Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop

Marlboro, Prosastücke, 1981 Die Verwirrung des Gemüts, Roman, 1983 Die blutige Trauer des Buchhalters Michael Dolfinger, Lamento/Roman, 1986 Die Orgelpfeifen von Flandern, Novelle, 1993, 2001 Wolpertinger oder Das Blau, Roman, 1993, 2000 Eine Sizillische Reise, Fantastischer Bericht, 1995, 1997 Der Arndt-Komplex, Novellen, 1997 Thetis. Anderswelt, Fantastischer Roman, 1998, (Erster Band der Anderswelt-Trilogie) In New York, Manhattan Roman, 2000 Buenos Aires. Anderswelt, Kybernetischer Roman, 2001, (Zweiter Band der Anderswelt-Trilogie) Inzest oder Die Entstehung der Welt, Der Anfang eines Romanes in Briefen, zus. mit Barbara Bongartz, 2002 Meere, Letzte Fassung 2007. Bei Volltext. Die Illusion ist das Fleisch auf den Dingen, Poetische Features, 2004 Die Niedertracht der Musik, Dreizehn Erzählungen, 2005 Dem Nahsten Orient / Très Proche Orient, Liebesgedichte, 2007 Meere, Letzte Fassung 2007 Aeolia.Gesang / Stromboli. Mit den Bildern von Harald R. Gratz. Limitierte Auflage, 2008 Kybernetischer Realismus, Heidelberger Vorlesungen. Manutius Heidelberg 2008 d e

 

Der Geselle zu Sais.

Vielleicht ist es nicht so, wie es manche Freunde dunkel prophezeiten, daß der Mann den Eros an seiner Frau verliere, ist er bei der Geburt seiner Kinder dabei. Sondern er hat den letzten >>>> Schleier gehoben, i h r Geheimnis entweiht. Das verzeiht sie ihm nicht und ahndet es mit dem Verlust seiner Männlichkeit, bevor der Geselle zum Meister erwächst: Nur Eunuchen, wie im türkischen Bad, dürfen sehen. Von ihnen kommt keine Gefahr.
Dies wäre eine moderne Spur von Matriachat und, übrigens, als >>>> Interpretation für die Hirschjagd hoch geeignet.

Nach wie vor. Kleine Theorie des Literarischen Bloggens (107).

>>>> Gültig.

[Der Vorteil >>>> mancher referrers, die man zu lesen bekommt, ist genau dieser: Ein Literarisches Weblog veraltet n i c h t, wohl aber der referrer (der hier zweite Link wird bereits morgen veraltet sein). NB: Interessant in dem Link ist übrigens auch, als ein dritter, die >>>> Querbrücke zu Hubert Fichte.]

106 <<<<

David Bennent findet in Berlin neue Liebe, läßt uns Frau Barbara Jänichen für die Morgenpost wissen.

Dabei erlaubt die... nun ja: Journalistin nicht das geringste Rätselraten, >>>> um wen es sich handelt. Außerdem teilt uns Frau Jänichen mit, wo man die beiden besichtigen könne: sicher nicht dauernd, aber bisweilen im >>>> Eschloraque, auf dessen Kontakthof eine Spezies Groupie die Blütchen entfaltet, welche ein Promi dann pflücken kann.
Dennoch. Man muß ihn nicht geschmackvoll finden, diesen Artikel, aber er griff uns ans Herz. Welch ein großes, dachten wir, schlägt selbst in derart kleinen Männern! Denn nimmt sich der Herr Bennent nicht einer Mutter liebend an, die, hat es den Anschein, für drei Kinder ganz alleine sorgt? So etwas ist schwer, wir wissen, wovon wir hier sprechen. Und nimmt sich der armen Kinder also ebenfalls an? Und tut das derart öffentlich? Zwei Suchwörter bei Google getippt, und, jajaja, jeder erfährt's. Das ist groß. Das hat was von Verpflichtung. Das ist die offizielle Bekundung, es möchte hier einer für eine ihm völlig fremde Familie liebesvollste Verläßlichkeit zeigen. Davor ziehn wir den Hut.

[Vielleicht sind, formulierte im >>>> WOLPTERINGER (1993) bereits Dr. Lipom, >>>> solche die besseren Menschen. Schöner Film, übrigens, Ridley Scotts „Legende“.]

Wir treffen uns nur, um zu vögeln.

Mylady, Sie wissen's genau:
da hat die Seele keinen Ort
wo sie verweilt

Es eilt ein Sturm durch uns hinfort
durchschwemmt die Frau
und macht den Mann sich bäumen

Wir träumen, wenn wir kommen
nahe aneinander, ja
daß uns das heilt

und teilt den Schmerz benommen
in harte Gier auf, da
und in die milde Zärtlichkeit

des Schlafs dort in den Räumen
aus den Sekreten und der Zeit
für Haut und fast kaum kein Wort

[Überlegung um 18.51 Uhr:
Hinten den Reim offen lassen; das entspricht
sowohl der Erschöpfung wie auch, momentan,
meinem Gefühl dazu. Deshalb die Streichung.]

...

am hotelrechner. sehe nun das erste mal, dass fuer mich sonst via safari/mac tatsaechlich ein anderes fenster, ohne layoutfeatures, existiert.
das wetter koennte besser nicht sein am nahuel huapi. bariloche selbst ist zum wegrennen, aber dafuer ist es ja wohl auch konzipiert. vom cerro chico und dem cerro catedral aus graust es einen nochmal richtig, wenn man sich vorstellt, dass hier auf lange zeit die naziriege in der schoensten landschaft ihre moerderpension genoss. woher hatten die das geld? wer hat ihnen geholfen?
silvester wird hier leise begangen. brandgefahr. das essen ist, nun ja, wenn man sao paulos kueche kennt, in argentinien immer irgendwie eher basic und arg fleischlastig. darum gibt es heute abend geraeucherten fisch, grissinis, ein paar aufstriche und einen rutini irgendwo am see, statt ein paar nerviger sitznachbarn, ueberteuerter silvestermenues und schlechten service. hoffentlich hat der radverleih morgen auf.
das licht ist irre. der vulkan perfekt geformt. das skigebiet ein trauerspiel von bergabbau und die vorstellung von urlaub bem differente. dieser teil patagoniens, der dem skitourismus erschlossen wurde, ist deutlich anders als el calafate, der teil, der vorwiegend backpacker und reiche rentner lockt. die landschaft aber ist ein maerchengelaende.
ich wuensche allen hier lesenden und schreibenden einen guten wechsel und ein feliz ano novo!
ach ja, es ist wahr, es ist ein skandal, dass in einem reichen land wie deutschland, kuenstler leben wie sie leben. und gaebe es nicht manchmal ihre privaten maezene, die, die sie dafuer lieben, was sie tun, auch wenn sie mal nichts tun, gaebe es viele von ihnen wohl nicht, und wer da noch behaupten wollte, das waere auch ganz gut, es gibt eh zu viele und zu wenig gute, der hat was wesentliches nicht verstanden.

Silvester. 31.12. 2008. Paul Reichenbach auf dem Weg nach Speyer.

.

Fährmann, ach, du Junger, Schöner,
Komm, hol über, hole aus,
Bring mich auf die andre Seite,
Bringe Fährmann, mich nach Haus.
(Russ. Volkslied)


0000000
Zum Abschluss des Jahres erklingt im Kaiserdom zu Speyer
die >>>>Messe in C-Dur für Soli, Chor, Orchester und Orgel
von Ludwig van Beethoven.


Da sind wir dabei!


Fährmann, ach, du längst Ergrauter,
Komm, hol über, hole aus,
Bring mich auf die andre Seite,
Bringe Fährmann, mich nach Haus.
(Alexander Twardowski)


Allen, die hier mitschreiben und mitlesen, ein glückliches Neues Jahr.

.

Es sich nehmen.

Thou art no man, though of a man's complexion,
For men will kiss even by their own direction.
Venus-Adonis
Venus zu Adonis. >>>> Bei Shakespeare.

Kein Orgasmus.

Hat ohne Trauer Tiefe. Und Lebenswille, ohne sie, ist nicht zu fühlen: leben zu w o l l e n. Alle Säuglinge wissen das.

(CDXCV).

(Das Gegenteil von Lebensfreude ist der Spaß. >>>> Freude sieht, Spaß verdeckt.)

Einhundertundzehn Personen. (Kellerfund. Heiligabend. Schönhauser Allee.)

Kellerfund-Schoenhauser-241208

evolution pours and pours and pours

heavy pouring, sp, 22.12.2008
heavy weather, sp, 22.12.2008

Die Entstehung Europas (2). Fortsetzung. (Skizze).

[ff von >>>> dort:
(...)
bevor man sie zu Beinhäusern baute und Tempeln in den leisen Hainen,]


worin einige Anadyomanen als Priesterinnen verblieben; von dem Mann,
blieb nichts als ein Ahnen, als die Wütenden weiterzogen, blieb die Spur
in den materialen Rohren, ein Wind und seine wehende Klage nur
um die schmalen Säulen; es wehte bald von überall der Rauch heran

brennender Orte vergessener Ruhe, und auf den Hunderten Schädelstätten,
manchmal ragten noch Schuhe heraus, bestellten die Frauen das Feld.
Sie nährte bereits die Kultur. Sie hielten sich, Konzession an die Welt,
zu Lust und Arbeit eingefangene Drohnen; an leichten goldenen Ketten

führten sie diese Männchen und zeigten sie stolz; vor jedem Bündel Ähren
mußten die sich neigen, doch galten noch, weil so behaart, als Tier.
Von den gemeuchelten Brahmanen ahnten die gepflegten Frauen hier
und von den wütigen Ahnen, dem blutigen Schaum, dem Originären,

gar nichts Wirkliches mehr. Und war doch in ihnen geblieben
bis heute, den Männern rot zur Scheu; sie trippelten ängstlich an Tagen,
da man es sah: es war das Zeichen von Göttern, man durfte nichts wagen,
selbst der Blick mußte weichen, man sah ihn sich klamm vorüberschieben

in den Speichern am Korn, das man beklommen drosch vor dem Mahlen
Ein dunkles Geheimnis, fast Zorn, umgab, die es wahrte, die helleste Frau
noch – aber was man da roch,die Aphroditen wußten es selbst nicht genau,
woher das Monatsjoch stammte, wozu das denn war; sie befahlen

sich selbst vor den Zeiten zum Rückzug und sperrten sich in Klausen,
sich vorzubereiten. Bis es vorbei war. Nur andere Frauen durften dann
hinzu. Es war wie Geburten, doch leere, wie Schwäche. Von dem Mann
zu dem Mann gingen, schwere bereits von Verschwörung und Grausen,

Blicke; das war nun schon nicht mehr Natur: sondern sie waren verfeinert:
Wo alles wegschaut und schweigt nur, wollten sie hinsehn. Es verkleinert
der deutliche Blick die Gefahr, rafft die Schleier beiseite, und es erhebt sich,
wer unterdückt war, und an die Bäder schleicht er sich an, unwiderstehlich

lockt ihn das Bild. Wird >>>> gejagt und gestraft, wird erlegt mitsamt der innern
Fotografie und den Geweihen
. Kommt aber wieder. Der Wille wächst nach,
was heilig ist zu entweihen, er sprießt. Da fieln aus dem Norden, der zustach,
fremde männliche Horden ein, Hyänengesichter wie von tumben Gewinnern

(...)

1 <<<<

evolution copies closely

evolution-copies-closely

Die Entsehung Europas (1). Anfang. (Skizze).

Bevor ich aufgestanden und meiner halben Wachheit
Meere g i n g e n, fanden vor fünftausend Jahren
die Anadyomanen, sie entstiegen in Scharen
unter Kormoranen, die wild keiften, der Seligkeit,

das Land. Ihre Waffen waren der Wille, die Gesichter glühten.
Am Strand, zu sanftmütig, um die landende Mordlust zu fliehen,
standen zwei heilige Männer und lasen die Vögel ziehen.
Sie deuteten den Wind, als das eilige metzelnde Wüten

anhob, zu spät. Die Köpfe flogen, in den Augen die Frage,
wer sowas sät, weit übern Sand, der sich purpurn verklebte,
die Arme, die Beine, so schnell die blutige Gischt, die jetzt bebte.
Es überlebte nicht eine der Frauen im Dorf die nächsten zwei Tage,

das hinterm schmalen Nadelwald im Frieden der Bescheidung döste
und einer orientalen Ruhe, kein Mann, kein Kind, nicht eine Ziege.
Erstmals briet Fleisch. Die Kadaver lagen versteut, jede Biege
verstummtes Gekreisch, das sich aus den erstarrten Leichen löste,

unvernehmlich den Dieben, weiblichen Göttern, die aus den heiligen Steinen
die männlichen Götter vertrieben, die friedlichen, aus Büschen und Bächen,
und Waffen aus den Knochen schnitzten, die gebrochen blichen,
bevor man sie zu Beinhäusern baute und die zu Kirchen Tempeln in den Hainen.

(...)
>>>> 2

Daß Menschen das können.

Ich lausche >>>> dieser Passacaglia, diesem Lento und bin benommen von solcher traurigen Schönheit. Daß Menschen das können: Traurigkeit und Trauer in Schönheit verwandeln. Einer >>>> spricht von meinem „komischen Respekt vor der Hochkultur“; er hat nichts begriffen.
[Benjamin Britten, Dritte Suite für Cello solo, Truls Mørk.]

Links, Links & Links. Dschungelbücher zu Weihnachten. Für Lebende & ihre Avatare. 19.12.2008. montgelas.

.

„»Lesen, indes der weiße Flügelschlag der Zeit uns streift,
ist das nicht Seligkeit?“ « (Ezra Pound)




Für ANH

Statt eines Buches aus der königlich-bayr. Schatzkammer Napoleonisches 1176668092


Für mich:

stromboli3Alban Nikolai Herbst. AEOLIA. GESANG. Harald R. Gratz. STROMBOLI.
Limitierte Auflage, 333 Exemplare. Einband in schwarzem Leinen, 56 Seiten Großformat (33 x 24), davon die Hälfte Abbildungen der Stromboli-Gemälde Harald R. Gratz'. Edition Jesse, Bielefeld. 50 Euro.


Alban Nikolai Herbst. Kybernetischer Realismus.Heidelberger Vorlesungen. Broschur mit Fadenheftung, 128 Seiten Euro 34,- Manutius Verlags Heidelberg


Für *****

ususKatalogbuch ‹usus› Uta Schneider & Ulrike Stoltz: trans—lation. Dem Möglichkeitssinn Fläche, Raum und Stimme geben. Offenbach am Main 2007. VIDA Paper Design Award 2007. 380 vierfarbige Abbildungen. Lyrik- und Prosatexte; deutsch, englisch. 248 Seiten; 23 x 29,5 cm; flexibler Gewebeband.
Mit «trans–lation» legen die in Offenbach am Main lebenden Künstlerinnen >>>Ulrike Stoltz und Uta Schneider eine umfassende Werkpublikation ihrer über zwanzigjährigen Zusammenarbeit vor. Acht Texte vertiefen die Lektüre und beleuchten das Werk. >>>Stefan Soltek positioniert die textinstallativen Arbeiten von ‹usus› in Kontext zu den Künstlerbüchern. >>>Johannes Strugalla antwortet als Künstlerkollege mit einem lyrischen Text. >>>Etel Adnan beschreibt das Thema des Übersetzens von Sprache in Bild, von Bild in Sprache, von etwas Wahrgenommenem in einen Gedanken. >>>Lutz Hesse verortet die Sprache und Texte von ‹usus› in der literarischen Welt. Marie-Anne Augustin betont als Tänzerin und Galeristin den die drei Frauen verbindenden weiblichen Blick und die Bewegung im Raum. >>>Clemens Ottnad gibt einen Einblick in das zeichnerische Werk von ‹usus› und deren Zeichenkürzel und Bildsysteme. >>>Barbara Tetenbaum bespricht die parallelen Entwicklungen vom Künstlerbuch zur Rauminstallation aus der Perspektive von der anderen Seite des Atlantiks. >>>Christopher Wilde beschwört als Mitbegründer von >>>Booklyn die gegenseitige künstlerische Inspiration. >>> u s u s

Für cellini:

roloff1Marcus Roloff. Gedächtnisformate (Gedichte)
(black paperhouse, Band 3) Gedruckt auf Freelife Vellum White von Fedrigoni. Mit gefaltetem Plakatumschlag, unter Verwendung von Zeichnungen von Ingo Fröhlich. 72 Seiten, br., 18,5 x 14 cm, dt., Euro 11,00. ISBN: 3-936826-63-3.
gutleut verlag 2006.


Für Bruno:

2016A

DIANA und ACTAEON. DER VERBOTENE BLICK AUF DIE NACKTHEIT
Ein reich bebilderter Katalog mit ca. 320 Seiten. Texte von Beat Wismer, Sandra Badelt-Pörschmann, Jean-Christophe Bailly, Bettina Baumgärtel, Claudia Delank, François Grundbacher, Karla Höß, Stefanie Ippendorf, Pia Jauch, Maria Moog-Grünewald, Ann-Sophie Lehmann, Katja Stolarow, Gabriele Uerscheln, Miriam von Gehren, Stefan Zweifel Preis: 36,00 Euro. (Buchhandelsausgabe: ca. 39,80 Euro)>>>Bestellungen im Shop des Museum- Kunst-Palast'





Für Pauls Sohn:

kurzeck_sommerEin Sommer, der bleibt Peter Kurzeck erzählt das Dorf seiner Kindheit Konzeption, Regie und Produktion: Klaus Sander. Erzähler: Peter Kurzeck. Aufnahmen: Klaus Sander Schnitt und Mastering: Michael Schlappa. Box mit 4 Audio-CDs, 290 Minuten und Booklet, 8 Seiten. ISBN 978-3-932513-85-5. Euro 34,80. supposé. Berlin.

athscherbencover2_150André Thiele.
Eine Welt in Scherben
.
Historien und Essays. Mainz: VAT 2008.
ISBN 978-3-940884-06-0.
112 S., Klappenbroschur. Preis: 14,90 EUR






Für Rita:

kurzeck1Peter Kurzeck: Stuhl, Tisch, Lampe. Audio-CD, 77 Minuten. Koproduktion mit Stroemfeld, Frankfurt. ISBN 3-932513-50-9. Euro 18,- . supposé. Berlin.



31MIc2kcExL-_SL500_AA240_Ricarda Junge. Eine schöne Geschichte
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2008. Gebunden, 256 Seiten, 17,90 EUR







Und als besondere Draufgabe für Paul :

anmdersonSascha Anderson / DA IST … 33 gedichte über kunst oder leben [buchschwarz s 7387 auf freelife vellum white, 2007/8]
"DA IST … [die] dreiunddreißig [neuen] Gedichte [S. Andersons] über Kunst oder Leben" entziehen sich jedwedem Blick in den affirmativen, vom Begehren angehauchten Spiegel. Vom Nicht-Sein und nicht von der Verallgemeinerung zurück auf die Bedeutungsträger zielend, vertrauen die 439 Verse [1. inklusive Leerzeilen, 2. ihrerseits quellenkundig und 3. offensichtlich "objet sonore"] der gesprochenen, autobiografisch gebrochenen Stimme mehr als jedem laut-malerisch schriftgestützten Anspruch. "Die Kunst ist zu einer vom Bild maskierten Metapher verkommen und reproduziert sich kapitalträchtig als Garantiebescheinigung in den Schubladen des Lebens", sagt Anderson; dann beginnt "Da ist …", dann öffnet es uns den void-gesättigten, zuspruchslosen Raum – den der Ent-täuschung –, dann schließt es ab mit einer Öffentlichkeit der Kunst, die ohne ihre okkupative Inszenierung nichts wäre, als das, was jemand nicht für sie bezahlt, um schließlich, wie jede gute Kunst, vor uns zu liegen als traurig radikales Angebot einer aus der Chronologie gefetzten Partiture trouvé. (C. T.) reihe black paperhouse / Bd. 8 / 2008 / 48 S. / br / 18 x 14,5 cm, mit doppelseitigem Plakatumschlag [35 x 50 cm] und einem Korrekturvorschlag / Euro 11,00 / ISBN 978-3-936826-45-6. gutleut verlag 2008

Das Grobe, das Zarte. (Mit zweiter Version, 19.12.).

[Erste, skizzierte Fassung (16.12.):]
das Schrein einer Frau nach der Rute
das Gute, Böse

die fallenden Tropfen Schweißes
klaren, daß der Schädel lebt

der Körper bebt bis
durch den Geist, des wahren

Augenblicks kaum inne
der erlöse (doch er weiß es

und man ist gewollt
wenn sie sich aufbäumt aufgespreizt)

und rollt - ein Bulle, der brüllte
selber - zitternd zur Seite am Boden

- beidseits Bücher wändehoch, und Bilder
Nässe, nahes Stuhlbein, Noten

und Nippes, gesammelt in Jahren
die aufgeheizt von Welten waren:

Horden von Dingen blicken
fern von den hundert Borden herab

fremd wie die hohe Decke des Zimmers
mit der kaputten, elternlosen Lampe

auf Tücher, dich nun abzutupfen
und auf die warmen Hoden

schwere, im Nachhall deines
Gewimmers, und leere von Verlangen

doch die vom Tier noch duften
deinem, meinem groben, zarten

und von dem Harten, Bangen.


[Bin mir sehr unsicher mit den letzten beiden Zeilen. (16.12., 10.58 Uhr).]

[Zweite Fassung nach den Diskussionen, 19.12.:]
Das Schrein einer Frau nach der Rute
das Gute, Böse

die fallenden Tropfen Schweißes
vom Schädel,

klar wie Wasser, das lebt
Der Körper, ungewahr

des Augenblickes, bebt,
der ihn erlöse

(denn er ist gemeint, gewollt
und weiß es

da sie sich hochbäumt aufgespreizt
und er sich, Bulle, der aufbrüllt

zur Seite rollt am Boden
und minutenlang nachzuckt)

- beidseits Bücher wändehoch, und Bilder
nahes Stuhlbein, Noten

und Nippes, gesammelt in Jahren
die aufgeheizt von Welten waren:

Horden von Dingen blicken
von den hundert Borden herab

fern wie die Decke des Zimmers
mit der kaputten, spitzen Lampe

auf Tücher, dich nun abzutupfen
und auf die warmen Hoden

schwere, im Nachhall deines
Wimmers, und leere von Verlangen

doch duften noch nach dir
der bangen, und dem Tier

dem groben, zarten – mir.

Zivilisation vs. Kunst.

Die gesamte Zivilisationsgeschichte ist eine Geschichte der Verleugnung und Abwehr von Realität. Nicht so die Geschichte der Kunst.

(CDXCIV).

Der Mittag des 14. Dezembers 2008.

Ich ging mit meinem Jungen durch einen riesigen Tierpark spazieren, in welchem um fünf Uhr nachmittags in einem gesonderten Gebäude ein Spielfilm vorgeführt werden sollte, den wir uns ansehen wollten. Es war dieser Tierpark aber auch, neben weiten Rasenflächen und Seen, ein Labyrinth verschiedener Häuser und Tunnels und Baracken, Plätzchen mit Cafés und Tanzvergnügen und sonstigen, teils akrobatischen Darbietungen. Ich war vormals schon einmal dagewesen. Um bestimmte Gänge begehen zu können, hatte ich einen eigenen Schlüssel bekommen, wie ihn nicht ein jeder hat. Diesmal hatte ich eine Karre dabei, in welcher ich meinen Jungen zog, und hintendran war ein weiteres Wägelchen befestigt, worin ein junger Orang-Utan saß; der gehörte zu uns. Wir spazierten stundenlang durch das Gelände, ich nahm verschiedene Türen und zeigte meinem Jungen und dem Orang-Utan dieses und jenes, wovor wir staunend stehenblieben, woran ich mich jetzt aber nicht mehr erinnere – außer an den Umstand, daß für mich von nahezu allem eine Strömung des lustig-Unheimlichen ausging, ja des Beklemmenden. Das war aber nicht derart offenbar, daß ich es mit meinem Kind geflohen hätte; es war viel zu phantastisch und märchenhaft, um zu fliehen; ich möchte sagen: alles war hochgradig magisch aufgeladen.
Nach vieler Zeit - immer wieder streifte mein Junge auf eigenen Beinen umher, immer wieder kletterte auch der Orang-Utan irgendwo herum, und schließlich watschelte er, nicht sehr viel größer als mein Sohn, hinter uns her - ... - nach vieler Zeit also mußten wir kehrtmachen, um rechtzeitig für das Kino an dem richtigen Ort zu sein. Wir schaffen das auch noch, haben sogar ein wenig Spielraum noch, so daß wir uns an den großen See setzen, der neben dem Gebäude ausgebreitet ist.
Da bemerke ich, daß der Orang-Utan nicht da ist. Aber mein Junge meint, ihn vom gegenüberliegenden Ufer aus zu uns herüberschwimmen zu sehen. Doch als das Wesen nähergekommen ist, das da durchs Wasser gleitet, sehen wir, es ist ein Hund, der mit uns gar nichts zu tun hat, sondern zu einer Familie neben uns gehört, die es sich am leichten Hang auf einem ausgebreiteten Tuch bequem gemacht hat. Als ich nun bemerke, daß nicht nur der Orang-Utan verschwunden ist, sondern an unserem Karren auch noch das Wägelchen fehlt, werde ich unruhig und bitte meinen Buben, hier auf mich zu warten; ich müsse unbedingt nach diesem Wägelchen suchen und fände dabei, sage ich, ganz sicher auch unseren Affen wieder. Ich solle mir keine Sorgen machen, sagt mein achtjähriger Junge; er werde hier ganz ruhig auf mich warten: ich möchte mich aber bitte beeilen, damit wir nicht den Film verpaßten.
Also spurte ich los. Die Wege, die wir gegangen waren, habe ich sehr genau im Kopf behalten und die Abkürzungen sowieso, die für uns meines Schlüssels wegen möglich gewesen waren. In einem solchen sehr verwinkelten Gang, ganz am Ende vor dem Ausgang, dahinter ein belebtes Plätzchen lag, meine ich, den Orang-Utan auch zu entdecken, und ich gehe nahe heran. Er sitzt auf einem Kinderwagen, auf der Führungsstange, ist wie ein Papagei gekleidet; überdies hat er ein ganz grünes Fell. Ich denke, man hat ihn gefärbt, sein Gesicht sieht ganz so wie das des unseren aus; aber die dazugehörenden Kinder lachen mich nur an, so saß mir klarwird, das ist ein anderes Tier, auch wenn es, als es mich da ansieht, genauso blickt, wie unser Orang-Utan immer geblickt hat. Nein, ich merke, es ist ein Irrtum, und suche weiter. Hinüber auf den Platz. Nirgends das Wägelchen, nirgends das Tier. Ich immer im Laufschritt. Es wird zunehmend spät, der Film ist ganz sicher längst verpaßt.
Da sehe ich, daß überm gegenüberliegenden Rain einer Prärie - dort, wo ein hoher Hang in sie hinabfällt - ein großer Traktor festgekeilt ist; seine Vorderräder ragen über den Abhang hinaus, der Rest der Zugmaschine ist verborgen; aber vor das Führungshäuschen selber ist, wie um es zu verbergen, über die Baggerschaufel mein Wägelchen eingelassen und festgeklemmt worden. Ich laufe hinüber, ich erklimme den Hang, erklimme hälftlings den Traktor und versuche, unser Wägelchen, um das es sich tatsächlich handelt, loszubekommen. Ich muß zerren und ziehen, aber der kleine Hänger will sich nicht lösen. Ich muß noch weiter auf den Traktor hinaufklettern, außen herum, es ist nicht ganz ungefährlich, ich strecke wieder die Hand aus – und erwache erschrocken.

[Siehe hierzu auch >>>> São Paolos Hirsche.]

evolution gets lost as winged deer crossing

flügelverleih sp
wildwechsel in sp

Todesstrafe oder Freischuß.

Eigenartig, daß die Todesstrafe dort zu Unrecht wird, wo man sie nach einem „ordentlichen“ Verfahren verhenkt, nicht aber, wo ein gezielter Todesschuß sie in der Aktion bewirkt, deren eine nur kleine Teilmenge die Notwehr ist. Ich werde diesen Schuß den Freischuß nennen. Denn auch diese Kugel, wenn sie denn trifft, ist vom Teufel gegossen: letztlich ohne Moral. Das Moralische tritt ja eben erst durch die Gerichtsverhandlung ein, auf die ein Angeklagter das Recht hat; aber genau eben dieses Moralische in der Gerichtsverhandlung läßt die verhängte Todesstrafe, bevor und wenn sie zur Ausführung kommt, derart unmoralisch werden. Hier wird die grundsätzliche Antinomie des rechtgültigen Strafens wie wohl des Strafens überhaupt entblößt: daß es ebenso barbarisch wie das Verbrechen ist, auf das es reagiert.

(CDXCIII).

Verloren ich, verloren du.

>>>> Katia Tchemberdji: Kindergebet für K.
auf >>>> ein Gedicht von ANH (2006):

Tchemberdji-ANH-Kindergebet-fuer-K (mp3, 4,819 KB)

>>>> Sing-Akademie zu Berlin.
Knabenchor der UdK Berlin.
Berliner Dom, 14. November 2008.