Stellen Sie vor sich einen Spiegel auf den Schreibtisch und beginnen Sie zu beschreiben, was Sie sehen. Seien Sie möglichst genau. Beschreiben Sie Ihr Gesicht bis zum Halsansatz. Bitte nur Texte bis zu einer, allenfalls anderthalb TS-Normseiten (à 1800 Zeichen).
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ANH.]
albannikolaiherbst - 17. Nov, 07:30- Rubrik: W E R K S T A T T
Ich halte diesen überlegenen Augen nicht stand. Deshalb fixiere ich meinen Blick auf die Haare, wohl wissend, dass sie meine Schwachstelle sind. Inzwischen sind sie glatt. Mit genügend Haarspray und Geduld ergeben sie sogar eine Frisur. Als Kind hatte ich blonde Locken. Meine Verwandten waren begeistert. Ich war ein kleiner Engel für sie. Passend dazu wurde ich an einem 25.12. geboren. Doch später hasste ich meine Locken, denn sie waren in der Zeit meiner Jugend leider nicht ‚in’. Die Jungs aus den Boy-Groups hatten nämlich alle halb lange, glatte Haare. Also drückte ich mich morgens, bevor ich zur Schule ging, immer abwechselnd rechts und links mit dem Kopf an die Lehne unseres Sofas. Der Haaransatz wurde dadurch tatsächlich gestrafft, allerdings konnte ich das Locken der Haarspitzen einfach nicht verhindern. 70% Gene, 30% Wille. Das sah natürlich aus wie gewollt und nicht gekonnt. Vor allem wenn es regnete oder die Luftfeuchtigkeit sehr hoch war, geriet meine Frisur völlig außer Kontrolle. Ich sah aus wie ein ungeschminkter Clown. Einer meiner Klassenkameraden hatte ein natürliches Gespür für die Eitelkeiten anderer und er nutzte es schamlos aus. Er hänselte mich damit. Locke! Locke! Locke! Ich hasste das Gefühl, nichts dagegen tun zu können - weder gegen meine Haare, noch gegen ihn (er konnte leider Karate). Im Nachhinein ist es lächerlich. Ich nehme es ihm nicht mehr übel, auch den Typen aus der Boy- Group nicht. Trotzdem habe ich auch später noch alle möglichen Anstrengungen unternommen, um meine Haare zu verändern. Einmal pries meine Friseurin mir ein neues Verfahren an, bei dem man die Haarstruktur mit Hilfe eines Mittels öffne, dann die Haare glatt kämme, trockne und schließlich mit einem anderen Mittel die Struktur wieder schließe. Das funktionierte sogar. Allerdings fand ich es etwas seltsam, dass sie beim Auftragen dieser ätzend riechenden Substanz immer Plastikhandschuhe trug. Auf meine Nachfrage antwortete sie (etwas erstaunt über mein Unverständnis): Dieses spezielle Gel dürfe natürlich nicht auf die Haut ihrer Hände kommen! – Aha, das klang logisch. Und dass dieses Gel wohlmöglich über meine Kopfhaut in mein Gehirn einsickerte, schien zum Berufsrisiko zu gehören. Seitdem bleiben meine Haare, wie sie sind. Wenn ich sie mir heute im Spiegel betrachte, dann verraten nur noch vereinzelte, kaum mehr wahrnehmbare Locken an den Stellen, wo sich die ‚Geheimratsecken’ langsam ausbilden, den kleinen Jungen mit den blonden Engelslöckchen. Ich habe gewonnen!
Das gibt mir genug Selbstvertrauen, um mir langsam wieder selbst in die Augen zu schauen. Dabei streift mein Blick die Stirn. Hohe Denkerstirn würde ich jetzt gerne sagen. Aber sie ist weder sonderlich hoch noch von pathetischen Denkfalten zerfurcht, obwohl ich mit großer Ausdauer jeden noch so unnötigen Gedanken mehrmals hinter ihr vorbeischicke. Es hilft nichts, sie ist das, was ich mir ironischer Weise von meinen Haaren immer gewünscht habe: langweilig glatt. Deshalb rutscht mein Blick an ihr herunter zurück zu meinen Augen. Sie sind etwas zu weit in meinem Kopf versteckt und dadurch nicht sonderlich intensiv in ihrer Ausstrahlung. Trotzdem entschlossen. Ich kann in einer Vorlesung dem Blick eines Professors ohne Probleme standhalten, auch wenn ich meistens nachgebe. Man muss ja nicht mit Gewalt aufmüpfig erscheinen. Meine überlegenen Augen sind wohl auch der Grund dafür, warum viele zu mir sagen, ich erscheine unnahbar. Sie wissen nicht, dass diese Augen meistens nach innen Blicken, dass durch sie die Empfindung der Schwäche und Verwundbarkeit als Unnahbarkeit nach außen projiziert wird.
Genauso mein Mund. Sein Ausdruck ist leicht ironisch. Ich habe die dünnen Lippen meiner Mutter, die abgerundeten Zähne meines Vaters, allerdings die Zahnlücke wiederum von meiner Mutter. Wenn ich darüber nachdenke, fällt mir gleich das Wort „zusammengewürfelt“ ein. Die individuellen Merkmale meiner Vorfahren wurden in einen Topf geworfen und in zufälliger Anordnung neu zusammengesetzt. Der Topf war meine Mutter (zugegeben: nicht sehr schmeichelhaft) und die neue Anordnung, das bin Ich – oder zumindest das, was sich da im Spieglein widerspiegelt. Seltsamer Weise wurde ich wegen meiner Zahnlücke nie gehänselt, obwohl sie mir auch peinlich war. Deshalb habe ich mir als Jugendlicher angewöhnt, mehr zu grinsen, als zu lachen. Auf Grund dieser jahrelangen Adaption habe ich inzwischen ein sehr breites Grinsen. Es wird nicht so schnell zu einem Lachen. Die überlegene Ironie meines Mundes ist also ebenfalls nur eine Schwäche, die sich mit der Zeit an die Oberfläche meines Gesichts gearbeitet hat. Ein sehr guter Freund von mir nennt mich Schmunzelhase, wenn er auf diesen Makel anspielen will, ohne ihn direkt auszusprechen. Damit kann ich umgehen. Schmunzelhasen erfahren im allgemeinen Sympathie, ansonsten würden sie nicht von der Werbung missbraucht. Letztens hat mir dann eine gute Freundin offenbart, ich sehe aus wie der kleine, lila Dinosaurier aus dem Film „Ein Land vor unserer Zeit“. Ich weiß nicht, was ich mit dieser Aussage anfangen soll. Dazu müsste ich wohl herausfinden, was dieser Film in der psychischen Tiefenstruktur dieser Frau für eine Rolle spielt. Es hat bestimmt etwas mit Sex zu tun. In der Oberstufe habe ich zufällig mitbekommen, dass einige meiner Klassenkameraden mich hinter meinem Rücken „Mr. Frog“ nannten. Das hat mich zuerst etwas verletzt, allerdings zeigte die Heimlichtuerei auch, dass sie zuviel Respekt hatten, um mich direkt damit zu konfrontieren. Meine Augen hatten mit ihrer inszenierten Entschlossenheit wohlmöglich die Lächerlichkeit kompensiert. Insgesamt funktioniert mein Gesicht also anscheinend ganz gut. Es täuscht sogar mich selbst. Ich würde den Begriff ‚Maske’ verwenden, wenn ihn nicht schon ein anderer verbraucht hätte.
Damit komme ich zu den Merkmalen, die mir selbst weniger ins Auge fallen und ergo auch keine große Rolle in meinem Erscheinungsbild spielen können. Meine Nase und meine Ohren sind wenig markant, weil ohne größere Abweichungen von der Norm. Beim Anblick meiner etwas stärker ausgeprägten Wangenknochen werde ich mich wohl ewig an meine Großmutter auf dem Sterbebett erinnern. Ihr Gesicht war vom langen Kampf so eingefallen, dass ihre markanten Wangenknochen zwischen den verklungenen Gesichtszügen hervor ragten. Sie wurden über meine Mutter auch an mich weitervererbt, allerdings treten sie bei mir etwas weniger in den Vordergrund, da mein Gesicht insgesamt breiter angelegt ist. Das wiederum führe ich auf die Gene meines Großvaters mütterlicherseits zurück. Er hat einen großen, runden Kopf. In meiner Gegend gibt es einen Begriff, der mit seiner lautlichen Plumpheit dieses Phänomen treffend beschreibt: „Wersching“.
Meine Großmutter starb nach jahrelanger Krankheit in den Morgenstunden eines 26.12., also nur wenige Stunden nachdem ich mit einigen Freunden noch meinen Geburtstag gefeiert hatte. Ich lag gerade im Bett, als das Telefon klingelte. Mir war sofort klar, was passiert sein musste. Die Krankenpflegerin, die meiner Mutter und ihrer Schwester bei der Pflege der herzschwachen und demenzkranken Frau behilflich war, hatte uns schon darauf vorbereitet, dass sie Weihnachten wahrscheinlich nicht überleben würde. Ich ging in die Küche, hörte meine Mutter im Nebenraum telefonieren. Die Krankenpflegerin übermittelte ihr die Nachricht, weil mein Großvater zu aufgelöst war. Ich kann nie vergessen, was meine Mutter darauf antwortete. Sie sagte nur: „Ja, sie hat es hinter sich gebracht“, in einem tröstenden und abgeklärten Ton, als müsste sie der Krankenpflegerin den Schmerz nehmen, als stünde es ihr selbst nicht zu, über diese Nachricht zu klagen. Dann kam sie in die Küche. Ich stellte die völlig überflüssige Frage, was los sei. Sie wollte auch mich irgendwie davor schützen: „Es ist gut. Sie hat es hinter sich gebracht.“ Dann fing sie an zu weinen und die Tränen liefen über ihre markanten Wangenknochen.
Daran erinnere ich mich, während ich vor dem Spiegel stehe.
Dieser Text erscheint wahrscheinlich sehr ehrlich. Das Verlogene daran ist: Ich habe nicht wirklich in den Spiegel geschaut.
ja wirklich....
"Ich habe nicht wirklich in den Spiegel geschaut. "
Eben. Aber Sie haben, wie auch andere jetzt, eine pfiffige Methode gefunden, das Problem der gestellten Aufgabe zwar nicht zu lösen, aber elegant zu umgehen. Der Text ist tatsächlich auch ganz schön; ich würde ihn aber straffen, damit die Struktur "Die Maus. Die Maus ist ein kleines Tier. Es ist kleiner als der Elefant. Der Elefant. Der Elefant lebt in Afrika und zieht in Gruppen über die Savanne. Die Savanne. Die Savanne ist eine Steppenlandschaft..." usw... damit diese Struktur nicht irgendwann nervt.
Ein paar Hinweise noch. Erstmal sprachlich: "Die Haare", im Plural, meint im Deutschen a l l e Körperhaare, zusammengenommen; spricht man vom Bewuchs auf dem Kopf, so ist das "das Haar", also "mein Haar ist glatt". Das geht derzeit verloren, aber wenn man es aufhalten kann, hat das ja etwas für sich: weil es differenziert.
Versuchen Sie, räsonnierende Passagen zu vermeiden, vor allem dann, wenn sie mit Ironie aufgemischt werden. Das bekommt schnell etwas Gewolltes, das, um zu funktionieren, das Wohlwollen des Lesers braucht. Das kriegen Sie aber nur dann, wenn Sie ihm nach dem Munde reden; was sicherlich nicht unbedingt in Ihrem Sinn ist. Ich meine hier so etwas wie "Das gibt mir genug Selbstvertrauen" usw.; es gibt mehrere derartige Stellen in dem Text; sie dehnen alle das Tempo und lassen es durchhängen. Einfach streichen, direkt erzählen, das wirkt sehr viel mehr. So etwas zum Beispiel ist einfach nur kalauerndes Blabla: "Dazu müsste ich wohl herausfinden, was dieser Film in der psychischen Tiefenstruktur dieser Frau für eine Rolle spielt. " Kein Mensch wird glauben, daß der Erzähler seine Formulierung ernstmeint; wenn er sie aber nicht ernstmeint, kann er sie sich sparen, oder aber sie soll etwas verdecken. Auch dies hier: "Hohe Denkerstirn würde ich jetzt gerne sagen. Aber sie ist weder sonderlich hoch noch von pathetischen Denkfalten zerfurcht, obwohl ich mit großer Ausdauer jeden noch so unnötigen Gedanken mehrmals hinter ihr vorbeischicke." ist rein geulkt. Warum? Welche Funktion hat das, wenn nicht die einer Ablenkung. So daß ich mich sofort frage: Wovon s o l l abgelenkt werden?
Stark wird der Text in dem Moment, in dem die Großmutter ins Spiel kommt. Versuchen Sie einmal, über zwei Ausschweifungen, die aber knapper gehalten sind, zu ihr hinzukommen. Nehmen Sie vor allem alle - indirekte - Larmoyanz aus dem Text. Einfach nur erzählen.
Das Ende, übrigens, hängt durch, auch die Pointe ist ja eigentlich keine, weil schon der ganze Text sie erzählt hat. Andererseits ist es möglich, daß Sie d o c h in den Spiegel geschaut haben... Sie aber, nicht etwa der Erzähler. Auch hier ist ein Unterschied zu machen.
Es hat mir Spaß gemacht, Deinen Text zu lesen. Er stimme mich nachdenklich, traurig, brachte mich zum Lachen und zeigte mir weitere interessante Facetten Deiner Persönlichkeit.
Ein mutiger, da ehrlicher Text!
Der süßliche Geschmack einer Krankheit steigt mir aus der Rachentiefe in den Mund, den ich öffne, um besser atmen zu können, so dass man meine kleine Zahnlücke sehen kann, zwischen den beiden oberen Schneidezähnen, von der mir schon gesagt wurde, sie sei das hübscheste an mir, wie bei Madonna. Die Zahnlücke umgeben und betonen wie ein Rahmen die aufgesprungenen Lippen, im rechten Mundwinkel rot eingerissen, meine Zunge sucht immer wieder die wunde Stelle. Die immerwährende Blässe meiner Haut ist noch porzellanener als sonst, sich bis in die Tiefe des Dekolletés, bis zwischen die Brüste noch steigernd zu einer alabasternen Durchsichtigkeit, durch welche bläuliche Adern hindurchscheinen. Selbst die Heiterkeit der Sommersprossen auf Nasenrücken und Wangen ist hinweggefegt von Winter und Siechtum. In meinen Gesichtszügen vermischt sich das böhmische Blut meiner Mutter, für die Höhe der Wangenknochen verantwortlich, mit dem preußisch-fränkischen meines Vaters, zuständig für das Blond meiner Wimpern und Blau meiner Augen. Doch die Vermischung schwächt ab und so verfüge ich nicht über die vollen Lippen und die Hohlwangigkeit meiner Mutter, welche die Höhe der Backenknochen erst betonen würde und meine Augenfarbe ist zu einem Graublau abgelindert, wenig strahlend und nur ausnahmsweise vor Fieber glänzend. Bekränzt von meinen farblosen Wimpern, überdacht von dichten Augenbrauen – und jedes einzelne Haar der Brauen ist länger als gewöhnlich – wirken meine Augen kühl, analytisch, liegen beobachtend, forschend und distanziert in ihren Höhlen, hinter randlosen Brillengläsern. Dazu passt die relative Höhe der Stirn, auf der sich schon erste Quer- und Längsfalten abzuzeichnen beginnen, zu oft durch grübelndes oder skeptisches Heben und Zusammenkneifen der Brauen durchfurcht. Wie mit kurzen Feuerzungen wird meine bleiche, heiße Stirn umrahmt vom Dunkelrot der hennagefärbten, dicken und störrischen Haare, das Rosshaar meiner Großmutter lebt fort auf meinem Haupt und plustert sich auf um mein krankes Bleichgesicht.
Das hat was, das h ä l t die Balance zwischen dem, was Sie sehen, und dem, was Sie denken/assoziieren. Sehr schön. Dennoch, weg mal von dem Expressionismus und hin in die Kälte. Ich setze mal das Messer an:
Der süßliche Geschmack einer Krankheit steigt mir aus der Rachentiefe in den Mund, den ich öffne, um besser atmen zu können, so dass man mMeine kleine Zahnlücke sei, heißt es sehen kann, zwischen den beiden oberen Schneidezähnen, von der mir schon gesagt wurde, sie sei das hübscheste an mir, wie bei Madonna. Die Zahnlücke umgeben und betonen wWie ein aufgesprungener Rahmen die aufgesprungenen Lippen, im rechten Mundwinkel rot eingerissen. , mMeine Zunge sucht immer wieder die wunde Stelle. Die immerwährende Blässe meiner Haut ist noch porzellanener als sonst, sich bis in die Tiefe des Dekolletés, bis zwischen die Brüste noch steigernd zu einer alabasternen Durchsichtigkeit, durch welche bläuliche Adern hindurchscheinen [Die Brüste gehörten nicht zur „Aufgabe“.]. Sselbst die Heiterkeit der Sommersprossen auf Nasenrücken und Wangen ist hinweggefegt von Winter und Siechtum [Siechtum fegt?]. In meinen Gesichtszügen vermischt sich das böhmische Blut meiner Mutter, die für die hohen Höhe der Wangenknochen verantwortlich zeichnet, mit dem preußisch-fränkischen meines Vaters, der mir zuständig für das Blond meiner Wimpern gab und das Blau meiner in die Augen. Doch die Vermischung schwächt ab. und so Ich verfüge ich nicht über die vollen Lippen und die Hhohlwangigkeiten Wangen der meiner Mutter, welche die Höhe der BackenWangenknochen erst betonen würde, und meine Augenfarbe ist lind zu einem Graublau abgelindert, wenig strahlend und nur ausnahmsweise vor Fieber glänzend. Bekränzt von meinen farblosen Wimpern, überdacht von dichten Augenbrauen – und jJedes einzelne Haar der Brauen ist länger als gewöhnlich –, wirken meine Augen kühl, analytisch, und liegen beobachten d, forschend und distanziert in ihren Höhlen, hinter randlosen Brillengläsern. Dazu passt die relative Höhe [Das ist Unfug, „relative Höhe“, ist nur Gedöhns.] der Stirn, auf der sich schon erste Quer- und Längsfalten abzuzeichnen beginnen, zu oft durch grübelndes oder skeptisches Heben und Zusammenkneifen der Brauen durchfurcht. [All das weg. Dann aber, Tusch!:] Wie mit kurzen Feuerzungen wird meine bleiche , heiße Stirn umrahmt vom heißen Dunkelrot der hennagefärbtenn, dicken und störrischen Haares:, damit das Rosshaar meiner Großmutter fortlebten kann fort auf meinem Haupt und plustert sich auf um mein krankes Bleichgesicht.
Und ZACK!!! steht das Portrait d a – und hat noch ein Schicksal im Nacken.
Sie wissen selbst, dass Sie etwas anderes aus meinem Text machen. An manchen Stellen gefällt mir das sehr gut (z.B. der 'aufgesprungene Rahmen' und 'das Blau in die Augen', das 'heiße Dunkelrot' und mit der 'relativen Höhe' haben Sie ganz Recht), an anderen weniger: 'verantwortlich zeichnet'? Das klingt mir zu bürokratisch, zu kalt... Und: meine Augenfarbe sei 'lind'? Da muss ich an lindgrün denken, nein, das gefällt mir so nicht. Außerdem hätte ich in Ihrer Version gleich drei Mal 'Wangen' im Text, aber das ist ja nur eine Kleinigkeit... Was hielten Sie davon, wenn Winter und Siechtum die Sommersprossen 'hinweggebleicht' hätten?
Daß nicht alles, was ich hier - schon umständehalber - recht spontan zu einem Text schreibe, auch, wie ich ihn ändere, der Weisheit letzter Schluß ist, sollte allen klar sein. Es ist ja auch niemals m e i n Text, sondern immer Ihrer.
Dennoch: Ich habe einen Blick auf den Focus von Texten, auf ihr Inneres... und man sollte nicht unterschätzen, wie oft dieses völlig an den Intentionen der jeweiligen Autoren vorbeigeht; viele (das betrifft auch mich selbst) wissen oft gar nicht, was sie eigentlich geschrieben/ausgesagt haben. Ich pflege deshalb, nahezu ausschließlich den formalen Möglichkeiten eines Textes zu folgen, bzw. sie freizulegen: Was daran ist Literatur, und was daran ist die Meinung des Autors. Beides ist in den seltensten Fällen deckungsgleich. Um es härter zu formulieren: Was ein Autor beabsichtigt hat, ist völlig bedeutungslos angesichts dessen, was in einem Literaturstück s t e c k t. (Unter anderem deshalb hatte Edgar Poe ein absolutes Recht zum Plagiat an Clauren - es geht um den Fall des Hauses Usher -, und zwar hatte er es deshalb, weil er es b e s s e r machte.)
verstehen Sie meine Anmerkungen nicht als Vorwurf an Sie: ich bin sehr angetan von Ihrem Vorgehen, ich glaube viel dabei lernen zu können (sonst würde ich hier nicht teilnehmen), ich danke Ihnen sehr für Ihre Vorschläge und Ideen! Ich wollte nur meine Überlegungen zu manchen Stelle noch anführen.
Völlig okay und klar. Es geht mir n i c h t, in überhaupt keiner Weise, darum, aus Ihrer aller Texte eigene zu basteln, sondern rein um eine Arbeit an der Poetik. Ich muß mit Ihnen sprechen, wie ich es mit einem Kollegen tue, den ich - weil ich seine Arbeit kenne - hochschätze; alles andere wäre pädagogischer Mist. Es hat ja seinen Grund, daß ich ein virtuelles Seminar eingerichtet habe: Wir unterhalten uns hier miteinander, wie je sich Dichter mit "lieber Leser" unterhielten; wir selbst wir er sind - hier - Abstracta.
Ich will mich - entweder gleich noch, aber ich sollte schlafen gehen, oder später - zu meiner speziellen Aufgabenstellung noch einmal direkt äußern. Die geradezu herrliche/frouwliche Reaktionsbildung
>>>> d a, und mit einem solchen Ergebnis, reizt mich, alles auf das Material der Aufgabenstellung zurückzuführen und zu verschärfen.
Ich blicke in den Spiegel und entdecke einen Lehmklumpen, der fein säuberlich zu einem runden Gesicht modelliert ist. Es ist immer das gleiche Gesicht und doch wirkt es jeden Tag anders, wirkt es jeden Tag verändert. Ich sehe diese blaugrauen Augen, die an eine glückliche Kindheit erinnern, was dieser müde Blick einen jedoch schnell vergessen lässt.
Ich sehe diese schmale lange Nase, die das Gesicht in zwei Hälften teilt und dem genauen Betrachter verrät, dass dieses runde Gesicht nicht ganz symmetrisch ist.
Ja, was sehe ich noch? Eigentlich nichts Auffälliges. Nur ein einfaches Abbild. Ein verzerrtes Abbild noch dazu. Wie ein schlecht eingestellter Fernseher wirkt der Spiegel auf mich. Es flackert alles vor meinem inneren Auge. Manchmal gelingt es mir einen kurzen Blick auf etwas richten zu können. Da leuchtet ganz kurz der Mund auf, der mit seinen wohlgeformten Lippen in der Horizontalen schwebt. Ich benutze ihn zum Reden und zum Essen.
Mein Blick schweift wieder ab. Wandert weiter in diesem Gesicht umher. Es wirkt so fremd, so weit weg. Der Spiegel flackert wieder. Eine Dame schreitet ins Bild und deutet lächelnd mit ausgestrecktem Arm auf meine nicht sehr hohe Stirn. „Ein Tiefdruckgebiet hat sich heute Morgen hier gebildet. Es wird wohl gegen Nachmittag weiter in den Süden wandern!“, sagt sie fachmännisch und starrt mich dabei aufdringlich an. Meine Mundwinkel wandern langsam nach unten. Und während ich noch versuche diese Fee genauer zu betrachten, da ist sie auch schon verschwunden und lässt mich mit meinem gefangen Gesicht im Spiegel allein. Verlegen streiche ich über meine glatten dunkelblonden Haare und wandere über meine ebenmäßige Haut, die hier und da narbige Erlebnisse gespeichert hat. Ich versuche noch mehr zu entdecken, ich versuche mich in diesem Spiegel zu finden, zu erkennen. Doch wieder zerfließt alles nur so. Was zeigt mir eigentlich dieser Spiegel? Bin ich das denn wirklich? Der Spiegel fragt nie, er antwortet jedoch auch nie. Ich könnte ihn wahrscheinlich sowieso nicht verstehen. Denn er ist zu glatt und viel zu hart. Er wirkt anorganisch und tot. Er zeigt nur Identitäten, besitzt jedoch selbst keine.
Und woher kann ich wissen, dass dieser Spiegel nicht doch lügt und mir falsche Bilder widerspiegelt? Spiegel müssen schließlich diese Eigenschaft besitzen, denn wie könnte es sonst passieren, dass junge abgemagerte Mädchen nur ein dickes und hässliches Ich in ihnen wieder finden können.
Immer wieder streift mein Blick über ihn, mir will es nicht mehr gelingen mich zu sehen, ich sehe nur noch ihn und seine Macht. Nein, ich kann unmöglich noch etwas Wahres in ihm entdecken. Er ist zu glatt, er ist zu hart.
Was an diesem Text scheitern läßt, ist, daß da spontan eine Warnleuchte angeht: Du darfst hier
>>>> das Messer nicht ansetzen! Das ist immer das erste Indiz dafür, es sei keine Lösung vom Urheber erfolgt; wer hier schneidet, schneidet i h n, nicht etwa schnitzt er an der Ästhetik.
Andererseits. Es gibt wirklich verfolgenswerte Ansätze darin. Tun Sie mir bitte den Gefallen und streichen alles weg, was ein Kommentar (Selbstkommentar) ist, z.B.: „es ist immer das gleiche Gesicht“. Weg damit, weil die Aufgabe ist, nur j e t z t in den Spiegel zu sehen und nicht immer gleich das mitzusehen, was Sie erfuhren/was Ihnen widerfuhr. Ich schreib mal hinter einzelne Formulierungen meine Anmerkungen, ohne in diesem Fall von mir aus etwas zu verändern:
Ich blicke in den Spiegel und entdecke einen Lehmklumpen, der fein säuberlich zu einem runden Gesicht modelliert ist. Es ist immer das gleiche Gesicht und doch wirkt es jeden Tag anders, wirkt es jeden Tag verändert [Rein räsonniert.]. Ich sehe diese blaugrauen Augen, die an eine glückliche Kindheit erinnern [Wie das? Blaugraue Augen erinnerten mehr an sie als, sagen wir, braune?], was dieser müde Blick einen jedoch schnell vergessen lässt.
Ich sehe diese schmale lange Nase, die das Gesicht in zwei Hälften teilt und dem genauen Betrachter [Wer ist gemeint?] verrät, dass dieses runde Gesicht nicht ganz symmetrisch ist.
Ja, was sehe ich noch? [Pure Rhetorik, in der Musik würde man notieren: „nicht schleppen!“] Eigentlich nichts Auffälliges [Leere Formel.]. Nur ein einfaches Abbild. Ein verzerrtes Abbild noch dazu. Wie ein schlecht eingestellter Fernseher [Fernseher kann man schlecht einstellen? Und wenn ja: Dann wäre das Bild verschneit, oder? Trifft das auf einen Spiegel zu?] wirkt der Spiegel auf mich. Es flackert alles vor meinem inneren Auge. Manchmal gelingt es mir einen kurzen Blick auf etwas richten zu können. Da leuchtet ganz kurz der Mund auf, der mit seinen wohlgeformten Lippen in der Horizontalen schwebt. Ich benutze ihn zum Reden und zum Essen.
Mein Blick schweift wieder ab. Wandert weiter in diesem Gesicht umher. Es wirkt so fremd, so weit weg. Der Spiegel flackert wieder. Eine Dame schreitet ins Bild und deutet lächelnd mit ausgestrecktem Arm auf meine nicht sehr hohe Stirn. „Ein Tiefdruckgebiet hat sich heute Morgen hier gebildet. Es wird wohl gegen Nachmittag weiter in den Süden wandern!“, sagt sie fachmännisch und starrt mich dabei aufdringlich an. Meine Mundwinkel wandern [Das stammt aus der U-Literatur; k e i n gutes Bild.] langsam nach unten. Und während ich noch versuche diese Fee [Wieso Fee?] genauer zu betrachten, da ist sie auch schon verschwunden und lässt mich mit meinem gefangen Gesicht im Spiegel allein [D a würde ich ansetzen: bei dem g e f a n g e n e n Gesicht!]. Verlegen [Wieso verlegen? Ist n o c h jemand da?] streiche ich über meine glatten dunkelblonden Haare [Siehe oben: „Mein dunkelblondes H a a r“. Wichtig.] und wandere über meine ebenmäßige Haut, die hier und da narbige Erlebnisse gespeichert hat [Das geht nicht. Man kann nicht halbschwanger sein. 1 oder 0. Eine ebenmäßige Haut hat keine Narben, oder sie ist eben nicht ebenmäßig.] Ich versuche noch mehr zu entdecken, ich versuche mich in diesem Spiegel zu finden, zu erkennen. Doch wieder zerfließt alles nur so. Was zeigt mir eigentlich dieser Spiegel? Bin ich das denn wirklich? Der Spiegel fragt nie, er antwortet jedoch [Wieso „jedoch“?] auch nie. Ich könnte ihn wahrscheinlich sowieso nicht verstehen. Denn er ist zu glatt und viel zu hart. Er wirkt anorganisch und tot. Er zeigt nur Identitäten [Zeigt er die? Falls ja, woher dann die Zweifel? Er zeigt sie eben n i c h t.], besitzt jedoch selbst keine.
Und woher kann ich wissen, dass dieser Spiegel nicht doch lügt und mir falsche Bilder widerspiegelt? Spiegel müssen schließlich diese Eigenschaft besitzen, denn wie könnte es sonst passieren, dass junge abgemagerte Mädchen nur ein dickes und hässliches Ich in ihnen wieder finden können. [Hier gehen Sie einfach zu weit: die Aufgabe wollte nur das Gesicht, nicht anderes. Aufpassen, bei der Sache bleiben!]
Immer wieder streift mein Blick über ihn, mir will es nicht mehr gelingen mich zu sehen, ich sehe nur noch ihn und seine Macht. Nein, ich kann unmöglich noch etwas Wahres in ihm entdecken. Er ist zu glatt, er ist zu hart.
Verstehen Sie die Richtung? Sie können die Assoziationen freilassen, aber nicht sie freilassen u n d sie nicht-freilassen.
Ich muss zugeben, dass ich Ihnen nicht ganz folgen kann. Warum haben Sie eigentlich meinen Text mit dem Text von Sprachspielerin verlinkt? Das erscheint mir gerade nicht ganz schlüssig. Und was meinen Sie mit der Warnleuchte? Mir ist klar, dass mein Text nicht ganz der gestellten Aufgabe folgt. Ich habe eben im Spiegel nicht nur mich entdeckt, sondern eben auch den Spiegel selbst.
Mit den blauen Augen wollte ich nur erwähnen, dass sie mich an meine Kindheit erinnern, also nicht, dass nur blaue Augen an eine Kindheit erinnern können.
Ich hätte wohl besser schreiben sollen „wie ein kaputter Fernseher“, denn hier gibt es sehr wohl als verzerrte Bilder. Mit der „Fee“ wollte ich einfach nur auf eine Wetterfee hinweisen. Und ich werde eben „verlegen“, da ja gerade die Wetterfee mich angeblickt hat. Mit der ebenmäßigen Haut muss ich Ihnen natürlich Recht geben, ich wollte eben beides unterbringen, was nicht wirklich gelungen ist. Und Sie haben natürlich auch Recht, dass der Spiegel keine Identitäten zeigt.
Sie bleiben zu nah an sich selbst. Anders gesagt: Sie schützen sich zu sehr. Literatur bedeutet
1) gnadenlosen Exhibitionismus
2) Verstellung des Exhibitionismus'
3) begreifen, daß man selbst nichts als ein zu formendes Material ist. Das wiederum heißt, daß Ihre (auch meine) konkrete Kindheit überhaupt von keinem anderen Interesse als einem materialen ist.
"Wetterfee": So nennt man unterdessen Ansagerinnen des Wetterberichtes im Fernsehen. Das müssen Sie, wenn Sie den Begriff verwenden, mitreflektieren.
So eine dämliche Aufgabe, sie weiß doch, wie sie aussieht. Ihren Unwillen erkenne ich schon an ihren verächtlich verzogenen Mundwinkeln. Sie sollte nicht so abwertend dreinblicken, Gesichtsausdrücke dieser Art enstellen selbst den schönsten Menschen. Ich sehe ihr direkt ins Gesicht und fühle mich etwas schizophren. Auf dem Spiegel steht mit dunkelrotem Lippenstift (den sie nie benutzt) "Es gibt nichts Gutes-außer man tut es" geschrieben und harmoniert wunderbar mit der Baustellenbeleuchtung außenherum.
Also schön, konzentrieren wir uns auf die Beschreibung des Spiegelbilds im Dreiviertelprofil. Ihr Gesicht ist ganz okay, finde ich. Diesen ewigen Symmetrie-Hype kann ich gar nicht verstehen, ich sehe doch zwei Augen, halbwegs auf einer Höhe, eine Nase, die nicht krumm ist, untendrunter, der Mund steht auch nicht schief und die Ohren sind halbwegs an ihrem vorgesehenen Platz. Solange man diese Kriterien einigermaßen erfüllt, ist es ziemlich vermessen, von Asymmetrie zu sprechen.
Die Haare, heute mal im Zopf, sind lang, hellbraun oder dunkelblond, wellig, und fallen halt irgendwie. Ich denke, dass mein Spiegelich ganz hübsch ist. Gut, ein paar Sommersprossen, hier und da ein Stressknopf, aber das sind ja Indikatoren für sensible Haut, und wer ist in diesen Tagen nicht gerne sensibel. Vielleicht sind ihre Nasenlöcher ein bisschen groß. Sie kann sie lustig aufblähen und so tun, als sauge sie jemanden damit ein, natürlich nur, wenn einer mitspielt. Bei diesem Gedanken muss sie ein bisschen grinsen. Der Mund ist breit, die Lippen sind voll. Früher sagten die Schulkameradinnen manchmal Breitmaulfrosch, aber die waren sowieso nur neidisch mit ihren verkniffenen Oboenspielerlippen. Ich würde etwas Derartiges wahrscheinlich auch zu einer 13jährigen sagen, die mit hellgrünem Lidschatten experimentiert und ein Snickers quer verschlingen kann. Jetzt konzentriere ich mich genauer auf die Mundpartie und sehe, was nur die Eingeweihten bewusst erkennen können: eine winzige Narbe links unter der Lippe, da hätte glatt mal ein Piercing durchgehen können. Jedem, der es hören will, erzählt sie stolz, dass sie sich diese Stelle selbst durchgebissen hat. Apropos Zähne, mein Spiegelbild grinst ja gerade: Da scheint auch alles in Ordnung zu sein. Lächelt noch nicht zu gelblich, die Zahnreihen sind keine Friedhöfe, machen einen wohlgeordneten geraden Eindruck, und das ohne langjährige Zahnspangentortur.
Wieder nach oben. Augen. Überschätztes Attraktivitätsmerkmal. "Oh, ich kann mich ja stundenlang in Deinen Augen verlieren!" "Ich schau immer zuerst auf die Augen!" So ein Blödsinn. Mit ihren Braun-grünen sieht SIE zumindest immer zuerst auf den Hintern. Jemand meinte mal, auch dunkelblaue Ringe erkennen zu können, bei bestimmtem Lichteinfall, aber das war wahrscheinlich wieder so ein romantisch-verirrter Augenfetischist. Jedem das Seine, les gouts et les couleurs ne se discutent pas.
Was gibt es noch zu beschreiben an einem Gesicht? Ich sehe, dass sie wie immer nicht geschminkt ist, die Augenbrauen ungezupft, viel zu viel Arbeit. Glücklicherweise kein Damenbartansatz. Das Kinn ist weder zu groß noch besonders klein, der Hals ganz schön, wenn er denn nicht durch die Haarmatte verdeckt wird. Ihre Gesichtsform fällt wohl am ehesten in die Kategorie "verbreitertes Oval", gesetzt den Fall, es gibt eine solche Sparte. Mittlerweile ist auch der Gesichtsausdruck wieder neutral, und ich verstehe nun die italienische Mutter einer meiner Bekannten, die seit langem als erste mein Alter richtig schätzte: bah, non sei una DONNA, capisce?
Zeit zu altern habe ich noch, aber die werde ich sicherlich nicht sitzenderweise vorm Spiegel verbringen.
Prima Text, frech und übrigens auch erotisch. Das geht schon mal mit dem Unwillen los („Arschloch, das, was gibt er einer da für Zeug auf, ihre Zeit zu vertun?“ - nun, ja, vertan ham Sie sie nicht). Selbstportrait durch Zickung.
Dennoch im einzelnen:
So eine dämliche Aufgabe, sie weiß doch, wie sie aussieht. Ihren Unwillen erkenne ich schon [direkter erzählen; nicht kommentieren, auch möglichst wenig referieren; es wird dann härter, auch diese – berechtigte – Zickenbewegung.] an ihren verächtlich verzogenen Mundwinkeln. Sie sollte nicht so abwertend dreinblicken, Gesichtsausdrücke dieser Art enstellen selbst den schönsten Menschen [Das ist geblödelt. Unnötig.]. Ich sehe ihr direkt ins Gesicht und fühle mich etwas schizophren. Auf dem Spiegel steht mit dunkelrotem Lippenstift (den sie nie benutzt) "Es gibt nichts Gutes-außer man tut es" geschrieben und harmoniert wunderbar [„harmoniert wunderbar“ ist in sich redundant.] mit der Baustellenbeleuchtung außenherum.
Also schön [Quatsch. Reine Rhetorik und als Behelfsmäßigkeit, um den plaudernden Einstieg zu finden, zu auffällig.] , konzentrieren wir uns auf die Beschreibung des Spiegelbilds im Dreiviertelprofil. Ihr Gesicht ist ganz okay, finde ich [Hier stimmt das Geplauder.]. Diesen ewigen Symmetrie-Hype kann ich gar nicht verstehen, ich sehe doch zwei Augen, halbwegs auf einer Höhe, eine Nase, die nicht krumm ist, untendrunter [s e h r schön, dieses „untendrunter“.], der Mund steht auch nicht schief und die Ohren sind halbwegs an ihrem vorgesehenen [„vorgesehen“ ist zu papieren.] Platz. Solange man diese Kriterien einigermaßen erfüllt, ist es ziemlich vermessen, von Asymmetrie zu sprechen.[Das ist jetzt ungenau, weil von „Kriterien“ ja nie die Rede war, sondern Sie auf der wenn auch spöttischen Beschreibungsebene bleiben und das auch ganz zu recht tun.]
Die Haare [das Haar (!!!)], heute mal im Zopf, sind lang, hellbraun oder dunkelblond, wellig, und fallen halt irgendwie. Ich denke, dass mein Spiegelich ganz hübsch ist. Gut, ein paar Sommersprossen, hier und da ein Stressknopf, aber das sind ja Indikatoren für sensible Haut, und wer ist in diesen Tagen nicht gerne sensibel [Denken Sie, wenn Sie so formulieren, daß bei einer Frau „in diesen Tagen“ doppelt besetzt ist – nur als Bemerkung, damit Sie sich nicht versehentlich eine nichtgewollte Bedeutung mit hineinholen. - Und h i e r mal vom „vielleicht“ weggehen:]. Vielleicht sind ihre Nasenlöcher ein bisschen groß. Sie kann sie lustig aufblähen und so tun, als saugt [Irrealis]e sie jemanden damit ein, natürlich nur, wenn einer mitspielt. Bei diesem Gedanken muss sie ein bisschen grinsen. Der Mund ist breit, die Lippen sind voll. Früher sagten die Schulkameradinnen manchmal Breitmaulfrosch, aber die waren sowieso nur neidisch mit ihren verkniffenen [Nicht verdoppeln, das Bild ist stark genug:] Oboenspielerlippen. Ich würde etsowas Derartiges wahrscheinlich auch zu einer 13jährigen sagen [s c h n e l l bleiben!:], die mit hellgrünem Lidschatten experimentiert und ein Snickers quer verschlingen kann. Jetzt konzentriere ich mich genauer auf die Mundpartie und sehe, was nur die Eingeweihten bewusst [Eingeweihte bewußt? Erkennen ist erkennen, sehen ist sehen.] erkennen können: eine winzige Narbe links unter der Lippe, da hätte glatt mal ein Piercing durchgehen können. Jedem, der es hören will, [Floskel, unnötig.] erzählt sie stolz, dass sie sich diese Stelle selbst durchgebissen hat. Apropos Zähne, mein Spiegelbild grinst ja gerade: Da scheint auch alles in Ordnung zu sein. Lächelt noch nicht zu gelblich, die Zahnreihen sind keine Friedhöfe, machen einen wohlgeordneten geraden Eindruck, und das ohne langjährige Zahnspangentortur.
Wieder nach oben. Augen. Überschätztes Attraktivitätsmerkmal. "Oh, ich kann mich ja stundenlang in Deinen Augen verlieren!" "Ich schau immer zuerst auf die Augen!" So ein Blödsinn. Mit ihren Braun-grünen sieht SIE zumindest immer zuerst auf den Hintern [Klasse! Ja, Ehrlichkeit gehört dazu. Augen fangen Licht e i n und strahlen es nicht aus.]. Jemand meinte mal, auch dunkelblaue Ringe erkennen zu können, bei bestimmtem Lichteinfall, aber das war wahrscheinlich wieder so ein romantisch-verirrter Augenfetischist [Schon klar, nur holen Sie sich hier einen ungewollten Nebensinn mit hinein: die dunkelblauen Ringe könnten auch Schatten unter den Augen sein, von zu viel Rave und wenig Schlaf.]. Jedem das Seine, les gouts et les couleurs ne se discutent pas.
Was gibt es noch zu beschreiben an einem Gesicht? [Abermals gefloskelt. Das retardiert Ihren Text. Unfug, weglassen.] Ich sehe, dass sie wie immer nicht geschminkt ist, die Augenbrauen ungezupft, viel zu viel Arbeit. Glücklicherweise kein Damenbartansatz. Das Kinn ist weder zu groß noch besonders klein, der Hals ganz schön, wenn er denn nicht durch die Haarmatte verdeckt wird [Ungenauigkeit: schön nämlich auch dann, w e n n er verdeckt ist, also w e n n er schön ist. Man sieht's dann nur nicht.]. Ihre Gesichtsform fällt wohl am ehesten in die Kategorie "verbreitertes Oval" [Abermals „Kategorie“. Ist das eine? Nicht jedes Wort läßt sich umgangssprachlich gut verschleifen, man hat sonst die Trauerränder zu langer Fingernägel am metaphorischen Hals, und die sind alles andere als auf Hygiene bedacht.], gesetzt den Fall, es gibt eine solche Sparte [Ecco! „Sparte“/“Kategorie“... Sie merken's ja selber... Ihre Sprache merkt das Ungenügen und muß nachlegen...]. Mittlerweile ist auch der Gesichtsausdruck wieder neutral, und ich verstehe nun die italienische Mutter einer meiner Bekannten [dieser Übergang ist leider nicht flüssig.], die seit langem als erste mein Alter richtig schätzte: bah, non sei una DONNA, capisce? [In più, quella non è una ragazza, ma una carogna!]
Zeit zu altern habe ich noch, aber die werde ich sicherlich nicht sitzenderweise vorm Spiegel verbringen. [Gänzlich unnötige Anmerkung für den Dozenten, der das nach diesem Text eh weiß und sich nun, textredundanzhalber, genußvoll einen Siegerpunkt einstreichen darf. Das kann des Biestes Absicht kaum sein].
Jetzt liegen einige Texte vor, Sie sehen es. Nahezu alle haben eine Lösung um das Erzählproblem
herum gefunden, manche gut, manche besser. Es geht mir bei dieser Aufgabe aber vor allem darum, Ihren Blick auf das Konkrete zu richten. Denken Sie
>>>> an Flaubert und den Kohlkopf. Nun hat ein solcher keine Geschichte, also auch kaum Metaphorik, er ist rein d a; das macht es so schwer, ihn in Worte zu fassen. Liegt er vor Ihnen, ist er nichts als das Ding-da. Dieses Ding aber i s t. Gibt es Wörter, Formulierungen, semantische Höfe, die ihn zu erfassen vermögen? Und verfüge i c h darüber? Stellen Sie es sich wie den Pinsel eines Malers vor, der Konturen nachgeht.
Ein Gesicht zu beschreiben, ist leichter, als einen Kohlkopf zu beschreiben. Einesteils. Denn es hat ja Geschichte und Zusammenhänge; wir
ersetzen, was wir sehen, wir ersetzen es gerne durch das, was wir interpretieren. Und dann t u n wir so, als hätten wir im Griff, was wir sähen, oder seien ihm auch nur nah. Wir sind es nicht. Andernteils. Das macht es gerade schwerer, bei dem Gesicht zu b l e i b e n. Ich möchte Sie bitten, es dennoch zu versuchen. Man bekommt dadurch eine Ahnung, wie es um das Verhältnis von Literatur zur erscheinenden Realität bestellt ist. Und man bekommt eine Demut vor den Dingen, erfährt hautnah, wie weitgehend wir von ihnen getrennt sind.
Ich habe auf einer Leipziger Konferenz sehr zum Unwillen einiger gesagt:
Kein Satz reicht jemals an die Präsenz eines Glases Wasser heran.
Es ist mir wichtig, daß Sie diesen Satz
erfahren, nicht nur glauben oder nicht glauben. Um ihn zu erfahren, muß man ihn ausprobieren, so, wie kein Mensch je erfährt (und also auch nicht darüber berechtigt schreiben kann), wie körperliche Liebe sich anfühlt, wenn er sie nie erlebt hat.
Deshalb nochmal zurück. Versuchen Sie sich ganz konkret an meiner Aufgabe.
Wenn ich tief in den Spiegel sehe und keine Gedanken mehr im Kopf habe, erblicke ich eine Gestalt die mir oft fremd erscheint. Dieser Mensch hat sehr dunkle braune Haare, die fast schwarz sind, er trägt sie mittellang und ungekämmt. An einigen Stellen stehen sie auf, das aber meistens nur nach dem er geduscht hat. Auf diesen schauen die Haare ganz wild aus. Wenn man ihn oberflächlich anblickt, schaut es so aus, als trage er einen Helm aus Haaren, der einen großen etwas quadratischförmigen aussehenden Schädel bedeckt. Diese bestimmten Haarrebellen, die sich dann auch nicht runterkämmen lassen, empfinde ich manchmal als sexy, manchmal aber auch als lästig, vor allem dann wenn ich zu einer wichtigen Verabredung eile. Sie sind wie Blumen im Frühling, die gekrümmt und doch in einer der Natur gleichen Ordnung wie vom fruchtbaren Boden hinaus in die weite Welt wild sprießen. Koteletten haben sich gebildet. Dieses viele Haar ist dicht auf meinem Kopf, als würde es jemand ohne viel ästhetischen Sinn einfach draufgedrückt haben. Über meiner rechten Augenbraue sticht eine zwei cm. vertikale lange Narbe hervor. Gleich unterhalb auf dieser Höhe, befinden sich meine langen regelmäßigen Augenbrauen, die sich in der Mitte fast vereinigen, außen und in der Mitte dicht und dunkel, am inneren Rand heller und spärlich. Recht oberhalb der linken Braue ragt ein roter Pickel aus dem Bild meines Gesichts, wie der Ätna auf Sizilien. Meine Augenschlitze haben die Form einer Zitrone, sie werden von innen und von außen regelmäßig, und knapp vor der Mitte drastisch immer breiter. Mancher hat mich schon mit einem Chinesen oder gar einer Katze verglichen. Die Pupille beinhaltet verschiedene Farben, den größten Teil übernimmt ein Kastanienbraun, wie das meiner Haare, mit einem leichten grün-grauen pflaumigen Ton, rund umfasst von einer etwas bläulichen schwarzen Linie. Die Iris ist pechschwarz wie ein Rabe, jedoch kommt es mir manchmal so vor, als sehe ich einen Schimmer Blau. Wenn ich tief hineinblicke empfinde ich etwas Mysteriöses. Zudem wird die dunkle Pupille größer und bläulicher, je näher ich mich dem Spiegel nähere. Die Wimpern sind sehr, sehr fein, schwarz, geradlinig und laufen parallel zueinander.
Diese Reise führt uns weiter zu meiner „Afrikanischen Nase“ wie ich sie nenne, denn sie ist etwas breit und zusammengedrückt, wie mein Haar. Böse Zungen behaupteten es gleiche fast einer Schweinsnase. Doch verneine ich diesen lächerlichen Vergleich, da sie dieser nicht gleicht, passend zu meinem Gesicht und mir sehr sympathisch ist. Auf ihr befindet sich ein kleines braunes Muttermal, ein Pickel genau auf der Mitte und im unteren Teil einige winzige schwarze Mitesser. Wenn ich mich betrachte, sehe ich zum Teil meine oval verlaufenden großen Nasenlöcher, beim linken ragt noch ein feines schwarzes Härchen wie vom Ende einer Schlacht wacker heraus. Wie bei einer Kackerlacke. Drei cm. unter meiner knolligen Nasenspitze befindet sich mein attraktiver Mund. Ein leicht weißer Fleck durchzieht die Innenseite meiner runden roten Lippen. Die Zahnpasta und das Wasser haben ihren Job nicht zufrieden stellend erledigt, denn diese Spuren einer weiß-gelben Flüssigkeit umrunden noch meine Lippen. Erst jetzt erkenne ich es: Die Spuren der Vanillesauce vom Mittagessen wurden nicht gänzlich im Bad bei meiner Pflege beseitigt. Meine obere linke Lippenseite ist seit einigen Jahren geschwollen. Ursache dieser war ein Fahrradunfall. Somit erscheint für den genauen Betrachter der Lauf dieser preziösen Lippen gestört zu sein, doch ist es eines „der Merkmale“ die mich gerade ausmachen, da es den Eindruck erweckt, es läge eine gewisse Anstrengung darin, aus der sich meine darin versteckte kurze Zunge befreien will. An manchen Stellen glänzen die Lippen sogar, und werden folglich heller! Unmittelbar unter meinen Lippen befinden sich, grob geschätzt, ungefähr 10 zarte feine schwarze Härchen, die sich meistens vor der Rasur retten, da sie sehr leicht zu übersehen sind. Diese empfinde ich als lustig.
Jetzt ragen die Bartstoppel überall noch leicht heraus, was mir ein jüngeres Aussehen gibt, doch ist er an manchen Stellen beidseitig unregelmäßig, vor allem an der linken und rechten Unterwange. Oberhalb ersterer, also zwischen der linken Wange und mein linkes Auge, befindet sich noch so ein frecher Pickel, der mutig allein herausblickt. Ich denke mir: Ein zäher Überlebender meiner täglicher Gesichtsreinigung.
Unter meinen Augen ist eine leichte gelb-blaue Schattierung auszumachen, der Beweis der letzten kurzen Nächte. Meine Ohren sind weder groß noch klein, sondern physiognomisch proportional zum Rest meines Gesichtes und Körpers angepasst. An den Extremitäten, also vor allem die Ohrläppchen, gehen sie in eine leichte Rundung nach außen über. Die dort ungleich geschnittenen Haare verdecken Teile meiner Ohren.
Meine Unterkiefer sind wie scharf geschnitten und vereinen sich bei einem regelmäßigen runden Kinn. Noch zu meinen Wangen: in ihrer Mitte zieht meine leicht bräunliche Haut etwas hinein, so wie bei den Urvölkern Amerikas.
Ich denke dieses Gesicht ist wie ein Chamäleon, es gleicht sich sehr schnell der empfundenen Stimmung an und reagiert höchst präzise. Oft merke ich das gar nicht. Ich empfinde dieses Gesicht aber als attraktiv. Meine Augen sind sehr neugierig und strahlen eine gewisse schöpferische Kraft aus.
Diese Übung und die damit verbundene Ruhe tun mir gut, denn erstens merke ich wie wenig ich mich selbst kenne und zweitens, wie schwer ich das wenige auszudrücken vermag. Die Wörter fehlen. Wörter sind doch nicht das beschriebene Ding, sie sind ihrer Natur gemäß limitiert. Sie können nicht die Wirklichkeit wiedergeben, da haben Bilder und Musik ihr einen leichten Vorsprung.
Um mein Gesicht mit wenigen Wörtern poetisch auszudrücken, fehlt mir die Übung und das Aufwecken meiner schöpferischen Kreativität!
Wenn ich tief in den Spiegel sehe [Was ist der Unterschied zwischen „tief in einen Spiegel sehen“ und „in einen Spiegel sehen“?] und keine Gedanken mehr im Kopf habe, erblicke ich eine Gestalt die mir oft fremd erscheint. Dieser Mensch hat sehr dunkle braune Haare, die fast schwarz sind, er trägt sie mittellang und ungekämmt. An einigen Stellen stehen sie auf, das aber meistens nur nach dem er geduscht hat [Was sehen Sie j e t z t?]. Auf diesen [gestelzt.] schauen die Haare [„schaut das H a a r“!!] ganz wild aus. Wenn man ihn oberflächlich anblickt, schaut es so aus, als traü [Irrealis bei Formen des „als ob“]ge er einen Helm aus Haaren, der einen großen etwas quadratischförmigen aussehenden [quadratischförmig oder schaut er nur so aus und ist es gar nicht? Was meinen Sie?] Schädel bedeckt. Diese bestimmten Haarrebe[??]llen, die sich dann auch nicht runterkämmen lassen, empfinde ich manchmal als sexy, manchmal aber auch als lästig, vor allem dann wenn ich zu einer wichtigen Verabredung eile [wäre eine Frau auch eine wichtige Verabredung? also, was meinen Sie mit „wichtig“?]. Sie sind wie Blumen im Frühling, die gekrümmt und doch in einer der Natur gleichen Ordnung wie vom fruchtbaren Boden hinaus in die weite Welt wild sprießen [Aua.]. Koteletten haben sich gebildet [Nein, sondern Sie haben sie wachsen lassen. Bitte nicht schludern in den Formulierungen.]. Dieses viele Haar ist dicht auf meinem Kopf, als würde es jemand ohne viel ästhetischen Sinn einfach draufgedrückt haben [Das wiederholt jetzt zu viel.]. Über meiner rechten Augenbraue sticht eine zwei cm. vertikale lange Narbe hervor [Formulierung! Stimmte Ihr Satz, dann stünde die Narbe wie ein Stilett aus dem Gesicht ab, was aber wohl nicht der Fall ist.]. Gleich unterhalb auf dieser Höhe [Unterhalb oder auf dieser Höhe?], befinden sich meine langen regelmäßigen Augenbrauen, die sich in der Mitte fast vereinigen, außen und in der Mitte dicht und dunkel, am inneren Rand heller und spärlich. Recht oberhalb der linken Braue ragt ein roter Pickel aus dem Bild meines Gesichts, wie der Ätna auf Sizilien [Der ist 3500 Meter hoch. Haben Sie den Vulkan einmal gesehen? Sie kämen nie auf einen solchen Vergleich.]. Meine Augenschlitze haben die Form einer Zitrone, sie werden von innen und von außen regelmäßig, und knapp vor der Mitte drastisch immer breiter. Mancher hat mich schon mit einem Chinesen oder gar [Wieso „gar“?] einer Katze verglichen. Die Pupille beinhaltet [Stelzung.] verschiedene Farben, den größten Teil übernimmt [Ist Färbung eine Aufgabe?] ein Kastanienbraun, wie das meiner Haare [meines Haars, es sei denn, Sie wollten, siehe oben, alle Ihre Körperhaare meinen.], mit einem leichten grün-grauen pflaumigen [„pflaumig“, das ist einmal schön, sehr schön sogar.] Ton, rund umfasst von einer etwas bläulichen schwarzen Linie. Die Iris ist pechschwarz wie ein Rabe, jedoch kommt es mir manchmal so vor, als seä [Irrealis.]he ich einen Schimmer Blau [„Bläulich“ haben Sie schon kurz darüber geschrieben; also weshalb „jedoch“?]. Wenn ich tief [siehe oben.] hineinblicke empfinde ich etwas Mysteriöses. Zudem wird die dunkle Pupille größer und bläulicher, je näher ich mich dem Spiegel nähere [näher nähere... ]. Die Wimpern sind sehr, sehr fein, schwarz, geradlinig und laufen parallel zueinander.
Diese Reise [ungeschickt.] führt uns [„Uns“? Weshalb diese Rhetorik?] weiter zu meiner „Afrikanischen Nase“ wie ich sie nenne, denn sie ist etwas breit und zusammengedrückt, wie mein Haar [Ungenau: Das Haar ist „breit“?]. Böse Zungen behaupteten es gleiche fast einer Schweinsnase. Doch verneine ich diesen lächerlichen Vergleich, da sie dieser nicht gleicht [Was ist denn das für eine Logik? Auch sprachlich ist das wenig geschickt.], passend zu meinem Gesicht ist [??? - weshalb dann nicht: „zu meinem Gesicht paßt“?] und mir sehr sympathisch ist. Auf ihr befindet sich ein kleines braunes Muttermal, ein Pickel genau auf der Mitte und im unteren Teil einige winzige schwarze Mitesser [„und“ verlangt das Prädikat im Plural.]. Wenn ich mich betrachte, sehe ich zum Teil [zum Teil? ] meine oval verlaufenden großen Nasenlöcher, beim linken ragt noch ein feines schwarzes Härchen wie vom Ende einer Schlacht wacker [Geblödel.] heraus. Wie bei einer Kackerlacke [Das ist jetzt s e h r komisch. Kakerlaken mit Nasenlöchern, aus denen ein Haar wächst. Achtung, was Sie da schreiben!]. Drei cm. unter meiner knolligen Nasenspitze befindet sich mein attraktiver Mund. Ein leicht weißer Fleck durchzieht die Innenseite meiner runden roten Lippen. Die Zahnpasta und das Wasser haben ihren Job nicht zufrieden stellend erledigt [Aua.], denn diese Spuren einer weiß-gelben Flüssigkeit umrunden noch meine Lippen [Jesses, rundum, wie bei einem Kinder-Milchbart? - Hier wird klar, daß Sie sich entscheiden mußten, aber das nicht gänzlich getan haben: will ich eine Parodie schreiben oder mich ernstlich dem Problem stellen. Sie stecken mit alledem irgendwie mittendrin, nor fish, nor meat.]. Erst jetzt erkenne ich es: Die Spuren der Vanillesauce vom Mittagessen wurden nicht gänzlich im Bad bei meiner Pflege beseitigt [gaaaaaanz gestelzt.]. Meine obere linke Lippenseite ist seit einigen Jahren geschwollen. Ursache dieser [Welcher? Der Lippenseite? Harter Bezugsfehler.] war ein Fahrradunfall. Somit [Logischer Anschluß hängt.] erscheint für den genauen Betrachter der Lauf dieser preziösen Lippen gestört zu sein, doch ist es eines „der Merkmale“ die mich gerade ausmachen, da es [Wieso plötzlich „es“, sächlich?] den Eindruck erweckt, es lä[Konj. I.]iege eine gewisse Anstrengung darin, aus der sich meine darin versteckte kurze Zunge befreien will. An manchen Stellen glänzen die Lippen sogar, und werden folglich heller! [Kryptisches Ausrufezeichen.] Unmittelbar unter meinen Lippen befinden sich, grob geschätzt, ungefähr 10 zarte feine schwarze Härchen, die sich meistens vor der Rasur retten, da sie sehr leicht zu übersehen sind. Diese empfinde ich als lustig.
Jetzt ragen die Bartstoppel [Härchen oder Stoppel; das ist ein taktil enormer Unterschied.] überall noch leicht heraus, was mir ein jüngeres Aussehen gibt, doch ist er [„er“? Wer?] an manchen Stellen beidseitig unregelmäßig, vor allem an der linken und rechten Unterwange. Oberhalb ersterer, also zwischen der linken Wange und mein linkes Auge [Grammatik.], befindet sich noch so ein frecher Pickel, der mutig allein herausblickt. Ich denke mir: Ein zäher Überlebender meiner täglicher Gesichtsreinigung.
Unter meinen Augen ist eine leichte gelb-blaue Schattierung auszumachen, der Beweis der letzten kurzen Nächte. Meine Ohren sind weder groß noch klein, sondern physiognomisch proportional zumdem Rest meines Gesichtes und Körpers angepasst. An den Extremitäten, also vor allem die Ohrläppchen [Waaaaaaas? Die Ohrläppchen sind Extremitäten?], gehen sie in eine leichte Rundung nach außen über. Die dort ungleich geschnittenen Haare verdecken Teile meiner Ohren.
Meine Unterkiefer sind wie scharf geschnitten und vereinen sich bei einem regelmäßigen runden Kinn. Noch zu meinen Wangen: in ihrer Mitte zieht meine leicht bräunliche Haut etwas hinein, so wie bei den Urvölkern Amerikas.
Ich denke dieses Gesicht ist wie ein Chamäleon, es gleicht sich sehr schnell der empfundenen Stimmung an und reagiert höchst präzise. Oft merke ich das gar nicht. Ich empfinde dieses Gesicht aber als attraktiv. Meine Augen sind sehr neugierig und strahlen eine gewisse schöpferische Kraft aus.
[Und wozu dieser Nachklapp?:]
Diese Übung und die damit verbundene Ruhe tun mir gut, denn erstens merke ich wie wenig ich mich selbst kenne und zweitens, wie schwer ich das wenige auszudrücken vermag. Die Wörter fehlen. Wörter sind doch nicht das beschriebene Ding, sie sind ihrer Natur gemäß limitiert [Was wollen Sie sagen? Daß Wörter limitiert sind=es gibt nur endlich viele? Oder daß ihre Möglichkeit limitiert ist, etwas über Wirklichkeit auszusaagen?]. Sie können nicht die Wirklichkeit wiedergeben, da haben Bilder und Musik ihr [s e h r dunkle Grammatik. ] einen leichten Vorsprung.
Um mein Gesicht mit wenigen Wörtern poetisch auszudrücken, fehlt mir die Übung und das Aufwecken meiner schöpferischen Kreativität!
Bitte gewöhnen Sie sich an, genau zu formulieren, nicht einfach nur etwas dahinschreiben. Überlegen Sie jeden Satz, schauen Sie sich die grammatische Organisation der Satzteile an. Ein Mindesmaß an – internalisierter! - Grammatik sollte vorausgesetzt werden – oder Sie schlagen sich auf die Gegenseite und arbeiten ganz bewußt auf der Grundlage grammatischer Brechungen und Verschleifungen. Das scheint mir Ihr Weg aber nicht zu sein. Gehen Sie den Text also bitte noch einmal mit sehr spitzem Bleistift durch.
Kennst du den Kerl der vorgibt ich zu sein? Das Haar dunkel, kurz geschnitten, einfach nur geschnitten - ohne dieses hin her, dieser Mischung aus Dienstleitung und Kunstgewerbe, die man ihm heute andrehen wollte, bei dem neuen Friseur um die Ecke, wo er hin, weil so ein Bon im Briefkasten lag: Schneiden, Waschen, Legen für 8.90 – Kennenlernpreis. Am Ende hat er 18 Sachen hingelegt, war raus und wollte nie mehr wieder kommen. Wie hat der gequatscht, der coole Hairdresser, mit den Scheren geklappert und gedrängt. Schlussendlich sagte der, der ich ist: „Wissen sie was: Konservativ! Einfach nur kurz – ich bin kein junger Hüpfer mehr.“ Danach haben alle geschwiegen. Der ich bin aber hat leise gelächelt und sich im Spiegel betrachtet – dabei erkannt, dass er zu den Jungen nicht mehr gehört, gleichwohl er sich in der Zeit nicht so schnell verloren hatte wie andere - aber von Weisheit keine Spur. Sein Blick weicht sich nicht aus. Er, das Ich, sie blicken sich fest an und halten sich aus. Dunkle, braune Augen mit einem unbestimmten Ernst in der Spannung des Augenblicks.
Die eine Hälfte des Gesichts im Schatten die andere im Licht. Und dann noch die Zitate des Widersprüchlichen - sowohl auf der dunklen wie auf der hellen Seite. Da ist auf der Wölbung zwischen Lid und Braue, inmitten des Schattens, eine Insel des Lichts. Über die Nase mit ihrem weichen Schwung zieht sich eine mit Pigmenten gepflasterte Straße und das Auge schauen aus ihren dunklen Nischen, getrennt nur, von dieser dorischen Nase. Das Kinn blieb für zwei Tage unrasiert und die Stoppeln führen hin zum Hals, der der Müdigkeit stand hält und sich streckt um der Details willen; denn hat er das Ich erstmal entdeckt, dann ist es wie ein gutes Gespräch unter Freunden – man kann nicht davon lassen zu hören, wie es dem anderen geht - und natürlich zu behaupten es ginge einem Selbst ganz wunderbar. Nicht mehr der Jüngste zwar - nicht mehr jung und noch nicht alt -, aber ach, was soll man schon sagen; und dann drückt man sich die Sorgen auf die Stirn und fragt sich selbst, wieder im Stillen: Was habe ich denn schon erreicht? Die Pupillen überzieht eine sämige Müdigkeit. Das kann ich nicht sein.
Ich habe nochmal Ihre Kommentare gelesen.Wollte zuvor den Text los werden, bevor ich meine Arbeit durch Lektüre verwässern lasse - dachte ich. Vor allem habe ich jetzt Ihre berechtigte Aufforderung an die Aufgabe zu denken nachgelesen. Ich muss da nochmal ran. Lasse das mal als Zustand stehe. Komme wieder...
Danke im Übrigen für Ihr Angebot - nicht nur dieses hier.
Ich geh an den "Zustand" trotzdem mal ran:
Kennst du den Kerl der vorgibt ich zu sein? [Ich muß hier an "Kennst du das Land, wo die Zitronen blühen" denken; das hatten Sie ganz sicher nicht im Sinn. Aber etwas mit "Kennst du den/das" zu beginnen, trägt automatisch diese Gefährdung in sich.] Das Haar ist dunkel, und kurz geschnitten, einfach nur geschnitten - ohne dieses hin her, dieser Mischung aus Dienstleitung und Kunstgewerbe, die man ihm heute andrehen wollte, bei dem neuen Friseur um die Ecke, wo er hinist, weil so ein Bon im Briefkasten lag: Schneiden, Waschen, Legen für 8.90 – Kennenlernpreis. Am Ende hat er 18 Sachen hingelegt, war raus und wollte nie mehr wieder kommen. [Absatz. Über Absatz-Setzungen muß ich allgemein mal was sagen, glaube ich.]
Wie hat der gequatscht, der coole Hairdresser, wiemit den Scheren geklappert und gedrängt. Schlussendlich sagte der, der ich ist: „Wissen sie was: Konservativ! Einfach nur kurz – ich bin kein junger Hüpfer mehr.“ Danach [wird stärker so.] haben alle geschwiegen. Der ich bin, aber [N o c h so was: Wie rhythmisiert man einen Text? Satzzeichen eignen sich da bestens. Sie also nicht nur als grammatische Strukturgeber ansehen.] hat leise gelächelt und sich im Spiegel betrachtet – dabei erkannt [redundant; genau das war mir dem "bin kein junger Hüpfer mehr" schon gesagt:], dass er zu den Jungen nicht mehr gehört, gleichwohl er sich in der Zeit nicht so schnell verloren hatte wie andere - [na ja, das hier klingt zu abgegriffen:]aber von Weisheit keine Spur. [Das wiederum ist gut:] Sein Blick weicht sich nicht aus. Er, das Ich, sie blicken sich fest an und halten sich aus. [:weil der Satz ebenfalls redundant ist.] Dunkle, braune Augen mit einem unbestimmten Ernst in der Spannung des Augenblicks.
[Hier flüssiger, eleganter werden:] Die eine Hälfte des Gesichtes liegt im Schatten, die andere im Licht. Und dann [???? Hier brauchen Sie eine gute Überleitung, aber nur aus dem Handgelenk, vor allem, weil sowohl "Zitate" - von was denn? - und "Widersprüche" - gegen was? - so im Ungewissen verharren:] noch die Zitate des Widersprüchlichen - sowohl auf der dunklen wie auf der hellen Seite. Da ist auf der Wölbung zwischen Lid und Braue, inmitten des Schattens, eine Insel des Lichts [Das ist schön, aber weder eigentlich ein Zitat noch ein Widerspruch.]. Über die Nase mit ihrem weichen Schwung zieht sich eine mit Pigmenten gepflasterte [besser vielleicht: "pigmentgepflasterte"] Straße dahin, und dasie Augen schauen aus ihren den dunklen Nischen, [das ist unschön:]getrennt nur [und wieso: "nur"? Woher die Wertung?], von dieser m/seiner dorischen Nase. Das Kinn blieb für zwei Tage [:das erzählt etwas, das nur S i e wissen und das niemand s e h e n kann.] unrasiert und die Stoppeln führen hin zum Hals, der der Müdigkeit stand hält [schön!] und sich streckt um [???]der Details willen; denn [:seltsamer logischer Anschluß:] hat er das Ich erstmal entdeckt, dann ist es wie ein gutes Gespräch unter Freunden – man kann nicht davon lassen zu hören, wie es dem anderen geht - und natürlich zu behaupten es ginge einem Selbst ganz wunderbar. Nicht mehr der Jüngste zwar [schon wieder! Achtung, Prosa ist verräterisch!]- nicht mehr jung und noch nicht alt -, aber ach, was soll man schon sagen; und dann drückt man sich die Sorgen auf die Stirn [Wie geht das, sich Sorgen auf die Stirn zu drücken? Auch hier bitte Genauigkeit. Die Sorgen sind, wenn, h i n t e r der Stirn - oder aber Sie gestalten das Bild der Sorgenstirn neu.] und fragt sich selbst, wieder im Stillen: Was habe ich denn schon erreicht? Die Pupillen überzieht eine [Das ist toll:]sämige Müdigkeit. [Das wieder fällt ab, zumal am Ende:] Das kann ich nicht sein. [Da brauchen Sie echt was anderes, etwas, das vielleicht überrascht oder das den Schmerz so überträgt, daß er sich fühlen läßt: Schmerz der Fremdheit.]
Danke für die Bearbeitung. Ich werde mir das nochmal vornehmen und ebenso versuchen einen neuen Text zu erstellen, der näher an der Aufgabenstellung bleibt.
Ihre Kommentierung empfinde ich als sehr hilfreich. Die Anmerkungen bezüglich der Zeichen- und Absatzsetzung sind für mich klassische Fragestellungen, die ich zwar versuche durch Erfahrung und Intuition in den Griff zu kriegen, aber davon bin ich noch weit entfernt.
Besonders gefreut hat mich der Begriff der Redundanz. Ich kenne ihn noch gut aus meinem Studium und kann deswegen einiges damit anfangen.
Ich will Ihnen und den anderen Seminaristen kurz ein Feedback geben, auch was die Frage der Texterstellung angeht: Tatsächlich ist es schwierig, die von Ihnen geforderten Bedeutungshöfe in der Selbstbetrachtung zu finden. Es erfordert einen sprachlichen Abstraktionsgrad, der nicht einfach aus dem Bauch heraus zu erstellen ist. Ich will als nächstes versuchen Bedeutungshöfe zu konstruieren, rund um die Begriffe und Ausdrucksmöglichkeiten meines Portraits. Ich bin gespannt, ob sich daraus ein Text formen lässt.
Nur der Neugierde halber: ANH, sammeln sie gezielt Begriffe und Begriffkonstellationen, Begriffschöpfungen? Oder schaffen sie die Bedeutungshöfe ausschließlich intuitiv?
Nebenbei: Ich habe mich in Absätzen versucht!
(ich schreibe keine prosa und kann keine prosa schreiben. ich habe die aufgabe auf meine art gelöst oder umgangen – und letztlich doch einen versuch in fließender sprache gewagt. das ist er)
das gesicht gehört einer frau, slawischer typus – es ist breit mit hohen wangenknochen.
die frau hat aschblondes, langes haar, in das sie einen seitenscheitel gekämmt hat. über dem aufgeworfenen fleisch der lippen eine flache nase und darüber dünne, zur schläfe gebogene augenbrauen. ihr gesicht ist süß wie das eines kindes, dem man ein stück schokolade weggenommen hat.
wenn du näher herankämest, könntest du der wegweisung ihrer mundwinkel folgen und daran ihr alter erkennen. du würdest sehen, dass sie make-up benutzt, um ihrer haut, der geschundenen haut, reinheit zu geben. ihre augen sind am unteren rand gerötet und an den enden krähenfüße.
das gesicht gehört [sind Sie sich sicher? Gerade bei einem so kurzen Text bitte das einzelne Wort abhorchen.] einer frau, slawischer typus – es ist breit mit hohen wangenknochen.
die frau hat aschblondes, langes haar, in das sie einen seitenscheitel gekämmt hat. über dem aufgeworfenen fleisch der lippen eine flache nase [Hier bekommt man kein Bild, oder ein falsches: als wäre die Nase wirklich ü b e r den Lippen; was gerade bei einer f l a c h e n Nase nicht geht; wenden Sie zudem einmal den Blick auf den Zwischenraum von Lippe und Nase... und denken Sie daran, daß man von "Lippenkrone" spricht. Gerade bei aufgeworfenen Lippen muß die ja irgendwo sitzen.] und darüber [Genauigkeit: direkt über der Nase, also zwei übereinander? Oder nicht doch eher daneben u n d darüber. Suchen Sie dafür mal eine Formulierung.] dünne, [Das ist fein:]zur schläfe gebogene augenbrauen. ihr gesicht ist süß wie das eines kindes, dem man ein stück schokolade weggenommen hat [Interessante Parallelisierung: Enttäuschung zu Süße...].
wenn du näher herankämest, könntest du der wegweisung ihrer mundwinkel folgen und daran ihr alter erkennen [Was meint das? Integrierter Pessimismus, daß die Mundwinkel bereits nach unten gehen, weil Lebenserfahrung daran zieht?]. du würdest sehen, dass sie make-up benutzt, um ihrer haut, der geschundenen [eine Spur zu heftig vielleicht] haut, reinheit zu geben [den V o r s c h e i n der Reinheit wohl, weil Make up an sich ja verklebt.]. ihre augen sind am unteren rand gerötet und [haben]an den enden krähenfüße [Hier vielleicht mal etwas sanfter mit sich umgehen: Krähenfüßchen wohl.].
ich danke sehr für die schöne kritik!
übriggebliebene fragen:
1. ‚gesicht gehört‘ – meinten sie das klanglich? – das ist in der tat hässlich. was die semantik angeht und die visuellen daten, hatte ich es aber gerade so gewollt.
2. keine frage eigentlich - ‚wegweisung ihrer mundwinkel‘ – ja, eine anregung, sich vorzustellen, dass die mundwinkel vermutlich nach unten gehen. (entspricht ja auch der logik des kon-textes.) ich mag andeutungen, bei denen man sich nicht getraut, ihnen ganz zu folgen, als wäre das tatsächliche bild etwas grässliches.
3. ‚reinheit zu geben‘ – eigentlich nicht den anschein. denn wenn a) etwas als etwas erscheint, dann wird es eben genauso wahrgenommen und IST so und nicht anders. b) die logik der sache spricht aus sich selbst; das gesicht kann selbstverständlich nicht rein sein! da jeder weiß (!) dass make-up das gesicht nicht rein macht, sondern nur von fern so erscheinen lässt. diese schlussfolgerung hinzuzudenken mute ich dem leser hier bewusst zu, denn ich selbst möchte als leser nicht unterschätzt werden. – anders: ich versuche einen vagen eindruck, oder einen abgrund zu erzeugen, und nicht, ihn auszusprechen.(denn ausgesprochene abgründe sind irgendwie auch keine richtigen abgründe und ich will abgründe) ich habe ‚anschein von reinheit‘ im vorhinein eben deswegen gestrichen, der ‚anschein‘ erschien mir unnötig. – wenn der ausdruck trotzdem zu kompliziert, zu kühn erscheint, ergeb ich mich aber der kritik!
4. ‚krähenfüße‘ – das ist ein etwas zu absoluter ausdruck mit (zu gewollter?) symbolischer tragweite, ich weiß. vermutlich merkt man, dass ich ihn eben deshalb stehen gelassen habe. - ich gerate in konflikt: wenn ich das auf ‚krähenfüßchen‘ ändern müsste, was ja eher realistischem erzählen entspricht, hätte ich zugleich den impuls, den satz ganz zu streichen. da spricht sicher der pathos aus mir: etwas ist absolut oder krass oder zählt nicht – da es ja um den text und nicht um mich geht: ist der ausdruck im kon-text zu krass? verträgt das der text an sich wirklich nicht? ich flehe gewissermaßen um meinen ‚darling‘, den ich killen muss, weil er mehr noch meinem gesicht entspricht, als alles andere - und das gesicht ist hier doch sprache.
nun ja, die einzige nettigkeit, die ich mir beim schreiben erlaube, ist, dass die absolutheit, nach der mein ausdruck strebt, doch auch seinen reiz habe. – oder doch nicht?
1. Ich meinte das Possesivpronominale... w e m gehört das Gesicht?Es muß ja dann einen Eigentümer, ein Ich, außerhalb des Gesichtes geben. Das scheint mir aber überhaupt nicht ausgemacht zu sein. Und wenn sich diese Frage stellt, stimmt was an dem Text nicht, - egal, ob ein Ausdruck an sich stimmt oder nicht. Der Trick besteht ja gerade darin, z.B. nicht Stimmendes (real nicht Stimmendes) so zum Ausdruck zu bringen, daß sofort geglaubt wird, daß sich Evidenz herstellt, wie wir das damals am Frankfurtmainer Philosophicum genannt haben.
2. "ich mag andeutungen" - man kann aber lyrische Bilder nicht nur andeuten, auch poetische nicht. Es muß immer etwas Evidentes als Antwort aus einem Text herauskommen - auch wenn der Leser das nicht direkt "festmachen" kann.
3.a) "‚reinheit zu geben‘ – eigentlich nicht den anschein. denn wenn a) etwas als etwas erscheint, dann wird es eben genauso wahrgenommen und IST so und nicht anders." Das halte ich für einen bedenklichen Satz. Ich treibe ihn mal in ein böses Extrem: Weil im "Stürmer" Juden als Untermenschen dargestellt wurden, und weil die Leser das so glaubten, seien Juden Untermenschen gewesen? Na kommen Sie, das können Sie nicht ernstlich meinen.
b) "die logik der sache spricht aus sich selbst; das gesicht kann selbstverständlich nicht rein sein! da jeder weiß (!) dass make-up das gesicht nicht rein macht, sondern nur von fern so erscheinen lässt. diese schlussfolgerung hinzuzudenken mute ich dem leser hier bewusst zu" - Es ist aber keine Schlufolgerung, die sich lohnte, weil man sie ja eben bereits als Wissen mitbringt. Also ist die Stelle banal. Und das ist unnötig. ("wenn der ausdruck trotzdem zu kompliziert, zu kühn erscheint, ergeb ich mich aber der kritik!" Es ist schlimmer. Es ist das Gegenteil von kühn.)
4. etwas ist absolut oder krass. - Einverstanden. Aber dann s e i e n Sie kraß. Das mit den Krähenfüßen sagt jede - ich bin mal von Herzen geschlechtspolitisch inkorrekt - also: das sagt jede Samstagsnachmittagsfleischersgattin zu ihren Samstagsnachmittagsfleischersgattinnenfreundinnen.
5. "nun ja, die einzige nettigkeit, die ich mir beim schreiben erlaube, ist, dass die absolutheit, nach der mein ausdruck strebt, doch auch seinen reiz habe. – oder doch nicht?" Nein. Doch nicht. Sie sind im Gegenteil viel zu nett mit sich in diesem Text - und kokettieren mit dem Unnetten.
die frau im spiegel hat aschblondes, langes haar, in das sie einen seitenscheitel gekämmt hat. sie hat einen slawischen typus – das gesicht ist breit mit hohen wangenknochen. sie hat aufgeworfene lippen, eine flache nase und zierliche, zur schläfe gebogene augenbrauen.
wenn du näher herankämest, würdest du die spannung ihrer mundwinkel wahrnehmen und daran ihr alter erkennen. du würdest ihre ungesunde haut duch das make-up durchscheinen sehen und bemerken, dass ihre augen am unteren rand gerötet sind. an den äußeren enden haben sie krähenfüßchen.
Gesicht. Herbsüßes Körperstückchen. Aus morbiden Birnenporen schimmert Haut. 4 Zentimeter Stirne tragen eine Falt’ zwischen nonchalant schraffierten Braunen, parallel ziert eine zweite bis zum Nasenrücken meines Antlitz Innenausdruck. Schläft Lidschlag um Lidschlag ganz im Mossgrünpaar begraben, fährt abwärts ohne Schlingen, bleibt am Rande vor dem Abgrund mit dem Augenblick zum Spiegel nur ein Sprung vom Stups. Pauste Backen flöten ganz barock eine Alpenbergkulisse an feinster Härchen Ohren bis am weichen Nasenflügelbeben, welch Widersinn, melancholisch Linien ihrer Enden willen in der Lippe kargen Delta münden. Zarter achtern breiter Hügel, Auf und Ab in den Bug des Kinns schäumen die Konturen, fallen Sehnen steil im Halse, bleiben an den Schultern stecken.
Ich raufe mir die Haare vom Kopfnest der Amsel und finde ein rotes. Verhangen vorm weißen Oval.
ich verstehe, rosenblut, den sinn deiner groteske.
poetischen umgang mit sprache zu betreiben, das heißt nicht unbedingt, sich lüstern in das vokabular des 19. jahrhunderts zu sürzen mit erinnerungen an den expressionismus die syntax zu spreizen. ich suche nach wegen zeitgenössischen ausdrucks. das bleibt eben oft experiment.
Wie verstehen Sie den Sinn? Was haben Sie verstanden? Bitte erklären Sie mir das näher. Ich schreibe (er)fühlend und kenne weder das Wesens eines Vokabulars aus dem 19. Jahrhunderts noch definierte Merkmale diverser Literatur/Kunstepochen. Wenn Sie mich dort einordnen, muss ich wohl die nächste Woche in der Bibliothek verbringen, um Wissen aufzuholen. ;).
Was ich wollte: Die "lüsternen" Kopfbildern (finde ich nicht - warum verbindet sich das Wort Barock meist wie von selbst mit diesem Adjektiv!!??) dienten, mich vom denken abzulenken. Mein Gesicht soll 1:1 wiedergegeben werden. Ich wollte eine Sprache finden, die weder Interpretationen des Lesers noch meine persönlichen Gedanken, Assoziationen zulässt. (hab ich nicht) Doch wie geht das, nicht denken geht nicht! Weder auf der einen und der anderen Seite. Auch der Satz: "Mein Gesicht ist Gesicht" Ist nicht präzise genug, so dass an der (meiner) Wortabbildung des Spiegelbildes möglich ist, mein Gesicht übereinstimmend zu malen. Also welche Sprache, welche Worte sind ohne Symbolik, Methapher und doch begrenzent, so rational, dass nicht das kleinste Detail verloren geht oder abgewandelt werden kann. Kann ich das als Mensch überhaupt so beschreiben!!??
Macht man vom Spiegelbild eine Foto mit einer Digitalkamera oder einem Scanner entsteht eine Datei, eine Seite voller Codierungen und Zahlen. Ist das eine Sprache und wäre es Literatur!!??. Ich weiß nicht.
Die letzte Version Ihres Textes liest sich weich. Ich finde ihn schön und eigen.
Weswegen sollte Lüsternheit n i c h t zeitgenössischer Ausdruck sein? Wer bestimmt das? Geraden Weges die von Aristoteles und Monotheismus vorgezeichnete Linie weiterverfolgen - d a s wäre es? Es gibt manche, die das meinen, ich meine das nicht.
Man kann ein Gesicht nicht 1:1 wiedergeben, in Sprache, es würde ja sonst das Gesicht und nicht das-Gesicht-in-der-Sprache; es wäre auch ganz unnötig, weil es nur nachahmend wiederholte (Mimesis). Nur: Daß dem so ist, dafür ist ein Gespür zu entwicklen, wenn man zu schreiben beginnt. Dazu diente meine kleine Aufgabe: Das Wort ist begrenzt und für Organe unfruchtbar, es kann weder zeugen noch empfangen. Fruchtbar ist das Wort immer nur wieder im Wort, in der Abstraktion (die sich in den meisten aus ihr entstehenden Texten als Beschreibung von Erlebtem/Fantasiertem tarnt - als positives oder negatives Ich-Ideal). Das Wort tut so, als umfaßte es alles ("Alles ist ein Text"), aber es rührt die Dinge nicht einmal an. Wir sind Tausender Gedanken voll, aber wenn wir uns einfach nur beschreiben sollen, versagen wir. So fremd ist man von sich. - Ich bin's mir auch: Es geht hier nicht darum, andere vorzuführen. Ich versuche, ein Verständnis für Verfallen-sein, Gefallen-sein, entfernt-sein zu vermitteln.
@rosenblut
vorweg: ich danke für das lob.
‚der sinn der groteske‘ ist, meine ich, ein ganz heilsamer sinn. (und es stimmt nicht, dass das vokabular aus dem 19. Jahrhundert stammt. ich entschuldige mich. ich hätte sagen sollen: z.b. einige grammatische formen.)
ich nehme ihnen nicht ab, dass sie erfühlend ihr eigenes gesicht beschrieben haben bzw. ich glaube, dass die person, die das geschrieben hat, literarisch ernsthafter ist als rosenblut. ‚morbide birnenporen‘ zum beispiel – da haben wir den konflikt: das klingt auf eine trashige art schön, obwohl es gänzlicher unsinn ist. wer ‚morbide birnenporen‘ schreibt, der hat nicht ernsthaft gesehen, nicht ernsthaft gefühlt, der hat wunderbaren trash gemacht.
wenn das alles nicht stimmt, was ich sage, würden sie über ihren vorgegebenen horizont immerhin sehr intelligent hinausagiert haben:
‚was ich wahr nehme‘ – z.b. den ersten satz (?): ‚Gesicht.‘ das hat eine herrliche performanz: vor lauter pathetischer sprachlosigkeit nur darauf hinweisen, dass da ein gesicht ist. gibt es die möglichkeit, dass es nicht pathetik war, sondern ein anderer grund? mir fällt keiner ein. also habe ich nicht willkürlich hineingelesen. – der sinn dieser performanz parodiert andererseits schön das grundsätzliche problem meiner ersten textfassung.
es gibt ein problem mit den gefühlen. sirenomele konnte in ihrer ersten textfassung davon nicht abstrahieren, sie nehmen es in ihrem text parodistisch (oder auch nicht) zum ansatz. anh hat die teilnehmer des virtuellen seminars mehrmals und mehr oder weniger explizit auf dieses problem hingewiesen. das ‚schicksal des gesichts‘ darf nur an der beschreibung selbst evident werden. er duldet dabei auch keine ambivalenz der evidenz. der text soll eindeutige antworten liefern.
ein zweites problem, das sich hier auftut: der realitätsgrad von literatur. – man sollte vielleicht bedenken, dass die aufgabe einen autobiographischen aspekt hat.
- sirenomele sagt, dass das, was sie über ihr spiegelgesicht sagt, ihr gesicht selber ist. sie beruft sich auf einen etymologischen aspekt von ‚porträt‘; der text setzt eine eigene wirklichkeit und wird absolut – ja, sirenomele hat jetzt zwei gesichter und der kontingenz der sache zufolge unendlich viele. das macht aber nichts.
- rosenblut schreibt auf, was er erfühlend erblickt. das hat sirenomele zwar leider auch getan, aber sie rechtfertigt es anders. rosenblut spricht von ‚wortabbildung‘. sirenomele würde dies kritisieren: es gibt keine hierarchie von bild und abbild. das eine ist ein gesicht, das andere ist ein text. sprache kann nicht ‚abbild‘ sein, sie ist etwas von der sache her verschiedenes. sprache sollte erst gar nicht versuchen, abbildlich zu sein.
- da würde wohl anh widersprechen. seiner aufgabe zufolge sollte man wenigstens versuchen, ein getreues abbild zu schaffen – das ist die herausforderung –
das ist etwas, was sirenomele begriffen hat und als zeichen ihrer verwirrung vorerst in der dritten person von sich spricht. aber sie möchte noch eines sagen:
‚Macht man vom Spiegelbild eine Foto mit einer Digitalkamera oder einem Scanner entsteht eine Datei, eine Seite voller Codierungen und Zahlen. Ist das eine Sprache und wäre es Literatur!!??.‘ – ich glaube schon, dass es sprache ist und ich finde die idee als experimentellen literarischen ansatz ganz großartig! (das problem ist vielleicht die kamera im bild. das verkompliziert die inneren strukturen der selbstreflexion enorm)
dass das vokabular aus dem 19. Jahrhundert stammtDas spräche nicht unbedingt gegen Modernität, bzw. Zeitgenossenschaft. Neben der Irreversibilität des Zeitstrahls, zugleich damit, gibt es auch die Entwicklung in Zyklen, zu denen notwendigerweise Regresse gehören.
‚morbide birnenporen‘ zum beispiel – da haben wir den konflikt: das klingt auf eine trashige art schön, obwohl es gänzlicher unsinn istStimmt.
wer ‚morbide birnenporen‘ schreibt, der hat nicht ernsthaft gesehender w o l l t e nicht ernsthaft sehen
der hat wunderbaren trash gemacht"wunderbar"? Da bin ich mir nicht sicher. Über Trash und die zeitgenössische Liebe zu ihm, siehe den Erfolg Tarantinos, und über die Gründe dafür müßte man mal eigens sprechen. Ich teile diese Liebe entschieden n i c h t, sondern glaube, daß sie aus einer (unbewußten!) Abwehrbewegung entsteht, die in
>>>> Moravias "Desideria" Profanierung genannt wird.
[Ich meine im Link folgende Stelle: "Fixpunkt des Syberbergschen Geschichtsverständnisses und seiner Ästhe-tik, ja Fluchtpunkt im Sinne des Punktes, dem er durch seine Kunst zu ent-kommen trachtet, ist die Französische Revolution, der Göttersturz der alten Welt, nach dem eine Entsakralisierung und Profanierung des Lebens einge-treten sei. In der vollends profan gewordenen Moderne entschwanden Mythos und Natur als Mittelpunkte der Kunst; schließlich bleiben auch von der beschleunigten Geschichte nur Fragmente. Wie nur ein Romantiker beklagt Syberberg den Verlust der Mitte der Kunst, und wie die deutschen Frühro-mantiker will er ihr mit einer neuen, einer künstlichen Mythologie eine neue Mitte schaffen, die sie zur Totalität entfalten kann. Syberberg schließt an das Projekt einer ästhetischen Revolution der Moderne aus dem Geiste des Mythos an.")‚was ich wahr nehme‘ – z.b. den ersten satz (?): ‚Gesicht.‘ das hat eine herrliche performanz: vor lauter pathetischer sprachlosigkeit nur darauf hinweisen, dass da ein gesicht ist....funktioniert aber nur in der Neuen Deutschen Rechtschreibung, in der alten hätte es "was ich wahrnehme", zusammengeschrieben, geheißen und den Doppelsinn nicht zugelassen...
es gibt ein problem mit den gefühlen. sirenomele konnte in ihrer ersten textfassung davon nicht abstrahieren, sie nehmen es in ihrem text parodistisch (oder auch nicht) zum ansatz.... nach A r t einer Parodie, also uneigentlich... die allerbeliebtestes Ausflucht...
das ‚schicksal des gesichts‘ darf nur an der beschreibung selbst evident werden.Es soll v e r s u c h t werden, nur daran evident zu werden.
er duldet dabei auch keine ambivalenz der evidenz. der text soll eindeutige antworten liefern.Es ist aber nicht heraus, ob solche eindeutigen Antworten lieferbar sind. Indem ich die Ambivalenz nicht erlaube, werfe ich Sie mitten in sie hinein. Man kann darüber lange theoretisieren, wichtig ist, sie zu e r f a h r e n.
man sollte vielleicht bedenken, dass die aufgabe einen autobiographischen aspekt hatHat sie das? Ist nicht genau der Gedanke, sie habe das, schon ein Fehlschluß? Die Autobiografie ist a u ß e r h a l b des Gesichtes, schon gar eines in einem Spiegel. Das ist erst einmal nur Reflexion von Licht aus einer Fläche. Alles andere tun w i r hinzu. Die Übung will versuchen, diese Zutaten zu reduzieren.
der text setzt eine eigene wirklichkeit und wird absolutGenau. Wenn dem aber so ist, dann kann ich daraus Konsequenzen ziehen - nicht jetzt´in der Aufgabe, da schneide ich Ihnen die Konsequenzen ja gerade weg, aber in der dann täglichen Arbeit. Wir fangen so an zu verstehen, was Realität i s t und was sie eben n i c h t ist.
es gibt keine hierarchie von bild und abbildDoch. Es gibt sie. Aber sie ist immer schon vorgängig
gesetzt. Dichtung hat eine Tendenz, dieses Verhältnis umzukehren. Die schönste Erzählung, die darüber, meines Wissens, geschrieben wurde, ist die von
>>>> Dorian Gray.
das eine ist ein gesicht, das andere ist ein text.Exakt.
sprache kann nicht ‚abbild‘ sein, sie ist etwas von der sache her verschiedenes. sprache sollte erst gar nicht versuchen, abbildlich zu sein.*Lacht auf. Jou! (Es gibt daraus aber eine ernste Konsequenz, die etwas über Wahrheitsfunktionalität exakter Wissenschaften, aber auch germanistischer Interpretationen sagt und einen bösen Strich durch den abendländischen Glauben an Identität zieht.)
- da würde wohl anh widersprechen.Nö. Siehe oben.
seiner aufgabe zufolge sollte man wenigstens versuchen, ein getreues abbild zu schaffen – das ist die herausforderung –Es ist die Herausforderung, etwas grundsätzlich Widersprüchliches s i n n l i c h wahr werden zu lassen, wahrnehmbar werden zu lassen, und zwar evident.
>>> Dichtung ist Lüge.
das ist etwas, was sirenomele begriffen hat und als zeichen ihrer verwirrung vorerst in der dritten person von sich spricht.... und was ein ganz großartiger, eminent poetischer Ansatz ist!
Gesicht. [Unnötig, weil die Aufgabenstellung es ja schon sagt. Sie hätten denn mit dem Begriff „Gesicht“ hier sprachlich etwas angefangen. Tun Sie aber nicht.] Herbsüßes Körperstückchen
[:dieses Bild bekomm ich nicht nachgefühlt, oder vorgefühlt. Es ist wohl das „stückchen“, das sich nicht auf das Gesicht legen läßt.]. Aus morbiden Birnenporen
[Dazu hat >>>> sirenomele schon Richtiges gesagt. schimmert Haut. 4 Zentimeter Stirne
[wieso die Dativziselierung?] tragen eine Falt’
[:ohne die Dativziselierung sehr viel stärker.] zwischen nonchalant schraffierten Braunen
[hübsch, dieses Spiel von „Brauen“ und „Braunen“, das ist gelungen.], parallel ziert eine zweite
[:dann aber konsequent sein!: „ziert eine zweit'“] bis zum Nasenrücken meines Antlitz
[:apostrophieren: „Antlitz'“.] Innenausdruck.
Schläft Lidschlag um Lidschlag ganz
im Mossgrünpaar begraben [:Bildfehler: Ein Lidschlag schläft allenfalls ü b e r den Augen, nicht in ihnen. Und meinen Sie „moosgrün“ oder tatsächlich „mossgrün“?] , fährt abwärts
[:der Lidschlag?] ohne Schlingen, bleibt am Rande
vor dem Abgrund mit dem Augenblick [:das wird nicht deutlich zu Bild.] zum Spiegel
[d a s wiederum ist gut:] nur ein Sprung vom Stups. Pauste Backen flöten ganz barock eine Alpenbergkulisse
[:schön schö schön: hier bekommt man wirklich einen Typ als Bild; übrigens hat d i e s e r Barock w e n i g Erotisches... weil Sie Eros und Barock >>>> in Ihrer Replik an serenomele eigens zitierten.] an feinster Härchen Ohren bis am weichen Nasenflügelbeben, welch Widersinn, melancholisch Linien ihrer Enden willen in der Lippe karge
nm Delta münden. Zarter achtern breiter Hügel, Auf und Ab in den Bug des Kinns schäumen die Konturen, fallen Sehnen steil im Halse
[unnötige Dativziselierung.] , bleiben an
[: nicht besser: „ i n den Schultern stecken“?] den Schultern stecken.
Ich raufe mir die Haare vom Kopfnest der Amsel und finde ein rotes
[diesen Punkt würde ich einfach streichen:]. Verhangen vorm weißen Oval.
Na gut, ich will die erneute Aufforderung Herrn Herbsts wahrnehmen und mein Gesicht mit der Schärfe und Kälte eines Skalpells aus dem Spiegel schneiden. Korrekter Weise fange ich ganz oben an. Top- down- Verfahren:
Ganz oben: Das dürfte eine der Haarspitzen sein. Ich kann allerdings keine einzelne, herausragende erkennen. Jedoch: Eines der Haare wölbt sich in Parabelform zum höchsten Punkt, taucht mit der Spitze wieder ins Resthaar ein. Dementsprechend verlieren sich seine Pigmente vor dem hellen Hintergrund des Hintermir. Erst in der Masse prägt es das individuelle Merkmal ‚dunkelblond’ aus. Für sich ist es transparent. Ich versuche es mit den Augen zu fixieren, das Skalpell anzusetzen. Je fester ich zupacke, umso deutlicher entzieht es sich meinem Blick. Die Photonen der Deckenlampe werden bei speziellem Einfallswinkel über die Haarparabel in meine Augen reflektiert. Dadurch entsteht ein dünner, leicht gekrümmter Lichtstreifen dort, wo sich das Haar mutmaßlich befinden muss. Sieht aus wie eine winzige, eingefrorene Sternschnuppe. Die einzige Information, der einzige Anknüpfungspunkt: Eine Sternschnuppe. Ich denke: Haar. Das Wort verklingt in meinem Kopf, bekommt nichts zu fassen. Ich sage: Haar. Der Laut verhallt im Bad, dringt nicht durch die Oberfläche des Spiegels. Ich schreibe: Haar. Die Lettern verschwimmen, sagen mir nichts mehr. Ich zweifle: Haar? Hahr? Hah? Haa? H?
Meine Hand greift automatisch zu den Augen, reibt sie. Zurück zu den Fakten: Ich schaue genauer hin, als hätte jemand zum Himmel gezeigt: „Schau! Eine Sternschnuppe!“. Schon zu spät. Sie verschwindet abermals mit der Vehemenz meines Blickes. Am Punkt meiner Fixierung bildet sich ein leerer Raum aus. Ich muss meine Lider schließen, um wieder zu sehen. Ich denke: Haar. Und - da ist es! Das Haar. Die Kopfhaut mit einem schematischen Haar und einer freundlich grinsenden Milbe. Eine Zeichnung aus meinem Kinderbuch. Mein Anteil an der platonschen Idee. Endlich.
Ich bin auf dem Bedeutungshof angelangt. Ich schaue mich um. In der Mitte des Hofes liegt ein einzelnes leuchtendes Sandkorn. Es strahlt kreisförmig auf die Pflastersteine aus. Ich stehe noch einige Schritte davon entfernt. Wo sich der Lichthof verliert, tauchen die Pflastersteine zunehmend in Dunkelheit. Seltsamer Weise zieht mich diese Dunkelheit stärker an, als das Licht. Ich wage einige Schritte in sie hinein, halte meinen Arm schützend und suchend nach vorne ausgestreckt. Zuerst sehe ich die festen Steine unter mir noch schemenhaft, dann hat es für einen kurzen Augenblick den Anschein des absoluten Nichts. Plötzlich dieser Geruch. Ein süßlich, schweißiger Geruch. Der Geruch eines Fells. Instinktiv bekomme ich Angst. Eine lähmende Angst. Etwas nähert sich oder ich nähere mich ihm. Ein überheller Ton durchsticht mein Ohr. Panisch packe ich zu, greife in ein Fell. Vor mir öffnen sich zwei Augen. Ein Schrei gefriert in meinem Hals. Ich erstarre, reiße panisch die Lider hoch. Die zwei Augen vor mir - es sind meine, im Spiegel. Meine Finger berühren die reflektierende Fläche.
Ich schaue auf die Haarparabel.
Jetzt will ich es wissen! Definitiv. Ich schließe wiederum meine Augen, denke: Haar. Die Zeichnung aus dem Kinderbuch. Dann der Bedeutungshof. Diesmal gehe ich in die andere Richtung, auf das Licht zu. Meine entschlossenen Schritte treffen auf die Pflastersteine. Einer beginnt zu wackeln. Ich teste seine Festigkeit mit meiner Fußspitze. Unproblematisch. Doch bereits mit dem nächsten Schritt beginnt auch das Gefüge in seinem Umfeld zu wackeln. Vorsichtig setze ich meinen Fuß. Der Boden scheint immer noch zu tragen. Ich bin nicht mehr weit entfernt. Plötzlich beginnen einige Steine nach unten weg zu brechen. Meine Schritte finden immer weniger festen Halt. Das Gefühl des Fallens stellt sich bereits in meinem Körper ein. Jedoch: Mit einem letzten Sprung greife ich das Sandkorn. Ende.
Ich komme mir vor wie Bastian aus der „Unendlichen Geschichte“, der das letzte Lichtkorn benennen muss. Ich betrachte es, doch seine Helligkeit blendet mich. Ich kann nichts erkennen. Absolute Dunkelheit. Ich schließe meine Augen und sehe mich selbst mit geschlossenen Lidern vor dem Spiegel stehen, die Hand an der reflektierenden Fläche.
Die Haarparabel.
Natürlich! Ich benötige eine andere Sprache, um den definitiv höchsten Punkt, den Anfang meines Kopfes zu finden, eine präzisere. - Die Mathematik.
Errechnung des Maximums der Haarparabel:
Axiome: 1) Auf meinem Kopf befindet sich ein Kartesianisches Koordinatensystem
2) Das Haar beschreibt eine Normalparabel von der Form: (i) f(x) = - x2
3) Die Parabel berührt das Koordinatensystem im Ursprung
Notwendige Bedingung für ein Maximum: f’(x) = 0; xM : x- Wert im Maximum;
yM : y- Wert im Maximum;
f’(x) = -2x
→ 0 = -2x ↔ xM = 0
Einsetzen in (i) ergibt: f(0) = 0 ↔ yM = 0
Hinreichende Bedingung: f’’(x) < 0
f’(x) = -2x
→ f’’(x) = -2 q.e.d
Meine Berechnungen ergeben also, dass das Maximum der Haarparabel und somit der Anfang meines Kopfes im Punkt P(xM/yM) = P(0/0) liegt. Er ist folglich im wahrsten Sinne des Wortes ursprünglich. Was mich nicht wundernimmt, denn genau dieses Ergebnis habe ich in den Axiomen bereits festgelegt. Die Präzision meiner neuen Sprache geht leider zu Kosten der Realitätsnähe. Ich habe bei der Berechnung nämlich eine Kleinigkeit ausgespart: Das restliche Universum, inklusive mich selbst.
Ich entschließe mich, das Haar einfach herauszurupfen und von neuem zu beginnen. Ich habe ja noch rund 20 000 Versuche und dann eine Glatze. Langsam beginne ich zu verstehen, was Sie uns über das Wasserglas sagen wollten, Herr Herbst.
Bravouröse Lösung, vor allem im Abdrehen am Ende. Das ist toll. Aber reduzieren Sie den Text jetzt, nehmen Sie alles raus, was geschwätzig ist. Ich geh dazu nur mal über den Anfang und kommentiere, den Rest machen Sie selbständig.
Ganz oben: Das dürfte eine der Haarspitzen sein [Wie wir gleich hören werden: eben nicht. Also überflüssig, reines Einstiegsgeschwurmel:]. Ich kann allerdings keine einzelne, herausragende erkennen. Jedoch: [Hier fangen Sie eigentlich erst an:]Eines der Haare wölbt sich in Parabelform zum höchsten Punkt, taucht mit der Spitze wieder ins Resthaar ein. Dementsprechend [:Gestelze.] verlieren sich seine Pigmente [:die Pigmente des Haars?] vor dem hellen Hintergrund des Hintermir. Erst in der Masse prägt es das individuelle Merkmal ‚dunkelblond’ aus. Für sich ist es transparent. Ich versuche es mit den Augen zu fixieren, das Skalpell anzusetzen. Je fester ich zupacke, umso deutlicher entzieht es sich meinem Blick. Die Photonen der Deckenlampe werden bei speziellem Einfallswinkel über die Haarparabel in meine Augen reflektiert. Dadurch entsteht ein dünner, leicht gekrümmter Lichtstreifen dort, wo sich das Haar mutmaßlich befinden muss. Sieht aus wie eine winzige, eingefrorene Sternschnuppe. Die einzige Information, der einzige Anknüpfungspunkt: Eine eingefrorene Sternschnuppe. Ich denke: Haar. Das Wort verklingt in meinem Kopf, bekommt nichts zu fassen. Ich sage: Haar. Der Laut verhallt im Bad, dringt nicht durch die Oberfläche des Spiegels. Ich schreibe: Haar. Die Lettern verschwimmen, sagen mir nichts mehr. Ich zweifle: Haar? Hahr? Hah? Haa? H?
Meine Hand greift automatisch zu den Augen und, reibt sie. Zurück zu den Fakten: Ich schaue genauer hin, aAls hätte jemand zum Himmel gezeigt: „Schau! Eine Sternschnuppe!“. Schon zu spät. Sie verschwindet abermals mit der Vehemenz meines Blickes. Am Punkt meiner Fixierung bildet sich ein leerer Raum aus. Ich muss meine Lider schließen, um wieder zu sehen. Ich denke: Haar. Und - da ist es! Das Haar. Die Kopfhaut mit einem schematischen Haar und einer freundlich grinsenden Milbe. Eine Zeichnung aus meinem Kinderbuch. Mein Anteil an der Die platonischen Idee.ABSATZ.
Endlich.
Ich bin auf dem Bedeutungshof angelangt. Ich schaue mich um. In der Mitte des BedeutungshHofes liegt ein einzelnes leuchtendes Sandkorn . Es und strahlt kreisförmig auf die Pflastersteine aus. Ich stehe noch einige Schritte davon entfernt. Wo sich der Lichthof verliert, tauchen die Pflastersteine zunehmend in zunehmende Dunkelheit. Seltsamer Weise zieht mich diese Dunkelheit stärker an, als das Licht. Ich trete wage einige Schritte in sie hinein, suchend stecke ich halte meinen Arm aus schützend und suchend nach vorne ausgestreckt. Noch sind unter mir Zuerst sehe ich die festen Steine unter mir noch schemenhaft, dann ist hat es für einen kurzen Augenblick den Anschein des absoluten nur noch Nichts. Bis auf den Plötzlich dieser süßlichen Geruch. Ein süßlich, schweißiger Geruch. [:Im übrigen riecht Schweiß spitz, nicht süßlich. Süßlich ist Geschlechtsgeruch.] Es ist dDer Geruch eines Fells. [Das hier muß e r z ä h l t und darf nicht nur äußerlich behauptet werden:] Instinktiv bekomme ich Angst. Eine lähmende Angst. Etwas nähert sich oder ich nähere mich ihm. [Hier jetzt nicht übertreiben!:] Ein überheller Ton durchsticht mein Ohr. Panisch packe ich zu, greife in ein Fell. Vor mir öffnen sich zwei Augen. Ein Schrei gefriert in meinem Hals. Ich erstarre, reiße panisch die Lider hoch. Die zwei Augen vor mir - es sind meine, im Spiegel. Meine Finger berühren die reflektierende Fläche.
Ich schaue auf die Haarparabel.
[DER FOLGENDE ÜBERGANG SITZT NICHT:]
Jetzt will ich es wissen! Definitiv. Ich schließe wiederum meine Augen, denke: Haar. Die Zeichnung aus dem Kinderbuch. Dann der Bedeutungshof. Diesmal gehe ich in die andere Richtung, auf das Licht zu. Meine entschlossenen Schritte treffen auf die Pflastersteine. Einer beginnt zu wackeln. Ich teste seine Festigkeit mit meiner Fußspitze. Unproblematisch. Doch bereits mit dem nächsten Schritt beginnt auch das Gefüge in seinem Umfeld zu wackeln. Vorsichtig setze ich meinen Fuß. Der Boden scheint immer noch zu tragen. Ich bin nicht mehr weit entfernt. Plötzlich beginnen einige Steine nach unten weg zu brechen. Meine Schritte finden immer weniger festen Halt. Das Gefühl des Fallens stellt sich bereits in meinem Körper ein. Jedoch: Mit einem letzten Sprung greife ich das Sandkorn. Ende.
Ich komme mir vor wie Bastian aus der „Unendlichen Geschichte“ [:führt viel zu weit weg!], der das letzte Lichtkorn benennen muss. Ich betrachte es, doch seine Helligkeit blendet mich. Ich kann nichts erkennen. Absolute Dunkelheit.
[VIELLEICHT EINFACH DIE PASSAGE HIERÜBER GANZ STREICHEN UND DAMIT WEITERMACHEN:]
Ich schließe meine Augen und sehe mich selbst mit geschlossenen Lidern vor dem Spiegel stehen, die Hand an der reflektierenden Fläche, an den Axiomen:.
Die Haarparabel.
Natürlich! Ich benötige eine andere Sprache, um den definitiv höchsten Punkt, den Anfang meines Kopfes zu finden, eine präzisere. - Die Mathematik.
Errechnung des Maximums der Haarparabel:
Axiome: 1) Auf meinem Kopf befindet sich ein Kartesianisches Koordinatensystem
2) Das Haar beschreibt eine Normalparabel von der Form: (i) f(x) = - x2
3) Die Parabel berührt das Koordinatensystem im Ursprung
Notwendige Bedingung für ein Maximum: f’(x) = 0; xM : x- Wert im Maximum;
yM : y- Wert im Maximum;
f’(x) = -2x
→ 0 = -2x ↔ xM = 0
Einsetzen in (i) ergibt: f(0) = 0 ↔ yM = 0
Hinreichende Bedingung: f’’(x) < 0
f’(x) = -2x
→ f’’(x) = -2 q.e.d
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