Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop

Marlboro, Prosastücke, 1981 Die Verwirrung des Gemüts, Roman, 1983 Die blutige Trauer des Buchhalters Michael Dolfinger, Lamento/Roman, 1986 Die Orgelpfeifen von Flandern, Novelle, 1993, 2001 Wolpertinger oder Das Blau, Roman, 1993, 2000 Eine Sizillische Reise, Fantastischer Bericht, 1995, 1997 Der Arndt-Komplex, Novellen, 1997 Thetis. Anderswelt, Fantastischer Roman, 1998, (Erster Band der Anderswelt-Trilogie) In New York, Manhattan Roman, 2000 Buenos Aires. Anderswelt, Kybernetischer Roman, 2001, (Zweiter Band der Anderswelt-Trilogie) Inzest oder Die Entstehung der Welt, Der Anfang eines Romanes in Briefen, zus. mit Barbara Bongartz, 2002 Meere, Letzte Fassung 2007. Bei Volltext. Die Illusion ist das Fleisch auf den Dingen, Poetische Features, 2004 Die Niedertracht der Musik, Dreizehn Erzählungen, 2005 Dem Nahsten Orient / Très Proche Orient, Liebesgedichte, 2007 Meere, Letzte Fassung 2007 Aeolia.Gesang / Stromboli. Mit den Bildern von Harald R. Gratz. Limitierte Auflage, 2008 Kybernetischer Realismus, Heidelberger Vorlesungen. Manutius Heidelberg 2008Der Engel Ordnungen, Gedichte. axel dielmann - verlag 2009 d e

 
sho-shan-nah meinte am 2007/11/29 23:55:
unbedingt, allerdings unverbindlich
Er: Ich habe Sie gestern im Theater gesehen. Ulrike Maria Stuart. Sie saßen in der Loge. Mh... Ficken?

Sie: ...

Er: Ja, ich weiß, das ist nicht gerade die galanteste Anmache. Ich...

Sie: Ganz im Sinne Jelineks! Hahahaha! Das ist mir wirklich noch nie passiert.

Er: Zigarette?

Sie: Bitte.

Er: Feuer?

Sie: Gern. Also, bevor... ich auf Ihre Frage eingehe, möchte ich gerne etwas von Ihnen wissen. Mögen Sie Beethoven lieber dirigiert von Bernstein oder von Karajan?

Er: Karajan. Und Sie?

Sie: Ja. Panzer oder U-Boot?

Er: Panzer. Äh... Was mögen Sie lieber? (Ich verstehe kein Wort)

...

Sie: U-Boote. Vanille oder Schokolade?

Er: Sie stellen komische Fragen! Vanille!

Sie: Ich habe mal gehört, Schokolade mögen die aufregerenden Typen. Na los, Sie sind dran!

Er: Wie?

...

Sie: Fragen Sie egal was! Spielen Sie mit!

Er: Ah.

...

Er: ... Knoblauch oder Zwiebel?

Sie: Knoblauch. Sonne oder Mond?

Er: Mond. Bach oder Metallica?

Sie: Bach. Sub oder Top?

Er: heeeeey! Sie haben den Ring bemerkt.

...
Linke oder rechte Hand?

Sie: Rechts.
...
Dort müssen wir in der Tat einbiegen, Sie laufen ja geradeaus.

Er: Oh, verzeihung, ich war abgelenkt.

...
Sie sind so still.

Sie: Marschmusik oder Walzer?

Er: Marschmusik! Jawoll.

Sie: Sehr schön. Wir sollten mal einen Ausflug im Panzer machen.

Er: Wenn Sie meinen. Wo sind wir?

Sie: Ganz in der Nähe meiner Wohnung. Noch ein paar Straßen weiter.

Er: Romantische Zweierbeziehung oder Polyamorie?

Sie: RZB. Und Sie?

...

Er: Ich bin mir nicht ganz sicher.

Sie: Atmen Sie lieber den Geruch von heißem Fett oder nassem, heißen Asphalt ein?

Er: Letzteres.

Sie: -

Er: Mir fällt gerade kein Gegensatzpaar mehr ein.

...
Da haben Sie mich ja ganz schön beiläufig aus den mir bekannten Stadtteilen weggelotzt.

Sie: Es steht Ihnen frei, jederzeit ein Taxi zu rufen und mich stehenzulassen. Immerhin fragten Sie mich genauso beiläufig auf offener Straße nach unverbindlichem Sex.

...

Er: Auch wahr. Noch eine Zigarette?

Sie: Danke, ich habe eigene. West ist nicht so meine Marke.

Er: Sondern?

Sie: Raten Sie!

Er: Mhh, Marlboro, Marlboro lights, möglicherweise sogar die 100er. Richtig?

Sie: Falsch.

Er: Vogue Menthol? Ach, Feuer, entschuldigung.

Sie: Danke.

...
Skifahren oder Schlitten fahren?

Er: Schlitten. Fuchs oder Hase?

Sie: Fuchs. Wir sind da. 
albannikolaiherbst antwortete am 2007/11/30 09:52:
@sho-shan-nah (zum Dialog).
Da habe ich aber lachen müssen heute früh um fünf, als ich Ihren Text überflog! Das ist ganz ganz wunderbar. Dennoch, wie immer, die Detail-Teufelchen:
Er: Ich habe Sie gestern im Theater gesehen. Ulrike Maria Stuart. Sie saßen in der Loge. Mh... [Reine Verlegenheits„lösung“. Verlegen ist der Typ aber nicht, da sollte es auch seine Autorin nicht sein.] Ficken?

Sie: ... [Sie machen es sich zu einfach mit den Pünktchen, f ü l l e n Sie sie!:] Bitte?

Er: Wollen wir ficken? Ich meine... Ja, ich weiß, das ist nicht gerade die galanteste Anmache. [Auch hier jetzt den Dialogtrick anwenden, den ich vorhin >>>> sirenomele verriet:] Jelinek, oder?

Sie: Jelinek?

Er: Jelinek. Ich... [So kommen Sie nämlich um die rein äußerliche Beschreibung/Erklärung herum, die Sie gleich IHR in den Mund legen und die ich streiche, damit Sie in der Dialogaktion bleiben und sich keinen Hänger reinholen:]

Sie: Ganz im Sinne Jelineks! Hahahaha! [:Sowas funktioniert in geschriebenen Dialogen quasi nie, und hier funktioniert es schon gar nicht, so ganz am Anfang.] Das ist mir wirklich noch nie passiert.

Er: Zigarette? [:Ausgezeichneter Übergang!]

Sie: Bitte. [Für die Mitleser: Dieses „Bitte“ im Sinn von „Ja, gerne“ ist ausgesprochen geschickt, weil es gerade an dieser Stelle und nach dieser frechen Aufforderung („ficken“) bereits zeigt, daß SIE im Prinzip bereit ist, sich einzulassen. Allerdings, wie wir gleich sehen werden, führt diese Frau an IHM erst noch die Fingerprobe durch.]

Er: Feuer?

Sie: Gern. Also, bevor... ich auf Ihre Frage eingehe [Zu papieren, direkt bleiben:] , möchte ich gerne etwas von Ihnen wissen. Mögen Sie Beethoven lieber dirigiert von Bernstein oder von Karajan? [Persönliche Anmerkung: Da hab ich heute morgen ziemlich gestutzt. Momentlang schoß mir hoch: Woher w e i ß sie? - Ich verrate aber nicht, weshalb, lesen Sie am kommenden Sonntag einfach die Zeitung.]

Er: Karajan. Und Sie?

Sie: Ja. Auch. [In einem solchen „auch“ h ö r t man geradezu, wie sie ihm den ersten Punkt zuschiebt und daß sie das genießt. Die sind schon beim Vorspiel. Klasse Dynamik.] Panzer oder U-Boot?

Er: Panzer. Und S i e Äh... Was mögen Sie lieber? [Sowas wie „äh“ usw. ersparen Sie sich bitte, schon aus Gründen dialogischer Eleganz.] (Ich verstehe kein Wort).

... [Die Pause retardiert. Vermeiden!]

Sie: U-Boote. Und Vanille oder Schokolade?

Er: Sie stellen komische Fragen! [Nicht reflektieren lassen, auch nicht, wenn er's tut. Die Reflektion überlassen Sie hier einfach den Lesern. Schon, weil das wirklich nicht zu anstrengend ist, um es von ihnen zu erwarten.] Vanille natürlich!

Sie: Ich habe mal gehört, Schokolade mögen die aufregerenden Typen.

[Jetzt m u ß er reagieren, wenn er diese Frau nicht verlieren will. Also:]
Er: Das tut mir jetzt leid für Sie.

Sie: Mir auch. Egal.
Sie sind jetzt dran!

Er: Wie? Ich?

Sie: Logisch.

[Hier eine Klammer zum Anfang einfügen, Leitmotivik; zum Beispiel so:]

Er: Jelinek oder Strauß?

Sie: Goethe. Hätten Sie jetzt nicht gedacht. Weiter!


Sie: Fragen Sie egal was! Spielen Sie mit!

Er: Ah.

...


Er: ... Knoblauch oder Zwiebel?

Sie: Knoblauch. Sonne oder Mond?

Er: Mond. Bach oder Metallica?

Sie: Bach. Sub oder Top?

Er: heeeeey! Sie haben den Ring bemerkt.

...
Linke oder rechte Hand?

Sie: Rechts. [Sehr gut, daß Sie sie hier „rechts“ und nicht etwa „rechte“ sagen lassen. Aber immer direkt bleiben und das jetzt sprachlich anschließen: rechte Hand zu rechter Einbiegung:] Rechts müssen wir lang. Nicht
...
Dort müssen wir in der Tat einbiegen, Sie laufen ja
geradeaus.

Er: Oh, verzeihung, ich wWar abgelenkt.

...
Sie sind so still.
[Das ist zu früh. Und ist gefährlich. Das isso, als fragt man: „Woran denkst du?“ Quasi immer ergibt das dann einen zähen Durchhänger, auch und gerade in der Realität. Also vermeiden. In der Aktion bleiben.]

Sie: Marschmusik oder Walzer?

Er: Marschmusik! Jawoll.

Sie: Sehr schön. [Klasse!!!!:] Wir sollten mal einen Ausflug im Panzer machen.

Er: Wenn Sie meinen. [Reine Verlegenheitslösung. Besser sowas:] Zu eng. Wo sind wir? [Ebenfalls Verlegenheitslösung, aber nicht die des Protagonisten, sondern Ihre, der Autorin. Darf hier auf keinen Fall sein. Sondern:] Ist es noch weit?

Sie: Ganz in der Nähe meiner Wohnung. [:Das ist komplett Papier.]
Noch ein pPaar Straßen weiter. Wolln Sie jetzt schon aufgeben?

Er: Romantische Zweierbeziehung oder Polyamorie?

Sie: RZB. Und Sie?

...

Er: Ich bin mir nicht ganz sicher. Weiß nicht.

Sie: Atmen Sie lieber den Geruch von heißem Fett ein oder von nassem, heißen Asphalt ein?

Er: Letzteres.

Sie: - [:Das ist auch wieder eine Verlegenheit. Lassen Sie SIE hier ganz leicht anzüglich werden, denn sie w i l l ja verführt werden, aber so, daß s i e das Spiel leitet:] Wade oder Lende?

[Das können Sie ihn aufnehmen lassen, wobei er sich vertut, das aber statt eines „Entschuldigung“ (das er bei einer solchen Dynamik n i e sagen darf) durch sein „Mir fällt gerade kein Gegensatzpaar mehr ein“ wieder zurücknimmt. Also:]

Er: Mit oder ohne? [Er meint Kondome, logisch. Merkt, daß das eine Spur zu weit ging, und sagt j e t z t:]


Er:
Mir fällt gerade kein Gegensatzpaar mehr ein.

-----
[Das Folgende knistert nur so vor Papier:]
...
Da haben Sie mich ja ganz schön beiläufig aus den mir bekannten Stadtteilen weggelotzt.

Sie: Es steht Ihnen frei, jederzeit ein Taxi zu rufen und mich stehenzulassen. Immerhin fragten Sie mich genauso beiläufig auf offener Straße nach unverbindlichem Sex.
------
[Diese ganze Straßenverwirrung führt zu weit ab. Die sind auch, nach Dialog in Echtzeit, für sowas noch nicht lange genug unterwegs. Viel besser ist es, Sie nehmen hier den Anfang wieder auf, etwa so:]

Sie: Ficken oder faire l'amour? Oder wolln Sie lieber ein Taxi rufen und mich stehenlassen?
[Sparen Sie hier die Reflektion über unverbindlichen Sex. Die beiden sprechen sowieso die ganze Zeit drüber, und jeder merkt das. Die beiden merken es auch, aber zur Regel gehört, daß man das nun gerade n i c h t verbalisiert, sondern es an etwas ganz anderem aufhängt. Deshalb fängt ER die Situation nun s o auf:]


Er: Auch wahr. Noch eine Zigarette? [Ich weiß, das „auch wahr“ ist eigentlich zu schön, als daß Sie sich davon trennen wollten. Sie kommen aber in dieser Situation erstmal nicht dran vorbei.]

Sie: Danke, ich habe eigene. West ist nicht so meine Marke.

Er: Sondern? [Nein! Sondern das Spiel wieder aufnehmen. Das ist raffinierter:]

Sie: Raten Sie!

Er: Mhh, Marlboro , Marlboro lights , möglicherweise sogar die 100er. oder Gauleoises blondes? Richtig?

Sie: Falsch.

Er: Vogue Menthol? [Er muß die Führung wiederkriegen. Deshalb:] Das ist ja furchtbar! Ach, Feuer, entschuldigung.

Sie: Danke. [Anziehen ohne Absatz und Pause:] Skifahren oder Schlitten fahren?

Er: Schlitten. Fuchs oder Hase?

Sie: Fuchs. Wir sind da. [D a s geht raffinierter, zumal die Füchsin s i e ist:] Fuchs, wir sind da.
Toller, toller Dialog. Was noch als loser Faden draußenhängt, ist jetzt der Ring. Das verlangt nach einer Fortsetzung oder, aber das ist die weniger gute Lösung, müßte in dem Dialog noch irgendwo verstärkt/ausgeführt werden. Abgesehen davon, rein inhaltlich: Wenn ER einen BDSM-Ring trägt, ist die Frage nach Top oder Sub überflüssig, schon weil SIE den Ring als einen BDSM-Ring erkannt hat. Nimmt man das Motiv ernst, liefe sehr wahrscheinlich auch der ganze Dialog anders; SIE würde nämlich nicht versuchen, IHN die Führung übernehmen zu lassen, sondern ihre eigene Führung ungreifbar, aber spürbar ausbauen. Außerdem: Wenn er einen solchen Ring trägt (falls ich nicht ganz falschliegen sollte hier, ich meine >>>> das), würde er die Frau auch kaum auf die Art anmachen, die den schönen Dialog überhaupt erst in Gang setzt. Etwas anderes wäre, versuchte er als Dominanter eine Dominante zu verführen. (Das gibt’s, jaja, das gibt’s. Lacht.) Das paßte dann eher. Nur trüge er dann eben nicht diesen Ring. 
sho-shan-nah antwortete am 2007/11/30 13:51:
@Albannikolaiherbst
Hm, welche Zeitung? (Ich weiß von nichts. Da kam nur "die Musikwissenschaftlerin prüft den Kulturkonsumenten" in mir durch.)

Zum O: "Er" sollte ihn um den Hals tragen. Allerdings sind die Tragekonventionen von Szene zu Paar etc. unterschiedlich.

Die Autorenfrage als fließenderen Übergang einzuschieben ist eine gute Anregung, mit den Straßen und dem Weg muss ich mir noch was überlegen.

Vielen Dank für Lob&Vorschläge. 
albannikolaiherbst antwortete am 2007/11/30 15:59:
@sho-shan-nah (Dialog ff).
Zum O:
1) Dann ist es kein "Ring", sondern ein "Reif". Die Unterscheidung mag in der Szene keine Rolle spielen, in der Sprache tut sie's sehr wohl.
2) Das mit den Tragekonventionen mag stimmen. Aber wenn ER diesen Reif trägt, ist seine Rolle definiert. Das zerstört Ihnen dann den ganzen Dialog, abgesehen davon, daß ich es für unmöglich halte, daß ein Dominanter je so etwas tragen würde; mir selbst wären, als Dominanter, Erkennungszeichen an sich schon suspekt. Auf der submissiven Seite ist das genau anders: Beide Positionen sind komplementär. Nicht einmal für einen Switcher kann ich mir vorstellen, daß er außerhalb eines festen Settings solch ein Erkennungszeichen trägt. Mir sind allerdings Switcher-Positionen insgesamt nicht nachfühlbar, dennoch kann ich mir vorstellen, daß eine Person C einer anderen Person A gegenüber submissiv, gegenüber Person B aber dominant ist. Gerade da hätten aber Reif oder Ring immer nur in Hinsicht auf Person B, bzw. A eine Funktion. Für einen Dominanten ist überdies allein schon die Vorstellung eines Halshalters physiologisch kaum erträglich. Wenn wir deshalb davon ausgehen, daß ER in diesem Dialog submissiv ist, wird auch seine Anmache ihres psychodynamischen Beweggrundes beraubt. Das würde, wie bei einem Pullover, an dessen einem lockeren Wollfaden man zieht, Ihren gesamten Dialog aufribbeln. Das habe ich ja schon gesagt.

Indirekt gehört auch d a s in diesen Zusammenhang, nämlich die Kulturbefragung und daraus folgend dann auch Ihre Frage an mich: "welche Zeitung"? Hätten Sie mich bei einer solchen Anmache befragt, ich hätte sofort zurückgegeben: "Fragen Sie präziser. Welchen Karajan meinen Sie? Den der 40er, den wichtigen der 50er und 60er Jahre oder den danach?" Oder ich hätte Ihnen wahrscheinlich geantwortet: "Norrington". Und jetzt, außerhalb der eigentlichen Fragestellung, antworte ich Ihnen dazu noch: "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung".

P.S.: Da Sie das Thema möglicherweise interessiert: Zu BDSM habe ich mich auch in Der Dschungel verschiedentlich geäußert, etwa >>>> hier; weiteres findet sich schnell, wenn Sie in der hiesigen Search-Funktion "BDSM" oder auch "Mißbrauch", bzw. "Perversion" eingeben. Zum Perversionsbegriff werde ich mich in meiner nächsten Heidelberger Vorlesung eingehend äußern, da allerdings in der Transposition auf einen poetologischen Begriff. 
sho-shan-nah antwortete am 2007/11/30 19:11:
O: vielleicht könnte der Ring an einer Halskette hängen, also nicht als Reif getragen? Ich gebe zu, mir darüber schreibenderweise nicht besonders viele Gedanken gemacht zu haben. Allerdings sind mir persönlich schon auch Tops bekannt, welche einen solchen Ring an der linken Hand tragen. Außerdem: sexuelle Rollenverteilung muss nicht mit sozialem Verhalten übereinstimmen, oder? Abgesehen davon haben Sie recht. Den Ring muss man eventuell gar nicht erwähnen.

Genauigkeit der Fragen: gut. Klar, da gibt es sicherlich auch noch weitere Spezifizierungsoptionen. Ein bisschen runterbrechen muss ich schon :)
(Jetzt bin ich natürlich neugierig auf die Zeitung.) 
albannikolaiherbst antwortete am 2007/11/30 23:47:
@sho-shan-nah (Weiteres).
Es mag solche Tops geben; ich hätte denen gegenüber aber die deutliche Tendenz, sie nicht für besonders dominant zu halten, vielleicht sind sie eher sadistisch als dominant, keine Ahnung. Mir wäre das suspekt. - Zur Rollenverteilung: Da es in Ihrem Dialog um ein erotisches Setting geht und nicht um ein soziales Verhalten (ja, ich trenne da), hängt sehr vieles an dem Ring. Weshalb man ihn um den Hals tragen sollte, will mir als Lösung auch nicht klarwerden... aber vielleicht, weil er nicht paßt, vielleicht hat man zu sehr zugenommen, den Ring aber von einer dominanten Frau geschenkt bekommen, an der man immer noch hängt. Denkbar. Da ich nicht submissiv bin, kann ich nur spekulieren. In jedem Fall müßte das dann Teil des Dialoges sein. In der Tat, Sie brauchen den Ring für diesen (nach wie vor sehr spielerischen und schönen) Dialog nicht.

Runterbrechen? Was denn? 
sho-shan-nah antwortete am 2007/12/03 00:26:
Verbesserte Version
Er: Ich habe Sie gestern im Theater gesehen. Ulrike Maria Stuart. Sie saßen in der Loge.
Ficken?

Sie: Pardon?

Er: Sie haben schon richtig gehört. Jelinek, oder?

Sie: Jelinek?

Er: Jelinek. Ich...

Sie: Hahahaha! Das ist mir wirklich noch nie passiert.

Er: Zigarette?

Sie: Bitte.

Er: Feuer?

Sie: Gern. Eine Frage: Mögen Sie Beethoven lieber dirigiert von Bernstein oder von Karajan?

Er: Karajan. Und Sie?

Sie: Ja. Auch. Panzer oder U-Boot?

Er: Panzer. Wie stehts mit Ihnen? (Ich verstehe kein Wort).

Sie: U-Boote. Und Vanille oder Schokolade?

Er: Vanille, Vanillesoße!

Sie: Ich habe mal gehört, Schokolade mögen die aufregerenden Typen.

Er: Tja. Pech gehabt, mh?

Sie: Passiert. Egal. Sie sind dran!

Er: Ich soll auch sowas fragen?

Sie: In der T(h)at.

Er: Jelinek oder Handke?

Sie: Kleist. Versuchen Sies nochmal!

Er: ... Knoblauch oder Zwiebel?

Sie: Knoblauch. Sonne oder Mond?

Er: Mond. Bach oder Metallica?

Sie: Bach. Sub oder Top?

Er: Soso! Top. Linke oder rechte Hand?

Sie: Rechts. Rechts müssen wir lang. Nicht geradeaus.

Er: War abgelenkt, Verzeihung. [Würde ich gerne drinlassen, ER ist ja auch eher der gepflegte Typ]
Himmelbett oder Wasserbett?

Sie: Himmel, keine Frage. Marschmusik oder Walzer?

Er: Marschmusik! Jawoll.

Sie: Sehr schön. Wir sollten mal einen Ausflug im Panzer machen.

Er: Wie gemütlich. Wann sind wir da?

Sie: Sie sind ganz schön ungeduldig.

Er: Romantische Zweierbeziehung oder Polyamorie?

Sie: ErZetBeh. Und Sie?

Er: Keine Ahnung.

Sie: Atmen Sie lieber den Geruch von heißem Fett ein oder von nassem, heißen Asphalt?

Er: Letzteres.

Sie: Justine oder Juillette?

Er: Mit oder ohne? Mir fällt gerade kein Gegensatzpaar mehr ein.

Sie: Darüber brauchen wir uns doch wirklich nicht unterhalten.

Er: Dann haben wir uns schon geeinigt.

Sie: Oben oder unten? Oder lieber schnell die Biege machen, bevor wir da sind?

Er: Nanana. Noch eine Zigarette?

Sie: Nein danke. West ist nicht so meine Marke.

Er: Marlboro lights oder Fortuna?

Sie: Falsch.

Er: Vogue Menthol? Oh nein! Ach, Feuer, entschuldigung.

Sie: Danke. Skifahren oder Schlitten?

Er: Schlitten. Fuchs oder Hase?

Sie: Fuchs, wir sind da.

------------
Ich habe mich jetzt sehr an Ihren Vorschlägen orientiert, weil ich sie an nahezu allen Stellen passend fand.

Runterbrechen: Na, die Dirigentenfrage. So speziell werden Sie und Er ja nicht. 
albannikolaiherbst antwortete am 2007/12/03 07:12:
@sho-shan-nah (zum revidierten Dialog).
Er: Ich habe Sie gestern im Theater gesehen. Ulrike Maria Stuart. Sie saßen in der Loge.
Ficken?
Sie: Pardon?
Er: Sie haben schon richtig gehört. [Ist immer noch ungelenk. Entweder ganz weg oder in die direkte Konfrontation:] Wollen wir ficken? Jelinek, oder? verstehn Sie?
Sie: Jelinek?
Er: Jelinek. Ich... [Bleiben Sie mal einfach in den abgeschlossenen Sätzen. Das gibt Z u g in den Dialog. Die mit Pünktchen endenden Andeutungen haben dann Sinn, wenn Ihnen Szene erlaubt ist oder Sie gar Umgebungen ausschmücken können.]
Sie: Hahahaha! [:Ich habe bei sowas sofort eine isney-Kater-Karlo-Assoziation, die dann sehr stört.] Das ist mir wirklich noch nie passiert.
[Das ist jetzt schön!:]
Er: Zigarette?
Sie: Bitte.
Er: Feuer?
Sie: Gern. Eine Frage: [:Immer noch: direkt bleiben.] Mögen Sie Beethoven .
Er: Beethoven?
Sie: L
lieber dirigiert von unter Bernstein oder von Karajan?
Er: Karajan. Und Sie?
Sie: Ja. Auch. Panzer oder U-Boot?
Er: Panzer. Und Wie stehts mit bei Ihnen? (Ich verstehe kein Wort).
Sie: U-Boote. Und Vanille oder Schokolade?
Er: Vanille, Vanillesoße [:s c h ö n, diese Anfügung mit der Sauce!]!
Sie: Ich habe mal gehört, Schokolade mögen die aufregerenden Typen.
Er: Tja. Pech gehabt, mh?.
Sie: Passiert. Egal [Vorschlag, statt „egal“:] Schicksal. - Sie sind dran!
Er: Ich soll auch sowas fragen?
Sie: In der T(h)at. [:Solch ein Spiel geht in einem Dialog (leider) nicht.]
Er: Jelinek oder Handke?
Sie: Kleist. Versuchen Sies n o c hmal!
Er: ... Knoblauch oder Zwiebel?
Sie: Knoblauch. Sonne oder Mond?
Er: Mond. Bach oder Metallica?
Sie: Bach. Sub oder Top?
Er: Soso! Top. Linke oder rechte Hand?
Sie: Rechts. Rechts müssen wir lang. Nicht geradeaus.
Er: War abgelenkt, Verzeihung. [Würde ich gerne drinlassen, ER ist ja auch eher der gepflegte Typ] [:Dann lassen Sie ihn doch vielleicht einfach n u r „Verzeihung“ sagen... das gäbe einen netten Irritations-Effekt.] Himmelbett oder Wasserbett?
Sie: Himmel, kKeine Frage [Wenn SIE hier mal n i c h t antwortet, verliert der Dialog jegliche Redundanz und bekommt ein Stück rhetorisches Geheimnis.]. Marschmusik oder Walzer?
Er: Marschmusik! Jawoll.
Sie: Sehr schön. Wir sollten mal einen Ausflug im Panzer machen.
Er: Wie gemütlich.
Sie: Das ist keine Kategorie.
Er:
Wann sind wir da?
Sie: Sie sind ganz schön ungeduldig.
Er: Romantische Zweierbeziehung oder Polyamorie?
Sie: ErZetBeh. Und Sie?
Er: Keine Ahnung.
Sie: Atmen Sie lieber den Geruch von heißem Fett ein oder von nassem, heißen Asphalt? [:Ohne das „ein“ von „einatmen“, nur also das „atmen“ verschärft die Frage um Sinnlichkeit.]
Er: Letzteres.
Sie: Justine oder Juillette?
Er: Mit oder ohne? Mir fällt gerade kein Gegensatzpaar mehr ein.
Sie: Darüber brauchen wir uns doch wirklich nicht unterhalten [:Nein! Schärfer: „Darüber unterhalte ich mich nicht.“].
Er: Dann haben wir uns schon geeinigt. [Das ist hier ungut als Retourkutsche, zu gestelzt. Entscheiden Sie sich hier für seine Haltung. Er sagt entweder „Dann mit“ oder „Dann ohne“ - was wiederum sie folgerichtigerweise unkommentiert läßt.]
Sie: Oben oder unten? Oder lieber schnell noch eine die Biege machen, bevor wir [Besser, dringend:] Sie da sind?
Er: Nanana. Noch eine Zigarette?
Sie: Nein danke. West iIst nicht so meine Marke.
Er: Marlboro lights oder Fortuna?
Sie: Falsch.
Er: Vogue Menthol? Oh nein! Ach, Feuer, entschuldigung.
Sie: Danke. Skifahren oder Schlitten?
Er: Schlitten. Fuchs oder Hase?
Sie: Fuchs, wir sind da.
Das läuft jetzt wirklich schön! Aber denken Sie über die von mir vorgeschlagenen Einzelheiten noch mal nach. Der nächste Schritt d a n n wäre, Dialogsatz für Dialogsatz unterschwellig zu erotisieren... das heißt: sich die Wortwahl noch einmal anzuschauen. Nicht etwa direkte Sexualbegriffe verwenden, sondern solche Begriffe, die eine sexuelle Lesart entfernt nahelegen (hübsche Kombination, sie t r i f f t: entfernt & nahe). Jedenfalls wäre das jetzt m e i n weiteres Vorgehen. Als Tip: Den Text nunmehr, noch ohne die Wortwahl-Idee, auf meine Anmerkungen abklopfen, entsprechend umschreiben oder nicht umschreiben, dann ausdrucken und eine Woche liegenlassen, um Abstand zu gewinnen.
Die Ring-/Reif-Problematik haben Sie superb gelöst. 

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