Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop

Marlboro, Prosastücke, 1981 Die Verwirrung des Gemüts, Roman, 1983 Die blutige Trauer des Buchhalters Michael Dolfinger, Lamento/Roman, 1986 Die Orgelpfeifen von Flandern, Novelle, 1993, 2001 Wolpertinger oder Das Blau, Roman, 1993, 2000 Eine Sizillische Reise, Fantastischer Bericht, 1995, 1997 Der Arndt-Komplex, Novellen, 1997 Thetis. Anderswelt, Fantastischer Roman, 1998, (Erster Band der Anderswelt-Trilogie) In New York, Manhattan Roman, 2000 Buenos Aires. Anderswelt, Kybernetischer Roman, 2001, (Zweiter Band der Anderswelt-Trilogie) Inzest oder Die Entstehung der Welt, Der Anfang eines Romanes in Briefen, zus. mit Barbara Bongartz, 2002 Meere, Letzte Fassung 2007. Bei Volltext. Die Illusion ist das Fleisch auf den Dingen, Poetische Features, 2004 Die Niedertracht der Musik, Dreizehn Erzählungen, 2005 Dem Nahsten Orient / Très Proche Orient, Liebesgedichte, 2007 Meere, Letzte Fassung 2007 Aeolia.Gesang / Stromboli. Mit den Bildern von Harald R. Gratz. Limitierte Auflage, 2008 Kybernetischer Realismus, Heidelberger Vorlesungen. Manutius Heidelberg 2008Der Engel Ordnungen, Gedichte. axel dielmann - verlag 2009 d e

 
peer dhu (Gast) meinte am 2007/12/20 21:27:
auch alt
Leise rennt der zeiger der uhr.

Es ist fast immer dieselbe minute, in der ich auf sie schaue.

Kein leben hier in dieser absolut medialisierten szenerie.

Mit ausnahme der tagtäglich periodisiert - inkarnierten pflegeevents.

„sie haben noch ihre pillen zu nehmen“

„haben sie denn wirklich keinen einzigen freund ?“

„abendessen !“

usw.

Sie kennen das, woherauchimmer.

Dieses kleine zimmer ist völlig entkokkt und andersweitig sterilisiert - mir fehlt gelegentlich ne flasche

jackdaniels oder ein richtiger joint.

Bin ja auch erst knapp über sechzig, nicht ?

Also :

Cancer im endstadium, dran an den alveolen, den bronchiolen usw.undsofort.

Nixxs mehr zu machen.

Die vorerst kleinen dosen an opiaten, die ich als gesunder immer verabscheute und nie nahm,

packen mich aber in ne unglaublich friedliche watte, die meine körpergrenzen emulieren.

So, äusserst bequem verhängt zwischen innen und aussen, zwischen mir und dieser versorgungsmaschine,

( ohne störende differenz ) wird mein kopf zum sensiblen seismograph der bilder töne und worte.

( aus dem tv-gerät gegenüber meinem bett und dem laptop neben mir - RAM )

Sie wünschen mir einen friedlichen abgang ?

Ein schmerzloses hinübergleiten in eine mögliche, jenseitige antwortapparatur auf meine

grundsätzlichen fragen wie z.b :

Hat meine seele wenigstens dann noch augen ?

( ... darf sie also was lesen )

Oder bin ich die vorübergehend terrestrisch sich ergeben habende auftrittsform eines neutrinos ?

( ... innerhalb völlig vernetzter universen - )

Etc.

Aber so muss ich mich gerade fühlen : als ein für sich abgeschlossenes system, dessen lunge gerade abschmiert.

Das 40 jahre weltgastgearbeitet hat, bis man ihm die letzte ehre eines menschenwürdigen

sterbefensters fairerweise zusprach.

Heimatlos also, im herz den ganzen kram von nord nach süd und ost nach west.

Und natürlich umgekehrt und jetzt gerade in einem imaginären zentrum dazwischen.

Es wird schon klappen.

Ich will aber nicht begraben werden.

Niemals. 
peer dhu (Gast) antwortete am 2007/12/20 21:42:
sorry
äh sorry, glaub ich hab mich grad entschieden was vertan - volle themaverfehlung, wa -
bitte keine rote karte
war den tag was gedankenlos. 
peer dhu (Gast) antwortete am 2007/12/20 22:16:
würd mich trotzdem, falls nicht zu aufwendig, was abgesehen von der gravierenden
totalaberration zum vorgestellten thema, stilistisch / formal kritisiert wäre ...
ansonsten das piece halt excludieren, por favor.
thanxxs
peer 
peer dhu (Gast) antwortete am 2007/12/20 23:00:
wäre es vielleicht möglich, mithilfe eines kniffs in form einer titelveränderung
in richtung "uralt und bewgungslos" und ein paar kleinen begrifflichen veränderungen,
das teil doch dem vergestellten thema anheim zu stellen ?
mir kommt der text nämlich als solcher schon ziemlich erstarrt vor.
( abgesehen von der modulatorik und vielleicht ephemerer philosophischer
konnotationsmöglichkeit ) 
albannikolaiherbst antwortete am 2007/12/22 12:15:
@ peer dhu (zu: auch alt).
Leise rennt der zeiger der uhr [:“rennen“ ist hier unschön.].
Es ist fast immer dieselbe minute [:also einmal täglich) Genauer. Was meinen Sie?], in der ich auf sie schaue.
Kein leben hier in dieser absolut medialisierten szenerie [:das spricht nicht von einem Krankenhaus, sondern von Äußerungen der Mediengesellschaft.].
Mit ausnahme der tagtäglich periodisiert - inkarnierten pflegeevents [:Das ist sicher nicht die Ausdrucksweise eines 60jährigen, das klingt sehr sehr viel jünger. Aufpassen, wenn Sie characterisieren.].
[Das nächste ist gut:]
„sie haben noch ihre pillen zu nehmen“
„haben sie denn wirklich keinen einzigen freund ?“
„abendessen !“
usw. [:Sowas ist einfach nur quatschig und zerstört aufgebaute Atmosphären.]
Sie kennen das, woherauchimmer [:Das funktioniert nicht. Ich habe sogar vor das „immer“ spontan „z“ assozziert, so daß ich ganz fälschlich fragte: „Was für'n Zimmer?“. Darauf bringt einen sofort auch der nächste Satz. Denken Sie daran, daß wir Typoskript-Seiten auch teil-ganzheitlich wahrnehmen, unbewußt, und diese Wahrnehmungen von Späterem die Assoziationen des kurz vorher Früheren mitbestimmen. Über SCHRIFTBILD sollten wir uns mal in einem der Real-Seminare unterhalten.]
Dieses kleine zimmer ist völlig [gut:] entkokkt und [dann werden Sie gleich wieder zu lax:] andersweitig sterilisiert - [dafür stimmt d a s wieder:] mir fehlt gelegentlich ne flasche
jackdaniels oder ein richtiger joint [:semantischer Bezugsfehler wegen des vorhergegangenen Absatzes; setzen Sie ihn, werden nämlich sowohl Jack Daniels als auch der Joint der „Flasche“ zugeschlagen, was aber nur bei Jack Daniels sein darf.].
Bin ja auch erst knapp über sechzig [:durch das Sprachverhalten unglaubwürdig.], nicht [??? Unnötige Rhetorik.]?
Also : [:dito.]
Cancer im endstadium [:zu erklärend, dadurch zu äußerlich. Selbst dann, wenn uns Lesern hier die Dynamik einer psychischen Abwehrmaschinerie vorgeführt wird, muß die Grundlage in uns hineinkriechen, sonst stellt sich überhaupt nichts her, das anders als rein müßig ist. Und warum für "Krebs" das englische Wort?], dran an [:na ja...] den alveolen, den bronchiolen usw.undsofort.
Nixxs [:fällt hier als Stilmittel heraus und müßte mit anderen ähnlichen Stellen verklammert werden.] mehr zu machen.
Die vorerst kleinen dosen an opiaten, die ich als gesunder immer verabscheute und nie nahm [:weshalb auch? Sie meinen etwas anderes, glaube ich: daß der Erzähler nämlich keine Rauschmittel nehmen mochte. Hier geht es aber um S c h m e r z mittel!],
packen mich aber in ne unglaublich friedliche watte ][:auch dieses Sprachverhalten glaube ich nicht aus der geschilderten Situation heraus.], die meine körpergrenzen emulieren [:abermals unschlüssiges Sprachverhalten innerhalb eines derart kurzen Textes. Denken Sie daran, daß man auf so knappem Raum eine klare Characterisierung der Figur herstellen muß. Das wird von sowas Widersprüchlichem torpediert.].
So, äusserst bequem verhängt [:ich verstehe dieses Wort hier nicht.] zwischen innen und aussen, zwischen mir und dieser versorgungsmaschine,
( ohne störende differenz ) wird mein kopf zum sensiblen seismographen der bilder töne [:welcher Bilder und Töne? Was meinen Sie?] und worte.
(aus dem tv-gerät gegenüber meinem bett und dem laptop neben mir - RAM [:wozu?] )
Sie wünschen mir einen friedlichen abgang ? [:Diese Leseransprache bringt dann n o c h mal ein ungeerdetes Sprachverhalten dazu und läßt den Text selber erst recht zerfallen. Wohlgemerkt: wenn Sie den Zerfall einer Person in einem Text zerfallen lassen, heißt das nicht, daß der Text selber zerfallen muß. - UND: Wer stellt die folgende Frage?:]
Ein schmerzloses hinübergleiten in eine mögliche, jenseitige antwortapparatur [:wieso „Apparatur“?] auf meine
grundsätzlichen fragen wie z.b :
Hat meine seele wenigstens dann noch augen ?
( ... darf sie also was lesen )
Oder bin ich die vorübergehend terrestrisch sich ergeben habende [:aua.] auftrittsform eines neutrinos ?
( ... innerhalb völlig vernetzter universen - )
Etc. [Siehe oben zu „usw.“]
Aber so muss ich mich gerade fühlen : als ein für sich abgeschlossenes system, dessen lunge gerade abschmiert.
Das 40 jahre weltgastgearbeitet hat, bis man ihm die letzte ehre eines menschenwürdigen sterbefensters fairerweise zusprach [:Ironie-Stelz, der wie ein Witz mit schiefer Pointe ist.].
Heimatlos also, im herzen den ganzen kram von nord nach süd und ost nach west [:Wieso die Konkretisierung in den Himmelsrichtungen?].
Und natürlich umgekehrt [:Nullsatz.] und jetzt gerade in einem imaginären zentrum dazwischen.
Es wird schon klappen. [:W a s wird klappen?]
Ich will aber nicht begraben werden.
Niemals.
Ihr Problem, das liest sich auch aus einigen Ihrer Kommentare, ist, glaube ich, eines des mit Intellektualismus-Begriffen versetzten Blödelns. Versuchen Sie einfach mal, etwas, das Sie erzählen, wirklich ernst zu nehmen. Dann kommen Sie weiter. S o aber plätschert und platschert das, und Sie erreichen niemals ein „Ergriffensein“. Müssen Sie natürlich auch nicht, aber man weiß dann nicht, weshalb man sowas eigentlich lesen soll. Da muß entschieden Existenz hinein. Jemand ohne Empathie kann keine Leidensgeschichten beschreiben; er kann nicht einmal richtig ü b e r sie schreiben. - Ein anderer Weg wäre aber auch denkbar: Zynismus. Da müssen Sie sich entscheiden. Ein zynischer Text braucht aber K ä l t e, und die ist etwas anderes, g a n z anderes, als Geblödel. 
peer dhu (Gast) antwortete am 2007/12/25 16:04:
verstehe völlig ihre korrektur ( vielen dank für ihre dafür verwendete zeit - hochachtung )
kurz noch die anmerkung :
der versuch war grob der, eigentlich kein haltbares inneres schwingen zu erzeugen, das dann zwar kaum empathie selbst ausdrückt, sondern allenfalls womöglich einen empathischen reflex zu fördern in der lage ist.
auf mich selbst wirkt das kleine piece, musikalisch gefühlt, "laidback" zurück, aufgrund aber der stilistischen brüche usw. ( wie sie völlig korrekt herausstrichen ) wird ein einlassen eines potentiellen lesers eher durch kalte strenge versperrt.
generell aber diese frage : erzeugt empathie ( paradigmatisch ) widerum stets empathie oder trifft sie nicht leider allzuoft auf kühles verwertungsinsteresse ?
Innerhalb von höflichkeits-konvention, die aber zu zirkulation neigt - wohl ersteres, ansonsten muss für mich vieles allzu nebulös bleiben. 

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Michael