Ifone meinte am 2008/03/26 13:47:
Herr Zehrer,
Sie legen den Finger tatsächlich auf die Wunde. Ein ungeklärtes Problem. Darüber kann man bei Gotthardt Günther einiges nachlesen. Wir haben dieses Problem am Hacken, dass einerseits Wissenschaft und Technik eben keine Ansichtssachen oder Meinungen oder Stimmungen schafft, sondern Fakten. Und diese Fakten der Technik beruhen auf dem Umstand, dass angewandte Wissenschaft bisher auf das Tertium non Datur sich sehr erfolgreich gestützt hat. Dass die Quantenphysik hier etwas neues aufgerissen hat, ist kein Widerspruch dazu, sondern eine Bestätigung der bis dahin angängigen Rationalität der Zweiwertigkeit. Wenn Günther über mehrwertige Logiken nachgedacht hat, dann hat er nichts anderes als den Versuch unternommen, eine Ethik der Rationalität zu entwerfen, indem er versucht hat, eine Metasprache als operative Untersetzung für die zweiwertige aristotelische Sprache zu finden.
Was die Werte- Relativitäts- Diskussion hinsichtlich der US- amerikanischen Dominanz betrifft, ist das heute auch automatisch immer eine Technik-Disskussion. Wir haben es somit also, wenn man Amerika, als dominante militärische - und technologische Spitze betrachtet mit dem Problem zu tun, dass "Werte" hier bereits zu ganz stofflichen, energetischen Werten in der Technik auskristallisiert sind.
Interessanterweise sind sie protestantisch puritanisch untersetzt.
Kann man diesen Prozess "rückgängig" machen oder qua Kunst kommunikativ relativieren?
Die Frage nach einem Telos der Evolution, wäre der Versuch, tatsächlich eine Letztbegründungsproblematik in die Rationalität zu reintegrieren, bevor sie qua Feuilliton und fehlgeleiteter Philospohie und Geniesserdebatte uns kryptokatholisch sozusagen durch die Hintertür rein "metaphysisch" als neue Gottes-Sehnsucht kontaminiert und uns nur unterkomplex irrational gewappnet in die anstehenden Konflikte treibt.
Steckt nicht in den nichtrückgängig zu machenden Auskristsallisierungen der Technik bereits schon eine Letztbegründung, der man sich als Faktizität und nicht als Glaubenskomplex zu stellen hat?
Arbeitet sich die Wissenschaft nicht schon längst über die Operation/Letztbegründung-Falifizierung- Letztbegründung-Falsifizierung zu Letztbegründung schleichend in den Telos hinein?
Und tatsächlich - diese Frage wirft sehr unangenehm die Schuldfrage auf. Die Wer - Wie - Was - Frage. Sie stellt die Frage nach Park-Regeln. Ich glaube, man wird um die einfach nicht drum rum kommen.
Und tatsächlich bin ich mir sicher, dass es nicht mehr darum geht, amerikanische Werte zu "hinterfragen", sondern sie als am weitesten im "Telos operierend" zu akzeptieren.
Das ist unappetitlich - ich weiß.
Aber Peter Hacks...?
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/4808457/#4814789
albannikolaiherbst antwortete am 2008/03/26 14:31:
@Ifrone. "sondern sie als am weitesten im "Telos operierend" zu akzeptieren".
Ganz sicher wird Kunst das nicht mitmachen, sondern dort eigensinnig verharren, wo sie nicht funktionalisierbar ist - und zwar auch dann, wenn sie unrecht hat. Sie wird auf die Berechtigung zum Unrecht pochen. Dort, wo sie staatsgemein wird, ist sie schlecht und verkommt zum Kunsthandwerk, und es ist dabei völlig egal, um welche Art von Staat oder Gemeinschaft es sich handelt. Genau dies meinte weiter oben mit meiner Bemerkung, daß sie einen Hand zum Asozialen hat. Platon - mit >>>> Littell gesprochen einer der ersten faschistischen Staatsphilosophen - hat sie genau deshalb verdammt. Kunst beharrt auf dem Verbrechen als einer Möglichkeit des Menschen, sie beharrt darauf noch da, wo sie es beklagt; um es noch deutlicher zu machen: Kunst b e d a r f des Verbrechens. ("Verbrechen" wird hier als imaginiertes verstanden, damit aber auch als ein Verstoß gegens Funktionale. Sie ist in jedem Fall ein Übergriff.)P.S.: Bei einigen der "Postmodernen", die Sie oben auf die Spitzen Ihres Rechens nahmen, ist Staatskonformität sehr weit gediehen: das ist genau eine S c h w ä c h e der Postmoderne, wie es auch eine Schwäche des Barocks war. Hier entscheidet dann nicht mehr das Handwerk. Es käme aber Ihrer Forderung nach Akzeptanz der Machtverhältnisse nah, so daß Sie etwa über Durs Grünbein, rein politisch gesehen, glücklich sein müßten.)
P.P.S.: Die bayerische Ministerpräsidentengattin zu Schlingensieffs Bayreuther Parsifal-Inszenierung: "Etwas Auflehnung muß sein." Da zeigte der Teufel schon seine Hörner, die er mit gehobenem Hausfrauentum samtig umwickelt hatte. An Schlingensieffs Stelle hätte ich nach dieser Aussage nur noch gekotzt.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/4808457/#4814922
Hans Zehrer antwortete am 2008/03/26 15:08:
@Ifone
Ihre Analyse, die Technik und die politische Hegemonialstellung der USA betreffend, ist zweifellos triftig. Angesichts der von Ihnen beschriebenen Sachlage ziehen Sie die auch mir ganz plausibel erscheinende Konsequenz, den philosophischen und den literarischen Postmodernismus abzulehnen, weil er die Verhältnisse letztlich affirmiere (auch wenn beständig behauptet wird, er tue das nicht). Ich bin versucht, Ihnen zu vorzuhalten: Alles das, was Sie gegen die Postmoderne vorbringen, würde Hacks kurzerhand und mit Recht als Romantik klassifizieren, der gegenüber er natürlich der Klassik ohne Wenn und Aber sofort den Vorzug gäbe. Das Gegenteil von Romantik, würde er sagen, ist eben Klassik, tertium non datur. Eine solche Position kann man nicht einfach als Kunsthandwerk abtun, wie Sie es getan haben. Man muß den Hacks eben lesen wie André Müller sen. den Shakespeare.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/4808457/#4815033
G.A.Buerger antwortete am 2008/03/26 15:15:
@Herrn Ifone
Wie schätzen Sie das denn für die Musik ein? Ich verstehe gut Ihren Ärger über die schicken Revisionisten in der Literatur. Ich verstehe, dass es Sie nervt, wenn man ohne Risiko herumspielen kann, wie man will und es einfach auch cool findet, bei Staatsempfängen wahrgenommen zu werden. Aber Komponisten werden auch empfangen und wurden das vor allem immer. Ist Mozart jetzt deshalb ein schlechter Künstler? Oder haben deshalb die Stones schlechte Musik gemacht? Ich bin weit entfernt davon, ANHs Ansprüche an Kunst als einem Widerspruch schlechthin zu unterschreiben, aber das ist ja doch das, was Sie irgendwie verlangen. Andererseits sollen sich Künstler an Amerika orientieren, weil das das moralisch am weitesten gediehene Land ist. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, glauben Sie, dass in Amerika Moral zur Technik geworden ist. Sie meinen damit wahrscheinlich die westlich-christliche Moral, oder? Wie ist das dann aber mit den Chinesen? Da herrschen doch offensichtlich ganz andere Vorstellungen von Moral. Und wie ist das mit Led Zeppelin? Wäre das Kunst in Ihrem Sinn? Mir ist in Ihrer Argumentation die Richtung noch nicht klar. Ist Mönet ein schlechter Maler? Ich habe den Eindruck, dass Sie Kunst und richtige Gesinnung durcheinander werfen. Was ist die richtige Gesinnung und wer bestimmt sie? Wirklich derjenige, der die meisten Bomben hat?
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/4808457/#4815052
Ifone antwortete am 2008/03/26 15:25:
Antwort an A.N. H.
mir dreht jetzt der Kopf... ich weiss schon was sie meinen, und wir kommen hier total in ein dialektisches "Weichgebiet", in dem dann das so genannte "notwendige" Versagen der Intellektuellen, sofern ich jetzt Künstler mit dazu rechne, zur Debatte steht - also sagen wir mal so Verirrungen, ich glaube Stockhausen - oder wer das war, der gesagt hat: Der 11. Sebtember war ein Kunstwerk..." oder so , weil es ihn vielleicht als "Störung der Funktionalität" der westlichen Welt so fasziniert hat. Also ich glaube irgendwo gibt es da wirklich eine Grenze und auch eine gewisse Obszönität, weil wir alle ja letztlich, wie sie ja selbst festgestellt haben, von westlicher Welt leben. Wir leben doch von dieser Funktionalität, da kann man die doch nicht stören wollen oder ablehnen.Wahrscheinlich würden Sie jetzt antworten, dass die imaginativen Störungen der Kunst die Evolution, auch die geistige, letztlich voranbringen u.s.w. also im Sinne von: Der Tod, der Fehler, die Störung als notwendiges Korrektiv der Evolution. Das würde aber bedeuten, einen Status Quo zu behaupten, ein kontinuum humanum, als den sterblichen Menschen, dass letztlich aber doch gerade dabei ist, sich qua gentechnik schleichend in Richtung runderneuernder Ersatzteilhaufen zu verabschieden usw..
Wie kann Kunst auf Störung der Funktionalität beharren, wo doch heute jeder weiss, dass "Störung" seit Ewigkeiten mit zur Evolution gehört, zum Beispiel als Mutation, als Tod, als eingebauter Kopierfehler in der RNA etc... Störung ist ein Programm, das eingebaut ist. Störung ist doch der natürliche Normalfall. Ganz ohne Kunst. Also dieser Kunstbegriff im Sinne von "Störung der Funktionalität" oder Verbrechen läuft doch eigentlich Gefahr, antiquiert zu sein.
Ist es nicht vielmehr so, dass die eigentlich Störung darin besteht, dass wir zunehmend in die Lage versetzt werden, über Störung und Nichtstörung zu entscheiden? Oder steckt in dem von Ihnen favorisierten Störungsbegriff womöglich eine ganz und garnicht postmoderne Rettung des Subjekts?
Ich meine das nicht albern, sondern sehe es als sehr schwierige Grenzdiskussion.
Das Korrektiv der Störung, zu dem ich nicht nur die Kunst zähle, sollte in einer Gesellschaft wie der unseren eben tatsächlich auch den Medien zukommen. Wenigstens teilweise.
Ich habe mich aber eben geärgert, weil Hacks gut oder wichtig zu finden eben überhaupt keine Störung ist, sondern ein hundertprozentiges Ausweichen vor Fragen, die ich selbst für weit wichtiger erachte.
In Bezug auf Staatskünstler, Grünbein etc...die mich ja auch nicht weiter stören, sofern sie nicht den Platz für wichtige Themen wegnehmen, wenn wir immer noch über Macht-Verhältnisse, also mit diesem Wort diskutieren, dann klingt das immer nach "Mächtigen", also nach Subjekten. Das ist wohl auch das Problem, dass wir eher von "Mächtigkeit" als einem Volumen oder Prozessbegriff sprechen müssten, also mit "Telos" meinte ich eben erstmal nur das, die Dynamik der Technik als expansive Dynamik, als unpersönliche Dynamik, die ein beobachtbarer absolut anschaulicher Fakt ist, und keine Glaubensfrage. Richtig ist, dass "Konformität" so gesehen eher "mit der Technik" geht, also auch "mit der Funktion" . Da sich hier aber enorme physische Energien angereichert haben, könnte eine auch nur imaginierte Störungsverortung der Kunst heute dem Islamismus in die Hände spielen und damit planetar betrachtet genozidal oder humanozidal wirken. Ich weiß nicht, ob das eine erfreuliche Perspektive sein kann.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/4808457/#4815080
Peregrinus antwortete am 2008/03/26 15:29:
Hacks und Schostakovitsch:
Das ist vielleicht eine gewagte Parallelisierung. Aber kann man nicht sagen, wenn man den genügenden historischen Abstand hat und Kunsterscheinungen parallel in ihrer Zeit ansieht, dass die diktatorische Verfügung über erlaubte Kunstformen in Osteuropa sehr viel schneller in die Postmoderne geführt hat? Als im Westen tonal komponierende Künstler absolut verpönt gewesen sind, blieb im Osten den Künstlern gar nichts anderes als Tonalität übrig, wenn sie akzeptiert werden wollten. Oder habe ich da jetzt falsche Informationen? Aus dieser Situation haben sich die tonalen Kompositionen doch tatsächlich weiterentwickeln können und sind, wie ich das sehe, heute auch im Westen mit auf jedem Konzertprogramm. Da stehen sie durchaus nicht als Nebensache dabei. Sowas könnte doch auch für die Lyrik reklamiert werden? Sozusagen sind die Experimentellen jetzt zurückgefallen. Und zwar aus anderen Gründen wird auch im Westen wieder gereimt. Als gäbe es eine historisch-logische Entwicklung der Ästhetik. Sogar Penderecki komponiert nun wieder tonal bis zum Kitsch. Unter dem Strich bleibt hüben wie drüben der Sieg des Reims, dem jetzt so etwas wie eine Wiederkehr des Versmaßes folgt. Kann man das so sagen?
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/4808457/#4815091
knotscher95 antwortete am 2008/03/26 15:48:
trotz des laufenden stands @ ifone
Noch meine stellungnahme ab „ich stimme“„Mein Rundumschlag richtet sich gegen eine "Mentalität der Postmoderne", die es sich gemütlich gemacht hat,
Weil Sie von Deleuze und Derrida den Ohrwurm sozusagen als intellektuellen Dieter-Bohlen-Hit übernommen hat, das kausale Grammatiken und hierarchischen Struktuen nicht mehr gelten, bzw. als nicht mehr geltend abzulehnen sind, weil sie autoritäre Grammatiken und Strukturen sind.“
Also ich finde eher, dass autoritäre strukturen es sich gemütlich machen.
( wollen )
„Eine Literatur, die sich sozusagen ausruht in einer Form der "Literarizität" , die selbst nicht mehr analysiseren will ...“
Was unterstellt das denn ?
Ich behaupte das glatte gegenteil.
„Oder in dem sie sogar glaubt, die ontologischen Unklarheiten der Quantenphysik als Kronzeuge für diese Mentalität postmoderner Möglichkeitsräume von Entscheidungsvielfalt und damit Entscheidungslosigkeit herbeizitieren zu können. (Sokal-Affaire)“
... aufenthaltwahrscheinlichkeit / unschärferelation / resonanzentkomm-
wahrscheinlichkeit / austrittsarbeit ... /
& die entscheidung des künstlers ist das künstlerische produkt.
Sie können jemanden, der 1000 seiten schreibt, doch keine entscheidungslosigkeit
Unterstellen : schon eher jemandem, der 1000 seiten in die mülltonne packt.
( aber das wirkt dialektisch )
die frage ist doch die : WAS entscheidet ?
ist’s mein kumpel der dachdecker oder mein kumpel der tiefenanalytiker ?
„Die Saturiertheit der Mentalität der Postmoderne, die ich polemisch angreife, beginnt für mich dort, wo indirekt der Eindruck erweckt wird, die Dinge seien so komplex und so verwickelt und derartig geschichtet und überlagert, dass jeder grundsätzliche Verstehensversuch entweder in hoffnungslose Selbstrefferenzialität verläuft oder eben in einen radikalen Subjekt-De -Konstruktivismus al Gusto.“
Betrifft das nicht eher die rezeptionsgewohnheiten der vermasst kleingehaltenen
subjekte ?
„Ich meine hier ganz konkret die neuen physischen Energien des Nuclearpotentials, die nun ihrerseits eine völlig neue hierarchische und absolut terminierende und kausale Grundsituation geschaffen hat, die in einer neuen Verbindung von Archaik (Islam) und Technologie die westliche Welt in eine sehr unappetitliche Konfliktsituation bringt, die - mit Verlaub - die postmoderne Mentalität aber sowas von in die Tonne tritt, und sie über kurz oder lang vor absolut archaischen kausal hierrarchischen Entscheidungen stellen kann.“
Das ist aber kein – kausal – zwangsläufiger prozess, sondern ein erzwungener,
an dem sich unglaublich viele korrupt – auch im sinne einer zivilsatorischen
integrität – beteiligen.
Am ende fallen sie noch selbst mit ihrer singulären telos- sehnsucht daruf herein ?
„Meine Polemik richtet sich dagegen, dass man mit Pynchon dieser Situation nicht beikommt, und dass in den letzten 40 Jahren nicht nur in Deutschland sondern in ganz Westeuropa das intellektuelle Potential, dass solche Dinge hätte antizipieren können mit Derrida , Deleuze, usw.. gebunden und gemütlich möbliert wurde, anstatt eine Entscheidungtheorie, eine Theorie der Rationalität und letztlich eine Ethik der Rationalität zu entwickeln, die dem technologischen Fortschrittsvektor wirklich gewachsen ist.“
Entscheidungstheorie.
( das fiel vorher aber schon besser : „kulturen der entscheidung“ )
ethik der rationalität.
Work in progress.
( die frage ist doch wieviele leute werden in entscheidungsprozesse eingebunden :
d.h, doch wievielen konzediert man „mündigkeit“ s. eltitendiskussion )
„Und wenn das hier alles etwas alarmistisch klingt,“
tut es.
„Es geht heute einfach um die Frage, ob die menschliche - technologische Evolution eine Telos hat oder ob sie ihn nicht hat.“
Das ist (schl)echtes fuilleton.
Ein telos also versus polyvalenz, multipolarität, kausalitätenauffächerung,
heterogenität bzw. heterarchie.
Das telos wird erst einmal sein, dass wir das ganze überleben und vor allem wie ?
Als tier oder als mensch oder als götter.
„Was die Werte- Relativitäts- Diskussion hinsichtlich der US- amerikanischen Dominanz betrifft, ist das heute auch automatisch immer eine Technik-Disskussion. Wir haben es somit also, wenn man Amerika, als dominante militärische - und technologische Spitze betrachtet ...“
... die es ganz offensichtlich nicht schafft, ein deutlich technologisch primitiver
ausgestattetes land wie den irak zu unterwerfen.
( das nämlich in sich ja alles andere als homogen ist und in dem jeder seinen glauben
an seine würde massiv verteidigt – mal abgesehen von dem religiösen überbau )
„Die Frage nach einem Telos der Evolution, wäre der Versuch, tatsächlich eine Letztbegründungsproblematik in die Rationalität zu reintegrieren, bevor sie qua Feuilliton und fehlgeleiteter Philospohie und Geniesserdebatte uns kryptokatholisch sozusagen durch die Hintertür rein "metaphysisch" als neue Gottes-Sehnsucht kontaminiert und uns nur unterkomplex irrational gewappnet in die anstehenden Konflikte treibt.“
Zu marionetten macht : dem herdentier, das alles klag- und fraglos akzeptiert,
und darin den respekt vor sich selbst – und seiner würde – verliert.
In beidem, also sowahl dem singulären telos als auch als gottessehnsucht.
„Steckt nicht in den nichtrückgängig zu machenden Auskristsallisierungen der Technik bereits schon eine Letztbegründung, der man sich als Faktizität und nicht als Glaubenskomplex zu stellen hat?“
Eben : quantendynamisch, entropisch, usw.usf.
Und tatsächlich bin ich mir sicher, dass es nicht mehr darum geht, amerikanische Werte zu "hinterfragen", sondern sie als am weitesten im "Telos operierend" zu akzeptieren.
Welches telos ?
Also nochmal : fütterung eines „selbsterhaltungstriebes“ auf welcher basis ?
Der eigenen oder der crowd, dies nicht mals schafft, dem einzelnen einen ungehinderten
- selbstreferentiellen - zugang zu waffen oder drogen zu verschaffen , ihn aber zu selbständigkeit zu erziehen versucht und trotzdem an metastrukturen wie barras &
apotheken bindet ?
& akzeptieren :
Weil wir eben nicht alles entscheiden können, es sei denn im künstlerischen prozess.
In dem die frage nach moral oder amoral letztlich so niedlich ist, wie der umgang
der masse mit dem einzelnen, ganz egal wie arriviert er ist.
( alles andere ist ja immer imagination )
tchy-k.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/4808457/#4815142
albannikolaiherbst antwortete am 2008/03/26 15:56:
@Ifone (fff).
Ich teile Ihre Angst vor dem Islamismus nicht, sondern glaube sehr an seine - darin ähnelt er dem Christentum, das ja Bruderreligion ist und auch einmal extrem bis zum Völkermord war - Fähigkeit zur Toleranz (die sich auch geschichtlich bereits zu einer Zeit unter Beweis gestellt hat, als die Christen noch auf Mord und Totschlag Andersgläubiger ausgerichtet waren). Was wir derzeit erleben, ist ja eine, mit Bloch gesprochen, Ungleichzeitigkeit von Technik und Bewußtsein bei gleichzeitigem Vorhandensein des Bewußtseins bei den Machthabern, und auch der Verfügungsfähigkeit. Es wird hier ein Krieg um Ressourcen und Souveränitäten geführt, und zwar von Leuten, die lange Zeit auf der payeroll der USA gestanden haben. Schon die furchtbare religionsdogmatische Revolution im Iran unter Chomeini wäre so nicht denkbar gewesen, hätten die USA nicht zuvor das Blutregime des Schahs jahrelang maßgeblich unterstützt. Auch Sehr viele der heutigen Konflikte, auch 9/11, ist letztlich das Ergebnis kolonialer Folgen und das Ergebnis eines Rohstoffkrieges. Siehe die Rolle der Taliban gegen die damalige USSR. Auch Saddam Hussein war über Jahre ein militärischer Domestik der USA.Was nun die Störungen anbelangt: Wer sagt denn, daß Kunst außerhalb evolutionärer Bewegungen stünde? Ich sage das ganz sicher nicht. Kunst wird von Menschen gemacht, und der Mensch ist noch lange nicht "fertig" - zu seiner Weiterentwicklung könnten durchaus auch genetische Neufindungen gehören; das wird sich ausprobieren, ob uns das schmeckt oder nicht. Deshalb sprach ich oben von den kommenden Androiden, und deshalb habe ich in einem >>>> langen Aufsatz von einer "anthropologischen Kehre" gesprochen. Ich bin tief davon überzeugt, daß sich momentan unser Menschenbild fühlbar ändert. Das fühlen die fundamentalen Islami auch - und versuchen, sich zur Wehr zu setzen. Sie führen aus meiner Sicht einen legitimen Krieg mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, da sie sich rein praktisch von der technologischen Entwicklung nicht mehr ausnehmen können, allein wegen der Globalisierung. Das wird, auch falls sie siegreich sein sollten, ein verlorener Krieg sein; Säkularisierung läßt sich nicht aufhalten.
Im übrigen: Wo sonst finden Sie die Technologie mitsamt der Technik und ihrem ideologischen Unterbau so sehr künstlerisch gestaltet wie in der Postmoderne? Sie liefert sogar noch die Rückbezüge auf das vorgängige mythische, in diesem Fall christlich-jüdische Fundament: Macht Euch die Erde untertan. Aber auch, daß die Erde "zurückschlägt", findet sich gerade in der literarischen Postmoderne deutlich formuliert. Das wiederum monieren Sie als Regreß, und zwar, weil Sie offenbar teleologisch in den Kategorien des industriellen Wachstums denken. Dagegen hat es längst andere, auch erkenntnistheoretische Ansätze gegeben, etwa bei Bateson und Bion.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/4808457/#4815169
albannikolaiherbst antwortete am 2008/03/26 15:59:
@Peregrinus.
Ein spannender Gedanke, der mir so noch nie gekommen ist. Er hat einiges Plausible für sich.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/4808457/#4815183
Ifone antwortete am 2008/03/26 16:39:
Nun gut,
es war sehr faszinierend hier zu diskutieren. Dafür ist eben das Internet auch als Technologie gut. Zur Teleologie habe ich keine Sehnsucht, eher Fragen, die ich von Beobachtungen ableitete. Ich meinte die Dynamik deshalb auch nicht ganz simpel als Wirtschaftswachstum, sondern eher im Sinne des 2. Hauptsatzes der Thermodynamik, insofern die Entropie zum Beispiel den "Telos" der Wärmeausbreitung definiert. Wärme zum Beispiel hat in der Entropie ihre natürliche Teleologie. Die Frage, die natürlich noch niemand beantworten kann, ist, ob wir als "Wärmewesen" diesem Telos der Entropie nicht genauso unterliegen und ob das gut oder schlecht ist, sowieso nicht. Das gehört tatsächlich in die Phantastik.Auch nehme ich meinen Rundumschlag gegen die "Mentalität der Postmoderne" zurück, als dass sie ja selbst ein kaum wirklich definierter Begriff ist.
Beunruhigt bleibe ich aber tatsächlich darüber, dass man als "alter" immer noch gehrinmäßigl "steinzeitlich" konstruierter Mensch lediglich eine gewisse Gefährdung spürt und das ungute Gefühl, dass man es sich in Heterogenitäten, Vernetzungen, Polykontexturen und Unschärfen etc... nach Hiroshima nicht mehr so ganz sicher fühlen kann. Die Fage, ob uns Religionen in Zukunft im Sinne einer Brüderlichkeit - ihr Wort in Gottes Ohr, Her Herbst - als verdeckt katholizistisches Feuilleton oder aber als greller Lichtblitz am Himmel entgegentreten werden - kann natürlich nicht beantwortet werden. Ich bin absolut kein lustvoller Apokalyptiker.
Ein anderes Problem - knotscher 95 - ist, dass man für fast alles, was es heute an Übeln auf der Welt gibt, selbstverständlich immer das Westliche Abendland schuldig sprechen kann, ja sogar muss, ebenso natürlich auch für das Rettende, das in der Gefahr nachwächst.
Ich glaube nicht dass die Amerikaner den Irak nicht befrieden können, nur wollen Sie es nicht um jeden Preis, der dann ein verdammt Hoher wäre, und zwar ein Hoher nicht für die Amerikaner....
Ich sehe das Problem darin, dass über die nach wie vor dominierenden Schuld - und Zuweisungsdebatten, Prozessdebatten verhindert werden.
Das Rettende wächst auch nach, keine Frage, aber noch leben wir von und auf dem Schuldberg des westlichen Abendlandes. Unserer heutiger Stand, mit dem was wir alles haben, ist da sozusagen auf Schuld gebaut. Jeden Caffee latte, den ich heute trinke, und wenn er noch so ökologisch produziert ist, dass ich ihn trinken kann, beruht mindesten auf 5000 Jahre menschlicher Technikgeschichte, die eine Schuldgeschichte ist, und auf der Tatsache, dass hier irgend eine Dynamik, trotz dieser Schuld oder wegen dieser Schuld schon verdammt lange durchgehalten hat - und sich sogar nun irgendwie im positiven Sinne zu zivilisieren begonnen hat.
Deshalb habe ich die Frage nach Telos aufgeworfen, nicht wegen des Glaubens, sondern gegen den Glauben.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/4808457/#4815298
knotscher95 antwortete am 2008/03/26 16:42:
@ ifone / entscheidungen
Kurz noch angefügt :Die eigene entscheidung läuft immer auch über die entscheidungen der anderen.
Somit wäre es ( wahrscheinlich für romantiker ? )auch schön, wenn jeder in die lage versetzt wäre, entscheidungen selbständig zu tätigen.
Inwieweit ein künstler in der lage ist, die entscheidungen anderer in sein werk
zu integrieren ist meist eine frage seiner moralischen haltung, die er aber auch
keinem zu erklären hat, weil sie sich dann letztlich in seinem werk spiegelt.
( alles andere – vornehmlich noch eines „rechenschaftsberichts“ wäre
apparatschik-sosse, die sich für mich aber in der laufenden harmonisierungswelle künstlerisch durchaus ans geschmack- und geistlose ausliefert :
da ist dann bohlen auch nicht mehr weit )
kurz zu stockhausen 9 / 11
er meinte ( so sinngemäss ) 9/11 wäre eine ( die ) absolute darbietung von kunst
( gewesen ) :
der (schläfer)künstler, der solange an seinem kunstwerk in aller verborgenheit
arbeitet, bis es ( für ihn ) fertig ist und der die uraufführung, die ein absolut
monolithisch-singuläres moment darstellt, mit dem preis des verlustes des
eigenen lebens – aus freien stücken - bezahlt.
No comment.
tchy-k.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/4808457/#4815313
albannikolaiherbst antwortete am 2008/03/26 16:50:
@Ifone. Zur Schuld.
Das ist Benjamin, demnach kein Zeugnis der Kultur ist, das nicht auch zugleich ein Zeugnis der Barbarei wäre. Dem i s t so, und, noch einmal aus der Künstlerperspektive gesprochen, ich nehme das an. Was aber eben n i c h t bedeutet, sich beruhigt zurückzulehnen und bei der Kanzlerin Häppchen zu futtern, - sondern es bedeutet, daß, wenn und da dem so ist, die Anforderungen an die Kunst, als Kunst g u t zu sein, ins Enorme wachsen. Es gibt hier k e i n Dazwischen, keine Schwäche, kein mal-eben-so-hin, sondern es herrscht ein absoluter Maßstab von Qualität - die sich in aller Regel von dem, was der Markt unter Qualität versteht, unterscheidet. Je stärker man das Bewußtsein einer Schuld spürt - ich spreche bewußt von perversen Akten, die die Kunst eigentlich ausmachen -, um so unnachgebiger wird der Anspruch, und zwar auch dann - gerade dann -, wenn die eigene Existenz gemeint ist. Wie ernst es einer meint, merkt man ohnedies nur, wird die Existenzfrage gestellt. In dieser Hinsicht bin ich unerbittlich.(Daß es diese Unerbittlichkeit ist, die Leute wie mich zu schreckenerregenden Politikern machen würden, ist mir bewußt. Deshalb ist es kein Fehler, wenn Menschen wie ich keine Macht über andere bekommen - sie würden nämlich notwendigerweise den Selbstanspruch auf andere delegieren und ggbf. auch mit Machtmitteln geltend machen. Das liegt nicht daran, daß meinesgleichen schlechte Charaktere wären, sondern daran, daß (ich paraphrasiere hier Gerald Zschorsch) Kunst zu schaffen weniger ein Beruf als mehr eine Lebenshaltung ist, die Beruf w u r d e. Daß einen Beruf derart als Berufung zu verstehen, nicht wenig Religiöses hat, tut ein übriges dazu. Dieses Übrigen wegen kann ich in eine Verdammung der Religionen schon gar nicht mit einstimmen - ich müßte denn die h-moll-Messe, den Duftenden Garten des Scheichs Nefzaui, die Bhagavadgita und nicht zuletzt auch den Doktor Faustus mitverdammen - und überhaupt jede künstlerische Überhebung und damit, letztlich, die Lust.)
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/4808457/#4815341
knotscher95 antwortete am 2008/03/26 17:17:
diesdasnoch
die frage ist doch WAS qualität ist !und natürlich gibt es auch schwächen dazwischen, oder konzedieren sie sich hier
eine lückenlose literarische qualität ?
aua.
angenommen sie arbeitet tatsächlich stets mit hochgestochener brillanz,
wie langweilig würde ihr werk werden !
jeden tag sacher torte !
der organismus muss rebellieren, weil die vitamine fehlen.
dass künstlerische überhebung lust generiert ist schon richtig, dass es aber ohne
diese keine lust gäbe wohl ein wenig komisch.
künstlerische überhebung RESULTIERT für mich aus lust.
@ ifone
insgesamt betrachtet, kam ich selbst auch schon so irgendie dahin,
was sie unter ihrem telos rubriziert sehen, ich sehe da aber keine abgrenzung
zu poly-ismen, bis auf den primat des singulären metabegriffs, der uninter-
pretiert die absolute machtanmassung einschüchternd evozieren kann.
k-chy nots
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/4808457/#4815397
albannikolaiherbst antwortete am 2008/03/26 17:36:
@knotscher 95. "künstlerische überhebung RESULTIERT für mich aus lust."
Nach meiner Erfahrung und in meinem Erleben stimmt das nicht, sondern es ist tatsächlich umgekehrt. Sofern etwas gelungen ist. Davor steht oft Qual, Arbeitsqual, davor stehen Zweifel und Angst und - W i l l e, derjenige nämlich, sie zu überwinden.Wegen des Qualitätsbegriffs sind Sie zu eindeutig. Es gibt bei Hans Henny Jahnn viele objektiv schlechte Sätze. Zusammengenommen, und mit den guten, ergibt sich ein Kunstwerk von enormer Strahlkraft. Das gilt übrigens auch für den manchmal unerträglichen Kitsch in Th. Manns Venedig-Novelle. Die Größe entsteht nachher, da wirkt sie. Zur Qualität kann also ein Mißlungenes unbedingt dazugehören, es ist nur sauschwer zu entscheiden, wo das der Fall ist und wo nicht. Meist entscheidet es sich erst lange, nachdem ein Kunstwerk schon entstanden und rezipiert worden ist. Beispiele für eine solche Um-Wertung gibt es in der Kunstgeschichte zuhauf; eines der schlagendsten ist für mich bis heute das Werk J. S. Bachs, während zu ihrer Zeit begeistet bejubelte Werke im Verstreichen der Zeit mitverblassen und man schließlich überhaupt nicht mehr versteht, was denn die Leute daran gefunden haben mögen.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/4808457/#4815460
knotscher95 antwortete am 2008/03/26 17:39:
@ doch noch ein ws zu ifone
"Ich glaube nicht dass die Amerikaner den Irak nicht befrieden können, nur wollen Sie es nicht um jeden Preis, der dann ein verdammt Hoher wäre, und zwar ein Hoher nicht für die Amerikaner...."widerspruch.
die amerikaner ( ich verlängere ihren gedanken in genozidales ) würden genau den-
selben preis bezahlen wie die nazis seinerzeit.
( entweder in einem weltkrieg oder in jahrhundertelang verlaufender schleichend
grausamer rachausübung, die dann beiläufig & wahllos z.b. messer in amerikaner reinsteckt )
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/4808457/#4815473
knotscher95 antwortete am 2008/03/26 18:20:
@ herbst / hoff. nicht zu kryptisch.
eine diametral verlaufende koinzidenz."Meist entscheidet es sich erst lange, nachdem ein Kunstwerk schon entstanden und rezipiert worden ist."
I/o : es entscheidet sich mitunter auch schon vorher, indem man seiner lust,
die einem z.b. in extremsten sinn totalüberhebung quasi aufnötigt ( was sie wohl glücklicherweise nicht an sich selbst kennen ) aktiv widerspricht, indem man andere(s) dann in den künstlerischen prozess mit einbindet.
( also quasi selbstregulatorisch angetriggert & beides ein vorgang des gefühls
einer schadensabgrenzung/ -abwehr - oder der angst vor der eigenen implosion )
hab sie aber schon verstanden.
ecco.
tchy-k.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/4808457/#4815611





















