rostschleifer meinte am 2006/12/07 19:00:
sehr interessante diskussion ...
doch wäre es angebracht gewesen, nacherscheinen von "zettels traum" in
kulturpessimismus zu verfallen, weil
ihn kaum einer versteht? wohl kaum!
pynchon ist ein nischenprogramm,
und ihm scheint es bewusst zu sein.
ob viel und kompliziert zu schreiben
ein hinreichender hinweis auf
genialität ist, darf gerne
bezweifelt werden.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/3034876/#3037905
parallalie antwortete am 2006/12/07 21:19:
@montgelasendlich konnte ich den artikel lesen!
@allgemein
ich werde das gefühl nicht los, als sei man der auffassung, aller wert der literatur hinge von der kritik ab, die in den zeitungen steht. so jedenfalls die befürchtung, es werde niemand mehr darüber reden, wenn die übersetzung dann irgendwann einmal fertig sein wird. um die zeitungskritiken wird sich morgen eh' keiner mehr scheren. wobei ich dem Dath-artikel durchaus dankbar bin, weil er mir das buch näher gebracht hat. aber wäre HIER nicht die rede von Pynchons neuem roman gewesen, ich hätte nicht einmal gewußt, daß es einen neuen roman von Pynchon gibt. (vielleicht hätte ich ihn dann bei Feltrinelli in Rom entdeckt, wie einst den Mason & Dixon). bleibendes lebt auch ohne literaturkritik. und manchmal haben auch übersetzungen ihre besprechungen. Wollschläger und der "Ulysses" z.B. ausnahmen. natürlich. aber es geht um ausnahmen in der welt der literatur.
und: fragt sich denn keiner, was die chinesen machen auf dem gebiete der literatur? scheinbar nicht. chinesisch läßt sich nicht mal querlesen.
und zu
@rostschleifer
ob wenig und einfach zu schreiben
ein hinreichender hinweis auf
genialität ist, darf gerne
bezweifelt werden...
so? vielleicht? "bezweifeln" heißt "nein" in seinem grunde... warum nicht: hinterfragen? und so ein begriff wie "nischenprogramm" klingt sehr nach marketing. ich glaube nicht, daß hier werte gemeint sind, die sich irgendwo an irgendwelchen ecken dealen lassen.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/3034876/#3038559
rostschleifer antwortete am 2006/12/07 23:53:
@parallalie
hinterfragen liegt mir nicht.soll das ein ergebnisoffenes
bezweifeln sein? wieso sollte
ich etwas hinterfragen, wenn
ich keine zweifel hätte?
und ich habe zweifel, ob es
das wort hinterfragen
überhaupt gibt! vielleicht
haben das die 68er erfunden?
ach so: nischenprogramm
ist genau so gemeint. oder
genügt literatur prinzipiell
sich selbst, benötigt also
keinerlei reichweite? das
funktioniert ja nicht.
allerdings verkauft sich
pynchon gerade wie
verrückt.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/3034876/#3039224
china-blue antwortete am 2006/12/07 23:58:
@a.&ANH
sehr anregend ihre diskussion...ich würde mich jetzt auch nicht als amerika-liebend hier offenbaren(oder outen)aber vergessen wir nicht ,dass auch viele amerikaner in der regel neben dem amerikanisch sein ihre wurzeln in europa haben und sprachlich gesehen auch englisch zu europa gehört?ich weiss auch nicht ,ob wir jetzt einen neuen komplex aufbauen sollten und uns unbedingt europäisch fühlen müssen...wir sind es trotz kevin und mandy...gerade merkwürdigerweise die,die ihre kinder so nennen sind in der regel so deutsch ,dass man nicht mal von europäisch sprechen kann...das hat den hauch von amerikanisch sein wollen(ich denke eher eine gewisse ungelebte weltoffenheit vortäuschen wollend)als es zu sein...vielleicht hat gerade der bäcker im prenzlauerberg das gefühl wenn er "open"benutzt , von internationalität,weil er niemals die backstube verlassen kann ,um zu reisen....
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/3034876/#3039245
albannikolaiherbst antwortete am 2006/12/08 07:31:
@ china-blue.
Das ist ein gutes Argument mit dem Bäcker. Nur zusammengenommen mit den auf US-Amerkanisch abgehaltenen Germanistenkongressen - in Deutschland, wohlgemerkt - verschiebt sich das Bild aufgrund von lauter Patchwork-Teilen in eine ganz andere Richtung. Und zusammengelegt mit der Vormachtstellung des musikalischen Pops. Der Siegeszug der Musicals geht in eine ganz ähnliche Richtung, und es ist fast rührend mitanzuschauen, wie manche Opernhäuser versuchen, dem die alte Operette wenn nicht entgegen-, so doch an die Seite zu stellen, anstelle auf dem zu beharren und es weiterzuentwickeln, was kein anderer Kontinent in dieser polyphormen Weise hervorgebracht hat: die große europäische Kunstmusik. Auch auf sie, bis hin zu Steve Reich, haben die (weißen) USA mit ihrem tatsächlichen Eigenen reagiert: Simplifizierung. (Als Charles Ives, zu Lebzeiten niemals anerkannt, noch komponierte, waren die USA noch n i c h t der Statthalter simplifizierter militärischer Welt'gerechtigkeit'). Im übrigen erstaunt es mich immer wieder, daß sich zwar die USA ganz ausdrücklich auf dem Völkermord gegründet haben, daß ihnen das aber so richtig niemand übelnimmt. Ein Schuldbewußtsein über dieses Völkerverbrechen haben sie, völlig anders als etwa die Deutschen, überhaupt nie entwickelt. Und wo es doch entwickelt ist, werden die Bücher in Europa verkauft - wie im übrigen Pynchon, mit dem diese Diskussion hier ihren Anfang nahm, viel eher ein europäischer Autor ist als ein US-amerikanischer; dasselbe gilt für Gaddis und unter den Jüngeren für Paul Auster, der recht eigentlich hier in Deutschland gemacht wurde und der ohne Frankreich kaum denkbar ist. In den USA selbst spielen diese Autoren eine fast untergeordnete Rolle, sofern sie überhaupt bekannt sind.Was die europäischen Wurzeln vieler US-Amerikaner anbelangt, gebe ich zu bedenken, was bei Auswanderung oft geschieht: Verleugnung von Herkunft (übrigens stärker, entschieden stärker, bei Männern als bei Frauen: diese geben in aller Regel die alte Sprache weiter, Männer in aller Regel nicht). Herkunft ist aber ein Schlüssel zum Verständnis von Menschen; wir sind nicht frei, auch wenn wir gerne so tun möchten.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/3034876/#3039602
parallalie antwortete am 2006/12/08 18:47:
@rostschleiferskepsis : immer : klar
reichweite : illusionär
auch weil : reichweite
ein funktionieren
weder garantiert
noch (meistens) verspricht
kunst, literatur
lassen sich nicht mit
BWL-denken
hinters licht führen
was ich nicht unter-
stelle : nein nein nein
kommt aber immer sehr
unterschwellig in
worten wie nischen-
programm ans li-licht
marktnische : denk' ich
daher kommt's... große
geister aber sind seit
eh und je figuren
am rande des durch-
schnittlichen - zweifels
und was heut' geschieht
entzieht sich immer
der aktuellen
wertung - was bleibt, das
entscheiden nicht wir
und auch nicht zahlen
über den verkauf
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/3034876/#3042258
Ede Kowalski antwortete am 2006/12/09 20:54:
Die Kritik an Steve Reich kann ich nicht nachvollziehen.Sicher wird nicht jeder hier den Herbst´schen Musikgeschmack teilen,
ebensowenig wie man die Musik Steve Reichs lieben muß,
jedoch Steve Reich mit "simplifizierter militärischer Welt'gerechtigkeit'"
in einen Topf zu rühren ist schon ein starkes Stück und läßt mich an Ihrem
Wissen um Musik zweifeln.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/3034876/#3045797
albannikolaiherbst antwortete am 2006/12/10 00:02:
@ Ede Kowalski.
Wenn Sie zweifeln möchten, so m a g ich weder noch k ö n n t e ich es Ihnen verwehren. Also nur zu. Daß allerdings Steve Reichs Musik simplifiziert, steht außer Frage; das schreibt er selbst, das war und ist eine seiner Intentionen. Wobei ich nicht gesagt habe, er sei militant; eher das Gegenteil wird der Fall sein. Er hat, dies mein hörender Eindruck, eine Sehnsucht nach Harmonie. Nur spielt Simplifizierung immer dem Militärischen z u.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/3034876/#3046298
brsma antwortete am 2006/12/12 17:40:
Steve Reich…
… ist aber nicht unbedingt alleinstellvertretend. Daneben gibt es im Bereich der Kunstmusik immerhin noch – aus dem Stegreif – Nancarrow, Varese (eingewandert, aber dennoch), Weill (dito), Partch, Zorn, Braxton (ok, der ist Afroamerikaner, aber ich finde nicht dass das zählt) undsoweiter. Vom Jazz fange ich gar nicht erst an. Und im Pop sei nur z. B. auf Zappa verwiesen (da finden sich aber ebenfalls noch _einige_ mehr). Die Behauptung, dass das 'Eigene' die Simplifizierung wäre lässt sich angesichts dessen wohl kaum aufrecht erhalten. Wie es mir allgemein als erheblich zu simplifizierend erscheint, von 'den' USA zu sprechen, dafür ist das Land _erheblich_ zu heterogen.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/3034876/#3057234
Ede Kowalski antwortete am 2006/12/12 18:16:
Nicht zu vergessen: John Adams, Arvo Pärt, Terry Riley, Philip Glass, Simeon Ten Holt...@brsma: Ich kann Ihnen nur beipflichten. Wer sich längere Zeit in den USA aufgehalten hat (und n i c h t n u r in New York!!), wird feststellen, wie vielfältig dieses riesige Land sein kann - und wie verschieden. Das mindert nicht das häufige Versagen der US-Politik.
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/3034876/#3057373





















