svarupa meinte am 8. Sep, 12:30:
Da finde ich jetzt für mich zwei getrennte Themenkreise:Die allgemeine Definition von Body Modification betreffend: wird irgendwann zu lesen sein, dass im 21. Jahrhundert begonnen wurde, die Begrifflichkeit „Seele“ nicht mehr mit der Ich-Bildung zu belegen, sondern mit der Ich-Erfindung?. Warum empfinden so viele Jugendliche heute ihren Körper (wenn denn Seele) als so sinnlos?. Spüren sie sich erst dann, wenn sie eben in die existentielle Gefährdung dieser gehen?, wiewohl ich davon überzeugt bin, dass der Mensch grundsätzlich seinen Körper erst dann wirklich spürt, wenn er einer Situation ausgesetzt wird, die ihm diese Grenze zur existentiellen Gefährdung aufzeigt und ihn diese Grenze auch spüren läßt.
Viele Urvölker praktizierten und praktizieren auch heute noch ihre Initiationsriten, dazu gehören auch z.B. Tätowierungen, die mit in Tinte getauchten superscharfen Steinspitzen durchgeführt werden, was sehr schmerzhaft ist. Gaben/geben die Urvölker ihren Menschen damit dem Körper eine Seele und somit ein Gefühl von Körper? Diese Initiationsriten führen den, der sich diesem Ritus unterwirft, immer in die existentiellen Fragen – und setzen einen Prozeß in Gang, der ihm hilft, in seiner Körperlichkeit (Seele-Ich-Sein) seine eigene Definition zu finden. Es ist wie eine Positionierung der eigenen Seele im eigenen Selbst.
Wenn es um die Begrifflichkeit „Seele formen“ im Rahmen der Inhalte Ihrer Verlinkungen geht, existiert da ja ein noch ganz anderer Hintergrund, aus dem sich wieder ganz andere Fragestellungen ergeben. Ich reagierte damals ziemlich vehement… weiß aber inzwischen um meine Entwicklung im Rahmen meines Prozesses.
Heute weiß ich, daß auch hier das „Seele formen“ bedeutet, sich im eigenen Selbst eine neue Positionierung zu geben und deswegen ein eigenes Initiationsritual durchzuziehen. Dazu ist man aber erst in der Lage, wenn man gelernt hat, sich den eigenen Ängsten zu stellen.
Ich bin heute der Meinung, daß Angst zu haben nichts anderes bedeutet, als sich seinen eigenen Gefühlen nicht stellen zu wollen. Angst ist sicherlich auch ein Schutzmechanismus… aber er ist eigentlich (das ist meine subjektive Meinung) sinnlos. Ich mußte ja eine Situation erfahren, die mich absolut an den Rand meines existentiellen Lebens brachte… da passierte etwas Unglaubliches: die Angst war plötzlich nicht mehr da. Nirgends ist man in einem so klaren Zustand, wie in einer die Existenz gefährdenden Situation – da gibt es weder eine Vorstellung von Angst noch ein Angstgefühl, man hat keine Zeit für so etwas, deshalb gibt es auch kein Zeitgefühl mehr, man ist einfach in dieser seiner nackten Existenz und aus dieser heraus reagiert man. Nie spürte ich meine Existenz an sich deutlicher.
Durch Mißbrauch hat diese Angst noch eine ganz andere Qualität, denn sie hat keinen Grund, ihr fehlt der Grund und Boden der eigenen Vorstellung. Ein mißbrauchter Mensch hat keine Vorstellung von sich selbst, er schaut in einen Spiegel und sieht nicht sich, sondern die Fremdbestimmtheit. Es fehlt über einen ganz langen Zeitraum nicht nur die eigene Definitionsmöglichkeit des eigenen Selbst, sondern auch der nötige Inhalt für diese Definitionsmöglichkeit. Ich konnte mir über einen ganz langen Zeitraum mir selbst meine eigene Position im eigenen Selbst nicht verschaffen. Und es dauerte Jahre, bis ich genau das erkannte und es mir bewußt machte.
Der Prozeß der dann möglichen Eigendefinition kann auf verschiedene Art und Weise stattfinden. Obwohl ich damals ziemlich laut Veto einlegte, weil ich mich diesem Vorstellungsvermögen an sich schon verweigerte, weiß ich heute, daß es Menschen gibt, die sich in der Art und Weise, „so“ in die Situation zurückkehren und sich dem bewußt aussetzen zu wollen, in BDSM-Szenarien begeben. Oder man wählt den Weg des „Seele formens“… indem man es den Körper tragen läßt, diesen Weg wähle ich für mich. Aber wie bei den Jugendlichen ist es für mich die ritualisierte Positionierung meiner Seele in meinem eigenen Selbst, eben in meinem eigenen Körper. Wobei ich hier dann wieder zur Frage zurückkehre: Körper = Seele?, Seele = Körper?
Das Unzeigbare zeigbar machen… kommt eigentlich einer Kulturrevolution gleich…
Grundsätzlich stelle ich mir eine verbindende Frage: Ist alles, was über die existentiellen Fragen hinausgeht, sinnlos?... ist Kultur auch deswegen pervers?.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/4241317/#4241729























