Maximilian Prang (Gast) meinte am 2007/11/23 15:05:
Nächster Versuch
Na gut, ich will die erneute Aufforderung Herrn Herbsts wahrnehmen und mein Gesicht mit der Schärfe und Kälte eines Skalpells aus dem Spiegel schneiden. Korrekter Weise fange ich ganz oben an. Top- down- Verfahren:Ganz oben: Das dürfte eine der Haarspitzen sein. Ich kann allerdings keine einzelne, herausragende erkennen. Jedoch: Eines der Haare wölbt sich in Parabelform zum höchsten Punkt, taucht mit der Spitze wieder ins Resthaar ein. Dementsprechend verlieren sich seine Pigmente vor dem hellen Hintergrund des Hintermir. Erst in der Masse prägt es das individuelle Merkmal ‚dunkelblond’ aus. Für sich ist es transparent. Ich versuche es mit den Augen zu fixieren, das Skalpell anzusetzen. Je fester ich zupacke, umso deutlicher entzieht es sich meinem Blick. Die Photonen der Deckenlampe werden bei speziellem Einfallswinkel über die Haarparabel in meine Augen reflektiert. Dadurch entsteht ein dünner, leicht gekrümmter Lichtstreifen dort, wo sich das Haar mutmaßlich befinden muss. Sieht aus wie eine winzige, eingefrorene Sternschnuppe. Die einzige Information, der einzige Anknüpfungspunkt: Eine Sternschnuppe. Ich denke: Haar. Das Wort verklingt in meinem Kopf, bekommt nichts zu fassen. Ich sage: Haar. Der Laut verhallt im Bad, dringt nicht durch die Oberfläche des Spiegels. Ich schreibe: Haar. Die Lettern verschwimmen, sagen mir nichts mehr. Ich zweifle: Haar? Hahr? Hah? Haa? H?
Meine Hand greift automatisch zu den Augen, reibt sie. Zurück zu den Fakten: Ich schaue genauer hin, als hätte jemand zum Himmel gezeigt: „Schau! Eine Sternschnuppe!“. Schon zu spät. Sie verschwindet abermals mit der Vehemenz meines Blickes. Am Punkt meiner Fixierung bildet sich ein leerer Raum aus. Ich muss meine Lider schließen, um wieder zu sehen. Ich denke: Haar. Und - da ist es! Das Haar. Die Kopfhaut mit einem schematischen Haar und einer freundlich grinsenden Milbe. Eine Zeichnung aus meinem Kinderbuch. Mein Anteil an der platonschen Idee. Endlich.
Ich bin auf dem Bedeutungshof angelangt. Ich schaue mich um. In der Mitte des Hofes liegt ein einzelnes leuchtendes Sandkorn. Es strahlt kreisförmig auf die Pflastersteine aus. Ich stehe noch einige Schritte davon entfernt. Wo sich der Lichthof verliert, tauchen die Pflastersteine zunehmend in Dunkelheit. Seltsamer Weise zieht mich diese Dunkelheit stärker an, als das Licht. Ich wage einige Schritte in sie hinein, halte meinen Arm schützend und suchend nach vorne ausgestreckt. Zuerst sehe ich die festen Steine unter mir noch schemenhaft, dann hat es für einen kurzen Augenblick den Anschein des absoluten Nichts. Plötzlich dieser Geruch. Ein süßlich, schweißiger Geruch. Der Geruch eines Fells. Instinktiv bekomme ich Angst. Eine lähmende Angst. Etwas nähert sich oder ich nähere mich ihm. Ein überheller Ton durchsticht mein Ohr. Panisch packe ich zu, greife in ein Fell. Vor mir öffnen sich zwei Augen. Ein Schrei gefriert in meinem Hals. Ich erstarre, reiße panisch die Lider hoch. Die zwei Augen vor mir - es sind meine, im Spiegel. Meine Finger berühren die reflektierende Fläche.
Ich schaue auf die Haarparabel.
Jetzt will ich es wissen! Definitiv. Ich schließe wiederum meine Augen, denke: Haar. Die Zeichnung aus dem Kinderbuch. Dann der Bedeutungshof. Diesmal gehe ich in die andere Richtung, auf das Licht zu. Meine entschlossenen Schritte treffen auf die Pflastersteine. Einer beginnt zu wackeln. Ich teste seine Festigkeit mit meiner Fußspitze. Unproblematisch. Doch bereits mit dem nächsten Schritt beginnt auch das Gefüge in seinem Umfeld zu wackeln. Vorsichtig setze ich meinen Fuß. Der Boden scheint immer noch zu tragen. Ich bin nicht mehr weit entfernt. Plötzlich beginnen einige Steine nach unten weg zu brechen. Meine Schritte finden immer weniger festen Halt. Das Gefühl des Fallens stellt sich bereits in meinem Körper ein. Jedoch: Mit einem letzten Sprung greife ich das Sandkorn. Ende.
Ich komme mir vor wie Bastian aus der „Unendlichen Geschichte“, der das letzte Lichtkorn benennen muss. Ich betrachte es, doch seine Helligkeit blendet mich. Ich kann nichts erkennen. Absolute Dunkelheit. Ich schließe meine Augen und sehe mich selbst mit geschlossenen Lidern vor dem Spiegel stehen, die Hand an der reflektierenden Fläche.
Die Haarparabel.
Natürlich! Ich benötige eine andere Sprache, um den definitiv höchsten Punkt, den Anfang meines Kopfes zu finden, eine präzisere. - Die Mathematik.
Errechnung des Maximums der Haarparabel:
Axiome: 1) Auf meinem Kopf befindet sich ein Kartesianisches Koordinatensystem
2) Das Haar beschreibt eine Normalparabel von der Form: (i) f(x) = - x2
3) Die Parabel berührt das Koordinatensystem im Ursprung
Notwendige Bedingung für ein Maximum: f’(x) = 0; xM : x- Wert im Maximum;
yM : y- Wert im Maximum;
f’(x) = -2x
→ 0 = -2x ↔ xM = 0
Einsetzen in (i) ergibt: f(0) = 0 ↔ yM = 0
Hinreichende Bedingung: f’’(x) < 0
f’(x) = -2x
→ f’’(x) = -2 q.e.d
Meine Berechnungen ergeben also, dass das Maximum der Haarparabel und somit der Anfang meines Kopfes im Punkt P(xM/yM) = P(0/0) liegt. Er ist folglich im wahrsten Sinne des Wortes ursprünglich. Was mich nicht wundernimmt, denn genau dieses Ergebnis habe ich in den Axiomen bereits festgelegt. Die Präzision meiner neuen Sprache geht leider zu Kosten der Realitätsnähe. Ich habe bei der Berechnung nämlich eine Kleinigkeit ausgespart: Das restliche Universum, inklusive mich selbst.
Ich entschließe mich, das Haar einfach herauszurupfen und von neuem zu beginnen. Ich habe ja noch rund 20 000 Versuche und dann eine Glatze. Langsam beginne ich zu verstehen, was Sie uns über das Wasserglas sagen wollten, Herr Herbst.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/4456014/#4474367
albannikolaiherbst antwortete am 2007/11/24 07:28:
@ Maximilian Prang (fff). (Zum neuen Versuch).
Bravouröse Lösung, vor allem im Abdrehen am Ende. Das ist toll. Aber reduzieren Sie den Text jetzt, nehmen Sie alles raus, was geschwätzig ist. Ich geh dazu nur mal über den Anfang und kommentiere, den Rest machen Sie selbständig.Meine Hand greift
Ich bin auf dem Bedeutungshof angelangt. Ich schaue mich um.
Ich schaue auf die Haarparabel.
[DER FOLGENDE ÜBERGANG SITZT NICHT:]
Jetzt will ich es wissen! Definitiv. Ich schließe wiederum meine Augen, denke: Haar. Die Zeichnung aus dem Kinderbuch. Dann der Bedeutungshof. Diesmal gehe ich in die andere Richtung, auf das Licht zu. Meine entschlossenen Schritte treffen auf die Pflastersteine. Einer beginnt zu wackeln. Ich teste seine Festigkeit mit meiner Fußspitze. Unproblematisch. Doch bereits mit dem nächsten Schritt beginnt auch das Gefüge in seinem Umfeld zu wackeln. Vorsichtig setze ich meinen Fuß. Der Boden scheint immer noch zu tragen. Ich bin nicht mehr weit entfernt. Plötzlich beginnen einige Steine nach unten weg zu brechen. Meine Schritte finden immer weniger festen Halt. Das Gefühl des Fallens stellt sich bereits in meinem Körper ein. Jedoch: Mit einem letzten Sprung greife ich das Sandkorn. Ende.
Ich komme mir vor wie Bastian aus der „Unendlichen Geschichte“ [:führt viel zu weit weg!], der das letzte Lichtkorn benennen muss. Ich betrachte es, doch seine Helligkeit blendet mich. Ich kann nichts erkennen. Absolute Dunkelheit.
[VIELLEICHT EINFACH DIE PASSAGE HIERÜBER GANZ STREICHEN UND DAMIT WEITERMACHEN:]
Ich schließe meine Augen und sehe mich selbst mit geschlossenen Lidern vor dem Spiegel stehen, die Hand an der reflektierenden Fläche, an den Axiomen:
Die Haarparabel.
Natürlich! Ich benötige eine andere Sprache, um den definitiv höchsten Punkt, den Anfang meines Kopfes zu finden, eine präzisere. - Die Mathematik.
Errechnung des Maximums der Haarparabel:
Axiome:
2) Das Haar beschreibt eine Normalparabel von der Form: (i) f(x) = - x2
3) Die Parabel berührt das Koordinatensystem im Ursprung
Notwendige Bedingung für ein Maximum: f’(x) = 0; xM : x- Wert im Maximum;
yM : y- Wert im Maximum;
f’(x) = -2x
→ 0 = -2x ↔ xM = 0
Einsetzen in (i) ergibt: f(0) = 0 ↔ yM = 0
Hinreichende Bedingung: f’’(x) < 0
f’(x) = -2x
→ f’’(x) = -2 q.e.d
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/4456014/#4475955





















