Ein Stück. (Gerade in alten Dateien gefunden).
Und völlig vergessen, daß ich sowas mal schreiben wollte.
LICHTE TAGE
Entwurf
1.
A: Wir sind alle gute Menschen.
B: Wir haben alle die richtige Meinung.
C: Ich zum Beispiel bin Antifaschist.
B: Ach ja?
C: Gewiß. Und wie!
B: So ein richtiger, kompletter, ein völlig engagierter Antifaschist?
C: Einer mit Augen, Ohren und Herz.
B: (zu C) Es freut mich, Sie kennenzulernen. Es ist mir sogar eine Ehre. Ich liebe die Türkei. Ich liebe Marokko. Ich liebe den Islam. Ich bin überhaupt Kosmopolit.
C: Ich bin Antifaschist.
B: Schlagen Sie schon ein! Zieren Sie sich nicht. Wir gehören zusammen.
C: Was wollen wir spielen?
B: Ich spiele nie. Ich habe immer die richtige Meinung.
(D tritt auf)
B: Was wollen Sie hier? (Zu A und C:) Wer ist das?
C: Wer sind Sie?
D: (setzt sich schweigend)
B: Entschuldigung, das ist unsere Bühne hier. (Geht auf D zu). Und das ist mein Stuhl. Seit fünfeinhalb Jahren sitze ich auf diesem Stuhl. Nicht daß ich ihn selbst gekauft hätte, das nicht. Aber der Neffe von Fritz Kortner hat ihn mir geschenkt. Kennen Sie Kortner? Na also. Also darf ich Sie bitten, von meinem Stuhl aufzustehen.
D: (schweigt)
B: Der Kollege hat recht. Es ist sein Stuhl. Und dahinten steht meiner. Nur für den Fall, daß Sie denken, Sie könnten sich dann dorthin setzen. (Zu C) Nur für den Fall, nicht wahr?
C: Überhaupt, das ist unsere Bühne und unsere Probe. Ich will nicht behaupten, daß wir schon völlig einig wären, was wir spielen, aber spielen werden wir hier. Wir haben einen Termin bekommen. Es ist heutzutage ungeheuer schwer, einen Termin für eine Probebühne zu bekommen. Alle möglichen Leute glauben, Theater spielen zu müssen. Sie glauben sogar, es zu können. Und was das Ungeheuerlichste ist: Das Publikum klatscht ihnen zu. Das liegt daran, daß das Publikum nicht merkt, ob jemand Theater spielen kann oder nicht. Und weil die Sachlage nun so ist, müssen Sie verstehen, daß wir Sie hiermit ganz offiziell auffordern, erstens meinen Stuhl und zweitens insgesamt die Bühne zu verlassen. (Zu B.) Stellen Sie sich einmal vor, man klatschte ihm zu, obwohl er nicht spielen kann. (Zu D) Denn das ist einmal ausgemacht, daß Sie das nicht können.
D: (Schweigt.)
(1993)
1.
A: Wir sind alle gute Menschen.
B: Wir haben alle die richtige Meinung.
C: Ich zum Beispiel bin Antifaschist.
B: Ach ja?
C: Gewiß. Und wie!
B: So ein richtiger, kompletter, ein völlig engagierter Antifaschist?
C: Einer mit Augen, Ohren und Herz.
B: (zu C) Es freut mich, Sie kennenzulernen. Es ist mir sogar eine Ehre. Ich liebe die Türkei. Ich liebe Marokko. Ich liebe den Islam. Ich bin überhaupt Kosmopolit.
C: Ich bin Antifaschist.
B: Schlagen Sie schon ein! Zieren Sie sich nicht. Wir gehören zusammen.
C: Was wollen wir spielen?
B: Ich spiele nie. Ich habe immer die richtige Meinung.
(D tritt auf)
B: Was wollen Sie hier? (Zu A und C:) Wer ist das?
C: Wer sind Sie?
D: (setzt sich schweigend)
B: Entschuldigung, das ist unsere Bühne hier. (Geht auf D zu). Und das ist mein Stuhl. Seit fünfeinhalb Jahren sitze ich auf diesem Stuhl. Nicht daß ich ihn selbst gekauft hätte, das nicht. Aber der Neffe von Fritz Kortner hat ihn mir geschenkt. Kennen Sie Kortner? Na also. Also darf ich Sie bitten, von meinem Stuhl aufzustehen.
D: (schweigt)
B: Der Kollege hat recht. Es ist sein Stuhl. Und dahinten steht meiner. Nur für den Fall, daß Sie denken, Sie könnten sich dann dorthin setzen. (Zu C) Nur für den Fall, nicht wahr?
C: Überhaupt, das ist unsere Bühne und unsere Probe. Ich will nicht behaupten, daß wir schon völlig einig wären, was wir spielen, aber spielen werden wir hier. Wir haben einen Termin bekommen. Es ist heutzutage ungeheuer schwer, einen Termin für eine Probebühne zu bekommen. Alle möglichen Leute glauben, Theater spielen zu müssen. Sie glauben sogar, es zu können. Und was das Ungeheuerlichste ist: Das Publikum klatscht ihnen zu. Das liegt daran, daß das Publikum nicht merkt, ob jemand Theater spielen kann oder nicht. Und weil die Sachlage nun so ist, müssen Sie verstehen, daß wir Sie hiermit ganz offiziell auffordern, erstens meinen Stuhl und zweitens insgesamt die Bühne zu verlassen. (Zu B.) Stellen Sie sich einmal vor, man klatschte ihm zu, obwohl er nicht spielen kann. (Zu D) Denn das ist einmal ausgemacht, daß Sie das nicht können.
D: (Schweigt.)
(1993)
albannikolaiherbst - 28. Sep, 19:30- Rubrik: Entwuerfe
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