mugwump meinte am 2004/10/28 09:20:
Allerdings...
gibt es auch keine männlichen Engel. Soweit ich erinnere, war das Geschlecht der im Mittelalter eine der am heftigsten diskutierten Unklarheiten der Exegese - zu damaligen Zeiten sehr viel heißer diskutiert weil strittiger als z.B. der Sinn des Lebens oder die Existenz eines Himmels an sich und falsche Ansichten zu diesem Thema konnte einen rasch auch mal auf einen Scheiterhaufen bringen. Auf sicherem Gebiet bewegte man sich wohl mit der Lehrmeinung der Zweigeschlechtlichkeit des Urengels, der sich je nach Belieben mal männlich , mal weiblich auftritt, oder, wie der Erzengel Raphael es einmal formulierte: »Was wir urgeschaffene Geister sind, so ist bei uns zahllosen (Urengeln) allein nur das männlich-positive Wesen als völlig ausnahmslos waltend; aber es ist dennoch in jedem von uns auch das weiblich-negative Prinzip vollkommen gegenwärtig, und so stellt ein jeder Engel in sich die vollkommenste Ehe der Himmel Gottes dar. Es hängt ganz von uns ab, ob wir uns in der männlichen oder in der weiblichen Form zeigen wollen, und das alles in einer und derselben geistigen Haut.«
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/380662/#380827
albannikolaiherbst antwortete am 2004/10/28 09:44:
Hierzu wie oben.
Nur das mir soeben die Begriffskombination "männlich-positiv" auffällt, woraus evtl. das Weibliche als Negatives formallogisch erschlossen erden soll. (Es wäre aber, strenglogisch, ein Fehlschluß.) Die Dichotomie findet sich, freilich anders gewertet, noch bei Camille Paglia, die interessanterweise das Männliche dem Apollinisch-Gestalteten und das Weibliche dem ungestalteten, aber vital treibenden Donysischen zuschlägt, was sie anatomisch aus der gegenüber dem (auf-)"gerichteten" Phallus figürlich viel flüssigeren, ineinander fast unkenntlichen (und ja meist ohnedies unsichtbaren, weil von den Schamlippen verschlossenen Vulva hernimmt. Ich neige ein wenig Paglias Auffassung zu, bin indes zugleich der Meinung, daß etwa die im Westen unterdessen nahezu allgemein gewordene weibliche Intimrasur das Geheimnisvolle sozusagen plastifizierend unterlaufen hat. Dabei bleibt das Weibliche dennoch erhalten.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/380662/#380856





















