Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop

Marlboro, Prosastücke, 1981 Die Verwirrung des Gemüts, Roman, 1983 Die blutige Trauer des Buchhalters Michael Dolfinger, Lamento/Roman, 1986 Die Orgelpfeifen von Flandern, Novelle, 1993, 2001 Wolpertinger oder Das Blau, Roman, 1993, 2000 Eine Sizillische Reise, Fantastischer Bericht, 1995, 1997 Der Arndt-Komplex, Novellen, 1997 Thetis. Anderswelt, Fantastischer Roman, 1998, (Erster Band der Anderswelt-Trilogie) In New York, Manhattan Roman, 2000 Buenos Aires. Anderswelt, Kybernetischer Roman, 2001, (Zweiter Band der Anderswelt-Trilogie) Inzest oder Die Entstehung der Welt, Der Anfang eines Romanes in Briefen, zus. mit Barbara Bongartz, 2002 Meere, Letzte Fassung 2007. Bei Volltext. Die Illusion ist das Fleisch auf den Dingen, Poetische Features, 2004 Die Niedertracht der Musik, Dreizehn Erzählungen, 2005 Dem Nahsten Orient / Très Proche Orient, Liebesgedichte, 2007 Meere, Letzte Fassung 2007 Aeolia.Gesang / Stromboli. Mit den Bildern von Harald R. Gratz. Limitierte Auflage, 2008 Kybernetischer Realismus, Heidelberger Vorlesungen. Manutius Heidelberg 2008Der Engel Ordnungen, Gedichte. axel dielmann - verlag 2009 d e

 
schreiben wie atmen meinte am 2007/11/28 10:24:
Bella
Er: Entschuldigen sie, würden sie mir bitte ihre kleine Hacke für einen
Moment leihen?
Sie: Aber ja, ich bin sowieso gerade fertig geworden.
Er: Ihr Mann?
Sie: Ja, mein Mann. Es ist schon drei Jahre her.
Er: Tut mir leid.
Sie: Und wen haben sie hier?
Er: Niemanden, das heißt...
Sie: ---
Er: Also ihnen vertraue ich das jetzt an: es ist Bella.
Sie: Bella? Ihre Frau?
Er: Nein, mein Hund.
Sie: Ihr H u n d?
Er: Ja. Verraten sie mich nicht. Bitte. Es gibt doch keinen Tierfriedhof
hier in der Stadt und Grund und Boden besitze ich auch nicht.
Sie: Ich verrate sie nicht. Versprochen. Wo liegt sie denn?
Er: Da hinten bei der Hecke wo die Geranie steht.
Sie: Wie haben sie sie denn hier her gebracht?
Er: Oh, das war nicht schwierig. Bella ist - ich meine war - ein
Rehpinscher. Ich habe sie in eine selbst getöpferte Vase gelegt und
sie in einer Einkaufstasche hergebracht.
Sie: Sie vermissen ihre Bella, nicht wahr?
Er: Ja, sehr, sie war alles was ich hatte. Sehen sie, ich muß schon wieder
weinen.
Sie: Oh, Verzeihung, ich wollte sie nicht zum weinen bringen.
Er: Ist nicht schlimm, es erleichtert ja auch.
Sie: Ich konnte nie weinen, schon von Kind an. Das tut manchmal richtig
weh, hier,im Hals.
Er: Wie alt war ihr Mann?
Sie: Als er starb zweiundsiebzig. Wir sind gleichalt gewesen, Jahrgang
Zweiunddreißig.
Er: Genau wie ich!
Sie: Wirklich?
Er: Ja, wirklich. Das ist ja ein netter Zufall.
Sie: Sagen sie mal, glauben sie nicht, dass Bellas Grab auffällt durch die
Blumen?
Er: Doch, ich habe jeden Tag Angst, dass es ausgehoben ist wenn ich
komme. Aber ohne Blumen kann ich mir das Grab auch nicht
vorstellen.
Sie: Sie kommen täglich her?
Er: Ja, täglich.
Sie: Wie lange ist sie denn schon tot, ihre Bella?
Er: Erst sechs Tage.
Sie: Mein Beileid.
Er: Danke. Ach, was ich sie fragen wollte: kennen sie diesen
Friedhofswärter, den kleinen mit den stechenden Augen?
Sie: Ja, den seh ich manchmal.
Er: Ich glaube er beobachtet mich.
Sie: Wirklich? Sind sie sicher?
Er: Ziemlich sicher. Hoffentlich findet er Bella nicht.
Sie: Aber das ist doch ganz schrecklich, wenn sie immer Angst haben
müssen!
Er: Was soll ich denn tun? Ich wüßte nicht, wohin ich sie sonst
bringen sollte. Die Tiere im Wald sollen sie doch auch nicht
ausgraben.
Sie: Nun weinen sie mal nicht. Hier, nehmen sie das Schäufelchen.
Er: Wozu?
Sie: Ich gehe jetzt Schmiere stehen und sie graben Bella aus.
Er: Ausgraben?
Sie: Ja. Ausgraben. Wir setzen sie im Garten hinter meinem Haus bei.
Er: Das wollen sie tun für mich?
Sie: Warum nicht? Sie können zu dem Grab kommen so oft sie wollen.
Er: Auch täglich?
Sie: Gerne. Vielleicht können wir ja auch hin und wieder Tee zusammen
trinken oder einen Wein?
Er: Ich weiß gar nicht wie ich ihnen danken soll.
Sie: Nicht weinen. Graben sie lieber, hier ist eine Tasche, da können sie
die Urne hineinstellen. 
albannikolaiherbst antwortete am 2007/11/28 17:33:
@schreiben wie atmen (zu Bella).
Das ist eine sehr poetische Idee. Hier meine ersten Lektoratsvorschläge. Achten Sie auf Dialog-Geschwindigkeit, vermeiden Sie Dialogfüllsel. Bleiben Sie immer ganz nah an der Gesprächsdynamik. Dazu gehört auch, daß Sie auf wegführende Details verzichten wie etwa, daß der Hund ein Rehpinscher war. Kleiner Hund reicht. Der Rehpinscher hat zudem die Tücke, daß man das Wort gern auf die Person, die es emphatisch ausspricht, überträgt. Ihr Text will aber ja nicht denunzieren, sondern anrühren. Im Einzelnen:

Er: Entschuldigen sie, würden sie mir bitte einen Moment lang die ihre kleine Hacke für einen
Moment
leihen?
Sie: Aber ja, ich bin sowieso gerade fertig geworden.
Er: Ihr Mann?
Sie: Ja, mein Mann... Vor Es ist schon drei Jahren her.
Er: Tut mir leid. [Das würde man, selbst an einem Grab, so nicht sagen. Eher in d e m Sinn: „Ja, es ist schwer.“ Sofort hat man auch den Dialogpartner richtig mit drin.]
Sie: Und wen haben sie hier? Ihre Frau..?
Er: Niemanden Nein..., das heißt...
Sie: ---
Er: Also ihnen vertraue ich das jetzt an: e
Es ist Bella.
Sie: Bella? Nicht Ihre Frau?
Er: ... Nein, mein Hund.
Sie: Ihr H u n d?
Er: Ja. V Bitte verraten sie mich nicht. Bitte. Es gibt doch keinen Tierfriedhof hier in der Stadt und Grund und Boden besitze ich auch nicht. [Das würde ich gar nicht erzählen, weil es zu sehr banalisiert. Lassen Sie es beim Fakt, zumal es als Motiv wirklich schön ist.]
Sie: Ich verrate sie nicht. Versprochen. Wo liegt sie denn?
Er: Da hinten bei der Hecke wo die ... bei der Geranie steht. [Denken Sie an die Situation: Man würde den Arm ausstrecken und zeigen, nicht erklären. Erklären Sie im Dialog, wird das papieren.]
Sie: Wie haben sie sie denn hier hereingeschmuggelt gebracht? Das fällt doch auf!
Er: Sie ist... war... nur ein kleiner Hund, ein g a n z kleiner... Oh, das war nicht schwierig. Bella ist - ich meine war - ein Rehpinscher.
Sie: Sein Sie nicht traurig...
Er:
Ich habe sie in eine selbst getöpferte Vase selbst getöpfert... gelegt und sie in einer Einkaufstasche hab ich sie her...gebracht.
Sie: Sie vermissen sie sehr, ihre Bella , nicht wahr?...
Er: Ja, sehr, sIie war alles was ich hatte. Sehen sie, ich muß schon wieder weinen.
Sie: Oh, Verzeihung, ich wollte sie nicht zum wWeinen Sie nicht... kommen Sie mal... bringen.
Er: Ist nNicht schlimm, es erleichtert einen so. ja auch.
Sie: Ich konnte nie weinen , sSchon von als Kind an nicht. Das tut manchmal richtig weh, hier, schaun Sie mal, im Hals.
Er: Wie alt war ihr Mann?
Sie: Als er starb zweiundsiebzig. Wir sind gleichalt gewesen, Jahrgang
Zweiunddreißig.
Er: Genau wWie ich!
Sie: Wirklich?
Er: Ja, wirklich. Das ist ja ein netter Zufall!.
Sie: Sagen sie mal, gGlauben sie nicht, dass Bellas Grab auffällt durch die
Blumen?
Er: Doch, iIch habe jeden Tag Angst, dass es ausgehoben ist wenn ich komme. Aber ohne Blumen ... das geht nicht. kann ich mir das Grab auch nicht
vorstellen.

Sie: Sie kommen täglich her?
Er: Ja, tTäglich.
Sie: Seit wann? Wie lange ist sie denn schon tot, ihre Bella?
Er: Erst sSechs Tage. [In einem Dialog, also in Rollenpörosa d ü r f e n Sie die Sprache beugen.]
Sie: Mein wirkliches Beileid.
Er: Danke. Ach, was ich sie fragen wollte: kKennen sie diesen Friedhofswärter, den kleinen mit den stechenden Augen?
Sie: Ja, dDen seh ich manchmal. [Sie erreichen sehr viel mehr Geschwindigkeit – und damit Glaubwürdigkeit -, wenn Sie sich angewöhnen, so oft wie möglich auf Antwort-Wörter zu verzichten und einfach gleich die Aussage aussprechen zu lassen.]
Er: Ich glaube er beobachtet mich.
Sie: Wirklich? Sind Sie sicher?
Er: Ziemlich sicher. Hoffentlich findet hebt er Bella nicht aus.
Sie: Aber das ist doch ganz schrecklich, ...wenn sie immer Angst haben
müssen!
Er: Was soll ich denn tun? Ich will auch nicht... wüßte nicht, wohin ich sie sonst
bringen sollte. Die Tiere
im Wald ... daß sie andere Tiere... sollen sie doch auch nicht ausgraben.
Sie: Nun weinen sie mal nicht. Hier,So nehmen sie das Schäufelchen schon! S .
Er: Wozu?
Sie: Ich gehe jetzt Schmiere stehen und s
ie graben Bella aus, und ich paß auf.
Er: Wieso..? Ausgraben?
Sie: Ja. Ausgraben. Wir setzen sie im Ich habe einen Garten hinter meinem Haus, da setzen wie sie bei.
Er: Das wollen Sie tun für mich?
Sie: Warum nicht? Sie können dürfen so oft zu dem Grab kommen so oft , wie Sie wollen.
Er: Auch tTäglich?
Sie: Gerne. Wir Vielleicht können wir ja auch hin und wieder Tee trinken
zusammen. oder einen Wein?
Er: Ich weiß gar nicht wie ich ihnen danken soll.
Sie: Indem Sie Nnicht mehr weinen. Graben sie lieber, hier ist eine Tasche, da können sie die Urne hineinstellen.
 
schreiben wie atmen (Gast) antwortete am 2007/11/30 07:45:
Dankeschön
Ich bin sehr dankbar für diese Möglichkeit die Sie hier bieten, und habe den Dialog Ihren Hinweisen folgend bearbeitet.
Bei der anschließenden Leseprobe stellte sich der Text als wesentlich besser sprechbar heraus und kann nun für die Bühnenfassung innerhalb eines Stückes Verwendung finden. 
albannikolaiherbst antwortete am 2007/11/30 07:59:
@schreiben wie atmen.
Das freut mich jetzt aber. Es macht mich sogar ein bißchen glücklich. 

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