sho-shan-nah meinte am 2007/12/18 02:03:
Entschieden
EntschiedenEllenbogen robben sich durch Brennnesselbüsche. Es brennt und juckt. Der aufgeweichte Waldboden wird meine Matratze, das Laub meine Decke, das Jucken bleibt. Ich wache auf und will mich kratzen. Es geht nicht: Meine linke Hand lässt sich nicht zum rechten Ellenbogen führen. Schlaftrunken will ich die Augen öffnen, mich aufsetzen, sehen, was nicht stimmt, aber die Lider bedecken bleiern die Augäpfel. Ich muss noch träumen.
Nach längeren Nächten in diversen Technoclubs habe ich manchmal solche Träume, ein Therapeut erklärte warnend, das sei ganz charakteristisch nach der Einnahme von Amphetaminen. Mir fällt ein, dass ich abends um 19 Uhr mit einem Buch, einer Wärmflasche und meiner Frau zu Bett gegangen war und seit Jahrzehnten keine Diskothek mehr betreten habe.
Neben mir ist keine Präsenz eines anderen Körpers zu erfühlen, sie muss schon auf sein. Ich will sie rufen. Was jedoch sollte ich sagen? HILFE, ICH KANN MEINEN ELLENBOGEN NICHT KRATZEN. Das ist doch verrückt. Niemals möchte ich sie mit solchen Lapalien belästigen, wenn sie gerade mit ihren Vormittagsbesorgungen zugange ist, Möglicherweise hat sie schon das Haus verlassen und schlendert die Zeil entlang. In diesem Fall könnte sie mich sowieso nicht hören. Ich beschließe, nicht zu schreien.
Die Unfähigkeit sehen zu können, ob die Sonne scheint, das Bett neben mir gemacht ist, sich über Nacht kleine Luftbläschen um die Eckzähne meines Gebisses im Wasserglas auf dem Nachttisch neben dem Bett gebildet haben, verunsichert mich. Auch sind meine Glieder nach wie vor unbeweglich, Versuche, sie in wieder in Bewegung zu setzen, unternehme ich nicht. Mehr als über die Dunkelheit erschrecke ich, als ich kein Heben und Senken des Brustkorbs mehr feststellen kann, kein Einatmen und Luftausstoßen. Bin ich gestorben? Ist Sterben so? Ohne Regung liegen, die Augen fest geschlossen, nicht Atmen und dennnoch bei Bewusstsein bleiben?
Ich bin leicht. Vielleicht schwebe ich, kein Gefühl der alltäglichen Schwere meines Körpers stellt sich ein. Bewegungslosigkeit habe ich nie so zelebrieren können wie in diesem Moment. Es bleibt doch der beste Rat, sich nicht mehr einzulassen auf SIE und die gedehnten Kaffeestunden mit IHR nach dem Mittagessen. Ich muss liegenbleiben. Die einzige Bewegung, die ich mir vorstellen kann, ist das Abstreifen eines Wollfädchens mit der rechten großen Fußzehe vom linken Fußgelenk, und da ich nicht sehen kann, ob sich ein solches an meinem Fuß befindet, wird allein das Bemühen überflüssig.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/4539512/#4543564
albannikolaiherbst antwortete am 2007/12/18 23:22:
@sho-shan-nah (zu Entschieden).
Nach längeren Nächten in diversen Technoclubs [:Das ist viel zu ungefähr, zu geplaudert; machen Sie das konkreter, bildhafter] habe ich manchmal solche Träume, ein Therapeut erklärte warnend [:zu erklärend, besser das auserzählen], das sei ganz charakteristisch nach der Einnahme von Amphetaminen. Mir fällt ein [zu deskriptiv. Lassen Sie dieses „mir fällt ein“ als Einfall g e s c h e h e , so daß man dabei ist, wenn dem Erzähler das einfällt], dass ich abends um 19 Uhr mit einem Buch, einer Wärmflasche und meiner Frau zu Bett gegangen war und seit Jahrzehnten keine Diskothek mehr betreten habe [:den derart spät aufblaschenden flashback-Character deutlicher machen!].
Neben mir ist keine Präsenz eines anderen Körpers zu erfühlen [:Das ist von der Erzählung viel zu weit weg; versuchen Sie, nicht ü b e r das Gefühl zu schreiben, sondern ihm selber Ausdruck zu verleihen.]., sie muss schon auf sein. Ich will sie rufen. Was jedoch sollte ich sagen? [:Papier. Sie sind in der Person nicht drin. - Und dann werden Sie kindlich, was Ihnen alles zerschlägt:] HILFE, ICH KANN MEINEN ELLENBOGEN NICHT KRATZEN. Das ist doch verrückt. Niemals möchte ich sie mit solchen Lapalien belästigen [:die Formulierung selbst wird ier läppisch.], wenn sie gerade mit ihren Vormittagsbesorgungen zugange ist, [Auch das d i c h t e r erzählen:] Möglicherweise hat sie schon das Haus verlassen und schlendert die Zeil entlang. In diesem [:Papier.] Fall könnte sie mich sowieso nicht hören.
Die Unfähigkeit sehen zu können [:abermals: nur deskriptiv; Sie sollten aber N ä h e herstellen.], ob die Sonne scheint, das Bett neben mir gemacht ist, sich über Nacht kleine Luftbläschen um die Eckzähne meines Gebisses im Wasserglas auf dem Nachttisch neben dem Bett [:ungelenkes Satzungetüm.] gebildet haben, verunsichert mich [:auch das muß man zu spüren bekommen und sollte es nicht nur als von außen betrachete Schilderung lesen.]. Auch sind meine Glieder nach wie vor unbeweglich [:Viel zu entfernt.], Versuche, sie in wieder in Bewegung zu setzen, unternehme ich nicht. Mehr als über die Dunkelheit erschrecke ich, als ich kein Heben und Senken des Brustkorbs mehr feststellen kann [:Lesen Sie das mal laut, und Sie werden sofort merken, daß Sie der Ich-Person noch in keiner Weise nah sind; man merkt, wie Sie sich v o r s t e l l e n, solch eine Person zu sein; aber genau das darf nicht passieren, sondern der Leser muß fühlen, es spreche die Person-selbst.], kein Einatmen und Luftausstoßen.
Ich bin leicht. Vielleicht schwebe ich, kein Gefühl der alltäglichen Schwere meines Körpers stellt sich ein [:abermals: Papier.]. Bewegungslosigkeit habe ich nie so zelebrieren können wie in diesem Moment [Der Satz fällt nun völlig raus; er gibt zwar nun etwas über den Erzähler preis, aber das läßt sich nicht als Characterbild spüren. Da müßten mehr Informationen hin. „Mehr Informationen“ kann aber oft auch nur eine einzige zusätzliche knappe Wendung sein.]. Es bleibt doch der beste Rat [:??? Was wollen Sie damit sagen? Wer rät oder riet?], sich nicht mehr einzulassen auf SIE und die gedehnten Kaffeestunden mit IHR nach dem Mittagessen. Ich muss liegenbleiben. Die einzige Bewegung, die ich mir vorstellen kann, ist das Abstreifen eines Wollfädchens mit der rechten großen Fußzehe vom linken Fußgelenk, und da ich nicht sehen kann, ob sich ein solches [:arg häßlich] an meinem Fuß befindet, wird allein das Bemühen überflüssig.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/4539512/#4546038





















