Alban Nikolai Herbst / Alexander v. Ribbentrop

Marlboro, Prosastücke, 1981 Die Verwirrung des Gemüts, Roman, 1983 Die blutige Trauer des Buchhalters Michael Dolfinger, Lamento/Roman, 1986 Die Orgelpfeifen von Flandern, Novelle, 1993, 2001 Wolpertinger oder Das Blau, Roman, 1993, 2000 Eine Sizillische Reise, Fantastischer Bericht, 1995, 1997 Der Arndt-Komplex, Novellen, 1997 Thetis. Anderswelt, Fantastischer Roman, 1998, (Erster Band der Anderswelt-Trilogie) In New York, Manhattan Roman, 2000 Buenos Aires. Anderswelt, Kybernetischer Roman, 2001, (Zweiter Band der Anderswelt-Trilogie) Inzest oder Die Entstehung der Welt, Der Anfang eines Romanes in Briefen, zus. mit Barbara Bongartz, 2002 Meere, Letzte Fassung 2007. Bei Volltext. Die Illusion ist das Fleisch auf den Dingen, Poetische Features, 2004 Die Niedertracht der Musik, Dreizehn Erzählungen, 2005 Dem Nahsten Orient / Très Proche Orient, Liebesgedichte, 2007 Meere, Letzte Fassung 2007 Aeolia.Gesang / Stromboli. Mit den Bildern von Harald R. Gratz. Limitierte Auflage, 2008 d e

 

B.L.’s 8.2. - Flecken

17.44
Wer mich auf das Verhalten der Anderen verweist, um damit anzudeuten, daß es für die Anderen doch auch möglich sei, so zu sein, wie sie sind, und ich also durchaus auch so sein könnte, wenn ich wollte, hat mich nicht begriffen. Nur schlimm, dann feststellen zu müssen, daß es die eigene Frau ist, die auf das Verhalten der Anderen - zumeist Ehemänner - verweist. Die sich natürlich anders und in ihren Augen besser verhalten. D.h. in letzter Konsequenz, sie hat nicht Mich geheiratet, sondern einen Mann, der zufällig so hieß wie ich. Wie sagte sie mal: „Ich hoffte, dir helfen zu können, und daß du dich ändern würdest.“ Es war dann wohl eher eine negative Änderung. Und wenn man schon Erwartungen entsprechen soll, dann ist sicher, daß das mitnichten geschieht. Und meine ganze Haltung ihr gegenüber entspringt all ihren „So nicht“ bzw. „So und nicht anders.“. Schade nur, daß alle diese Erkenntnisse erst spät kommen. Denn ich war immer noch der Meinung gewesen, ich könnte meine „Fehler“ wett machen, indem ich da bin, indem ich arbeite, indem ich beitrage. Was wieder in die Sphäre der negierten (väterlichen) Anerkennung fällt. Aber es war in ihren Augen nie genug. Immer ging es um dasjenige, was nicht gemacht worden war. (Nun rede mir keiner von „Liebe“: wann dauert „Liebe“ schon zwanzig Jahre und mehr? Alle Gegenbeispiele fallen von vornherein unter die Feststellung des ersten Satzes.) Somit um den weißen Fleck auf der Landkarte des Alltags, der auf diese Weise schwarz angekokelt wurde. - Eigentlich kein Tagebucheintrag, aber ab und an neige ich dazu, so vor mich hin für mich zu plädieren und auch sonst Reden zu halten, die ich in Wirklichkeit nie zu halten in der Lage wäre. Ein Dilemma, das mich schon immer verfolgte: Die besten Argumente hatte ich immer nach den Diskussionen, für die sie getaugt hätten. Nehmen Sie es als Psychogramm.
Cilia Sommer meinte am 8. Feb, 19:49:
Seltsam...
... finde ich, dass Sie Ihre persönlichen Eigenarten als "Fehler" betrachten und diese durch vermehrten Einsatz in anderen Gebieten wett zu machen versuchen. Warum soll Ihre Art, etwas zu tun, die falsche sein? Nur, weil Ihre Frau das so sieht, heißt es noch lange nicht, dass die Art Ihrer Frau die einzig Richtige ist und Ihre Eigen-Art die Falsche. Man (und frau) sieht doch meist das als furchtbar positiv an, was man/frau nicht hat und bedenkt dabei nicht, dass auch die Anderen, die doch so viel besser zu sein scheinen, wohl auch ihre Schattenseiten und "Fehler" haben. Liebe hat damit nicht wirklich was zu tun. Wenn schon einer mit "Liebe" ankommen möchte, dann bitte in dem Kontext, dass es doch eher Liebe wäre, den anderen so sein zu lassen, wie er/sie eben ist. Mit Eigen-Arten, Fehlern, Schatten- und Schokoladenseiten. Erlernbar. Meistens.
Zu den besten Argumenten NACH der Diskussion stimme ich Ihnen weitgehend und seufzend zu. 
Bruno Lampe antwortete am 8. Feb, 21:13:
Eigentlich habe ich nicht den Eindruck erwecken wollen, daß ich meine Eigenarten als "Fehler" betrachte. Es ging mir darum, zu vermitteln, wie die als Fehler von anderen betrachteten Eigenarten oft selbst von dem Betroffenen irgendwann als solche wahrgenommen werden. Ansonsten gebe ich Ihnen recht, weil Sie das Wünschenswerte beschreiben. 
Cilia Sommer antwortete am 8. Feb, 21:51:
Egoistisch?
Vielleicht bin ich zu egoistisch, als dass ich meine edelbitteren Seiten als Fehler betrachten könnte. Sind es doch eben auch diese EigenArten, die einen Menschen interessant machen. Wobei das "interessant" positiv oder negativ ausgelegt werden kann... 
Bruno Lampe antwortete am 8. Feb, 22:36:
Nein
... nicht egoistisch, sondern Ich bin Ich. As you like it. If you like it. 
Cilia Sommer antwortete am 8. Feb, 23:33:
Hm
Man wird ja nicht gezwungen, jemanden zu mögen. Und doch fällt mir dabei ein, wie sehr man sich (vor allem) in jüngeren Jahren verbiegt, damit ein Anderer auf die eigens gelegte Spur kommt. Doch dann schnellt diese Schiene ins das echte (?) Ich zurück.
Und noch etwas fällt mir dazu ein: Es gibt diesen netten Spruch: Man liebt mich oder man hasst mich. Ja, gibt es denn nichts dazwischen? Glauben das etwa diese Menschen, die so etwas von sich geben? Wenn die wüssten, wie sie ganz vielen Menschen sowas von scheißegal sind... Ich schweife ab und entschuldige mich hiermit dafür und bedanke mich gleichermaßen für die gedanklichen Anregungen.