didymus meinte am 2007/09/10 00:37:
@herbst
danke für Ihre zuwendung. Es hätte mich wirklich interessiert. Aber scheinbar fühlen Sie sich angegriffen. Das wollte ich nicht. Mich interessiert einfach nur, und das ohne vorurteile, woher jemand weiß, was gut ist. Es ist vielleicht schade, dass ich mit Ihnen nicht reden kann. Pound hat ABC-des Lesens geschrieben um zu klären, was gut ist. Seine Meinung kenne ich und mich interessieren Meinungen von anderen menschen. Aber das klingt alles nach rechtfertigungen meinseseits und das will ich nicht, weil ich angst davor habe. (Ich kann Pound nicht fragen, warum er seine texte gut fand, aber Sie leben: weichen Sie nicht aus, warum ist dieser text gut. Ich kenne auch die schriften von Nietzsche: Warum ich so gute Bücher schreibe usw.) Es kann sein, dass ich nicht lesen kann, dann helfen Sie mir. Bitte.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/4237832/#4245452
albannikolaiherbst antwortete am 2007/09/10 06:03:
@didymus, versuchshalber.
Das Problem besteht darin, daß ich Ihnen, um es zu erklären, das Gedicht analysieren müßte. Wenn man das aber tut, zumal als Autor des Gedichtes selbst, geht der Zauber eines Textes (das kann auch ein schwarzer, "böser" Zauber sein) dahin. Autoren sind gut daran beraten, wenn sie, was sie für ihre eigene Ästhetik meinen, am Beispiel anderer Autoren aufzeigen - ich tu das bekanntlich seit vielen Jahren in Form von >>>> Hörstücken (etwa >>>> über Céline, über >>>> den Sie sich ja selbst geäußert haben, oder über Aragon und einige unterdessen viele andere), sowie in theoretischen Arbeiten; auch Rezensionen dienen mir bisweilen mehr dazu, eigene ästhetische Positionen zu finden zu beschreiben, als um tatsächlich anderer Bücher zu bewerben.Ich geb Ihnen dennoch - wider meine Überzeugung - folgende Hinweise, die ich selbst, beim Nachdenken über das Gedicht, gefunden habe:
Es liegt zum einen an der - mich selbst überraschenden - Bildkraft etwa der Wendung "und kaut noch m i t an der Leber"; so etwas konstruiert man nicht, es "kommt" ebenso, wie daß ausgerechnet Nero, ein Unhold, zur affirmativen Verteidigung einer Haltung herbeigezogen wird, die eigentlich von seinem Gegenteil beseelt ist.
Es liegt zum anderen an dem Übergang von "hat auf der Klinke der Zukunft die Hand" zum "unverdammt" des Folgeverses; dieser Übergang klingt nach einem Reim, ohne daß er das tatsächlich wäre; er klingt aber immer so weiter, so stark ist diese Gewalt.
Und zum dritten ist es die aus der Verkürzung von "Aug" herausgeleitete Geschlechtsumwandlung von, eigentlich, "seine Haut" zu "sein Haut" - daß hier also etwas, das eigentlich ein grammatischer Fehler ist, zum Bedeutungsträger wird, ohne in irgend einer Weise manieriert zu sein. Sondern es ist Tatsache.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/4237832/#4245650





















