Sprachspielerin meinte am 2007/11/21 13:22:
Engel
Jetzt habe ich - angeregt von den Engeltexten hier - gestern doch auch ein Gedicht verfasst und würde dazu sehr gerne Meinungen hören.Engel
Esst mich, Engel,
habt keine Scheu,
seid ein Fluss um mich,
der mich rauschend ertränkt,
seid ein Seil um den Hals,
das mir Atem nimmt,
seid ein Schrei auf Lippen,
der mich ertauben lässt,
seid ein Blitzen in Augen,
das mich blind geblendet,
habt keine Scheu
und beißt in mein Herz,
das mich leben macht
und umbringt.
Fresst mich, Engel!
Über den Schluss bin ich mir nicht ganz klar, ich hatte zuerst bravere letzte Zeilen, die nicht mit Rhythmus und Stil brechen, in denen der Ton nicht kippte, etwa so:
und beißt in mein Herz,
das mich leben macht
und sterben lässt.
Esst mich Engel!
Welches wäre nun die bessere Variante oder ganz anders? Danke für alle Hinweise!
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/4456017/#4467999
albannikolaiherbst antwortete am 2007/11/22 10:47:
@Sprachspielerin.
Erstmal vorweg, hab ich den Eindruck, ihr Gedicht habe sehr viel mehr >>>> mit dem zu recht berühmten Engelsgedicht Bert Brechts zu tun als mit meiner Auffassung von Engeln, die eine Hinwendung nahezu unmöglich macht, und zwar phylogenetisch. Ich >>>> tendiere bekanntlich zu der Auffassung, daß Engel kein Geschlecht haben, weder ein weibliches, noch ein männliches. Das schließt jeglich sinnlichen Kontakt zu ihnen aus. Die Frau, die Brechts lyrisches Ich da vögelt, ist Engel in d e m Sinn (einem falschen, wie ich meine), der umgangssprachlich sagt: "Sie ist ein Engel." So auch die Widmung Alban Bergs über seinem Violinkonzert: "Dem Andenken eines Engels". - Nichts, gar nichts davon bei mir. Bei Ihnen aber klingt der Kontakt noch durch oder doch wenigstens der Versuch eines Kontaktes. Aber gut, das führt jetzt wahrscheinlich z u entschieden aus den Höfen einer Schreibwerkstatt hinaus.Also:
habt keine Scheu,
seid ein Fluss um mich,
der mich rauschend [Das ist Kitsch.] ertränkt,
seid ein Seil um den Hals,
das mir [wieso verkürzen Sie hier um den bestimmten Artikel? Das bringt lyrisch nichts, irritiert nur.]Atem nimmt,
seid ein Schrei auf [dito; es wird durch Wiederholung nicht Poetik, sondern Masche.]Lippen,
der mich ertauben [:das ist eine unschöne Stelzung.]lässt,
seid ein Blitzen in Augen,
das mich blind geblendet,
habt keine Scheu
das mich leben macht [Ungenau: das Herz macht Sie nicht leben, sondern hält Sie am Leben wie die Niere auch, wie die Lunge vor allem. Undundund.]
und umbringt.
Fresst mich, Engel!
In diesem Fall ist "Freßt mich, Engel" dem "Eßt mich, Engel" vorzuziehen... es sei denn, Sie kleideten das "essen" in einem Bild noch aus. Dann wäre d a s stärker.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/4456017/#4470558
Sprachspielerin antwortete am 2007/11/22 14:18:
Danke für die Hinweise
nur eine Anmerkung zu den fehlenden Artikeln bei Atem und Schrei (und Augen): ich bekomme ein Problem mit dem Rhythmus, wenn ich diese einfüge oder sehen Sie das anders?
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/4456017/#4471159
albannikolaiherbst antwortete am 2007/11/22 14:35:
@Sprachspielerin.
Jajajajajajajajaja! Aber es kann k e i n e Lösung sein, für einen Primat des Rhythmus' der Sprache selber eine Gewalt anzutun... oder w e n n, dann hat das Gedicht eine andere Intention. Haben Sie die n i c ht, müssen Sie einen Weg finden, Rhythmus und die Sprache einander ergänzend in die Hände zu legen.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/4456017/#4471210





















