichst weitgefaßter Kalkulierung der ökologisch und psychologisch wirkenden Faktoren nie heraus, ob etwas wirklich so eintritt, wie es geplant war. Die Erfahrungen, die wir unterdessen mit vernetzten Systemen haben, zeigt das nur zu deutlich.
>>>> Steppenhunds
>>>> Beitrag zur Unentscheidbarkeit ist dafür ein Beleg.
Herr Herbst, Sie schrecken mich auf, wenn Sie schreiben: »Denn eine Kategorie wie Schönheit, zumal mit einem Anspruch des Absoluten, ist das absolute Widerbild des Rationalen; es ist sein - Teufel.« — Ansonsten kann ich nur bescheiden mitlesen und mich wundern, wenn ich hie und da den Eindruck habe, noch etwas zu verstehen.
Der Teufel für das Rationale muß nicht der Teufel sein; nur das Rationale sieht es so. Wie auch der sinnliche Teufel des Christentums ganz sicher kein Teufel ist, für dieses ist er's aber sehr wohl. Der Antike war er schlicht nicht einmal d e r, sondern nur e i n Sartyr.
Etwas verspätet, weil nachts die Technik (!) gesponnen hat:
Aus Rationalität und Schönheit ein Gegensatzpaar zu machen, bedient sich des alten Gut-Böse-Spiels. Es gibt eine der Technik, ob gewollt oder ungewollt, implizite Schönheit, die entweder der Blick selbst oder Praktiken der Dekontextualisierung technischer Objekte in Ausstellungssituationen freilegen. Das geht übrigens nicht nach der Gleichung Funktionalität = Schönheit. Ein Brückenkonstruktion, ein eleganter mathematischer Beweis, ein gezeichneter Plan oder ein Kant'sches Philosophem, das bis in die letzte Verzweigung zum untersten Unterbegriff rational durchgeformt ist: Das alles kann man mit gutem Recht als stimmig, schön, ästhetisch bezeichnen. Daneben/dagegen das Ekstatische, Nietzsche von mir aus, Van Gogh, Jackson Pollock, Coltrane. Wohin der ästhetische Sinn dann letztlich tendiert, hängt von der individuellen Disposition ab. Euphemistisch gesagt: vom persönlichen Geschmack. Oder eben man hält die Extreme aus.
Neue Medien haben die alten nicht verdrängt. Das zeigt die Mediengeschichte und die von ihr losgetretenen Kulturkämpfe. Die Fotografie macht die Malerei kaputt, das Kino das Theater, TV das Kino, die Schallplatte das Konzert und der Computer gleich alles zusammen. Nichts davon ist so wie es in den immer rückwärts gewandten Kampfargumenten prophezeiht wurde. Aber: Jedes alte Medium musste, nachdem der Schock abgeflaut war, sein neues Konkurrenzmedium verarbeiten: In den 5oern etwa die Malerei die Fotografie . . .
Das Ergebnis dieser Aufarbeitungen war die Neupositionierung der als obsolet verschrieenen Medin, was meistens gar nicht geschadet hat. Auch Buch wird, wie Sie ganz richtig schreiben, überleben. Wie, das ist noch offen"
Extrem genommen, würde ein moralisches Primat der Technik bis in eugenische Entscheidungen führen und sie ganz sicher auch herbeiführen. Hier berühren sich in der Tat die faschistisch/rassistische Mechanik und die Technik-Katholizität.
Genau diese Entscheidungen trifft die Natur ja auch. Das "Böse" des Menschen betrifft die Lokalisation der Entscheidungsgrundlagen auf seinen persönlichen Lebenskreis, der abgegrenzt und zeitlich beschränkt ist.
In dem Egoismus steckt das Verurteilenswerte, nicht in der Tatsache schlechthin, dass die Evolution die Stärke bevorzugt.
Wenn das ganze dann noch durch eine Glaubenslehre vervielfacht wird, haben wir uns die Hölle auf Erden bereitet.
Da brauchen wir nicht einmal die Eugenik bemühen. Zustände wie im stalinistischen Kommunismus oder wie in Simbabwe können durchaus auch ohne Eugenik zeigen, wie man einer Nation das Rückgrat herausfilettiert.
Als moderierenden Einwand nur dies, daß die alte Dualität dem Rationalismus ja gerade eingeschrieben ist: 0 und 1, tertium non datur. Darauf reagiert die Gegenbewegung einer Widersetzlichkeit von Schönheit gegen Rationalismus. In der ebenfalls in Der Dschungel geführten
>>>> Schönheitsdebatte wies ich bereits auf Amoralität des Schönen hin, rein faktisch: daß es schöne Menschen und nichtschöne Menschen gibt. Daraus entbindet das (moralisch eingewendet) Vorgebliche, es liege Schönheit im Auge des Betrachters, eben n i c h t, weil es kollektive Schönheits-Kategorien gibt (die allerdings kulturell differieren, nicht aber signifikant innerhalb eines bezogenen Kulturraums). Diese Schönheitskategorien finden selbstverständlich gegenüber nahezu jeder sinnlichen Erscheinung Anwendung, also auch gegenüber der Technik. Man kann sich das klarmachen, wenn man Bilder aus der Zeit der Industrialisierung anschaut, auf denen mitten in den Wiesen eine Fabrik "lustig vor sich hinraucht". Heute empfinden wir das gar nicht mehr als schön, sondern eher als scheußlich, während uns die südmeditterranen Bauten des Barocks, die Goethe noch als entsetzlich empfand, "schöne Gebäude" geworden sind. Ganz typisch dafür ist
>>>> S. Domenico in Noto; für Goethe eine Bausünde. Ich meine eben n i c h t, daß bei solchen Beurteilungen der persönliche Geschmack eine Rolle spielt, sondern eine sozusagen sozial-ästhetische Prägung. Das spielt aber gar keine Rolle für eine rationalistisch ausgerichtet Gesellschaft, wie sie u.a. Ifone vorzuschweben scheint: die rein nach Zweck und objektiver Notwendigkeit handelt. Schön wäre nach seinen Kategorien, was zweckmäßig ist, womit er ganz existentiell das Überleben der Art meint. Dagegen ist - und daraus bezieht mein Antagonismus seine Kraft - schön eben gerade das, was n i c h t (unbedingt) zweckmäßig ist. Man könnte sogar sagen (in meinem Sinn): schön ist das, was sich nicht auf Zwecke rückbindet. Es kann einen Zweck haben, zum Beispiel gibt es in den USA enorm schöne Brücken quasi mitten in der Wildnis, aber das, was die Brücke dabei schön macht, ist eine ästhetische Projektion und nicht der Zweck der Brücke. Aus dieser Ablösung, dieser, kann man sagen, Chronifizierung, bezieht Kunst Lebensenergie. Sie ist im allerbesten aller Sinne - Luxus. Und damit für mich d a s menschliche Kennzeichen: genau so, wie sich der Begriff der Kultur von seinem Ursprung gelöst hat, der Urbarmachung wilden Gebietes zum Acker.
Sie ist ein Prozeß aus Ursachen und Wirkungen. D e s h a l b würfelt Gott nicht, und deshalb
>>>> ist Zeit irreversibel. Deshalb bedeutet konservatives Denken auch nicht Konservierung oder gar Regreß, sondern es werden alte Werte in einem neuen Zusammenhang neue. (Ihnen dürfte das Problem aus der Musik bekannt sein: Es ist absurd, eine "historische Aufführungspraxis" zum Dogma zu machen, wenn diejenigen, zu deren Zeit Musikstücke aufgeführt wurden, Hörerfahrungen nicht gemacht haben, die für uns zur Tagesordnung gehören. Wir hören deshalb "historisch aufgeführte" Musikstücke ganz gewiß nicht so, wie sie zur Zeit ihrer Entstehung gehört worden sind.)
Wenn Sie Entscheidung mit "Prozeß aus Ursachen und Wirkungen" ausschreiben wollen, sei Ihnen das unbenommen. Das Gleiche trifft dann ebenso auf menschliche Entscheidungen zu.
Ob ein Gnadengesuch genehmigt wird, mag von der morgendlichen Verdauung des Genehmigers abhängen. Ob jemand zum Diktatur wird, kann durch Ablehnung seiner künstlerischen(?) Leistungen veranlasst worden sein.
Wagner hätte vielleicht anders geschrieben, wenn er in Frankreich andere Erfahrungen gemacht hätte, um ein versöhnlicheres Beispiel anzuführen.
Gott würfelt deshalb nicht, weil es ihn nach ihren Ausführungen, siehe oben, nicht gibt. Das Würfeln als Simplifizierung für Wahrscheinlichkeiten heranzuziehen, war schon einmal eine Flucht, um sich nicht der Quantenmechanik stellen zu müssen.
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Ich stimme Ihnen hinsichtlich der musikalischen Betrachtung zu, kann aber den Kontext jetzt nicht so richtig erkennen.
Genau das bleibt der Punkt: Auf der Zwecklosigkeit ist gegen jeglichen technizistischen Widerstand zu insistieren. Die Trennung von der Funktionalität. Seit Alltagsobjekte (Duchamp) im Museum aufgetaucht sind, zeigt sich das. Museen, Galerien etc. sind Räume in einer gewissen sakralisierten Isolation, in denen Objekte ihren Charakter verändern (B. Groys). Entscheidend dabei ist eben, dass der Gegenstand durch diese Dislociierung von seinen Zwecken abgeschnitten wird und von da an sein ästhetisches Potential entfalten kann. Heute ist es das Design, das als künstlerischer Input in den Industriewaren wieder frei gelegt wird.
Aber das ist doch genau der Irrtum. Ich rede davon, dass niemand mehr auf irgendwas pochen muss, weil die Habitate der Irrationalität und der Rationalität zu gleichen Anteilen in Kunst und Wissenschaft wirken. Ebenso wie die Habitate des Schönen und Unschönen.
Das Beispiel sollte nur zur Klarstellung dienen, daß konservative Positionen nicht de facto rückschrittlich sein müssen, ja das ebenso wenig sein können wie sog. "progressive", seien sie nun von politischer und/oder technologischer Art à la Ifone.
Hinsichtlich ihres Verweises auf die Zeit mit der Darstellung der Regelkreise stehe ich nicht an, der Darstellung Anerkennung und Zustimmung auszusprechen.
Ich selber sehe ja auch die fiktionalen Zeitreisen als nicht realisierbar an.
Allerdings schränke ich meine eigene Ausschließung soweit ein, dass ich sie auf den derzeitigen Kenntnisstand beziehe.
Wenn ich meine eigene Logik anzweifeln muss, (und das tue ich äußerst ungern) muss ich auch die getroffenen Schlussfolgerungen anzweifeln. Sie sind revidierbar.
Es gibt ja auch so schon so viel, was ich zwar mathematisch nachweisen kann, dessen Ergebnis aber keinesfalls mit erfühlten oder als richtig empfundenen Beobachtungen übereinstimmt.
Oder gehören Sie zu den Leuten, die die Mathematik als Konstruktivist sehen? ( :) )
Ob jemand auf etwas pocht oder nicht, ergibt etwas jeweils Anderes - und zwar ganz unabhängig davon, ob man noch pochen m u ß oder nicht. Allein, daß gepocht w i r d (oder nicht gepocht wird), verändert durch seine Erscheinung (oder sein Ausbleiben) das Gesamte. Ich habe das in der Freiheitsdiskussion einmal dahingehend zu erklären versucht: Wenn sich jemand frei
fühlt, handelt er anders als jemand, der sich n i c h t frei fühlt. Das ist unabhängig davon, ob es Freiheit (hier des Willens) überhaupt gibt (was ich bekanntlich bestreite, daß es das gibt; unabhängig davon f ü h l e ich mich aber frei, und das wiederum läßt mich anders handeln, als hätte das permanente Gefühl der Determination, die nach meinem Verständnis selbstverständlich dennoch wirkt). Genau diesen Effekt habe ich in meiner Poetik mehrfach eine "Realitätskraft der Fiktion" genannt.
(Nietzsche hat darauf hingewiesen - in seinem
>>>> Aphorismus über den "Türkenfatalismus" -, daß man es hier mit einem unendlichen Regreß der Wirkketten zu tun hat: denn ob ich glauben k a n n, daß ich frei sei, oder ob ich das nicht glaube, ist seinerseits wieder von den Vorgaben abhängig, die mich geprägt haben. Usw.)
Das Verbot der Kunst ist nicht implizit wirksam, sondern die Kunst, die Sie meinen, partizipiert an ihrer Funktion des Widerspruchs, und ist damit Funktionärin des Vektors. Sie ist Vernissagehäppchen, Rotweingläschen, und Diskurselchen. Und letztlich ist sie immer irgendwann Hollywood. eben Hypothalamusmassage. Also selbst Technik und zwar Überlebenstechnik. Die Kunst, die ich meine, die an eine sehr unappetitliche W A H R H E I T rührt oder ihr auf der Spur ist, findet nicht statt oder kaum. Weil sie damit ihren alten Platz verlassen müsste, ihren blinden Fleck aufgeben müsste und sich auf Dynamik einlässt, die von Fleck zu Fleck helfend und moralisch verstehend und begleitend ist und so der Wissenschaft und Technik zur Seite tritt.
Duchamp. Richtig. Alles was heute gemacht wird, ist eine Fussnote zu Duchamp. Ästhetische Isolierung bringt garnichts mehr, wenn nebenan in den Laboren die Technik weitermarschiert oder irgendwelche Primitivreligiösen unter Zuhilfenahme von Technologie sonstwas vorbereiten, weil sie bereit sind, in irgendeinem Cafe auf irgendeinem Marktplatz oder in irgendeiner Stadt Metaphysik gegen Physik einzutauschen. PHYSIK, Herbst.
Dass Sie mir damit kommen, war eigentlich beinahe ausrechenbar.
Nietzsches Problem war tatsächlich seine Hypostase und seine Wortwahl, nicht jedoch sein Wirklichkeitsempfinden.
Nicht Nietzsche war präfaschistisch, sondern der Prozess ist es, und zwar immer dann und genau solange, wie er sich nicht über sich selbst aufklärt - geht er in irgendeinen Krieg.
Und diese Gefahr besteht heute wieder deshalb, weil es zwischen Metaphysik und Physik eine bedrohlich Asymmetrie gibt, die nach Ausgleich schreit. Dieser Ausgleich, kann blind explosiv stattfinden oder rational begleitet.
Wenn wir uns für Blindheit entscheiden, machen wir uns schuldig.
Der Prozess, von dem ich spreche, schert sich nicht um kühle Momente.
Rilke und Kokoschka mögen mit ihrem Kunstbegriff noch einmal geradeso davongekommen sein, aber ich spreche von einem Epochenbruch, seit der Kernphysik und der Elektronik, es tut mir leid, Herbst, aber damit ist das alles nicht mehr anführbar, weil sie auf seiten der Kunst und auf Seiten der Wissenschaft Monaden einschließt, die nicht mehr miteinander Kommunizieren. weil dieser Epochenbruch uns entweder endgültig gegen die Wand klatscht oder durchs Nadelöhr führt.
Ich glaube an die Physik und an a n d e r e Konstanten, sonst würde ich keine Dichtung schreiben, sondern wäre Physiker. So einfach ist das. Ich will Ihnen Ihren Glauben ja auch gar nicht wegnehmen; ich bin allerdings davon überzeugt, daß er, würde er ausschließliche Macht, in Pogrome ausginge und wahrscheinlich genau den Krieg, den Sie, wie ich glaube, wirklich fürchten, in Gang setzen wird.
Anders als Sie bin ich aber auch überhaupt nicht angstbesetzt, sondern meine Grundhaltung ist Neugier. Ich bin gespannt auf das, was kommt, aber zu dieser Gespanntheit gehört, daß ich mich nicht davor verbeuge. Meine Grundhaltung ist Zuversicht und Interesse, das hat sich, seit ich fünfzehn war, nie verändert. Hätte ich rational gehandelt, wäre mein Werk nicht entstanden; heute könnte ich sterben und wüßte: Ich habe etwas hinterlassen, das bleiben wird. Nicht alles wahrscheinlich, einiges aber doch. Dieses Gefühl ist g e g e n den Rationalismus nüchterner Zukunftsbetrachtung durchgesetzt worden. Selbst wenn man mich jetzt meiner Schulden wegen in den Turm würfe, es wäre für das Werk völlig egal. Es ist da. Punkt. So, wie Sie, Ifone, PHYSIK rufen, rufe ich: SCHÖPFUNG.
Aber weshalb, da Sie so klare Vorstellungen der Aufgabe von Kunst haben, setzten Sie sie nicht selber um? Und kommen Sie mir jetzt nicht damit, daß Sie das nicht mehr könnten. Sie müßten es versuchen, es müßte ein Druck dasein. Den verspüren Sie aber offenbar nicht einmal als Rezipient von Kunst, weshalb Sie von den Prozessen, die Sie zugleich normativ bestimmen wollen, letztlich gar nichts wissen. Sie fingen aber an zu begreifen, setzten Sie sich Ihnen aus. Und merkten dann, daß Ihre Produktions-Norm gar keine Anwendung finden kann, weil sie von etwas ausgeht, das Kunst gar nicht interessiert. Sie will Katastrophen gar nicht abwenden, sondern sie will sie verarbeiten, sie sind ihr Material; das ist ganz unabhängig von den persönlichen Intentionen eines Künstlers. Wo ihm Kunst gelungen ist, hat er persönlich gar nichts mehr mit ihr zu tun (nur an ihrem Mißlingen hat er teil) - außer freilich vermittels äußerer Umstände, deren Nutznießer er sein kann, deren Opfer er aber vielleicht auch wird.
Was Kunst de facto erreicht, ist Sensibilisierung. Wüßte sie von vornherein ihr "Ziel", wäre das gar nicht möglich, weil dann immer auf etwas hin sensibilisiert würde, das ihrem Entstehen schon vorgängig ist. Das aber wäre auf der einen Seite Design und auf der anderen Kitsch. Auf einer dritten noch politische Agitation. Nix davon hat mit Kunst etwas zu tun, auch wenn der mainstream das anders sieht und manch schlechter Warhol oder Lichtenstein in den Museen hängt (es gibt auch gute).
Und wie Sie PHYSIK rufen, könnte ich LUFT rufen. Man kann Luft zu vielerlei nutzen: um in Sturmform Länder zu verheeren, um Strom zu erzeugen, um Blüten zu bestäuben und um Musik zu machen. Ich habe mich für letzteres entschieden.
Sie kommunizieren seit je. Darauf hat Aikmaier lange überaus deutlich und mit Belegen hingewiesen. Hier kultivieren Sie ein Vorurteil. Nur daß Sie bei denjenigen Autoren, in deren Werk die Kommunikation geradezu mit Händen greifbar ist, etwa in Pynchons Gravity's Rainbow, diese Kommunikation für müßig erklären, weil sie nicht die Sprache des anderen Kommunikanten verwendet. Jedoch täte sie das, wäre sie nicht mehr Kunst. Es wäre demzufolge eine dritte Sprache zu entwickeln, die auch, meine ich, tatsächlich längst entsteht. Die ist aber, w e i l eine dritte, nicht nur-rational, sonst wäre es ja nur die Sprache des anderen. Ihre Abwertung von Autoren wie Handke, von dem man Göttinweiß viel lernen kann, spricht da Bände; von Christa Reinig will ich gar nicht erst sprechen oder von Marianne Fritz.
Ganz nebenbei gesprochen, entströmt Ihren Einlassungen auch eine seltsame Erhöhung der Kunst mit. Ich frage da nur nüchtern, weshalb denn sie ausgerechnet mehr zur Abwendung vermeintlich kommender Kriege beitragen sollte als etwa der Teig, den ein Bäcker knetet. Das ist, als verlangten Sie zu "backen gegen den Krieg". Aber wir fangen jetzt an, uns im Kreis zu drehen. Indes ich Ihnen in Sachen Physik längst entgegengekommen bin, sind Sie nicht bereit, auch nur einen Verständnisschritt in die Richtung der Kunst zu tun, vielleicht aber auch einfach nicht dazu in der Lage.
ich argumentiere asymmetrisch, weil ich auf eine meiner meinung nach bedrohliche Asymmetrie hinweisen wollte. Und diese Asymmetrie hat ihre Geschichte und kam zu Stande auf Grund einer Blendung 1945 in Hieroschima)
(Die Blendung ist die extremst mögliche Form der Anschauung.)
Und während die Wissenschaft ungerührt ihren Gang ging, hat sie die Kunst von den Prozessen des Verstehens in die reine Ästhetik zurückgezogen. Es gibt hier eine Bringschuld.
Die Kunst kann eben deshalb zur Klärung beitragen, weil sie selbst permanent Metaphysik (Sinn) gegen Physik (Material oder Bewegungen, Werke) eintauscht und umgekehrt. Auch die Wissenschaft tut nichts anderes. Das haben sie ja gemeinsam. Das Problem ist aber, dass beiden Disziplinen die Praxis dieses Tausches nicht ganz erhellt ist, oder bewusst. Weil sie als Praxi gegen sich selbst blind ist. Wissenschaft dichtet ebenso wie Kunst auch forscht. Aber wenn beide nur auf ihrem Feld für sich hinforschen bzw. dichten, schließen sie sich gegeneinander ab und nehmen sich allenfalls ästhetisch war. Das heißt: Die Kunst integriert "dilletantisch" wissenschaftliche Applikate, während die Wissenschaft "dilletantisch" künstlerische Applikate zum Beispiel Analogien, Metaphern, Bilder oder Bildfindungen übernimmt. Ein gutes Beispiel ist die Befruchtung der Wissenschaft/Technik durch Jules Verne oder Fritz Langs Film "Frau im Mond"
Dass diese ästhetische Befruchtung stattfindet, steht ausser Frage.
Ich komme ihnen ja auch entgegen darin, wenn ich sage, dass dieser Raum hier zum Beispiel zu den Dingen gehört, die einer Kunst wie sie mir vorschwebt, durchaus entspricht, ebenso wie sie und ich und alle die daran teilnehmen.
Aber die Tatsache, dass beispielsweise die Raumfahrt und der Raketenbau ursprünglich von einem UfA-Film des Künstlers Fritz Lang und dem Engagement von Herrmann Oberth, einem Ingenieur, der eine Rakete für die Filmpremiere bauen sollte, in Gang gesetzt wurde, hat eben nicht verhindert, dass es dann die V2 und dann eben alles andere danach Kommende gegeben hat. Ebenso wie Elemente der manifesten Avantgarde in den harten Faschismus einsickerten.
Die Frage ist, warum nicht. Meine Antwort wäre, dass sowohl die Kunst als auch die Wissenschaft in einem einseitigen vitalistischen Zusammenhang stehen. Sie stehen unter "Produktionszwang" "Ergebniszwang" Oberth musste für Fritz Lang die Rakete bauen und Fritz Lang musste den Film fertig machen. Sie haben sich über Zwecke ausgetauscht, aber beide stehen völlig unreflektiert im Vektor der Beschleunigung. Dass heisst: Es gibt einen Überschuss hin zur Physik, dass ist das, Herbst, was sie Schöpfung nennen. Das permanente und unverstandene und unreflektierte Abfliessen von Sinn (Metaphysik) ins Material, Film, Werk, Gedicht, Rakete, wo es dann eben anschaulich, stofflich, ästhetisch, wird oder hart energetisch (Physik) Bombe, Rakete.
Das ist der Vektor. Ihre Schöpfung. Hier kann mal die Macht Auftraggeber der Kunst sein (Kirche - Rafffael) oder die Macht kann einen Auftrag der Kunst annehmen (Avantgarde - Faschismus)
Ich plädiere lediglich dafür , dem Vektor der aktiven Schöpfung, der Produktivität, ein Element der gegenseitigen Kontemplation, also der Beobachtung (nicht der Anschauung!) beizugeben. Dass heisst aber, dass beide Seiten ein Stück weit sich von ihrem reinen Schöpfungs-Produktions-und-Formgebungs- und Produktzwang emanzipieren und so eine reflektorische Prozessrückkopplung ermöglichen, durch Kontemplationsproduktion. Für die Kunst bedeutet dies: Sie hat den Auftrag sich viel tiefer in die Methodiken und Prozesse der Wissenschaft zu versenken, und zwar auch denkerisch, während an die Wissenschaft der Auftrag ergeht, sich ästhetisch ihren Produkten gegenüber zu verhalten. Wissenschaft hat sich zu fragen: Sind meine Hervorbringungen schön oder ästhetisch oder berührend, wenn ja, wenn nein, warum nicht und wie kann ich sie so verbessern, dass sie schön sind, da werde ich gleich mal die Kunst fragen..... etc... (Aber eben dialogisch fragen: Abends in die Oper gehen genügt nicht!)
So entstünde vielleicht eine Physik der Antiphysik, die sich von dem blinden und heute gefährlichen schöpferischen Akt des Tausches Metaphysik gegen Physik und umgekehrt emanzipiert und als steuerndes element, letztlich als eine Ethik der Rationalität wirksam würde.
Die Physik der Antiphysik entspricht einer Kultur der Antikultur.
braucht doch gar nicht entwickelt zu werden. Sie wurde ja - vor allem im Gefolge Musils - längst durchprobiert.
ist wichtig - man kann dort auch wieder anknüpfen. Allerdings hatte Musil noch kein Internet und war ziemlich isoliert damals. Sehr sehr tragisch. Er hat Literatur produziert, weil er eben etwas ganz anderes wollte.
… was mir beim Lesen des Satzes
»Ich glaube an den technischen Fortschritt« durch den Kopf schwirrt, ist die Frage
»Du glaubst an den Fortschritt von wessen Technik?«. — Oder gibt es etwa ›die‹ eine Technik?
Was mir innerhalb dieser und
>>>> der Paralleldiskussion noch überhaupt nicht klar ist, ist die Bedeutung des von Ifone eher abwertend eingeführten und von anderen aufgenommenen Begriffs "Menschenkirche". Ich weiß weder, was tatsächlich gemeint ist, noch worauf sich das Wort bezieht und wogegen es sich oder anderes mit ihm abgrenzen soll.
Ja, dieser Begriff bleibt schwammig. Ich habe
>>>> dort (Punkt 5) einmal nachgebohrt, aber keine befriedigende Antwort erhalten.
Das scheint aber Teil von Ifones rhetorischer Strategie zu sein, zentrale Begriffe nicht erläutert zu verwenden und durch Wiederholung als "bekannt" zu situieren. Das krypto-katholische Stichwort dazu hieße wohl: Litanei.
gn8, verscheuchen Sie die Depression! Tomorrow's another day...
Das Wort Kirche benutze ich hier im Sinne von Sakralbau.
Der Sakralbau ist eine geheiligte oder geweihte Statik, als etwas Festes, das Begräbnis-oder Gebetsritualen- oder rituellen Feierlichkeiten dient.
"Menschenkirche" soll darauf verweisen, dass unsere heutige Gesellschaft in ihrer Wirklichkeit einen nicht statischen, mobilen und durch wachsende Prothetiken permanent dynamisierten und sich dynamisierenden und polytechnisch gesplitteten Prozessfunktionär/in erzwingt und erzeugt, der veränderungsbereit sein muss - dem aber andererseits wenige, sehr feste, also statisch definierte Symboliken und narrative Klischés des "Menschseins" oder des "Menschlichen" gegenüberstehen, die über Medien, Diskursen und in den Künsten projeziert werden.
Genauer: In urbanen Arbeits- Verdienst- und Lebenszusammenhängen wird normalerweise ein gut gewaschener, sauberer, und gut riechender, leistungsfähiger, sozialkompetenter Funktionstyp und Profi verlangt, der seine Fähigkeiten und Fertigkeiten möglichst sachgerecht einem wertschöpfendem Prozess zur Verfügung stellt.
Dabei ist völlig klar, je mobiler, gesünder, flexibler leistungsfähiger und belastbarer dieser verlangte Prozessfunktionär ist, desto größer ist sein Marktwert, desto höher seine Verdienstchancen und desto mehr Aufstieg in der rationalen Marktwerthierarchie steht ihm offen. Diese Marktwerthierarchie ist zugleich auch mit einer erotischen Marktwerthierarchie (Sex, Fortpflanzung) eng verknüpft. Demzufolge wird er sich entsprechend verhalten: Er wird Sorge tragen, immer gut rasiert zu sein. Er wird gucken, dass er möglichst flexibel ist (Familie erst spät oder gar keine) und er wird auf seine Gesundheit achten (nicht rauchen, Fittnessstudio etc..)
Ausserdem wird er bestrebt sein, sozial so zu funktionieren, dass er eine Ballance findet, einerseits durchsetzungsstark genug zu sein, ohne jedoch in seinem Millieu all zu sehr anzuecken. Kurz: Er wird seine Rolle einerseits immer finden müssen, zugleich aber auch stetig selbst- und fremdbeobachtet und gegebenenfalls flexibel anpassen.
Der durchschnittliche Wirklichkeitsmensch in einer entwickelten technologischen Zivilisation ist ein Funktionstyp, der in einer Mischung aus rationalen Erwägungen (Schläue) und unbewussten Entscheidungen (Emotion, Instinkte) sein millieugerechtes Funktionieren sicherstellt und stets den sich dynamisch verändernden Verhältnissen anzupassen bemüht ist (permanentes Lernen)
Millieugerechtes Funktionieren heißt: Was gefragt ist oder was nicht gefragt ist, was Leistungsfähigsein bedeutet, hängt vom Millieu ab, in dem er sich auf Grund von Veranlagung am erfolgreichsten orientiert: Auch dies gehört zur Leistungskompetenz: Das Millieu zu finden, dem er sich am Besten zuordnen und behaupten kann.
Ausdifferenzierte Zivlisationen wie die unsrige erzeugen aber eine beinahe unüberschaubare Menge an Millieus, Gruppen, Zuordnungen und Leistungsmerkmalen und Prozessfunktionen, die zudem in einer permanenten Dynamik dicht nebeneinander liegen. Auf Grund ihrer Vielfalt und Dynamik liegen viele Leistungsmillieus aber auch Mentalitätsmillieus dicht nebeneinander, überschneiden sich, oder sind auch unklar überlagert. Sodass ein Wirklichkeitsmensch von heute beinahe täglich die verschiedenen Kommunikationen mit den verschiedensten Zeichenhaushalten in den verschiedensten Leistungsmillieus aufnehmen muss. Er muss sich morgens ein Coffetogo-Gesicht zulegen, dann ein Straßenbahngesicht, dann ein Bürogesicht, dann ein 10 Uhr 30-Meetinggsicht, dann ein Kollegengesicht, dann ein Chefgesicht, Computergesicht ... abends dann ein Gesicht für seine Freundin etc. Und er muss jederzeit die verscheidensten Prozesskompetenzen abrufen können.
Der Alltag in einer Zivilisation verlang dem Menschen eine starke Lern und Adaptionsfähigkeit ab, die ihn sozusagen eher in einen flexiblen Universal-Adapter verwandelt, als in einen so genannten Charaktertyp oder marginal Eindeutigen, der sich immer selbst ähnlich ist. Das gilt auch für Projektehopper und urbane Ich-AG's
Gegenüber dieser hochdynamischen und veränderlichen, polytechnischen und wenig sich selbst ähnlichen Wirklichkeit projeziert nun die von mir so genannte Menschenkirche eher wenige und relativ statische Charakterwelten, die sehr eindeutig geradezu primitiv holzschnittartig definiert sind:
Beispiele:
Dem urbane Adaptertyp wird die Kerrygold-Butter mit einem bäuerlich faltigen Charaktertypen verkauft, der grauhaarig in Irrland mit einer Ganz ein Tänzchen aufführt, und der in jedem durchschnittlichen urbanen Arbeitszusammenhang nicht die geringste Chance hätte.
Oder: Einen Großteil der emotionalen Zuwendung widmet der zivlilisatorische Adaptertyp längst seinen technischen Partnern.
Das neueste Handy wird beflüstert und ausgiebig befühlt und vorgezeigt, das flache Laptop gestreichelt, und das Auto oder eine Software nimmt nicht wenige Gesprächsminuten in Anspruch.
In der Literatur aber liest er gerne noch von der konfliktreichen Liebe unter Menschen.
oder: In einer urbanen Umwelt der Gutrasiertheit und adaptermäßigen Funktionstüchtigkeit, kommen gerade die Kunstausstellungen gut an, die beispielsweise die großformatig aufgeblasenen Fotografien von schlecht adaptierterbaren Betrunkenen zwischen Pappcartons und desolaten Verhältnissen zeigen, Marginale und Adaptionsunfähige, mit möglichst grellem Lichtblitz kurz aus dem Abseits geholt (Sozialkulinarik)
Es können auch konkret-abstrakt bearbeitete Zweimeterfotografien von Achselhaaren sein. (Der gutrasierte urbane Adaptertyp entdeckt das Achselhaar als "irgendwie unheimlich beindruckend" arrangiert, zwischen Konkretion und Abstraktheit irritierend. (Körperlichkeits-Sakralität)
Oder: Die urbane kinderlose Karierefrau blättert interessiert Berichte über prominente Schwangere durch. (Schwangerenberichterstattung als Sakralzeremonie der tatsächlichen Kinderarmut)
Oder: Eine an Kinderlosigkeit leidende Leistungsgesellschaft entdeckt das "Kind an sich" und beschreibt in großen Anzeigen,
wie es pubst.
Oder: In einer Wirklichkeit, in der permanent Menschen zu spüren bekommen, per Betriebsschließung, dass sie nicht mehr gebraucht werden, ist ein Lied wie "Mensch" von Grönemeyer besonders beliebt.
Oder: Eine in Perfektion und ihrem Cleaning-Alarm eingerichtete Adaptergesellschaft, entdeckt den verwackelten und grobkörnigen Film mit "authentischen und sehr richtig menschlichen Darstellern" , "lebendig" geführter Handkamera, die schlecht beleuchtet sind und auch mal dunkle unreine Haut oder dunkle Zähne haben dürfen.
Oder: In einer Adaptergesellschaft, die auf einer hohen Kultur der gewaltlosen Konfliktregulierung beruht, ist ein Film wie "Fightclub" besonders beliebt.
Hier meine ich nun - Es wäre zu einfach, all diese Phänomene als Leitbilder oder Sehnsuchtsatraktoren des Abwesenden oder Verschwindenden zu beschreiben. Oder als identifikatorische Verkaufsstrategien. Das sind sie alles auch.
Aber in unserer Gesamtheit handelt es sich um eine Sakralisierung des Marginalen im Typus imaginierter Natürlichkeit als relativ statisches und eben sakral organisiertes Symbolensemble, das sakral zeremoniell wiederholt und narrativ eingespielt wird. Während in Wirklichkeit der künstliche und schwach definierte und polytechnische Adaptertyp sich weiter ausdifferenziert und dabei seinem Nachbarn in seiner Funktionstüchtigkeit und seinem dynamischen Verschwommensein immer ähnlicher wird, geht er gerne in die Kirche der überschaubaren und rituell wiederholbaren Identifikationsangebote, und Marginalitäten die aber mit seiner Wirklichkeit wenig zu tun haben.
Der polytechnisch ausdifferenzierte und vielgesichtige Adapter- und Funktionstyp besucht regelmäßig die sakralen Grabstätten des "einen Gesichts"
Dies wiederum bekommt rituellen Charakter, weil sich die Signal- und Zeichenthemen überschaubar halten und rituell wiederholen. Deshalb Menschenkirche.
Darüber hinaus organisiert sich der zivilisatorische Adaptertyp auch noch seine Reservate der gelebten archaischen Typologie.
Das wären dann physiche Gebetspraktiken organisierter Ereignistrukturen wie Abenteuerurlaube, Familiegründen, Schwangersein, Hauskauf in Mecklenburg, Vaterwerden etc..... Aber auch diese rituellen Lebendigkeitsgebete unterliegen stark rationalen Erwägungen, da er sie mit und zu einer immer stärker werdenden polytechnischen Adaptionsfähigkeit organisieren muss. Er kommt um die Rationalität nicht drum rum.
Auch das so genannte Aussteigen oder gelegentliche Übertreten und die Grenzerfahrung bei Risikosportarten, Marathonläufen oder sexuellen Ereignisstrukturen gehören zum rationalen Sakral vorübergehender oder längerfristiger Funktionsverschiebungen, die den polytechnischen Kontext stützen, seine Adaptierfähigkeit erwweitern, in dem sie als Training der kalkulierten Stressrituale dem polytechnischen Kontext des funktionierenden Körpers angehören oder der millieubezogenen Sozialkomensurabilität zuarbeiten.
Der polytechnisch adaptierfähige Prozessfunktionär betrachtet sich und seinen Körper als von außen und innen formbares Hormon, - Pheromon, - und Gliedmaßenensemble, dass er möglichst effizient den jeweilig geforderten Funktionen anzupassen hat. Das betrifft ebenso die Körperfunktionen als auch die Sozialfunktionen, wie Hautreinheit, sexuelle Kompetenz, Fittness etc...
Demgegenüber errichtet er projektiv eine symbolische Kirche der Nichtformbarkeit, der Statik, der Marginalität, des Schicksalhaften als regelmäßig einzuspielende und innerlich besuchbare Kirche des Zufälligen, des Magischen, des Gegebenen, des Mythischen (Kunst), des Originalen (Dieter Bohlen), des Nichtveränderbaren, und der nicht regierbaren Affekte
- die Menschenkirche.
In der bildenden Kunst, in der Werbung, in der Literatur... (Hier muss die Menschenkirche nicht als "Abbild" konfiguriert sein. Sie kann auch als Illusion der freien Produktivität zelebriert werden.
Er trägt diese Menschenkirche in sich selbst herum als mobilen Altar.
Je intelligenter, vielgesichtiger, dynamischer und adaptionsfähiger dieser Prozessfunktionär/in ist, desto größer sind seine Überlebenschancen und desto geringer sein Ausl